option 1

in letzter zeit ein paar mal anderen und über diesen umweg auch mir meinen merkwürdigen status versucht zu erklären: in einer affäre, aber trotzdem noch operativer single. mir selber scheinen ganz pragmatisch die lebensumstände von größerer relevanz als die gefühlslage, die genauer zu ergründen kaum lohnt bei dieser abmachung, ja aber ist es denn eine abmachung, das bis-hier-und-nicht-weiter, oder doch einfach die erkenntnis, dass diese art liebe nicht reicht für diese art leben, eine ins faktische versteckte einsicht? oder wächst liebe erst gar nicht, wenn die überzeugung so fest ist, es gäbe keinen platz für sie?– es glatt auslaufen lassen, keine widerhaken ausfahren, den herzenshunger auf die beziehung unberührt lassen, der ist nicht gemeint hier, und trotzdem schmeckt es großartig. aber die gefühle! sagen die freunde, ich könnte das nicht, wie soll das gehen, du wirst dich verlieben! nein, sage ich, oder ja, warum auch nicht, es gibt seit dem aufkommen der liebesheirat so eine romantische vergötterung der liebe als einer himmelsmacht, vor der man sich immer gleich platt auf den boden werfen muss, dabei hat sie doch ohne die elemente dauer, alltag und gegenseitigkeit kaum verankerungen im realen. sie geht wieder weg.
das herz schwankt kurz und man schließt die augen, weil das gesicht des anderen plötzlich präsent scheint, mit der wärme und der nähe und mit diesem blick, ja, es wird blaue flecken geben, vielleicht auch größere. ich habe sowieso klarere erinnerungen an den umgang mit liebeskummer als an den mit der liebe, sie sind abrufbarer und haben einen rezeptregister eingebaut, whisky, schokolade, freundinnen, neue männer.und dann sagt der teil von mir, den ich als schöner und stärker imaginiere: ja, aber es hat funktioniert! die maschine ist aus, die immer die projektionen macht, der mann ist bald weg und du glaubst ihm, dass er das will. es könnte klappen. über die keimende melancholie total erleichtert sein, sonst wäre diese effizienz doch erschreckend. (neulich eine alleinerziehende mutter auf dem schulweg, als ich ihre organisation bewundere: „ja aber will ich das später sagen von meinem leben: es war gut organisiert?“)
verdacht: mit traumwandlerischer sicherheit von eigenen bedürfnissen absehen, weil sie einem so unrealisierbar scheinen, aufgegeben haben, erleichtert sein darüber, dass das kämpfen nicht lohnt. ich kenne diesen blinkenden funken auf der rückseite der logistik genau: die angst, das es doch nur darum gehen könnte, nicht genug geliebt zu werden. die unruhe, ob man selber noch so richtig lieben kann, ob man nicht doch wie früher sich werfen sollte in die unvernunft, ohne seil und notfalls ohne den anderen. ob man liebe noch übersetzen kann in den alltag. mit dem blinken prima leben können, es für menschlich und nicht für neurotisch halten. überhaupt eigentlich ein prima leben haben.
aber.

 

Kommentare:

kittykoma – 12. April, 23:22
mit der liebe und der nähe der kinder liebt es sich unabhängiger. das macht stark, aber es ist irgendwann vorbei, wenn die kinder aus dem haus sind. die gefahr besteht, dann plötzlich ganz verletzbar zu sein.

Casino – 13. April, 09:16
das stimmt! noch nie so drüber gedacht, dank. dann hab ich noch 10 jahre spielwiese, das wäre doch schön. und so als coole fuffzigerin ist dann hoffentlich die hornhaut perfektioniert und der bedarf sublimiert, es gibt dann bestimmt auch weniger gelegenheiten für diese art von verletzungen – man könnte dann kurze fast weiße haare tragen, wieder rauchen, yoga machen und ein flacheres auto fahren als jetzt.

slowtiger (Gast) – 13. April, 21:34
In 10 Jahren kannst du dann diesen coolen Filmemacher besuchen, der dir immer Spaghetti kochen will.

Casino – 14. April, 08:13
Gut, er hat ein Date.

jorge (Gast) – 14. April, 17:43

alles kommt zu der, die warten kann

@casino: ich kann dir versichern, dass coole fünfzigjährige zwar tatsächlich oft graue kurzhaarfrisuren tragen und u.U. etwas flachere autos bewegen und über etwas mehr freiraum, als mit 30, verfügen – die idee, dass dann hornhaut auf der seele und die sublimierung von bedürfnissen angesagt sind, kann ich aus eigener lebenserfahrung absolut nicht bestätigen … wait and see 😉

es wird allerdings auch nicht leichter, die liebe und die tatsache, dass man sich doch immer wieder platt auf den boden wirft.
no fear – vernunft ist wichtig, aber es ist auch noch niemand an einem aufschluchzen gestorben.
jede liebe zählt.

Casino – 15. April, 06:47
oh mann. ich hatte echt gehofft, dass es irgendwann mal aufhört. in meinem alter sollten leute angekommen sein und nicht mehr so auf der suche. (sorry. aber danke für dein kompliment)

kid37 – 15. April, 10:04
(Manchmal denke ich, der Glaube ans „Ankommen“ ist wie „Hoffnung“ nur eine weitere Plage aus Pandoras Büchse.)

jorge (Gast) – 15. April, 17:49
@kid: genau das glaube ich inzwischen auch

jorge (Gast) – 14. April, 23:12
ach ja, auch beim fünften durchlesen wieder erkannt, wie ehrlich du bist in der selbstanalyse und im niederschreiben der gefühle und fakten, so präzise.
du schreibst so gut und so berührend, darf ich doch sagen, oder?

 

 

Blogs und so

Absolut privat!?: Vom Tagebuch zum Weblog

Ausstellungseröffnung morgen in Berlin, im Museum für Kommunikation in der Leipziger. Was, schon morgen? Ja doch, und ich freue mich auch auf Kid und Gaga, die gehen nämlich auch hin. In diesen Zeiten, in denen alles immerzu verschwinden tut, haben die Kuratoren ein paar Texte aus dem Internet ausgedruckt, so dass man sie anfassen könnte wie ein Tagebuch.

Hier im Hotel Mama hätte ein auch räumlich existentes Tagebuch keine Chance, ich würde es verlieren unter all den Dingen, die genauso wichtig sind. Ich bin dem Internet dankbar, dass es nur als Benutzeroberfläche daherkommt, und dabei so klein und unverlierbar bleibt, das ist doch fast das zweittollste neben seiner Unendlichkeit. Wir werden natürlich hingehen, ich hoffe, die haben mein Teppichstück auch mit.

Es geht den Kuratorinnen bei ihrem Projekt um „die spezifische Form selbstbezogener Kommunikation als einer alltäglichen Kulturpraxis“ – wobei mich die Einflüsse der Öffentlichkeit auf die Form viel mehr interessieren würden, so als Bloggerin, Fragen der Verfremdung oder Anpassung, die Schneisen für Stil, grad bei den Weblogs mit privaten Inhalten. Ich weiß es nämlich selber nicht, warum diese Inhalte sich so wenig grenzverletzend anfühlen, glaube schon an die subliminale (Fischwort) Anwesenheit gewisser kompensatorischer Bedürfnisse, es gibt sonst keinen Grund für die Öffentlichkeit, und lande dabei immer wieder beim großartigen Herrn Sennett, denke aber auch, dass die Grenze zum Privaten sich seit den Sechzigern zum Glück sowieso verschoben hat, auch ohne pathogene Entwicklungen. Diese persönlichen Inhalte gehen ja auch nicht verloren im Öffentlichen Raum, sondern werden dort beantwortet, gespiegelt und benutzt, meinetwegen erst in der Privatsphäre des Lesers, also im Projektionsraum des Blogschreibenden. Aber es ist keine Entblössung, und ich begreife das als Fortschritt, dass man über manche Gefühle, Liebesunfälle oder nebensächliche Empfindungen schreiben kann, weil jeder sie kennt von sich selber, weil sie immer dann, wenn man nicht grade arbeitet oder schläft, so einen großen Raum im Kopf ausfüllen, weil sie der unverkäufliche und unökonomisierbare Teil der Person sind, den es zu verteidigen gilt. Ja, Empfindungen! Das klingt irgendwie noch seltsamer als Befindlichkeiten, und ich schreibe die auch lieber auf, als sie zu erzählen, weil sie ja tatsächlich nicht wichtig sind, sie sind ziellos mit vielleicht einem Erkenntnisgewinn, wenn man mal einen richtig guten Tag hat, und es gibt ja auch soviel Platz hier im Netz. Da ist eine angenehme Interesselosigkeit bei der Bloggerei, was soll denn auch passieren? Es soll bitte gar nichts passieren, es ist alles schon passiert, es soll nur jemand lesen.

Im alten Sinn privat ist vielleicht nur noch das klare Ja oder Nein von Körper, Geist und Herz, die Namen, die unreflektierten Gefühle, durch die Formulierung und das Versprachlichen werden die sozialisiert und irgendwie auch entkernt, und das kleine Ich bleibt ungenannt und unbeschrieben hinterm warmen Ofen, aber hey, vielleicht sind wir tatsächlich Narzissten auf dem Rückzug ins Glück (so ähnlich bei Sennett), und es sollte mir Sorgen machen, dass wir keinem was tun dabei.

Kann aber auch wirklich sein, dass ich da noch ein bisschen drüber nachdenken sollte, ich muss nämlich eigentlich, well, zu spät, schon eins.

(die ausstellung war september 2008)

with love

gestern trotz letzter sommerwärme ins kino gegangen, to rome with love angesehen – der saal war fast ausverkauft, den dritten abend hintereinander. die leute haben es geliebt, es wurde die ganze zeit gelacht und gegluckst, überall lächelnde gesichter beim rausgehen. ich habe fünf! freunde und bekannte getroffen. woody allen, der alte ganove. film ist ein bisschen weise und ziemlich aberwitzig blödsinnig, auf eine souveräne is-jetzt-auch-egal-weise. schöner film. ich liebe natürlich rom, da ist mein vater aufgewachsen, da lebt meine schwester, es ist ein sehnsuchtsort der art, wo man niemals hinziehen wird.