eine halbe stunde lang die totale ruhe, mit dem leisen brummkrächzen aus dem nachbarraum, in dem der fernseher läuft, animationshektik, mehr geahnt als gehört, nur weil das überhaupt eine relevanz haben muss, dringt das zu mir durch, weil es meine kinder sind, die das nicht dürfen. ich kann mir nicht vorstellen, dass die jungs bei der lautstärke etwas verstehen können, und sobald ich aufstehe und an der offenen tür vorbeilaufe, werde ich sie sowieso sehen müssen, wie sie da nebeneinander auf dem alten sofa kauern, ins rezeptive glück gekuschelt, jedes auf seinem platz, ganz still. es ist nur wichtig, jetzt nicht gesehen zu werden, jede planung, jedes verstecken macht aus dem geklauten moment eine tat, die wieder ins ursache/wirkung -gefüge zurückmuss. so sitzen die jungs vorm fernseher und sind frei, ich bleibe nebenan am rechner und bin kinderlos.

„filmst du schon? ach so, nein, also dann bin ich wohl mal lieber still, oder? was? oh toll, gregoooor! schau mal, wie er da runterkugelt….was? achso, entschuldigung!“ (kichert), „aber du wolltest doch eigentlich den hund, zeig mal, ist der nicht ganz klein auf dem bild? nein? oh, entschuldigung. kannst du das phone nicht andersrum, dann sieht man mehr von den seiten, oh pssst, ja, ich weiß“ (kichert) „daviiiiid, toll machst du das…. ja, aber ich kann doch nicht nur gregor, dann ist david doch traurig! nei, das ist nicht zu laut hier, das stört doch keinen – ach so, die kamera, na, das sieht man ja auch nicht, dass da eine kamera… elias, schau mal, mama filmt!“

mit muttern und drei jungs in der tollen sandgrube im grunewald, versuch, filmchen ohne off-kommentar zu machen, ist gescheitert. zwischen huldigung und verzweiflung eingekeilt, ganz fest.

diesmal urlaub in einer art kokon verbracht, der von außen vor allem aus hitze bestand. 35 grad jeden tag, mal 37, mal 32, das war dann schon thema. in der toskana liegen italienische männer und frauen den halben tag bei solchen temperaturen bewegungslos in der sonne, am strand. sie tragen sonnenbrillen und modische badeklamotten, und sie sind brauner, als man es für möglich halten würde. ihre haut ist dicker und fest geworden, sie reden auch nicht viel, nur wenn es zum mittagessen unter das holzdach vom restaurant geht, da holen sie dann ihre alteregos ans licht, die in einem kleinen hitzegeschützten teil ihres körpers aufbewahrt werden, und sind ein anderer mensch. ich musste immer nach 15minuten sonne ins meer rennen, rennen wegen der sandtemperatur, nicht weil mein temperament es mir mit ü40 immer noch gestattet, mit gejohle in die brandung zu hopsen (tut es, aber ich muss dabei immer achegal denken, sonst geht das nicht mehr)

da stehen dann immer größere gruppen im niedrigen wasser und reden, stundenlang, über das liebesleben der anderen, die abendgestaltung, den september. das ist ein sehr angenehmer ort. wenn man cooler und jünger ist, kann man sich hinsetzen und mit den fingern im sand nach kleinen muscheln fischen, beim plaudern. beste maniküre ever, die finger werden glatt und weich.

der umgang mit anderen lebensstilen, der reichtum des möglichen. das große haus, in dem man zu gast ist, mit zucchini, feigen und oliven im garten, dem eigenen weinberg, das wandeln über terrassen, dicke autos in einer gemeinschaft mit anderen dicken autos, bei aller inneren abgeklärtheit ist so ein reichtum immer etwas fühlbares, wie eine wetterlage oder eine stoffqualität, eine angenehm kühlende distanz zu enge und dem gewohnten und durch gewohnheit gebändigten mahlstrom des rechnens, ob man nochmal essen gehen kann mit den jungs, oder lieber nicht. man will immer darauf antworten, aber es hat ja keiner was gesagt, nur die dinge und gewohnheiten des gastgebers sprechen zu einem, leise, aber doch beständig. mama, ich will auch so ein haus! sagen die jungs, warum sind wir nicht so reich? dann sagt mir die berliner putzfrau, sie hätte auf 65 m2 mit vier kindern gelebt, und ich kann die entfernung als etwas tröstliches sehen, weil ich mit allen anderen bin.

nach mehreren tagen kontinuierlichen ausgehens und/oder besuch bekommens begegne ich dem tag mit einer mächtigen, ins existentielle greifenden müdigkeit. man wird zwar wacher, wenn man die sonnenbrille im haus abnimmt, aber dann ist das licht zu licht. und wenn der hund bellt, geht mein kopf kaputt, ich höre das feine klirren von irgendwelchen glasteilen, die man wohl im hirn hat überraschenderweise. gestern bin ich, mitten im zweiten hangover, zum friseur gegangen. er hat mir den scheitel auf die andere seite gesetzt, jetzt denke ich immer, ich bin die im spiegel, und übrigens, omg, haben friseure schweigepflicht? ab heute bin ich mit dem alkohol endgültig surch, für immer. durch.

(es lag zumindest gestern auch an dem sehr sweeten barkeeper der nagelneuen endlich bar, gegenüber der gethsemanekirche. der goss uns immer nach, feinen wein in wassergläser, ein vorzüglicher gastgeber.)

die jungs nach einer woche ferien mit der kirche wieder heil angekommen, strahlende gesichter, auch der große, der die fahrt eine halbe stunde vor abfahrt total doof fand. wir kriegen einen feriensegen in der segenskirche, alle eltern mit den heimkehrern, ich hab ein unwiderstehliches bedürfnis, den zwillingen die haare aus dem gesicht zu streichen, das geht aber allen eltern so, wie ich beruhigt feststelle, sogar elias lässt sich kuscheln so nebenbei. beim abschlusslied setzt gregor für die hallelujas seine schmetterstimme ein, laut und sicher, die leute drehen sich um nach ihm und lachen ihn an, er merkt zum ersten mal, dass seine stimme hörbarer ist als die der andren. dann ist das lied zu ende, allgemeine aufstehgeräusche, regenjacken werden gesucht. wir gehen vor. gregor bleibt noch sitzen.

nach ein paar metern höre ich plötzlich seine stimme: einigkeit und recht und freiheit, die komplette erste strophe. (wm. da war er jung und prägbar)

sofi

die sofi damals, im alten benz mit einem kind und mann und freunden spontan nach münchen gefahren, um sie ganz sehen zu können, sich albern vorkommen bis zu dem moment, wo es losgeht und man ehrfürchtig ganz still wird, das irre leuchten, die verbindung zum universum, das winzigsein, während der große schatten über einen hinwegläuft – das war großartig, und ich beneide den freund sehr, der das grade erlebt hat drüben in china.

(foto aus einer mail von einem weltenbummler, er weilt grade in dazu, und beim schnellen rückfragen, ob das bloggen okay sei, da gibts schon so ein rauschen im kopf ob der distanz, die da in sekunden vernichtet wird. wie schön das internet ist, und die welt, natürlich.)

sonntag morgen, vollkommene ruhe, sogar der hund schläft noch. das wird jetzt drei wochen so ruhig sein morgens, und abends auch, die jungs sind in den sommerferien, ein großes ausatmen mit kleiner unruhe, was soll ich denn machen mit so viel zeit. (der anfang jedenfalls war schön, merci.)

habe zu meiner freude ein absolutes luxusproblem: eine (nicht neue) riesige prada-handtasche geschenkt bekommen, mit zu großem logo auf der seite. sie ist wunderschön natürlich, aber ich kann so unmöglich rumlaufen. logo nach innen oder verkaufen und erlös in kinderschuhe investieren? das entspannende an der dekadenz.

och nö. mein guter alter ipod g3 mag nicht mehr. er hat eis, schnee, regen und hitze, liebe und leid überstanden, er war in 3 autos immer dabei (über kassettenadapter), er war immer voll bis auf den letzten kleinen kb, er hat manchmal tagelang denselben song gespielt, er hat jedes pathos überstanden, zuletzt dieses, er ist ein profi, er hat kindergedichte aufgenommen, er hat meinen kalender und alle adressen mit in die ferien genommen für die postkarten und die pläne und die freunde und für die anlage, er war mal in new york, er war am mittelmeer, an ostsee und nordsee, aber dort nie an, er ist nur einmal runtergefallen, das hab ich auch aufgeschrieben, faccendo le corna, er war mit im fitnessstudio, als ich mal ein paar jahre dahin gegangen bin, ich hab mit ihm angegeben, als er neu war und dann wieder, als er sehr alt wurde, und jetzt macht er dauernd festplattenanalysen, dann zeigt er das alles okay ist, dann stürzt itunes ab, dann macht er wieder festplattenanalysen, ich glaube, die verabschieden sich grad voneinander, der rechner und der player, und ich steh vorm glas und höre zu, immer einer „ICH GEH JETZT“, dann neustart, dann der andere „NEE, TU ES NICHT“ dann der andere „ICH GEH JETZT ABER DOCH“, neustart, dann der rechner „MANN, LASS ES MICH VERSUCHEN“, dann der player „PENG STÜRZT DU AB“, dann itunes „NOCH EINMAL, ICH LADE DICH JETZT“ dann der player „NEE, TUST DU NICHT, NIMM DAS“ dann itunes: „ES IST EIN HARMLOSER EINGRIFF, WIR SIND VERPFLICHTET, ALLES MÖGLICHE ZU VERSUCHEN, ABER SIE MÜSSEN ES WOLLEN“, mein ipod: „SEEYA, PENG“. er grummelt dabei bestimmt etwas über den umgang mit veteranen vor sich hin, und darüber, das so ein programm lieber nur das machen sollte, wofür es erfunden wurde, statt mit allen medien rumzumachen.

ich würde da ewig zuhören, aber ich muss jetzt david zum klavier. any resuscitation calls? oder muss ich ihn gehen lassen?