18. juli 2021

seit ich wieder zum hinterhof schlafe, höre ich jede nacht ein oder zwei orgasmen, aber keine musik oder gespräche. außerdem gurrende tauben, die sich manchmal im efeu verheddern mit lautem flügelschlag. das schlafzimmer ist immer ein paar grad kühler als der rest der wohnung, es gibt nur morgens eine halbe stunde sonne. bisher träume ich noch zu selten vom meer.

den 5. transformers-film geguckt, erst nix verstanden, weil ich nur den ersten vor jahren mit den kids gesehen habe. wusste nicht immer, wer jetzt warum gut oder böse ist, über referenzen gefreut (das raumschiff der angreifer hat gewisse ähnlichkeiten mit dem schiff vom romulaner nero im star trek 11), die animationen übertrieben detailliert, fast ermüdend, trotzdem erschreckend real, drehbuch ist bestimmt von kitakindern entwickelt, wo ein kind eben roboter ist, das andere ritter, und dann kommen aliens.

danach bisschen in „la mort d’arthure“ gelesen, in der von thomas wright 1865 neu herausgegebenen ausgabe von thomas malorys version (nach der abschrift von william caxton). es riecht leider ein bisschen gammelig, aber der text funktioniert noch immer, wright kommentiert gelegentlich, es ist ganz amüsant, und in vielen schlüsselszenen anders, so zieht der junge arthur das schwert nicht nur einmal aus dem amboss, er tut von neujahr bis pfingsten eigentlich nichts anderes, für jeden anreisenden fürsten aufs neue, bis er alle überzeugt hat.

der sommer ist noch lang. ich gehe jetzt schlafen, ein wind bewegt die gardinen.

aber wenn, dann wär es so:

das gepäck ins auto, völlig entspannt, weil ich ja allein mit hund fahre und ebenso gut die ukulele auch noch mitnehmen kann, um sie am see nicht zu spielen, oder ein fahrrad, oder zur sicherheit mein müsli. die ersten meilen in den süden, wie mein berlin noch an mir klebt, freunde, jobs, geschichten. das gedankenversunkene fahren bis in den thüringer wald, die letzten monate, was passiert ist, was nicht passiert ist, ob ich durchgekommen bin mal wieder mit mir, ob es immer noch hält, oder ich nur die brüche anders wahrnehme. der okaye bruch! ein hoch auf ihn. möge er nur im stillen krümeln. die plaste-elaste-schrift vermissen. im harz über die anzahl der kurven wundern, und das grün, und wie lang der weg ist. ab hof beginnt langsam der reisezustand, jeder kilometer mehr richtung süden macht pling und plong auf den herzsträngen. wie ich in münchen auch nach xx mal noch den navi brauche für die ausfahrt zur tante in ihrem haus am see, die familie, das bier zu den weißwürschtchen, das glückgsgefühl. am nächsten tag zu spät los, dann durch die rasertiefebene in die schweiz fahren, dort tiefenentspannt die berge hoch und runter, vielleicht stop an der bar in der via mala- schlucht. dann den bernardino hoch, endlich im tunnel, im tunnel fällt meistens die klappe und meine ferien fangen an. jedes jahr bewusstes danke, wenn es nach dem tunnel über die weitgezogenen kurven die südseite der alpen runter geht, mit blick auf ein ganzes tal, wenn blick ist. im radio laufen jetzt italienische sender, dann endlich bei lugano nord runter von der autobahn und in den feierabendverkehr eintauchen. über die kleine kurvige strasse zur grenze in fornasette, im wald hinter ponte tresa, die strassen werden leerer, durch die brust ins auge endlich zum seeufer kommen, nach luino, wo ich im riesigen carre four die ersten leckereien kaufe, wenn ich nachts ankomme, sonst fahre ich weiter bis laveno. über die seestrasse, die ich im schlaf kenne, die letzten paar dutzend km. am schluss das holprige stück durch brombeeren und wildwuchs hoch bis zum haus. fensterläden öffnen, kühles bier in die hand, liegestuhl ins verkrautete minigärtchen, blick auf die andere seeseite, während das auto noch in der sonne tickt. ausatmen. und es ist immer gutes wetter, wenn ich ankomme.

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die liebe geschieht, wie es in ihrer macht steht, weil sie ist, pure gegenwart, ein wirbel, ein vogel, der fliegt und nicht landen muss, zwischen den sätzen und tageszeiten, sie ist ein schatten, nur kurz sichtbar, einen atemzug lang, und nachts guckt sie in den sternenhimmel, während die zeit zu schnell vergeht. all ihre schönheit passt in eine kleine berührung, mit der sie aneinander vorbeigehen, ein lied, das niemand singen darf, als wäre nichts, und nichts passiert. nichts ist passiert.

alles ist gut.

die zither

gestern gab es ein recht großes paket auszupacken, die verpackung war ursprünglich für einen grill, da war kurz die freude der anwesenden groß. es war sehr gründlich verklebt, und als wir die alte pappschachtel dann offen auf dem tisch hatten, konnte weder zwilling d noch zwilling g mit dem inhalt irgend etwas anfangen. das war ein schöner moment.

folgendermaßen: der g.-zwilling hat sich links eine doofe sehnenscheidenentzündung geholt, weil er zuviel gitarre spielt, und sollte deswegen eine zeitlang nicht mehr spielen. es fällt ihm schwer, er hat das spielen in seinen seelenhaushalt eingebaut und ist ganz nebenbei richtig gut geworden in den letzten monaten. damit die pause nicht zur gewohnheit wird, wollte ich ihm eine zither besorgen, auf der er solange spielen kann, bis mir auffiel, dass er dann vermutlich die sehnen seiner anderen hand auch noch überlastet.

zither c.g. schuster jun.

auf dem weg zu dieser erkenntnis habe ich im netz versehentlich eine gekauft. für 22,50€, das kann sogar ich verschmerzen, gestern ist sie angekommen, jetzt überlege ich, ob ich nicht noch ein weiteres instrument nicht richtig spielen lernen kann, ein fast vergessenes, in die volksmusik verbanntes, eine verbindung von gitarre und harfe, 5 saiten über ein griffbrett mit 29 bünden gespannt, mit denen wird die melodie gespielt, immer einen ton nach dem anderen, mit dem daumen, die anderen saiten darüber in festen tonhöhen für die begleitung. hier genauer beschrieben. eine zither kann fast den tonumfang eines klaviers aufbringen mit bis zu 5 1/2 oktaven, klingt aber immer eher klimperig. ich weiß aus meiner generation niemanden, der eine spielt, wir hatten den großvater meiner mutter, das ist 3 generationen her, das instrument ist bei der musikalischsten familie aus der erbfolge gelandet, liegt dort aber auch eher ungestört vor sich hin. niemand spielt sie noch, es scheint eine bergbuam-sache zu sein, auf der zither zu spielen, es fällt schon auf, dass die spieler auf den fotos überdurchschnittlich oft lederhosen tragen (keine frauen gesehen auf den bildern). ihr klang ist harfenähnlich, es fehlt der korpus mit der klangmacht der gitarre, die saiten werden alle gezupft und nicht geschlagen. sie brauchen vielleicht den kneipenchor als klangraum. es gibt viele im netz, fast alles 60 bis über 100 jahre alte instrumente, andrerseits wieder wenige dafür, dass sie tatsächlich mal so beliebt waren. vielleicht gibt es eine geheime und nicht netzaffine großgruppe von zitherist+innen in den diversen subalpinen eckkneipen, die jedes wochenende mit einem bier im krug und einer gruppe von freund*innen herum die alten weisen singen? am repertoire kann es auch liegen, zithern waren in der volksmusik beliebt, die von den nazis besetzt wurde, die haben das instrument vielleicht gleich mit verdorben, obwohl sogar sisi darauf gespielt hat, weil ihr vater ein passionierter zitherspieler war. im deutschen ist ja im vergleich zu anderen europäischen liedkulturen wenig übrig geblieben, außer hoch auf dem gelben wagen und die gedanken sind frei und sowas. unvergessen eine hochzeit in schweden, wo die schwedischen gäste bis in den frühen morgen mehrstimmig vielstrophige lieder sangen, während wir deutschen die drei, die wir kannten, nur so mitbrummen konnten. auch in italien singen die leute mehr lieder einfach so, es gibt einen allgemein verfügbaren liedkanon, den jeder kennt und kann. überlebt hat die volksmusik hier vielleicht nur als schlager? brr.

die zithern waren jedenfalls anfang des vorigen jahrhunderts eine zeitlang modern und beliebt, gebaut mit teilweise wunderschönem holz, palisander und mahagoni, das griffbrett aus ebenholz. meine stammt aus markneukirchen, einer sächsischen kleinstadt mit langer tradition im instrumentenbau. christian friedrich martin ist nach stress mit der innung 1833 von hier in die usa ausgewandert, um dort weiter gitarren zu bauen, und der nachfolger von framus ist hier immer noch zu hause, sogar zithern werden dort noch gebaut.

die „Firma C.G. Schuster jun.“ hat außer instrumenten auch noch saiten hergestellt, es gibt noch ein paar geigen und zithern im netz, die firma gibt es nicht mehr. meine etwas betagte konzertzither wurde vermutlich irgendwann anfang des 20. jh. gebaut, wer weiß, wann sie zuletzt gespielt wurde.

ich kann zither-musik laufen lassen, höre allerdings bald nicht mehr richtig zu, es wird zu einer art differenzierten sottofondo, genau wie beim cembalo hören, es erfordert konzentration, sonst werde ich angenehm müde davon.

einlegearbeit spielmann mit pferd

die einlegearbeit mit einem blassen spielmann ist schon charmant – ich merke, jetzt hab ich sie mir warmgeschrieben, dabei wollte ich sie sofort wieder reinstellen. sie hat einen riss, ich habe beim gitarrenbauer mal angefragt, vermute aber, es wird aufwändig und damit automatisch zu aufwändig. fürs stimmen gibt es natürlich eine app, aber es kann kein vergnügen sein, diesen haufen saiten zu wechseln.

paar links:

es gibt ein stimmblatt zum unterlegen

die nmz hat einiges über zithern gebracht, auch den verweis auf einen recht umtriebigen spieler: martin mallaun.

(hmpf-text übers impf-theme. nichtmal lieder.)

das mit den impfungen macht mich wütend, es bringt mich zumindest auf. gleichzeitig fühle ich mich lächerlich, wenn ich mich darüber beklage, weil so viele, die in größerem ausmass gefährdet sind, sich auch nicht impfen lassen können. die reihenfolge der impfungen, nach alter, risiko etc. erscheint mir ein notwendiges werkzeug, um ein knappes gut zu verteilen, die triage ist eben das angemessene mittel, um zuerst die gefährdeten zu erreichen. dass es schlaumeier, abkürzer und gefalleneintreiber gibt, stört mich auch nicht, ich bin ja in italien aufgewachsen. aber ich kann nicht nachvollziehen, warum es in deutschland nicht genug impfstoff gibt, wie bei einem so wichtigen thema entscheidungsprozesse zu lange gedauert haben, zu wenig und zu spät bestellt wurde*, und warum der herumliegende impfstoff nicht einfach an andere verimpft wird. da hat jemand mist gebaut, und alle machen weiterhin mist, keiner kümmert sich, trifft entscheidungen, übernimmt verantwortung, wie frau modeste es heut sehr schön auf twitter formuliert hat. was für eine chance das hätte sein können, aber nee, es wird einfach verdaddelt.

*frau arboretum hat das thema im kommentar noch mal recherchiert. es gibt nachvollziehbare gründe für die verzögerungen, da hab ich nicht gut genug gesucht.

der virus ist womöglich einfach nicht gefährlich genug, die regierungen der länder können den einfach durch die bevölkerung durchlaufen lassen, und es ist ein wahljahr. ich möchte trotzdem lieber nicht erkranken, nicht bei dem irren aufwand, den ich für mein überleben die ganze zeit eh schon betreiben muss, aber das ist allen zuständigen egal, die verantwortung trägt immer der nächste in der reihe. dann gibt es pressekonferenzen, sie reden und reden, und dann öffnen sie die schulen und kindergärten, und die frisöre und die buchläden. ich komme mir albern vor, wenn ich das verstehen will, es ist vielleicht einfach nicht darauf angelegt, verstanden zu werden, es geht immer nur um begrenzte lokale ziele und abläufe, terminierte zahlen, nicht um das große ganze, also die verhinderung der infektionen, zerocovid. die relativ geringe sterblichkeit erfordert keine härteren massnahmen, das ist jedenfalls meine hilfserklärung. den stressjob mit den schweren fällen haben die mediziner*innen und pflegekräfte, und die interessieren sowieso niemanden.

mich macht das müde. liebe und verantwortung zeigen sich in dem, was du tust, nicht in dem, was du sagst, und hier handelt gefühlt gar keiner. ich kann als einzelne so wenig tun, ich renne hinterher mit meinen masken, immer schön mit abstand und gewaschenen händen, entwickle darüber so eine schräge und als bürgerin ungewohnte selbstwahrnehmung als jemand, der ignoriert und vergessen wird, das klingt dramatisch, aber es geht eben ums überleben, nicht um eine steuernachzahlung, ich möchte dieses blöde virus lieber nicht bekommen. es ist existentiell. kam einfach ein bisschen unerwartet, da von meinem staat im stich gelassen zu werden, nachdem er da erst so die verantwortung an sich gerissen hat, der staat, den ich sonst nur als bürokratisches system und abstraktum wahrnehme, eine entität, für die ich mit meinen steuern bezahle. bestimmt morgen oder so werde ich all das wieder wegrationalisieren, aber bis dahin kann ich es überhaupt nicht nachvollziehen, was da von staatlicher seite alles nicht passiert.

letzte woche (das posting liegt hier schon eine weile rum) sollten diabetiker schneller geimpft werden, aber nur, wenn sie ganz schlecht eingestellt sind, weil es da wohl statistiken gibt. das hat die berliner senatorin aber nicht erwähnt in ihrem interview, also haben sich diabetiker (auch ich) an ihre ärztinnen gewandt mit der bitte, ihnen eine bescheinigung auszustellen. die soll an die kassenärztliche vereinigung gehen, die sie dann ans einwohnermeldeamt weitergibt, und von dort sollten dann die die impfcodes kommen. die kv hat dann schnell eine meldung an die ärztinnen geschickt, mit der bitte, bloss keine atteste auszustellen, weil niemand bei ihnen weiß, wie sie weiter vorgehen sollen, nicht mal die datenrechtliche frage ist geklärt. heilloses durcheinander, jedenfalls doch keine impfung für diabetiker.

es wird wohl irgendwann klappen, in der einen oder anderen gruppe werde ich mich impfen lassen können, was mit allen anderen ist, steht in den sternen, und die varianten kommen ja munter weiterhin ins land.

es ist halt für alle die erste pandemie, eine zum üben. ich denke, es hat nicht geklappt. die nächste wird kommen, und ich hoffe, sie wird nicht tödlicher als diese, oder doch tödlicher, und dann gründlicher bekämpft? hmm.

(heute überall menschentrauben unterwegs, alle sind unter der woche nachmittags draussen, anteil der ansteckenderen varianten heute bei 44% – lieber masken aufbehalten.)

irgendwie unbefriedigender text, den ich nie wieder lesen werde, aber was solls.

partner in spe

wir sollen schön sein, und jung, zumindest jünger, mit glattem hals und feinen gelenken, unser hintern soll sich sehen lassen können, das haar soll schwingen oder einen sitz haben, der von heute ist und den sie ebensogut schon mal in einer zeitung gesehen haben könnten, die männer, die uns suchen. die jahre soll man uns nicht ansehen, oder nur im charmanten detail, paar lachfalten gehen immer, wir sollen zwingend schlank sein, nicht „normal“, nein, schlank, und uns weiblich kleiden, gerne, also freiwillig, wann immer wir können, und bitte nicht im langen wollkleid! denn dann müssen sie nicht nachdenken, dann sehen sie das, was sie schon immer im kopf hatten, die frau, die all diese traumbilder und wünsche und filmrollen verkörpern tut, ohne es zu merken, die frau, mit der sie sich gerne zeigen, die in ihren freundeskreis passt, um die sie beneidet werden, die sie beschützen können und ein bisschen betüddeln, obwohl sie eigentlich überhaupt nichts braucht, weil sie total unabhängig ist, vor allem finanziell, die sich und ihnen keine blösse gibt, die frau, die sie nicht wieder verlassen wird, mit der alles auf neu sein kann. und weil die suche eine weile dauert und doch nicht so leicht von der hand geht, suchen sie auch in sexportalen, nach sex ohne bedingungen und ohne folgen, nur fürs vergnügen, dort schreiben sie ihre wünsche auf, detailliert teilweise, und müssen überhaupt nicht mehr romantisch klingen, und da ist es plötzlich völlig egal, wie die frau aussieht, aussehen nebensächlich, figur nicht so wichtig, du kannst gern etwas älter sein, dicke willkommen, hauptsache es kommt zur sache.

ja, das hat mich gewundert, weil ich auch auf dem partnerbörsenparkett immer dachte, die männer wollen für den sex eine schönejungeschlanke frau haben, dabei ist es ihnen für den sex gar nicht so wichtig, wie schönjungschlank wir sind. da ist es ziemlich egal. da müssen wir nur da sein, und dann sieht man weiter. aber als partnerin reicht guter sex nicht, er ist vielleicht nicht einmal so wichtig, oder wichtig, aber nicht alles. da geht es auch um den status, also um projektion, zumindest bei der suche, da geht es um viel mehr, um das große ganze, um ihr bild auf der großen bühne, und die liebe ist bestimmt auch willkommen, wenn sie dabei ist, aber für die liebe müssen wir erst durchs nadelöhr passen.

(das positive daran, wenn es denn so ist, vielleicht irre ich mich ja kolossal und hab wieder nur vorurteile, und kann nur einem schönen runden gedanken nicht widerstehen, aber wenn da was dran ist, dann könnte ich, wenn mir diese art kontakt belieben würde, wahrscheinlich sex bis ins hohe alter haben, solange es dabei bleibt. das würde mich beruhigen und den zeitdruck nehmen, weil ich irgendwann bestimmt mal wieder sex möchte)

24. november 2020

freue mich über die glättende überbelichtung, wenn ich mir morgens beim zoomen selber ins gesicht gucken kann. zensiert meine alterswahrnehmung, sie wird geweißt. und die grauweißen haaransätze an den gewissen stellen fallen nicht mehr auf. versuche mein gesicht als den nur zufällig sichtbaren teil meiner gesamtpersona zu sehen, und keinen besonders relevanten, dann gehts.

beim zu hause herumlungern bin ich fast soweit, okcupid zu besuchen, wie man eben eine liegengebliebene arbeit im haus erledigt, weiß aber nicht mehr, ob ich das überhaupt noch kann alles. soviel pflicht bis zur kür! das angenehme: wg corona ist die langsamkeit berechtigt. mir fehlen nicht mal mehr die umarmungen, es ist alles abgestellt, wenn jemand etwas anzügliches sagt, höre ich das wie eine bemerkung über das wetter, es besteht keine gefahr dabei, die oberfläche ist geschlossen und spiegelglatt, ich kann mir sogar ein bisschen was vorstellen so als mutprobe, aber es gibt keine resonanz, einfach nichts ist da, auch wenn ich das ein bisschen zu oft betone, um mir ganz glauben zu können.

soll ich da wirklich wieder ran? die statistik ist nicht auf meiner seite, und die vorstellung, mein alter eben mit freundinnen zu verbringen, erscheint mir eigentlich ganz angenehm. ich müsste wahrscheinlich einen anderen teil meiner lebenserfahrung ruhigstellen dazu, dann geht das vielleicht wieder, also weg von erfahrungen, und nur noch die gegenwart, die eigene person als komplexes und durchgearbeitets erlebnis- und wahrnehmungskonzept ohne knoten und ohne sand im getriebe, repariert und neu geschmiert, um das bild mal zu strapazieren, mit der romantik als easter egg. gegenwart wagen, etc. pp, aber es fühlt sich albern an, ich bin doch meine geschichte, also eher dauersingle mit eigenverantwortung, und meine bilder von der liebe sind, nach 16 jahren ohne, bestimmt sowieso ein bissken realitätsfern. dann putzt man sich raus und sitzt da mit all dem tiefgang und es gibt doch wieder nur auf die fresse, weil die optik nicht passt, oder das einkommen, oder das auto. aber das sagt einem ja keiner, man spürt nichts davon in den freundlichen absagen, oder in den fehlenden absagen. die männersuche ist was für die jugend. und es ist so ein aufwand für einen anfang, den ich als etwas leichtes und aufregendes, eher selbstläuferisches, erinnere, viel zu viel gewese um die auswahl, es geht doch eher um die beziehung danach.

nee nee. ideal wäre eine art von freundschaft, bei der das nichtplatonische im wunsch bleibt. dann hätte ich die anregung und das flirren eines flirts, ohne mich, ohne risiko, ohne den rest eben.

bei der weihnachtsplanung stelle ich die kids vor die wahl zwischen freiwilliger quarantäne vor dem treffen oder dem ausfallen lassen. hier im hotel mama wäre dann ein zwilling noch vor ort, der noch keine bleibe in halle gefunden hat, die anderen beiden leben in wgs, deren mitglieder stand jetzt alle nach hause fahren wollen. muss ev etwas an meinem vertrauen arbeiten. weihnachten alleine wäre merkwürdig, aber was solls, ich kann mir ja was inszenieren mit essen, schampus und kerzen. und hund. bis jetzt wollen alle kommen, ich denke, das ist bei vielen familien so. die senioren sitzen da am kürzeren ende, die söhne haben einen sehr kranken großvater, ich muss ihnen noch vermitteln, dass sie entweder ihn (nach einer q-zeit) besuchen können oder den rest der familie, beides geht wohl nicht. ein jammer, dass es keine unaufwändig verfügbaren tests gibt.

heute gelesen, dass t. inoffiziell beigegeben hat. möge er balde aus meiner wahrnehmung verschwinden. sehr erleichtert.

vorher die skurrile geschichte, dass die beiden republikanischen wahlaufseher in michigan sich nur schwer dazu durchringen konnten, die wahlmänner zu bestätigen, was mir wie eine unverhältnismäßige dramatisierung ihrer aufgabe erscheint, als ob die normen des politischen miteinanders bei jedem schritt zur disposition stünden, und der weg dahin dem einzelnen mann überlassen wird. norm shinkle ist als republikaner in dieser position, er wurde von t. unter druck gesetzt, die wahrheit zu ignorieren, und hat sich nicht zu helfen gewusst, er hat sich enthalten, als wäre es eine wahl gewesen. was für ein armutszeugnis. oder vielleicht ein romanthema, der aufrechte mann, der zwischen loyalität (oder angst) und seinen pflichten hin- und hergerissen wird, und sich dann in absurden sinnfreien argumentationen öffentlich zerreibt und lächerlich macht, womöglich sogar von ihm selbst unbemerkt, um beides unter einen hut zu bringen. wobei halt! haha, nein, shinkle ist vielmehr schon mal damit durchgekommen, einen wahlbetrug zu legitimieren, mit dem argument, der buchstabe „n“ auf einem wahldokument sei zu klein gedruckt gewesen – der mann war also einfach überfordert mit der aufgabe, bei dieser ungleich komplexeren wahl eine rechtssichere ausrede zu erfinden, wollte er aber auch nicht seinen chef enttäuschen, also enthält er sich. es ist für die geschichte irrelevant, ob es jetzt loyalität oder angst ist, die ihn beim t. hält, es bleibt nur, dass die wahrheit für ihn nicht zählt und nichts wert ist. die anderen drei wahlaufseher, 2 demokraten und der andere republikaner, haben die wahl für biden bestätigt. es sind so dermaßen absurde zeiten, man glaubt es kaum.

4. november 2020

grad der große per voicemessage: „ich weiß noch, wie wir letztes mal, das war ein freitag, morgens ab 5, 6 uhr vorm fernseher sassen, und es war genau wie heute, michigan und wisconsin waren auch wackelkanditaten, und ich musste dann zur schule und hatte englisch-doppelstunde, und da haben wir das dann weitergeguckt.“ – ich hatte den wochentag vergessen und weiß nur noch, dass es auch eng war. zumindest erzieherisch war der move damals richtig, die jungs sind die ganze zeit dabei, werfen zahlen und prozente in den chat, ich weiß allerdings nichts genaues über den anteil prokrastination dabei. ich frag natürlich auch nicht. stimmung um 18:00 bei mir unentschieden, aber optimistisch, schon weil es noch offen ist. der hund war beim tierarzt und bekommt etwas gegen blasenentzündung, man weiß aber nichts genaues.

was für ein tag. mein gefühl ist gut, biden wird es schaffen, ich würde wetten abschließen darüber, auch, weil es bisher mit den auszählungen wie erwartet verläuft, die briefwahl eher für die demokraten, die direktwahl eher trump. es zählt natürlich nicht, wenn der t. durch einen coup gewinnt, dann habe ich trotzdem gewonnen. dass die reps die auszählung der stimmen in pennsylvania nach der wahl stoppen wollen, obwohl sie die auszählung vor der wahl verhindern wollten (oder verhindert haben), geschenkt. es ist alles nicht mehr feierlich, ich werde mich anstrengen, mich nicht daran zu gewöhnen. ich hoffe, das land verkommt nicht weiter zur räuberpistole wie einige länder südamerikas in den 70-80er jahren, mit all den opfern, die sowas kostet.

vorhin hatte ich hier einen wetteinsatz stehen, der war aber eher ergebnis meiner abendlichen wiederaufregung mit dem wahlthema. ich werde keins meiner wiedergefundenen langweiligen schlimmen liebesgedichte aus den achtzigern hier veröffentlichen, egal, was passiert, keine sorge. sie können ihre aber gerne in die kommentare stellen, mir und den anderen lesern zur erbauung, denn nicht vergessen: love rules.

ach, das ist aus einem gedicht von ingeborg bachmann, „reklame“, das beschwört die sorglosigkeit als ein leeres versprechen, das wir brauchen, freilich etwas zynisch in diesem weltuntergangsszenario grade. lässt sich nur als foto hier reinstellen, mit den blöden wordpress- blöcken bekomme ich es anders nicht hin, die sind SO ein nerviges system, habe es jetzt eine halbe stunde versucht, vielleicht ist in der zwischenzeit schon die wahl gewonnen.

es stellt sich natürlich bei aller gerechtfertigter panik die frage, ob der klimawandel wirklich noch aufzuhalten ist, oder ob die industrie ganz unabhängig von den regierungen da nicht sowieso zu profitorientiert und desinteressiert für ist.

14. september 20

heute früh auf twitter gelesen, dass es vermutlich leben auf der venus gibt oder gegeben hat, seitdem warte ich darauf, dass alle anderen auch so aufgeregt sind wie ich. bin sehr gespannt auf den artikel, in dem die forscher ihre ergebnisse vorstellen und hoffe, dass ich ihn verstehen werde. kann man die zeitschrift nature in berlin irgendwo kaufen? ein exemplar aus papier scheint mir der nachricht angemessen.

tardigrades können in so gut wie jedem umfeld überleben.

daran gemerkt, wie sehr meine vorstellungen von entwicklung und fortschritt an die erdgeschichte gebunden sind. der weg zum leben, zur intelligenz und zur technologie hat auf anderen planeten vielleicht schon vor millionen jahren stattgefunden, von anfang bis ende, es kann hochkomplexe zivilisationen gegeben haben, von denen nichts mehr übrig ist außer ein paar atomen in einem nebel hoch über der toten oberfläche, und wir werden nie erfahren, was es war. solche annahmen sind wahrscheinlich angesichts der milliarden sterne im weltraum, und es ist angesichts der dummheit der menschen gut möglich, dass wir auch so im nichts enden werden. fascinating.

außerdem hat das pentagon eine task force eingerichtet, um ein ufo zu erforschen.

auf netflix eine doku über einen oktopus gesehen, sehr beeindruckend und wunderschön. mitleid mit dem tier gehabt. der filmer hat soviel von der begegnung, nicht zuletzt einen netflix-film, und rettet ihr dann nicht mal das leben? obwohl er es kann? er wollte eben dramatische bilder, denke ich, vom pyjamahai. ihr nicht helfen, aus prinzip, aber dann weinen. männer.

meiner prokrastination zum trotz die arbeit rechtzeitig fertig bekommen, heute nur noch formatierung fertig machen und ein paar schlusssätze schreiben. die p. ist ein rätsel, sie quält mich eigentlich nur bei beruflich notwendigen texten, sonst nicht, als wäre das ein weg, um alten narben und verfehlten weichenstellungen und verlorenen traumata nochmal einen platz in der gegenwart zu verschaffen, mit starker hand und großer kraft. komm, versichert sie mir, du kannst noch einen tag warten mit dem anfangen, das wetter ist doch grad so schön und es gibt soviel anderes zu tun, und ich verfalle in eine innere totenstille zufriedenheit, weil ich nachgegeben habe, in die ich mich fügen kann, nur noch einen tag! damit ich weiß, dass es sie noch gibt, dass sie nicht besiegt sind, dass sie ärger machen können, obwohl ich sie sonst nichts ans licht lasse, der alte kram stört mich sonst gar nicht mehr. als gäbe es einen verqueren deal. (oder, naja, ich weiß es ja auch nicht.)

28. august 20

eine meiner nie hinterfragten küchenpsychologischen beobachtungen ist die, nach der menschen mit problemen die meistens entweder im privaten oder im öffentlichen raum haben, selten in beiden. mit raum meine ich das netzwerk an beziehungen, die diesen raum gestalten, also berufliche und zb politische für den öffentlichen raum, beziehungen und freundschaften im privaten raum. so konnte ich meine probleme im beruflichen raum durchwinken, weil ja meine private situation eher in ordnung ist, und nobody is perfect, und überhaupt.

eine alte verfilmung von the stand geschaut, 1994 als tv-miniserie gedreht, erstaunlich gut. ich muss sie schonmal gesehen haben, die schauspieler haben die gesichter, die landschaft sieht so aus, wie ich sie beim lesen des buches im kopf hatte. einzig und allein die special effects sind schlecht gealtert, aber deswegen den film neu drehen? als wäre der einsatz von eigener visueller vorstellung etwas, das filmemacher beim publikum verhindern wollen, ein horror vacui, der jede leerstelle füllen, jede uneindeutigkeit festnageln muss. ist natürlich quatsch, es ist wie bei der erfindung des farbfernsehens, als auf einmal alles sehr, sehr bunt geworden ist, wie ich irgendwann schonmal in anderem zusammenhang sagte. es geht einfach viel mehr und es sieht viel weniger unecht aus, und es scheinen alle spass daran zu haben, frisches geld mit alten geschichten umzusetzen, und vielleicht kann sich die jugend wirklich nicht mehr mit settings aus den neunzigern identifizieren. sie finden bestimmt einen weg, mehr gewalt und mehr sex drin unterzubringen, ich werd es nicht anschauen.

fürchte mich vor dem tag, an dem full immersion-filme möglich werden, mit den nerveneingängen, die tad williams einst beschrieben hat.

oh. ich habe schlechte laune. es geht mir nicht gut, ich komme mit etwas wichtigem nicht weiter, das unterlegt alles andere mit einem gewissen pessimismus, und ich spüre meine müdigkeit, nach den letzten jahren, die notwendige konzentration auf diese aufgabe benötigt zzt immer dichtere scheuklappen, ich erwarte die wahl in den usa mit einer neuen mischung aus fatalismus und fehlendem vertrauen in das gute, das ist neu, bisher haben mich die wahlen dort etwa so interessiert wie die irgendwo anders in der großen weiten welt, eben so mittel und nicht mit persönlicher betroffenheit. die wahlentscheidungen waren ein flow zwischen links und rechts, in so einem gezeitenmuster. seitdem unter trump soviel gelogen und erfunden und übertrieben wird, seitdem die politik in den usa eine reine groteske show geworden ist, habe ich dieses urvertrauen verloren. ich habe angst, dass er gewinnt, weil er für diese ganzen idioten der weg des geringsten widerstands ist, selbst wenn es gegen die 10 gebote verstößt, echt, wenn man den bibelbelt einmal gebrauchen könnte! es scheint ein bildungspolitisches problem, die grundlagen fehlen (wahrheit ist gut, lügen ist schlecht), der weg aus der misere kann generationen dauern, weil man ja mit den grundschülern anfangen muss. dass die reaktionäre, rassistische, ausbeuterische rechte siegen kann, also mehr als die üblichen 10-15% der bevölkerung hinter sich stehen hat, indem sie mit einem ekelpaket wie trump einfach auf lügen, manipulation und gewaltlust setzt, auf die niedersten instinkte – halt, schlechtes bild, begründet werden damit handlungen, die ein ergebnis von pathologischen berdürfnismustern und mangelnder impulskontrolle sind, nicht von instinkten, sogar kleinstkinder empfinden mitgefühl und haben gerechtigkeitssinn, sogar affen haben das, herrje! diese formulierung ist auf dem gleichen level wie der spruch „boys will be boys“ – indem sie auf den tabubruch setzen, wenn man mal den umgang mit gewalt, waffen, armut etc. anschaut, das erschüttert mich doch. gegen solche wahlergebnisse hilft wohl nur bessere bildung, eine schule, in der die wahrheit (und mitgefühl und respekt, man ey, man wird ja zur tv-predigerin, das sind doch alles selbstverständliche basics. mehr pathos für die gute sache!) als wert an sich vermittelt wird, wenn es die familien nicht mehr tun.

damit sollten die demokraten werben, mit grundlagen, nicht nur mit inhalten. ach, der 45. hat meinem leben so einen andauernden stress-tinnitus zugefügt, und das steht ihm nicht zu. ich hab ja schon einen normalen tinnitus.

und der klimawandel. ich könnte nach jedem jammer-posting „und der klimawandel“ schreiben, empfehle aber lieber alles von rahmstorf, der seine webseite auch mal überarbeiten könnte.

andrerseits hatte ich heut zuwenig kaffee, weil die nochteens nur einen liter milch gekauft haben („kein geld“, dabei war abgemacht, dass sie sich ein bisschen am eigenen unterhalt beteiligen, seit der vater nix mehr zahlt), und außerdem halte ich es für eine zumutung, im august schon socken tragen zu müssen. jaja, ich hör schon auf und tue was sinnvolles.

das leben vor der wurst

ich esse sehr gerne fleisch, ich mag den geschmack, das ritual beim zubereiten und essen, die weihnachtsgans, das osterlamm, die steaks an sommerabenden, lasagne und ragù und königsberger klopse, die salamis auf den ausflügen. in den letzten jahren habe ich nur noch bio-fleisch gegessen, mit engeren finanzen verschob sich das wieder, weihnachten gab es dithmarscher gänse, die sind nicht bio, der züchter ist aber vertrauenserweckend und die gans kostet statt 150€ nur 70€.

beim aufschnitt hatte ich eine art passendes und bequemes blackout, habe entweder von der theke oder dem regal abgepacktes in massen gekauft, weil der umsatz hier sehr hoch ist. vor ein paar wochen hat die nachrichtenlage um tönnies mir das thema aufgezwungen, und meine söhne liegen mir eh schon länger in den ohren. es sind nicht nur die absoluten pfenniganbieter, die da herstellen lassen, es ist eine große gruppe von produkten, die aus solchen schlachthöfen stammt. vielleicht, hoffe ich, sparen die züchter beim schlachten, um mehr geld für die haltung übrig zu haben? das kann jemand herausfinden, der geld für die recherche bekommt, ich glaube aber eher nicht.

nach der letzten niederlage des mitgefühls vorm gesetzgeber kann ich das nicht mehr, ich kann das zeug nicht mehr essen, das von leuten wie tönnies hergestellt wird, einer firma, die nicht nur dem tierwohl nicht die mindeste beachtung schenkt, sondern auch die mitarbeiter ausbeutet und entrechtet. menschen wie tönnies sind herzlose gewissensfreie großkapitalisten (die erste wortwahl habe ich gelöscht, aber nur aus juristischen gründen), denen ich keinen cent überlassen will, damit sie ihre unethischen geschäfte weitertreiben. der gedanke an die menschen hinter den tieren hat mir sozusagen den rest gegeben, und die erkenntnis, dass es für die tiere noch ewig so weitergehen wird. es war ein twitterbild von einer sau in kastenhaltung, ab der sekunde war bei mir die wurst am ende. es war ab dann ganz leicht.

selbst die produkte mit abzeichen für tierwohl sind ja im wesentlichen billige kompromisse, ob es nun einen meter mehr oder weniger pro tier gibt, ist nur ein unterschied zwischen folter und quälerei, wobei halt, ein meter? ein meter wäre luxus und nicht zu bewerkstelligen, es geht zb bei tierwohl-klasse 2 um läppische 10% mehr als die gesetzlich vorgegebene mindestgröße, wobei ich keine ahnung habe, was mit der mindestanforderung „0,825m²“ gemeint sein könnte, pro schwein etwa? bei hühnern sind es unsagbare 53kg tier pro quadratmeter, das scheint mir quälerei, ohne further ado. bei rindern sollen in anderthalb quadratmeter raum im schnitt 150kg tier unterkommen, das geht eigentlich nur, wenn man die kuh faltet oder sonstwie umformt. tierwohl ist eine irreführender name, ein riesiger euphemismus, im grunde eine frechheit.

bei wurstwaren haben die hersteller bisher die kennzeichnung verweigert, und das heißt nicht, dass ihnen das tierwohl selbstverständlich ist und sie nur deshalb nix kennzeichnen, wie es zb das kindeswohl bei mir ist (darum schreib ich wenig über meine kinderhaltung, ich gehe davon aus, dass es selbstverständlich ist, nur das bestmögliche zu tun und dass die grenze, auch bei wenig geld, sich weit jenseits der grenzen der vernachlässigung befindet, wobei ich mit vernachlässigung die missachtung von grundbedürfnissen meine. mein kind trägt schuhe und wird bewegt, auch wenn es nicht tennis und nicht adidas yeezy boost sein müssen. bei der tierhaltung ist es selbstverständlich, nur das billigste zu tun, de facto bedeutet das, nur das überlebensnotwendige, weil ungenutzt sterbende tiere nicht rentabel sind, ohne weiteres kriterium, weil es den leuten nicht klar ist, dass tiere gefühle haben und leidensfähig sind und man demzufolge nicht ausschließen kann, dass sie eine seele haben, womit die praktizierte tierhaltung guten gewissens eine hölle genannt werden darf. living hell. ja sorry, ich reg mich grad auf. solche texte habe ich in der vergangenheit nie fertig gelesen, weil ich eben weiter fleisch essen wollte. das ist vorbei, ab jetzt lese ich sie nicht mehr, weil ich den kram ja nicht mehr esse, und es wie bisher nicht aushalte. harhar.)

es gibt also nur noch käse für die stullen. ich kann gar nicht fassen, dass es bei mir solang gedauert hat. man sollte diese mindestanforderungen graphisch darstellen und an jeder fleischtheke platzieren, aber nein, halt: jetzt gehört natürlich die unterbringung der milchkühe für die käseherstellung auch ins thema, vielleicht ist es bei denen noch schlimmer, weil die tiere da ja länger am leben bleiben. mindestens haltungsform premiumklasse, am liebsten wäre mir eine haltungsklasse „paradies“ oder so, wo die kühe, schafe und ziegen sich aussuchen könne, ob sie bleiben oder nicht.

aber wo finde ich das siegel auf den käsepackungen? es bleibt nur eine vegane ernährung, oder das bio-siegel, dass ich mir beim umsatz der jungs eigentlich nicht leisten kann. ich werde gemüse auf stullen propagieren, bis sich herausstellt, dass gemüse auch gefühle hat.

16. juli 20

ärgere mich immer noch über den kalten sommer, weil ich die energie für die harten berliner winter im sommer sammeln muss, dazu soll es ein paar wochen lang sicher sein, dass der nächste tag wieder ein sommertag wird, hell und heiß und sonnig, und man muss keine sekunde drüber nachdenken.

ich muss unbedingt noch ein paar wochen in den süden, habe mir vorgenommen, nach abgabe der facharbeit zu reisen, an der ich grad sitze für so ein zertifikat, aber mit der komme ich schlecht voran wg meiner eingebauten nahtlos integrierten arbeitsstörung. helfen tut eine virtuelle bürogemeinschaft mit einer freundin und ein allabendlicher checkin mit einer anderen freundin, trotzdem ist das blöde ding noch nicht vorzeigbar, obwohl es inhaltlich keine herausforderung darstellt. werde es wahrscheinlich wie ein junger mann aus der verwandtschaft am letzten tag fertig schreiben und hoffen, dass die note irrelevant ist. er hat für seine letzte arbeit eine zwei bekommen, aber er ist halt noch schnell im kopf, und es waren nur 5 seiten.

ich könnte ja, wenn die kinder aus dem haus sind, einfach in den süden ziehen, wo es noch sommer gibt, werde mir dann allerdings auch bei vermietung meiner schönen altbauwohnung nur eine viel kleinere wohnung leisten können, ein drittel bis halb so groß, wegen der neuen mietobergrenzen in berlin, die es woanders nicht gibt, auch nicht in italien, wobei halt, in den siebzigern gab es den equo canone, der meinen eltern eine riesige 200m²-wohnung im zentrum von mailand ermöglicht hat, mit dachterasse, für ca. 1000 dm im monat, ca. 1 million lire. andererseits sind die löhne im süden ja auch höher, dann hält es sich vielleicht die waage. bayern! freiburg! da gibt es auch nettere männer.

hier ist ein allgemeiner corona-missmut eingetreten, natürlich nicht bei den jungs, sondern bei mir. einen test habe ich schon absolviert wg einem husten, negativ zum glück. ob das die neue normalität wird, ein test bei jedem symptom? ich bin immer noch vorsichtig, trage masken etc., bei den söhnen bin ich mir in deren entspannten momenten nicht sicher. ich glaube nicht, dass junge leute weiterhin abstand halten, abends im park, zuhause bei freunden, gar nicht mal mit absicht, es wird einfach vergessen. g.-zwilling macht ein praktikum in einer metallfabrik, da trägt keiner maske. ich hoffe, berlin ist über den berg.

mich nervt die losgelöstheit dieses jahres, in dem ich noch so wenig erwirtschaftet habe, mir fehlt der alltag mit kollegen, mir fehlen selbstverständliche abläufe, die ich nicht immer im kampf gegen innere freiheit absolvieren oder gleich komplett in frage stellen muss. die zwillis setzen sich zuwenig ein, machen zuwenig im haushalt (obwohl sie gut erzogen wurden), es kostet und verschluckt mehr energie, als wir zur verfügung haben. naja, es wird wieder besser werden, die fahrt geht ja weiter. wir sind leere hüllen, aller geist verschwimmt im großen see der ausnahmeregelungen, nichts ist mehr sicher, kein termin steht. regelungen segelungen, die takelage hält nicht stand, das boot treibt ab und verschwindet im dunst, wo es bestimmt nachts von piraten überfallen und versenkt wird.

ahoi.

23. mai 20

ohne job rutsche ich aus den beruflichen kategorien heraus, aus dem ganzen wertsystem. es fehlt mir nicht. die lage trägt dazu bei, mein tagesablauf ist zunehmend von körperrhythmen bestimmt, meinen und denen meiner kinder und meines hundes. der tag hat sich verschoben. ich entziehe mich geregelten zeitabläufen immer sehr gerne, darum habe ich mit einer freundin eine zoom-bürogemeinschaft angefangen, das bringt mich zurück an den schreibtisch, immerhin, immerhin.

heut zum ersten mal überhaupt bei kaufland eingekauft, überfordert gefühlt. einkaufswagen mit münzen, anders als bei rewe oder freßnapf, laden voll, viele masken auf halbmast. finde nichts, ewiges gerenne, alles zu groß und für einen normalen großeinkauf zu unübersichtlich. war unangenehm und eher stressig, nie wieder, zumindest nicht bei corona.

abends gemerkt: streaming funktioniert nicht mehr richtig. früher war es eine alternative, zum arbeiten und ausgehen, jetzt ist es ein ersatz dafür und hält dem vergleich nicht stand. ich nehme den bildschirm wahr, das zweidimensionale, es ist zu wenig, um dem alltag paroli zu bieten. ich lese auch weniger bücher, aber zeitungen zuhauf, tagessspiegel ist sehr gut geworden, außerdem nyt und wapo, die repubblica ist mit ihrer form des journalismus leider kaum verständlich, sie pflegen ein telenovela-prinzip, dem ich ohne zusammenfassung nicht mehr folgen kann. dauernd ist irgendwer beleidigt!

(mir fehlt italien sehr.)

wobei, halt, die 3. staffel the good fight habe ich gern gesehen, weil sie im trump-amerika spielt, als einzigste serie, die figuren sind konsequenterweise knapp davor, in den untergrund zu gehen, um eine wiederwahl zu verhindern, hin- und hergerissen zwischen verzweiflung, fassungslosigkeit und schwarzem humor. sehr schön der von trump eingesetzte richter, dem die gesetzeslage mit tierbildern erklärt werden muss. kluge, dichte figuren, viel heiterkeit, die fälle sind in dieser staffel nicht so interessant, aber die konflikte um rassismus und sexismus scheinen halbwegs realistisch und komplex genug inszeniert. spass gehabt.

in der viertelstunde vorm einschlafen lese ich die sandman-reihe noch einmal, in den schönen wertigen büchern, die schon haptisch eine freude sind, damit ich nachts etwas träume. ich kann da auf eine merkwürdig naive weise ganz eintauchen, die suspension of disbelief geschieht mit dem öffnen des buches. wie eine konditionierung, wie früher das einschlafen beim anblick eines solitaire-boards im handy. morgens ist der traum ganz kurz noch da, ein bisschen wie am meer gewesen zu sein, oder nach hause zu kommen nach einem ausflug. noch keine alpträume.