last sommerfest 2021

einen echten höllentrip mit dem auto zum lcb gemacht, mit umweg zu frau engl, die ich abholen wollte. erst paar staus, dann eine demo, dann weitere staus, dann eine weile stillstand. über 2h im auto gesessen für die strecke nach neukölln. helga schubert verpasst, die hätten wir gern gesehen. dann ein autor, der sich wach und wendig in seinem thema bewegt, geschichte europas über drei familiengeschichten, uns war nicht so nach richelieu, aber der vortrag war sehr faktenreich und irgendwie freudvoll, das war nett. es folgten drei autorinnen mit geschichten, bei denen der geist ins wandern kam, über schicksalsschläge, die ich nicht verstanden habe, eine szene mit einer fußpflegerin, die in ihrem beruf nicht glücklich geworden ist, im gespräch mit der hauptfigur, die wohl keine gute mutter war, anders als die fußpflegerin, wir als mütter im publikum wurden vorher aufgerufen, die hand zu heben, wenn wir eine mutter haben oder eine mutter sind. nicht alle haben die hand gehoben, immerhin, immerhin. wiederholt haben die moderatorInnen erzählt, wie berührt sie waren von den büchern, gradezu umgeworfen wurden, niedergestreckt ins mitgefühl, besonders die eine szene, wo ein verstorbener („toter“) vater seinen söhnen einen zettel hinterlässt, auf dem steht: an meine söhne. wir so: hmm? (halt, das letzte war aus dem buch von einem mann, alex schulmann, die überlebenden). das hat sich alles nicht so erschlossen leider, auch die auswahl der vorgelesenen stellen hatte wohl verborgene gründe. ein guter, funktionierender text war dabei, über hoden und helden (zitat von j.-u.), die heldenbilder von baselitz spielten eine rolle. von lukas rietzschel, den werde ich weiterlesen. lustig war auch, wie aus den noch nicht erschienenen büchern die schlüsselszenen nacherzählt wurden, nicht vorgelesen, was die schriftstellerei vom joch der poetik, des stils, und allgemein des literarischen talents befreit, eine echte demokratisierung. oder gibt es da eine schweigepflicht vor veröffentlichung? es war so rätselhaft wie lustig. ist vielleicht auch eine feuerprobe, wenn ein text die nacherzählung aushält, ich hab wohl einiges verpasst in der literarischen szene. den hang hoch und runtergewandert, brezel geteilt mit frau engl, frau gaga und paar freunde getroffen. ins grüne, sehr grüne wasser geschaut, am ende im letzten sonnenlicht gesessen und herrn schulze zugehört, mit diesem befreienden gefühl, wenn der ganze kopf für einen text gebraucht wird, ich mich konzentrieren darf und das gerne tue, weil die stellen eine gewisse schnittige eleganz haben. und bisschen schönheit. zweiter text, den ich gerne ganz lesen möchte.

18. juli 2021

seit ich wieder zum hinterhof schlafe, höre ich jede nacht ein oder zwei orgasmen, aber keine musik oder gespräche. außerdem gurrende tauben, die sich manchmal im efeu verheddern mit lautem flügelschlag. das schlafzimmer ist immer ein paar grad kühler als der rest der wohnung, es gibt nur morgens eine halbe stunde sonne. bisher träume ich noch zu selten vom meer.

den 5. transformers-film geguckt, erst nix verstanden, weil ich nur den ersten vor jahren mit den kids gesehen habe. wusste nicht immer, wer jetzt warum gut oder böse ist, über referenzen gefreut (das raumschiff der angreifer hat gewisse ähnlichkeiten mit dem schiff vom romulaner nero im star trek 11), die animationen übertrieben detailliert, fast ermüdend, trotzdem erschreckend real, drehbuch ist bestimmt von kitakindern entwickelt, wo ein kind eben roboter ist, das andere ritter, und dann kommen aliens.

danach bisschen in „la mort d’arthure“ gelesen, in der von thomas wright 1865 neu herausgegebenen ausgabe von thomas malorys version (nach der abschrift von william caxton). es riecht leider ein bisschen gammelig, aber der text funktioniert noch immer, wright kommentiert gelegentlich, es ist ganz amüsant, und in vielen schlüsselszenen anders, so zieht der junge arthur das schwert nicht nur einmal aus dem amboss, er tut von neujahr bis pfingsten eigentlich nichts anderes, für jeden anreisenden fürsten aufs neue, bis er alle überzeugt hat.

der sommer ist noch lang. ich gehe jetzt schlafen, ein wind bewegt die gardinen.

the parameters of our cage

there is a young man in a prison in the usa. he is looking for a way to spend his time and begins to be interested in art, begins to paint and write, later leads the courses himself. in january 2020 he wrote a letter to a photographer asking for contact and discussion. the photographer replies, and in the following months there will be a long exchange of letters about photography and life.

the photographer is alec soth, he made a book out of the conversation, mack published it for little money, the entire proceeds will go to the writing group in prison where the man started with his art. the book turned out great, and i only found it by chance while loitering on the internet because i never read the publishers‘ newsletters.

the prisoner, chris fausto cabrera, tells his life in the course of the letters (“I had plenty of opportunities to follow some good paths, and I almost did”, p.38), soth talks about his childhood, his path to photography, his workflow. They slowly get to know each other through the letters, at first just like a classic pen friendship in the fifties, then the contact becomes more urgent somehow, Corona and Trump occupy and burden soth, black lives matter happens, the letters are becoming more and more important for both writers, one notices that in the texts, in the beginning it is more of an exciting project, then they kind of dive into it, as a whole person. the two find a level of relaxed curiosity, an interest in each other, where both sides can be completely with themselves, open up, talk about their own world, the other reacts in his own way, with different stories and from a different perspective. From these very different lifes, completely different in everything, something new arises, about photography and dealing with it, about the ways of taking pictures, seeing pictures (soth), about life and the perception of life as an artist (cabrera ). Soth sends photos to jail with the letters and asks cabrera to write about them. At first Cabrera is surprised about the selection, then finds an entrance that offers a place for himself: “It’s interesting to enter the past through the backdoor of other peoples photos ”(p. 46). one takes the pictures, the other lives in them.

soth reports from the corona period, which bothered him a lot, (he emphasizes that the circumstances are totally different), cabrera was in isolation for a while and talks about how it changed him, he says, after the corona period maybe everyone will notice that the view and the interaction with people takes place from a greater distance, that the perception contains more of the self.

cabrera describes the photographs that he would like to have; he is only allowed to keep very few pictures in his closet. a couple of his family, a couple of pornographic ones, one of an actress who sits in her room wearing a t-shirt, a che guevara poster on the wall, a skeleton in the corner (he can practice drawing on it), objects in the space with which he can imagine her life, travel souvenirs, that sort of thing. soth passed the idea on on instagram, and asks his followers to build this photo with photoshop, and promised a signed photo for the best one. he has shown the final selection in the book, and he has asked cabrera to explain his decision in favor of one of them. cabrera does that, in just a few sentences, but he also writes about the other pictures, and goes on about traveling in his head, and then starts meandering through a few stories of his life, also telling about what brought him to prison, which i really wanted to know, of course, but also admired the fact that soth didn’t ask about it directly.

but you should read it for yourself, it really turned out to be one of the finest books of the year, and you can tell that the two of them didn’t intend to do that at all, or only very understated, unlike e.g. the man who put together a 5kg volume about the renaissance, to make a totally inappropriate comparison, and the renaissance band has certainly turned out to be a wonderful book, but not as beautiful as this one.

soth and cabrera both treat each other with this special sincerity, or no, they both take it seriously, they give everything because this seriousness is the best way to deal with the strangeness of the difference between their lives and to overcome it in the process, through communication, contact, proximity. it is also a typical tone, i think, for this kind of contact that it is alien to both of them, that is part of the fascination. it somehow reads very well.

it is a very special educational novel in which both sides learn a lot about each other, a book for photography and for art, even if it is only allowed to take place in the imagination.

(translated with google, sorry for that)

the parameters of our cage

da ist ein junger mann in einem gefängnis in den usa. er sucht nach einem weg, seine zeit zu verbringen und beginnt, sich für kunst zu interessieren, beginnt zu malen und zu schreiben, leitet die kurse später selber. er schreibt im januar 2020 einem fotografen einen brief, in dem er um kontakt und gespräch bittet. der fotograf antwortet, in den folgenden monaten entsteht ein langer briefwechsel über die fotografie und das leben.

der fotograf ist alec soth, er hat er ein buch aus dem gespräch gemacht, mack hat es für wenig geld veröffentlicht, der gesamte erlös geht an die schreibgruppe im gefängnis, bei der der mann mit der kunst angefangen hat. das buch ist großartig geworden, und ich hab es nur durch zufall beim herumlungern im netz gefunden, weil ich die newsletter der verlage immer nicht lese.

der gefangene, chris fausto cabrera, erzählt im lauf der briefe sein leben („I had plenty of opportunities to follow some good paths, and I almost did“, S.38), soth erzählt von seiner kindheit, seinem weg zur fotografie, über seine arbeitsabläufe. sie lernen sich über die briefe langsam besser kennen, zuerst wie in einer klassischen brieffreundschaft in den fünfzigern, dann wird der kontakt irgendwie dringlicher, corona und trump beschäftigen und belasten soth, black lives matter passiert, die briefe werden für beide schreiber immer wichtiger, man merkt das in den texten, am anfang ist es noch eher so ein spannendes projekt, dann begeben sie sich hinein, als ganze person. die beiden finden dabei so eine ebene entspannter neugierde, ein interesse füreinander, bei dem beide seiten ganz bei sich sein können, sich öffnen, von der eigenen welt erzählen, der andere reagiert auf seine eigene art darauf, mit anderen geschichten und aus anderer perspektive. aus diesen so grundverschiedenen leben, in komplett allem verschieden, entsteht etwas neues, über die fotografie und die auseinandersetzung damit, über die arten, bilder zu machen, bilder zu sehen (soth), über das leben und die wahrnehmung des lebens als künstler (cabrera). soth schickt mit den briefen fotos in den knast, und bittet cabrera, darüber zu schreiben, der wundert sich erst über die auswahl, findet dann einen zugang, der einen platz für ihn selber bietet: „It’s interesting to enter the past through the backdoor of other peoples fotos“ (S. 46). der eine macht die bilder, der andere lebt darin.

soth berichtet aus der corona-zeit, die ihn sehr mitnimmt, (betont dabei, dass die umstände total verschiedene sind), cabrera war eine zeitlang in isolationshaft und erzählt davon, wie es ihn verändert hat, er sagt, nach der corona-zeit würden eventuell alle merken, dass der blick und der umgang mit menschen aus größerer distanz erfolgt, das mehr ich in der wahrnehmung liegt.

cabrera beschreibt die fotografien, die er gern hätte, er darf nur sehr wenige bilder in seinem schrank aufbewahren. ein paar von seiner familie, ein paar pornographische, eins von einer schauspielerin, die mit einem t-shirt bekleidet in ihrem zimmer sitzt, ein che guevara poster an der wand, ein skelett in der ecke (daran kann er zeichnen üben), gegenstände im raum, mit denen er sich ihr leben vorstellen kann, reiseandenken, sowas. soth gibt die idee auf instagram weiter, und bittet seine follower, dieses foto mit photoshop zu bauen, dem besten verspricht er ein signiertes foto von sich. die endauswahl hat er im buch abgebildet, und er hat cabrera gebeten, seine entscheidung für eins davon zu begründen. das tut er, in nur ein paar sätzen, aber er schreibt auch über die anderen bilder, und dann weiter über das reisen im kopf, und mäandert dann durch ein paar geschichten seines lebens, erzählt auch über das, was ihn ins gefängnis gebracht hat, was ich natürlich wirklich wissen wollte, es aber auch ein bisschen bewundert habe, dass soth nicht direkt danach fragt, ganz im duktus des respects vor seinem gesprächspartner.

solltet ihr aber selber lesen, es ist wirklich eins der schönsten bücher des jahres geworden, und man merkt, dass die beiden das so gar nicht vorhatten, oder nur sehr understated, anders als z.bsp. der mann, der einen 5kg-prachtband über die renaissance zusammengestellt hat, um mal einen total unpassenden vergleich zu bringen, und der renaissance-band ist sicherlich ein wunderschönes buch geworden, aber nicht so schön wie dieses.

soth und cabrera gehen beide mit dieser besonderen aufrichtigkeit miteinander um, oder nein, sie nehmen es beide ernst, sie geben alles, weil diese ernsthaftigkeit der beste weg ist, mit der fremdheit, dem unterschied zwischen ihren leben umzugehen und ihn dabei zu überwinden, durch kommunikation, kontakt, nähe. es ist auch ein typischer tonfall, glaube ich, für diese art des kontakts, dass er ihnen beiden fremd ist, macht einen teil der faszination aus. es liest sich irgendwie sehr gut weg.

es ist ein ganz besonderer bildungsroman, bei dem beide seiten gleich viel voneinander erfahren, ein buch für die fotografie und für die kunst, selbst wenn sie nur in der vorstellung stattfinden darf.

10. dezember 2020

glühwein an jeder strassenecke. ich war eigentlich für morgen abend mit einer freundin verabredet, auch einen zu trinken, schon zur feier des wahlsiegs (wir hofften, t. hätte es bis dahin aufgegeben), aber auch zur feier einer erledigten aufgabe, die für mich morgen noch ansteht und mir angst macht. die glühwein-idee ist großartig, strassenverkauf, bisschen guter verdienst für die geplagten gastronomen, denn glühwein ist ja leider meistens ein rechtes gesöff, das ohne viel aufwand erzeugt werden kann. aber die leute stellen sich dann mit ihren glühweinbechern alle zusammen in die nähe der ausschankstellen, meistens an die nächste strassenecke, wo sie dann in pulks von 10-15 leuten beisammen stehen, plaudern, trinken, lachen, wie auf einem sommerfest im garten. ohne masken. so merkwürdig.

es ist anders als es im sommer war, wo man sich mal zu zweit mit abstand vor eine kneipe setzen konnte, es ist neu und also mit hipnessversprechen (wie heißt das heute? trend erscheint so lahm), es scheint halbwegs okay, weil draußen, der schutz der gruppe ist gegenwärtiger als die vage angst, sich anzustecken, und weil niemand die abstände kontrolliert, kann die freundesgruppe gegen den rest der welt zusammen sein, das zusammensein wirkt nach den monaten der isolation bestimmt schon drogenartig intensiv. das glück der gruppe. ich finds interessant, und schade, weil ich so den verabredeten glühwein mit freundin nicht trinken gehen kann.

the expanse angefangen. tolle effekte, wunderbar und selbstverständlich divers, sehr viele tolle starke frauen. in der zukunft werden ein paar planeten und ein asteroidengürtel von menschen bevölkert, diese kolonien werden selbständig und geraten in konflikt um ressourcen. die serie zeigt figuren, die sich zwischen diesen parteien hin und herbewegen, es gibt für den zuschauer keinen eindeutig guten oder bösen, jede partie hat gute gründe, das fand ich wirklich fascinating. es gibt bisher, staffel 2 bin ich, es sind 5 inzwischen, eigentlich nur eine lange reihe von konflikten zwischen allen parteien, intrigen, machtkämpfe, wobei diese intrigen und manipulationen oft wie eine dramaturgische abkürzung wirken, um den konflikt eben filmisch voranzutreiben, und dabei trotzdem die menschheit als eigentlich friedliebend darstellen zu können, also der böse einzelne vs. den am frieden als systemerhalt interessierten regierungen. der entwurf dieses systems ist toll gemacht, die un als weltregierung, die erde total überbevölkert und größtenteils im elend lebend, die regierung als netzwerk von privilegierten, das ist irgendwie glaubwürdig. so könnte es werden.

die plots wirken ein bisschen wie eine verfilmung eines geschichtsbuches, in dem die nicht kriegerischen aspekte des lebens nicht vorkommen müssen. musste an „der große krieg“ von herfried münkler denken, in dem mit bewundernswerter unermüdbarkeit die strategien auf die einzelnen entscheidungen heruntergebrochen und dann detailliert erzählt werden, in all ihrer komplexität, die ja oft nicht mehr als reine gleichzeitigkeit ist.

hier herfried münkler zum thema gesellschaft nach corona, auch interessant.

(zufällige seite aufgeschlagen, sehr schön ein zitat von moltke: „Ein feindliches Holland im Rücken könnte bei dem Vormarsch des deutschen Heeres nach Westen von verhängnisvollen Folgen sein, besonders dann, wenn England die Verletzung der belgischen Neutralität als Vorwand nehmen sollte, an dem Krieg gegen uns teilzunehmen. Bleibt Holland neutral, so sichert es uns damit den Rücken, denn England wird die holländische Neutralität nicht seinerseits verletzen können, wenn es uns wegen unserer Verletzung der belgischen Neutralität den Krieg erklärt.“ [S. 89], es geht um den schlieffenplan.)

the expanse wirkt authentisch, es gibt kein beamen und keine lichtgeschwindigkeit (zumindest in staffel 2 noch nicht), und die einzige außerirdische lebensform tritt nicht in beziehung zur menschheit, sondern dient im drehbuch eher als projektion, ist wie eine wesenswerdung (richtiges wort fehlt mir grade) der hoffnung an gewissenlose unbesiegbarkeit. die auseinandersetzung der figuren mit einer solchen waffe könnte interessanter sein, wenn es nicht immer nur um nationalität bzw. zugehörigkeit und um persönliche rachebedürfnisse ginge, ein paar anspruchsvolle ethische debatten würde ich gerne mal gut verfilmt sehen. aber das ist in der wirklichkeit bestimmt genauso, die diskussionen über best. waffen finden alle innerhalb des militärs statt, stimmen von außerhalb sind ja nicht kriegsrelevant. in expanse wirken die argumente gegen den einsatz einer außerirdischen lebensform als waffe deswegen alle ein bisschen flowerpower -mässig, die figuren, die sie äußern, bleiben seltsam farblos, weil sie keine argumente bringen dürfen, so dass ihre haltung als gesetzt erscheint, und von außerhalb des politischen systems kommt (eine pastorin glaube ich), zumindest außerhalb der politischen intrige (ein etwas farbloser guter regierungschef), weil, klar, es eben eine scifi-serie ist, und da soll ja dauernd gekämpft werden.

so ähnlich stelle ich mir die welt im spiel eve vor, darum interessiert es mich nicht.

eine serie, deren gewalt ich gut aushalte. nachteil ist der ewige konflikt, den ich als wenig befriedigend und ein bisschen langweilig empfinde, dauernd kämpfe, dauernd weltuntergang, wenig humor, wenig spielerei, wenig neugierde, keine utopie. ein bisschen utopie braucht eine gute scifi-serie. hatte in staffel zwei deswegen erstmal keine lust mehr, mal schauen, wann ich weitergucke.

23. mai 20

ohne job rutsche ich aus den beruflichen kategorien heraus, aus dem ganzen wertsystem. es fehlt mir nicht. die lage trägt dazu bei, mein tagesablauf ist zunehmend von körperrhythmen bestimmt, meinen und denen meiner kinder und meines hundes. der tag hat sich verschoben. ich entziehe mich geregelten zeitabläufen immer sehr gerne, darum habe ich mit einer freundin eine zoom-bürogemeinschaft angefangen, das bringt mich zurück an den schreibtisch, immerhin, immerhin.

heut zum ersten mal überhaupt bei kaufland eingekauft, überfordert gefühlt. einkaufswagen mit münzen, anders als bei rewe oder freßnapf, laden voll, viele masken auf halbmast. finde nichts, ewiges gerenne, alles zu groß und für einen normalen großeinkauf zu unübersichtlich. war unangenehm und eher stressig, nie wieder, zumindest nicht bei corona.

abends gemerkt: streaming funktioniert nicht mehr richtig. früher war es eine alternative, zum arbeiten und ausgehen, jetzt ist es ein ersatz dafür und hält dem vergleich nicht stand. ich nehme den bildschirm wahr, das zweidimensionale, es ist zu wenig, um dem alltag paroli zu bieten. ich lese auch weniger bücher, aber zeitungen zuhauf, tagessspiegel ist sehr gut geworden, außerdem nyt und wapo, die repubblica ist mit ihrer form des journalismus leider kaum verständlich, sie pflegen ein telenovela-prinzip, dem ich ohne zusammenfassung nicht mehr folgen kann. dauernd ist irgendwer beleidigt!

(mir fehlt italien sehr.)

wobei, halt, die 3. staffel the good fight habe ich gern gesehen, weil sie im trump-amerika spielt, als einzigste serie, die figuren sind konsequenterweise knapp davor, in den untergrund zu gehen, um eine wiederwahl zu verhindern, hin- und hergerissen zwischen verzweiflung, fassungslosigkeit und schwarzem humor. sehr schön der von trump eingesetzte richter, dem die gesetzeslage mit tierbildern erklärt werden muss. kluge, dichte figuren, viel heiterkeit, die fälle sind in dieser staffel nicht so interessant, aber die konflikte um rassismus und sexismus scheinen halbwegs realistisch und komplex genug inszeniert. spass gehabt.

in der viertelstunde vorm einschlafen lese ich die sandman-reihe noch einmal, in den schönen wertigen büchern, die schon haptisch eine freude sind, damit ich nachts etwas träume. ich kann da auf eine merkwürdig naive weise ganz eintauchen, die suspension of disbelief geschieht mit dem öffnen des buches. wie eine konditionierung, wie früher das einschlafen beim anblick eines solitaire-boards im handy. morgens ist der traum ganz kurz noch da, ein bisschen wie am meer gewesen zu sein, oder nach hause zu kommen nach einem ausflug. noch keine alpträume.

1. april 20

falle sehr in einen ruhigen teil meines wesens zurück. ich bin mit wahrnehmung häufig schon ganz glücklich, mich stresst ja sonst eher der aufwand, den ich mit der welt treiben muss, bis ich mich wieder der kontemplation hingeben kann.

in den letzten wochen beim buchsortieren bin ich vom erwerb neuer bücher grundsätzlich abgekommen, ich hab so eine sehnsucht nach einrichtung und entstapelung, andererseits bin ich etwas bibliophil und liebe neue bücher, als versprechen wie als objekt, gerade jetzt, wo ich zeit fürs lesen habe. fürs versprechen gibt es den kindle oder secondhand oder bibliotheken, nur, was mich umhaut, darf bleiben, da werden vermutlich die meisten neuen bücher wieder gehen müssen, ich habe mich beim sortieren etwas radikalisiert, das trennen fällt mir leicht inzwischen.

die lust auf den gegenstand buch muss ich irgendwie anders bedienen. habs schon mit nur einem buch pro zeitraum x versucht, funktioniert nicht, da geht der lustgewinn verloren über die strecke, die extra großen und dicken bücher haben auch nicht geholfen (ach, da hab ich ein posting im entwürfe-ordner vergessen, über ein comic- und ein pop-up-buch. hol ich nach), im inneren karteisystem zählen sie auch nur als ein buch. in meiner not habe ich mir einfach eine komplett neue zweite bibliothek in die erste gebaut, in eine ecke von einem bücherregal. ich habe dafür winzig kleine bücher genommen, man kann sie zwar schlecht oder gar nicht lesen, aber ich konnte jede menge davon kaufen, und es passen noch mehr hinein, wenn es mich wieder überkommt. a library in a library, mit regalen, ein bisschen einrichtung. und mit beleuchtung. ein befriedigender und genügend alberner kompromiss. bisschen riskant niedlich, aber was solls, der ruf ist eh ruiniert. (massimo listri hat das bild geschossen, dass ich für die perspektive benutzt habe)

heute nur einen kleinen aprilscherz gemacht, von keinen anderen gehört, lange hunderunde gedreht, emma an der leine, kontakt mit familie und ein paar freunden gehabt, von den jungs wenig gesehen. sie haben lange zusammen auf dem balkon vom d.-zwilling gesessen und sich unterhalten. nicht gekocht, nichts gebacken, kaum haushalt, dauernd den wochentag vergessen.

20. märz

gestern vormittag bei obi mit g. nur einzeln reingelassen worden, immer nur ein familienmitglied. sie haben zwischen kasse und kunden trennwände gebaut, große klare plastikscheiben auf einem gerüst aus holzlatten, sehr baumarkt. die kassiererinnen tragen handschuhe, halten abstand, da trägt jemand fürsorge und kümmert sich im rahmen des möglichen um seine mitarbeiterinnen. beim rausgehen standen bestimmt 20 leute in der schlange. später bei DM bat man auf stelltafeln um rücksicht und abstand, drinnen stand ein wachschutzmensch, aber es war nicht so voll. keine mülltüten, kein klopapier.

nachmittags viel stress mit g.’s flug. er hätte nach kapstadt fliegen sollen, um dort bei einer freundin zu wohnen, die ein praktikum macht, und sich dann das land ein paar wochen anzuschauen. viel zeit und selbstverdientes geld sind in die vorbereitung gegangen, es war eine für ihn sehr wichtige reise, ein freischwimmen auf einem anderen kontinent und in einem anderen meer, weit weg von zuhause. er wollte hin, komme was wolle, hat am samstag erfahren, dass ab dieser woche keine deutschen staatsbürger mehr ins land gelassen werden, wollte den flug erst vorverlegen, um noch hinzukommen, muttern im hintergrund zwar unterstützend, aber auf die trägheit des systems vertrauend. am sonntag schien dann auch sein transit mit umstieg über doha nicht mehr möglich, 14 tage sollen deutsche reisende in quarantäne. trotz der so eindeutigen lage war es in 5 tagen nicht möglich, den flug zu stornieren oder umzubuchen, nur am tag vorher, für einen 0-euro gutschein. da war auf der webseite von qatar der weiterflug von doha nach kapstadt schon gecancelt. qatar verwies beim storno/umbuchungsversuch auf den buchungsservice, opodos webseite war überlastet, ans telefon ging stundenlang niemand. stundenlang. wir haben mails geschickt, aber der flug nach doha ist gestern gestartet, ohne g., der rückflug wurde gestern dann auch noch gecancelt. zum glück ist er nicht mitgeflogen, ob sie ihn mitgenommen hätten ohne aussicht auf ein weiterkommen, meinen 18jährigen? am abend kam eine mail von opodo mit der bitte, sich in doha an das deutsche reisebüro zu wenden.

g. ist wohl unfreiwillig zum no show geworden, keine ahnung, ob er von seinen 700€ etwas wiedersehen wird. die extra bei der allianz abgeschlossene reiserücktrittsversicherung verweigert corona-ersatz, alle beteiligten firmen (qatar, opodo, allianz) scheinen ausschließlich aufs eigene wohl bedacht und unfähig, sich der neuen lage anzupassen. lektion gelernt.

in den paar schönen tagen seit dem wochenende hat sich mein bücherstapel ordentlich reduziert, auch der karton mit den italienischen büchern ist leer geworden. jetzt kippt das wetter leider, g.-zwilling hat seinen reisefrust ins aufräumen gesteckt, sein zimmer zweimal komplett umgeräumt und dabei ebenfalls stapelweise büchern aussortiert, die jetzt auch alle auf dem flur stehen und arg nach etwas unfertigem aussehen. heute hat sich d.-zwilling anstecken lassen. die wohnung wird super aussehen nach dem rückzug ins private. die schulbücher könnte ich vielleicht weiterverkaufen, ein paar neue auch, aber den rest können wir, falls tatsächlich eine ausgangsperre kommt, im prinzip wieder einsortieren.

a bis z

in den letzten wochen habe ich meine bücher sortiert, nach alphabet, dabei alle doppelten reihen und stapel mit eingenordet. es war mühsam und hat lange gedauert, das aussortieren ging mit der zeit leichter, ich hab gemerkt, dass ich ein kind meiner zeit bin und eher auf neuere als auf ältere autoren verzichte, wenn ich mich weder an den/die autor/in noch an den inhalt erinnere, hab ich das buch rausgenommen. es sind sehr viele geworden, sie liegen im flur gestapelt, ich darf sie nicht wieder anschauen, bis ich einen abnehmer finde, will aber auch nicht drüberfallen, das wird also eine herausforderung.

beim bücher räumen bilder im kopf, wie die wohnung irgendwann einmal einem entrümpler überantwortet werden wird, für den all das nur gewicht und aufwand ist, oder meinen kindern, die auch nur ein paar autoren davon kennen und wenig behalten werden, vermutlich, wer weiß schon, wie sie sich entwickeln. wir leben in der gegenwart, für die gegenwart. sentimental geworden, den klardenkenden d.-zwilling in ein gespräch ziehen wollen über die vergänglichkeit, aber er hat mich gleich wieder auf den weg gesetzt („entscheide einfach, wieviel platz du brauchst“).

hinter einem zugestellten bild ein din a3 – großes fotobuch entdeckt, dream house von gregory crawson, auf den bildern lauter interieurs mit menschen drin, die menschen sind schauspieler wie tilda swinton oder william h. macy. auf jedem bild scheint gerade etwas passiert zu sein, oder wird gleich passieren, aber wir wissen nicht, was es ist. der blick darauf wirkt voyeurhaft, sie haben spannung, wirken wie filmstills, mitten aus einem geschehen heraus. in keinem der zimmer stehen bücher. gedacht, dass bei mir die bücher die geschichten erzählen, hunderte, andauernd, und keine ist ein geheimnis, keine erlangt bedeutung durch mein unwissen über das, was war oder sein wird. ich muss sie nur öffnen und weiterblättern.

dialog, interview und verhör

heut früh lese ich in der kurzbio von carofiglio, dass er als staatsanwalt  im dienst gegen die mafia einen text über das richtige verhören geschrieben hat, jetzt sehe ich die netflixshow criminal, in der man genau solche techniken beobachten kann und würde den text gern mal anlesen, und siehe da, es geht – nee, natürlich nicht, aber wär nett gewesen.

die show ist klar und spannend, die habe ich durch, bis il paradosso del poliziotto hier ankommen würde.

(der titel vom posting ist sehr preposterous, aber da würde ich gern drüber lesen. in criminal kann man die übergänge beobachten, das rituelle daran, bekannt aus funk und fernsehen, vom smalltalk mit dem verdächtigen, in dem man stimmung und tonfall der polizisten kennenlernt, über das interview, in dem die polizei lebensdaten abfragt, der verdächtige kommt ins reden, fasst vertrauen, und wird so dem publikum vorgestellt. dann der übergang zum verhör, das machtverhältnis kommt dazu, es gibt jäger und beute, fallen werden gestellt, die spannung verschiebt sich. schönes kammerspiel.)

tempi passati

lese grade „la versione di fenoglio“ von gianrico carofiglio, wie alles von ihm sehr angenehm zu lesen, ein gespräch mit lauter unerwarteten wendungen und assoziationen, so eine spielerische intelligenz, dinge, die ein paar seiten lang wirken wie eine art surplus für den handlungsverlauf (ich hielt das buch für einen krimi), wie ein schriftstellerischer luxus, den der erfolgreiche autor sich leisten kann, bis ich merke, es ist gar kein krimi, sondern ein nachdenken über wahrheit und lüge, erfahrung und alltag bei der polizeiarbeit und, natürlich im leben überhaupt.

will es gleich dem großen schicken, aber es ist noch nicht übersetzt. oft wirken texte schön, klar und durchdacht, wenn ich sie in originalsprache lese, und werden wohlfeil und bisschen küchenpsychologisch, wenn ich sie auf deutsch vor mir habe, das könnte hier auch passieren, mal schaun, mal sehn.

eine stelle, in der ein vom smog braun gewordenes haus beschrieben wird („Il tizio abitava in una palazzina anni Cinquanta annerita da un velo di smog che dava un senso di grande malinconia.“, S. 41) – sofort bilder von mailänder smogtagen im kopf, von genau solchen häusern, dieses dunkle braungrau.

meine vergangenheit unterscheidet sich in allem von meinem jetzigen leben, sogar die sprache war eine andere. das ist gut, weil es den abschluss erkennbar macht, und befremdlich, weil das alte so unüberschrieben weiterexistiert, nicht vom leben neu besetzt wird. in solchen bildern erlebe ich mich als ganz jungen menschen, fast unverfälscht von sentimentalitäten, als wiedererkennen: so war es. alles äußere ist anders,  nur ich bin natürlich ganz unzeremoniös (da ist jetzt doch etwas sentimentales in dieser wortwahl) immer dieselbe.

texte beamen

die verbindung zwischen einem buch und dem leseerlebnis ist unmittelbarer als bei einem e-book. die ersten augenblicke, der weg vom digitalen in die vorstellung ist eine zusatzstrecke, die energie kostet, konzentration einfordert, mehr phantasie benötigt. beim lesen will mein kopf das gerät ausblenden, das leuchten der oberfläche, und versucht, die wandelbarkeit der buchstaben zu vergessen. weiß nicht, ob die unmittelbarkeit bei papierbüchern frühe prägung und lange gewohnheit ist. auch bei hörbüchern rematerialisiere ich das gehörte immer erst, gebe ihm tiefe und raum zurück, dass es wieder welt wird, das dauert von den ersten worten an ein paar sekunden. diese medien bleiben bewußt, bis der inhalt durchs eindämmungsfeld durch ist, vor allem vorgelesenes ist frei verfügbar im raum, wie ein gespräch am nachbartisch oder ein radio in der küche, außerdem ist es ja schon mal gesprochen und erlebt, und muss mich erst erobern, als ob mein leserherz sagt: du text, du hast doch schon ein zuhause, warum soll ich dich haben wollen? und wenn dann so eine schöne sinnliche stimme liest, bin ich schon wieder abgelenkt durch einen nebenstrang.

schwarze bücher

in den bücherkisten, die damals nach dem tod meines vaters ins haus kamen, befand sich auch dieser druck auf schlechtem papier, sorgsam in einem extra angefertigten buchkarton gelagert. ein mussolini-text in deutscher übersetzung, beim italienischen mondadori- verlag erschienen. ich hätte ihn wohl gleich unzerimoniös dem altpapier übergeben sollen, habe aber mit einer gewissen naivität doch überlegt, ihn zu verkaufen, in finanziell mieseren zeiten. aber wer außer einem nazi würde so etwas besitzen wollen? ein faschist eventuell noch. solchen leuten will und werde ich keine freude machen. ich könnte den erlös seawatch oder den flüchtlingspaten spenden, aber das kann ich ja auch, ohne gleichzeitig irgendeine finstere memorabilia-sammlung zu vervollständigen. statt einmal einen hunni (ca., zvab-schätzung)  gibt es dann eben viele einzelne zehner.

in meinen augen wäre nur ein belegbares wissenschaftliches oder dokumentarisches interesse tragbar, wie bei universitäten oder museen, aber für die ist das buch nicht selten und interessant genug.

das bedürfnis, so einem finsteren werk etwas sinnvolles abzugewinnen, ist vielleicht eh nicht erfüllbar. schwierig. was tun damit?

 

 

frauentag und oper

zum frauentag auf die strasse gewollt, im letzten moment wegen erkältung + regen doch nicht, stattdessen mit den freundinnen ins suicide sue gegangen. dort haben wir uns unsere geschichten erzählt und die unserer eltern, der älteste vater wurde 1918 geboren – es ist meistens ein bisschen von allem, persönlichkeit und gesellschaft im mix. mich hat erschreckt, wie sehr unsere lebenswege noch als um die 50jährige davon abhängen, ob die mütter und väter an uns geglaubt haben, ob sie interesse an uns hatten, und wie fest vermittlung und ausmaß ihrer zuwendung ans frauenbild der zeit gekoppelt sind.

danach zu spät für die oper umgezogen, ohne plan etwas zu unaufgeregtes angezogen, mit stiefeln!, zuviel codein genommen, zur staatsoper geradelt, die neue zauberflöte mit muttern gucken. blutzucker durcheinander, traubenzucker in der garderobe abgegeben, nur noch paar minuten zeit, krame in der tasche nach etwas passendem, esse hustenbonbons und eine eklige käsebrezel, die pumpe rutscht aus dem bh und durch den rock, schiebe sie wieder hoch, sie gerät ins rockfutter, schiebe sie wieder runter, stehe dann auf und bringe sie stehend vom rocksaum zum rockbund und durchs oberteil, setze mich wieder, beide handys fallen auf den boden, und die hustenbonbons. mit einem längeren kathederschlauch hätte ich die pumpe im stiefel lassen können! next time, beim auspacken der hustenbonbons habe ich das kathederende in der hand, hab die dämlichen sure-t-katheder nicht mehr mit klebeband gesichert, also klamotten hoch, stöpsel drauf, beschließen, die runtergefallenen ausgepackten hustenbonbons nicht mehr zu essen, aber sie aufgesammelt, dabei ist ein handy nochmal unter den sitz … dann lehne ich mich zurück, beruhige meine dauernd zu laut „was ist denn, geht es dir gut?“ fragende mutter und vertraue auf die musik, um den abend zu retten.

die inszenierung war bunt und albern, einen tick zu, hat fast von der musik abgelenkt, marionetten und brüste und akrobatik, die idee wunderbar konsequent ausgeführt, es war einfach alles erlaubt, was zum konzept gepasst hat, freie bahn für phantasten. für mich gestern perfekt, weil so leicht zu verstehen. meine mutter war begeistert. bei mir ist die musik erst bei den duetten richtig angekommen. eine frau am pult, alondra de la parra.

die zeichnungen im bühnenbild waren mir zu deutlich skizzenhaft, das hat mich gestört im ggs zu den playmo-figuren, den saint-phalle-figuren etc., die sind halt einfach ein in sich abgeschlossenes designprojekt. waren aber auch nur am anfang zu sehen, so what, aber sie haben mich geärgert, weil zu einfach, als seien solche zeichnungen halt immer einfach, als sei damit alles getan. vielleicht ist dem bühnenbildner die zeit ausgegangen?

musste bei der bühnenzeichnung an gaiman denken, an die im sandman-buch mitabgebildetetn doodles von gaiman zum pitch beim verleger, vielleicht ist mir aber auch was entgangen.

habe die absolute-bände vom sandman neu gelesen, grad eine schöne exkursion, zum ersten mal findet ein buch den direkten weg in meine träume, jeden morgen erinnere ich mich an etwas, am morgen nach der ersten lektüre ein sehr originelles und nie gesehenes traumbild, eine hokusai-welle mit riesigen, darüber stürmenden, perfekten  ozeanwasserkugeln in allen blauschattierungen, fluten in der luft, ich mit familie im auto auf der uferstrasse, voller bewunderung fürs bild. das buch ist direkt mit meinen nerven verknüpft, und bisher bleibt jeden abend noch etwas übrig für den nächsten tag. das wird halten.