konfirmation

dieses jahr im frühsommer wird der große konfirmiert, ich plane bereits kräftig. von den kindern, mit denen er im evangelischen kindergarten war, sind nur noch wenige dabei, aber in seiner klasse steht die quote jugendweihe/konfi/gar nix fifty/fifty/“weiss nicht, ein paar sind katholisch“, was so im umfeld ein normaler schnitt zu sein scheint. die motivation bei den kindern ist eine eindeutig ökonomische, weil heutzutage der rite du passage sehr häufig mit geld begleitet wird, es werden also geldscheine in schönen umschlägen verschenkt. immerhin ist der eigentliche anlass der feier noch nachfragbar, die jungs glauben und reden sehr entspannt darüber. in den letzten jahren halte ich mich da eher raus, ich werde immer agnostischer, liebe aber nach wievor die rituale, die alten lieder und das gesegnetwerden (die neuen lieder klingen alle so, als wären sie von kompositorischen analphabeten für menschen im stimmbruch geschrieben worden). meine eigene strategie, eine entflechtung von geld- und glaubensaspekten, ist ein bisschen auf der strecke geblieben, jetzt lenke ich den schwerpunkt auf die familienfeier, wir hoffen dass alle kommen, und wir mal wieder ein oder zwei tage lang reden, gackern und tratschen können. wir, das ist die frauenrunde meiner familie, die schwestern meiner mutter, meine schwester, ihre töchter, die töchter meiner tante, deren töchter, männer kannste an einer hand abzählen in der runde, es sind vier bei 26 frauen, und da ist mein exmann schon mitgezählt, plus 3 kleine mädchen unter 8.

das fest zu meiner eigenen konfirmation war ein bisschen überschattet von nervosität, weil sich die eltern meines vaters da zum ersten mal seit über 30 jahren sehen würden, ich weiß noch, die beiden alten sassen an den gegenüberliegenden kopfseiten eines sehr langen tisches im beucc, dass es immer noch gibt. es war düster und ein bisschen staubig, ich war beeindruckt, weil die räume etwas zeitlos herrschaftlich-angeberisches hatten, mit dem ich wenig anfangen konnte, aber es ging ja nicht um mich, sondern um den gesamteindruck. die geschenkten goldkettchen habe ich allesamt in kürzester zeit wieder verloren, habe aber den unterricht, den pfarrer und die kleine lutheranische kirche in mailand in bester erinnerung behalten, so eine etikett-erinnerung ohne irgendwas reales dahinter, worum es ging, was ich damit verband, worüber wir gesprochen haben im konfiunterricht: aber der pfarrer hat einen aufsatz von mir in seiner predigt verwendet, das hat mich stolz gemacht, und ich trug einen scheusslichen rock in scheusslicher länge und fühlte mich vollkommen verborgen unter den klamotten, da haben jungs mit ihren anzügen es leichter. wir werden mit dem großen im zander essen gehen, ich habe da erst einmal gegessen, durch zufall (restaurant auf der kollwitzstrasse, spaziergangsnähe), und es war fein und so ambitioniert wie entspannt. mal sehen, ich hoffe, es wird munden.

 

6 Gedanken zu „konfirmation“

  1. Ui, das ist aber auch eindrucksvoll. Zu meiner Erstkommunion sind wir in den Adler gegangen, da gab es Sachen in brauner Sosse und es gibt ein Foto meines Vaters, auf dem er tief schläft, eingekuschelt in eine Gardine mit wildem 70er Muster. Bekommen habe ich ein Tramplin (bisschen Geld auch), das war toll. Religion hat nach dem Kirchgang eigentlich keine Rolle mehr gespielt, genau, das Zusammensein. Findet ja viel zu selten statt. Wunderbar, ein Damenkränzchen.

    Firmung habe ich dann aus tiefstem Herzen, mit heiligem Ernst gemacht, da ist man ja in etwa im Konfirmationsalter. Irgendwie schön, wenn man so unschuldig und vorbehaltlos an etwas glauben kann (ging dann ziemlich schnell vorbei). Auf jeden Fall soll es eine Erinnerung werden, auch wenn die Goldkettchen verloren gehen. Das klappt!

  2. Von meinen Freundinnen und Freunden wünschten sich etliche damals Geld zur Konfirmation, mir war Schmuck lieber. Den trag ich heute noch und freue mich daran. Deren Geld ging für Stereoanlagen oder Mofas drauf, die sie irgendwann ausrangierten.

    1. sie haben vollkommen recht. die vorliebe für geld kann ich heutzutage nicht wegdiskutieren, aber relativieren. 14 ist ein idealistisches alter. (ich habe auch nicht alles verloren, ist mir eingefallen, eine feine flussperlenkette trage ich immernoch. geld stand gar nicht zur debatte.)

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