strich für strich

merke: es gibt nicht den geringsten grund, mehrere druckbleistifte zu kaufen, nur weil sie eine neuartige japanische mechanik haben, die ihre mine bei jedem anheben um ein paar grad dreht, so dass sie nicht unrund werden beim schreiben (mit anderen worten „a problem you didn’t know you had“), die linien damit von konstanter strickstärke bleiben. ich habe eine gewisse reserve an ungenutzten stiften, darunter auch druckbleistifte, auf meinem schreibtisch, in meiner zuhause-federtasche, in leder, und ich könnte sie einfach in die arbeitsfedertasche transferieren. es ist mir ein rätsel, wie im job immer meine stifte verschwinden. vabbeh, ich werde berichten, ob ich einen unterschied merke. tröstlicherweise gibt es jede menge auswahl an overengineered pencils.

heute in der taz noch ein text zu pflegekosten, die bei mir ja so ein im hintergrund laufendes thema sind. mich erinnert es an die krankenversicherung in den usa, ich dachte, hier wären wir weiter. ich finde es schwierig, das als armutsthema laufen zu lassen, weil 1500€ extra pro monat auch nicht-arme haushalte in die armut bringen können.

stellt euch vor, ihr erbt einen kleinen picasso, einen druck mit signatur, hängt ihn irgendwo hin und freut euch darüber, jahrzehntelang. dann werdet ihr alt und wollt ihn mal verkaufen, vielleicht für eine reise, oder ein geschenk, oder wegen der pflegekosten. ihr erinnert euch wie der onkel, von dem ihr das habt, vom preis des drucks erzählt hat, eher stolz, weil er diesen seltenen glücksfund gemacht hat, ein fünfstelliger betrag mit einer 10 am anfang. die zeiten haben sich inzwischen geändert, es gibt den klassischen kunstmarkt vermutlich noch, hoffentlich, zumindest eine weile. aber wenn ihr diesen kleinen schlichten picasso jemandem verkaufen wollt, müsst ihr erst um chatgpt herumkommen, wo er mit einem mittelhohen, aber nur dreistelligen betrag verortet wird. es kann aber auch sein, dass der onkel hereingelegt wurde, weil der kunstmarkt so umgeht mit menschen, die nur aus liebhaberei kaufen. wir werden es hoffentlich nie herausfinden, sondern das bild einfach immer weiter vererben.

spontanen besuch von altem freund bekommen, tee getrunken, das leben erzählt, es geschafft, meine themen unterzubringen im fluss der gedanken. jetzt ist es zu spät meine haare noch nachzufärben, das wollte ich vor morgigem ausflug in clärchens ballhaus mit frau w. noch erledigen, mist. farbspray nachkaufen, dann geht das auch so. niemand wird es merken.

dem freund ist am küchentisch noch benn eingefallen, gleich mal wieder reingelesen, „Ordnung“ heißt das gedicht unten, und ja. ich sollte dringend mal wieder in irgendein abenteuer.

Es steht ein Mond in der Weite
Du möchtest in Saus und Braus
Durch die Nacht die fiebernde schreiten
Und gehst schnell nach Haus –

Es sind die Züge der Stille
Der hintergründigen Welt
Das Ordnung Last und Wille
In eins zusammenfällt

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