wer war ingeborg bachmann?

meine innere bachmann-alertness kann man daran bemessen, dass ich diese biographie nicht bemerkt hätte, wenn sie mir nicht geschenkt worden wäre. habe früher erst die gedichte, dann den rest gelesen. bei der fachliteratur danach ist mir die autorin sehr schnell und umfassend verlorengegangen, bis auf die lyrik in all ihrer unmittelbarkeit, die wird nicht so durchwuchert von der sekundärliteratur, der unterschied zwischen den textarten wirkt da desinfizierend. erinnerte nach 25 jahren alles außerhalb der gedichte als eher mühsam, oder zeitgebunden und biographisch, ins komplexe bewegt und da stehen gelassen, das lag aber an den texten über die werke, die der liebe zu einer autorin ja niemals guttun. aye, keine geborene wissenschaftlerin bin ich.

ina hartwig kümmert sich nicht um die forschungslandschaft, sie schreibt so, als gäbe es noch nix über die bachmann. beginnt bei ihrem tod, das liest sich spannend wie am ersten tag, es ist vielleicht einen tick zu  skandalistisch (ruhm, neid, egos und drogen) geraten, obwohl sie auch da eher beschreibt als urteilt, aber mir fällt der unterschied zum rest des buches auf. habs so überrascht wie gespannt gelesen, vielleicht ist das ja auch der zweck dieser passage, die den ganzen menschen aus dem literaturlexikon und dem wikipedia-pragmatismu herauslöst und dabei  gefühle weckt und neugierig macht. in den weiteren kapiteln erzählt ina hartwig von bachmanns reisen, ihren jobs, den liebesgeschichten und den männern, auf eine vorsichtige und respektvolle weise, als würde sie noch leben. das liebe ich sehr, es ist souverän und klug, frei von dem anstrengenden bedürfnis nach meinung oder auch nur zuordnung. die feine art.

im zweiten teil des buches beschreibt sie gespräche mit zeitzeugen, und diese passagen sind großartig. wegen der anekdoten, aber auch weil im (unterscheidbaren) nacheinander aus gesagtem und den beobachtungen und intuitionen der autorin etwas sehr lebendiges entsteht. die zeitzeugen werden dabei genauso präsent. das buch ist auf eine amerikanische weise sehr gut geschrieben, wie ein text im new yorker oder so. sehr tolles buch. ich habe sogar malina entstaubt und oben auf den stapel gelegt.

panikherz am berliner ensemble

sehr höflich bedankt worden dafür, das wir ohne vorherige kritik ins theater gekommen sind. och, dafür nicht gedacht, obwohl das BE deutlich teurer geworden ist mit dem neuen intendanten (reese), parkettplätze kosten jetzt 30 statt 20€, das fühlt sich schon eher nach luxus und nicht mehr nach grundnahrungsmittel an. es ist alles neu am BE, lauter schauspieler, die ich nicht kenne, handwerklich perfekt, textsicher auch bei 2 einhalb stunden-kloppern, aber das gute gedächnis ist ja grundvoraussetzung für die ausbildung wahrscheinlich. sie haben beeindruckende präsenz und energie und schöne singstimmen! hat nicht jeder.

der regisseur (reese) hat den text so wie er ist auf die bühne gebracht, wörtlich, in auszügen natürlich. vier schauspieler, jeder stellte ev. einen aspekt dar, eine haltung, eine stimmung, zwei waren der ich-erzähler, zwei übernahmen die textpassagen, in denen außer dem ich-erzähler im buch andere stimmen zu wort kamen, ärzte, freunde, eltern, gewissen, eine metaebene der selbstwahrnehmung, mehr kommentar als ich-erzählung. glaube ich. ich habs ja nicht gelesen.

ich weiß nicht genau, was mich gestört hat, es könnte eine regisseurentscheidung gewesen sein – aber es war mir alles zu deklamatorisch, zu gespielt, noch zu sehr vortrag durch leute, die das gelernt haben, das scheint mir ein mangel bei einem text, in dem sich jemand ausschließlich um den eigenen bauchnabel dreht. mit mehr method acting wäre mir der narzissmus der figur vielleicht nicht so auf den keks gegangen, ich wäre in die figur hineingerutscht. das ging gestern nicht. ich blieb zuhörerin bei einem text, in dem es nur um den autor geht, sollte nur publikum sein, beifall spenden, lachen, wenn die witze fallen. der text versucht keine eroberung, er tritt auf, reisst witze, du lachst oder gehst. es geht deswegen auch auf der bühne weder um empathie noch um poesie oder gar erleuchtung, jut, kann man machen, das fällt mir hier nur negativ auf, weil es ja um existentielle katastrophen geht. das passt nicht. ich will ja im theater eh lieber erleuchtet werden, hingerissen und verzaubert, es passiert etwas einmaliges, nur hier und jetzt, und ich darf dabei sein!

beste stelle: die drogenraserei als der moment, wo innen und außen nicht mehr aufeinander passen, wo die figur in panik und hektisches herumhopsen gerät auf der suche nach nasenspray. das war gut gespielt, wobei ich immer wieder rausgekippt bin und gedacht habe hihi, nasenspray! das lachen über einen, der am boden liegt, es wäre mir lieber gewesen, wenn sie uns da im entsetzen gelassen hätten. aber im text lacht der autor ja auch über alles, eine dauernde witzischkeit. vermute ich, ich hab ihn ja nicht gelesen.

bisschen wie die szenenteilung in the affair, wo die trunkenheit einer figur mal in der selbstwahrnehmung (coole braut), mal von außen (lallende frau) gezeigt wird. im theater geht das nicht, da ist alles linear (außer bei marthaler), hier ging es auch nicht um einen unterschied zwischen eigen- und fremdwahrnehmung, es war keine bloßstellung, eher sowas wie das eingeständnis bei diesen 10-schritte-programmen. gleichzeitig zu spät und self serving.

gelingt mir grad nicht gut, text und inszenierung auseinanderzuhalten beim schreiben. textkritik: als kind waren ja die eigenen witze einzigartig lustig, raffiniert und gekonnt aus der hüfte, dann kam natürlich das internet und hat uns die augen geöffnet, stuckrad barre war wohl während des internets durch seinen lebenswandel verhindert, der hat nix mitbekommen und war ganz bei sich in diesen jahren. hmm. das theater hat schon die bewegung vom herumkaspernden teenager über den von sich begeisterten musikkritiker zum haltlosen junkie gezeigt. es war sicher eine kongeniale darstellung dieses buches, aber warum um alles in der welt soll man so ein buch auf die bühne bringen wollen? als antidrogending? gelesen ist es lustiglustig, im theater fällt der mangel an tiefgang zu sehr auf, oder auch nur der mangel an welt.  das publikum soll nur über die gags im text lachen, obwohl man ja bei diesem ganzen narzissmus auch schnell mal unfreiwillig in den spott gerät und dringend selbstironie vermisst. es gab natürlich einige sehr tolle zeilen über sucht, drogen und musik und all das im text, aber sie haben das ganze nicht halten können. da kann das BE nix für. natürlich füllen sie mit einem gutgehenden titel das theater mit einem sehr jungen publikum, alle jünger als wir, das war früher sehr anders dort.

mir war das zuviel. ich war nicht drin, wurde nicht mitgenommen, selbst in der raserei nicht, dabei hätte ich gerne mal wieder ein bisschen raserei, also rasende gedanken, welt- und gesellschaftssprengenden rausch, der einen unbemerkt mitnimmt, bis man in voller fahrt auf die nase fällt. habe rainald goetz‘ räusche vermisst. goetz wird nächsten monat auch gezeigt im BE, da bin ich schon gespannt drauf.

zum ersten mal nicht in die kantine nach dem stück, frau ziebarth war  nicht da, die freundin hatte geburtstag und wollte woanders hin. in der bar unter den paaren zuviel getrunken und dabei langsam an höhe verlierende herzensballons beiseitegschoben, das war lustig.

(puh. versuch, mal wieder sowas zu schreiben, aber es stimmt alles noch nicht, ist hakelig, und die sätze bleiben klein. der fluß ist woanders.)

kw 43

ein paar tage weggefahren, die jungs alleine gelassen. es war für keinen von uns der rede wert, das ist mir auch erst aufgefallen, als ich schon weg war. das schwierigste war die liste mit den hunde-pflichten, nach ein bisschen aber ich mach immer und stimmt gar nicht wurde das blatt akzeptiert und an den kühlschrank gehängt. wenn du immer so einen kram kaufst, müssen sie gar nicht kochen, sagt der große zum vorrat an maultaschen, tiefkühlpizzen und pestogläsern. er hat recht, und er hat nicht „wir“ gesagt. er sieht sich als auserzogen.

in italien erst einen anderen leihwagen als den gewünschten fiat 500 angeboten bekommen, einen schwarzen bmw 118 mit steptronic. begeistert eingestiegen, nach 30 minuten mit sehr angeschlagener ehre aufgegeben: ich verstehe ihn nicht. die automatik konnte ich nicht fahren (in den usa damals das automatikfahren auf der strecke vom parkplatz zum ausgang des parkhauses gelernt, problemlos), bin wie armin müller stahl seinerzeit durch nyc mit quietschenden irgendwassen (bremse? reifen? motor?) durchs parkhaus gehoppelt. ging nicht. drei sixtmitarbeiter davor im gespräch darüber, wie man ihn wohl ankriegt und die schaltung von p auf d umstellt. übel, übel. dann weiter mit dem kleinen 500er, ein vergnügen.*

von haustür zu haustür 6 einhalb stunden gebraucht, mit direktflug wärs in 4 stunden zu schaffen, ökologisch ein riesenschwachsinn, erholungstechnisch sehr effektiv. sinnvoll ab vielleicht 4 freien tagen, finanziell sinnvoll ab zwei wochen, wie gehabt.

der gefürchtete rückfall in die ansia der kindertage, weil ich alleine mit muttern dort war, ist fast ganz ausgeblieben, ich habe das haus inzwischen recht gut mit neuen erinnerungen überschrieben. flashback nur bei unterzuckerungen, da rutscht die decke vom gerippe. vatergrab besucht, friedhof war gut besucht, es war das wochenende vor allerheiligen, da schauen die überlebenden nach dem rechten.

rückflug am sturmtag mit verspätungen, in malpensa und frankfurt gewartet, das warten genossen. ich mag auch den gegensatz zwischen shoppingmall mit lauter kram, den unsereins höchstens mit ruhe und nach entscheidungen kaufen würde, und den rastlosen reisenden. in einem laden eine bestickte stola für 700€ bewundert, da hätte man ein haus drumrum bauen können, so schön war sie.

an halloween hat niemand geklingelt, aber die schale mit süßigkeiten war nach anderthalb tagen trotzdem leer. da sind sie zuverlässig.

*irgendwo gelesen, dass manche autos beim gas wegnehmen von alleine bremsen – so hat es sich angefühlt. ( ich hatte ein so außergewöhnliches gefühl von totaler machtlosigkeit in diesem cockpit)

kw 41

großer sohn zurück, mit riesigem rucksack und voller geschichten. er ist mit bestem freund 6 wochen lang durchs land, wollte sich unistädte und studis ansehen, sie sind mit bus, bahn und per anhalter gereist. das trampen sei kein problem gewesen, sagt er, die beiden sahen mit ihren riesigen rucksäcken genauso aus, wir wir alle mal zwischen abi und ausbildung, sie wurden vielleicht einfach wiedererkannt. vollkommen zeitlos. er sagt, er habe lauter wunderbare menschen kennengelernt, erzählt viel und schnell und gut, sie haben viel erlebt. sie haben freunde und verwandschaft abgeklappert, und dazu gehören auch herzmenschen aus der bloggeria. es gibt ein selfie mit caro und den jungs! schön, das er wieder da ist, habe ihn vermisst. es gibt jedenfalls noch genug parties in den unistädten, und die mensas sind toll.

auf netflix neue serie gefunden, mindhunter, wirklich überraschend gut,  über serienmöder. sie kommt ohne visuelle gewalt aus, ohne die ganze elend billige todesangstspannung, die mir nur den blutzucker hochtreibt, ohne den ganzen anbiedernden gewaltpornokram, den ich sofort weiterspulen will. spielt in den sechzigern, hauptfiguren ein echter cop und ein klassischer fbi-typ, den man sofort wieder vergessen würde, der interessant wird, als er den mund aufmacht und eigene wege zu gehen beginnt. die serie begleitet auf eine nicht sensationsgeile weise die entwicklung des psychologischen profilings, glaube ich, gegen widerstände und zweifel, und beschreibt das als charmantes learning by doing, in einem fensterlosen kellerbüro in quantico. man spürt den ehrgeiz der beiden helden und bekommt die auseinandersetzung zwischen akademie und polizeiarbeit mit und versteht sie. mit vor- und rückschritten, unsicherheiten, fehlern und glücksfällen. gewalt ist natürlich dabei, aber sie bleibt das andere, das fremde, das es zu verhindern und auszuschalten gilt, man sieht sie in verwischten schwarzweißfotos und hört sie in den interviews mit den tätern, sie wird also erzählt und nicht gezeigt, weil die serie die visuelle gewalt nicht braucht, nur in halbsekundenlangen bildern im vorspann, wo wir auf den einen serienmörder hingewiesen werden, von dem die helden noch nix wissen, den es zu fangen gilt.

ein feiner triumph, oder nicht? es geht, es erfordert halt gute schauspieler, gute drehbücher, liebe und genauigkeit in schnitt und ausstattung. großartig. die sechziger sind in drehbuch und figurenzeichnung auch dabei, die hauptfigur eher spießig, ohne das zu wissen, seine partnerin fortschrittlich, an der uni, selbstbewusst und frei, die zeit eher eine diskrete präsenz, aber wiedererkennbar, wie ja auch die konflikte in der moderne mit den gegnern der moderne nicht immer im mittelpunkt stehen, sondern am rande des alltags oft sehr komisch vor sich hin holpern. großartige serie.

erinnert vom dramaturgischen her an diesen sehr guten film über die befreiung der botschaft in teheran, ohne einen schuß, wie hieß der noch? argo? gucke gleich weiter jedenfalls.

erste mammografie gemacht, zwei jahre nach dem termin. nach vier tagen die gute nachricht, alles okay, merke, dass ich mich in einer art tilt-shift-dingens erlebt habe in diesen tagen, genauer und gleichzeitig fiktiver. normalerweise bin ich dem tod gegenüber eher entspannt und fürchte ihn nicht sonderlich, aber in diesen tagen war er greifbarer, als möglichkeit, und da hätte ich doch gern noch 20 jahre oder so. eine verjüngende erfahrung.

 

star trek: discovery

mit spoilern

discovery war visuell kinoqualität, mit großen, detaillierten schlachtenbildern, so perfekt ausgearbeitet, dass die feuerwolken und der lärm im weltraum nicht mehr dazu passen (bei den alten serien immer als augenzwinkern, als hinweis auf die fiktionalität. es ist eine show). wie die schlachtenmalerei der vergangenheit die menschen zeigt, die schlacht im kino meistens die zerstörung von sachen, das spiegelt ja auch die heutige vorstellung vom krieg, mit dem ungleichgewicht zwischen mensch und maschine, opfer und täter, als täter maschine, nur als opfer noch mensch. die hochauflösende zerstörung hat was ästhetisch kathartisches, wirkt aber auch ein bisschen wie der abgesang der technik auf sich selber, als elegie in slowmotion, als bräuchte man da keinen menschlichen (jetzt mal stellvertretend für alle lebensformen) schmerz mehr, weil die technik noch ihren untergang alleine feiern kann. das zeigen von zahllosen details sofort als schwelgerei erlebt, als pathos, weil im rl nur das ergebnis der zerstörung sichtbar ist, die trümmer, nicht der weg dahin. hmm? egal.

die klingonen haben mich überrascht, sie sehen aus wie eine mischform zwischen jem’hadar und den alten ägyptern. krieg und prunk und starke, endividualisierende ideale. schade, ich mochte die in ds9 aufkeimende selbstironie der klingonischen persönlichkeiten, und den leisen spott in der beziehung zwischen dax und worf. in den ersten beiden folgen wird das alles auf tonnenweise gold und pathos reduziert, überhaupt finde ich die ganze kriegs- und gewaltgeilheit, in bild und story, nicht interessant genug für mein trekkie-universum. andrerseits wird die haupteigenschaften der klingonen, stolz und krieg, hier mit einer bisschen orgiastischen lust gezeigt. kamera nah auf augen, körper, tracht, das zeigt die unmittelbarkeit der gefahr, und behauptet sie nicht bloss. ist natürlich auch mode, der perspektivenwechsel zwischen nahaufnahme und totale, entweder das böse ego oder der totale krieg, dazwischen interessiert wenig. als hätte der regisseur die klingonen reduziert auf das selbstbild, das sie als figur haben, und die moderation durch den blick von außen darauf weggelassen, und damit auch den bezug auf reelle kriege und grausamkeit vom analytischen, einordnenden blick befreit. bin gespannt, ob sie noch ein bisschen lehre im neuen startrek unterbringen, einen pädagogischen aspekt. die letzte serie hatte das allerdings auch nicht so besonders.

in den alten serien gab es immer rassen, die einzelne menschliche eigenschaften verkörpert haben. der ferengi als grobkapitalist, die betazoiden, immer weiblich, als mütterliche versteher, die cardassianer als böse kolonisatoren, und ein teil der handlung spielte immer damit, die negativen züge im handlungsverlauf zu temperieren und zu hinterfragen, durch kompromisse, humor, liebe, zufall, dialog, was auch immer. das ist altmodisch, oder? ich fand das wirklich utopisch, und tröstlich.

das aussehen der klingonen ist ein lustiger running gag, in der ersten serie hatten sie nur gefährliche augenbrauen, in den späteren vor allem prachtvolles haar und das rückgrat im gesicht. die autoren hatten jeweils spass mit der erklärung der veränderungen, mal gucken, was ihnen jetzt einfällt.

krieg und dunkelheit gefallen mir nicht, als müssten lauter teenager breitgeschlagen werden, sehr viel spiele-teaser. bis jetzt ist vom utopischen und humanistischen ethos der serie nix zu sehen. ich bin halt auch nicht mehr teil der zielgruppe, das war deutlich. ich will nicht aufgeregt werden durch eine star-trek-episode, sondern verlasse mich auf das gute ende, brauche es auch. mag darum auch keine serienlangen handlungsbögen. aber hey, das waren erst zwei von 15 folgen.

(hach, ich war wirklich aufgeregt vorher)

es gibt, vollkommen angemessen, eine after trek-show, bei der im anschluss fans und zuschauer diskutieren, mit schauspielern und autoren. der gastgeber war unangenehm, lautes, schrilles lachen, blöde witze, unentschlossen zwischen ironie und albernheit kippelnd, frei von der zwar selbstironischen, aber immer respektvollen souveranität, die ich an sendungen mit trekkstars sehr mag.

dramaturgisch schön komplex, trotz dem ganzen kriegsgeschrei. es war ein prolog, in dem eine kapitänin starb, die andere hauptfigur lebenslang hinter gitter kommt. es interessiert mich, wie sie das auflösen, auch wenn mich der krieg leider null tangiert, krieg ist für mich nur niederlage, des plots, der figurenzeichnung, der lust auf gewaltfreie (doof, das man das überhaupt erwähnen muss) konflikte. null.

das gucken war mit hohem aufwand verbunden, netflix wollte nicht, hab ich die appletvs gewechselt, musste dauernd neue kennworte eingeben, habe die nettigkeit der kinder strapaziert, das mit zu gucken. ah, einmal hat jemand über den hohen energieaufwand beim beamen gesprochen, das fänd ich dem prequel-dingens angemessen, die mißgeschicke und probleme des technischen fortschritts unterzubringen.

also beeindruckt, aber nicht begeistert, bisschen das gefühl, als sei der fortschritt beim cgi ein auslöser für die neue serie gewesen, nicht das bedürfnis, die geschichte weiterzuerzählen.

kw 35

im sommer über mein singledasein befragt worden, erzählt, dass ein mann für mich hauptsächlich arbeit bedeuten würde, beim reden über mich selber gewundert. ich hatte gar keine position zu dem thema, mir fällt nichts mehr dazu ein, es ist wie das reden über inneneinrichtung oder die wahl des services. es ist erledigt.

„mon general“ wird der anderthalbjährige kleine franzose genannt, der unbekümmert und beständig vor sich hin lernt (viele bücher auf einmal tragen, oder viele autos auf einmal tragen oder dreirad schieben), sich gelegentlich auf den boden wirft, aber nur kurz, und ansonsten dinge, die er nicht tun darf, einfach nicht tut. werde ihn vermissen.

am ersten nichtarbeitstag ist der boiler wegen kalkfraß oder so etwas undicht geworden und musste entfernt werden. er liegt jetzt im treppenhaus, wir duschen kalt. wasser, ausgeräumte küche, kosten. party und lesung verpasst dadurch, dafür spätabends bei der emmarunde noch einen freund getroffen und mit aufs matthes&seitz-verlagsfest gegangen, auf ein warmes bier. die literaturszene andächtig angeguckt, paar erkannt, bisschen getrauert, nicht dabei zu sein.

es gab kleine eineiige zwillingsmädchen bei meinem letzten job, ich hatte ein paar sekundenbruchteile vor dem zweifel, welche von ihnen das jetzt sein könnte, immer einen namen auf der zunge liegen und habe ein paar wochen lang nicht begriffen, dass das jeweils der richtige name war. faszinierend. sich auf diesen teil der wahrnehmung zu verlassen, und bemerken, dass sie überhaupt stattfindet, war gleichermaßen schwierig.

lesung in einem großartigen ambiente, im ehemaligen frauengefängnis in lichterfelde, unter der schirmherrin gaga nielsen, die dort eine intensive und betörende fotoausstellung in die ehemaligen zellen eingepasst hat. alban nikolai herbst hat gelesen, ich habe davon heimweh, nein: sehnsucht nach italien bekommen. der eine beständige aspekt des landes, der auch in alltag und wirren und chaos erkennbar bleibt. in seinen texten bilder, humor, eine altmodische größe und schönheit. eine andere art literatur. habe ihn leider schlecht verstehen können, es hat gehallt, werde es nachlesen. dazu hat ein junger mann, sein sohn? bach auf dem cello gespielt, das instrument hat den raum gefüllt bis in den letzten cm², bis in die tiefe der geschichte. danach leider komplett unterzuckert.

ab heute das unangenehme gefühl, mein leben beruflich schon wieder neu erfinden zu müssen. herrgott, kann es denn nicht einfach mal einen job geben, bei dem ich bleiben kann? der kurze, steile pegelausschlag vor dem selbst-schuld-seufzer.

peter steudtner in untersuchungshaft

aus meinem freundes- und bekanntenkreis ist der seminarleiter und fotograf peter steudtner vor zwei wochen in istanbul festgehalten worden, zusammen mit einem kollegen und 8 weiteren, darunter die türkische direktorin von amnesty. heute wurde für ihn und die anderen untersuchungshaft angeordnet, die einige viel zu lange monate dauern kann. ich kenne peter und seine kinder aus kirchenkreisen, er ist ein zugewandter und freundlicher und hilfsbereiter tausendsassa. würde mich freuen, wenn ihr die beiden petitionen unten unterzeichnet, die pressemitteilung hänge ich untendran.

peter wird vermisst, von seinen kindern, seiner familie und allen, die ihn kennen.

https://www.amnesty.org/en/latest/campaigns/2017/07/free-rights-defenders-in-turkey/

https://www.frontlinedefenders.org/en/profile/eight-human-rights-defenders-detained-turkey

pressemitteilung pdf

edit 27.07.2017: seine lebensgefährtin spricht über die situation

4.08.2017: peter steudtner weiter in untersuchungshaft

7.08.2017: wenig hoffnung auf baldige freilassung

kw letzte schulwoche

umbruch. den großen sehe ich bis zum herbst nicht mehr, er ist die ganze zeit unterwegs, macht eine kleine ausbildung, geht auf festivals, schaut sich unis und städte an. verspüre eine vorahnung von phantomschmerz, habe aber grad so vorferienmäßig nichtmal mehr lust zum kochen und kümmern, es entgleitet mir in dieser letzten schulwoche ins sommerlich-entspannte. bin auch einigermaßen erschöpft.

nach den ferien geht meine jobvertretung noch bis zum ende des monats, danach ist das vorbei. möchte unbedingt wieder so einen 30h-job, es hat unglaublich gut getan, einen anderen boss als mich selber zu haben, einen sehr souveränen noch dazu. bisschen angst davor, wieder nix zu finden.

ach, jetzt geh ich mit dem großen auf dem sofa einen blöden film gucken, irgendwas mit blood und dicaprio, um das nebeneinandersitzen und kommentieren bisschen aufzusaugen.