Die grüne Frau

David hat seit ein paar Jahren wiederkehrende Alpträume aufgrund eines TV-Films, den die Kinder eigentlich gar nicht hätten gucken dürfen. Er lief wohl auf Nick oder RTL+, am spätnachmittag, wahrscheinlich am 9.7.2006, dem Tag des Finales, das wir im Nachtzug verbracht haben, was ich tatsächlich immernoch bereue.
Er hat ihn nicht fertig gesehen, weil wir los mussten – ich denke, wenn er ihn als 8-jähriger nochmal in Begleitung sehen kann, dann vergeht die Angst vor der „grünen Frau“. Hat irgendwer in seinem Kontingent für unnützes Wissen vielleicht diesen Film gespeichert und kann mir einen Titel verraten? Es kann auch eine Episode einer Serie gewesen sein, aber kein Animationsfilm. Oder gibt es ein TV-Programmarchiv, das bis 2006 reicht?

David hat den Film (ein Jahr später, mit 6 Jahren, es ist eine hartnäckige Angst. Vielleicht sollte man sie ihm lassen lieber?) so erzählt:

Es gibt ein Mädchen und einen Jungen mit Superhirn, und das Mädchen macht ein Experiment. Dann fällt ein anderes Mädchen in das Experiment rein, und geht dann auf die Mädchentoilette.
Dann war sie so grün am Arm, aber sie hat das nicht bemerkt, sie hat das erst bemerkt, als sie aus dem Bad rausgekommen ist.
Dann wollte sie in die Klasse, dann war sie am Auge grün, aber sie ist vorher noch in die Kammer von der Schule gegangen, und danach wurde sie komplett grün, alles wurde grün, sie hatte SO lange Fingernägel, die Haare waren grün, die Augen auch.
Dann kam ein Mädchen, das war normal, das wollte auch in die Kammer, dann hat sie das grüne Mädchen gesehen und hat es fotografiert, dann ist sie in die Klasse gerannt und hat das Foto allen gezeigt, dann hat der Lehrer eine grüne Grütze gesehen und hat die Alarmklingel geläutet und alle sind rausgerannt.
Dann war das grüne Mädchen in der Nähe von einer Hütte, einer Hundehütte, dann wollte ein Kind, das war 18 oder 12 oder so, das wollte den Hund beruhigen, dann hat das grüne Mädchen den Jungen hinter sich hergezogen, unter einen Baum, dann ist der Junge freigekommen, dann hat das grüne Mädchen telefoniert und hat in der grüne-Frau-Sprache geredet.
Und dann ist der normale Mensch wieder freigekommen und hatte eine grüne Spur am Arm und ist zu seinen Kameraden gegangen und hat es ihnen erzählt.
Dann haben wir den Film ausgemacht und sind nach Italien gefahren.

davidzwilling

davidzwilling hat wieder gebrüllt. diesmal hat er mit kleinem lego ein raumschiff bauen wollen, welches aus physikalischen motiven, also absolut in stein und zeit gemeisselten unveränderbaren kausalitäten, nicht so halten konnte, wie er es bauen wollte. es fiel auseinander, notgedrungen, immer und immer wieder, das kind unerreichbar in seiner entschlossenheit, das es trotzdem halten soll. „soll ich dir helfen?“ „nein! geh weg!“ das ist derselbe zwillling, der ab und zu weint, weil er nicht sterben will, niemals. ich habe seine wut als eine art stellvertreterwut begriffen, auf die dinge, die er nicht ändern kann. ich finde die wut richtig. ich hätte wahnsinnig gerne mitgebrüllt, wegen dem leben, aber ich habe mich nicht getraut.

während der davidzwilling drüben brüllt, sehr sehr laut und in etwa wie angestochen, weil sein legodingens entzwei gegangen ist, und weiterbrüllt, wenn man ihm helfen will, seine brüder anbrüllt, dann geh ich einfach weg, schreib ein pastawartezeitposting, und lasse ihn brüllen, weil mir einfällt, dass er sehr aufgeregt war vorm hockey heute, und das hockey ist jetzt vorbei, und alle haben ihn wiedererkannt und wussten seinen namen noch, und er hat bis zuletzt beim aufräumen geholfen, und ist wie eine kleine flummikugel durch die halle geschossen, von innen bestrahlt wie ein früher weihnachtsbaum, da muss man vielleicht ein weilchen brüllen erstmal.

neues schuljahr 2008/9

heute bisschen wie: kampfbereit sein, die konzentration vor dem start, auch wenn die basis arg mürbe ist in diesem jahr. ab morgen haben dann OMG alle kinder ein instrument und einen sportverein an der backe, endlich, nach tw jahrelangem warten auf wartelisten, die warteliste im kinderbereich ist ein tanz auf dem möbiusband hier im viertel, kein ende in sicht. also: klavier immerhin schon seit 3 jahren bei davidzwilling, unglaublich, war mir gar nicht aufgefallen, gregorzwilling möchte klarinette lernen, was ich so rätselhaft wie großartig finde, aber er muss noch auf seine neuen zähne warten und darf bis dahin schlagzeugen, elias wird rockstar mit e-gitarre, sowieso. beim flauen gefühl ob dem hol+bringescheiss, der mich erwartet, dann der trost: nur noch zweidrei jahre, dann gehen die alleine alle, und ich wunder mich. diese chauffeur-zeiten sind nämlich auch immer sehr schöne momente, in denen es eine 1 zu1- beziehung zwischen den kindern und mir gibt, sonst ist es immer 1 zu 3, das ist vor allem ein geschenk, gell? jupp.

beim sport beherbergt uns SG rotation, das ist ein schöner antigentrifizierungsname, sag ich mir immer, wenn ich die jungs mit meinem schwarzen gentrimobil (ⓒ bov, oder? gibts das als aufkleber?) zum hockey oder fussball kutschiere, wir sind ja immer alles gleichzeitg, dagegen und drin, und ohne auto schaff ich den zeitplan nicht immer, 16:15 klavier für den einen zwilling, und dann 16:30 fussball für den anderen, dann zurück, klavierkind abholen, dann eis essen, dann den fussballer abholen, mit dem fahrrad, weil dann zeit da ist, und hoffen, dass der große nicht nur age of empires spielt in der zeit. alles in allem wäre nur beamen eine hilfe.

(ich tu das für mich grade, karten auf den tisch, neue ordner, wo sind die jungs jetzt, wo wollen sie hin in diesem jahr, wo sind lücken, was kann wegfallen, wenn es zu viel wird, wie anstrengend wird die vierte klasse, die zweite bei den zwillingen ist ja nicht so wild, aber der große wird arbeiten müssen dieses jahr, was ich mir alles vornehme, die taschen aufräumen, jeden tag die aufgaben checken, den tag durchsprechen, die freundschaften der kinder fördern und das netz pflegen, für reichlich freie langeweile- und spielzeit sorgen bei den jungs, die rituale schön laufen lassen, c’mon, kein wunder, dass ich gestresst bin. jetzt werde ich duschen, dann einen fetten cheeseburger essen gehen, dann pediküre, heute nur noch äh, namen vergessen, ja: hedonismus)