hatte einen freien tag, schon vorher fast verplant, dies noch und das könnte ich auch, und ausschlafen natürlich. zum zweiten mal das auto von der dicken schicht lindenpollen befreit, sie verkleben die gesamte oberfläche über wochen. das pflichtmäßige volltanken vergessen.
nachmittags nimmt mich eine freundin mit zu einer finissage, die sammlung von christoph müller wurde in drei ausstellungen vorgestellt, thematisch sortiert. kannte den sammler nicht, mal sehen, ob von der kunst etwas ankommt bei mir, bin leider angeschlagen und hirnleer. die arbeiten hängen in einem kleinen raum gleich rechts, wenn man die gemäldegalerie betritt, es sind um die 30 menschen dort, gedämpftes licht zum schutz der alten drucke, ringsum hinter glas vielleicht 30 bilder, alle besonders, man ahnt, was sie in die sammlung gebracht hat. herr von zepelin, ein langjähriger freund und jetziger geschäftsführer der stiftung, erzählt von müller und seinen vorlieben in diesem lebensprojekt, wie er sich jahrelang auf bestimmte themen fokussiert hat, die dann plötzlich abgeschlossen waren, dann kam das nächste, „und zwischendrin ist er gestorben“, die bilder wandern ja über viele lebensläufe vom einen zum anderen weiter. müller wollte seine sammlung nicht verkaufen, hat zu lebzeiten schon einige hundert an museen verschenkt, auch der rest wird im september weitergegeben, nur an museen in öffentlicher hand.
am ende des raums liegt in einem regal ein stapel an leeren postkarten mit bleistiften, die besucher sollen sich ihr lieblingswerk aussuchen und es mit einer zeichnung interpretieren, es wird auch gefragt, ob wir selber etwas sammeln, mäzene und privatiers sind wieder lebenswichtig für die kunst, es gibt ja kaum noch öffentliche mittel dafür, in berlin schon mal gar nicht. eine menge dieser reaktionen steht dort bereits in einem ständer. müller hatte das anliegen, die besucher irgendwie zu beteiligen, miteinzubeziehen, die kunst in einen kontakt mit dem publikum zu bringen, eine volontärin hatte die schöne idee mit den karten. erinnert mich an die studis mit skizzenbüchern in den museen, die es ja immer noch gibt.

ich mag besonders einen detailreichen blick in einen wald, von théodore rousseau, und eine phantasmagorische und sehr organisch aussehende orchidee von einem miron schmückle (frau troeder hat bei der namensfindung geholfen, werde da gleich mal weiterforschen, er kommt aus hermannstadt wie teile meiner familie). in rl kann ich mit wäldern nix anfangen, möchte immer nur möglichst schnell durch und wieder ins freie, in der radierung ist ja dieser rückweg ins licht noch erkennbar, vielleicht gefällt es mir deshalb? lauter schätze jedenfalls, vor allem sind es kleine bilder, die bekommt man ja notfalls immer noch unter, für sammler bestimmt ein argument, ab einem gewissen alter wird ja die petersburger hängung eh unvermeidbar, erst eins, dann zwei, dann viele, dann ists auch egal.
(versucht, das foto oben im rechner zu bearbeiten, in der foto-app sofort den überblick verloren, dann direkt auf dem handy mit snapseed, mit 3 klicks erledigt, es gibt jetzt aber eine minimale zusatzschiefe in der perspektive.)
nachher werden wir in den studiensaal im ersten stock gebeten, da sitzen wir dann alle auf thonet-stühlen und werfen einen ersten blick auf die webseite, über die ab september die ganzen bilder verschenkt werden sollen, optimal fotografiert und dokumentiert. publikum eher unser alter, gut gekleidete männer und frauen. mein vages gefühl der unzugehörigkeit lässt sich nicht halten, alles souverän entspannt, freundliche menschen und fingerfood.
hoffe, es klappt alles, die museen wollen ja die vielen bilder, bücher, gegenstände auf dem markt gar nicht mehr so dringend haben, die bestände sind gut gefüllt. denke an frau ziebarths wunsch, ihre sammlung in einem museum unterzubringen, aber so einen ort gibt es nicht.
zuhause dann platt und müde, wie immer vorgenommen, viel mehr von all diesen berliner gefügen, netzwerken, den ubiquitären äußerungen des kulturbetriebs mitzunehmen. die vielen ebenen davon, für jede zielgruppe gibt es alles, mit nur geringer überschneidung, man begegnet sich ja nur noch gelegentlich auf parties. ich kenne die kneipen und clubs nicht, in denen gregorzwilling sich dauernd trifft, die konzerte und festivals, nichts davon, die von früher gibt es nicht mehr und die interessen ändern sich, wir wechseln dann so von einem kreis zum andern, schnittmenge bei inhäusigen kindern der kühlschrank.
ich werde versuchen, den sohn in die lustige ausstellung im hamburger bahnhof mitzunehmen, da hat mich eine kollegin drauf aufmerksam gemacht, es gibt dort grad hunderttausende bauklötze für alle, zum bauen, wieder umwerfen, neu bauen. spielen eben.












