instakram

instagram – account der nachbarn entdeckt, kurzer anflug von einer art fernweh für ein anderes leben. schöne bilder, tolle kunden, lago, meer, italien und london. ich mag sie, kenne schon seinen vater, der früher hier lebte, sie haben kinder und enkelkinder und fahren unter anderem einen wunderbaren alten fiat 500, beide arbeiten, machen irgendwas mit marketing (sie) und motoren (er). instagram funktioniert. denke darüber nach, auch solche fotos zu machen, dann hätte ich auch so ein leben, als selbstversuch, es scheint leicht genug, es wirkt verlockend einfach, ohne die arbeit und den aufwand, den ein erfolgreiches unternehmen bedeutet. vom typus her würde ich wohl eher symbolbilder für die arbeit verwenden, wobei ich da vielleicht work und pleasure durcheinanderbringe, so ein i-account gehört ja zum beruf.

welche bilder könnten mich repräsentieren? für mich sind diese schönen aufnahmen auf instagram immer bilder vor dem wort, eine arbeitsgrundlage, ich sehe sofort die absicht, die intendierten projektionsflächen, meine geschichte, die renaissance, den goldenen schnitt, die bilder springen also sofort zu geschichten auf, wie eins dieser wunderbaren popup-bücher. auch weil sich so ein ansatz angenehmer anfühlt als die sehnsucht nach dem dargestellten. ich bin mir ja viel näher beim geschriebenen, habe aber jetzt endlich wieder eine kamera! ich glaube, es gibt da sogar einen account, mit einem einzelnen bild. ich könnte also. wollte schon mal meine jungs zum täglichen knipsen für die familien-whatsapp animieren, mit einem preis, aber sie haben es total ignoriert. sie machen fotos, aber wollen die für sich behalten, keiner nutzt social media, was ich mir nicht hoch, aber doch irgendwie anrechne.

merkwürdigerweie fühlen sich fotos aus meinem alltag viel mehr als verletzte privatsphäre an, obwohl ich soviel öffentlich aufschreibe. hängt einen tick mit meinem selbstbild als sagen wirs mal so nicht durch schönheit auffallender frau zusammen, in italien vor allem, wo unter jedem kleinen bild immer zuerst die bella bellissima!- kommentare kommen, und nie einer fragt „was liest du denn grade?“, besser gesagt, ich finde mich schön, ohne das mein aussehen dabei eine relevante rolle spielt. das fällt mir nur beim drübernachdenken auf, es spielt keine rolle im alltag oder vorm spiegel, nur manchmal nach körben. sachen wie instagram sind da ein anderer ansatz, ich guck mir die schönen sachen gern eine weile an, wie die zeitschriften beim friseur, aber ich möchte sie nicht mit nach hause nehmen. diese schönen pics stellen das andere dar, nee, sie sind etwas grundlegend anderes als ich. ich nehme sie wohl auch bisschen zu ernst. text-vs-bildmenschen.

(das oben als unerwarteter kurztrip hin-und zurück zu instagram, jetzt geh ich zufrieden an den strand.)

 

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