Schreibakt inhibited

Die Kammer ist so unaufgeräumt, sagte der Große neulich.  Kein Wunder, es liegen dort vier Iso-Matten und eine fünfte zur Reserve, 3 1/2 Schlafsäcke, ein oder zwei Zelte, diverse Toaster, Gummistiefel und Winterschuhe, Flossen und Schlittschuhe, Bettwäsche für ein  Familienfest, sämtliche Reisetaschen, all mein Werkzeug samt Maschinen, Zubehör diverser abgelegter Sportarten – mit anderen Worten notwendiges Material für ein Familienleben. Wenn ein paar weniger hier wohnen, kann ich im Prinzip wieder eine Speisekammer darin unterbringen.

Das war nur ein Versuch. Meine Schreibzeit ist immer abends kurz vorm einschlafen, und seit mein iPad hinüber ist, müsste ich dazu noch einmal an den Schreibtisch zurück, woran mich abends die Schwerkraft effektiv hindert. Das hier ist alles ins Handy diktiert, es funktioniert theoretisch wunderbar, es fehlt aber sehr die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Schreiben. Ich müsste hier sozusagen druckreif diktieren, bei Formbriefen kein Problem, aber beim entspannten ins Blaue schreiben, zurückgehen, löschen, umstellen ist das zweigleisige, das mechanische Tippen und das Worte suchen und finden im Hirn schlecht übersetzbar ins reine Sprechen. Außerdem müsste ich dabei auf die Kleinschreibung verzichten, die mir doch am Herzen liegt.

zeige postyogal meinen wert der pessimistischen („mit 60 sind die alle in der dialyse“) ärztin im kreis, obwohl es sie nicht interessiert und ich es gar nicht will- alte konditionierte compliance, als ob ich den bösen blick von aussen vermissen würde, seitdem alle immer so freundlich sind. wie die gut antrainierten muster so vor sich hinlaufen, parallel und unbemerkt, nur unter einsatz des bewusstseins aufzuhalten.

solo il farnetico

auf okcupid hab ich 13 männer zur auswahl, ist das viel oder wenig? einer hat eine mp vorm bauch, einer sieht klug aus, 11 haben die art gesichter, die auf eine aggressive art desinteressiert aussehn, ein bisschen wie männer vor einem kriegsgericht oder in einem baumarkt. der kluge hat zwei bilder, auf denen er sich überhaupt nicht ähnlich sieht. die alle anschreiben, mit ihren nichtprofilen und nichtbildern. (oh boy denken, das kind suchen, nix gefunden)

eigentlich will ich ja auch nur mal wieder ein paar nächte, aber ganz ohne magie, ohne ein bisschen ernst und ewigkeit mag ich es dann doch nicht, ich meine nicht die lineare ewigkeit, sondern die für einen nachmittag. kann mich andrerseits auch selber gar nicht mehr ernst nehmen, nicht aus erfahrung, sondern um erlebnisse zu relativieren. seitdem klappt yoga besser und häufiger, weil ich ja ebensogut yoga machen kann.

kw 9 ende

versuche meinen twitterfeed hier einzubauen, aber es dauert, wie alles, länger, und es wird mich auch nicht klüger machen.

das internet ist fürs mittelmaß nicht geschaffen, die entspannte präsenz geht also nur bei genügend tragfähiger eigenliebe. das mittelmaß verteidigen, in einem roman. der ansporn-dorn in den flanken von sancho panzas gaul, aber so, dass statt unfreiwilliger komik hilflose schönheit entsteht.

gestern haben zwei schöne männer über die liebe gesungen, eine fee hat sich aus- und wieder angezogen, ich habe ommm gesagt, zu mir selber. nachher war es auch noch ein lauer abend. frühling. pah!

wildschweingulasch vom kleinen konsum in glashütte, ein kilo für 12 euro, schon der laden lohnt die anreise. sehr lecker, scharf anbraten, dann auf kleiner flamme oder im ofen für anderthalb stunden simmern lassen, da legt sich der hund direkt vor die küche und träumt. außerdem 500g selbstgemachte leberwurst gekauft, sie hat 5 tage gehalten, der geschmackskoeffizient gramm/tage, wobei 1= sofortweg ist.

wahnsinnig schwer grad, einen zeitpunkt fürs gemeinsame essen zu planen, sie sind alle viel unterwegs.

platte und perspektive

die freude, etwas wiederzuerkennen, dabei die innere plattensammlung abgegrast, alle klassiker wiedergefunden. im c/o berlin werden lp-cover gezeigt, aus schlechten lautsprechern kommen dabei einzelne songs, hilfreich, weil ich mich an die bilder besser erinnern kann als an die ganze musik, um die es hier ja nur sekundär geht. erst an eine reine nerdsache gedacht und mich daran erfreut, dann gemerkt, dass fast alle gezeigten plattenhüllen zur allgemeinbildung gehören, wir kenner gehören keiner besonderen szene an, die zeit war besonders, und sie ist vorbei, vergangen, durch. party is over.

vinyl ist andrerseits wieder sehr lebendig, wenn man sich mal so umschaut, auch hier ist es kurzsichtig, die eigenen grenzen absolut zu setzen, es gibt ja immer eine szene, die vital und gut durchblutet ist, deren musiker die ersten ihrer art sind, ich gehöre da einfach nicht mehr zu. nur folk und jazz hab ich weiter verfolgt, nur die scheinen mir jetzt unsterblich, hmm – sackgassenargumente. schöne, bunte sackgassen.

meine vorliebe für zentralperspektive. es fühlt sich an wie eine schwäche, sie macht den aufbau so einfach, weil sie den blick und das verständnis sehr klar leitet. ein system, dass mir einen klaren platz zuweist, gleichzeitig außerhalb des bildes und als subjekt, an dessen standpunkt sich alles orientiert, besonders die frontale perspektive bietet struktur und kontrolle. immer als ergebnis meiner geschichte gesehen, als ob so eine dominante blickachse die navigation durch meine eher krass divergierenden interessen erleichtern könnte. wie der verzicht darauf die wahrnehmung freier, unkontrollierbarer, offener macht, das bild lebendiger.

william eggleston hat auch mal cover gestaltet, habe bei c/o leider keins davon gefunden. publikum hatte unser alter, einige mit teenagern.

fotografiert hab ich das einzige plattenfoto, das in nichts dazu passte, wie das eine anders -bild in einer sammlung. die emma-lokomotive, und lassie, alles dabei.

nachher im neni gewesen, auf das frau modeste ein paar mal hingewiesen hat. sehr schöner ort, am besten hingehen, wenn es gerade dunkel wird und die stadt die lichter anzündet, eine große menge davon. muss unbedingt mit den kindern hingehen.

unten im c/o eine ausstellung zum thema überwachung und fotografie, mit arbeiten u.a. von weiwei. bei dem thema wieder an das focaultsche panoptikum (nee, es war bentham) als gefängnis-architektur gedacht, auch wieder so ein verdächtiger aspekt der zentralperspektive. der fokuspunkt als hebelpunkt für kontrolle. weiwei setzt dem abhören (als metapher, die eine macht, die alles andere kontrolliert) eine unzahl von kameras entgegen, die den nur aufs verbotene gerichteten blick der staatsmacht ins absurde führen können, weil alles gleichberechtig neben- und ineinander verschachtelt erscheint, wie im wahren leben.

dorthin mitgenommen worden von der besten freundin zu schulzeiten, gleiche klasse in milano, nähe noch immer mühelos. ronsens hat neulich auf fb beschrieben, wie ihm die leute aus den frühen blogs ähnlich nah und vertraut sind wie diese frühesten ernsten freundschaften, er hat recht.

 

teenager

das unausgesprochene in der begleitung der söhne, wie sie größer werden, eigenständiger, „ich bin 18“, wann immer ich etwas gegen seinen willen durchsetzen möchte, wie helm aufsetzen beim rennradfahren im januar, aber es geht ja nicht ums durchsetzen, das war immer nur die letzte zuflucht, eine grenze, auf die auch die kinder sich verlassen können, der große und ich haben sie aufgegeben, weil er volljährig ist. die redundanz dabei. sie entscheiden selber, haben aber diese wunderbare offene stelle, wenn sie mir zuhören, erzählen, um rat fragen, mein einfluss läuft so mit. das nein des großen eine zielmarke für ihn, wegmarke für mich nach all den gemeinsamen jahren. die sorge, bis er wieder hier ist, unbeschadet, mit seinem grinsen. er trägt die schiffermütze seines urgroßvaters, ein dauerping an die rührung für mich, eine art türstopper ins mutterschiff für ihn, hoffe ich. liebe.

lovesick

gute laune bekommen mit lovesick. erinnerungen, ich kenne so männer, mit out-of-bed-haaren auch noch am frühen nachmittag, auf der suche, unterwegs, whatever, mit hinreißendem leicht verknurpseltem lächeln. fröhlich, unbekümmert sexy auf sehr britische weise. bisschen angst, dass die figuren in den nächsten staffeln doch noch erwachsen werden. zu einigen sehr lästigen anteilen lebe ich dummerweise immer noch so.

wild und grau

… sind die zeiten.

am wochenende nach einer unangenehmen, eventuell aber auch rein koffeinbedingten panikrunde in meinen üblichen situation-pragmatismus gerutscht, der fehlenden eingriffsmöglichkeit geschuldet. belese mich über bannon und seinen machthunger und verfolge mögliche gegenstrategien der restregierung, der cia oder der heimatschutzbehörde. der fbi ist ja wohl draussen. ob es überhaupt noch möglich sein wird, kann ich nicht beurteilen, was tun, wenn gerichtsbeschlüsse einfach ignoriert werden? warum überhaupt dieser ganze aufruhr, warum hat er es so eilig mit der dekonstruktion der demokratie? als wären wir in einem marvel-film. es macht nur sinn als testangriff, als probe aufs exempel.

zuviele fragezeichen, liegt auch an eigener politischer unbelesenheit. der atlantic setzt als hauptantrieb gier voraus, und stellt sich eine autokratie vor, ein relativ mildes bild (italien grüßt), lässt aber den rechten rassistischen ideologen bannon völlig außen vor. anders yonatan zunger, er sieht mehr auf die ideologischen aspekte und entwirft etwas viel dunkleres, aus der sicht einiger bereits jetzt angegriffener wie der muslime oder der latinos.

man müsste die bösen jungs wahrscheinlich kapern und hinter gittern setzen, die ganze üble bagage, und darauf hoffen, dass die tea-party noch nicht ganz aufgewacht ist nach der langen existenz als splittergruppe. die republikaner geben bisher ein bestürzendes bild ab.

ich bedauere meinen mangel an staatsphilosophischer und volkswirtschaftlicher bildung, habe auch keine zeit, da jetzt noch aufzuholen. ich hoffe, die zeiten gestatten so eine lücke weiterhin. hab mich wieder beruhigt jedenfalls. der dezember war ein blöder zeitpunkt, mit dem twittern anzufangen, weil da andauernd neue texte hochkommen.

(nur notiert, um die guten links zu sammeln, wer noch was hat, gerne in die comments)

zu feiern gibt es heute (außer der wunderbaren kitty koma) den geburtstag von christian frederick martin, im jahr 1796 in markneukirchen geboren, von dort anfang des 19.jh nach new york emigriert, hat sich dort als gitarrenbauer selbstständig gemacht, in deutschland war das wegen restriktiver zunftbestimmungen schwieriger. heute werden bei martin guitars die besten massengefertigten gitarren der welt gebaut, von martins ur-ur-urenkel. 6 generationen, die jüngste ist eine tochter und darf selber entscheiden, ob sie dem vater folgen will, sie ist ca. 12 jahre alt. geschichten von emigranten.

(ich habe mich in meinem leben schon in drei martins verliebt, zwei davon waren männer, die sind zu anderen lieben weitergezogen, die dritte ist eine lady aus fichte und palisander, und gibt viel mehr zurück, als sie von mir bekommt, mit meinen unsortierten januarhänden. eine hd 28. true love.)

ärger mit pcs. tl;rl: geht unten weiter. ärger mit pcs interessiert am tag danach nichtmal mehr mich selber. löschen ist aber auch irgendwie unhöflich, not?

es sind viel zu viele dinge an einem tag, der große aufgespannte fächer, unter den alles will, ferien, eine herausforderung für alleinerz. berufst. mütter.

ich sitze also im berliner januar herum, und schaue nach meinen feinheiten, den farben, den wünschen, dem punkt, an dem alles sich bündelt und zu etwas gutem werden kann. muss lernen eigentlich, aber es bleibt nix haften, alles rutscht ab und verschwindet im unwesentlichen, und es kommt nichts zurück. streusandbox ist das passende symbolbild.

„wild und grau“ weiterlesen

leichte abos, schwere abos

am leichtesten wiegt der new yorker. für 5€ pro monat kann ich ihn komplett digital lesen, für ein paar cent mehr auch haptisch. monatlich kündbar.

am liebsten würde ich die süddeutsche abonnieren, die die landet aber mit ihren 20€ monalich schlicht jenseits der schmerzgrenze. warum? weil ich auch andere zeitungen lesen will. die faz, die taz, plus noch ein paar nichtdeutsche. nicht vollständig, mein gott, wer liest denn digitale zeitungen vollständig?

ein dünnes wochenmagazin lässt sich vielleicht schlecht mit einer dicken tageszeitung vergleichen, aber ich habe die digitale washington post bei einem angebot im letzten jahr für 20 dollar im jahr abonniert, da kann man vielleicht mit der wohl sehr viel höheren auflage argumentieren – aber auch repubblica+, auf italienisch, kann ich digital für 3€ monatlich buchen, ohne die erpresserische ein- oder zweijahresbindung (was soll die bescheuerte geiselnahme? angst und gier. niemand sonst kann es sich leisten, so mit kunden umzugehen: „gut, ich liefere gern, aber nur, wenn sie mir das zwei jahre lang abkaufen, zahlbar im voraus“),  und habe das sofort, und spontan, getan. auf dem großen rechner im browser finde ich allerdings die zahlgrenze der repubblica nicht einmal und kann alles sofort lesen, ein rätsel.

habe das nie verstanden, warum die zeitungen hier sich so sehr gegen die vorzüge des digitalen vertriebs stellen, und nur versuchen, den leser auszuschließen, statt verlockende angebote zu entwickeln. die ätsch-methode mit den teasertexten bei der sz finde ich ärgerlich, ich bin doch keine fliege, die in einer falle landen möchte. warum denn bloss keine schwellenlosen abos mit variablen und niedrigen preisen? die masse kommt bestimmt, wenn es billiger wird. umgekehrt wird das nüscht.

oder ein offenes papierabo, montags die sz, dienstags die berliner, freitags die sz, jeden tag eine andere zeitung. würde ich machen, dazu bräuchte es aber wohl ein praktisches monopol oder sowas.

so, nun hab ich mich von den abofallen gut abgelenkt und werde heut abend frei und souverän ins buch wechseln, allerdings keine 50 seiten lang.