just music

manchmal bin ich ratlos vor unserer fähigkeit zur liebe, all diese nervenbahnen und sinne dafür, ein ganzes orchester, das immer nur proben und nie spielen darf, es wird gelegentlich gebucht, aber dann wieder ausgeladen, oder es kommt keiner, oder es gibt das konzerthaus gar nicht, nicht mal die stadt, und so wird es über die jahre ein bisschen sonderbar und taucht gelegentlich in vollem ornat in einer dorfdisco auf, wo eine olle jukebox genügt hätte, oder es wendet sich unbekannten finnischen komponisten zu, obwohl es jederzeit mahler spielen könnte. vieleicht konvertiert es auch in toto zum elektronischen minimalismus. der dirigent sitzt dann nach den heimfahrten noch eine weile in seiner bahnhofskneipe und hält reden.

12 Gedanken zu „just music“

  1. da habe ich im feedreader jetzt erst „unfähigkeit zur liebe“ gelesen. bloglesen ist wohl doch auch irgendwie so wie in einen spiegel gucken…

  2. Ja, genau.

    All diese Verschwendung, das verschwendete Selbst. Ich muss manchmal weinen deswegen. Tröste mich dann mit dieser Vision von mir in zwanzig Jahren, die Nippel auf Höhe des Bauchnabels, Hand in Hand und ungeniert und dankbar und glücklich mit jemand den FKK-Strand auf Usedom entlang spazieren.

    Vergeudete Jahre, sicher, aber man weiß ja nicht, was noch kommt. Vorbei ist es noch nicht.

  3. verschwendung, ach so weit würd ich nicht gehen. es sind so ökonomiefragen, der kram kommt einem ja nur unangenehm hoch, wenn mal wieder unwucht herrscht, in allen (üblichen, denke ich) anderen fällen ergeben sie was selbstverständliches. ich wundere mich ernsthaft und mit sowas wie ehrfurcht über die energien. lieber: potlatch, als geschenk, zum affen macht man sich eh. (es geht selbstverständlich um nichts reales, alles nur theorie) schönes bild mit dem strand. wenn du das mittelmeer draus machst, bin ich dabei.

    (heute übrigens mit einer 90jährigen telefoniert, die meinte: kein bisschen geht das weg, und mir dann von ihren abenteuern erzählte.)

  4. ach, das war einfach eine so schöne vorlage 😉

    (und aber ganz im ernst, auch ich denke mal, das geht nie weg, solange man irgendwie da ist. ich hörte sogar geschichten von der palliativstation. ohne diese vage und ungewollte hoffnung jedenfalls wäre ich in den letzten jahren abgeschmiert.)

  5. diese endlos-schleifen des kennenlernens; vor jahrzehnten quatschte man etwas im dunst der fetenkeller und verstand sich auch morgens danach noch ganz gut, das wurden wochen, monate, jahre; und jedem abschied wohnte ein anfang inne.
    später passten die geschichten noch auf eine „kennenlern-cd“, wie ich das mal genannt habe, all die worte und berichte und pläne und niederlagen, die man dem potentiellen gegenüber gegeben hat.
    und heute ist das längst eine „dvd“ geworden und man muss aufpassen, nichts in den vordergrund zu stellen, was die alten filme im gegenüber anlaufen lässt und nichts zu verschweigen, was hinterher wie eine verstockte lüge ausgelegt werden könnte.
    jeder möchte ne gute geschichte erleben, erfahren genug, um befriedigt zu werden, naiv genug, um nicht alles zu versauen.
    vielleicht kommt irgendwann der moment, wo man die „player“ abschaltet, alles gesagt ist, alles getan ist und man den moment genießt, pläne mache ich längst schon nur noch maximal bis zum nächsten urlaub

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