30. mai 22

das erste mal im neuen job krank zuhause geblieben. fühlt sich merkwürdig erwachsen an. habe einen dieser infekte, die sich nach corona anfühlen, aber alle tests sind negativ. glaube inzwischen, dass ich es nicht kriegen werde, aber das dachte d.-zwilling auch, und der hat es jetzt.

wenn ich allein zuhause bin, rufe ich manchmal nach emma, weil es sich so vertraut anfühlt, und weil sie immer gekommen ist.

zwischendrin das bedürfnis, mein leben zu gestalten, etwas erreichen zu wollen, schaffe es kaum, einen spielraum dafür zu sehen, eine fuge, wo noch bewegung möglich ist. das meiste hält von alleine fast zu gut, wenn auch eher von außen. wo du hingehst, da bist du dann. vielleicht fehlen mir aber auch bloss die hunderunden, die rituale, die gespräche mit den hundemenschen, die täglich erlaufene stadt. habe tatsächlich mehr stillstand als früher.

die liebe ist ja auch so ein veränderungsimpuls, ein bewegungsdrang, vielleicht sollte ich statt hund wieder einen mann suchen? der macht dann aber noch mehr arbeit. ich merke auch, dass ich wirklich gern allein bin, und warum jetzt wegen der generischen annahme, dass sich das im alter nochmal ändert, die jahre bis dahin auch schon hergeben? sich richtig zu verlieben, alles geben wollen, alles nehmen können, das wäre schön, aber ich kann mir das nicht mehr vorstellen, es ist zu lange her, und der aufwand mit den portalen immer, nee.

den neuen knausgård angefangen, lese ihn sehr gerne, bin gespannt, wie er sein neues thema klimawandel im fluss unterbringen wird. bisher wirken seine ideen dazu wie diese momente, wo im film die normalität plötzlich kippt und das unfassbare eintritt, eher wie phantastische oder scifi-elemente, ohne bezug zum bis dahin erzählten, eher deus ex machina als homo factus. man liest das und denkt so: hm? bin gespannt, wie es weitergeht.

2 Gedanken zu „30. mai 22“

  1. sich richtig zu verlieben, alles geben wollen, alles nehmen können, das wäre schön, aber ich kann mir das nicht mehr vorstellen, es ist zu lange her

    Same here. Im vorigen Jahrzehnt bin ich auch niemandem begegnet, wo ein Funke hätte überspringen können.

    Ich erinnere mich noch an Ihre ersten Erlebnisse mit Dating-Portalen und Blind Dates, mich hat das nachhaltig abgeschreckt. Dabei kenne ich sogar Frauen, die ihre Ehemänner darüber kennenlernten. Eine Freundin fand voriges Jahr Liebesglück über eine Anzeige in „Schrot und Korn“. Aber auch dafür fehlt mir die Energie.

    1. ja. und die liebesfähigkeit geht ja nicht weg, die zeigt sich eben in anderen tätigkeiten.
      die portale möchte ich in schutz nehmen, habe da eigentlich im guten sinne interessante männer kennengelernt, es hat bloss bisher nicht bei beiden genügend gefunkt. ich kann es weiterhin empfehlen,
      es ist glaube ich sowieso der einzige weg, männer kennenzulernen, zumindest in meinem alter, auch auf parties sind nur noch die partner der freundinnen, auf den letzten vernissagen, auf denen ich war, waren alle unter vierzig, wenn nicht unter dreissig. das macht die sache mit der liebe vollends zu etwas, zu dem ich mich entscheiden muss, und das ist dann ja nicht wie einmal zu ikea fahren und dann hat man wieder alles not- und nicht notwendige, das ist ein wochenlanger aufregender aufwand mit lauter hoffnungen und enttäuschungen. ach, vielleicht im herbst wieder.
      (bitte um entschuldigung für meine späte antwort)

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