idyllen

 

eher dankbar grade. total verschnupft (folgen der kita-aushilfe von letzter woche) und mit dauerhusten, aber das alles kommt nicht an gegen die schönheit dieses ortes. bayern hat schon einiges zu bieten. es ist einer der seen aus der fünf-seen-gegend, mit hellgrünem, klarem wasser, ich sitze auf einem kleinen steg an einem tisch in der sonne, gucke ins schilf, man hört ein bisschen wind und ein paar kuhglocken, glaube ich, oder es sind warnglocken für irgendetwas, das ich übersehen habe. meine tante vermietet das obere stockwerk an feriengäste, ein riesiges zimmer mit balkon zum see, ein kleines zimmer mit zwei betten, küche und bad, es gibt wlan, vom frühjahr bis herbst kann man direkt in den see hopsen, jetzt tun das nur noch meine kinder, nicht alle freiwillig. nur als empfehlung, im winter gibt es noch vacancy, für frühling/sommer muss man sich schon beeilen, glaube ich. münchen ist per auto- und s-bahn in einer stunde zu erreichen, aber starnberg, herrsching und andechs sind viel näher.

 

wir essen hier mehr als in berlin, allein die brotauswahl beim bäcker ist vollkommen überraschend (das ist also dieses deutsche brot, von dem immer alle so schwärmen, sagt die italienerin in mir) und es ist nicht nur eines gut und die anderen preiswert, sie schmecken und duften alle anders und sind nach mir unbekannten dingen, menschen und orten aus der gegend benannt. wir könnten nur brote essen, warm mit butter, aber dann müssten wir auf die kartoffeln, kürbisse und steaks vom bauern verzichten. die leute sind wohlhabend, gut gekleidet und sie fahren teure autos (schon wieder'n porsche, sagen die kinder nur noch) und sie sind sehr freundlich. macht einen fertig.

 

frage mich, ob die see-typen eine eigene art sind oder eher eine untergattung der meer- oder bergmenschen. ich bin der meertyp, die see macht mich sofort glücklicher, nicht nur wegen der freiheit der projektionen, glaube ich. es ist ein zutiefst anderer lebensraum, nicht wie der berg aufregend mit einen steigerungen, mehr extremen, höher, luftärmer, steiler und kälter als das platte land, sondern anders auf eine nur vorstellbare, nicht erlebbare weise. (ist hier grad wie smalltalk auf der parkbank an der seepromenade, gell? hach.) weiss noch das gefühl damals über diesem pazifikknick, 3000 meter lebensraum unter dir, nicht lebensfeindlich, nur nicht menschentauglich, was ihm natürlich auch nicht hilft. der see ist die kleine version davon, seine landschaftlichen reize immer nur teil einer jahrhundertealten zivilisatorischen geschichte, der see ist eher zahm, man kann ihn und seine geschichte kennen, und (leise summend ab)

 

gestern eine miniwanderung zur pähler schlucht unternommen, leider sind wir etwas lädiert wg schnuppen und einem genähten fuss beim großen. kann ich bei einer donati-naht die fäden selber ziehen? der chirurg meinte: naja, wenn der faden verschwindet, müssen wir den fuss wieder aufmachen, um den faden zu suchen.

ein richtiger abenteuerweg, ein schmaler unbefestigter pfad, bei dem man über viele übereinandergefallene bäume kletten muss, ein paar mal über glitschige steine und totholz über den kleinen fluss, um dann nach vielleicht einer stunde an einem wasserfall anzukommen, der über 16m vom rand der schlucht nach unten fällt. kinder waren begeistert, hund auch, ich musste erst nach den schnellen reflexen von früher suchen, um so herumhüpfen zu können. es ist nicht ganz gelungen, die jungs haben mir die hand gereicht und mir stöcke gesucht, ich hab nur einmal einen schuh versenkt.

 

morgen oktoberfest, mein erstes seit ich glaube '87.

 

4 Gedanken zu „idyllen“

  1. Die See-Typen sind eine eigene Art!
    Das sieht alles ganz wundervoll aus, Frau Casino, und genauso hört es sich an. Gute Vorbereitung gewesen für das Oktoberfest …

    1. ich glaube das auch. seen sind einfacher zu haben, sie sind einfach da, in der nähe, die beziehung zum see wächst von alleine, viel reeller als die liebe zum meer oder den bergen, alles fernbeziehungen mit projektionslast.

  2. Werteste,

    ich muss mich jetzt einfach mal outen, ich lese Sie ja seit Jahren mit großer Freude. Ich sitze hier im Münchner Raum und habe mich sehr über diese aktuellen Heimaterfahrungen gefreut (obschon Oktoberfestmuffel).

    Richtig neugierig hat mich jetzt die WLAN-Idylle ihrer Tante gemacht – die Treffer kommen immer näher …

    Wäre da u.U. mal eine Kontaktadresse an meine email möglich – unter Wahrung aller Nettiquette, nur zum Zwecke einer Buchungsanfrage für den nächsten Sommer?

    Herzlich,
    Fabbione

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