30. märz 2021

letzte woche mails an meine ärztin und briefe per einschreiben an behörden losgeschickt, um schneller an eine impfung zu kommen, mir albern dabei vorgekommen, trotzdem sehr angenehm, endlich irgendetwas tun zu können. gestern früh rief eine arzthelferin an und kündigte an, dass sie sich melden würden, wenn es impfungen gäbe, es ist eine der praxen, bei denen geimpft werden soll, es würden aber trotzdem noch die kv-prioritäten eingehalten. ich versuche, einen zeitraum zu erfragen, ohne erfolg. als ich „ein paar wochen“ sage, widerspricht sie nicht. das ist eigentlich gut, aber ich bin ungeduldig geworden. sie impfen wohl astrazeneca, das gegen die neuen varianten aus südafrika und brasilien gar nicht mehr gut helfen soll, also vielleicht besser auf einen brief von der kv warten und moderna oder biontech auswählen? heute heißt es wiederum, dass astrazeneca in berlin nur noch an leute über 60 verimpft werden soll. ich weiß gar nicht mehr, ob ich mich im wechselbad der gefühle grade im heißen oder kalten wasser befinde. jedenfalls erzählt eine freundin, die bei der kv arbeitet, dass langsam bewegung in die sache kommt, und rät zu geduld auf den letzten metern, aber die kv ist ja noch bei priorität 2, und ich bin 3 (in den usa wurden wir gerade hochgestuft) – aus dem berliner umfeld höre ich von immer mehr impfbenachrichtigungen, für partner und kinder von pflegefällen, für hochgewichtige und krebskranke, aber auch für leute, die überhaupt keinen impfschein erwartet haben. ich hoffe also weiter, aber es bleibt alles in der hauptsache im ungefähren.

heute früh mit dem d.-zwilling einen test gemacht, mit 45min schlange stehen, hinter einer frau mit recht tief hustenden kleinkindern im kinderwagen, die kids ohne masken, sie mit. abstand auf über 2 meter erhöht, trotzdem unsicher gefühlt. die kids dürfen ja in berlin schon mit normaler erkältung nicht mehr in die kita, mit so einem husten schon gar nicht, ich weiß nicht, wie und wo solche mäuse gestestet werden können, für die zentren sind sie wohl zu jung, oder durften mit dem husten eh nicht mit rein. nur die mutter hat sich testen lassen.

ich habe schon gelesen, dass wir alle eben „mit dem virus leben“ müssen und die impfungen durch die variationen vermutlich immer nur für einen gewissen zeitraum sicherheit verschaffen können. wie mir vor 10 jahren freund guido sagte, als ich ihm auf der abfahrt vom see noch mal schnell im krankenhaus besucht hatte: „sie haben mir gesagt, ich muss einen weg finden, mit dem krebs zu leben“, und er eine woche später tot war, natürlich, was alle wussten, wobei sich dieser vergleich unpassend anfühlt, aber ich kenne die fomulierung nur aus dem medizinischen bereich.

dort bedeutet sie, dass alles menschenmögliche versucht wurde, es keinen weg gibt, die krankheit zu heilen, und man also die symptome therapiert, so gut es eben geht, und hoffen wir das beste, im notfall an die ecmo. mich ärgert das ein bisschen, es wurde ja nicht alles versucht, nicht einmal ein voller lockdown, dann ist so eine formulierung irgendwie unstatthaft. wie wenn ich als diabetikerin sagen würde: ich nehm zwar insulin, aber ich achte nicht auf mein essen, und blutzuckermessen ist für paranoiker. das wäre fehlende compliance.

heute die beiden halbschwestern der jungs kurz zu gast gehabt, das war schön, ich freue mich so, dass die kids über 2 etappen eine großfamilie bekommen haben, die mädels hatten schon corona und sind also mit masken safe. so lange keine gäste mehr gehabt, sogar die notfallkekse waren alle. außerdem den balkon eingeweiht, mit tee und buch in die sonne geblinzelt, nach dem schon heut nacht ein blendend weißer vollmond den tag erhellt hat, wenn auch zu früh.

6 Gedanken zu „30. märz 2021“

    1. danke, toll, den hab ich eine weile nicht gehört und werde es nachholen. sehr interessant, er sagt, ich schreibe mit: (über „leben mit dem virus“ und „dauerwelle“) „Beides sind typisch mehrdeutige Begriffe im Sinne der Wissenschaftsleugnung. Wir müssen natürlich mit dem Virus leben lernen, aber doch nicht vor einer Zeit, in der wir eine Hintergrund-, Herden- oder Populationsimmunität erreicht haben. Das ist etwas anderes, wenn wir sagen, wir steuern auf eine endemische Situation zu, und der Weg dahin ist das, was wir eigentlich besprechen müssen, was die Pandemie ist, oder ob man schon am Anfang einer Pandemie sagt, wir müssen halt mit dem Virus leben lernen, und dabei komplett verschweigt, dass das Leben mit dem Virus erst nach der Pandemie ein erträgliches Mass annehmen kann angesichts unseres Altersprofils und der Verbreitungsfähigkeit dieses Virus.“
      interessant fand ich auch den hinweis im nebensatz, dass wir uns eben noch immer am anfang einer pandemie befinden, nicht an ihrem ende.

      1. Es war das erste Mal, dass ich eine Folge davon gehört habe. Fand es sehr wohltuend, was er sagte – diese mehrdeutigen Begriffe im Sinne der Wissenschaftsleugnung und all den anderen Quatsch bekamen Rosarium und ich ja auch schon zu hören. Seufz. Aktuell warten wir, ob als nächstes die „Morgellonen“ als Argument angeführt werden.

        Freut mich, dass Sie einen Impftermin haben.

  1. es ist ermüdend. ich suche meinen handlungsspielraum, aber da ist immer wieder nichts. ich bringe dinge in meiner wohnung in ordnung, damit irgendetwas in ordnung kommt. dabei rede ich mit mir selbst. es hilft nichts, alles nicht.

    1. das mit den mails an deine ärzt*innen scheint sinnvoll, es eröffnet auch einen gewissen handlungsspielraum. und zu meiner großen überraschung rief mich meine praxis heute an und gab mir einen impftermin, zwar mit dem hinweis, es könne noch was dazwischenkommen, trotzdem toll, wenn der tatsächlich klappt, frage ich nach, weshalb ich ihn bekommen habe.

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