esc und andere schlagereske* musik

blick auf eine regalrückwand, an der haufenweise alte musikkassetten gestapelt sind, alle beschriftet

david war zuhause gestern und wollte esc gucken, was ich bisher tunlichst vermieden habe – stimmt nicht, sagt d., und erinnert mich daran, wie wir uns zusammen über den sieg von conchita wurst gefreut haben. sonstige bildung diesbzgl. nur der sehr feine film über islands teilnahme – ich hatte aber vorsorglich chips besorgt, also konnten wir unter wolldecken (schweinekalt in berlin, 5°c und heizung aus) zuschauen. habs sehr genossen, mit dem sohn diese ganzen absurden songs und inszenierungen anzuschauen und zu kommentieren, allein ist es dann doch eher weird gelegentlich. lustig wart ihr auf mastodon, das spektakel selber vermittelt das gemeinschaftsgefühl von „spiel ohne grenzen“ aus anno tobak, wir habens gespürt. bulgarien hat gewonnen, erfreulicherweise, den beitrag mochten wir beide, die choreografie dabei hat mich an das tanzspektakel von sergio reis erinnert, „cdk – somebody that I used to know„.

heut früh sehr angenehmen inhouse-ausflug im netz gemacht, dabei über blushy auf bluesky zu nils minkmar gekommen, der mich nach einem spannenden post über cannes und drogen zu einem ard-beitrag über boney m geschickt hat – an die ich lauter gute und sentimentale kindheitserinnerungen habe.

wir haben mit freundinnen (und meiner schwester, glaube ich) zu ma baker oder daddy cool einen tanz eingeübt, im handtuchgärtchen hinter dem kinderzimmer am lago, ich erinnere noch das glücksgefühl dabei, und die eltern waren genervt, weil sie es nicht mehr hören konnten. es gab damals kein internet, kein insta, keine bilder, keine cds, es war ein ereignis, wenn man auf einer party gut tanzen konnte, wie wir dabei aussahen und wirkten war existentiell wichtig. ich hatte damals einen von scham und scheu geprägten umgang mit dem körper, vielleicht waren das auch die zeiten? tanzen war bis in die zellkerne körperbejahend und glücksbringend, eine gloriose abkürzung, alternativen gab es noch keine. ja, sex spielte eine rolle, wir waren teenager, aber es war nur ein kleines element in der befreienden wirkung, die das tanzen hatte. boney m war eine art katalysator dieser energien.

(*sagt ein herr in der doku über den song „rivers of babylon“, hab ich leider nicht wiedergefunden. mein tip an die ard wäre, bildscrollen zu ermöglichen, wie bei yt.)

die hautfarbe oder nationalität der bandmitglieder hatte glaub ich keine relevanz für mein/unser fantum, es lief nur übers hören und fühlen und tanzen. wir haben es wahrscheinlich über kassetten gehört, oder? die bravo (waren die in der bravo? bestimmt) gab es in italien nicht, die band war aber laut netz ende der siebziger auch in italien eine große nummer, sie waren es weltweit, wie der film zeigt. der produzent frank farian hat die aufnahmen im tonstudio mit großer hingabe und sorgfalt begleitet, der b.-m- studiomusiker johan daansen dazu: „ich glaube nicht, dass normale leute das hören, aber ich glaube, das normale leute das spüren“. es ist jedenfalls alles angekommen, was da angelegt wurde, danke dafür!

beim ansehen der doku wird mein preteen-fantum in einen ökonomischen und gesellschaftlichen zusammenhang gebracht, in dem diese aspekte eine große bedeutung haben, die kindheitserinnerung wird in ein regal gestellt, in dem ich nicht mehr wirklich vorkomme, nur noch teil eines kontexts. das ist halt so bei geplanten bands, da gibt es sicher schon literatur zu, grad die ganzen k-pop -gruppen, ich glaube, da schreibt sogar eine freundinnentochter drüber, mal nachfragen.

wenn ich mir meine alten platten und tapes ansehe, ist kein einziges schlagereskes stück dabei, die ironie hats nie in mein plattenregal geschafft, ich wollte freiheit, politik, wollte mich gemeint und erkannt fühlen beim hören, klüger, schöner, freier sein, als ich es war als tochter aus gutem hause, ankommen in der, die ich sein wollte.

nach der wirklich guten doku viel schlauer als vorher, und ich werde heute boney m. hören, zun ersten mal seit damals. laut. aus dem netz, platten habe ich keine davon, selbst die kassetten kamen alle später.

teilen

brückentag

haha, duolingo nennt mich „champion der verpassten chancen“ und ja, da ist was dran. erstaunlich, dass ich spass an einer app habe, die permanent beleidigend ist.

gregor sucht ja weiter eine feste bleibe in berlin, jetzt kam etwas nettes in netter gegend für 2600€ hereingeflattert, „heroin-“ hat grad die rechtschreibung ersetzt, und ja, als drogendealer*in wären solche preise eher bezahlbar, bleiben aber trotzdem illegal. irgendwer wird es bezahlen*. gegen die gentrifizierung mal wieder im bademantel zum bäcker gehen, aber ich wäre natürlich nur noch merkwürdige alte und nicht mehr szene.

*edit: die meta-ai hat als durchschnittsmiete für so eine wohnung 2.114€ vorgeschlagen, mit dem hinweis, dass lage und ausstattung da auch noch eine rolle spielen. anscheinend sind solche phantasiepreise inzwischen normal.

isis und moses heißen die online-lernsysteme der tu berlin, ein schelm, wer dabei weiter denkt. das hauptgebäude wurde von der feuerwehr nach begehung „bis auf weiteres“ geschlossen, besser so, als dass der sohn da in eine gefahr gerät, aber es ist doch schon ein bisschen peinlich für berlin, oder nicht? wobei natürlich bei der allgemeinen baustellendichte in der stadt eine weitere gar nicht weiter auffällt.

baustelle auf dem u-bhf rosa-luxemburg-platz

rant: bsp alexanderplatz, ich kann mich nicht daran erinnern, in 30 jahren (ads, es sind fast vierzig, nicht dreissig. musste nachrechnen, ich war tatsächlich erst 22, als ich zurückkam. die unfassbare länge der jungen jahre.) berlin und 36 jahren ostberlin den platz jemals ohne baustelle gesehen zu haben. bauarbeiter sehe ich auf dem alex nie, aber ich fahre ja auch nur gelegentlich mit dem auto durch. der fernsehtum wurde allerdings nach 4 jahren bauzeit eröffnet, zu ddr-zeiten in den 60ern des letzten jahrhunderts, die ddr, liebe junge leser*innen, war eine diktatur, die nach dem 2. weltkrieg (lest selber nach) für 41 jahre den ostteil des landes beherrscht hat.

ich habe ja auch den kompletten potsdamer platz von der jahrzehntelangen flohmarkt-brache über das ausheben der baugrube bis fertigstellung mit besten galerieplätzen von der stabi aus beobachten können, es hat nur ein paar jahre gedauert, das hat ja auch nicht die stadt organisiert oder bezahlt. da war es noch spannend, zuzusehen, es passierte wenigstens was, diese irre tiefen baugruben! die baumafiapolitik in berlin wäre eine reportage wert, bestimmt alles verwachsen und vernetzt wie davids riesige unterirdische pilzstrukturen, mit lauter wuchernden raumforderungen wie eine schlimme erkrankung, ein system unter dem system, auf selbsterhalt und nicht auf ergebnisse ausgerichtet. /rant.

tag heut sehr genossen, hell und kalt war er, warm angezogen, tee getrunken, gelesen und durchgeatmet. einen weiteren schritt duch die tür vom februar gegangen, mal sehen, ob es weiterhilft, ich bin da noch etwas zwiespältig. mir hat die sache, wie ich es erstmal nennen will, auch beruflich probleme bereitet, ich hab wirklich dumme fehler gemacht, wird zeit, dass das alles besser wird.

davidzwilling begrüßt, er trifft sich mit freunden, wir können zusammen frühstücken, eine freude.

teilen

last night in late night

verfolge gerade die letzten shows von stephen colbert auf youtube, er wird verabschiedet, als sei er die letzte freie und laute stimme der usa, und auch wenn ich zur zeit vom herrn t. absolut überhaupt nichts mehr hören will, es ist zu deprimierend alles, von colbert habe ich es mir sehr gern erzählen lassen. ich werde die sendung vermissen. (gestern war sein 62. geburtstag, herzlichen glückwunsch! wie immer bin ich etwas belated bei allem und den glückwünschen). die größen der us-unterhaltung sind alle zum verabschieden vorbeigekommen, hier eine show mit den herren des late night in den usa, hier eine mit tom hanks, mit obama, mit julia louis-dreyfus (es wird geknutscht), ja, es gab einen gewissen männerüberschuss in den zeremonien, aber heute ist ja herrentag, da lass ich das durchgehen. in der nyt ein interview, bei dem ich laut lachen musste, was ich beim lesen fast nie mache.

finstere zeiten, ein kleiner teil von mir fürchtet sich, den moment zu verpassen, in dem man noch weg kann vor der ganz großen eskalation, so ein knoten der anspannung im brustkorb, natürlich immer darauf hoffend, dass ich dann das benzin noch bezahlen kann. lieber im jetzt bleiben, die balkone mal wieder herrichten, paar pflanzen erneuern, schlafzimmerbalkon frisch möblieren, da wäre der ausblick grad sehr schön, nur grün, die azalee blüht grade, die nächste hauswand ist dicht bewachsen, man hört bienen und vögel, also wenn ich die hörgeräte drin habe, sonst pfeift immerhin der tinnitus leise. leider sind draussen 7° c und regen, der typische berliner frühsommer also, da lockt irgendwie grade gar nix.

heut früh sturzregen, da bin ich erst mal nicht laufen gegangen, kurz überlegt, ob es fürs erste mal nicht reicht, die sportklamotten einmal angehabt zu haben, und ob ich die preisschilder an den schuhen nicht lieber dranlassen soll. dann hat der regen wieder aufgehört und es gab ein beträchtliches sonnenloch, bin also losgetrabt, vorbei an vollen cafés, und siehe da, es geht noch, ich spüre eher die waden als den kreislauf. angenehmerweise geht der schuh vorne bergab, ich kippe also immer in den nächsten schritt, das fühlt sich lustig an. von der anderen seite wieder zur haustür gekommen, weil ich mich zu privat für café-gucker fühlte, nicht dass es irgendwen interessieren würde, seufz. zuhause dann erstmal tiefroter kopf, wegen der hochtourigkeit des körpers, das erinnere ich auch von früher. energetisiert unter die dusche, fühle mich wach und erholt. 2,33km, 25min, vabbeh. aber früher waren es auch immer nur 6km, mehr war nicht drin.

teilen

der mai, der mai

nächste woche ist julian lage im huxleys zu sehen, ich war ja nach dem letzten konzert nicht mehr so unbedingt an bord, die neugier und faszination bleiben aber, und ich werde diesmal in gesellschaft hingehen, sehr schön. bin gespannt, wie er sich entwickelt hat, das ist mir beim nachlesen der letzten konzerte aufgefallen, er bleibt in bewegung, formal und inhaltlich. er tritt immer mit außergewöhnlichen musikern auf, diesmal wieder mit jorge roeder am bass, außerdem john medeski am piano und kenny wollesen am schlagzeug, die letzten beiden kenne ich noch nicht.

hab mir überlegt, ein paar etfs aus den emerging markets zu kaufen, mit china und indien an bord, und hab chatgepetto (© adragonfly irgendwo) gefragt, ob er mir was empfehlen kann. es kamen ein paar total echt klingende namen, die alle nicht existierten.

heute ein in einer zeitung beschriebenes produkt sofort bestellt, ein teures shampoo, weil mich die autorin so an die zeit erinnert, als mir meine haare noch so existentiell wichtig waren. wie ernst ich das genommen habe, bier, eier, essig, mit nassem haar im handtuch schlafen gehen, sprays, spülungen, morgens vor der schule der bange und hoffnungsvolle schritt vor den spiegel, ist was anders, ist es endlich gut? es war so wichtig, wie wir aussehen. das fehlt mir ein bisschen, dieser imaginierte blick der anderen, die angenommene fremdwahrnehmung, obwohl so viel unsicherheit dabei war.

mit 60 habe ich die unsichtbarkeit vielleicht zu sehr verinnerlicht, mag aber die freiheit, in die mich das gefühl bringt, nicht mehr teil der menge (in meinem stadtviertel zb mehrheitlich junge leute) zu sein, es fühlt sich entspannt an, zuhause. jetzt bin ich froh, wenn ich morgens vom losgehen die bürste mal in der hand hatte, oft ohne in den spiegel zu gucken dabei, es kommt eh gleich der helm drauf. vermisse vor allem diese selbstverständliche gewissheit, ein schritt, der alles ändern wird, und dann ist es von außen höchstens eine nuance. diesen rezeptor für werbung und magazine. immerhin ist der neue haarschnitt allen aufgefallen. vielleicht mal blau färben.

Blick auf Balkon mit großem Kissen und kleineren Kissen auf einer Palette

die taube hat schon einen/eine neue partner*in gefunden, sie sind wieder zu zweit und rumoren herum. werde sobald wie möglich die ganze palette mitsamt kissen entsorgen und den balkon neu einrichten, mit einem gemütlichen klappsessel oder so etwas. in den heißeren sommern ist es nachmittags ein schöner schattenplatz. das foto als andenken, es war ein guter ort, habe ich bei auszug der kids so eingerichtet.

heute ist tag der offenen galerien in berlin, oder gallery-weekend. schaue mich diesmal mit einer freundin in charlottenburg um, da kenne ich kaum was, habe sehr angenehm keine ahnung, was mich erwartet. ergänze dann vielleicht, wenn mich was bindet irgendwie.

teilen

samstag, 25. april 26

endlich mal wieder friseurtermin, hatte so hippiehaare, lang und fransig, das haben irgendwie viele zur zeit. mochte es, aber die haare waren kaputt und haben sich immerzu verknotet. termin am abend vorher online ausgemacht, sehr bequem. die schneidende dame hatte tiefrotes haar, oben auf dem kopf als knoten, viele tattoos und ein baseballshirt, das studio im souterrain in der nähe, nicht zu teuer, plaudert, wenn ich plaudere, sonst nicht. jetzt habe ich einen bob und fühle mich etwas gesettelter, der schnitt ist perfekt geworden, „weil bob, das kann ich“. dann mit freundin und deren partner herumgestromert, durch ein sehr helles und sonniges mitte, meine 10k in guter gesellschaft gemacht.

in den heckmann-höfen in einen laden hinein und mit einem oberteil wieder rausgekommen, was überhaupt nicht in meiner absicht lag, muss am wetter liegen. für den passenden rock war ich dann nicht wahnsinnig genug.

bei all dem licht an eine äußerung vom gregorzwilling gedacht, der in einem gespräch über die energiewende abwinkte und sagte, das sei eh alles nicht mehr aufzuhalten, egal, was die politiker sagen und tun, weil sonne und wind und wasser nichts kosten und jeder sie nutzen wird, die wende findet bereits statt, sie ist unaufhaltbar.

bei der rückkehr lag mein behindertenausweis im briefkasten, er sieht lustigerweise aus wie selbstgemacht, grüne plastikarte mit namen, foto, einer nummer, dem gdb, sonst nix. es ging superschnell, sehr erfreulich.

gestern war in italien der jahrestag der befreiung von den nazis, der dort mit großen umzügen gefeiert wird, und es kam zu konflikten zwischen einem pro-pälästinensischem teil und den teilnehmer*innen der brigata ebraica, die daraufhin den zug verlassen haben. traurige zeiten.

heute ist wohl der jahrestag von tschernobyl, ich hätte den im mai verortet, weil ich diesen wunderbaren sonnigen mai erinnere, wo wir dauernd auf wiesen lagen, bis wir damit aufhörten wegen tschernobyl, und in supermärkten h-milch und nahrungsmittel suchten, die vorher hergestellt worden sind, und damit keiner radioaktiven strahlung ausgesetzt waren. wochenlang ging das so weiter, es war zutiefst beunruhigend alles. jetzt sind atomkraftwerke wieder im gespräch, weil es den politikern egal ist, den fehler ein zweites mal zu machen, mit den folgen werden sie nichts mehr zu tun haben.

gemerkt, dass ich einen schönen tag nur geniessen kann, wenn ich nicht ins netz gucke und all das finstere ein-mal ausblenden kann.

teilen

spuren

mich beschäftigt der beleg für die mitgliedschaft meines großvaters schon. 1939 wird er mitbekommen haben, was war, er wollte als junger, frisch promovierter mensch vielleicht alles tun, um seine karriere zu erleichtern, aber das ist kein guter grund, hätte die promotion nicht genügt? es ist 1939 unwahrscheinlich, dass er gar nichts gewusst hat, es gab antisemitismus und unterdrückung, nur noch eine einzige partei, deutschland war ein totalitäres und gewalttätiges regime in einer zeit, in der es überall, zuhause und in schulen, viel gewalt gab. er konnte trotzdem nicht wissen, was alles noch kommt, wie schlimm es werden würde. muss mal nachlesen, ab wann man als intelligenter, gebildeter mensch bescheid wissen musste, was alles bekannt war. der eintritt einen tag nach dem überfall auf polen ist ebenfalls interessant. 

es ist wie es ist.

die vielen familiengeschichten in den kommentaren sind auch sehr lesenswert, immer mit dem gedanken an die geschichten der ermordeten und vertriebenen, die nicht mehr erzählt werden können, weil niemand übrig geblieben ist. 

teilen

strich für strich

merke: es gibt nicht den geringsten grund, mehrere druckbleistifte zu kaufen, nur weil sie eine neuartige japanische mechanik haben, die ihre mine bei jedem anheben um ein paar grad dreht, so dass sie nicht unrund werden beim schreiben (mit anderen worten „a problem you didn’t know you had“), die linien damit von konstanter strickstärke bleiben. ich habe eine gewisse reserve an ungenutzten stiften, darunter auch druckbleistifte, auf meinem schreibtisch, in meiner zuhause-federtasche, in leder, und ich könnte sie einfach in die arbeitsfedertasche transferieren. es ist mir ein rätsel, wie im job immer meine stifte verschwinden. vabbeh, ich werde berichten, ob ich einen unterschied merke. tröstlicherweise gibt es jede menge auswahl an overengineered pencils.

heute in der taz noch ein text zu pflegekosten, die bei mir ja so ein im hintergrund laufendes thema sind. mich erinnert es an die krankenversicherung in den usa, ich dachte, hier wären wir weiter. ich finde es schwierig, das als armutsthema laufen zu lassen, weil 1500€ extra pro monat auch nicht-arme haushalte in die armut bringen können.

stellt euch vor, ihr erbt einen kleinen picasso, einen druck mit signatur, hängt ihn irgendwo hin und freut euch darüber, jahrzehntelang. dann werdet ihr alt und wollt ihn mal verkaufen, vielleicht für eine reise, oder ein geschenk, oder wegen der pflegekosten. ihr erinnert euch wie der onkel, von dem ihr das habt, vom preis des drucks erzählt hat, eher stolz, weil er diesen seltenen glücksfund gemacht hat, ein fünfstelliger betrag mit einer 10 am anfang. die zeiten haben sich inzwischen geändert, es gibt den klassischen kunstmarkt vermutlich noch, hoffentlich, zumindest eine weile. aber wenn ihr diesen kleinen schlichten picasso jemandem verkaufen wollt, müsst ihr erst um chatgpt herumkommen, wo er mit einem mittelhohen, aber nur dreistelligen betrag verortet wird. es kann aber auch sein, dass der onkel hereingelegt wurde, weil der kunstmarkt so umgeht mit menschen, die nur aus liebhaberei kaufen. wir werden es hoffentlich nie herausfinden, sondern das bild einfach immer weiter vererben.

spontanen besuch von altem freund bekommen, tee getrunken, das leben erzählt, es geschafft, meine themen unterzubringen im fluss der gedanken. jetzt ist es zu spät meine haare noch nachzufärben, das wollte ich vor morgigem ausflug in clärchens ballhaus mit frau w. noch erledigen, mist. farbspray nachkaufen, dann geht das auch so. niemand wird es merken.

dem freund ist am küchentisch noch benn eingefallen, gleich mal wieder reingelesen, „Ordnung“ heißt das gedicht unten, und ja. ich sollte dringend mal wieder in irgendein abenteuer.

Es steht ein Mond in der Weite
Du möchtest in Saus und Braus
Durch die Nacht die fiebernde schreiten
Und gehst schnell nach Haus –

Es sind die Züge der Stille
Der hintergründigen Welt
Das Ordnung Last und Wille
In eins zusammenfällt

teilen

waiting, winter

die bvg streikt schon wieder, die letzten streiks haben wohl nicht zu ergebnissen geführt, mich ärgert es, weil ich am streiktag mein deutschlandticket nutzen will, das nur noch im februar gilt, um die zwillis zu besuchen, und jetzt umständlich mit s-bahnen zum hauptbahnhof muss. bei uns hat der letzte streik ein mageres plus von 60€ netto gebracht, die bei all den preiserhöhungen keinen unterschied machen. weniger arbeiten bei vollem lohnausgleich würde ich auch sehr gerne, verspüre aber doch eine gewisse genervtheit, wenn ich mein bezahltes ticket nicht nutzen kann.

die letzten tage zieht eine neuigkeit durch instagram, offenbar benötigt mehr als ein*e typ-1-diabetiker*in nach einem transplantat von inselzellen kein insulin von außen mehr. das ist nicht neu, das wird schon seit den 80ern gemacht, aber bisher erforderten solche versuche immer die lebenslange gabe von immunsuppressiva mit starken nebenwirkungen, und das soll jetzt anders sein, ein mittel der firma eledon verhindert die immunantwort auf das transplantat, ohne darüber hinaus massiv in die immunabwehr einzugreifen. natürlich muss das auch lebenslang genommen werden, wie ich es verstanden habe, bis jetzt alle 3 wochen per infusion, aber wenn der körper wieder insulin herstellt, soll es mir recht sein … well, das ist bis jetzt wieder so ein in-5-jahren-dingens, das die community gut kennt, aber es hat neue aspekte. die eledon-aktie ist bei 1,99, gestern war sie bei 2,40€. paar gekauft, auch weil der name nach einem elfen aus lothlorien klingt. aber erst einmal gilt weiterhin #wearenotwaiting.

die nächste gute nachricht ist natürlich, dass der februar morgen den letzten tag hat, damit ist die bodenlose endlose finsternis am ende, sind die 4 längsten und ewigen wintermonate durch, das licht wird bald länger dauern als der arbeitstag, aber noch ist es nicht so weit, noch kann es um 20 uhr ebensogut mitten in der nacht sein.

teilen

sport und weg

blick auf die ostsee, man sieht den langen schatten eines menschen am wasser

gestern abend in langem telefonat mit dem großen sohn ist mir das versprechen entfleucht, sport zu machen, nach jahren endlich wieder. es muss muss muss sein, ich hab im sohn mich selber erkannt, die ihrer mutter oder freundinnen dieselben dinge sagt, tu was, beweg dich, und habs dann halt einfach versprochen. gleich einen online-kurs gebucht, den mir die krankenkasse erstatten wird, wenn ich ihn absolviere, damit ich das versprechen schneller einlöse, und weil ich mir nicht so ganz traue. jetzt versuche ich mich an meine jugend (neunziger) zu erinern, wo ich dreimal die woche zum sport bin und richtig gut durchtrainiert war, joggen war ich damals auch. das war ein superes gefühl, wenn auch völlig normal, ich wusste ja nicht, wie weit ich mich einmal davon entfernen werde.

heute vorgestern mit einer freundin noch einen letzten berlinale-film gesehen, sehr besonders: dao, im berlinale palast diesmal, mit numerierten plätzen in der allerletzten reihe, sicht und klang hervorragend. den anfang habe ich schon wieder vergessen, aber der film hatte so einen lauf, hat uns mitgenommen in eine familie, als publikum waren wir bei einer hochzeit dabei und bei einer gedenkfeier, bei der die gesamte familie, mit jeder menge onkeln, tanten, nichten und neffen, kindern und enkeln sich vom großvater in einem dreitägigen fest verabschiedet, ein leben verabschiedet. in der rahmenhandlung werden die schauspieler für das spektakel (den film) ausgewählt, wir sind dabei und erfahren so etwas über die geschichte der figuren. die feier findet in guinea-bissau statt, wie begleiten die mutter mit ihrer erwachsenen tochter ein stückweit auf der weiten reise, als sie in dem kleinen dorf ankommen, ist die freude und aufregung über das wiedersehen bzw. kennenlernen groß. das fest wird vorbereitet, das ganze dorf ist beteiligt, es gibt einen ablauf, der allen bekannt ist, dem sich alle fügen. die feier ist in animistischen ritualen strukturiert, im filmverlauf werden hochzeit der tochter und abschied vom großvater ineinander verschränkt, bei beiden sind die menschen gleichzeitig ganz bei sich und mit allen zusammen, im tanz zbsp, es wird dauernd getanzt, mal eher als kommentar mit leicht wiegenden hüften, mal ausgelassen und wild zu trommeln und gesang. ich hätte fast mitgetanzt, so nah war die kamera an den gästen, so wie man auf parties mal zum nachbarn schaut, mal selbst versinkt in körper und musik. einmal haben wir beide die augen geschlossen, als eine ziege und eine kuh geschlachtet wurden, aber es war nur kurz. der film hat drei stunden gedauert, ich hätte auch noch länger zusehen können, vielleicht nach einer pause. sehr nahe und intensive und nur mal so momente lang zu lange erfahrung, einen tick reitz-artig in der selbstverständlichkeit im umgang mit den personen und deren leben, mehr dokumentarisch als dramatisch. der film wär im kino an mir vorbeigegangen, daher ein hoch auf die publikumsnahe berlinale.

nach nettem hinweis aus dem letzten kommentar habe ich noch einmal ein paar versicherungen versucht, mal schaun, mal sehn, ob das was wird. sie wären in ihren online-voranschlägen deutlich teurer und würden viel weniger zahlen als die andere, die abgesagt hat. man darf die logarithmen niemals gegen sich haben, sonst hat man verloren, zumindest und mit sicherheit geld.

am letzten tag meines deutschlandtickets streikt die doofe bvg, dabei will ich die zwillis besuchen und muss irgendwie zum bahnhof kommen. sehr genervt, jetzt muss ich entweder das rad mitnehmen oder mit ewigen umwegen mit der s-bahn fahren. oder ich nehme endlich mein erstes uber.

teilen

frost ende

heute 5°c plus, inzwischen unerwartet. schnee weg, ein schritt voran. hoffe, er ist auch vom auto geschmolzen, dann muss ich das nicht mehr abkratzen alles. nächste woche der alljährliche frühlingstag im februar, einmal 15°, damit wir nicht aufgeben auf halber strecke und berlin doch den rücken zuwenden, auswandern irgendwo ans mittelmeer, ins licht, zu längeren tagen. dann spüren wir uns wieder und halten eventuell durch, bis es dann im juni frühling wird.

berlinale war wenig dieses jahr, ich suche ja immer nach den italienischen beiträgen, vergeblich, 2026 gab es schlicht keine, das ist wirklich ungewöhnlich und kein gutes zeichen. heute der film mit turturro, buscemi, esposito in new york, beim anblick der gesichter wieder dieser moment des unglaubens, dass tatsächlich auch die stars altern, alt werden, wie ja überhaupt der komplette austausch des kulturpersonals meiner welt immer weiter voranschreitet und dabei eine gewisse normalität entwickelt. wie gut, dass die kunst unsterblich ist.

jedenfalls ein feiner film, schöne idee, toll erzählt, sehr liebevoll und sehr old school irgendwie: turturro ist harry, ein altgedienter taschendieb mit einem netzwerk aus kumpeln und familie, und eines tages klaut er das falsche, und muss es wiederbesorgen in seinem new york, dass irgendwie auch unser new york ist, aus filmen, geschichten, bildern, man erkennt es wieder, es ist auf leichtfüßige art archetypisch. schaut ihn euch an, große empfehlung. gesehen mit einer freundin im uber-dingens, der (das? die? das ding ist geschlechtslos) sich nur wegen der riesigen leinwand lohnt, die gala zum goldenen bär lief da wohl schon, einige im publikum gucken vorm film auf dem handy mit. den gewinnerfilm hat die freundin auf dem heimweg gegoogelt, gelbe briefe, koproduktion berlin-türkei-frankreich, heute gesehen, dass es um ein super wichtiges thema geht, der film zeigt, welche folgen das ende der demokratie in einem land auf den alltag, das gelebte leben, auf das soziale miteinander haben kann. den werden wir uns dann im sommer im freiluftkino ansehen.

ende november hatte ich online eine pflegezusatzversicherung abgeschlossen, weil ich eventuelle kosten für pflege oder ein pflegeheim nicht würde stemmen können, ohne alles daran zu verlieren. diese woche lag die absage der versicherung im briefkasten, „risiko zu hoch“, well, genau. es macht schon was mit mir, aber ich werde es nochmal bei einer anderen versicherung versuchen, nur so zur wissenschaftlichen überprüfung.

eine freundin meinte: so ist das halt, du kommst selber für dich auf, dafür ist der besitz da. sie hat recht irgendwie, vieleicht ist es falsch, das geld als „verloren“ zu begreifen, wenn ich damit mein alter finanziere, ich weiß nicht, wieviel prozent der bevölkerung durch renten oder vermögen beträge von ⌀ 3500€ monatlich finanzieren kann, bei den meisten wird bei den hohen kosten wohl der sozialstaat aufkommen müssen, ich denke ja, dafür sind versicherungen da, vielleicht unterschätze ich aber auch den wohlstand der anderen. die versicherung wies in ihrer ablehnung darauf hin, dass es ja keine krankenversicherung sei, sondern eben eine zusatzversicherung. gsd sind krankenversicherungen hier ein grundrecht. vom durch die absage gesparten geld kann ich einige urlaube finanzieren, leben im jetzt ist die devise. merke beim schreiben, wie ich mit dem thema abschliesse, du hast es versucht, tant pis, aber es wird schon gehen irgendwie. bleib ich halt gesund oder sterbe gleich.

(merke zur zeit eine erhöhte vergesslichkeit und hoffe, es sind die folgen meines jobs, nicht meiner nachlassenden kognitiven leistung, vielleicht zeigt sich darin die midlifekrise für aufgeklärte, selbstbewusste menschen: alles wird verfügbar, überall werden anfänge des endes sichtbar. entspannt und wach darin leben. ich bin ja erst 60.)

teilen

projekt bücher

alec soth hat zusammen mit brad zellar eine schöne fundraiser-aktion, der erlös geht komplett an die hilfe für migranten und menschen, die von den ice -übergriffen bedroht oder betroffen sind.

ich verkleide mich ungern, es ist zuviel aufmerksamkeit auf etwas, das ich dann ja eh nicht bin, weil verkleidet – andrerseits ist es im job ein spass, bei dem ich gern dabei bin. allerdings mit einem kostüm, dass in den drei jahren, in denen ich es nutze, nur einmal von einem vater erkannt worden ist, nie von den kids, aber hej, mehr schaffe ich nicht. gelegentlich spiele ich mit dem gedanken, mal auf eine dieser veranstaltungen zu fahren, wo fans und schauspieler und andere filmmenschen sich feiern, und nein, ich meine nicht die berlinale, aber dann sehen mich da andere, und der unterschied zur filmfigur ist bestimmt lächerlich groß – wobei, das geht den anderen gästen ja auch so. na, mal sehen. ich freue mich jedenfalls drauf, meine lustige uhr mal wieder tragen zu können. (die enterprise ist der sekundenzeiger)

zifferblatt einer timex-uhr mit star-trek-motiv

vielleicht finde ich jemanden, der mich knipst. ich erinnere faschingsfeste von erwachsenen meistens so, dass die damen möglichst generell wenig anhaben, die herren möglichst wenig verkleidet sind, es wirkte immer etwas unfair, nun ist berlin ja auch gar keine karnevalsgegend. aber bei halloween hatte ich mit klebetattoos ja auch meinen spass.

grauer februartag, ausklingende erkältung, aber ruhig und entspannt nach einem gefühlt langen wochenende, freundin und gregorzwilling als übernachtungsbesuche, plaudern und volles haus, sehr schön.

mal wieder bücher angesehen, also die im schrank, ein sehr schönes kleines herausgenommen und voller elan 20 seiten gelesen, dann eher erschöpft wieder weggestellt, da beschreibt ein mann in sehr klagendem tonfall den mühsamen alltag eines porzellanmalers, hier ein paar tassen, dort ein krug, satt wird er nur, wenn ein freund ihn abends mitnimmt, nie wird etwas gut, und dann übergibt sich noch die katze unterm bett! geschrieben hat es heinrich ernst kromer, veröffentlicht 1915 als fiktive autobiographie von gustav hänfling. ich sehe ihn vor mir in seiner dachkammer, um pfennige ringend, aber ich möchte dann doch nichts weiter wissen, ein beispielhaft trauriges künstlerleben, wie wir es alle hätten haben können, aber ein schönes kleines buch.

Altes Buch mit durchgehend bedrucktem EInband

als zweites einen band mit einem schönen foto vorne drin, es zeigt einen mann mit markanten gesichtszügen, gut sitzendem haar und tiefliegenden hellen augen, es ist ein schwarzweiß-foto, er wirkt asketisch, schmal, bestimmt. er lächelt freundlich und unaufdringlich schräg am fotografen vorbei, friedrich gundert, ein verlagsbuchhändler, er hat wohl jugend- und kinderbücher herausgegeben, das buch ist ein nachruf, seine lebensdaten stehen vorne auf der ersten seite, von 1897 bis 1946. es enthält briefe aus dem krankenhaus, berichte und gedichte von freunden, er ist jung gestorben, wohl an einem lungenleiden.

S/W- Foto von Friedrich Gundert, aus einem Buch zu seinem Andenken nach seinem Tod 1946

er hat in calw gelebt, hatte dort ein steinhaus, von dem es eine webseite gibt, weil die stadt mit all ihren holzhäusern wohl im 17. jh einmal durch einen brand zerstört wurde, und ein weitsichtiger mann namens schill sich dann ein haus aus stein hat bauen lassen, aus großen, massiven steinen und einem gewölbekeller, sicher vor feuer. friedrich hat die letzte enkelin des herrn schill geheiratet, emma, hat hat mir ihr dort gelebt, weiß nicht, ob er auch seine geschäfte von dort betrieben hat. er hatte viele geschwister, neffen und nichten, eine enkelin wird erwähnt, sie stirbt leider mit anfang zwanzig, in den 60ern, aber das hat er nicht mehr erlebt. mich beschäftigt dieses erfolgreiche, intensive leben, viele angehörige sind nach indien ausgewandert, als missionare, sind hin- und hergereist im 18. und bis ins 20. jh hinein, mit netzwerken, freundschaften, literatur, familie. was sie im 2. weltkrieg gemacht haben, steht nicht drin, er ist 1946 gestorben, online finde ich einiges zu seiner familie, aber keine historische einordnung, ich suche aber auch nicht richtig danach, genug kleine kommentare gegen die hj und die nazis finden sich zum glück, in den briefen, wo er über die schwierigkeiten schreibt, direkt nach dem krieg papier für den buchdruck zu bekommen. es gibt noch familienangehörige, auf der seite mit dem verzeichnis der angehörigen sind die anonymisiert, den verlag gibt es nicht mehr. er war der onkel von hermann hesse, er wird mir sympathisch nach lektüre des büchleins, muss ein besonders begabter und feinsinniger mensch gewesen sein, liebhaber von bach, damit kriegt man mich ja sofort, aber es bleibt unklar, wie er es im dritten reich gehalten hat, es wird beklagt, dass die gefangenen nach dem krieg keine bücher bekommen, weil so wenig gedruckt werden, es finden sich minimale andeutungen, dass es schwierige zeiten waren – eigentlich nicht genug, aber es ging ja auch nicht darum. das richtige leben im falschen.

in der tram gestern zum zweiten mal einen sitzplatz angeboten bekommen, obwohl der weiße haaransatz unter der mütze war – abgelehnt. es ist, wie es ist.

teilen

sick days

krank und ko zu hause, nicht gefährlich krank, nur erkältung. brauche 1-2stunden, um aus dem schlechten gewissen herauszufinden, trotz verstand und lebenserfahrung ist der pflichtimpuls tief eingebaut und größer als der selbstschutz. nervend. niemand freut sich über virenschleudern am arbeitsplatz, ich muss mir das wie eine meditationsübung wiederholen. paar tage flach gelegen und nichts mitbekommen von allem, geschlafen, heute langsam wieder ich selber.

nachträglich erschrocken bis fassungslos darüber, wie ich im januar die chance verpasst habe, in berlin nordlichter zu sehen, bloss weil ich abends um 22 uhr zu kaputt war, um nochmal raus zu gehen, in den nahen park, wo ich sie eventuell hätte sehen können, es war mir egal, der preis schien zu hoch – und ich bin damals mit 8 monate altem sohn und mann mit einem ollen benz-kombi bis nach münchen gefahren, um eine sonnenfinsternis sehen zu können, vor 26 jahren.

tja. ich merke daran, wie anstrengend das lebensmodell „beruf“ tatsächlich ist, was es kostet, wie sehr ich mich darin füge, wenig energie für anderes zu haben, wobei es auch einfach am zustand „altern“ liegen kann, wie fast alles neuerdings. aber die nordlichter tun weh. das darf nicht so bleiben, vielleicht habe ich noch eine chance in diesem jahr, die sonne steht gut dafür.

gebannt beim vierfachen axel zusehen, danke nyt. diese leichtigkeit, die perfektion, die energie, überwältigend schön. bevor er loslegt, hören wir ein gedicht über die leere, sehr jugendlich intensiv, „The only true wisdom/ Is in knowing You know nothing/ The lost/ Is in the unknown“, dann folgt die musik.

berlinale geguckt, also beim roten teppich via stream, sehr nett. kenne fast niemanden, bis auf herrn eidinger, den man ja im zweifel auch durch den mangel an kleidung identifizieren kann. viele augenscheinlich erfolgreiche junge menschen in all den wunderbaren festgarderoben, für den anlass zu dünn, es kam auch immer sofort nach ausstieg aus dem auto ein mensch und hat die mäntel an sich genommen, dabei hatte frau yeoh einen riesigen plüschigen kurzen pelz über ihrem schulterfreien kleid, sehr elegant, sie sah dann ohne eher beraved aus, ganz zart und schmal. herr wenders in klassisch schöner männerkleidung, stilsicher und attraktiv auf eine klassisch zuverlässige weise.

habe karten für zwei filme, nach termin ausgesucht, nicht nach inhalt oder künstler*in. vielleicht ergibt sich spontan noch was, die karten werden ja nach und nach freigegeben, das ist recht entspannend. die blutgräfin hätte ich wg vorliebe für vampirfilme gern gesehen, ist aber zeitlich schwierig, herrn buscemi mag ich auch, die idee des films klingt nach sentimentalem ausflug ins new york des letzten jahrhunderts. so, jetzt ab ins wochenende!

teilen

boldly go

gestern gebannt vor einem video gesessen, in dem jemand eindringliche ratschläge für 60jährige gibt. die hälfte der zeit war ich mir nicht sicher, ob es ai ist oder nicht, ihre sprache zu kohärent, der textfluss ohne fehler, wiederholungen, unterbrechungen, ich bin mir immer noch nicht sicher, aber ich konnte auch nicht weggucken, anders als bei allen anderen menschen, die ihr gesicht für vorträge in die kamera und damit auch direkt in mein gesicht halten, da gehe ich immer unwillkürlich einen schritt zurück und clicke weiter.

edit: die dame im video ist ai, der wortlaut zusammengestellt aus aussagen alter menschen: „the advice presented is compiled from real-life experiences and wisdom shared by real people“, allerdings steht direkt unterm video „a submission by lorraine“, erst unten gibt es einen disclaimer mit dem hinweis auf ai – meine unsicherheit verunsichert mich, seitdem sehe ich auf youtube überall „nur“ noch ai, was die kriterien bei der wahrnehmung von authentizität verändert, nicht mehr das gesehene ist wahr, sondern ev die gute oder böse absicht des prompters, die zitate, aus denen der text zusammengesetzt wird, die absicht also wird relevant. alles ist immer schon meinung, manipulation oder im ernstfall propaganda, es wird uns vermittelt als doku, es ist fiktion. die fähigkeit, das alles zu unterscheiden wird super wichtig, wobei das bestimmt bald auch eine ai erledigen wird, ein ai-filter oder so.

erinnert ein bisschen an die interpretation von literatur, wo stilistische, textinhärente elemente genauso analysiert werden wie zeitgeschichtliche aspekte oder die biografie der/des autor*in. komplexe zeiten, in denen wir leben. edit ende.

eine weile lang war ich gleich alt wie star trek, dessen erste folge „the cage“ im februar 1965 zum ersten mal gesendet wurde, also vor genau 61 jahren. in dieser woche geht es bei starfleet academy um sisko, den chef der raumstation ds9, die serie ist eine meiner liebsten aus dem franchise, und es wurde ein theremin gespielt, ausrufezeichen, so ganz nebenbei und selbstverständlich – bin wieder an bord als trekkie, auch wenn ich mir bei der grundaussage der serie, die ich wunderbar finde, vorkomme wie rita, als sie sich in groundhog day den weltfrieden wünscht. finde es schon einfach generell tröstlich, dass etwas gutes weitergeht, und hier machen sie es mit neuen gesichtern und neuen geschichten, das ist nicht unmutig, die eltern einer respektsperson (lura thok/ gespielt von gina yashere) sind ein jem’hadar und eine klingonin, das ist wirklich eher unerwartet.

heute einen aufregenden termin gehabt, über den ich irgendwann mal ausführlicher reden werde. jetzt so ein gefühl, als ob die magnetspäne meiner vielen beruflichen wege und privaten interessen sich neu orientieren, erleichterung, aufatmen, neugierde. mal sehen, was da noch kommt. durch eine tür gegangen jedenfalls.

ich war wg misstrauen in die öffentlichen viel zu früh und bin vor dem termin in einem park in lichterfelde herumgelaufen, im neuschnee, feiner knirschender eisschnee, dabei in einen baum verguckt, der zwei sehr lange schwere äste im freien raum hält, sie sehen aus wie arme, mit ellbogen.

baum mit weit ausragenden dicken ästen, sieht aus wie ein ent.

von einem wachsen zweige, die aussieht wie minibäume, mit zweigen, nach oben, bestimmt ist das so mit bäumen, ich bin ja stadtkind. war fasziniert von der rinde, beschneit, und den formen und farben darauf.

baum mit weit ausragenden dicken ästen, sieht aus wie ein ent.

von den bäumen auf ein großes hellgelbes haus aus dem ca vorletzten jahrhundert zugelaufen, gedacht, mal schauen, was das ist – das guthaus lichterfelde. ein familienzentrum mit kindergarten und anderen angeboten, es gibt ein sehr schönes geräumiges denkmalgeschützes cafe darin, mit großem runden kachelofen (leider außer betrieb), bestimmt im alten salon des hauses, mit einem kronleuchter und einer großen terasse davor, geöffnet di, mi und do von 10 bis 16 uhr, montags nur für familien. hatte den raum heute für mich, habe eine wunderbare kürbissuppe und einen pott kaffee bekommen, für 5 euro nochwas zusammen und durch die fenster auf die verschneiten park geschaut. im sommer bestimmt ein paradies, jetzt eine aus der zeit gefallene oase der ruhe.

teilen

mitten im kalten winter

„Because there’s cold like a crisp apple, invigorating, makes you feel alive; and then there’s cold like the dark side of the moon, the kind that makes you question your life choices.“ (KBHR 57am, NE)

es sind ja nur 0 grad, so kalt ist es eigentlich gar nicht, aber in berlin reicht das, weil niemand streut (es wäre die pflicht der anlieger, die dann 1, 2 handvoll sand vor der haustür verteilen, oder auch nicht, es kümmert keinen), nicht einmal die bürgersteige der danziger str. (große 6 spurige hauptstrasse mit strassenbahn in der mitte) sind problemlos begehbar, es ist inzwischen festes graues eis, spiegelglatt. früher hat mich das irgendwie nicht gestört, vielleicht entwickele ich angesichts meiner zerbrechlichen mutter da jetzt auch unsicherheiten, muss aufpassen, oder nee, morgen spikes unter die schuhe, dann läuft das. leute auf fahrrädern verstehe ich nicht, wünsche aber viel glück und glatte brüche, wobei einen tag später immerhin die strassen relativ uneisig aussehen, aber versuchen will ich es nicht, im totalen unterschied zu letztem jahr, wo ich dann eher so spielerisch aus der hüfte heraus trotzdem gefahren bin, da war halt mehr schnee auf dem eis. sehr genervt, weil ich soviele wege nur zu fuss oder mit den überfüllten und dauernd verspäteteten öffentlichen verkehrsmitteln machen kann. berlin ist so durch.

das „stromnetz berlin“ zeigt auf instagram, was sie grade tun, das ist hilfreich. heute wollen sie irgendwie ein ölkabel mit einem kunststoffkabel verbinden, das klingt schon etwas nach o’brien.

den idioten von der truppe, die den stromausfall durch einen anschlag verursacht haben, wünsche ich schnellstes geschnapptwerden, mögen sie danach vergessen werden, ich nenne nicht einmal ihren namen.

lange tage diese woche. ich mag keinen winter. versuche mich daran zu erinnern, wie lustig sich das knirschen anfühlt, wenn der schnee frisch gefallen ist, wieviel spass die kinder mit ihren schlitten auf jedem kleinen hügel haben, während wir beim spaziergang vorsichtig über die glatten wege des parks stapfen, aber nee, nix für mich.

teilen