kw 3

die hochhaustürme im ernst-thälmann-park und die plattenbauten in den randlagen des bezirks haben eine beruhigende wirkung auf mich, ich war da seit emmas tod nur noch ein oder zweimal, statt täglich, und es fehlt mir etwas, als ausrichtung meines stadtgefühls, aber warum? weil ein unterschied erkennbar wird zu den durchsanierten vierteln, in denen ich ja sehr gern lebe, ohne ganz dazuzugehören, wie ich mir einbilde, weil die soziale differenz nicht wegsaniert worden ist. mir fehlt das alte berlin mit all seinen gegensätzen immer noch, oder nein: als die gegensätze nicht hauptsächlich finanziell waren, sondern sich ganz selbstverständlich zeigten als unterschiedliche stile, schulen, kunstformen, geschmäcker, altersklassen, was auch immer. ich hoffe, es liegt nur an meinem alter, dass ich die ganzen nuancen nicht mehr wahrnehme.

ist aber auch die lebensphase, wo das gespräch oft aus heiterem himmel aufs thema alterssicherung kommt, was planst du, wird es gehen? in meiner generation erzählen dann grad die freiberufler nicht von reiseplänen, dochnoch gitarre, endlich französisch oder ähnlichem, sondern sagen nichts mehr nach ein paar zynischen worten.

jedenfalls. mal wieder vorgenommen, häufiger zu kochen, was ich kaum noch tue, seit die jungs ausgezogen sind. ich nehme gefühlt zu, wann immer ich abends was esse, aber das kann ich ja ignorieren, oder ich könnte mein asia-gemüse-repertoire mal reanimieren. schon vorgenommen, mit den nachbarn zu essen, dann lohnt sich auch mal wieder ne lasagna. lasagna-kilos sind goldene kilos. grade selber mit einem husten beschäftigt, also die erste hühnersuppe des jahres, mal nach einem empfohlenen rezept von herrn droste selig, mit ingwer, curry und honig. mal schauen, vor parmesan mache ich aber halt.

habe auf ebay einen alten edlen norwegerpulli erstanden, wohl aus den neunzigern, für wenig geld, und er fühlt sich an wie eine ganze behausung, warm und leicht. er riecht nicht, hauptgrund gegen den erwerb gebrauchter kleidung, ein zweiter, für noch weniger gekaufter, roch bisschen, also nur einen tick, nach alten leuten, den hab ich gründlich gewaschen, jetzt ist er wie neu. tragen das auch die menschen in norwegen und island? oder sind die da total untragbar, wie etwa ein fransenhemd oder ein, … – mir fallen keine untragbaren klamotten ein, halt, eher: werden sie dort nur in einem definierten kontext getragen, wie eine lederhose oder ein dirndl? der große hat auch so einen zum geburtstag bekommen, allerdings neu, und trägt ihn sehr gern.

inzwischen kann die kälte gerne länger dauern, ich mag es auch, wenn ich so verschwinden kann in winterkleidung, meine italienische jugend ist einfach sehr lange her. berlin ist ja leider immer einen tick zu warm und zu belebt für richtig guten schnee, er taut, gefriert wieder, man rutscht, es wird alles ein schmutzig graues elend.

falls ihr gesund seid, geht bitte auch dieses we auf eine demo gegen rechts, schon zur selbsttherapie, soviele menschen sind da unterwegs, alle altersklassen, von schüler*in bis rentner*in, ich hab da so ein wir-gefühl bekommen, wie sehr lange nicht mehr, wir haben etwas zu sagen, und es spielt eine rolle, was wir zu sagen haben. inzwischen habe ich sogar den eindruck, dass die demos etwas bewirken, anders als noch letzte woche, einfach weil es so viele sind, überall, andauernd. sie sind hilfreich bei der selbstvergewisserung als mehrheit. ich weiß nicht, ob sie jemanden vom wählen der afd abhalten, vermutlich nicht, aber es gilt weiterhin: keinen fußbreit den faschisten und nazis.

partner in spe

wir sollen schön sein, und jung, zumindest jünger, mit glattem hals und feinen gelenken, unser hintern soll sich sehen lassen können, das haar soll schwingen oder einen sitz haben, der von heute ist und den sie ebensogut schon mal in einer zeitung gesehen haben könnten, die männer, die uns suchen. die jahre soll man uns nicht ansehen, oder nur im charmanten detail, paar lachfalten gehen immer, wir sollen zwingend schlank sein, nicht „normal“, nein, schlank, und uns weiblich kleiden, gerne, also freiwillig, wann immer wir können, und bitte nicht im langen wollkleid! denn dann müssen sie nicht nachdenken, dann sehen sie das, was sie schon immer im kopf hatten, die frau, die all diese traumbilder und wünsche und filmrollen verkörpern tut, ohne es zu merken, die frau, mit der sie sich gerne zeigen, die in ihren freundeskreis passt, um die sie beneidet werden, die sie beschützen können und ein bisschen betüddeln, obwohl sie eigentlich überhaupt nichts braucht, weil sie total unabhängig ist, vor allem finanziell, die sich und ihnen keine blösse gibt, die frau, die sie nicht wieder verlassen wird, mit der alles auf neu sein kann. und weil die suche eine weile dauert und doch nicht so leicht von der hand geht, suchen sie auch in sexportalen, nach sex ohne bedingungen und ohne folgen, nur fürs vergnügen, dort schreiben sie ihre wünsche auf, detailliert teilweise, und müssen überhaupt nicht mehr romantisch klingen, und da ist es plötzlich völlig egal, wie die frau aussieht, aussehen nebensächlich, figur nicht so wichtig, du kannst gern etwas älter sein, dicke willkommen, hauptsache es kommt zur sache.

ja, das hat mich gewundert, weil ich auch auf dem partnerbörsenparkett immer dachte, die männer wollen für den sex eine schönejungeschlanke frau haben, dabei ist es ihnen für den sex gar nicht so wichtig, wie schönjungschlank wir sind. da ist es ziemlich egal. da müssen wir nur da sein, und dann sieht man weiter. aber als partnerin reicht guter sex nicht, er ist vielleicht nicht einmal so wichtig, oder wichtig, aber nicht alles. da geht es auch um den status, also um projektion, zumindest bei der suche, da geht es um viel mehr, um das große ganze, um ihr bild auf der großen bühne, und die liebe ist bestimmt auch willkommen, wenn sie dabei ist, aber für die liebe müssen wir erst durchs nadelöhr passen.

(das positive daran, wenn es denn so ist, vielleicht irre ich mich ja kolossal und hab wieder nur vorurteile, und kann nur einem schönen runden gedanken nicht widerstehen, aber wenn da was dran ist, dann könnte ich, wenn mir diese art kontakt belieben würde, wahrscheinlich sex bis ins hohe alter haben, solange es dabei bleibt. das würde mich beruhigen und den zeitdruck nehmen, weil ich irgendwann bestimmt mal wieder sex möchte)

6. dezember 2020

es ist von außen alles so ähnlich wie immer, die nicolaus-rituale bekommen einen angenehm albernen beigeschmack, sie halten das aus, und die schokolade wird gegessen, trotzdem bin ich viel tiefer als sonst um diese zeit in mir drin, durch das jahr zurückgeworfen und festgehalten an einem punkt, der das nicht verträgt, der erledigt gehört, weil niemand auf mich wartet. in nicht-corona-jahren passiert halt immer irgendwas, ich bleibe in bewegung, werde weiter gezogen, mitgenommen, bleibe im spiel, es ist eine aufgabe, die ich allein nicht gut kann, die mir zuwiderläuft. und eigentlich muss niemand alles können, die fehler beheben, alle lücken schließen, aber es ist natürlich sonst keiner da, und das leben findet einen weg und fordert seinen tribut.

das leben vor der wurst

ich esse sehr gerne fleisch, ich mag den geschmack, das ritual beim zubereiten und essen, die weihnachtsgans, das osterlamm, die steaks an sommerabenden, lasagne und ragù und königsberger klopse, die salamis auf den ausflügen. in den letzten jahren habe ich nur noch bio-fleisch gegessen, mit engeren finanzen verschob sich das wieder, weihnachten gab es dithmarscher gänse, die sind nicht bio, der züchter ist aber vertrauenserweckend und die gans kostet statt 150€ nur 70€.

beim aufschnitt hatte ich eine art passendes und bequemes blackout, habe entweder von der theke oder dem regal abgepacktes in massen gekauft, weil der umsatz hier sehr hoch ist. vor ein paar wochen hat die nachrichtenlage um tönnies mir das thema aufgezwungen, und meine söhne liegen mir eh schon länger in den ohren. es sind nicht nur die absoluten pfenniganbieter, die da herstellen lassen, es ist eine große gruppe von produkten, die aus solchen schlachthöfen stammt. vielleicht, hoffe ich, sparen die züchter beim schlachten, um mehr geld für die haltung übrig zu haben? das kann jemand herausfinden, der geld für die recherche bekommt, ich glaube aber eher nicht.

nach der letzten niederlage des mitgefühls vorm gesetzgeber kann ich das nicht mehr, ich kann das zeug nicht mehr essen, das von leuten wie tönnies hergestellt wird, einer firma, die nicht nur dem tierwohl nicht die mindeste beachtung schenkt, sondern auch die mitarbeiter ausbeutet und entrechtet. menschen wie tönnies sind herzlose gewissensfreie großkapitalisten (die erste wortwahl habe ich gelöscht, aber nur aus juristischen gründen), denen ich keinen cent überlassen will, damit sie ihre unethischen geschäfte weitertreiben. der gedanke an die menschen hinter den tieren hat mir sozusagen den rest gegeben, und die erkenntnis, dass es für die tiere noch ewig so weitergehen wird. es war ein twitterbild von einer sau in kastenhaltung, ab der sekunde war bei mir die wurst am ende. es war ab dann ganz leicht.

selbst die produkte mit abzeichen für tierwohl sind ja im wesentlichen billige kompromisse, ob es nun einen meter mehr oder weniger pro tier gibt, ist nur ein unterschied zwischen folter und quälerei, wobei halt, ein meter? ein meter wäre luxus und nicht zu bewerkstelligen, es geht zb bei tierwohl-klasse 2 um läppische 10% mehr als die gesetzlich vorgegebene mindestgröße, wobei ich keine ahnung habe, was mit der mindestanforderung „0,825m²“ gemeint sein könnte, pro schwein etwa? bei hühnern sind es unsagbare 53kg tier pro quadratmeter, das scheint mir quälerei, ohne further ado. bei rindern sollen in anderthalb quadratmeter raum im schnitt 150kg tier unterkommen, das geht eigentlich nur, wenn man die kuh faltet oder sonstwie umformt. tierwohl ist eine irreführender name, ein riesiger euphemismus, im grunde eine frechheit.

bei wurstwaren haben die hersteller bisher die kennzeichnung verweigert, und das heißt nicht, dass ihnen das tierwohl selbstverständlich ist und sie nur deshalb nix kennzeichnen, wie es zb das kindeswohl bei mir ist (darum schreib ich wenig über meine kinderhaltung, ich gehe davon aus, dass es selbstverständlich ist, nur das bestmögliche zu tun und dass die grenze, auch bei wenig geld, sich weit jenseits der grenzen der vernachlässigung befindet, wobei ich mit vernachlässigung die missachtung von grundbedürfnissen meine. mein kind trägt schuhe und wird bewegt, auch wenn es nicht tennis und nicht adidas yeezy boost sein müssen. bei der tierhaltung ist es selbstverständlich, nur das billigste zu tun, de facto bedeutet das, nur das überlebensnotwendige, weil ungenutzt sterbende tiere nicht rentabel sind, ohne weiteres kriterium, weil es den leuten nicht klar ist, dass tiere gefühle haben und leidensfähig sind und man demzufolge nicht ausschließen kann, dass sie eine seele haben, womit die praktizierte tierhaltung guten gewissens eine hölle genannt werden darf. living hell. ja sorry, ich reg mich grad auf. solche texte habe ich in der vergangenheit nie fertig gelesen, weil ich eben weiter fleisch essen wollte. das ist vorbei, ab jetzt lese ich sie nicht mehr, weil ich den kram ja nicht mehr esse, und es wie bisher nicht aushalte. harhar.)

es gibt also nur noch käse für die stullen. ich kann gar nicht fassen, dass es bei mir solang gedauert hat. man sollte diese mindestanforderungen graphisch darstellen und an jeder fleischtheke platzieren, aber nein, halt: jetzt gehört natürlich die unterbringung der milchkühe für die käseherstellung auch ins thema, vielleicht ist es bei denen noch schlimmer, weil die tiere da ja länger am leben bleiben. mindestens haltungsform premiumklasse, am liebsten wäre mir eine haltungsklasse „paradies“ oder so, wo die kühe, schafe und ziegen sich aussuchen könne, ob sie bleiben oder nicht.

aber wo finde ich das siegel auf den käsepackungen? es bleibt nur eine vegane ernährung, oder das bio-siegel, dass ich mir beim umsatz der jungs eigentlich nicht leisten kann. ich werde gemüse auf stullen propagieren, bis sich herausstellt, dass gemüse auch gefühle hat.

geburtstag, 17, geld

dem einen zwilling wollte ich zum geburtstag eine neue himitsu bako schenken, nachdem er seine alte zerschmissen hatte. das ist mir allerdings erst am tag davor eingefallen, also habe ich einen zirkusladen in charlottenburg gefunden, der noch eine im regal hatte, ein kleines unauffälliges regal in einem geschäft, das bis in den letzten zentimeter mit bunten, schwer verständlichen sachen gefüllt ist. der eigentümer hat ein paar tische auf die straße davor gestellt, da saß ein mann und hielt eine einzelne pfauenfeder in der hand, mit zwei fingern, als würde der zauber von selbst passieren.

die box hat nur 10 schritte und ist nur 4 sun (12cm) klein, aber ich wusste , dass ihn das freuen und überraschen würde, wo er doch seit monaten immer nur „ich weiß nicht, eigentlich gar nix“ sagt, wenn ich ihn nach wünschen befrage. mit 17 ist der lebensstrom wichtiger, die jahreszahl, nicht mehr so die rituale der eltern, sie haben alles wesentliche, ihr geschmack ist eine klare binäre sache, für grauzonen und kompromisse haben sie noch keine notwendigkeit, ihre bedürfnisse liegen nicht im dinglichen, außer bei kleidung. der andere zwilling wollte einen verstärker haben, ein guter wunsch. david hat also geld bekommen, in einer schönen kiste, ich glaube, es hat ihm gefallen, ich habe dieses kurze kleine strahlen gesehen beim auspacken, für das eltern ja alles tun würden. das mit dem geldgeschenk war auch der vorschlag von ihm, den ich dauernd überhört habe davor. gregor hat seinen schein (von der nonna gab es auch noch was) in einen kinoabend mit seiner freundin investiert, david denkt über ableton nach, hofft aber, dass ihm auch noch eine freundin dazwischenkommt.

jedenfalls hat mir der verkäufer erzählt, dass die alten meister dieser holzarbeit in japan keine nachfolger finden, es deswegen nachbauten in china gibt, die weniger gut sein sollen, und deutlich billiger, aber woran kann man sparen bei diesem handwerk? am holz vielleicht, und am lohn. man kann die urheberschaft außer am „made in japan“ manchmal an einem hanko erkennen, einer signatur in form eines zeichens oder eines namens, das sind aber keine sicheren verweise, weil auch schüler manchmal stempeln dürfen. ich weiß nicht, wie viele solcher arbeiten eine werkstatt schafft, mein lieblingsladen hat jeden monat so 6-8 neue dinge zum verkauf, nicht alles puzzleboxen, auch andere arbeiten. es muss andere verkäufer geben, der markt scheint relativ groß.

beim rumgucken habe ich ein stück mit einem kleinen koi auf der rückseite gekauft, dazu eher überflüssige behältnisse mit so einem schiebedeckel aus feinen streifen yosegi-holz. die verkauf ich wieder, glaube ich. 10 x 15 x 5cm. für zigaretten zu groß, ich rauche ja auch nur geschnorrte, für den täglichen gebrauch zu empfindlich, vermute ich. aber sehr hübsch.

kw 9 ende

versuche meinen twitterfeed hier einzubauen, aber es dauert, wie alles, länger, und es wird mich auch nicht klüger machen.

das internet ist fürs mittelmaß nicht geschaffen, die entspannte präsenz geht also nur bei genügend tragfähiger eigenliebe. das mittelmaß verteidigen, in einem roman. der ansporn-dorn in den flanken von sancho panzas gaul, aber so, dass statt unfreiwilliger komik hilflose schönheit entsteht.

gestern haben zwei schöne männer über die liebe gesungen, eine fee hat sich aus- und wieder angezogen, ich habe ommm gesagt, zu mir selber. nachher war es auch noch ein lauer abend. frühling. pah!

wildschweingulasch vom kleinen konsum in glashütte, ein kilo für 12 euro, schon der laden lohnt die anreise. sehr lecker, scharf anbraten, dann auf kleiner flamme oder im ofen für anderthalb stunden simmern lassen, da legt sich der hund direkt vor die küche und träumt. außerdem 500g selbstgemachte leberwurst gekauft, sie hat 5 tage gehalten, der geschmackskoeffizient gramm/tage, wobei 1= sofortweg ist.

wahnsinnig schwer grad, einen zeitpunkt fürs gemeinsame essen zu planen, sie sind alle viel unterwegs.

kw 29

freude über die tapeten an den wänden der motels bei supernatural, eins pro episode. ich will nicht wissen, warum ich mir das angucke.

am zeugnistag ruft der vater an und erkundigt sich. gespräche, bei denen die kinder fast nichts sagen, weil er die meiste zeit redet. „ja“, „nein“.

letzte gitarrenstunde. wird mir fehlen. die grundlagen reichen, um allein weiterzumachen, sonst war ja nichts, rien de rien.

lieder schreiben.

manhattan geguckt, über den letzen konflikt gefreut, bei dem gut und böse nicht zuzuordnen waren, der film hat sich auch nicht entscheiden müssen. sie haben diskutiert und nicht geschossen, eine wohltat, wobei dann am ende natürlich eine atombombe fällt und alle gesprächskultur ad absurdum führt.

die zigarette danach.

 

 

eins null

twoday

10 jahre hotelmama, wer hätte das gedacht. vielen dank fürs lesen und kommentieren und verlinken, für die freundschaft und für die drinks!

ein paar gute texte sind dabei, vielleicht kommen auch noch ein paar, ich bleib dran und mache einfach immer weiter. bloggen ist die perfekte form der öffentlicheit für solche wie mich.

kraftstoff

der zustand zwischen schockstarre und hamsterglück, wenn man mit supervollem einkaufswagen an der supermarktkasse steht. 3 teenagerjungs. sie wollen braten und bratensauce, steaks und steaksauce, sie wollen richtige lasagna mit ragù und bechamel, oder weißwürste, und nachtisch. danach torte. wenn sie nachmittags nach hause kommen, gibt es immer erstmal spiegeleier und speck, salamibrote und kekse, dazu ein paar kilo äpfel am tag, und ein pfund möhren, getunkt in knoblauchöl mit petersilie. wenn der kühlschrank bei schulschluss leer ist, machen sie auf dem absatz kehrt und kaufen sich erstmal schawarma oder falafel, und vielleicht noch einen hotdog für den weg. ich weiß nicht, wo das alles hingeht, der große ist hoffentlich ausgewachsen, die zwillis sind noch vor dem schub. ich kaufe ihnen kein buntes junkfood zum frühstück, von den normalen müslikram essen sie halt mehr, es gab cornflakes mal in kilopackungen! das war praktisch. und für das dünnste kind immer noch den sahneschwapp mit rein, wenn es nicht hinguckt, leckere weihenstephaner, in halbliterflaschen. sehr große goudastücke, die über nacht verschwinden, von den aus italien mitgebrachten leckeren salamis ist schon keine mehr da („die schmeckten komisch, aber ich hab sie dann trotzdem gegessen“ – trüffel-, steinpilz- und fenchelsalami. seufz), die paar kilo erdbeermarmelade vom sommer sind auch schon arg dezimiert, da bleibt nichtmal was zum verschenken übrig. das schulessen schmeckt ihnen nicht mehr, ich habe sie abgemeldet und überlege grad wieder, bentos mitzugeben, zu den schulbroten dazu, damit die organismen durch den tag kommen.

not quite

schwerer gefütterter schlafsofabezug, nur mit 600bpm geschleudert, trocknet in 4 stunden, andere wäsche in zweieinhalb, haut ist trocken wie ein altes pergament, der winter ist eine wüste hier in berlin, und wie jedes jahr ist er erst zuende, wenn man keine träne mehr weinen kann mitte april.

allererstes symptom des nahenden übergangs in die XXX* (nächste lebensphase) erlebt, erschrocken, es für eine hypo oder einen spontanen fieberanfall gehalten. eins nach dem anderen kommt dazu, eine lange kette voller steine, die wir frauen tragen müssen, als wären es perlen, wir haben keine wahl, als dabei heiter und souverän zu bleiben. männer: ihr wisst nichts, nichts. nichts.

dinnertime, und wenn das nervenkostüm mal nicht sitzt: pesto

*sorry. bin noch nicht so weit, dass ich das auch noch benennen will.

Unbenannt

in meiner stillen viertelstunde wildes gezappe durch die musik. nichts fittet, nichts kommt durch, alles bedeckt nur das notwendigste. keine große umarmung. eigentlich ist mir zumindest nach tango, irgendeiner kommunikationsform, die den körper einschliesst. bleibe ausgerechnet beim kölnkonzert hängen, das macht auf eine seltsam altmodische weise traurig, die ich dann erstmal nicht mehr weg kriege, muss lachen, weil ich herz voran ins sentimentale rutsche, mit einem affenzahn, die schnelligkeit von gedanken ist bisschen ennervierend. kurzurlaub an dem ort, den ich leid bin. dabei weiss ich immer noch nicht, was ich heute kochen soll und muss jetzt was blödes improvisieren. dann sport.

 

logistik. nächste woche würd ich zweimal theater wollen, einmal shakespeare-wilson-georgette, sollte man schon hingehen eigentlich, und einmal den ollen herrn jahnn in der volksbühne, der findet alle paar jahre eine seele, die ihn inszeniert, silvia rieger hat sogar den pastor ephraim magnus schon auf die bühne gebracht, ein stück mit liebe, inszest, religion und noch irgendwas, ja: und kannibalismus, übel expressionistisch. donnerstag und freitag. donnerstag hätt ich auch noch sport, aber ich habe nun so lange, jahrelang, keinen sport gemacht, da wird doch einmal mehr … die jungs wären dann zweimal hintereinander allein und werden theater hassen fernsehsüchtige monsterkinder, wenn sie groß sind.

samstag ist dann alles gut, da geh ich auf einen 50sten, bei einer fastbesten freundin, das ist kein wirkliches ausgehen, das ist eher ein hingehen. und am nächsten tag ist keine schule, ich kann vielleicht ein video aussuchen, äh mit tieren?

schweres leben in der großstadt.

ich könnte auch donnerstag zum sport und müsste mich dann am freitag nur zwischen den theatersachen entscheiden, die kommen da beide. den wilson streichen, der kommt bestimmt nochmal. der jahnn, der letzte ist 18 jahre her, das kann dauern. lieber wär mir die medea gewesen, wie sie ruft: „schlaf ist an dir in meiner gegenwart“, und jason wendet sich ab, der autor ist eh total vergessen, warum dann diese kleinen schlecht spielbaren sachen machen? es muss eine junge regisseurin sein, die ihn inszeniert. gibt es noch diese jugendlichen jahnn-phasen? sollte vielleicht doch lieber in den wilson gehen. andrerseits hängt das jahnn-ticket schon am kühlschrank.

totale müdigkeit, eine blitzgrippe, hoffe ich. heut früh, als ich noch wollte, in joggingschuhen bis zur ecke gerannt, dann hinsetzen gewollt und wieder umgekehrt, runkeeper zeigte mir 100m und 4 minuten. den tag über liegengeblieben. die kinder kommen immer mal wieder und gehen zum glück bald, ich bin das zentrum eines zentrifugalen tanzes mit drei halbherzigen tätern, alle aber sind schön und gut zu mir, einer hätte fast tee gekocht, wenn ihm nicht was dazwischengekommen wäre. eine neumodische erkrankungsform! sie heißt ebbe und betrifft alles über normalnull. jetzt ist der tag an seinem grund und ich bin plattgelegen und begreife nicht mehr, warum ich mir einen hund angeschafft habe.

navigation. kinder brauchen bücher, hefte, ordner, immer wieder andere als auf den abgearbeiteten listen, es gibt einen platten reifen und einen kaputten radhelm, die geldbörse verschwindet, der kakao fliegt auf den teppich, das falsche englischbuch wird geliefert, der dynamo vom dritten kind rutscht immer in den reifen, heute beim eisessen lauter liebe freundinnen und bekannte getroffen, es geht allen so, viel zu tun, berge hoch, wobei nein, es geht nur den müttern so, die anderen haben nur den job, das ist doch schon etwas vollkommen anderes. yes, vollkommen. ein hoch auf die mütter! gregor im eisladen: „mama, der milchshake kostet sehr viel, oder? 3,20, das will ich auch gar nicht, ich nehm‘ das normale eis“. vernünftiges kind, denke ich. die kinder brauchen 20 euro für die klassenkasse, 18 euro für die klassenkasse, 55 euro im monat zum essen, 30 und nochmal 30 euro zum schulessen (die kleinen essen wohl noch weniger), plus die ganzen schülerkarten für die öffentlichen. immer eher pleite nach den ferien, das ist aber im flow, denke ich, hoffe ich, und versuche aussenstände einzutreiben. der grosse verschreibt sich bei den hausaufgaben und kriegt einen wutanfall, zwilling zwei hat die klaviernoten verloren, zwilling eins will jetzt doch gitarre und nicht mehr flöte, der große hat sein handy bei der klavierlehrerin vergessen, zwilling 2 hat seine stiftetasche versaust und der große will sein lineal nicht verleihen, tut es dann aber doch, sobald ich mit zwilling 2 schimpfe, im auftrag der solidarietät. der vormittag im job war ähnlich chaotisch und erfolglos, die waschmaschine ist noch voll und der wäscheständer auch. ich bin erschossen und hab null lust, was zu kochen. abend für pasta pomodoro, mit den guten mutti-tomaten (heissen so. sind feine aus süditalien). ein bierchen zur inneren nivellierung dazu. und morgen? gehts weiter.