alle 4 jahre gucke ich west wing

bevor ich allzu spontan die staffeln 1-7 von west wing auf deutsch runterlade, für die jungs in ein paar jahren, weil es die grad für 69€ auf itunes gibt – schaue ich nochmal kurz in meine dvds auf englisch, dachte ich. dann kommt „this is bad on so many levels“ und ich bin wieder am haken.

bei der cd war es auch so, dass ich nach ein paar jahren die eine oder andere platte neu nachgekauft habe. ich habe schon filme als daten nachgekauft, weil ich sie nur auf video hatte, cannery row zum beispiel, den ich den kindern im hotelbett in san francisco gezeigt habe, bevor wir nach monterey weitergefahren sind. jetzt erscheint es mir noch ein bisschen dämlicher, digital zu digital? die kleine, sich altmodisch und albern anfühlende empörung darüber, dass der erwerb so einfach und schwellenfrei möglich ist, andererseits habe ich diverse laufwerke voll mit literatur von autoren, die seit >70 jahren tot sind. ich fand die zeit sehr gut angelegt, die ich fürs hingehen, suchen, entscheiden und bezahlen und nach hause schleppen kultureller erzegnisse angesetzt habe, ich finde es blöd, dass ich diese zeit jetzt mit anderen dingen füllen muss, die ungleich sinnloser sein werden. egal was der zeitökonom dazu zu meinen glaubt. effizienz sollte ein schimpfwort sein, eine beleidigung und reduktion von lebensqualität auf ein reproduzierbares und übersetzbares mass, das außer einem mass eben NICHTS ist. es sind natürlich keine vollen laufwerke. die bindung an diese e-bücher  ist ein bisschen arm an biographischen ornamenten, die gründe für diesen oder jenen kauf liegen viel häufiger im zufälligen, kaum geschichten darüber, wie, wann oder warum ich sie gekauft habe, wobei nein, das stimmt auch nicht ganz, „capital“ hab ich im california zephyr gelesen, mit blick auf rockies und so weiter, das weiß ich schon noch. trotzdem habe ich vieles nur deshalb geladen, (ich wollte erst schreiben: wurde vieles nur deshalb geladen, weil es sich so passiv anfühlt, die ausblendung privater gründe im zuge der welteroberung der werbewirtschaft) weil ich im schwung auch die nächsten autoren im alphabet noch angeklickt habe, und weil natürlich die römische geschichte in jeder lebenslage ein guter begleiter ist.

 

10 Gedanken zu „alle 4 jahre gucke ich west wing“

  1. Das wird noch unvorstellbar. Schon jetzt hat man Mühe, Abspielgeräte für Videoinstallationen von Nam June Paik zu finden. Videos müssen regelmässig umgespult werden, wenn sie liegen. Betriebssysteme und Formate, die keiner mehr kennt/hat. Meines Vaters Tagebuch auf Diskette.

    Ich hab wieder zunehmend Freude am Buch, genau, schon der traditionelle Beschaffungsvorgang kann so schön erlebnisreich und später erinnerungsbeladen sein. Und dann erst das Lesen. Unterm Baum ohne Angst, dass der Akku leer ist.

    1. als mein vater starb, haben wir in seinem schrank ein tonbandgerät gefunden, mit bändern. es war defekt und wir haben es dann entsorgt, was mir jetzt natürlich leidtut. disketten! ich habe noch 10 oder 15 davon, kann aber nicht mehr herausfinden, was drauf ist. cds sind auch viel zu viele in der schublade.

      videorecorder habe ich nicht mehr, videos noch ein paar, aber von denen trenn ich mich auch noch, leichter als von nicht mehr gelesenen büchern.
      nur die platten bleiben. plattenspieler nicht. schon blöd eigentlich.

      da ist die digitalisierung schon ein vorteil, man muss nur die festplatten gelegentlich erneuern und die abspielgeräte, oder nicht?

      ich habe mir vorgenommen, keine bücher mehr zu kaufen, weil die wohnung so voll ist, und die regale (und weil der kindl-akku ewig hält), klappt immerhin ein bisschen, weniger spontankäufe. nur bei den kindern gilt: jeder buchwunsch wird erfüllt.

    2. Keine Bücher mehr kaufen. Ist vernünftig, zumal es mir auch so geht mit dem Platz. Gut ist, dass sie die Berliner Dreimeteraltbauwand einnehmen und mich nicht hier belästigen.

      Ich machs jetzt eher so, dass ich sie zum Antiquariat trage oder verschenke. Aber so ein tolles (teures) Biblophiles rutscht mir immer mal noch durch. Wegen Schönheit.

  2. Einerseits habe ich mich immer gesträubt gegen das, was bei Mallarmé steht (weiß nicht mehr wo: das Buch soll teuer sein, denn der, der es lesen will, wird auch den hohen Preis dafür zahlen und es so würdigen) — was sich eigentlich verflüchtigt, ist der Eindruck, ein Buch «zu haben» — man kann unumwunden von Text zu Text gleiten, Text um Text auch wieder zurücklassen, weil man ihn, wenn man sich in der Schwebe befindet, gar nicht als Territorium braucht.

    Aber das Biografische: ja, das ist mir auch schon durch den Kopf gegangen, die Erzählung unter den Erzählungen: das Zerlesene eines Buchs, man hat jedes Blatt schon einmal geschaut. Das _Finden_ von Büchern vor allem, rausziehen, mitnehmen, auf dem Tisch liegen lassen, irgendwann einen Platz dafür zu suchen. Das alles schon als ein Teil des Diskurses selbst.

    [Das müssen keine wichtigen Bücher sein: die ganzen veralteten Pahl-Rugenstein-Bücher über Bauernkriege und Revolutionen, die ich vor zwei Jahren aussortiert habe, weil man sie heute gar nicht mehr für irgendwas verwenden kann (weder als Sekundär- noch als Primärliteratur), die aber doch auch dafür stehen, was man sich eine Zeit lang zusammengesucht hat, und der Cut, den man jetzt zieht, das Epocheschließen, tabula rasa.]

  3. (den materiellen wert von büchern erinnere ich überhaupt nur, wenn die bücher alt sind und ich sie außerhalb der preisbindung erstanden habe, wenn also der preis teil einer variablen persönlichen beziehung zum buch wird (jagd, handeln, glück haben) und nicht mehr die notwendige langweilige betonbrücke, die das buch an die wirtschaft bindet, aus der ich es befreien muss in meine privatidylle.

    ich hab ein dickes schönes montaigne-buch, da ist der titel „wertvoll“ unlösbar verbunden, andere bibliothek. da könnte im titel stehen „esssais, ein wertvolles buch“ und ich würde mich nicht wundern, selbst das alberne an diesen edlen ausgaben stört mich da nicht wirklich.

    nicht kostbar, wertvoll. kostbar wäre die steigerung ins gemmenhafte.

    bei mir ersetzt in gewissen zeiten der von dir beschriebene diskurs das lesen, die bibliothek ist dann ein riesiger stichpunktzettel voller übereinandergelagerter verweise und erinnerungen, und nur die untersten sind textintern. dann traue ich mich gar nicht, sie auszumisten, weil ich nicht mehr weiß, was ich verliere.)

  4. Funktionierende Abspielgeräte zu besitzen hat den Vorteil, daß niedliche Medienstudentinnen kommen, um ihr uraltes Material zu sichten. (Manchmal bringen sie ihren weißhaarigen Vater mit, der einem dann den letzten Song seiner Band auf dem Iphone vorspielt.)

    Die mir wertvollsten Bücher sind jene, die schon auseinanderfallen.

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