in der kleinen stadt ist es abends um 18 uhr total leer, auch in den bars und rastaurants, trotz samstag abend. keine seele unterwegs, die sonne brennt. wir gehen zu einer vernissage, sie ist so mittelgut besucht, deutlich mehr frauen als männer. die arbeiten sind bunt und eher abstrakt, die besucherinnen sind wie bei den kurzfilmen neulich eher mein alter, gut gekleidet, freundlich und gesprächsbereit, mich freut das, ich hoffe ja, in ein paar jahren auch mal länger hierbleiben zu können. vielleicht nicht im august.
in der galerie daneben überraschende kunst und eine galeristin, die bereitwillig erzählt, was wir da sehen, bei den meisten arbeiten ein überraschendes miteinander von material und ergebnis, hier eine fotorealistische arbeit, nach einem portrait von audrey hepburn.
aus ein paar metern abstand kann ich die technik nicht erkennen, auch das material bleibt rätselhaft. es ist hühnerdraht, sagt die galeristin, er ist direkt auf dem untergrund befestigt, wie genau, ist nicht erkennbar. giorgio tentolini heißt der künstler.
in der galerie findet sich auch ein bronzenes nashorn, vielleicht 40cm breit, es hängt in zwei gurten an einem metallträger. ich darf es anheben, es ist schwer, es heißt „il peso del tempo sospeso„, von stefano bombardieri, etwa: das gewicht der aufgehobenen zeit, wobei es im italienischen nicht so poetisch wirkt, da ist es eher idiomatisch und alltag. zeit am handy, zeit beim warten, zwischenzeit. schöne arbeit.
danach aperitiv, dann fahre ich spontan mit in eine nachbarstadt, wo am see ein jazzkonzert stattfindet, wieder sitzen wir in einer art park, auf langen gemauerten stufen im gras, die bühne direkt am wasser. es kommen freunde dazu, es ist immer noch sehr warm. das konzert ist ein tribut für wayne shorter, die sängerin sonia schiavone hat zu seinen stücken texte geschrieben oder zusammengesucht, ihre stimme sehr frei über der band. auf der rückfahrt kurz nach elf ist die strasse dann sehr voll, in den städtchen auf dem weg sind jetzt überall menschen, sie stehen vor den lokalen und auf den plätzen, es ist nicht mehr heiß und ausgehzeit, samstag nacht.
heute endlich erträgliche temperatur, gleich viel mehr bei mir, die hitze ist ja invasiv und übernimmt die regie über den tag, dafür ist die zeit zu kostbar, wobei das treibenlassen auch etwas hat, auf den see gucken, zwischendrin mal ins wasser staksen über die steine, dann bis zur nächsten boje schwimmen, aber da ist keine boje mehr, sondern eine landzunge, aus steinen. ich bin für sandstrand.
Vedi cara è difficile spiegare È difficile capire se non hai capito già*
francesco guccini ist gestorben, mit 86 jahren, er war einer dieser liedermacher, die hier cantautori heißen, das wort ist viel respektvoller und genauer, es passt besser zu guccini, seine lieder sind mehr zum anhören als mitsingen, anders als de andrè oder so, mehr text als musik, es sind lange geschichten aus dem leben.
edit: sie singen die lieder, auf der piazza maggiore in bologna. ich bin es, die die texte nicht auswendig weiß.
ich hab ihn in den 80ern gehört, er war überall, teil des kollektiven wissens darüber, welche verbindungen es zwischen alltag und kultur und politk geben kann oder geben sollte, es waren damals alles offene türen, wir mussten nur selber durchgehen, es gab ja noch kein internet. in den liedern gibt es für jeden etwas, ciascuno ricerca qualcosa di diverso, trovando nelle parole e nella musica dell’artista uno spazio proprio e privato* („jeder sucht etwas anderes, und findet in den worten und der musik des künstlers einen eigenen und privaten raum“), darum kann man sie auch seit 50 jahren hören.
nach dem strand hole ich a. und m. ab, wir fahren am see entlang richtung norden, die strasse eng und voll bis zur schweizer grenze, ab dann ist mehr platz und weniger verkehr, es ist fast 8 und der feierabendverkehr ist durch. diesmal finde ich sofort einen parkplatz am seeufer, wir laufen nur 10 minuten bis zum eingang des festivals, aber der platz ist noch nicht geöffnet, also erstmal nach merchandise-kram gucken, leider gibt es dieses jahr gar keine stoffbeutel wg nachhaltigkeit, sondern so merkwürdige taschen aus pappe, die nicht einen berliner regen durchhalten würden. ich kaufe einen nebenfächer mit leopardenmuster.
auf der piazza grande finden wir gute plätze in der mitte, halbe stunde vor beginn des films um 21:15 ist fast alles voll, 8000 menschen sind zuammengekommen, bei freiem eintritt. wir werden begrüßt vom festivaldirektor giona nazzaro mit kleiner jaws-plakette am revers, der ein paar schmontjes über die schwierigkeiten beim dreh erzählt, mit bildern, und wie zuerst niemand an den film glauben wollte, auch spielberg sollte direkt danach gefeuert werden, und dann wurde es der erste blockbuster überhaupt, alle wollten ihn sehen, und der film hat den haien noch jahrelang das leben schwer gemacht. das festival möchte genau solchen filmen und regisseur*innen mut machen, den „kreativen, anarchischen, einzigartigen funken“ feiern, er sagt es natürlich schöner.
wir sehen in den ersten minuten die hippieske gruppe junger leute ums lagerfeuer am strand, das erste opfer, der mann dazu betrunken im tiefschlaf, der beginn der jagd nach dem 2. opfer, die nachtszenen auf dem boot, wie die männer alle rauchen und angeben, wie sich spielberg darüber lustig macht und ihnen gleichzeitig respekt erweist (robert shaw erzählt als haifischer quint die geschichte der uss indianapolis), wir folgen alle gebannt, bild und ton sind richtig gut. und wie bei der ersten schreckszene (leiche im boot unter wasser) der ganz riesige platz kreischt, quiekt und schreit, wir auch, dann beifall und lachen, weil der film nach 50 jahren noch wie am ersten tag funktioniert. zweieinhalb schnelle stunden, mit applaus, als der hai in die luft fliegt und dann nochmal nach dem ende des films, es ist ja immerhin ein festival. es war glaube ich eine uncut-version, es gab die bekannten ausführlichen gewaltszenen (quint wird gefressen, einmal ein appes bein unter wasser), die ich problemlos ansehen konnte, weil so gut vorbereitet. schöner abend. wir laufen dann zurück zum auto, die rückfahrt übernimmt a., um eins im bett, nicht von haien geträumt.
neulich zu einer reihe von kurzfilmen in ein kleines open-air kino mitgenommen worden, ein stück den berg rauf, im garten einer villa aus dem 18. jh., neben der leinwand blitzen die lichter der anderen seeseite. 8 filme, einige sehr weird, alle wunderbar unterschiedlich.
einen tag später gefiel mir feridun besser als direkt beim anschauen, da nahm die idee mit der waschmaschine zuviel raum ein. I walked through the wall war schön und genau und auf den punkt, da stimmte alles. mochte auch deep in my heart is a song von pickett, trotz dem pathos, mit dem gesicht und der stimme dazu, er spielt auf einer gitarre mit sagenhaften 18 saiten, verbreitet so eine stoische art von sentimentalität, die ich aushalten kann. hat mich erinnert an den einen country-musiker, auch mit hut und weste, dem ich mal vor einem laden in arizona seine cd abgekauft habe, damals auf der fahrt gehört, seitdem nicht mehr.
bei dem kino steht ein großer alter glaspavillon, typ gewächshaus, beleuchtet, darin die äußerst personenreiche unterseekrippe der stadt, sie wird zu weihnachten im see versenkt, außer im letzten jahr, wo das wasser den figuren nur bis zur brust reichte.
am glas entdeckt m. eine große gottesanbeterin, das richtige tier am richtigen ort.
nochmal in der nationalgalerie gewesen, mit einer freundin, wir beide zum zweiten mal bei brancusi. mich fasziniert, wie einzigartig seine arbeiten sind, erlebe sie als wirklich eigenen zugang zur welt. die ausstellung zeigt seinen weg dahin, den kontakt mit rodin, seine wurzeln in rumänien mit den holzarbeiten, es gibt briefe, notizbücher etc. wir beide mögen die reduzierten und kraftvollen vogel-skulpturen am liebsten, und natürlich das neugeborene. es war sehr voll, sonntag halt, ich wäre ein drittes mal reingegangen, leider schließt die ausstellung am 8. august. außerdem diesmal die nebelskulpturen gesehen, fujiko nakaya („Tochter des Physikers Ukichiro Nakaya, der für seine bahnbrechende Forschung zu Schneekristallen bekannt wurde“) hat im garten zwischen den herumstehenden kunstwerken nebelwerfer installiert, die dann eine viertelstunde oder so laufen und alles in einen feinen, dichten nebel hüllen, durch den man nicht mehr hindurch sehen kann, wie auf einer autobahn in norditalien im november. am sonntag war es leider windig, der nebel verflog sehr schnell, aber dieser effekt war spürbar, wie die raumtiefe verschwindet und alles im nichts hängt, für sich steht, aus dem kontext geholt wird. mochte ich sehr, und der nebel roch sauber.
danach noch essen im viet bowl am potsdamer platz, am wasser, sehr nett, bloss dass es nach einer viertelstunde wieder geschüttet hat wie aus eimern.
letzte arbeitswoche vor den sommerferien, wobei es ja nur ein urlaub ist, 3 wochen, sommerferien sind zwei- bis dreimal so lang. einigermassen erledigt, letzter urlaub ist dreieinhalb monate her. bisschen sorge vor der langen autofahrt quer durch deutschland, die ist in den letzten jahren immer nur anstrengender geworden, entweder baustellen oder raser oder staus, diese fahrten sind seit vor dem mauerfall doof, damals mit dem geholper über die transitstrecke (padam padam padam, stundenlang) und den wartezeiten am pass-fließband. immerhin geht die klimaanlage. leider braucht es ein auto am see, sonst würde ich fliegen.
bin jedenfalls im sommer angekommen, auch wenn der in berlin wie alles sowas prekäres hat, heute sommer, morgen kalt. meine schwester berichtet grad aus italien, wie sie beim fahren eine hand aus dem auto hält und der fahrtwind ein föhn ist, keine erfrischung möglich, nur heiß. das will ich nu auch nicht. es ist nicht einfach.
gestern schönen tag gehabt, perfekte sommertemperaturen, alle zellen freuen sich. beim einkaufen und pakete abholen zufällig freunde und alte bekannte getroffen, die berliner dorfsamstage. ein ständchen von den lieblingsnachbarn bekommen, nachmittags mit einer freundin und ihrem partner in einem kleinen cafe an der gethsemanekirche gesessen und geplaudert, abends mit den beiden und noch anderen freunden im prater, wo ich ewig nicht war. die anderen hatten noch einen gast dabei, einen lustigen sehr wachen pariser, der in gemeindezentren oder sowas theaterunterricht gibt, über theater und unterricht und das leben geredet, in zwei sprachen durcheinander, viel gelacht. die männer haben so riesige maßkrüge mit bier bestellt, und sie ausgetrunken über den abend, sehr beeindruckende blasen haben die. im prater gibts kein kristallweizen mehr, das ist bedauerlich, habe dieses jahr immer noch keins getrunken, dafür sind die preise gestiegen, schon ein sehr selbstsicheres konzept, aber der prater wird auch das überstehen. habe eine graphic novel bekommen, in ein blatt einer römischen zeitung eingewickelt, weil der freund seine bücher grad in rom auf einem anarchistischen comic-festival gezeigt hatte, in forte prenestino. der theatermensch hat bisschen von paris erzählt, wir waren da alle zuletzt im letzten jahrhundert*. er war schwimmen in der seine, das hatte ich auch im netz gesehen, am canal saint-martin gibt es eine badestelle für ein paar stunden am tag, sonst fahren da die schiffe.
*in den achtzigern, ums abi rum, per autostop. bruchstückige erinnerungen, wie ich durch paris gestolpert bin, um insulin zu besorgen, meins war verloren gegangen oder nicht mehr wirksam oder irgendwas, wir waren auf einem zeltplatz im bois du boulogne. es war kein problem, das insulin zu bekommen, das weiß ich noch, und wie wir dann nachts auf dem weg nach südfrankreich durch eine allee gebrettert sind, während der fahrer laut wagner hörte, extra für uns. sonst erinnere ich von der reise noch die dünen am meer, wo dann andere mit surfbrettern auf einer ente dazukamen, oder war das eine andere reise?
heute total zerstochene beine, dabei hatte ich antibrumm dabei!
schon wieder ein buch bestellt, bei gaga schönes darüber gelesen, ich werds nie lernen. gemerkt, dass ich die gruppe 47 imer als irgendwie zeitgenössisch wahrgenommen habe, gleichzeitig fällt mir niemand ein, der heute eine gruppe 26 oder so gründen würde, weil ich die autor*innen als eher einzelne stimmen wahrnehme.
dem großen am telefon über die rückwärtsgewandte klimapolitik in berlin vorgerantet, er hat mich an die vielen bäume erinnert, die hier noch stehen, viel mehr als in paris, immerhin, immerhin.
die tauben auf dem balkon haben ihre küken großgezogen, habe mal unter die paletten geguckt und brauche wohl einen schutzanzug und zwei masken übereinander, um all den mist zu entsorgen. das wird unangenehm.
wieder neue papierkunst entdeckt, polly verity faltet blätter aus papier zu beweglichen strukturen, mit sich wiederholenden mustern, es sieht aus wie ai, weil es so perfekt und genau skulpturiert ist alles, auch hier beginnt der schaffensprozess wieder beim ergebnis, sie formt zuerst, breitet das blatt dann wieder aus, scannt die linien ein und baut daraus die vorlage für den nächsten schritt.
ein antiquar erzählt über seine neuen aquisen, er zeigt eine arbeit von diane de bournazel, die aus sehr dicht mit figuren, mustern, ethnomotiven gefüllten seiten feine netzwerke baut. der händlcer verkauft die arbeiten für um die 13k, das ist gleichermassen bewundernswert und albern. es ist eine handarbeit, anders als zb das schöne buch von rebecca dautremer mit der reise des hasen, das als laserschnitt komplett aus einer chinesischen druckerei stammt, dafür aber auch nur 50€ kostet. komplett neue verdienstmöglichkeit gesehen, so über ein jahr nebenbei blätter mit papierschnitten zusammenstellen, noch das ein oder andere popup mit rein, dann als kunstwerk verkaufen. scheint deutlich realisierbarer als der alte traum, ein buch zu veröffentlichen, es braucht dann ja auch nur ein paar käuferInnen, keine tausende.
der große hat letzte woche seinen master gemacht, über umwelttoxikologische messmethoden in der schule, freue mich sehr sehr über ihn, grad eben hat er noch abi gemacht, unfassbar, wie die zeit vergeht.
letzte woche ist er aus trier angereist, hing erst in köln fest, nix fuhr, keine infos, aber es waren dann doch nur anderthalb stunden verspätung, um halb eins nachts war er zuhause. interessant, wie der masstab sich den gegebenheiten anpasst. eine freundin wies darauf hin, wie ganze lebensformen unmöglich werden, wenn zuverlässiges pendeln nicht mehr möglich ist, so viele akademische jobs bestehen ja aus einem lehrauftrag mit 3 wochenstunden in der einen uni, einem in einer anderen stadt mit 2 stunden, usw. das ist mit der bahn kaum noch realisierbar.
gestern war ich mit 2 jungs im grips theater, der große macht noch ein zertifikat in theaterpädagogik, weil er das auch anbieten will später, und hat von seiner dozentin steuerkarten bekommen. hab die chance genutzt und bin mitgekommen, dafür auf den teamevent vom job verzichtet, schaffe keine zwei hochzeiten mehr am tag. linie 1 war wirklich lustig und kam so frisch und gutgelaunt rüber wie am ersten tag, dabei lief es zum 2343. mal oder so. theater voll bis auf den letzten platz, publikum singt mit. 5 vorhänge. bin aber mit dem auto hingefahren.
nach den letzten vollen wochen gibt es hier einen gewissen bedarf, erstmal ein paar tage aufzuräumen, ich komme auch langsam in das alter, in dem ich einfach weniger kram in der wohnung haben möchte. mal wieder einen kleinanzeigen-sonntag planen.
gregor-zwilling hat bisher in berlin nur eine weitere übergangs-bleibe gefunden, also wenn jemand ein wg-zimmer oder eine billige kleinwohnung weiß, immer her damit.
hatte einen freien tag, schon vorher fast verplant, dies noch und das könnte ich auch, und ausschlafen natürlich. zum zweiten mal das auto von der dicken schicht lindenpollen befreit, sie verkleben die gesamte oberfläche über wochen. das pflichtmäßige volltanken vergessen.
nachmittags nimmt mich eine freundin mit zu einer finissage, die sammlung von christoph müller wurde in drei ausstellungen vorgestellt, thematisch sortiert. kannte den sammler nicht, mal sehen, ob von der kunst etwas ankommt bei mir, bin leider angeschlagen und hirnleer. die arbeiten hängen in einem kleinen raum gleich rechts, wenn man die gemäldegalerie betritt, es sind um die 30 menschen dort, gedämpftes licht zum schutz der alten drucke, ringsum hinter glas vielleicht 30 bilder, alle besonders, man ahnt, was sie in die sammlung gebracht hat. herr von zepelin, ein langjähriger freund und jetziger geschäftsführer der stiftung, erzählt von müller und seinen vorlieben in diesem lebensprojekt, wie er sich jahrelang auf bestimmte themen fokussiert hat, die dann plötzlich abgeschlossen waren, dann kam das nächste, „und zwischendrin ist er gestorben“, die bilder wandern ja über viele lebensläufe vom einen zum anderen weiter. müller wollte seine sammlung nicht verkaufen, hat zu lebzeiten schon einige hundert an museen verschenkt, auch der rest wird im september weitergegeben, nur an museen in öffentlicher hand.
am ende des raums liegt in einem regal ein stapel an leeren postkarten mit bleistiften, die besucher sollen sich ihr lieblingswerk aussuchen und es mit einer zeichnung interpretieren, es wird auch gefragt, ob wir selber etwas sammeln, mäzene und privatiers sind wieder lebenswichtig für die kunst, es gibt ja kaum noch öffentliche mittel dafür, in berlin schon mal gar nicht. eine menge dieser reaktionen steht dort bereits in einem ständer. müller hatte das anliegen, die besucher irgendwie zu beteiligen, miteinzubeziehen, die kunst in einen kontakt mit dem publikum zu bringen, eine volontärin hatte die schöne idee mit den karten. erinnert mich an die studis mit skizzenbüchern in den museen, die es ja immer noch gibt.
ich mag besonders einen detailreichen blick in einen wald, von théodore rousseau, und eine phantasmagorische und sehr organisch aussehende orchidee von einem miron schmückle (frau troeder hat bei der namensfindung geholfen, werde da gleich mal weiterforschen, er kommt aus hermannstadt wie teile meiner familie). in rl kann ich mit wäldern nix anfangen, möchte immer nur möglichst schnell durch und wieder ins freie, in der radierung ist ja dieser rückweg ins licht noch erkennbar, vielleicht gefällt es mir deshalb? lauter schätze jedenfalls, vor allem sind es kleine bilder, die bekommt man ja notfalls immer noch unter, für sammler bestimmt ein argument, ab einem gewissen alter wird ja die petersburger hängung eh unvermeidbar, erst eins, dann zwei, dann viele, dann ists auch egal.
(versucht, das foto oben im rechner zu bearbeiten, in der foto-app sofort den überblick verloren, dann direkt auf dem handy mit snapseed, mit 3 klicks erledigt, es gibt jetzt aber eine minimale zusatzschiefe in der perspektive.)
nachher werden wir in den studiensaal im ersten stock gebeten, da sitzen wir dann alle auf thonet-stühlen und werfen einen ersten blick auf die webseite, über die ab september die ganzen bilder verschenkt werden sollen, optimal fotografiert und dokumentiert. publikum eher unser alter, gut gekleidete männer und frauen. mein vages gefühl der unzugehörigkeit lässt sich nicht halten, alles souverän entspannt, freundliche menschen und fingerfood.
hoffe, es klappt alles, die museen wollen ja die vielen bilder, bücher, gegenstände auf dem markt gar nicht mehr so dringend haben, die bestände sind gut gefüllt. denke an frau ziebarths wunsch, ihre sammlung in einem museum unterzubringen, aber so einen ort gibt es nicht.
zuhause dann platt und müde, wie immer vorgenommen, viel mehr von all diesen berliner gefügen, netzwerken, den ubiquitären äußerungen des kulturbetriebs mitzunehmen. die vielen ebenen davon, für jede zielgruppe gibt es alles, mit nur geringer überschneidung, man begegnet sich ja nur noch gelegentlich auf parties. ich kenne die kneipen und clubs nicht, in denen gregorzwilling sich dauernd trifft, die konzerte und festivals, nichts davon, die von früher gibt es nicht mehr und die interessen ändern sich, wir wechseln dann so von einem kreis zum andern, schnittmenge bei inhäusigen kindern der kühlschrank.
ich werde versuchen, den sohn in die lustige ausstellung im hamburger bahnhof mitzunehmen, da hat mich eine kollegin drauf aufmerksam gemacht, es gibt dort grad hunderttausende bauklötze für alle, zum bauen, wieder umwerfen, neu bauen. spielen eben.
wie es dann plötzlich keine grenze zwischen warm und kalt, innen und aussen mehr gibt, das minifrösteln, mit dem ausatmen die wärme bis ganz nah an die haut lassen. überlegen, ob ich den ventilator aufbauen soll, nur zur sicherheit.
im alltag bleiben die grenzen, gehen nicht weg, in guten momenten werden sie durchlässig und ich vergesse sie einfach, auch mit freunden bleibt alles ein spiel, gespräche, ideen, frei improvisierte tanzschritte, in anderen umfeldern bin ich immer ganz im spiel, immer ganz in frage gestellt. geht das jedem so? wüsste ich gerne.
bei den schönen temperaturen mal wieder ans thema dating gedacht, gemerkt, wieviele selbstverständliche singlefrauen in meinem umfeld und bekanntenkreis unterwegs sind, männer muss es dann ja logischerweise auch geben. gehe mit freundinnen aus, im freundesumfeld habe ich alleinstehende männer, bei denen ich mich nie melde, was ich ändern könnte, es dann aber selten mache. sind die beziehungen auch unterschiedlich? bei freundinnen gibt es mehr flow, es ist mehr wie tanzen gehen, es gibt was gemeinsames in der mitte, oder kommt es mir nur so vor? männer stellen weniger fragen und reden mehr selber, wollen gehört werden, und die kommunikation mit frauen ist mehr gespräch und weniger vortrag. kann aber auch sein, dass das quatsch ist.
ach, daten ist arbeit mit einem hohen einsatz, ich bin jetzt eh im unsichtbaren alter, andrerseits sind die ersten dates immer nett, neugier, fragen, lebensgeschichten, wenn es gut geht – das mag ich. mehr erwarte ich ja nicht. vielleicht lieber eine wg gründen mit gleichaltrigen und gleichnetten menschen, da habe ich all das positive einer partnerschaft und erspare mir all die gefühle, die ich mir eh gar nicht mehr vorstellen kann.
ich sollte endlich mal terry pratchett lesen, bin da nie über ein paar seiten gekommen, mich hat zb setting und stil von „the long earth“ von 2012 so sehr an den anfang von tad williams‘ „otherland“ von 1996 erinnert, als hätte ich es schon mal gelesen. also aufgestanden, otherland aus dem regal geholt, das gelesen. trotzdem nach dem artikel im atlantic mal wieder nach meinem eigentlich schon toten steckenpferd gesucht, und ja, es gibt signierte erstausgaben des buches, für um die 90€ aus england, aber ich traue dem spass nicht mehr. die buchhandlung ist spezialisiert auf signierte bücher, und nein, statt mich in misstrauen zu vertiefen glaube ich lieber an neugierde, sammelleidenschaft, optimale netzwerke der buchhändler, aber der markt ist größer als das angebot, wobei ich immer noch das bild von karl ove knausgård vor augen habe, der in der freien volksbühne nach der lesung stundenlang am fliessband bücher signiert hat.
ich habe vor 2 jahren zuletzt so einem kaufimpuls nachgegeben, bei cixin liu, aus england, und bin mir da bis heut nicht sicher, ob es echt oder nicht echt ist. mit diesem zweifel lässt sich der lustgewinn nicht halten, er löst sich auf und wird zur rein ökonomischen entscheidung, lohnt es sich, werde ich es im notfall/bei rente dem markt zurückgeben können? das gegnügt nicht mehr für den netzkauf, nur wenn ich bei der lesung und beim signieren dabei bin, dann gerne, aber das sind natürlich alles bücher, die ich dann viel lieber behalten möchte. weiß noch, bei einer signaturrunde mit alec soth, da wollte ich aus diesen doofen wirtschaftsgründen nicht, dass er eine widmung reinschreibt, und er so: „ah, those germans“ (o.ä.)
zum thema mit einigem vergnügen diesem herrn zugesehen, der bücher zeigt, die der autor 10 jahre nach seinem tod hätte signieren müssen, weil es den verlag vorher noch gar nicht gab. das wär auch ein job, der mir spass machen würde.
david war zuhause gestern und wollte esc gucken, was ich bisher tunlichst vermieden habe – stimmt nicht, sagt d., und erinnert mich daran, wie wir uns zusammen über den sieg von conchita wurst gefreut haben. sonstige bildung diesbzgl. nur der sehr feine film über islands teilnahme – ich hatte aber vorsorglich chips besorgt, also konnten wir unter wolldecken (schweinekalt in berlin, 5°c und heizung aus) zuschauen. habs sehr genossen, mit dem sohn diese ganzen absurden songs und inszenierungen anzuschauen und zu kommentieren, allein ist es dann doch eher weird gelegentlich. lustig wart ihr auf mastodon, das spektakel selber vermittelt das gemeinschaftsgefühl von „spiel ohne grenzen“ aus anno tobak, wir habens gespürt. bulgarien hat gewonnen, erfreulicherweise, den beitrag mochten wir beide, die choreografie dabei hat mich an das tanzspektakel von sergio reis erinnert, „cdk – somebody that I used to know„.
heut früh sehr angenehmen inhouse-ausflug im netz gemacht, dabei über blushy auf bluesky zu nils minkmar gekommen, der mich nach einem spannenden post über cannes und drogen zu einem ard-beitrag über boney m geschickt hat – an die ich lauter gute und sentimentale kindheitserinnerungen habe.
wir haben mit freundinnen (und meiner schwester, glaube ich) zu ma baker oder daddy cool einen tanz eingeübt, im handtuchgärtchen hinter dem kinderzimmer am lago, ich erinnere noch das glücksgefühl dabei, und die eltern waren genervt, weil sie es nicht mehr hören konnten. es gab damals kein internet, kein insta, keine bilder, keine cds, es war ein ereignis, wenn man auf einer party gut tanzen konnte, wie wir dabei aussahen und wirkten war existentiell wichtig. ich hatte damals einen von scham und scheu geprägten umgang mit dem körper, vielleicht waren das auch die zeiten? tanzen war bis in die zellkerne körperbejahend und glücksbringend, eine gloriose abkürzung, alternativen gab es noch keine. ja, sex spielte eine rolle, wir waren teenager, aber es war nur ein kleines element in der befreienden wirkung, die das tanzen hatte. boney m war eine art katalysator dieser energien.
(*sagt ein herr in der doku über den song „rivers of babylon“, hab ich leider nicht wiedergefunden. mein tip an die ard wäre, bildscrollen zu ermöglichen, wie bei yt.)
die hautfarbe oder nationalität der bandmitglieder hatte glaub ich keine relevanz für mein/unser fantum, es lief nur übers hören und fühlen und tanzen. wir haben es wahrscheinlich über kassetten gehört, oder? die bravo (waren die in der bravo? bestimmt) gab es in italien nicht, die band war aber laut netz ende der siebziger auch in italien eine große nummer, sie waren es weltweit, wie der film zeigt. der produzent frank farian hat die aufnahmen im tonstudio mit großer hingabe und sorgfalt begleitet, der b.-m- studiomusiker johan daansen dazu: „ich glaube nicht, dass normale leute das hören, aber ich glaube, das normale leute das spüren“. es ist jedenfalls alles angekommen, was da angelegt wurde, danke dafür!
beim ansehen der doku wird mein preteen-fantum in einen ökonomischen und gesellschaftlichen zusammenhang gebracht, in dem diese aspekte eine große bedeutung haben, die kindheitserinnerung wird in ein regal gestellt, in dem ich nicht mehr wirklich vorkomme, nur noch teil eines kontexts. das ist halt so bei geplanten bands, da gibt es sicher schon literatur zu, grad die ganzen k-pop -gruppen, ich glaube, da schreibt sogar eine freundinnentochter drüber, mal nachfragen.
wenn ich mir meine alten platten und tapes ansehe, ist kein einziges schlagereskes stück dabei, die ironie hats nie in mein plattenregal geschafft, ich wollte freiheit, politik, wollte mich gemeint und erkannt fühlen beim hören, klüger, schöner, freier sein, als ich es war als tochter aus gutem hause, ankommen in der, die ich sein wollte.
nach der wirklich guten doku viel schlauer als vorher, und ich werde heute boney m. hören, zun ersten mal seit damals. laut. aus dem netz, platten habe ich keine davon, selbst die kassetten kamen alle später.
haha, duolingo nennt mich „champion der verpassten chancen“ und ja, da ist was dran. erstaunlich, dass ich spass an einer app habe, die permanent beleidigend ist.
gregor sucht ja weiter eine feste bleibe in berlin, jetzt kam etwas nettes in netter gegend für 2600€ hereingeflattert, „heroin-“ hat grad die rechtschreibung ersetzt, und ja, als drogendealer*in wären solche preise eher bezahlbar, bleiben aber trotzdem illegal. irgendwer wird es bezahlen*. gegen die gentrifizierung mal wieder im bademantel zum bäcker gehen, aber ich wäre natürlich nur noch merkwürdige alte und nicht mehr szene.
*edit: die meta-ai hat als durchschnittsmiete für so eine wohnung 2.114€ vorgeschlagen, mit dem hinweis, dass lage und ausstattung da auch noch eine rolle spielen. anscheinend sind solche phantasiepreise inzwischen normal.
isis und moses heißen die online-lernsysteme der tu berlin, ein schelm, wer dabei weiter denkt. das hauptgebäude wurde von der feuerwehr nach begehung „bis auf weiteres“ geschlossen, besser so, als dass der sohn da in eine gefahr gerät, aber es ist doch schon ein bisschen peinlich für berlin, oder nicht? wobei natürlich bei der allgemeinen baustellendichte in der stadt eine weitere gar nicht weiter auffällt.
rant: bsp alexanderplatz, ich kann mich nicht daran erinnern, in 30 jahren (ads, es sind fast vierzig, nicht dreissig. musste nachrechnen, ich war tatsächlich erst 22, als ich zurückkam. die unfassbare länge der jungen jahre.) berlin und 36 jahren ostberlin den platz jemals ohne baustelle gesehen zu haben. bauarbeiter sehe ich auf dem alex nie, aber ich fahre ja auch nur gelegentlich mit dem auto durch. der fernsehtum wurde allerdings nach 4 jahren bauzeit eröffnet, zu ddr-zeiten in den 60ern des letzten jahrhunderts, die ddr, liebe junge leser*innen, war eine diktatur, die nach dem 2. weltkrieg (lest selber nach) für 41 jahre den ostteil des landes beherrscht hat.
ich habe ja auch den kompletten potsdamer platz von der jahrzehntelangen flohmarkt-brache über das ausheben der baugrube bis fertigstellung mit besten galerieplätzen von der stabi aus beobachten können, es hat nur ein paar jahre gedauert, das hat ja auch nicht die stadt organisiert oder bezahlt. da war es noch spannend, zuzusehen, es passierte wenigstens was, diese irre tiefen baugruben! die baumafiapolitik in berlin wäre eine reportage wert, bestimmt alles verwachsen und vernetzt wie davids riesige unterirdische pilzstrukturen, mit lauter wuchernden raumforderungen wie eine schlimme erkrankung, ein system unter dem system, auf selbsterhalt und nicht auf ergebnisse ausgerichtet. /rant.
tag heut sehr genossen, hell und kalt war er, warm angezogen, tee getrunken, gelesen und durchgeatmet. einen weiteren schritt duch die tür vom februar gegangen, mal sehen, ob es weiterhilft, ich bin da noch etwas zwiespältig. mir hat die sache, wie ich es erstmal nennen will, auch beruflich probleme bereitet, ich hab wirklich dumme fehler gemacht, wird zeit, dass das alles besser wird.
davidzwilling begrüßt, er trifft sich mit freunden, wir können zusammen frühstücken, eine freude.
verfolge gerade die letzten shows von stephen colbert auf youtube, er wird verabschiedet, als sei er die letzte freie und laute stimme der usa, und auch wenn ich zur zeit vom herrn t. absolut überhaupt nichts mehr hören will, es ist zu deprimierend alles, von colbert habe ich es mir sehr gern erzählen lassen. ich werde die sendung vermissen. (gestern war sein 62. geburtstag, herzlichen glückwunsch! wie immer bin ich etwas belated bei allem und den glückwünschen). die größen der us-unterhaltung sind alle zum verabschieden vorbeigekommen, hier eine show mit den herren des late night in den usa, hier eine mit tom hanks, mit obama, mit julia louis-dreyfus (es wird geknutscht), ja, es gab einen gewissen männerüberschuss in den zeremonien, aber heute ist ja herrentag, da lass ich das durchgehen. in der nyt ein interview, bei dem ich laut lachen musste, was ich beim lesen fast nie mache.
finstere zeiten, ein kleiner teil von mir fürchtet sich, den moment zu verpassen, in dem man noch weg kann vor der ganz großen eskalation, so ein knoten der anspannung im brustkorb, natürlich immer darauf hoffend, dass ich dann das benzin noch bezahlen kann. lieber im jetzt bleiben, die balkone mal wieder herrichten, paar pflanzen erneuern, schlafzimmerbalkon frisch möblieren, da wäre der ausblick grad sehr schön, nur grün, die azalee blüht grade, die nächste hauswand ist dicht bewachsen, man hört bienen und vögel, also wenn ich die hörgeräte drin habe, sonst pfeift immerhin der tinnitus leise. leider sind draussen 7° c und regen, der typische berliner frühsommer also, da lockt irgendwie grade gar nix.
heut früh sturzregen, da bin ich erst mal nicht laufen gegangen, kurz überlegt, ob es fürs erste mal nicht reicht, die sportklamotten einmal angehabt zu haben, und ob ich die preisschilder an den schuhen nicht lieber dranlassen soll. dann hat der regen wieder aufgehört und es gab ein beträchtliches sonnenloch, bin also losgetrabt, vorbei an vollen cafés, und siehe da, es geht noch, ich spüre eher die waden als den kreislauf. angenehmerweise geht der schuh vorne bergab, ich kippe also immer in den nächsten schritt, das fühlt sich lustig an. von der anderen seite wieder zur haustür gekommen, weil ich mich zu privat für café-gucker fühlte, nicht dass es irgendwen interessieren würde, seufz. zuhause dann erstmal tiefroter kopf, wegen der hochtourigkeit des körpers, das erinnere ich auch von früher. energetisiert unter die dusche, fühle mich wach und erholt. 2,33km, 25min, vabbeh. aber früher waren es auch immer nur 6km, mehr war nicht drin.
beim nachdenken über alternative lebensformen schaue ich immer mal wieder nach den sog. minijobs, die nach feierabend oder am wochenende zu machen sind, so nebenher, und es gibt unfassbar viele, schönes design, homeoffice, am rechner entspannt irgendeinen kram machen, nur schnell anmelden und ein programm laden – beim leicht misstrauischen hinterhergooglen die neue betrugsform des job-scams entdeckt, da werden nur daten gezogen und programme sind zu bezahlen, unfassbar, wie interessant die zeiten geworden sind.
julian lage im huxleys gesehen, diesmal in gesellschaft, das ist wirklich angenehmer als allein, danke fürs mitkommen! das huxleys nicht voll, man konnte herumspazieren und sich den besten platz aussuchen. ich war wieder an bord bei omission, mochte das verspielte und bluesige sehr, bin aber nicht mehr so magisch ergriffen wie bei den ersten konzerten. er hat stücke aus speak to me und vom neuen album gespielt, scenes from above. diesmal waren „keys“ dabei, john medeski an einer gott-bewahre-hammond-orgel, die ich überhaupt nicht mag, sie klingt schrill und flach, auch wenn medeski sicherlich ein top-spieler ist, es ist nicht meins. beim konzert hat mein kreislauf mich kurz verlassen und ich musste mich hinsetzen, das war beim letzten mal auch schon so, nach einem arbeitstag halte ich so ein konzert nicht gut durch. habe ich mich verändert oder die musik? vermisse das gefühl, etwas sensationell schönes zu hören. auf zu neuen ufern.
jedenfalls am samstag danach joggingschuhe gekauft, das kann so nicht weitergehen. werd ich an den freien tagen einweihen, habe eh leichtsinnigerweise und unprovoziert einigen menschen versprochen, im nächsten jahr bei einem spendenlauf mitzumachen, das muss doch irgendwie hinzukriegen sein? silly me. heute ist aber erstmal mutterbesuch mit blumen angesagt, trotz gewisser unlust. netterweise war der gregorzwilling schon zum mittagessen bei ihr, ein ereignis, weil sie mit allen anderen im saal gegessen hat, vom zimmerdienst wieder runter möchte, 2 jahre nach dem unfall damals. in ihrem zimmer scheinen sich fotos im silberrahmen, schalen, vasen und allerlei stehrumchens vermehrt zu haben, aber das kann eigentlich nicht sein. prinzip horror vacui, schau, da ist noch platz, stell das doch da hin! sie erzählt lang von einer kleinen bank, die beim umzug verloren gegangen ist, und bis heute weiß sie nicht, wo die hingekommen ist. ich weiß es auch nicht.
damit war muttern heut gut abgedeckt.
gestern schöne hunderunde mit freunden gemacht, neue parks und grünflächen kennengelernt, ganz nah an die 10k schritte gekommen, abschluss in einer sehr netten cafe-kneipe, die chinotto und foccaccia anbietet, unter den grünen bäumen, schönste jahreszeit in berlin. auf dem galerienrundgang neulich habe ich eine frau gesehen, die foccaccia mit messer und gabel ass, in etwa so, wie eine schrippe mit besteck zu essen. vorgenomen, da öfters hinzugehen und jedesmal nach chinotto zero zu fragen. nachher einigermassen erledigt.
perfekter tag, um in feiner gesellschaft einen spaziergang durch charlottenburg zu machen, durch lauter mir unbekannte galerien, ich komm halt selten weg von dem angebot in mitte. war das erste mal im kleid mit sandalen, ein echter frühsommertag. bin bis ernst-reuter-platz gefahren, dann mit der freundin nach ein paar metern in der hardenbergstrasse mit markus lüpertz in der galerie michael werner angefangen. viel krieg, totenköpfe, fische, sehr viel aussage in den bildern, ich konnte ihn mir in einer ecke sitzend vorstellen, wie er unablässig vom krieg spricht, dem ewigen. hatte seine bilder tatsächlich noch nie gesehen, das wurde also zeit, sie haben mich angemessen beunruhigt, wir sind dann aber lieber weiter zu max hetzler, da stellt vivien zhang aus, die wir nicht kannten. sehr farbenfrohe, technisch aufwändige und ein bisschen plastische bilder von zb schmetterlingen, eins davon hat mich besonders fasziniert, aber es sollte 4000£ kosten, das geht leider nicht.
die galeristin hat mir kenntnisreich das motiv erklärt, aber ich zitiere lieber mal von der webseite:
„In zwei Gemälden mit dem Titel to slip between (Ithomia), 2026, verweist sie auf den Glasflügelfalter (Ithomiini), dessen transparente Flügel auf Tarnung und Mimikry ausgelegt sind. In eine geometrische Struktur eingebettet, verweisen die Schmetterlingssilhouetten auf die ‚Butterfly‘-Weltkartenprojektion. Im Gegensatz zur traditionelleren – und umstrittenen – Mercator-Projektion ist diese Darstellungsform dafür bekannt, Größenverhältnisse und Landmassen weniger verzerrt wiederzugeben. Indem sie bestehende Informationssysteme und soziale Interaktionen reflektiert, spiegeln die Werke auch die eigenen Erfahrungen der Künstlerin mit Migration und Assimilation wider.“
– die info ist bereichernd, aber das bild funktioniert auch ohne. so einen changierenden, multidimensionalen schmetterling hätt ich mitgenommen, es ist auch eine schön kleine arbeit, die passt immer noch irgendwohin, aber nicht zu dem preis. weiter zur galerie friese, die arbeiten von slawomir elsner zeigt, der eine faszinierende technik mit buntstiften einsetzt, feinste schraffuren.
die arbeiten haben einen meditativen aspekt, es gibt auch noch eine reihe kleiner, din-a-4- großer blätter, sehr farbintensiv, auf denen er aquarelle mit buntstift kombiniert, die figuren (pferde oder andere tiere) darauf habe ich erst beim zweiten mal dran vorbeilaufen entdeckt. bei ihm hatten wir auch ein paarmal einen kaufimpuls, auch hier sehr viel schon weg, aber muss ja nicht, ich weiß nicht, ob die faszination an der technik die wahrnehmung des bildes auf lange zeit trägt, die figuren darauf bleiben ja im ungefähren. also wenn es hier hängen würde.
ein showstopper war die skulptur 23 von rudolf belling im kunsthandel wolfgang werner, so ein gefühl, die schon mal gesehen zu haben, sehr sehenswert, und nein, es ist keine espressomaschine, sondern ein kopf, habe schlechte perspektive gewählt.
in der galerie kornfeld stand ich zunächst sehr gerne vor den glastüren zum hinterhof, dahinter ein paradiesgarten mit kunst, blumen, bäumen, echter konkurrenz zu den ausgestellten bildern, aber sebastian maas war auch eindrucksvoll, kunst zum gucken, mochte die große geste daran.
es ist auch ein großes bild.
danach sind wir zum ubahnhof spichernstr., von da bin ich dann nach hause gefahren. viel gesehen, einiges hängengeblieben, sehr schön. hab zu wenig bilder gemacht, eine dame in rot fehlt mir noch, leider vergessen, wer, was und wo ich das bild gesehen habe.
abends chillen mit star trek IV, zur feier des befreiten wales.
(die bildverarbeitung ist wirklich unangenehm, jedes einzeln per mail, dann lädt es mehrfach nicht hoch, irgendwann dann doch, dann runterskalieren, ein aufwand, es dauert stunden. bin froh, so selten fotos zu verwenden.)