17. september 2020

Le vase où meurt cette verveine/ D’un coup d’éventail fut fêlé;/ Le coup dut l’effleurer à peine:/ Aucun bruit ne l’a révélé. (prudhomme, le vase brisé)

hwurw (genau so hat es sich angefühlt) früh um halb sechs mit dem hund rausgemusst, weil g.-zwilling heut nacht nicht mehr mit ihr raus ist, was er hätte tun müssen, weil er beim ausgehen meinen schlüssel mitgenommen hat, nach dem seiner am see liegengeblieben ist und der d.-zwilling erst heute wiederkommt. gestern war es nochmal schön sommerlich warm, ich bin zur friseuse, die als feste freie in einem salon in friedrichshain arbeitet, sie wurde mir empfohlen, weil sie so wenig kostet, ich bin bei ihr geblieben, weil sie gut schneidet und ich mit ihr in diesem italodeutsch plaudern kann, weil sie lange in rom gelebt hat. sie arbeitet 55h pro woche, sagt sie, weil sie mehr als 1000€ netto verdienen will. in rom würde sie kaum noch was bekommen fürs haareschneiden, und sie ist die männer leid, denen die salons meistens gehören.

bisschen bammel vor dem dunklen winter, schon jetzt ist es um 7 nicht mehr ganz hell beim kaffeekochen. wie jedes jahr will ich mir dann schnell noch einen mann suchen, aber es kommt immer was dazwischen, und für diesen schritt in die nähe fehlt mir das klicken, der moment, wo ich auf jemanden total fremden neugierig werden kann, entweder durch text oder durch bild. ich muss das konsequenter angehen und einfach jeden treffen, der halbwegs normal wirkt.

mit g.-zwilling bisschen über den netflixfilm „the social dilemma“ geredet, hauptsächlich wegen einem verschwörungsopfer im näheren umfeld, er meint: aber du bist doch auch süchtig und hängst immer am gerät. stimmt und stimmt nicht, vor allem fühle ich mich nicht inhaltlich manipuliert, sondern vertraue meiner wahrnehmung. aber tun das nicht alle, auch die querdenker? ein unterschied zwischen mir und denen ist glaube ich die zusammensetzung des inputs. bei mir sind es (auf twitter, facebook und instagram) nur private stimmen, also einzelne, identifizierbare menschen mit geschichten, berufen, menschen, die ich mag und in grenzen kennenlerne über die socials, vor allem ist die zusammenstellung meiner timeline selbstgemacht, und kein ergebnis von cookies. das geht auf youtube nicht so gut, da gibt es ja immer einen stream, auch wenn man keinem folgt.

ich spüre trotzdem nach wie vor einen überdruss an all den nachrichten und meinungen auf twitter, das gibt mir eine grundunruhe, die ich früher nicht hatte, obwohl ich da nicht weniger informiert oder interessiert war. die art der kommunikation ist entscheidend, das dauernde tröpfeln von schlechten nachrichten und hinweisen auf die böse welt hinterlässt spuren, unter anderem ein gefühl der hilfslosigkeit und des ausgeliefertseins, und leute, die andauernd probleme erwähnen, gehen mir im wirklichen leben total auf den keks, ich nenne sie übelgrübels, keine ahnung, warum ich sie im netz leichter ertrage, wahrscheinlich, weil es (meistens) beruf für sie ist, nicht freizeit wie für mich. ich lese sie ja freiwillig, und werde nicht als zufälliges opfer von ihnen auf einer party festgequatscht, inclusive schlechtes gewissen. gegen all das übel tue ich nicht mehr als in den zeiten vor dem netz, bisschen spenden, wählen, gelegentlich diskutieren und demonstrieren. also nutze ich meine geräte tagsüber nicht mehr für social media, lese morgens im netz zeitung und …

wieder mehr literatur, könnte eigentlich mal wieder den plan aufnehmen, alle nobelpreisträger zu lesen, die ersten 5 oder so hab ich schon, aber die bücher sind nicht herauszulösen aus ihrer entstehungszeit, die autoren längst vergessen, mit ein paar ausnahmen, gleich der zweite nobelpreis wurde an th. mommsen verliehen, dessen römische geschichte ein wahrhaft zeitloses meisterwerk ist, nützlich fast wie am ersten tag.

heute gebe ich diese facharbeit ab, nachdem ich mir einen schlussatz ausgedacht habe. freu mich drauf, ich leide ein bisschen an der zähen gebundenheit an meine situation als jobsuchende risikopatientin bei corona, da ist jede aktivität gold wert.

(das gedicht oben drüber sollte kleiner, rechtsbündig, ein vers pro zeile gesetzt sein, wie son gedicht halt aussieht. nach halber stunde aufgegeben. wordpress, your blocksystem sucks.)

4 Gedanken zu „17. september 2020“

  1. Das mußte Tante G. mir erst übersetzen, ich kann ja grad nur 2 Sprachen, unelegant, aber man kann ja was draus machen:

    eine brise stupst die vase
    daß sie schier zerspringen tut
    blumenwasser trifft die nase
    unten liegt der eisenhut.

    Männer machen den Morgen heller? Ich dachte da sofort an Leuchtfarbe, zumindest im Bart, und schon wirds albern. Nobelpreis für mich nicht wichtig, aber was hab ich da schon gelesen? 3 Bücher von Grass, 2 von Thomas Mann, Hesse 2, Russell 1, Steinbeck Sartre Solschenizyn Böll 1, Marquez 2, Lessing 3, Handke 2, huch, was war da los? Aber das war noch alles in den 20ern, als ich noch Zeit hatte und wenig Verstand.

    1. perfekt. gewinnt viel! es war ein lied, jetzt ist es ein cartoon und lebt ewig. leuchtfarbe ist ein sehr guter vorschlag, und wenn der typ dann wegläuft, war es eh kein guter!
      nee, die nobelpreise an sich interessieren mich auch nicht, aber ich hab interesse an solchen kriterienlisten für die auswahl an lektüre, und man erfährt was über die zeit, die verhältnisse, die moden, die grenzen, das gefiel mir, aber dann waren die texte so unlesbar teilweise. ich poste mal was, wenn mir sonst nichts einfällt. deine liste enthält die noch gängigen, das ist als backbone genügend, deine federn sind ja eh die scifi- und anderen lustigen autoren!
      eigentlich suche ich auch nach dem perfekten roman.

      1. Ich war selbst erstaunt, wieviel davon ich damals so weggelesen hab. Dieser Drang, sich mit andererleuts Kanon zu vergleichen, jedesmal bei „Die 100 besten X“ abzustreichen, was ich selbst davon kenne: einerseits viel, wie hier, andererseits immer viel weniger als die anderen, und wiederum stets „das gute Gefühl, Sachen zu kennen, die außer mir kaum noch wer kennt“. Distinktionsgewinnabschöpfung.

        Achja, der Perfekte Roman. Ein guter Hinweis ist die Zerlesenheit der Exemplare im Regal: mein „Kühe in Halbtrauer“ (Geschichten) zerfällt in Einzelblätter, der Herr der Ringe ist besser gebunden, aber das Cover abgefallen. „Der Willy ist weg“ finde ich ja schon sehr perfekt, wäre dem üblichen deutschen Feuilleton wohl aber zuwenig ernsthaft. Dorothy Sayers ist sehr perfekt, in meinem Lesekosmos. „Tschick“ wird ja grad jubiläumsgefeiert, habs aber nur einmal gelesen. Möglicherweise scheitert die große Menge der Romane daran, daß sie mich thematisch nicht sonderlich interessieren, und sprachlich reißt es dann auch keiner.

        1. bisschen distinktionsgewinn schadet ja nicht, man nimmt halt alles, was man kriegen kann. zerlesenheit ist gut, auch wenn es einfach ein hinweis auf ein wirklich altes billig gedrucktes buch sein kann. lieblingsbücher habe ich sehr, sehr wenige, und ich bezweifle eher, dass mir die auswahl zur distinktion gereicht. paar klassiker sind dabei, immerhin. aber nur eine handvoll haben mich beeindruckt, und leider hat der eindruck nicht immer gehalten, wie beim gott der kleinen dinge zb. motherless brooklyn ist unter den ersten fünf, die grasharfe, 2666, wilde schafsjagd, das fünfte fällt mir nicht ein. tolkien ist schon eher guilty pleasure, obwohl ich ihn jahrelang jährlich gelesen habe. tschick mochte ich, fand es aber zu gewollt, habs auch nur einmal gelesen, immerhin bei der buchvorstellung damals im roten salon dem großen eine signierte ausgabe geholt. der willy ist sehr wenig ernsthaft, was ich mag, aber mir ein bisschen zu lustig, da wird so eine geschichte erzählt, bei der man angeschickert dabeigewesen sein muss. und ich mag ziegelstein-bücher, also die nicht kürzbaren, wie musil, pynchon, gass (nicht grass), d’arrigo, jahnn (obwohl ich den wohl nicht nochmal lesen könnte), bachmann, die interessanterweise wenig miteinander gemein haben. scifi les ich gern, gehört aber nicht zu den lieblingen.

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