8. mai 2020

ich habe meine deutsche ausgabe der mussolini-texte noch immer im regal, auf zerbrechendem kriegspapier gedruckt, meine mutter hat das kitschige bild (motiv: strasse in pompei) von einem mussolini-sprössling auch noch herumstehen. keiner will die sachen haben, zumindest keiner, an den wir sie weitergeben wollen. aber im müll sind sie auch noch nicht gelandet. ich hebe sie auch deswegen auf, weil es nazis gab in meiner familie, väterlicherseits, unbelehrbare, von der wirklichkeit vergessene menschen. es gab auch andere, kriegsgegner und antifaschisten, deren geschichten leichter erzählt werde. für das gute gibt es keine dokumente, die geschichten werden größer oder kleiner mit den jahren, verändern sich, sind frei wie kleine luftballons, ein zeichen für das gute, als solches nicht so wichtig und nachhaltig wie die dinglichen beweise für die nazis, von denen wir nur wissen, dass sie mehr als nur mitläufer waren, der stiefgroßvater hat in rom für die deutschen gearbeitet, hat seine energie und intelligenz (er war anwalt) für die nazis eingesetzt. ich denke da nur noch am 8. mai dran, aber vor ein paar jahren hat meine schwester entdeckt, dass die CIA in der unmittelbaren nachkriegszeit diesen stiefopa beobachtet hat, die unterlagen wurden im rahmen des freedom of information act freigegeben, man kann sie einsehen und downloaden, es sind pdfs von schlecht fotokopierten dokumenten, tickets, quittungen, berichte von dritten. es steht wenig drin, aber es wird klar, dass der mann sich nach dem krieg ganz unbekümmert und ungestört weiterhin für den aufkommenden neofaschismus eingesetzt hat. wir wollen das mal aufarbeiten und aufschreiben, meine schwester und ich, seit jahren allerdings, vielleicht wird es endlich mal was.

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