tauben, balkon, katze

ich hab ja auf meinem hinteren balkon immer tauben, die bauen da manchmal ein nest, gurren frühmorgends, hinterlassen spuren jeder art und tun so, als wär das ihr balkon. wenn ich es mitbekomme klopfe ich ans fenster, dann flattern sie aufgeschreckt davon und sind ein paar minuten später wieder da, sobald ich weg bin. das nest und die küken lasse ich dann ungestört, vermisse aber den balkon in der zeit. heute hat mir jemand empfohlen, doch ein paar katzenhaare hinzulegen, sie können das wohl erkennen und sind dann weg – fand ich gut, die kollegin wollte morgen ein paar haarbüschel mitbringen. jetzt kam ich heut nachhause, und im hausflur liegt die katze, die gelegentlich hier in der nachbarschaft von eingang zu eingang tingelt, sie kommt näher und schmiegt sich an mein bein – und flutscht durch die tür, sobald sie offen ist, ich habe einmal den fehler gemacht, ihr zu fressen zu geben, das prägt sich wohl ein – aber ich habe allergiker in der familie und bin eher hundemensch, habe also nie näheren kontakt versucht, obwohl für katzen „füttern“ vermutlich nah genug ist. und jetzt kommt der stadtmensch, der in der natur wenig bewandert ist: ich kann ja die komplette katze kurz auf den balkon lassen, dachte ich, das merken die tauben bestimmt auch. balkon war leer, also hab ich die tür geöffnet, die katze ist sofort rausgeswitcht, verschwindet dann aber ebenso sofort unter der palette, die ich da liegen habe, mit großem kissen rauf, für sommerliche abende. etwa 1 sekunde später kommen dort zwei tauben hervor, in panik flatternd, eine schafft es glaube ich über die balkonmauer, die andere verheddert sich erst im rad, dass dort geparkt steht, kugelt dann ins zimmer und dort unters sofa, dann kurz vor der katze unters bett, ich schreiend daneben, die katze hinterher – dann ruhe, nichts mehr zu hören. ich gehe ums bett herum und schaue drunter – da liegt die taube, tot, sie hat es noch fast bis auf die andere bettseite geschafft. es gibt zwar blutflecken im zimmer, aber ich befürchte, die taube hatte einen herzstillstand vor schock, es hat alles nur unter 5 sekunden gedauert. die blutspur interessierte die katze dann schon nicht mehr, sie sauste wieder unter die palette, wo ich sie mit einigem theater hervorlocken konnte. nach vollbrachter tat liess sie sich zur haustür treiben und verschwand dann wieder im treppenhaus, während ich eine tote taube und etliche blutspuren beseitigen musste. sehr, sehr unangenehme erfahrung, für die taube wars natürlich definitiv noch schlimmer. gelesen, das tauben sich lebenslang verpaaren, jetzt bin ich noch deprimierter. unter der palette war alles voller flaum und federn, aber da habe ich noch nie drunter gesehen! die lebten da im geheimen bestimmt schon länger. fassungslos, dass das genau heute passiert. ich weiß, warum ich keine katzen mag.

heute früh war (vermutlich) die andere taube schon wieder auf dem balkon. habe gegen das fenster geklopft, sie ist weggeflogen.

heute dann erfahren, dass tauben sich tot stellen können – beim nachhausekommen extra noch in der mülltonne nachgesehen, aber sie war geleert worden heute. rundum ungute geschichte ist das. heut abend kam die andere taube nochmal auf den balkon, guckte sich um für paar minuten, flog wieder weg.

junge taube auf einer balkonbrüstung, durch ein fenster gesehen

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spuren

mich beschäftigt der beleg für die mitgliedschaft meines großvaters schon. 1939 wird er mitbekommen haben, was war, er wollte als junger, frisch promovierter mensch vielleicht alles tun, um seine karriere zu erleichtern, aber das ist kein guter grund, hätte die promotion nicht genügt? es ist 1939 unwahrscheinlich, dass er gar nichts gewusst hat, es gab antisemitismus und unterdrückung, nur noch eine einzige partei, deutschland war ein totalitäres und gewalttätiges regime in einer zeit, in der es überall, zuhause und in schulen, viel gewalt gab. er konnte trotzdem nicht wissen, was alles noch kommt, wie schlimm es werden würde. muss mal nachlesen, ab wann man als intelligenter, gebildeter mensch bescheid wissen musste, was alles bekannt war. der eintritt einen tag nach dem überfall auf polen ist ebenfalls interessant. 

es ist wie es ist.

die vielen familiengeschichten in den kommentaren sind auch sehr lesenswert, immer mit dem gedanken an die geschichten der ermordeten und vertriebenen, die nicht mehr erzählt werden können, weil niemand übrig geblieben ist. 

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kw fast rum

ich kann gar nicht entscheiden, ob ich dieses jahr zu weihnachten stress haben werde oder nicht, aber sagen wir mal, es würde mich überraschen, ich mach das ja nun schon eine weile alleine. zuviele geschenke, immerhin diesmal auch eine kleinigkeit für mich, mit einer grandezza gekauft, die ich schauspielern musste, sehr stranges und gutes gefühl, dabei immer die hausfrauenstimme, die bist du irre? du bist irre sagte. das war sehr lustig. noch kein baum im haus, heut keine zeit, da mit freundin nachmittags in die philarmonie. ganz gut gefüllt, es gab chormusik, am schönsten das letzte, ein federleichtes, fein und einen tick zu glatt durchharmoniertes te deum von charpentier, es hat uns mit einem alles-wird-gut-gefühl in den frühen abend entlassen. am liebsten mochten wir die paukistin, sie wirkte sehr gut gelaunt. dies jahr kein wo gehört, dafür die matthäuspassion, immerhin, immerhin. mir vorgenommen, endlich mit brahms anzufangen, weil ihn jemand auf bluesky jeden morgen spielt. herreweghe ist eine gute brücke, da ist der weg nicht allzu weit.

kann mich nicht erinnern, jemals nach einem besuch in der philarmonie nicht viel mehr klassik hören gewollt zu haben, genau, die gute absicht verläuft sich schon im satzbau.

neulich auf einem 60. gewesen, mehr frauen als männer zu gast, zwei in der runde hatten in der letzten woche jemanden beerdigt, und ich bin nur nicht hingegangen, auf die beerdigung, sonst wären wir zu dritt gewesen. wir reden über erd-vs feuerbestattungen, was uns lieber wäre, und wie man ev eine urne entführen kann, wenn man sie lieber im eigenen garten hätte. wir reden über unsere großen kinder, die jobs, unser alter, wir sehen alle jünger aus, noch ein weile, noch dieses jahr, vielleicht das nächste.

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