ferienkinder

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die ersten ferienwochen ohne richtigen plan für die kinder, der grosse ist als teamer mit der kirche unterwegs, die zwillis sind bei mir. sie sind beide mitten in der pubertät, mal hormonell verstrahlt, mal hungrig, kindlich oder obercool, und hopsen im lauf eines einzigen tages munter durch die unterschiedlichsten stadien. der unbeirrbare ist grad unsicher, der stillere hat den ersehnten wachstumsschub und triumphiert, beide kennen einander so nicht und gehen jetzt bei konflikten das gesamte arsenal durch. ich will zuerst beides auffangen, merke schnell, dass man reisende nicht aufhalten kann und versuche dann, pathetic wie ein unparteiischer boxtrainer, den jeweils schwächeren zu moderieren, den stärkeren auszuzählen, oder umgekehrt? laufe also immer rund um den ring herum.

um sie von den handys und rechnern fernzuhalten, hab ich ganz altmodisch ein paar kleine blöcke lindenholz und 5 kg ton gekauft und hingestellt, dabei dummerweise nach der ersten stunde einen kommentar abgegeben bzw. ein werk des unsicheren nicht erkannt, worauf er es sofort selber auch nicht mehr gelungen fand und wieder zerstört hat. frau fragmente, mit der ich ein paar sehr schöne stunden verbringen durfte, hat das sofort richtig als eine self-fullfilling prophecy eingeordnet, kenn ich ja auch von mir selber.

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ich bin eher in worten als taten zuhause und erkläre bisschen viel, obwohl mir das selbst erfahren selber so gefehlt hat als kind. sammle noch ideen für die zwillis, etwas mit verantwortung vielleicht, abenteuer, chancen also, hab aber grad nix auf lager, und auf die vielen workshops für sommerferienkinder haben sie leider keine lust. nicht genug nerven hab ich fürs klappe halten, bis die ideen sprießen, denke ich, und ärgere mich auch darüber, nicht einfach entspannt dem kind zu vertrauen, das natürlich all das schon hinbekommen wird, trotz den absehbaren querschüssen. erkläre also dem unsicheren, dass ihm jetzt eben die welt näherkommt und mitwertet über noten, freundinnen, peergroups, dass ihn normale kritiken, so etwas wie spontane unmutssäußerungen, wenn schon wieder ein glas runterfällt, grade treffen, weil er verunsichert ist, dass es sich wieder ändern wird, ein übergang ist zum größerwerden (das hören sie immer so gern), dass es halt schwerer ist, in der welt gut zu sein, als daheim bei muttern, das die welt anderen kriterien gehorcht, von denen können dir viele total egal sein, denke ich, sag ich aber nicht, grad in diesen jahren kann ich manchmal nicht einschätzen, wie weit sie schon abstrahieren können, die armen, mit so einer redemutter.

die hoffnung, dass die kids allgemein unkomplizerter sind als ich, stabil, nicht nur resilient wie die mama.

die verschiebung, wenn das aussen wichtiger wird, wie der eine zwilling davon profitiert, der andere drunter leidet, wie sich also mal wieder das verhältnis umkehrt, wie sie sich voneinander lösen im familiensystem und alleiner sind mit ihrem wesen. (dieser satz hätte eigentlch genügt, als posting, aber ich wollte mal wieder mehr schreiben.)

nach dem essen hören sie mit den handyspielen wieder auf und einer baut sich stundenlang, bis elf nachts, etwas aus dem holz: eine handyhalterung.

4 Gedanken zu „ferienkinder“

  1. Och, Ton, schöne Idee, werd ich gleich für mein Ferienkind verwenden. Schwierige Zeit. Wie wäre es mit Unterstützung im örtlichen Tierasyl?

  2. Handyhalterung – grandios! Hab schallend gelacht.

    Immerhin habt ihr eine anregende Wohnung. Komme grad vom Heimatbesuch zurück und bemitleide meine Neffen, die in einem kwasi klinisch reinem Haus aufwachsen – nix mit Dreck und Malen und Machen. Dazu paßt, daß einige meiner Studis nicht malen wollen, weil man sich dabei ja dreckig macht. Was bin ich froh, daß ich so dreckig aufgewachsen bin!

    Ich bin grad heute wieder drüber gestolpert: kennst du https://de.wikipedia.org/wiki/Das_kleine_rote_schülerbuch ? Ich hab das so mit 10 gelesen, und es hat mir in der Schule durchaus geholfen (und manches erschwert). Da ist n link zum PDF drunter, vielleicht ist das was für die beiden?

  3. anregend, schön formuliert. ich versuch ja immer, den schmalen grad zwischen anregend und reinem chaos zu bespielen.

    nein, das buch kenne ich nicht! bei wikipedia steht zwar, dass es verboten wurde, aber nicht, warum. schauen wir mal rein, merci!

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