star trek: discovery

mit spoilern

discovery war visuell kinoqualität, mit großen, detaillierten schlachtenbildern, so perfekt ausgearbeitet, dass die feuerwolken und der lärm im weltraum nicht mehr dazu passen (bei den alten serien immer als augenzwinkern, als hinweis auf die fiktionalität. es ist eine show). wie die schlachtenmalerei der vergangenheit die menschen zeigt, die schlacht im kino meistens die zerstörung von sachen, das spiegelt ja auch die heutige vorstellung vom krieg, mit dem ungleichgewicht zwischen mensch und maschine, opfer und täter, als täter maschine, nur als opfer noch mensch. die hochauflösende zerstörung hat was ästhetisch kathartisches, wirkt aber auch ein bisschen wie der abgesang der technik auf sich selber, als elegie in slowmotion, als bräuchte man da keinen menschlichen (jetzt mal stellvertretend für alle lebensformen) schmerz mehr, weil die technik noch ihren untergang alleine feiern kann. das zeigen von zahllosen details sofort als schwelgerei erlebt, als pathos, weil im rl nur das ergebnis der zerstörung sichtbar ist, die trümmer, nicht der weg dahin. hmm? egal.

die klingonen haben mich überrascht, sie sehen aus wie eine mischform zwischen jem’hadar und den alten ägyptern. krieg und prunk und starke, endividualisierende ideale. schade, ich mochte die in ds9 aufkeimende selbstironie der klingonischen persönlichkeiten, und den leisen spott in der beziehung zwischen dax und worf. in den ersten beiden folgen wird das alles auf tonnenweise gold und pathos reduziert, überhaupt finde ich die ganze kriegs- und gewaltgeilheit, in bild und story, nicht interessant genug für mein trekkie-universum. andrerseits wird die haupteigenschaften der klingonen, stolz und krieg, hier mit einer bisschen orgiastischen lust gezeigt. kamera nah auf augen, körper, tracht, das zeigt die unmittelbarkeit der gefahr, und behauptet sie nicht bloss. ist natürlich auch mode, der perspektivenwechsel zwischen nahaufnahme und totale, entweder das böse ego oder der totale krieg, dazwischen interessiert wenig. als hätte der regisseur die klingonen reduziert auf das selbstbild, das sie als figur haben, und die moderation durch den blick von außen darauf weggelassen, und damit auch den bezug auf reelle kriege und grausamkeit vom analytischen, einordnenden blick befreit. bin gespannt, ob sie noch ein bisschen lehre im neuen startrek unterbringen, einen pädagogischen aspekt. die letzte serie hatte das allerdings auch nicht so besonders.

in den alten serien gab es immer rassen, die einzelne menschliche eigenschaften verkörpert haben. der ferengi als grobkapitalist, die betazoiden, immer weiblich, als mütterliche versteher, die cardassianer als böse kolonisatoren, und ein teil der handlung spielte immer damit, die negativen züge im handlungsverlauf zu temperieren und zu hinterfragen, durch kompromisse, humor, liebe, zufall, dialog, was auch immer. das ist altmodisch, oder? ich fand das wirklich utopisch, und tröstlich.

das aussehen der klingonen ist ein lustiger running gag, in der ersten serie hatten sie nur gefährliche augenbrauen, in den späteren vor allem prachtvolles haar und das rückgrat im gesicht. die autoren hatten jeweils spass mit der erklärung der veränderungen, mal gucken, was ihnen jetzt einfällt.

krieg und dunkelheit gefallen mir nicht, als müssten lauter teenager breitgeschlagen werden, sehr viel spiele-teaser. bis jetzt ist vom utopischen und humanistischen ethos der serie nix zu sehen. ich bin halt auch nicht mehr teil der zielgruppe, das war deutlich. ich will nicht aufgeregt werden durch eine star-trek-episode, sondern verlasse mich auf das gute ende, brauche es auch. mag darum auch keine serienlangen handlungsbögen. aber hey, das waren erst zwei von 15 folgen.

(hach, ich war wirklich aufgeregt vorher)

es gibt, vollkommen angemessen, eine after trek-show, bei der im anschluss fans und zuschauer diskutieren, mit schauspielern und autoren. der gastgeber war unangenehm, lautes, schrilles lachen, blöde witze, unentschlossen zwischen ironie und albernheit kippelnd, frei von der zwar selbstironischen, aber immer respektvollen souveranität, die ich an sendungen mit trekkstars sehr mag.

dramaturgisch schön komplex, trotz dem ganzen kriegsgeschrei. es war ein prolog, in dem eine kapitänin starb, die andere hauptfigur lebenslang hinter gitter kommt. es interessiert mich, wie sie das auflösen, auch wenn mich der krieg leider null tangiert, krieg ist für mich nur niederlage, des plots, der figurenzeichnung, der lust auf gewaltfreie (doof, das man das überhaupt erwähnen muss) konflikte. null.

das gucken war mit hohem aufwand verbunden, netflix wollte nicht, hab ich die appletvs gewechselt, musste dauernd neue kennworte eingeben, habe die nettigkeit der kinder strapaziert, das mit zu gucken. ah, einmal hat jemand über den hohen energieaufwand beim beamen gesprochen, das fänd ich dem prequel-dingens angemessen, die mißgeschicke und probleme des technischen fortschritts unterzubringen.

also beeindruckt, aber nicht begeistert, bisschen das gefühl, als sei der fortschritt beim cgi ein auslöser für die neue serie gewesen, nicht das bedürfnis, die geschichte weiterzuerzählen.

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