8. august 2026

in der kleinen stadt ist es abends um 18 uhr total leer, auch in den bars und rastaurants, trotz samstag abend. keine seele unterwegs, die sonne brennt. wir gehen zu einer vernissage, sie ist so mittelgut besucht, deutlich mehr frauen als männer. die arbeiten sind bunt und eher abstrakt, die besucherinnen sind wie bei den kurzfilmen neulich eher mein alter, gut gekleidet, freundlich und gesprächsbereit, mich freut das, ich hoffe ja, in ein paar jahren auch mal länger hierbleiben zu können. vielleicht nicht im august.

in der galerie daneben überraschende kunst und eine galeristin, die bereitwillig erzählt, was wir da sehen, bei den meisten arbeiten ein überraschendes miteinander von material und ergebnis, hier eine fotorealistische arbeit, nach einem portrait von audrey hepburn.

giorgio tentolini

aus ein paar metern abstand kann ich die technik nicht erkennen, auch das material bleibt rätselhaft. es ist hühnerdraht, sagt die galeristin, er ist direkt auf dem untergrund befestigt, wie genau, ist nicht erkennbar. giorgio tentolini heißt der künstler.

in der galerie findet sich auch ein bronzenes nashorn, vielleicht 40cm breit, es hängt in zwei gurten an einem metallträger. ich darf es anheben, es ist schwer, es heißt „il peso del tempo sospeso„, von stefano bombardieri, etwa: das gewicht der aufgehobenen zeit, wobei es im italienischen nicht so poetisch wirkt, da ist es eher idiomatisch und alltag. zeit am handy, zeit beim warten, zwischenzeit. schöne arbeit.

danach aperitiv, dann fahre ich spontan mit in eine nachbarstadt, wo am see ein jazzkonzert stattfindet, wieder sitzen wir in einer art park, auf langen gemauerten stufen im gras, die bühne direkt am wasser. es kommen freunde dazu, es ist immer noch sehr warm. das konzert ist ein tribut für wayne shorter, die sängerin sonia schiavone hat zu seinen stücken texte geschrieben oder zusammengesucht, ihre stimme sehr frei über der band. auf der rückfahrt kurz nach elf ist die strasse dann sehr voll, in den städtchen auf dem weg sind jetzt überall menschen, sie stehen vor den lokalen und auf den plätzen, es ist nicht mehr heiß und ausgehzeit, samstag nacht.

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