kw 3 2022

mir fallen immer wieder dinge ein, die ich bloggen könnte, aber ich vergesse sie wieder, weil mein alltag offline stattfindet. ich nutze das handy tagsüber fast nur für den diabetes, und abends, zuhause, ist es dann dunkel. da kommen dann dinge von draussen rein, wie filme oder mails, aber ich habe kein bedürfnis, etwas rauszuschicken. mein kopf wird gehalten von der dunkelheit, alles ist auf pause gestellt.

wie ich gestern meine superduper taschenlampe repariert habe, nachdem die batterien ausgelaufen waren.

schönen film gesehen, mit m., drive my car, von ryusuke hamaguchi. film über die kraft der kommunikation, des kontakts über sprache und nähe und zeit. wie das wichtige dabei sich mitteilt, weil wir menschen sind, egal, ob wir in zeichensprache oder japanisch, englisch oder koreanisch miteinander reden. in der nyt wird sehr schön aufgedröselt, was den zauber ausmacht, lest das aber lieber nach dem anschauen, es wird gespoilert. eine fahrt durch japan in einem wunderbaren roten saab aus den achtzigern glaub ich, den ich sofort auch haben wollte. ich hatte mal einen käfer cabrio aus den siebzigern, an den denke ich seitdem, obwohl er für gespräche fast zu laut war. nach einer stunde oder so ist der prolog vorbei, es laufen namen übers bild, ich war kurz traurig, dass der film schon wieder aufhört und hab mich gefreut, als er danach noch zwei stunden weiterging. er hätte gern noch paar stunden länger sein können. schaut ihn euch an.

die langsame und meinem urvertrauen widerstrebende realisierung, dass dem senat die gesundheit der kinder und erwachsenen in schule und kindergarten völlig egal ist. gestern gelesen, dass es für kontaktpersonen keine quarantäne mehr gibt, „um die gesundheitsämter zu entlasten“, damit „gute leute anderes tun können“, so im tagesspiegel. ich kann ja mal überlegen, ob ich auch anderes tun will, als unter diesen bedingungen zu arbeiten. pcr-tests soll es auch nicht mehr geben, wenn man sie nicht selber bezahlt, was empfehlenswert ist wg. möglicher spätschäden. call me naive, aber ich bin wirklich einigermassen erschüttert darüber. als nächstes sollen bestimmt symptomlose positive weiter arbeiten kommen.

corona warn app hat seit 31.12. dauernd rote kachel.

wenn mir heute noch wieder einfällt, was ich bloggen wollte, schreib ichs noch hin.

auf repeat

ins ähm 15 jahre alte autoradio einen bluetooth-empfänger eingestöpselt, seitdem kann ich dort meine playlists hören. vorgenommen, alles mal durchzuhören, es sind laut itunes nur 20 tage, das müsste doch zu schaffen sein in einem dieser langen, dunklen winter? höre kaum noch musik, nur noch in aufgewühlter emotionaler lage, fast immer ist mir stille einfach lieber, eben mit ausnahme beim autofahren. auf den hunderunden wäre mir musik im ohr einfach zuviel input, und ich kann diese kleinen bluetooth-ohrstöpsel leider nicht benutzen, sie passen nicht, halten auch ohne jedes schaumgummi drumrum nur kurz und tun dabei weh. zu kleine ohren.

ich kann das ja auch mit meinen büchern machen, sie einfach der reihe nach nochmal lesen, oder überfliegen, um mich nicht nur an den inhalt, ich erinner mich an fast alle bücher irgendwie, wenn ich sie so vor mir habe, und falls verschütt gegangen, komm ich an die erinnerung über die umstände, also wo und von wem gekauft/geschenkt bekommen, und warum gekauft, war es mode, interesse, textliebe, das feste band der vollständigkeit, – sondern an tonfall und autor*in und textfluss und sprachgestus usw. neu zu erinnern. oder nur die bücher, zu denen ich gar keinen bezug mehr bekomme? damals beim neusortieren vor anderthalb jahren bin ich so an eine neulektüre von hermann broch gekommen, den ich jetzt deswegen erinnere.

das wird natürlich nichts werden, aber heute erfreue ich mich an dem plan.

kw 48

ich bin beruflich hauptsächlich mit ungeimpften kleinkindern zusammen, deren geschwister teilweise schon in die schule gehen, rechne also damit, corona zu bekommen, eher bald, hoffentlich erst nach weihnachten, wenn die mieterin wieder weg ist und kein besuch mehr kommt, und vertraue auf den schutz meiner 3 impfungen. weiterhin täglich testen. drücken sie mir die daumen.

absurder umgang mit corona. dazu das gefühl, dass die meisten dramatischen gefühlslagen nachvollziehbar sind, umso weniger verstehe ich es, warum man bei so hochsensiblen und existentiellen sorgen nicht die wissenschaft entscheiden lässt. es wäre so einfach. es gibt richtigen und falschen umgang mit der pandemie, jetzt mal angenommen, man will sie beenden. meiner wahrnehmung nach werden die entscheidungen über den umgang mit corona dem/der einzelnen überlassen, die dann nur noch reagieren können. der leitung von krankenhäusern oder von schulen oder betrieben. die pandemie läuft halt so vor sich hin.

die wohnung ist kaum geschmückt, kein drive dafür da. eine nichte ist zu besuch, also gibt es einen adventskalender, aber keine sterne mehr am fenster, keinen beleuchteten schnickschnack, der irgendwie für sich stehen würde, dem in meiner stimmung nichts entspricht. nehme mir vor, weihnachtsgefühle zu entwickeln, wie etwas, das sich so gehört, kann mich eventuell auf meine sentimentalität verlassen. mal schauen, ob ein funken springt.

kanal dicht

wir hören wie jeden herbst wieder mehr musik, aus dem kosmos der irdenen, soma-nahen, eigentlich ein bisschen zu zugänglichen stücke. gemerkt, dass fast alle meine playlists aus denselben songs bestehen, vielleicht insgesamt 200 oder so, die playlists getrennt nach genre (klassik, rock/folk, jazz) und stimmungen. jemand schrieb auf twitter, dass ihm an den berliner taxis die songs im radio gut gefallen, die er alle kennt, weil sie aus den 70iger/80iger jahren stammen.

vielleicht höre ich auch deswegen so gerne jazz, weil da der wiedererkennungsfaktor nicht so leicht zu haben ist. überlegt, die anderen ca. 40gb zu löschen, weil ich sie ja eh nie höre, aber ich habe noch genug platz auf meiner riesigen festplatte, weil die zeiten des speichermangels noch nicht so lang zurückliegen. jetzt werden die leute ja in abos bewegt, naja nee, gedrängt eigentlich, das eigentum bleibt beim hersteller oder vertreiber.

ich habe sogar noch ein paar platten. kassetten nur noch 5, die hinters regal gerutscht sind, videokassetten keine mehr. cds habe ich zuletzt nur aus fantum gekauft, sonst nur digitales.

wieder dran gedacht, weil auf netflix die letzte star-trek-serie gelöscht wurde. wenn ich sie nochmal sehen möchte, muss ich sie wie früher kaufen, bzw. dauerleihen. halte ich für eine frechheit, das angebot ohne vorankündigung zu meinem nachteil zu ändern, auf diese in der sekunde des aufbegehrens wieder zurückgenommene, weil vollkommen sinnlose und schon deshalb alberne weise. ich habe keine stimme in der sache, die entscheidung ist rein finanziell, nicht am kunden orientiert, der wird nicht gefragt. auch interessant, dass die gleichgültigkeit gegenüber einzelnen filmen, songs, texten beim endnutzer vorausgesetzt wird, wenn der anbieter so damit umgeht, genau wie immer vom geschmack des einzelnen auf den der masse verwiesen wird, „nr. 1 heute“, „die 10 beliebtesten filme heute“, nur dass über der masse noch das kapital steht. wobei, ich hätte mir den kram ja downloaden können, weil ich ja aus der festplatten-generation komme. gna.

man sollte einfach alles kündigen.

<3 bibs und abos

wollte gestern diesen text über den b***-redakteur im spiegel lesen, bin aber nicht über die paywall gekommen, die zahlung des probeabos ging auch nicht, also aufgegeben. dass diese zeitungen keine mikropayments hinkriegen! selbst die taz schafft das. diese angebote sind sowas von vorgestrig, ich möchte in spiegel, zeit und tagesspiegel herumschmökern, ohne mir 3 abos leisten zu müssen. mir fehlt eine plattform, die zugang zu allen für einen betrag unter meinetwegen 20€ anbietet, oder gibts das schon?* bis dahin lese ich eben nur die nyt (12€ mtl.) und die repubblica (6€ mtl.). ich lese sowieso nicht mehr so datumsgebunden, sondern nach anderen kriterien, bei der nyt zb über deren app zuerst die „most popular“-artikel, nach dem ersten bleibe ich vielleicht ein bisschen beim thema und klicke auf die vorgeschlagenen texte dazu, oder ich schaue auf die anderen tageshits, oder ich vertiefe ein thema und gucke bei science oder politics oder books, bis mir langweilig wird oder ich los muss. die titelseite habe ich bis dahin noch kein mal gesehen, schaue meistens irgendwann im lauf des tages mal drauf, aber das ist nicht zentral. niemand braucht online eine ganze tageszeitung, das ist bedauerlich, aber man könnte den leser ja auch leiten und ihm etwas anbieten, die vorteile beim netzlesen ausbauen, statt wie der olle august immer nur die ganze zeitungsrolle zu schwingen, alles oder nichts! nimm es oder lass es! das gibts vielleicht noch bei beziehungen, bei freundschaften ist es schon divers, die freundin fürs theater, den freund für die kunst, fürs spazierengehen, fürs reden über kinder, oder über bücher, oder. wobei halt, die nyt liebe ich wirklich wie keine sonst! das ist mehr beziehung als freundschaft. die lassen mich sein, und ich habe da auch noch ein extra abos für rezepte abgeschlossen, das rätsel-abo trau ich mir noch nicht zu, aber es ist alles bezahlbar und nachvollziehbar. ich glaube, die einzigen, die sich in deutschland für die vorlieben der leserin interessieren, sind die cookiehändler.

*edit: gibt es. der bibliotheken-zugang bietet viel mehr als erwartet, auch der spiegel-text ist über die genios-suchseite zu finden. mit dem pressreader, auch da kann man sich mit der berliner bibliothekskarte anmelden, gibt es zeitschriften und zeitungen aus der ganzen welt zu lesen. für 10€ im jahr. sehr tolles angebot.

eine freundin erzählte mir dann, dass man in berlin über die seite der öffentlichen (berliner) bibliotheken auch zugang zu einigen zeitschriften erhält, unter anderem dem spiegel. ich dachte prima, da wolltest du doch eh mal wieder hin, seit diesem offenen brief von einem haufen schriftsteller*innen, in dem zumindest missverständlich gegen bibliotheken gewettert wurde. stadtbibliothekskarte nicht mehr gefunden. online anmeldung versucht, das ging aber ohne die ausweisnummer nicht, ich solle zu meiner bibliothek gehen. googeln ergab, dass die längst geschlossen worden ist, genau wie die schöne kinderbibliothek hier in meinem kiez, bei der ich mit den jungs früher so oft war, es scheint, in berlin muss keiner gegen die bibliotheken argumentieren, die sterben auch von alleine aus. also habe ich heute eine hunderunde zur nächsten öffentlichen bib gemacht. sie hatten mich im rechner, weil ich ihnen seit anno tobak noch ein paar euro schuldig war, sonst wäre der account geschlossen worden, wie mir die mitarbeiterin sagte, und ich durfte mir eine neue karte in meiner lieblingsfarbe aussuchen, sehr erfreulich. eine schöne, große, luftige bibliothek, am wasserturmplatz, gehen sie da ruhig mal hin. sie haben auch ein blog. beim rundgang ein buch vom letzten jahr gefunden, von dem ich erstaunlicherweise nichts mitbekommen habe, obwohl es in meinem lieblingsverlag erschienen ist. gleich ausgeliehen, mit bisschen schlechtem gewissen, das ich ohne diese schräge fair-lesen-aktion nie gehabt hätte, weil bibliotheken eins der wichtigsten kulturellen angebote überhaupt sind, echt, was ist mit den leuten? aber ich hätte es eh nicht gekauft, es ist zu dick, ich hab keinen platz mehr für dicke bücher, und so wie ich es verstanden habe, sind die bibs keine konkurrenz zum privatkäufer, sondern teil des marktes. ich weiß nicht, ob dieses buch in der bibliothek außer mir noch andere leute vom kaufen abgehalten hat, es gibt leider keine tabelle mit vorherigen ausleihen mehr hinten drin, wie früher. ohne bibliothek hätte ich das buch wahrscheinlich nur an- und nicht richtig gelesen, mal schauen, ob ich ein buch mit leihfrist schneller lesen werde als die anderen drei auf dem nachtisch, sonst hat nur das teilgelesene auf dem reader noch eine deadline (lesegruppentermin), also hmm.

buch von maria popova, gefunden in der bibliothek

ein buch gefunden, dass mir ohne twitter gar nicht aufgefallen wäre, aber nicht ausgeliehen.

wie sich zeigt, ist der aktuelle spiegel noch nicht über die vöbb -seite verfügbar, mal schauen, ob mich das thema nächste woche noch interessiert, könnte sein, dass nicht. jedenfalls hatten die beiden toptwitterthemen einen positiven einfluss auf meine tagesgestaltung. netz wirkt.

kw 40

am letzten wochenende 2. reise seit corona gemacht. die erste war nach italien im letzten sommer, dieses jahr bin ich nicht nach italien gefahren, eher aus finanziellen denn aus anderen gründen. es fehlt mir, aber ich bin so oft da, ich kann es mir gut genug vorstellen, inclusive licht, hitze, luft, ich habe jede situation als 3d-erlebnis im kopf. jetzt bin ich auf den 60. einer besten freundin gefahren, den zweiten im freundeskreis, es geht lohos! die party fand in baden württemberg statt, weil da einer ihrer zuhause-punkte aus der kindheit ist, sie ist sehr oft umgezogen in ihrem berufsleben. ein tag im auto hin, ein tag party, ein tag im auto zurück, sehr intensiv.

schloss lichtenstein

es gibt dort unten eine art märchenschloss, im 19.jh als mittelalterliche ritterburg auf den ruinen einer mittelalterlichen ritterburg erbaut, zu dem ich einen kurzen ausflug gemacht habe, auf einem berg stehend, mit sensationellem ausblick übers weite, hügelige und dicht bewaldete land, vielen türmchen und zinnen und einem tiefen felsenriff darunter. das war wirklich strange. die burg ist anscheinend berühmt und war schon morgens um 10 gut besucht, darunter viele menschen mit ernsthaften kameras. ich sollte vielleicht mehr in deutschland herumreisen.

das fest fand in einer idyllisch gelegenen waldorf-schule statt, in 3g-modus mit extra test vor eintritt, geschlafen haben wir in einem atelier, das wie ein wohnraum wirkte. eine band und zwei frauen haben uns zum tanzen gebracht mit so etwas wie einer komplizierten polonaise und einigen wilden volkstänzen, zuletzt wurde a. in die mitte auf einen stuhl gesetzt, die gäste sind mit kerzen im wiegeschritt zu einer getragenen melodie um sie herumgegangen, in einem großen kreis. fanden alle schön, es war vollkommen ungroßstädtisch, aber innig auf eine selbstverständliche weise. musste schon bei der polonaise meine coolness abstellen, hat geklappt, habe sie nicht weiter vermisst in der nacht. eine gute idee war auch, alle gäste in der reihenfolge ihres kennenlernens der gastgeberin aufzustellen und sie die geschichte dazu erzählen zu lassen, die reihenfolge mussten wir dabei selber herausfinden. freund f. hat ein plinplong-konzert gegeben, zur allgemeinen erbauung. er hat das plingplong mit dem fahrrad mitgebracht, obwohl er im nördlichen bayern zuhause ist. es wurde gegessen und getanzt und geredet, um 2 im bett. die rückfahrt mit einer freundin und dem geburtstagskind, schön viel zeit zum reden und plaudern. tag danach platt gewesen.

ein mensch konnte nicht teilnehmen, weil ungeimpft und erkrankt, alle anderen waren geimpft. in meinem freundes- und bekanntenkreis sind eigentlich alle ganz selbstverständlich geimpft, aber es gibt bei jedem ein oder zwei leute im oft sehr nahen umfeld, die für alle überraschend zum covidleugner oder vaccinophobiker mutiert sind, und diese haltung mit großem fervor vertreten. ich finde da beides interessant, die antiaufklärerische und wissenschaftsfeindliche haltung bei klugen leuten, genauso wie den mitteilungseifer und die felsenfeste überzeugung, beides ist mir bisher noch nirgendwo begegnet. gestern mit einem freund geredet, der glaubt, die impfungen sollen die bevölkerung reduzieren. wir kennen uns lange, wir mögen uns, wir beide wollten kommunizieren. er hat eine harte zeit gerade, weil er als impfgegner fast alle anderen als feindselig erlebt, dabei ist seine angst genuin und tiefempfunden, sie ist nicht zu entkräften, nicht mit argumenten, es gibt zu jedem wissenschaftlichen argument einen youtubefilm, der das gegenteil behauptet, und es gibt vor allem viel mehr youtube-kram als argumente, die ja immer auf einfachen und klaren prinzipien wie naturgesetzen und sowas beruhen, wenn man die nicht glaubt, nun ja. macht wenig sinn, da weiter zu reden, das schöne war, das hat er auch gemerkt und gesagt, er will nicht monologisieren, will die trennung und das trennende nicht, sondern übers fühlen und die liebe im gespräch bleiben, aber es klang ein bisschen so wie ein ertrinkender, der ein rettungsboot finden muss. dann hat er weitergesprochen, und ich hab endlich verstanden, was ich bisher nicht sehen konnte: die staatlichen regelungen triggern bei ihm die erlebnisse seiner jugend in der ddr auf eine massive weise, die machtlosigkeit, das ausgeliefertsein, die angst davor, ins gefängnis zu kommen, wenn er so lebt, wie er es möchte. er erzählt, wie ihm nach dem mauerfall ein stein vom herzen gefallen ist, weil er nicht mehr in den knast muss. ich versuche, seine angst vor einer neuen diktatur zu entkräften, komme aber auch hier mit argumenten nicht weiter. wenn ich sage „die haben leute erschossen“ sagt er: „die impfung tötet“, und der hinweis aufs ausreiseverbot bringt natürlich auch nichts, weil jetzt ja auch keiner mehr reisen darf, dann sage ich: „das stimmt nicht, du kannst wieder reisen, musst nur ein paar regeln beachten“, sagt er: „ja, ich soll mich impfen lassen“. seine wahrnehmung hat ihn in einen käfig gesetzt. es geht nicht um argumente, es geht um seine bare necessities, er ist wirklich in einem anderen film als ich. er lebt in einer dystopie, bei der gerade die ausgänge verschlossen werden, ich lebe in der brd und bin tiefenentspannt, was den schutz unserer verfassung angeht. „ich habe es überlebt“, sagt er ein paarmal, das hilft ihm aus der angst heraus, „ich werde es wieder überleben“. ich habe ihm zugehört und herz und seele geöffnet, wie er es vorgeschlagen hat, konnte mitfühlen, habe etwas nachvollziehen können, glaube verstanden zu haben, dass er eventuell an einer form von ptsd leidet. ich weiß natürlich nicht, wie es in der ddr war, und es ist anmaßend, zu sagen: ich kann es mir vorstellen. das kann ich nicht. aber ich wurde an meine privilegien erinnert.

die corona-warnapp hat mir zum ersten mal die rote karte gezeigt, ich möge zuhause bleiben und abstand halten. selbsttest gemacht, negativ, gemerkt, dass ich inzwischen schon mit einem impfdurchbruch rechne, irgendwann, und dass es mir keine angst mehr macht. bekomme einen booster im november, es wird danach wohl jährliche neue impfungen geben wie bei der grippe. wir werden sehen.

jetzt noch den bare-necessities-ohrwurm wieder wegkriegen.

pollesch: aufstieg und fall eines vorhangs

die volksbühne ist wieder offen, ihr neues logo ist eine grobpixelige und knallbunte darstellung des alten logos, das es ja nicht mehr gibt, auf dem platz vorm theater steht jetzt ein zirkuszelt, gestern war es zu, aber es steht als zusätzlicher veranstaltungsort im programm. der zirkus vielleicht auch als sehnsuchtsort, wo die illusionen noch tragen, die wünsche einfach sind, wuttkes kostüm ist eine gute mischung aus zirkusdirektor und theaterpunk mit totenkopf-shirt. und ich sitze mit freundin a. oben im rang, die plätze neben uns sind mit bändern hochgebunden, wenn man nicht aus dem selben haushalt kommt, echt aufwändige vorbereitung. wir machen die bänder auf.

martin wuttke und katrin angerer auf der bühne, sie spielen mit theaterformen, das publikum im raum als ein freies element, von den schauspielern mal dargestellt, mal umworben. in der ersten szene sehen wir angerer und wuttke als regisseur und schauspieler (glaube ich, es war kein klares bild), wie sie einen kartentrick ausführen wollen, miteinander und also mit uns, dann zieht wuttke immer die falschen karten (aus einem programmzetttel: „also kommen sie, ziehen sie eine karte! … nein! das ist mein rezept für dingsda. sie vertun sich aber auch ständig. sie sollen doch eine karte ziehn.“) das ist ziemlich lustig und sehr pollesch. die szene endet mit einer waffe, aber es stirbt keiner. die vier personen auf der bühne (susanne bredehöft und margarita breitkreiz sind die anderen beiden) zeigen uns durch den abend immer wieder die instrumente, die dialoge sind schnell und wechseln mühelos die ebenen, ernst, albern, oder „kubistisch“; wie wuttke einmal ruft, als 3d-figur zusammengesetzt aus meinetwegen rolle, schauspieler und theatertheorie, alle ebenen gleichzeitig. ich weiß es aber nicht genau, wer jetzt gerade als was auftritt, es ist auch nicht entscheidend, alles fließt, wie bei pirandellos 6 figuren, die einen autor suchen, aber das ist halt 21. jh., da steht das ganze theater auf dem spiel, mit im spiel, und es ist nicht mehr klar zu verstehen, was wir voneinander wollen können, publikum und theater, da können sich die theaterleute noch so anstrengen, und dann gibt es doch nur aber immerhin zaubern sie uns ein kaninchen aus dem hut, dargestellt durch einen riesigen echten weißen hasen, der ein paar schritte auf der bühne machen durfte.

viel text, den ich hoffentlich irgendwo nachlesen kann, oder ich geh halt nochmal rein. auf dem programmzettel steht sekundärliteratur, aber da bin ich klassisch orientiert, nach dem stück ist das stück vorbei.

mitten im geschehen der bühnenvorhang, aber als federleichte, leuchtend orangene version seiner selbst, die grenze zwischen uns und dem theater ist beweglich und bei pollesch tanzt sie mit den schauspielern, deckt sie zu, liegt wie ein multidimensionales und bewegliches objekt mal vor, mal hinter, mal auf den menschen auf der bühne. in einer szene zwingt angerer als dompteuse den vorhang in die höhe, um die bühne freizugeben, mit so einer art psychedelischer peitsche aus dem gymnastikkurs, das war mein liebstes bild.

am ende gab es noch einen epilog von wuttke, da hab ich leider nicht mehr richtig aufgepasst, aber es ist keiner gestorben, anders als bei pirandello, wo am ende alle auseinanderlaufen und nichts mehr mit dem theater zu tun haben wollen. großes yeah-gefühl bei der freundin und mir, es geht weiter, es gibt wieder spannendes theater, wir dürfen schauen und denken und bisschen glücklicher nach hause gehen.

last sommerfest 2021

einen echten höllentrip mit dem auto zum lcb gemacht, mit umweg zu frau engl, die ich abholen wollte. erst paar staus, dann eine demo, dann weitere staus, dann eine weile stillstand. über 2h im auto gesessen für die strecke nach neukölln. helga schubert verpasst, die hätten wir gern gesehen. dann ein autor, der sich wach und wendig in seinem thema bewegt, geschichte europas über drei familiengeschichten, uns war nicht so nach richelieu, aber der vortrag war sehr faktenreich und irgendwie freudvoll, das war nett. es folgten drei autorinnen mit geschichten, bei denen der geist ins wandern kam, über schicksalsschläge, die ich nicht verstanden habe, eine szene mit einer fußpflegerin, die in ihrem beruf nicht glücklich geworden ist, im gespräch mit der hauptfigur, die wohl keine gute mutter war, anders als die fußpflegerin, wir als mütter im publikum wurden vorher aufgerufen, die hand zu heben, wenn wir eine mutter haben oder eine mutter sind. nicht alle haben die hand gehoben, immerhin, immerhin. wiederholt haben die moderatorInnen erzählt, wie berührt sie waren von den büchern, gradezu umgeworfen wurden, niedergestreckt ins mitgefühl, besonders die eine szene, wo ein verstorbener („toter“) vater seinen söhnen einen zettel hinterlässt, auf dem steht: an meine söhne. wir so: hmm? (halt, das letzte war aus dem buch von einem mann, alex schulmann, die überlebenden). das hat sich alles nicht so erschlossen leider, auch die auswahl der vorgelesenen stellen hatte wohl verborgene gründe. ein guter, funktionierender text war dabei, über hoden und helden (zitat von j.-u.), die heldenbilder von baselitz spielten eine rolle. von lukas rietzschel, den werde ich weiterlesen. lustig war auch, wie aus den noch nicht erschienenen büchern die schlüsselszenen nacherzählt wurden, nicht vorgelesen, was die schriftstellerei vom joch der poetik, des stils, und allgemein des literarischen talents befreit, eine echte demokratisierung. oder gibt es da eine schweigepflicht vor veröffentlichung? es war so rätselhaft wie lustig. ist vielleicht auch eine feuerprobe, wenn ein text die nacherzählung aushält, ich hab wohl einiges verpasst in der literarischen szene. den hang hoch und runtergewandert, brezel geteilt mit frau engl, frau gaga und paar freunde getroffen. ins grüne, sehr grüne wasser geschaut, am ende im letzten sonnenlicht gesessen und herrn schulze zugehört, mit diesem befreienden gefühl, wenn der ganze kopf für einen text gebraucht wird, ich mich konzentrieren darf und das gerne tue, weil die stellen eine gewisse schnittige eleganz haben. und bisschen schönheit. zweiter text, den ich gerne ganz lesen möchte.

sone und solche songs

das lustige gefühl, wenn auf der playlist plötzlich birdland von gespielt von pastorius läuft, mit einer bilderflut von räumen und menschen, und wie ich es immer noch lauter stelle. keine situationen oder stimmungen, nur die menschen, mit denen ich es mal gehört habe, bestimmt noch aus den achtzigern. ich verbinde das lied selber eigentlich mit nichts, mit nix eigentlichem, es ist nichts für den hintergrund, es fügt sich nicht ein, es ist ein rampensau-sound aus einer handvoll guter ideen. letzter raum in den erinnerungen der gemeindesaal, in dem m und m einen abend lang alle ihre freunde zum tanzen eingladen haben, jeder hat seine musik mitgebracht, und über birdland haben sich m und ich richtig gefreut. steht für sich selber, ist in meiner wahrnehmung vollkommen zeitlos. kann aber auch nichts anderes machen dabei, es fängt und hält die aufmerksamkeit.

das mag ich am neuen jazz, er findet im leeren raum statt, neue möglichkeiten, keine erwartungen, das glück, wenn sich dann etwas fügt. bestimmt eine altersfrage. oder ich erkenne einfach die ganzen themen/motive nicht.

fällt mir ein, wie ich einmal auf einer meiner geburtstagsparties vergessen habe, die musik zu handeln, und wie die ganze nacht eine ewig umfangreiche blues-playlist lief („Blues: 200 Must Have Classics“), als sei das absicht.

heut schrieb jemand auf twitter, dass er von den 10 topsongs keinen mehr kennt, mir geht das immer so mit den playlists der jungs. auf der sommerfahrt mit vielen kindern, auf die ich mitgefahren bin, hat einer der teamer irgendwas angemacht, etwas eher albernes, und alle kinder haben von einer sekunde auf die andere angefangen zu tanzen, aus dem geplauder und den spielen und dem teller-abwaschen heraus, alle zusammen, richtig mit schrittfolgen, jedes da, wo es grade stand. instantane freude übers rückenmark. sie kannten das von den vorhergehenden fahrten. es kann aber auch sein, dass ich zu lange kein konzert mehr gesehen habe.

18. juli 2021

seit ich wieder zum hinterhof schlafe, höre ich jede nacht ein oder zwei orgasmen, aber keine musik oder gespräche. außerdem gurrende tauben, die sich manchmal im efeu verheddern mit lautem flügelschlag. das schlafzimmer ist immer ein paar grad kühler als der rest der wohnung, es gibt nur morgens eine halbe stunde sonne. bisher träume ich noch zu selten vom meer.

den 5. transformers-film geguckt, erst nix verstanden, weil ich nur den ersten vor jahren mit den kids gesehen habe. wusste nicht immer, wer jetzt warum gut oder böse ist, über referenzen gefreut (das raumschiff der angreifer hat gewisse ähnlichkeiten mit dem schiff vom romulaner nero im star trek 11), die animationen übertrieben detailliert, fast ermüdend, trotzdem erschreckend real, drehbuch ist bestimmt von kitakindern entwickelt, wo ein kind eben roboter ist, das andere ritter, und dann kommen aliens.

danach bisschen in „la mort d’arthure“ gelesen, in der von thomas wright 1865 neu herausgegebenen ausgabe von thomas malorys version (nach der abschrift von william caxton). es riecht leider ein bisschen gammelig, aber der text funktioniert noch immer, wright kommentiert gelegentlich, es ist ganz amüsant, und in vielen schlüsselszenen anders, so zieht der junge arthur das schwert nicht nur einmal aus dem amboss, er tut von neujahr bis pfingsten eigentlich nichts anderes, für jeden anreisenden fürsten aufs neue, bis er alle überzeugt hat.

der sommer ist noch lang. ich gehe jetzt schlafen, ein wind bewegt die gardinen.

.

die liebe geschieht, wie es in ihrer macht steht, weil sie ist, pure gegenwart, ein wirbel, ein vogel, der fliegt und nicht landen muss, zwischen den sätzen und tageszeiten, sie ist ein schatten, nur kurz sichtbar, einen atemzug lang, und nachts guckt sie in den sternenhimmel, während die zeit zu schnell vergeht. all ihre schönheit passt in eine kleine berührung, mit der sie aneinander vorbeigehen, ein lied, das niemand singen darf, als wäre nichts, und nichts passiert. nichts ist passiert.

alles ist gut.

10. juni 2021

die wärme draussen umfängt mich, jeder blick ins blau und grün ist fest verbunden mit allen anderen sommern, die bilder hängen aneinander wie eine lichterkette, ich muss bloss die augen schließen. sofort eine tiefe grundentspannung, ich bin ein sommermensch, mag die hitze, werde erdbeereis machen, sobald ich den blöden freezer abgetaut habe. tanken für den winter beginnt jetzt.

friedrichshain, sommertag

gestern und vorgestern hatte ich die letzten prüfungen für einen abschluss als zertifizierte erzieherin, habe die ausbildung als sogenannte nichtschülerin ohne schulischen rahmen gemacht. das ist eine feine methode, quasi nebenher einen abschluss zu machen, wenn auch arbeitsaufwändig, weil es viel zu lernen gibt, und für prokrastinatorinnen wie mich zeitweise mühsam. dabei ist der gesamte stoff wirklich interessant, alles lässt sich direkt anwenden, ich habe viel gelernt dabei. nur der jargon ist gewöhnungsbedürftig. die pädagogik hat ein hohes mass an kombinierten substantiven, es gibt eine unmenge an x-kompetenzen, die man auseinanderhalten sollte. meine mutter dazu: endlich hast du einen beruf!

seit gestern (!) nach längerer ebbe zwei neue jobanfragen im alten berufszweig, total verlockend und interessant, wie üblich projekte, keine festen jobs, aber ist das nicht typisch? was für ein irres timing. einen musste ich absagen, so ist das halt, aber es tut ein bisschen weh. als erzieherin werde ich aller wahrscheinlichkeit nach sichere jobs haben, mit anderen herausforderungen, und durch die kontinuierliche beschäftigung ist der lohn wahrscheinlich am ende des jahres ähnlich wie bei diesen hin-und-wieder-projekten, die jedes für sich höher bezahlt werden. mein herz schlägt für beides, ich glaube, mein kopf braucht auch beides. vielleicht ergibt sich ja was.

28. mai 2021

gestern hat der freund vom großen das bett vorbeigebracht und mir sogar beim hochtragen geholfen. es ist genau so, wie ich es mir vorgestellt habe, aus nussholz, und es hat noch zwei lattenroste dabei, die zusammen schon deutlich mehr gekostet haben, als ich für das bett bezahlt habe. nach >10 jahren auf einem schlafsofa werde ich aufrüsten auf ein richtiges bett, bin sehr gespannt, ob es sich anders anfühlt, ich bin eher devise hauptsache horizontal. es ist ein italienisches bett, ohne schrauben, mit nur vier steckverbindungen, sieht nach gutem möbelhandwerk aus. da hatte ich glück. <3 ebay.

das zimmer wird nächste woche endlich tapeziert, zur zeit schlafe ich noch im would be arbeitszimmer, das allerdings im sommer eine schöne aussicht auf lauter grüne bäume hat, im schlafzimmer ist nur der innenhof vorm fenster. ich werde dann vermutlich wieder mehr vom schreibtisch aus arbeiten.

für den spätnachmittag hat eine freundin slots bei neo rauch bekommen, im gutshaus steglitz, sehr kräftige bilder und einen bronzenen kentaur im glaskasten, auf 3 räume verteilt. ich sehe zum ersten mal bilder von ihm in einer ausstellung, das gefühl ist: vorher noch nie gesehen, so intensiv wirken farben und figuren, großformatige malerei, bedeutungsstark, mit vielen ebenen, die alle nicht nur angedeutet sind. erste ausstellung seit november, sehr intensives erlebnis. danach noch ein bierchen mit den freunden, mein zweites mal in einem lokal seit 14 monaten, für die freunde das erste. beides wirkte euphorisierend. dann im auto durch die ganze stadt zurück und die stadt dabei gefeiert, steglitz! schöneberg! tiergarten, mitte, und mein gott, der alex, mit seinen quadratisch-praktischen hochhäusern.

für die ausstellung vielleicht den letzten test gemacht, am mittwoch ist die zweite impfung zwei wochen her. die impfpässe sind ca. einen mm größer als reisepässe und passen nicht in die für pässe gefertigten taschen, hoffe, ich finde noch was, das ding wird meine handtasche so nicht lange überleben. die mitarbeiterin hat sehr gründlich getestet, vielleicht nach den berichten über unzuverlässige arbeit in den diversen privaten teststellen in der stadt? – nach dem artikel per google gesucht, nichts gefunden, heißt das, es gab keine berichte, oder sie waren nicht wahr? hmm. erinnert mich an meinen versuch, berichte über mäuse in hotels zu finden, das ging mit google auch nicht gut.

abends noch den d.-zwilling verabschiedet, der wieder nach halle zurückgefahren ist. er trägt die haare nach kurzer weißblonder phase jetzt wieder dunkel und hat einen vollbart, mein kleiner 6-pfünder von 2001. abschiedsschmerz gefühlt, das leere nest wird zu etwas, das ich gestalten muss, aktiv angehen.

die zither

gestern gab es ein recht großes paket auszupacken, die verpackung war ursprünglich für einen grill, da war kurz die freude der anwesenden groß. es war sehr gründlich verklebt, und als wir die alte pappschachtel dann offen auf dem tisch hatten, konnte weder zwilling d noch zwilling g mit dem inhalt irgend etwas anfangen. das war ein schöner moment.

folgendermaßen: der g.-zwilling hat sich links eine doofe sehnenscheidenentzündung geholt, weil er zuviel gitarre spielt, und sollte deswegen eine zeitlang nicht mehr spielen. es fällt ihm schwer, er hat das spielen in seinen seelenhaushalt eingebaut und ist ganz nebenbei richtig gut geworden in den letzten monaten. damit die pause nicht zur gewohnheit wird, wollte ich ihm eine zither besorgen, auf der er solange spielen kann, bis mir auffiel, dass er dann vermutlich die sehnen seiner anderen hand auch noch überlastet.

zither c.g. schuster jun.

auf dem weg zu dieser erkenntnis habe ich im netz versehentlich eine gekauft. für 22,50€, das kann sogar ich verschmerzen, gestern ist sie angekommen, jetzt überlege ich, ob ich nicht noch ein weiteres instrument nicht richtig spielen lernen kann, ein fast vergessenes, in die volksmusik verbanntes, eine verbindung von gitarre und harfe, 5 saiten über ein griffbrett mit 29 bünden gespannt, mit denen wird die melodie gespielt, immer einen ton nach dem anderen, mit dem daumen, die anderen saiten darüber in festen tonhöhen für die begleitung. hier genauer beschrieben. eine zither kann fast den tonumfang eines klaviers aufbringen mit bis zu 5 1/2 oktaven, klingt aber immer eher klimperig. ich weiß aus meiner generation niemanden, der eine spielt, wir hatten den großvater meiner mutter, das ist 3 generationen her, das instrument ist bei der musikalischsten familie aus der erbfolge gelandet, liegt dort aber auch eher ungestört vor sich hin. niemand spielt sie noch, es scheint eine bergbuam-sache zu sein, auf der zither zu spielen, es fällt schon auf, dass die spieler auf den fotos überdurchschnittlich oft lederhosen tragen (keine frauen gesehen auf den bildern). ihr klang ist harfenähnlich, es fehlt der korpus mit der klangmacht der gitarre, die saiten werden alle gezupft und nicht geschlagen. sie brauchen vielleicht den kneipenchor als klangraum. es gibt viele im netz, fast alles 60 bis über 100 jahre alte instrumente, andrerseits wieder wenige dafür, dass sie tatsächlich mal so beliebt waren. vielleicht gibt es eine geheime und nicht netzaffine großgruppe von zitherist+innen in den diversen subalpinen eckkneipen, die jedes wochenende mit einem bier im krug und einer gruppe von freund*innen herum die alten weisen singen? am repertoire kann es auch liegen, zithern waren in der volksmusik beliebt, die von den nazis besetzt wurde, die haben das instrument vielleicht gleich mit verdorben, obwohl sogar sisi darauf gespielt hat, weil ihr vater ein passionierter zitherspieler war. im deutschen ist ja im vergleich zu anderen europäischen liedkulturen wenig übrig geblieben, außer hoch auf dem gelben wagen und die gedanken sind frei und sowas. unvergessen eine hochzeit in schweden, wo die schwedischen gäste bis in den frühen morgen mehrstimmig vielstrophige lieder sangen, während wir deutschen die drei, die wir kannten, nur so mitbrummen konnten. auch in italien singen die leute mehr lieder einfach so, es gibt einen allgemein verfügbaren liedkanon, den jeder kennt und kann. überlebt hat die volksmusik hier vielleicht nur als schlager? brr.

die zithern waren jedenfalls anfang des vorigen jahrhunderts eine zeitlang modern und beliebt, gebaut mit teilweise wunderschönem holz, palisander und mahagoni, das griffbrett aus ebenholz. meine stammt aus markneukirchen, einer sächsischen kleinstadt mit langer tradition im instrumentenbau. christian friedrich martin ist nach stress mit der innung 1833 von hier in die usa ausgewandert, um dort weiter gitarren zu bauen, und der nachfolger von framus ist hier immer noch zu hause, sogar zithern werden dort noch gebaut.

die „Firma C.G. Schuster jun.“ hat außer instrumenten auch noch saiten hergestellt, es gibt noch ein paar geigen und zithern im netz, die firma gibt es nicht mehr. meine etwas betagte konzertzither wurde vermutlich irgendwann anfang des 20. jh. gebaut, wer weiß, wann sie zuletzt gespielt wurde.

ich kann zither-musik laufen lassen, höre allerdings bald nicht mehr richtig zu, es wird zu einer art differenzierten sottofondo, genau wie beim cembalo hören, es erfordert konzentration, sonst werde ich angenehm müde davon.

einlegearbeit spielmann mit pferd

die einlegearbeit mit einem blassen spielmann ist schon charmant – ich merke, jetzt hab ich sie mir warmgeschrieben, dabei wollte ich sie sofort wieder reinstellen. sie hat einen riss, ich habe beim gitarrenbauer mal angefragt, vermute aber, es wird aufwändig und damit automatisch zu aufwändig. fürs stimmen gibt es natürlich eine app, aber es kann kein vergnügen sein, diesen haufen saiten zu wechseln.

paar links:

es gibt ein stimmblatt zum unterlegen

die nmz hat einiges über zithern gebracht, auch den verweis auf einen recht umtriebigen spieler: martin mallaun.