lichtjahre von james salter

in den ferien lichtjahre gelesen, ziemlich begeistert gelesen, eine familie in einem vorort von new york, ehepaar mit zwei töchtern, in den fünfzigern und sechzigerjahren des letzten jahrhunderts. salter schreibt beschwörend, als wäre diese art leben noch in gefahr und nicht schon längst vorbei, als wäre sogar die erinnerung daran in gefahr, das unbekümmerte leben, die dinnerparties, new york vor dem grossen geld.

es gibt ja manchmal gelegenheiten, einen freund, den man sehr lange kennt, in ein oder zwei perfekt treffenden sätzen zu beschreiben, sowas gelingt salter die ganze zeit, in oft überraschenden bildern, auf die man sich einlassen, an die man sich erst gewöhnen muss. fünfziger, sechzigerjahre, ein leben ohne jeden schatten, jede bewegung, jeder tag frei von zweifeln, vollkommen mühelos, in wohlstand und kultur, mit gutem essen, interessanten gesprächen, als ob sich all das dunkle, zweifelnde des lebens einfach nicht rübergerettet hat ins erinnern.

wie die erinnerung an die tollen sätze nachlässt nach ein paar tagen und ein kleiner ärger über eins der tieferliegenden motive des romans hochkommt, die schwäche des autors für die jugend und junge frauen. beim lesen hab ich sie nachvollziehen und sogar teilen können, als in ihrer klarheit eher unproblematische hommage an die schönheit, fast wertfrei, als würde es nicht um glatte oder welke haut gehen, sondern einfach um vanille- oder erdbeereis, bis ich wieder auf meiner eigenen seite war, aber beim lesen war ich einverstanden damit. ich war neugierig darauf, wie der autor das altern seiner protagonistin beschreibt, aber was macht er? er lässt sie einfach sterben. mit 47! salter ist damit schon auf linie geblieben, weil jugend vergänglich ist und die jugend einen großen teil der figur ausmacht, und es passt, dass nichts von ihr bleibt ausser der erinnerung, hat mich aber als identifikatorische, nicht analytische leserin trotzdem geärgert, du alterst und verschwindest aus dem leben. der mann aber lebt weiter, mit einer neuen, viel jüngeren frau, nein, im buch ist es kein clichee, da hat es eine schwebende und fein beobachtete richtigkeit, das leben wie der tod. aber das ist im rl ja auch so, es ist immer dieser besondere mensch, nie seine jugend. der protagonist hat sein lebensglück auch verloren, hat es zurückgelassen, als seine erste ehe vorbeiging, wie das leben eben vorbeigeht, egal, ob man darauf achtet oder nicht. lesenswerter roman.

 

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