„Historische Umkehrung: nicht mehr das Sexuelle ist unschicklich, sondern das Empfindsame – verpönt im Namen dessen, was im Grunde nur eine andere Moral ist.“

in meinem sinnlos zerlesenen fragmente-einer-sprache-der-liebe-band nach der vox „zweifel“ gesucht, nichts gefunden, trotzdem, wie immer, eine lange weile später mit ein paar trovaillen, im sinn von schätzen, kleinen, fast dingfesten gedanken wieder aufgetaucht. (zitat aus: suhrkamp tb s. 182.)

6 Gedanken zu „“

  1. Danke für die Mühe 😉
    Fast hätte ich, motiviert durch diesen Beitrag, deinen Blog dazu missbraucht meine letzte Fahrt im Gedankenkarussel aufzuarbeiten, aber dann war der Blog offline und nun ist’s kalter Kaffee.

    PS: Es sei angemerkt, dass ich das Zitat auch erst mit Hilfe weiterer Textauszüge begriffen habe. Keine Kritik.

    1. ja, ich hatte peinlicherweise vergessen, die domain zu verlängern, das tut mir jetzt besonders leid, ich liebe ja karussels.

      (das zitat trifft so genau meine erfahrungen der letzten jahre, wie oft braucht sex keinerlei erklärungen, ist natürlich und selbstverständlich, oder soll so verkauft werden, während aufkeimende gefühle erstmal verborgen bleiben, belacht werden, oder gleich ein grund sind, die sache zu beenden.)

  2. ich bitte um entschuldigung! bin bei der antwort immer selber vom hundertsten ins tausendste geraten, und dann war die zeit schon wieder vorbei!

    aber nein, das ist mehr als aneinandergereiht. für mich ist das eine bisschen süffisante beobachtung der gesellschaftlichen gepflogenheiten im umgang mit intimität, früher unterlag der sex einer strengen moralvorstellung, heute ist es die nähe oder die beziehung, die als regelbruch erlebt wird, die beschränkung durch moralvorstellung ist also vom körperlichen ins seelische umgezogen, wirkt dort aber genauso weiter.

  3. Ich verstehe das Zitat – basierend auf meinen Erfahrungen – nur auf das leicht zu beobachtende Unbehagen bezogen, welches die Öffentlichkeit der Zurschaustellung von Gefühlen, insbesondere Zuneigung und Trauer, entgegenbringt. Mensch (und da schließe ich mich mit ein) scheint da schnell überfordert. Das Gelächter würde ich dann als klassische Übersprunghandlung werten.
    Unter vier Augen habe ich solche Erfahrungen nicht gemacht. Das unverholene Bedürfnis nach Exklusivität führte für mich zwar ein Mal zur Exklusion, für meine Begriffe war das aber nachvollziehbar und glaubhaft durch ein in Aufarbeitung befindliches Trauma begründet.
    Meine eigene Konditionierung sagt mir, übereinstimmend mit der öffentlichen Meinung, dass gewisse Gefühle gefälligst Privatsache sind und es liegt deutlich außerhalb meiner Komfortzone dagegen zu verstoßen. Aber auch wenn ich damit ganz im Sinne der „anderen (neuen?) Moral“ konditioniert bin, neige ich gar nicht dazu Zuneigung vor der Zielperson zu verheimlichen und habe auch vor mir offen entgegengebrachten Gefühlen nie die Flucht angetreten.

    1. ich kenne das leise schlechte gewissen, wenn ich mehr als sex will in einer begegnung, in der noch nichts erklärt oder auch nur passiert ist, als wäre es fortschrittlich oder erwachsen, sex ohne folgen zu erleben. barthes empfindsamkeit verstehe ich in diesem satz nur als erhöhte empfangsbereitschaft für gefühle, alles über den schnellen akt hinausgehende, im vergleich als komplikation wahrgenommen, als anspruch.

      privatsache unbedingt. ich glaube, es geht nicht darum, gefühle zu verheimlichen, sondern um die verwerflichkeit, überhaupt welche zu haben.

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