vorweihnacht

im kopf kaum nebeneinander von drinnen und draußen, zu finster die nachrichten, zu leicht die flucht. kaum zugang zur religiösen bedeutung, der konsumaspekt ist leichter mitzumachen als das friedensbringende und gnadenspendende der weihnachtzeit, ich hoffe, mir gelingt spätestens im gottesdienst noch ein wechsel hin zum großen & ganzen. dieses jahr noch keinmal das WO gehört, fällt mir jetzt erst auf.

wie fast jedes jahr verläßt mich der verstand kurz vor weihnachten und ich kaufe allen kindern viel zuviele geschenke, mit muttern durchs kadewe gestromert, als wären wir noch die von ganz früher, reich und sicher eingetütet in möglichkeiten. die frauen in den schlangen an den kassen, alle blond und hochhackig, die männer älter und im hintergrund, nee, war jetzt bisschen übertrieben, das kaufhaus wirkt am samstag vor dem fest trotzdem wie ein 3d-werbefilm aus den goldenen zeiten von irgendwann, mit einem selbstverständlichen und selbstverständlich sichtbaren wohlstand, der mir sonst im alltag nicht begegnet. einen tag vorher wurde das kaufhaus überfallen, mich hätten sie jedenfalls nicht mitgenommen.

wann genau habe ich mich für die ukulele entschieden, die jetzt hier herumliegt?

alles eingepackt, dabei weihnachtslieder, hat jemand eine empfehlung für schöne, nicht von knaben gesungene? ich mag erwachsene stimmen. o come all ye faithful ist mein liebstes weihnachtslied (oh kommt all ihr gläubigen, es wird auch auf latein gesungen, adeste fideles), ich hab nur eine olle version von herrn sinatra, mit einem tick zu viel input.

in der papeterie vom KDW hätt ich aber schon gern mal übernachtet. sinn für luxus als großzügigkeit, als hingabe an die schönheit der welt, nicht nur als dekadenz und überfluss, eine stilistisch sehr feine grenze.

 

Unbenannt

frau ziebarth im tagesspiegel! über herrn schnecks facebook, sehr gefreut. habe auch ein paar mal über sie geschrieben, sie hat gregor den löffel erklärt, ich war mit ihr im bodemuseum, wie mir grad erst wieder eingefallen ist, vor den kindern war ich häufiger auf theaterpremieren und habe frau ziebarth auf ausnahmslos jeder getroffen, sie ist ein theatermensch, ist in jedem theater berlins zuhause. ich kenne sie über meinen vater, der in den sechzigern ein paar jahre im DIW in berlin gearbeitet hat und mit ihr befreundet war. als wir uns zum ersten mal begegneten, war ihre erste frage: was ist dein lieblingsbuch?

 

über bord

die feine geringschätzung einiger, wenn ich von meinen plänen erzähle, ihr erwähnen von dingen, die sie haben, “mein”, erfolge, bücher, gelder, kunden, als wären sie sich nicht sicher und müssten das immer wieder ausprechen, verankern, ihrem leben substanz geben. das flüchtige interesse, der blick, der gleich wieder auf wanderschaft geht, wieder weg will, obwohl ich grade noch im anlauf auf die anekdote bin. alles ist erlaubt. sie fragen nie.

was machst du denn wirklich so von früh bis spät? bis wohin geht deine sicherheit? keine neugierde?

 

 

Unbenannt

der mann, der mir genau erklärt, warum er nichts ernstes mit mir will. ich will gar nicht die wahrheit hören, sag ich ihm, ich will geschichten und komplimente. er guckt dann so vor sich hin.

 

 

Der Tod ist nicht.

Es ist nicht alles da, vor allem kein Zusammenhang zwischen Körper und Raumzeit. Das, was da ist, könnte überall sein, ich weiß nicht, wo ich bin, das Denken geht an und aus wie ein Warnblinklicht, der Körper ist träge und schutzlos, weil ich kaum Gewalt darüber habe, wie wenig, weiß ich aber nicht, weil ich den Weg zwischen Gedanken und Bewegung nicht mehr finden kann, mein Gehirn schafft grade, ich zu denken, es gibt mich in einem Raum, es dauert ewig, bis ich diesen Raum als von mir unterschiedenes wahrnehmen kann. Mein Arm fühlt sich unförmig an, das merke ich, als ich ihn zu heben versuche, die Hand fällt sofort gefühllos auf meine Seite, fällt sie weit? Sie fällt durch den Weltraum. Es ist dunkel. Das Denken ist mühsam und funktioniert nur in kleinen einzelnen Sekunden, ich erinnere später nur den Unterschied zwischen der Zeit mit Gedanken und der ohne, reine Abwesenheit, schwarz auf eine lichtlose Weise. Ich wollte mich nach einer Weile gegen das Nichts orientieren, ganz simpel, hier bin ich, ich ist etwas, und das ist mir lieber als nichts, obwohl das Nichts einfacher war, keine Energie aufbringen, es überall hinlassen. Die Erfahrungen waren beide elementar, der Wechsel von einer in die andere fing direkt in den Bewegungsnerven an, ich konnte spüren, wie der Plan aus dem Kleinhirn ins Bein rumpelt, Bein hoch, ins Reale, seitwärts, aus dem Bett runter, aua, da knallt der Fuß aufs Parkett.

So funktioniert das Hirn eben, es braucht zum Überleben Luft, Zucker und Wasser, es hat keine Energiespeicher zur Verfügung, ohne Luft überlebt es nur ein paar Minuten, ohne Zucker bleibt noch Zeit für diesen Schwanentanz, bei dem nacheinander die Funktionen des ZNS abgeschaltet werden, damit die Restenergie noch für das vegetative Nervensystem genügt. Das Erlebnis ist ein paar Jahre her, aber ich hab noch immer eine Art von Ehrfurcht vor der klaren Hierarchie zwischen nötig und nicht nötig, wie dann als erster Gedanke, also Gedanke als etwas, das man nicht gleichzeitig tun muss, die Bilder für „Hypoglykämie“ und „Honigtopf, kleiner Schrank, Küche“ aufkommen und die Magie der Grenzerfahrung vorbei ist, während ich meinen Körper in die Küche wuchte, wie beim Sackhüpfen, nur ohne Hüpfen, weil das Hirn nur noch Energie hat für die Hälfte des Körpers.

An dieser Grenze fällt einem vor allem der Unterschied auf: Es gibt nichts zu sagen über das Nichts, während man übers Leben bis runter zu den Nerven andauernd Romane schreiben möchte. Neurotransmitter: Toll! Glutamat, Serotonin, Rezeptoren, Zellwände, ein Kosmos, egal, wo man hinschaut, es ist komplex, es ist kompliziert, es ist ein Wunder. Das Nichts ist einfach nur Nichts. Ich seh das so: Leben ist das, was die Zellen miteinander machen, wenn man sie läßt, Leben ist Stoffwechsel, Tod lohnt die Mühe nicht, er ist das Nichts, es liegen genug Rätsel im Leben, mit dem Tod will ich mich nicht aufhalten, auch die Seele ist nicht mehr als der Wärmeabdruck im Bett, wenn der Liebste schon gegangen ist, etwas hiesiges.

geschrieben für dieses beeindruckende projekt.

winterreise

marco ponce kärgel und manfred maurenbrecher haben die winterreise aufgebrochen und neu hingestellt, mit reduzierter und sehr klarer gitarre, wenn der gitarrenauszug von kärgel, der wohl die hauptenergie in diese cd gesteckt hat, ein windhund wäre*, würd ich sagen: trocken gebaut, man sieht die sehnen und muskelstränge und die ganze schönheit viel besser jetzt, es läuft wie von selber, und maurenbrecher singt bei einigen stücken so, dass man sein herz genau schlagen hören kann, ich hab meins gehört jedenfalls, es hat mich traurig gemacht, wie es sein soll bei dieser musik. ist aber auch mein lieblingsliederzyklus, lieder für dazwischen, wenn die blätter schon unten sind, vorm neuanfang, vor dem nächsten jahr. die beiden haben die winterreise wirklich gemacht. ihre version von “mut” ist besonders schräg und endlich so laut, wie sie sein sollte, könnte zum hit werden, wenn man morgens um drei doch noch nach hause muss. ein bisschen mitbrüllen. sehr schön.

*bin grad im hundethema, sorry.

 

Unbenannt

das meer der möglichkeiten, und dann keine insel finden. die partitur im kopf, und dann singt man immer nur kammerton a, den allerdings perfekt.

libre

mein kindle ist verschwunden, seine tasche auch, mein gefühl, dass die unordnung in meiner wohnung langsam flügge wird und auch größere dinge verschwinden läßt, die im alltag wichtiger sind, als die ewigen kleinigkeiten wie ringe, lieblingsstifte, lippenstifte. die dvds waren alle unter [kind]s bett, da fehlen nur noch die hüllen.

ein neues meßgerät kommt auf den markt, eines, bei dem man sich nicht mehr stechen muss und andauernd seinen wert checken kann, wenn man möchte, durch dranhalten eines lesegerätes an einen am obararm festgeklebten sensor, groß wie eine 2€-münze. meine freude darüber ist ziemlich groß, obwohl ich mich an die verhornten kuppen gewöhnt habe und den schmerz gar nicht mehr wahrnehme, ich habe einfach mit keiner so deutlichen verbesserung der therapie mehr gerechnet, ich bin ja krank seit den grauen tagen, an denen blutzuckermessen nur gelegentlich beim arzt machbar war, habe die entwicklung der technologie also am eigenen leib mitgemacht, aber all diese neuerungen, kleinere geräte, batterien länger als einen tag haltbar, vom analogen (mit zeiger), zum digitalen ergebnis, vom fetten 0,5cm-tropfen zu den heutigen systemen, die nur 0,5 mikroliter benötigen, alles erscheint eher kosmetisch im vergleich zu diesem neuen ansatz. also so gefühlsmäßig. zählen gefühle? bei chronischen krankheiten: sehr.

ich hab noch keines, die kassen zahlen die dinger vorerst nicht, aber das wird kommen, bestimmt, das verhindert nur die große konkurrenz der vielen weiteren anbieter, die mit immer neuen eher ähnlichen designs auf den markt kommen, aber eben alle frisches blut benötigen, oder nicht? (um dann doch nur eine meßgenauigkeit von 70% hinzukriegen, letztens selber einen blutzucker von 150 gemessen, beim arzt waren es dann 180, da hätte ich schon korrigieren gewollt, der gesetzgeber gestattet halt eine schwankungsbreite von 30%.) es kann ja gar nicht um den patienten gehen, wenn eine so revolutionäre verbesserung der lebensqualität nicht von den kassen übernommen wird! werden würde! so sind die nicht, die brauchen bestimmt nur noch eine weile –  andrerseits war das auch bei den bisherigen cgm-systemen* so, keine unterstützung von den krankenkassen, nur bei schwangerschaft oder so, bei meinen schwangerschaften gab es die aber eh noch nicht. ich habe in einer kritischen phase mal 1200 euro für so ein ding bezahlt, es liegt jetzt rum, weil die sensoren zu teuer und zu empfindlich sind, sie halten nur ein paar monate und man muss immer 5 auf einmal kaufen, aber jetzt? ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand freiwillig weiter sticht.

*continous glucose monitoring

abott bietet praktisch ein cgm-system für hundertzwanzig euro im monat an, die konkurrenz beginnt bei 240, für die sensoren, also die kleinen dinger, die sich der patient unter die haut stechen muss, damit die gewebsflüssigkeit gelesen werden kann, das sind die verbrauchsartikel dieser messsysteme. bisher musste  der patient dazu noch etliche hundert für die hardware bezahlen, also obendrauf, für die lesegeräte der sensoren. abbott ist auch da revolutionär: das lesegerät bei abbott kostet 70€.

menno, keine mit preisen bestückte übersicht über cgm-systeme gefunen, hier schnell eine liste, es gibt wohl 3 verschiedene, die beiden marktführer sind an eine insulinpumpe gebunden, auf der die werte dann ablesbar sind, sie haben keine eigenständigen lesegeräte und sie sind  natürlich gebunden an eine marke und ein oder zwei modelle der hersteller. im medizinischen ist alles proprietär.

für die animaspumpe (von johnson&johnson, glaube ich) braucht man: ein  sendegerät (das die daten vom sensor in der haut auf die pumpe in der hosentasche schickt) für 400€, sowie die  dexcom-sensoren, halten 7 tage, kosten 80€ pro stück.

für 2 verschiedene pumpen der firma medtronic gibt es ein system, das sendegerät kostet um die 920€, die sensoren gibt es entweder im 10er oder im 5er-pack für 55-61€ das stück, sie halten bis zu 6 tagen. die sehr hilfreiche einführhilfe kostet nochmal 90 euro.

dann gibt es noch ein eigenständiges system, dass ohne insulinpumpe auskommt und auch für die ICTler* infrage kommt, den freestyle navigator, aber das ist der vorläufer des neuen systems und ist nun überflüssig, auch von abbott, auch viel zu teuer.

*intensivierte konventionelle therapie, man spritzt lang- und kurzwirkendes insulin je nach bedarf und benutzt keine insulinpumpe.

was meine freude merklich trübt: diabeteshunde werden, nun ja, sie sind nicht mehr wirklich nötig, sobald abbott einen alarm in sein system einbaut. ich hab das so an mir, dass mein projekte zu spät kommen.

ops. der lustige text über verloren gegangenes ist selber irgendwie verloren gegangen.

 

8/9.11.2014

8.11.14. spaziergang mit einem kind und seinem patenonkel, 8 km entlang der ehemaligen mauer, ich habe ihren feinverlauf inzwischen nicht mehr parat, gerade durch die gebiete, bei denen bis auf die spree alles neu bebaut worden ist. was war da vor dem regierungskram, brache? ich habs vergessen. dem besuch fällt der gegensatz zwischen regierungsgebäuden auf der einen seite und dem neubau des bnd auf der anderen seite auf, die behauptung von transparenz vs der behauptung von kontrolle.

P1070665

huch, ist das ein langes bild geworden, gregorzwilling versteht die architektur auch als einladung.

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Unbenannt

es ist gut, was du tust, es zahlt sich aus, worauf du verzichtest, deine haut ist nicht zu weich und dein weg ist in ordnung, du brauchst keine erfolge und zählst keine niederlagen, du bist unsichtbar, weil du das willst, deine müdigkeit ist vorübergehend und dein trotz ist nicht lächerlich, du stehst nicht auf verlorenem posten, du bist dir selbst genug, deine kraft ist stetig, du hast alles, was du brauchst.

well.