8. august 2026

in der kleinen stadt ist es abends um 18 uhr total leer, auch in den bars und rastaurants, trotz samstag abend. keine seele unterwegs, die sonne brennt. wir gehen zu einer vernissage, sie ist so mittelgut besucht, deutlich mehr frauen als männer. die arbeiten sind bunt und eher abstrakt, die besucherinnen sind wie bei den kurzfilmen neulich eher mein alter, gut gekleidet, freundlich und gesprächsbereit, mich freut das, ich hoffe ja, in ein paar jahren auch mal länger hierbleiben zu können. vielleicht nicht im august.

in der galerie daneben überraschende kunst und eine galeristin, die bereitwillig erzählt, was wir da sehen, bei den meisten arbeiten ein überraschendes miteinander von material und ergebnis, hier eine fotorealistische arbeit, nach einem portrait von audrey hepburn.

giorgio tentolini

aus ein paar metern abstand kann ich die technik nicht erkennen, auch das material bleibt rätselhaft. es ist hühnerdraht, sagt die galeristin, er ist direkt auf dem untergrund befestigt, wie genau, ist nicht erkennbar. giorgio tentolini heißt der künstler.

in der galerie findet sich auch ein bronzenes nashorn, vielleicht 40cm breit, es hängt in zwei gurten an einem metallträger. ich darf es anheben, es ist schwer, es heißt „il peso del tempo sospeso„, von stefano bombardieri, etwa: das gewicht der aufgehobenen zeit, wobei es im italienischen nicht so poetisch wirkt, da ist es eher idiomatisch und alltag. zeit am handy, zeit beim warten, zwischenzeit. schöne arbeit.

danach aperitiv, dann fahre ich spontan mit in eine nachbarstadt, wo am see ein jazzkonzert stattfindet, wieder sitzen wir in einer art park, auf langen gemauerten stufen im gras, die bühne direkt am wasser. es kommen freunde dazu, es ist immer noch sehr warm. das konzert ist ein tribut für wayne shorter, die sängerin sonia schiavone hat zu seinen stücken texte geschrieben oder zusammengesucht, ihre stimme sehr frei über der band. auf der rückfahrt kurz nach elf ist die strasse dann sehr voll, in den städtchen auf dem weg sind jetzt überall menschen, sie stehen vor den lokalen und auf den plätzen, es ist nicht mehr heiß und ausgehzeit, samstag nacht.

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7. august 2026

heute endlich erträgliche temperatur, gleich viel mehr bei mir, die hitze ist ja invasiv und übernimmt die regie über den tag, dafür ist die zeit zu kostbar, wobei das treibenlassen auch etwas hat, auf den see gucken, zwischendrin mal ins wasser staksen über die steine, dann bis zur nächsten boje schwimmen, aber da ist keine boje mehr, sondern eine landzunge, aus steinen. ich bin für sandstrand.

Vedi cara è difficile spiegare
È difficile capire se non hai capito già*

francesco guccini ist gestorben, mit 86 jahren, er war einer dieser liedermacher, die hier cantautori heißen, das wort ist viel respektvoller und genauer, es passt besser zu guccini, seine lieder sind mehr zum anhören als mitsingen, anders als de andrè oder so, mehr text als musik, es sind lange geschichten aus dem leben. 

edit: sie singen die lieder, auf der piazza maggiore in bologna. ich bin es, die die texte nicht auswendig weiß.

ich hab ihn in den 80ern gehört, er war überall, teil des kollektiven wissens darüber, welche verbindungen es zwischen alltag und kultur und politk geben kann oder geben sollte, es waren damals alles offene türen, wir mussten nur selber durchgehen, es gab ja noch kein internet. in den liedern gibt es für jeden etwas, ciascuno ricerca qualcosa di diverso, trovando nelle parole e nella musica dell’artista uno spazio proprio e privato* („jeder sucht etwas anderes, und findet in den worten und der musik des künstlers einen eigenen und privaten raum“), darum kann man sie auch seit 50 jahren hören.

*aus vedi cara, schon eher mitsingbar.

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august 2026

neulich zu einer reihe von kurzfilmen in ein kleines open-air kino mitgenommen worden, ein stück den berg rauf, im garten einer villa aus dem 18. jh., neben der leinwand blitzen die lichter der anderen seeseite. 8 filme, einige sehr weird, alle wunderbar unterschiedlich.


einen tag später gefiel mir feridun besser als direkt beim anschauen, da nahm die idee mit der waschmaschine zuviel raum ein. I walked through the wall war schön und genau und auf den punkt, da stimmte alles. mochte auch deep in my heart is a song von pickett, trotz dem pathos, mit dem gesicht und der stimme dazu, er spielt auf einer gitarre mit sagenhaften 18 saiten, verbreitet so eine stoische art von sentimentalität, die ich aushalten kann. hat mich erinnert an den einen country-musiker, auch mit hut und weste, dem ich mal vor einem laden in arizona seine cd abgekauft habe, damals auf der fahrt gehört, seitdem nicht mehr.


bei dem kino steht ein großer alter glaspavillon, typ gewächshaus, beleuchtet, darin die äußerst personenreiche unterseekrippe der stadt, sie wird zu weihnachten im see versenkt, außer im letzten jahr, wo das wasser den figuren nur bis zur brust reichte.

beleuchtetes gewächshaus, gewfüllt mit vielen weißen statuen

am glas entdeckt m. eine große gottesanbeterin, das richtige tier am richtigen ort.

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2. august 2026

gestern im circolo mittag gegessen, eigentlich arbeiterzirkel (circolo operaio cooperativo), gegründet mit einem sozialen auftrag, komunikation, unterstützung, bildung und netzwerk für die arbeitskräfte der gegend, die hier oft in einer fabrik für keramik arbeiteten, hersteller von porzellan, geschirr, aber auch toiletten und waschbecken, die vor jahren entdeckte antonia campi (selbstlink von 2024) hat da als desginerin aufträge landen können.


es gibt sie in so gut wie jeder stadt in italien, unter verschiedenen mänteln, mal vom arci, mal von einer linken partei. hier im kleinen ort seit ende des vorletzten jahrhunderts, man kann im schatten unter einem baum sitzen, oder drin mit offenen fenstern, es ist ein sehr angenehmer ort zum reden und essen, die arbeiter hat zumindest dieser circolo nicht mehr im titel. zu viert fürs menu mit 2 gängen und 2 flaschen wasser 60€ bezahlt, das essen gut, es gab ua einen risotto frutti di bosco, sehr interessant, mit blaubeeren.


danach an den see gelaufen, mit schaumkronen und einen kräftigen wind, wir wollten dann vor dem gewitter noch mal schwimmen gehen, aber es kam kein gewitter, und kein regen, den ganzen tag über nicht, bis ich um 23 uhr im bett lag, nur so ein fernes donnergrollen. keine blitze. die luft in den unteren höhengraden ist dermassen trocken, dass die ganze feuchtigkeit aufgenommen wird, bevor sie runterregnen kann, sagt das netz, sogar der see hat kein wasser mehr, alles in die reisfelder der po-ebene abgelassen, wasserstand minus 1 m. weiterhin absurde dauerhitze bei 35°, warum nicht 36 oder 42? die hitze ist europaweit, gefreut, dass die krumme lanke in der nyt auftaucht, merke wie mein masstab sich anpasst, heute nur 32°, hurra.


habe mein sportprogramm weitergeführt, eher ein progrämmchen, immer nur eine halbe stunde, es führt zu etwas eine stufe unter muskelkater, macht so ein angenehmes kleines nervensurren in den muskeln. vermisse die hunderunden mit emma ins dorf, seit es dort auch keinen kiosk mehr gibt, reicht der impuls nicht für den spaziergang.


im wasser stehend, eine kleine gruppe unter mehreren, reden wir über die wärme. ich wollte mal aufs dings gucken, sage ich, aufs , … thermometer? sagt ein anderer, nein, diese dinger, die an der wand hängen, barometer, sagt der dritte, und?, ich hab noch nicht draufgeguckt, sage ich. wir stehen noch eine weile, dabei vorsichtiges herumtreten, bei niedrigwasser ist hier noch die schotter- und noch nicht die sandfläche. schwimmschuhe in berlin vergessen leider.
das barometer zeigt 5 millimeterchen mehr richtung variabile, aber immer noch keinen regen. in der app rutscht das seit gestern angekündigte gewitter immer weiter weg, in den abend, die nacht, den nächsten vormittag. heute regnet es dann, in dicken tropfen, fast 5 minuten lang. ich giesse den garten.

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esc und andere schlagereske* musik

blick auf eine regalrückwand, an der haufenweise alte musikkassetten gestapelt sind, alle beschriftet

david war zuhause gestern und wollte esc gucken, was ich bisher tunlichst vermieden habe – stimmt nicht, sagt d., und erinnert mich daran, wie wir uns zusammen über den sieg von conchita wurst gefreut haben. sonstige bildung diesbzgl. nur der sehr feine film über islands teilnahme – ich hatte aber vorsorglich chips besorgt, also konnten wir unter wolldecken (schweinekalt in berlin, 5°c und heizung aus) zuschauen. habs sehr genossen, mit dem sohn diese ganzen absurden songs und inszenierungen anzuschauen und zu kommentieren, allein ist es dann doch eher weird gelegentlich. lustig wart ihr auf mastodon, das spektakel selber vermittelt das gemeinschaftsgefühl von „spiel ohne grenzen“ aus anno tobak, wir habens gespürt. bulgarien hat gewonnen, erfreulicherweise, den beitrag mochten wir beide, die choreografie dabei hat mich an das tanzspektakel von sergio reis erinnert, „cdk – somebody that I used to know„.

heut früh sehr angenehmen inhouse-ausflug im netz gemacht, dabei über blushy auf bluesky zu nils minkmar gekommen, der mich nach einem spannenden post über cannes und drogen zu einem ard-beitrag über boney m geschickt hat – an die ich lauter gute und sentimentale kindheitserinnerungen habe.

wir haben mit freundinnen (und meiner schwester, glaube ich) zu ma baker oder daddy cool einen tanz eingeübt, im handtuchgärtchen hinter dem kinderzimmer am lago, ich erinnere noch das glücksgefühl dabei, und die eltern waren genervt, weil sie es nicht mehr hören konnten. es gab damals kein internet, kein insta, keine bilder, keine cds, es war ein ereignis, wenn man auf einer party gut tanzen konnte, wie wir dabei aussahen und wirkten war existentiell wichtig. ich hatte damals einen von scham und scheu geprägten umgang mit dem körper, vielleicht waren das auch die zeiten? tanzen war bis in die zellkerne körperbejahend und glücksbringend, eine gloriose abkürzung, alternativen gab es noch keine. ja, sex spielte eine rolle, wir waren teenager, aber es war nur ein kleines element in der befreienden wirkung, die das tanzen hatte. boney m war eine art katalysator dieser energien.

(*sagt ein herr in der doku über den song „rivers of babylon“, hab ich leider nicht wiedergefunden. mein tip an die ard wäre, bildscrollen zu ermöglichen, wie bei yt.)

die hautfarbe oder nationalität der bandmitglieder hatte glaub ich keine relevanz für mein/unser fantum, es lief nur übers hören und fühlen und tanzen. wir haben es wahrscheinlich über kassetten gehört, oder? die bravo (waren die in der bravo? bestimmt) gab es in italien nicht, die band war aber laut netz ende der siebziger auch in italien eine große nummer, sie waren es weltweit, wie der film zeigt. der produzent frank farian hat die aufnahmen im tonstudio mit großer hingabe und sorgfalt begleitet, der b.-m- studiomusiker johan daansen dazu: „ich glaube nicht, dass normale leute das hören, aber ich glaube, das normale leute das spüren“. es ist jedenfalls alles angekommen, was da angelegt wurde, danke dafür!

beim ansehen der doku wird mein preteen-fantum in einen ökonomischen und gesellschaftlichen zusammenhang gebracht, in dem diese aspekte eine große bedeutung haben, die kindheitserinnerung wird in ein regal gestellt, in dem ich nicht mehr wirklich vorkomme, nur noch teil eines kontexts. das ist halt so bei geplanten bands, da gibt es sicher schon literatur zu, grad die ganzen k-pop -gruppen, ich glaube, da schreibt sogar eine freundinnentochter drüber, mal nachfragen.

wenn ich mir meine alten platten und tapes ansehe, ist kein einziges schlagereskes stück dabei, die ironie hats nie in mein plattenregal geschafft, ich wollte freiheit, politik, wollte mich gemeint und erkannt fühlen beim hören, klüger, schöner, freier sein, als ich es war als tochter aus gutem hause, ankommen in der, die ich sein wollte.

nach der wirklich guten doku viel schlauer als vorher, und ich werde heute boney m. hören, zun ersten mal seit damals. laut. aus dem netz, platten habe ich keine davon, selbst die kassetten kamen alle später.

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vista mare

usseliges wetter. genieße die ruhe, leises tröpfeln auf der balkonbrüstung. kein licht. abendliche ausflüge in andere möglichkeiten, vielleicht ein nettes kleines häuschen überm meer? irgendwo nicht ganz in der nähe, und nach ein paar wochen erinnere ich mich gar nicht mehr so genau an berlin und seine vielen regeln und bedingtheiten, die riesige stadtfläche, schlecht beleuchtet, mit strassen voller nassem laub, weil nie einer aufräumt. nach ein paar weiteren wochen habe ich wieder muskeln vom treppenlaufen. leider hat es keine heizung.

foto einer aussicht aufs meer, von der immoseite idealista.

weihnachtsgeschenke, mal schaun, mal sehen. dachte an kunst, wollte den zeichnen-begabten davidzwilling in die farbenwelt locken, aber so etwas wie mein uralter lukas-aquarellkasten, metall, 24 farben, ist heute eher ein anlageobjekt. werde meine diversen kästen mal zusammensuchen und aufarbeiten oder neu füllen, das geht bestimmt auch. oder das fördern, was da ist, vielleicht einen kurs schenken?

andererseits ist die phase abgeschlossen, früher hab ich alles gefördert, was ans licht kam, hab sie aber nicht zur nötigen täglichen arbeit angehalten, die mir ja selber nicht entspricht. wenn sie malen wollten, würden sie es tun, die sehnsucht nach der zeit, als ich dran war an den kindern, mitgestalten konnte und musste, das selbstverständliche daran.

der partner meiner tante ist am wochenende immer losgezogen, in die fränkische schweiz, mit seinem kleinen kasten aquarellfarben, und hat die landschaft gemalt. es war so, dass ich ihn ganz selbstverständlich als künstler wahrgenommen habe, er hat es auch mit dem gebotenen ernst gemacht, den ich bei eigenen ausflügen ins zeichnen oder musizieren vermisse, beim schreiben eigentlich nicht. die eigenen begabungen respektieren. die ganze familie hat bilder von ihm an der wand.

julian lage is back in town, 7. mai im huxleys, aber ich werde schon bei der vorstellung müde, einen abend unter der woche 3 stunden stehen zu müssen. vielleicht, wenn jemand mitkommt.

nachricht von anita, freundin meiner mutter, die mit 90 noch mit ihrem porsche herumfährt. sie ist jetzt doch in ein altersheim umgezogen. die haben wir alle bewundert, erzählt sie, die schöne anita.

die trauer, dass ich nicht so bin wie sie, so gesund, schön und unkompliziert, und das gefühl, dass sie mir das auch immer noch vorwirft, ihre mit scheu durchsetzte ahnungslosigkeit, was mein leben angeht. hoffe sehr, dass ich bei meinen kids anders sein kann.

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poste restante

nach nur einer woche lag ein weißer umschlag im briefkasten, darin der alte, zurückgekommene, mit einem sammelsurium an marken beklebt. die briefmarke darin ist schön sonnengelb und deutlich unverlierbarer als die deutschen. für bhutan bin ich inzwischen wahrscheinlich zu alt, das kloster sieht im netz derbe unerreichbar aus, weit oben an einer felswand.

ich soll sie nicht abspielen, schrieb der herr noch dazu, das alte plastik von 1973 sei zu brüchig, aber yt hilft da natürlich weiter.

gleich vorgenommen, mal wieder weihnachtspost zu verschicken, es kommt ja gar generell überhaupt keine private briefpost mehr, im sommer in italien habe ich nicht mal mehr postkarten gefunden, sie sind irgendwie mitsamt den kiosken verschwunden, alles ein opfer der digitalisierung. habe vor ein paar jahren die eine mit einem bild vom ferragosto-feuerwerk aus einem tabacchi mitgenommen, der inhaber meinte, sie würde längst nicht mehr nachgedruckt, lohnt sich nicht mehr, kauft keiner, außer mir natürlich. alles nur noch per whatsapp, bilderserien mit oder ohne reisebericht, das mag ich eigentlich auch, aber natürlich bleibt die am kühlschrank hängende postkarte viel länger in erinnerung, und als liebhaberin von autographen gefällt mir der gedanke, wie jemand sie im urlaub in der tasche oder im zimmer herumliegen hat, lastminute noch schreibt, mit der sommerhandschrift, und dann am letztmöglichen briefkasten einwerfen muss, es ist eine handfeste erinnerung.

früher musste ich die fläche dort einmal im jahr leeren, inzwischen kommen vielleicht im jahr ein oder zwei karten, vom großen (dieses jahr kam sie aus nepal, das war schon aufregend) und von der besten freundin. martin hat auch immer mal eine geschickt, eng beschrieben, als gruß aus einem fernen leben. inzwischen sind im briefkasten nur noch rechnungen und werbung, alles andere kommt als paket und muss dann aus nahen spätis abgeholt werden.

zeit für die weihnachtsbestellung aus nürnberg, da kann ich auch die lieferung terminieren, wenn ich micht richtig erinnere.

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2. august 2025

heute bei kräftigem regen gefrühstückt, dann war wieder sonne und wir sind zur fähre gefahren, der große brauchte eine badehose, die es auf dem markt an der anderen seeseite geben würde. in saisonzeiten fährt alle 15minuten eine fähre, 13,60 für beide hin und zurück, drüben durch den ultravollen markt gelaufen, badehose gefunden, dann noch die suchtmässig leckeren zitronen-ricotta-tortellis geholt, 12 große stück für 16 euro, schwamm drüber, mit olivenöl (oder butter?) und frischem parmesan sind die eine sünde wert. viele deutsche extrem unelegante touris unterwegs, zu enge t-shirts, bauchteile frei, rote hälse und köpfe, ich weiß nicht, warum mir das so auffällt dieses jahr, es sollte mich nicht kümmern eigentlich. mein sohn trägt ein gestreiftes baumwollhemd und bermudas und sieht blendend aus, tjé.

ich hätte hunderte handtaschen wählen können, aber es war dann einfach zuviel auswahl, sehr lustig die gefakten birkinbags aus leoparden-kunstfell, hätt ich vielleicht mitnehmen sollen, aber die kosten meist auch über 200€, und sind nur im vergleich spottbillig*. (ich rechne dies jahr mehr, weil mir der in den letzten monaten zuviel gezahlte lohn {im öd ist man bei versetzung immer erstmal auf vollzeit und muss die teilzeit neu beantragen, das hatte ich übersehen, habe aber weiter teilzeit gearbeitet} auf einmal abgezogen wurde, ausgerechnet in den sommerferien.

mit den hörgeräten höre ich das haus knacken und weiß nicht, ob das früher auch schon so war.

mittags bekocht worden vom großen, andere tortelli aus dem kühlschrank mit einem extrem leckeren und frischen tomaten-gemüse-sugo, zum reinsetzen, dabei wollte ich eigentlich nur ein oder zwei probieren. am eher späten nachmittag dann noch zum see für eine runde schwimmen, lesen, plaudern mit den anderen, danach aperitiv, diesmal am see, auch hier teurer geworden, aber der blick ist natürlich unbezahlbar. abends bruschetta mit dem rest sugo, sehr lecker, und ein bierchen, lese am handy gründe für intensives weiteres daumendrücken nach, es ist ein elend alles, aber es wird alles besser werden, unbedingt, ausrufezeichen.

erholung setzt ein, es ist ein riesiger unterschied, nicht mehr restlos erschöpft zu sein bei urlaubsbeginn.

*nachgesehen: es sollte eine kelly und keine birkin gefaked werden, und die gab/gibt es sogar wirklich.

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31. juli 2025

erster tag see und strand, mit alten freunden und bekannten. wir merken, dass wir langsam die alten sind, die immer am strand sitzen und lesen, im schatten der großen birke. sonne mit wolken, es ist fast frisch gelegentlich, mit sonne aber wie immer, das wasser klar und kühl. abends aperitiv, diesmal oben an der strasse statt unten am see, weil es unten sehr voll ist und oben leckere häppchen dazu gereicht werden. danach hoch zum essen und abwarten, wann die sonne nicht mehr spürbar ist auf der haut. nivea.

tisch mit aperol und ein paar kleinigkeiten zum essen

gemerkt, dass ich endlich mal zum filmfestival nach locarno kann und es nicht wie sonst immer verpasse. es gibt für alles noch tickets, möchte gerne einen der filme auf der piazza grande sehen (slowtiger hat recht, den anblick sollte man mitnehmen), bisschen sorge, weil ich ja nach filmende noch anderthalb stunden um den see zurück fahren muss, aber wann, wenn nicht jetzt. tagsüber eine reihe kurzfilme, darunter bleifrei 95, dann sehnsucht in sangerhausen, abends happy worker, mit colm meaney, den ich als trekkie natürlich immer gern sehe, danach kommt auf der piazza grande noch ein mich null interessierender film über einen milliardär und seine tochter, den schaue ich just for the feeling sozusagen. der spannendere film läuft am abend davor, aber der kommt bestimmt auch mal nach berlin. oder lieber last dance? dafür ein gratis-ticket gebucht. 4+ -filme an einem tag, dafür habe ich jahrelang beim streaming geübt.

meine kamera in berlin gelassen, die alljährlichen aufnahmen vom rosanen monte rosa mit dem handy versucht, aber das klappt dann doch eher nicht.

blick auf den monte rosa im morgenlicht, etwas unscharf
monte rosa unscharf im morgenlicht

versucht, den großen herzulocken. eine zugfahrt würde 10 stunden dauern und hin und zurück über 330€ kosten (via trainline), flüge von köln/bonn nach malpensa hingegen nur 120€ hin und zurück. so wird das nix mit der energiewende.

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nach hause

angekommen, bei fast allen gemeldet, sehr entspanntes zuhausegefühl. heute bei nils minkmar (über draussen nur kännchen) eine beschreibung gefunden, in der ich mich wiederfinde, die ferien in italien sind bei mir jedes jahr eine „rückkehr ins eigentliche leben“. ich merke so eine tiefenentspannung, weil die anpassung an berlin wegfällt, an die stadt, ans komplexe allerlei des alltags. gut, vielleicht ist das einfach „ferien“ und nicht italien, wobei ich das miteinander hier als viel angenehmer und frei von diesem andauerndem subliminalen vergleichen wahrnehme. die leute droppen eher küsschen als namen. niemand fragt, was du denn so machst im leben*, wobei das hier natürlich alle schon wissen, vielleicht ist das auch meine gute bubble am see, und nicht die italienische allgemeinheit, für solche aussagen bin ich eigentlich viel zuwenig hier. und kriege nichtmal mehr eine zeitung! es gibt kaum noch welche zu kaufen, ich habe die repubblica im online-abo, mag aber den spaziergang in die bar am see, mit cappuccio und brioche und zeitung.

*ich hab, wobei das klar nur mein problem ist, ein paar jahre gebraucht, um in deutschland ohne scham über meinen nicht akademischen job reden zu können. neuerdings erzähle ich mit begeisterung und rede eher ein bisschen zu lang, wenn mich jemand fragt, eine wirklich erfreuliche veränderung. in italien hatte ich nie solche gefühle, hier sind jobs und selbstwert nicht so eng ineinander verflochten vielleicht. oder ich bins nur.

ich brauche immer 2,3 tage, bis mein italienisch sich wieder genauso anfühlt wie mein deutsch. ich rede mit leichtem mailänder akzent, den ich allerdings nicht wahrnehmen kann.

noch nicht am strand gewesen, in berlin auch keine neue bademode mehr gekauft, gestern dann bei lektüre eines gesprächs zwischen frau gedankenträger und herrn ix das überraschende gefühl bekommen, zuwenig zu wiegen, weil man mit einem bmi von 27 wohl die beste lebenserwartung hat (auf mastodon), jetzt wieder entspannt mit meinen röllchen.

halt: beim suchen im netz zum thema allerdings einen 9 jahre alten artikel aus dem ärzteblatt gefunden, der zu einem anderen ergebnis kommt: bmi ≥ normalgewicht ist mit höherem sterberisiko verbunden, für männer mehr als für frauen, in einem ärzteblatt-text von 2018 (mit anmeldung, und unangenehmem foto) wird das noch einmal bestätigt.

bei allem der hinweis, dass statistik nur statistik ist, und die lebenswege immer das ergebnis einer vielzahl von bedingungen, geschichten, ereignissen und beziehungen sind, und genen, in krankheit und gesundheit.

schade, hatte mich schon auf mehr pasta und mehr von dem großartigen italienischen käse, vor allem, gefreut, die ich kaum noch esse, weil ich schon immer mit leider extrem wenig kalorien auskomme.

immerhin schleppe ich meine dicken bücher herum, zwei ziegelsteine mitgenommen, den murakami, auf den ich mich richtig freue, und den vuong, den ich als herausforderung empfinde, vor allem wegen des schriftbildes allerdings. die bücher sind so groß, eigentlich brauche ich eine neue handtasche dafür, ausrufezeichen!

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springweg brennt

heut nachmittag hab ich mich auf den balkon in die sonne gesetzt, um meks buch anzufangen, springweg brennt, und dann ging es mir so wie den anderen leser*innen: plötzlich war es ein paar stunden später und das buch ist zu ende, es liest sich sozusagen von selber. ist mir schon lange nicht mehr passiert. beim lesen sofort wieder in dieser zeit gewesen, als alles noch so offen war, das leben, die wege, entscheidungen, jetzt sind meine kinder gerade noch in dieser lebensphase, und ich bin mek wirklich dankbar dafür, dass ich dem modus, dieser unmittelbarkeit der jugend mal wieder näher bin.

im buch wird ein altes haus in utrecht besetzt, mek und seine truppe gehören dabei schon zu einer art von profis, es gibt bestimmte abläufe beim besetzen, dann beginnt eine art rollenspiel mit der stadtverwaltung, wo jede seite abwechselnd schritte macht, wie bei einem gesellschaftstanz. die gespräche, die verschiedenen persönlichkeiten, wie entscheidungen mal getroffen werden und mal einfach passieren, die totale offenheit von situationen, es liest sich sehr lebensnah und hat einen intensiven zeitreiseneffekt. und oft ist es lustig, wie die hausbesetzer ihre strasse vor der räumung an beiden enden mit sofas abriegeln, so schön, und dann kam berta, aber das solltet ihr selber lesen. und es gibt überraschend viele hunde im buch!

beim lesen gleich gedacht, das wär ein würdiges ende auch für mein riesiges altes sofa, die jungs wollen es immer loswerden, aber ich sitze halt noch drauf.

mir waren hausbesetzer*innen lange zeit ewas unheimlich, so piratenartig, sie nehmen sich halt, was sie brauchen. in mailand gibt es das leoncavallo, von dem mek auch schreibt, da war ich in den frühen achtzigern auf demos und konzerten, ich hab mich aber eher als solidarische touristin gefühlt, nicht als teil der leute, hab mich nicht getraut, auf den diskussionsrunden zb zum thema feminismus was zu sagen, bin aber hingegangen. das leoncavallo gibt es noch, es steht schon wieder vor einer räumung, die am 15. mai stattfinden soll, irre. ich war ja immer mehr in der bürgerlichen ecke zuhause, und die besetzten häuser waren jenseits der grenze, also die gründe dafür waren alle richtig und nachvollziehbar, aber der weg war mir zu kämpferisch, vielleicht, weil die häuser immer nur kurz vor oder nach den räumungen in meiner wahrnehmung auftauchten. dann sind freunde von mir in welche einzogen, dann war es normalisiert, der jetzt tote freund martin hat eine zeitlang in der rigaer str. gewohnt, weiß gar nicht, ob es das haus da noch gibt.

jedenfalls. lest das.

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ab jetzt abendrot

tiefblauer himmel, man sieht oben in der mitte einen winzigen roten kinderdrachen fliegen
blauer himmel mit kleinem roten drachen

ich war immer tiefblau, ozeanblau, ultramarin, bodenlos mit den paar pixeln bianchigrün dazwischen. das meer in allen schattierungen, der himmel, wenn er mal wie heute strahlend und voller licht ist, kobaltblau und lapislazuli, wenn es abend wird. wenn man die augen schließt und die sonne brennt, ein paar momente, bevor alles wegfließt, einfach nur die glorreiche sommerhitze, das gleissende meer, das kindheitsglück, wenn der himmel weit und der sommer endlos ist.

oben diesiger himmer, darunter hellblauer pazifik, im unteren drittel sieht man die schwanzflosse eines wals aus dem wasser schlagen. whalewatching 2012 vor monterey
whalewatching 2012, vor monterey

der strand zu heiß für nackte füße, also flipflops. und dann, ausrufezeichen, habe ich mir heute eine rote brille gekauft, obwohl ich auch diverse blaue probiert habe, eine war voll die frau-casino-farbe, durchsichtig wie flusswasser, oder eine mit leichtem türkisem glitzerdingens, aber nein, erst bei der roten war es ein klares ja. neulich habe ich schon eine korallenrote handyhülle gekauft, und einen roten pullover, ich erwäge sogar, meine roten lederstiefel mal wieder anzuziehen. ist das auch das alter? der farbwandel fühlt sich elementar und grundlegend an, wie ein abschied, also nicht nur gut. nur noch 80% sehkraft, sagt die optikerin.

ich schaffe das meer nicht, komme nicht hin, klebe hoffnungslos im grauen berlingetriebe fest, und kleide mich jetzt als rote ampel, vor sich hin blinkend, ein roter punkt im farbchaos der großstadt. die alten brillen weggeworfen.

blick von oben auf ein felsiges küstenstück am highway 1 in californien, man sieht gischt, aus dem wasser ragen schwarze felsstücke
bucht am highway 1

bevor alles den bach runter geht, lieber noch schnell für 1 euro ein haus am meer kaufen, echt, das war so knapp heute.

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5. november 2024

wahltag, und ich bin aufgeregter, als wenn die wahl bei uns wäre, also in deutschland oder italien. werde spät ins bett gehen und früh aufstehen, um etwas mitzukriegen, aber das ergebnis wird wohl noch länger auf sich warten lassen. es ist keine angenehme spannung, es steht einfach unangemessen viel auf dem spiel.

zum beispiel das hier.

mit meiner mutter über ihr leben gesprochen, sie sagt: „ich hatte ein sehr schönes leben, es ist mir richtig gut gegangen.“ sie wirkt in frieden. ich hoffe auf ein gemeinsames weihnachten, auch wenn es ihr eigentlich zu viel ist, mit 90 jahren, von ihrem schlimmen unfall im mai hat sie sich aber inzwischen gut erholt und spaziert entspannt mit ihrem rollator durch die gänge, geht zum arzt, versorgt sich fast alleine. im coronajahr bin ich mit den jungs zu ihr gefahren und wir haben als überraschung im garten gesungen für sie, im seniorenheim geht das eventuell auch, sie hat ja einen balkon, mal schaun, mal sehen.

sie erzählt, wie sie mit ende zwanzig in einem job in der jugenpsychiatrie war, bei dem der chef alle interessanten dinge machte und sie mit ihrer kollegin eigentlich nur putzen und hinterherräumen sollte, und wie sie dann zu zweit auf einen berg gestiegen sind, der job war in tübingen, laut „scheiße!“ gebrüllt haben, und dann am nächsten tag beide gekündigt haben. sie sagt, sie hat immer nach richtig guten aufgaben und kolleg*innen gesucht, und wenn es das da, wo sie war, nicht gab, ist sie gegangen.

gemerkt, dass ich meine heizung gerne etwas zu kalt einstelle, um meine wunderbaren norwegerpullis mal anziehen zu können, bei 20° ist es noch zu warm dafür. skifahren werde ich wohl nicht wieder, habe grad so bilder von früher im kopf, abfahrten in madonna di campiglio oder cervinia, ich konnte das ganz gut, mit relativem selbstverständnis, habe mich auch beim fahren im kreis drehen können, hatte keine angst, das gefühl ähnlich wie ich mir das surfen vorstelle. vielleicht einfach mal nach norwegen fahren mit den pullovern.

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sommer ohne ende

diese endlose hitze fühlt sich verjüngend an, es erinnert so an die italienischen sommer, wo es ab ende mai einfach durchgehend heiß und hell war, ein sonnentag folgte auf den anderen, sommer ohne wenn und aber, gelegentlich ein gewitter. ich genieße das sehr, es soll bitte ewig so weitergehen, wird es aber nicht, nächste woche ist es vorbei damit, ich hoffe aber in jeder beziehung auf einen langen altweibersommer. alle meine sommerkleider angezogen, sogar die eigentlich-nur-strand-kleider.

freue mich aber auf morgende ohne die riesigen radlerInnen-pulks auf den engen radwegen vor der ampel, wenn die ganzen sommerradler endlich wieder auf andere verkehrsmittel wechseln, in herbst und winter habe ich private radwege extra für mich. kleine aggressionen ggü den elektroradlern, die einfach anstrengungslos überholen, gut, ich sollte vielleicht die reifen mal wieder aufpumpen.

ein hausgast ist heut früh von einem scharfen schmerz am arm wachgeworden, eine 2cm große schwarze spinne sass dort und biss grade zu, sie hat sie weggehauen, aber der schaden war schon passiert. das fenster war offen, das viech ist wohl vom nahen baum herübergeweht worden, die äste sind weniger als einem halben meter entfernt. der biss wurde dick und schmerzte, habe ihr fenistil gegeben und dann doch lieber beim bereitschaftsarzt angerufen, weil in italien ein todesfall durch eine violinspinne durch die medien ging. die ärztin hat alles abgefragt, gesagt, worauf man achten muss nach dem biss, die gefahr einer allergischen reaktion war wohl größer als die einer giftspinne in prenzlauer berg. das zimmer abgesucht, möbel und sofa von der wand abgerückt, nix gefunden. ich denke, sie ist unten an bett oder sofa oder hinten an der heizung. dann eine weile lang schwarze spinnen gegoogelt, kein vergnügen, ich hoffe, die kommen mir nicht in die träume. und ja, es gibt immer mehr exoten, die hier überleben können, der klimawandel hilft. abends ist die stelle noch immer rot und warm, sagt sie. noch nie passiert sowas, in 37 jahren berlin. eins der kinder verweigert jetzt den besuch, und ich habe vom balkon aus die äste des baumes beschnitten, an die ich herankam.

später zum ersten mal wieder mit den mädels yoga gemacht, draussen auf der wiese, vorm sonnenuntergang. es war nicht mehr heiß, es wehte eine laue brise, die freundlich gerade genug abgekühlt hat. die wiese, die ich grün und saftig erinnere, war braun und vertrocknet, ein jammer. war danach unterzuckert, habe die anstrengung unterschätzt oder vergessen in meinen paar jahren pause, ich hoffe, ich halte es jetzt durch, mit 7h arbeit sollte es machbar sein. sehr wohltuend, aber es öfffnet auch, macht körper und sinne spürbar, hatte so ein kurzes sehnen, wie ein vibrato, nach mehr, nach dem großen ganzen, dem anderen, aber dann hatte der alltag mich wieder.

musste eine neue yogamatte bestellen, hab die alte in italien vergessen und es bis jetzt nicht einmal gemerkt, so wenig war yoga in meinem leben. sachen gibts.

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