
david war zuhause gestern und wollte esc gucken, was ich bisher tunlichst vermieden habe – stimmt nicht, sagt d., und erinnert mich daran, wie wir uns zusammen über den sieg von conchita wurst gefreut haben. sonstige bildung diesbzgl. nur der sehr feine film über islands teilnahme – ich hatte aber vorsorglich chips besorgt, also konnten wir unter wolldecken (schweinekalt in berlin, 5°c und heizung aus) zuschauen. habs sehr genossen, mit dem sohn diese ganzen absurden songs und inszenierungen anzuschauen und zu kommentieren, allein ist es dann doch eher weird gelegentlich. lustig wart ihr auf mastodon, das spektakel selber vermittelt das gemeinschaftsgefühl von „spiel ohne grenzen“ aus anno tobak, wir habens gespürt. bulgarien hat gewonnen, erfreulicherweise, den beitrag mochten wir beide, die choreografie dabei hat mich an das tanzspektakel von sergio reis erinnert, „cdk – somebody that I used to know„.
heut früh sehr angenehmen inhouse-ausflug im netz gemacht, dabei über blushy auf bluesky zu nils minkmar gekommen, der mich nach einem spannenden post über cannes und drogen zu einem ard-beitrag über boney m geschickt hat – an die ich lauter gute und sentimentale kindheitserinnerungen habe.
wir haben mit freundinnen (und meiner schwester, glaube ich) zu ma baker oder daddy cool einen tanz eingeübt, im handtuchgärtchen hinter dem kinderzimmer am lago, ich erinnere noch das glücksgefühl dabei, und die eltern waren genervt, weil sie es nicht mehr hören konnten. es gab damals kein internet, kein insta, keine bilder, keine cds, es war ein ereignis, wenn man auf einer party gut tanzen konnte, wie wir dabei aussahen und wirkten war existentiell wichtig. ich hatte damals einen von scham und scheu geprägten umgang mit dem körper, vielleicht waren das auch die zeiten? tanzen war bis in die zellkerne körperbejahend und glücksbringend, eine gloriose abkürzung, alternativen gab es noch keine. ja, sex spielte eine rolle, wir waren teenager, aber es war nur ein kleines element in der befreienden wirkung, die das tanzen hatte. boney m war eine art katalysator dieser energien.
(*sagt ein herr in der doku über den song „rivers of babylon“, hab ich leider nicht wiedergefunden. mein tip an die ard wäre, bildscrollen zu ermöglichen, wie bei yt.)
die hautfarbe oder nationalität der bandmitglieder hatte glaub ich keine relevanz für mein/unser fantum, es lief nur übers hören und fühlen und tanzen. wir haben es wahrscheinlich über kassetten gehört, oder? die bravo (waren die in der bravo? bestimmt) gab es in italien nicht, die band war aber laut netz ende der siebziger auch in italien eine große nummer, sie waren es weltweit, wie der film zeigt. der produzent frank farian hat die aufnahmen im tonstudio mit großer hingabe und sorgfalt begleitet, der b.-m- studiomusiker johan daansen dazu: „ich glaube nicht, dass normale leute das hören, aber ich glaube, das normale leute das spüren“. es ist jedenfalls alles angekommen, was da angelegt wurde, danke dafür!
beim ansehen der doku wird mein preteen-fantum in einen ökonomischen und gesellschaftlichen zusammenhang gebracht, in dem diese aspekte eine große bedeutung haben, die kindheitserinnerung wird in ein regal gestellt, in dem ich nicht mehr wirklich vorkomme, nur noch teil eines kontexts. das ist halt so bei geplanten bands, da gibt es sicher schon literatur zu, grad die ganzen k-pop -gruppen, ich glaube, da schreibt sogar eine freundinnentochter drüber, mal nachfragen.
wenn ich mir meine alten platten und tapes ansehe, ist kein einziges schlagereskes stück dabei, die ironie hats nie in mein plattenregal geschafft, ich wollte freiheit, politik, wollte mich gemeint und erkannt fühlen beim hören, klüger, schöner, freier sein, als ich es war als tochter aus gutem hause, ankommen in der, die ich sein wollte.
nach der wirklich guten doku viel schlauer als vorher, und ich werde heute boney m. hören, zun ersten mal seit damals. laut. aus dem netz, platten habe ich keine davon, selbst die kassetten kamen alle später.