geburtstag, 17, geld

dem einen zwilling wollte ich zum geburtstag eine neue himitsu bako schenken, nachdem er seine alte zerschmissen hatte. das ist mir allerdings erst am tag davor eingefallen, also habe ich einen zirkusladen in charlottenburg gefunden, der noch eine im regal hatte, ein kleines unauffälliges regal in einem geschäft, das bis in den letzten zentimeter mit bunten, schwer verständlichen sachen gefüllt ist. der eigentümer hat ein paar tische auf die straße davor gestellt, da saß ein mann und hielt eine einzelne pfauenfeder in der hand, mit zwei fingern, als würde der zauber von selbst passieren.

die box hat nur 10 schritte und ist nur 4 sun (12cm) klein, aber ich wusste , dass ihn das freuen und überraschen würde, wo er doch seit monaten immer nur „ich weiß nicht, eigentlich gar nix“ sagt, wenn ich ihn nach wünschen befrage. mit 17 ist der lebensstrom wichtiger, die jahreszahl, nicht mehr so die rituale der eltern, sie haben alles wesentliche, ihr geschmack ist eine klare binäre sache, für grauzonen und kompromisse haben sie noch keine notwendigkeit, ihre bedürfnisse liegen nicht im dinglichen, außer bei kleidung. der andere zwilling wollte einen verstärker haben, ein guter wunsch. david hat also geld bekommen, in einer schönen kiste, ich glaube, es hat ihm gefallen, ich habe dieses kurze kleine strahlen gesehen beim auspacken, für das eltern ja alles tun würden. das mit dem geldgeschenk war auch der vorschlag von ihm, den ich dauernd überhört habe davor. gregor hat seinen schein (von der nonna gab es auch noch was) in einen kinoabend mit seiner freundin investiert, david denkt über ableton nach, hofft aber, dass ihm auch noch eine freundin dazwischenkommt.

jedenfalls hat mir der verkäufer erzählt, dass die alten meister dieser holzarbeit in japan keine nachfolger finden, es deswegen nachbauten in china gibt, die weniger gut sein sollen, und deutlich billiger, aber woran kann man sparen bei diesem handwerk? am holz vielleicht, und am lohn. man kann die urheberschaft außer am „made in japan“ manchmal an einem hanko erkennen, einer signatur in form eines zeichens oder eines namens, das sind aber keine sicheren verweise, weil auch schüler manchmal stempeln dürfen. ich weiß nicht, wie viele solcher arbeiten eine werkstatt schafft, mein lieblingsladen hat jeden monat so 6-8 neue dinge zum verkauf, nicht alles puzzleboxen, auch andere arbeiten. es muss andere verkäufer geben, der markt scheint relativ groß.

beim rumgucken habe ich ein stück mit einem kleinen koi auf der rückseite gekauft, dazu eher überflüssige behältnisse mit so einem schiebedeckel aus feinen streifen yosegi-holz. die verkauf ich wieder, glaube ich. 10 x 15 x 5cm. für zigaretten zu groß, ich rauche ja auch nur geschnorrte, für den täglichen gebrauch zu empfindlich, vermute ich. aber sehr hübsch.

kw 9 ende

versuche meinen twitterfeed hier einzubauen, aber es dauert, wie alles, länger, und es wird mich auch nicht klüger machen.

das internet ist fürs mittelmaß nicht geschaffen, die entspannte präsenz geht also nur bei genügend tragfähiger eigenliebe. das mittelmaß verteidigen, in einem roman. der ansporn-dorn in den flanken von sancho panzas gaul, aber so, dass statt unfreiwilliger komik hilflose schönheit entsteht.

gestern haben zwei schöne männer über die liebe gesungen, eine fee hat sich aus- und wieder angezogen, ich habe ommm gesagt, zu mir selber. nachher war es auch noch ein lauer abend. frühling. pah!

wildschweingulasch vom kleinen konsum in glashütte, ein kilo für 12 euro, schon der laden lohnt die anreise. sehr lecker, scharf anbraten, dann auf kleiner flamme oder im ofen für anderthalb stunden simmern lassen, da legt sich der hund direkt vor die küche und träumt. außerdem 500g selbstgemachte leberwurst gekauft, sie hat 5 tage gehalten, der geschmackskoeffizient gramm/tage, wobei 1= sofortweg ist.

wahnsinnig schwer grad, einen zeitpunkt fürs gemeinsame essen zu planen, sie sind alle viel unterwegs.

kw 29

freude über die tapeten an den wänden der motels bei supernatural, eins pro episode. ich will nicht wissen, warum ich mir das angucke.

am zeugnistag ruft der vater an und erkundigt sich. gespräche, bei denen die kinder fast nichts sagen, weil er die meiste zeit redet. „ja“, „nein“.

letzte gitarrenstunde. wird mir fehlen. die grundlagen reichen, um allein weiterzumachen, sonst war ja nichts, rien de rien.

lieder schreiben.

manhattan geguckt, über den letzen konflikt gefreut, bei dem gut und böse nicht zuzuordnen waren, der film hat sich auch nicht entscheiden müssen. sie haben diskutiert und nicht geschossen, eine wohltat, wobei dann am ende natürlich eine atombombe fällt und alle gesprächskultur ad absurdum führt.

die zigarette danach.

 

 

eins null

twoday

10 jahre hotelmama, wer hätte das gedacht. vielen dank fürs lesen und kommentieren und verlinken, für die freundschaft und für die drinks!

ein paar gute texte sind dabei, vielleicht kommen auch noch ein paar, ich bleib dran und mache einfach immer weiter. bloggen ist die perfekte form der öffentlicheit für solche wie mich.

kraftstoff

der zustand zwischen schockstarre und hamsterglück, wenn man mit supervollem einkaufswagen an der supermarktkasse steht. 3 teenagerjungs. sie wollen braten und bratensauce, steaks und steaksauce, sie wollen richtige lasagna mit ragù und bechamel, oder weißwürste, und nachtisch. danach torte. wenn sie nachmittags nach hause kommen, gibt es immer erstmal spiegeleier und speck, salamibrote und kekse, dazu ein paar kilo äpfel am tag, und ein pfund möhren, getunkt in knoblauchöl mit petersilie. wenn der kühlschrank bei schulschluss leer ist, machen sie auf dem absatz kehrt und kaufen sich erstmal schawarma oder falafel, und vielleicht noch einen hotdog für den weg. ich weiß nicht, wo das alles hingeht, der große ist hoffentlich ausgewachsen, die zwillis sind noch vor dem schub. ich kaufe ihnen kein buntes junkfood zum frühstück, von den normalen müslikram essen sie halt mehr, es gab cornflakes mal in kilopackungen! das war praktisch. und für das dünnste kind immer noch den sahneschwapp mit rein, wenn es nicht hinguckt, leckere weihenstephaner, in halbliterflaschen. sehr große goudastücke, die über nacht verschwinden, von den aus italien mitgebrachten leckeren salamis ist schon keine mehr da („die schmeckten komisch, aber ich hab sie dann trotzdem gegessen“ – trüffel-, steinpilz- und fenchelsalami. seufz), die paar kilo erdbeermarmelade vom sommer sind auch schon arg dezimiert, da bleibt nichtmal was zum verschenken übrig. das schulessen schmeckt ihnen nicht mehr, ich habe sie abgemeldet und überlege grad wieder, bentos mitzugeben, zu den schulbroten dazu, damit die organismen durch den tag kommen.

not quite

schwerer gefütterter schlafsofabezug, nur mit 600bpm geschleudert, trocknet in 4 stunden, andere wäsche in zweieinhalb, haut ist trocken wie ein altes pergament, der winter ist eine wüste hier in berlin, und wie jedes jahr ist er erst zuende, wenn man keine träne mehr weinen kann mitte april.

allererstes symptom des nahenden übergangs in die XXX* (nächste lebensphase) erlebt, erschrocken, es für eine hypo oder einen spontanen fieberanfall gehalten. eins nach dem anderen kommt dazu, eine lange kette voller steine, die wir frauen tragen müssen, als wären es perlen, wir haben keine wahl, als dabei heiter und souverän zu bleiben. männer: ihr wisst nichts, nichts. nichts.

dinnertime, und wenn das nervenkostüm mal nicht sitzt: pesto

*sorry. bin noch nicht so weit, dass ich das auch noch benennen will.

Unbenannt

in meiner stillen viertelstunde wildes gezappe durch die musik. nichts fittet, nichts kommt durch, alles bedeckt nur das notwendigste. keine große umarmung. eigentlich ist mir zumindest nach tango, irgendeiner kommunikationsform, die den körper einschliesst. bleibe ausgerechnet beim kölnkonzert hängen, das macht auf eine seltsam altmodische weise traurig, die ich dann erstmal nicht mehr weg kriege, muss lachen, weil ich herz voran ins sentimentale rutsche, mit einem affenzahn, die schnelligkeit von gedanken ist bisschen ennervierend. kurzurlaub an dem ort, den ich leid bin. dabei weiss ich immer noch nicht, was ich heute kochen soll und muss jetzt was blödes improvisieren. dann sport.

 

logistik. nächste woche würd ich zweimal theater wollen, einmal shakespeare-wilson-georgette, sollte man schon hingehen eigentlich, und einmal den ollen herrn jahnn in der volksbühne, der findet alle paar jahre eine seele, die ihn inszeniert, silvia rieger hat sogar den pastor ephraim magnus schon auf die bühne gebracht, ein stück mit liebe, inszest, religion und noch irgendwas, ja: und kannibalismus, übel expressionistisch. donnerstag und freitag. donnerstag hätt ich auch noch sport, aber ich habe nun so lange, jahrelang, keinen sport gemacht, da wird doch einmal mehr … die jungs wären dann zweimal hintereinander allein und werden theater hassen fernsehsüchtige monsterkinder, wenn sie groß sind.

samstag ist dann alles gut, da geh ich auf einen 50sten, bei einer fastbesten freundin, das ist kein wirkliches ausgehen, das ist eher ein hingehen. und am nächsten tag ist keine schule, ich kann vielleicht ein video aussuchen, äh mit tieren?

schweres leben in der großstadt.

ich könnte auch donnerstag zum sport und müsste mich dann am freitag nur zwischen den theatersachen entscheiden, die kommen da beide. den wilson streichen, der kommt bestimmt nochmal. der jahnn, der letzte ist 18 jahre her, das kann dauern. lieber wär mir die medea gewesen, wie sie ruft: „schlaf ist an dir in meiner gegenwart“, und jason wendet sich ab, der autor ist eh total vergessen, warum dann diese kleinen schlecht spielbaren sachen machen? es muss eine junge regisseurin sein, die ihn inszeniert. gibt es noch diese jugendlichen jahnn-phasen? sollte vielleicht doch lieber in den wilson gehen. andrerseits hängt das jahnn-ticket schon am kühlschrank.

totale müdigkeit, eine blitzgrippe, hoffe ich. heut früh, als ich noch wollte, in joggingschuhen bis zur ecke gerannt, dann hinsetzen gewollt und wieder umgekehrt, runkeeper zeigte mir 100m und 4 minuten. den tag über liegengeblieben. die kinder kommen immer mal wieder und gehen zum glück bald, ich bin das zentrum eines zentrifugalen tanzes mit drei halbherzigen tätern, alle aber sind schön und gut zu mir, einer hätte fast tee gekocht, wenn ihm nicht was dazwischengekommen wäre. eine neumodische erkrankungsform! sie heißt ebbe und betrifft alles über normalnull. jetzt ist der tag an seinem grund und ich bin plattgelegen und begreife nicht mehr, warum ich mir einen hund angeschafft habe.

navigation. kinder brauchen bücher, hefte, ordner, immer wieder andere als auf den abgearbeiteten listen, es gibt einen platten reifen und einen kaputten radhelm, die geldbörse verschwindet, der kakao fliegt auf den teppich, das falsche englischbuch wird geliefert, der dynamo vom dritten kind rutscht immer in den reifen, heute beim eisessen lauter liebe freundinnen und bekannte getroffen, es geht allen so, viel zu tun, berge hoch, wobei nein, es geht nur den müttern so, die anderen haben nur den job, das ist doch schon etwas vollkommen anderes. yes, vollkommen. ein hoch auf die mütter! gregor im eisladen: „mama, der milchshake kostet sehr viel, oder? 3,20, das will ich auch gar nicht, ich nehm‘ das normale eis“. vernünftiges kind, denke ich. die kinder brauchen 20 euro für die klassenkasse, 18 euro für die klassenkasse, 55 euro im monat zum essen, 30 und nochmal 30 euro zum schulessen (die kleinen essen wohl noch weniger), plus die ganzen schülerkarten für die öffentlichen. immer eher pleite nach den ferien, das ist aber im flow, denke ich, hoffe ich, und versuche aussenstände einzutreiben. der grosse verschreibt sich bei den hausaufgaben und kriegt einen wutanfall, zwilling zwei hat die klaviernoten verloren, zwilling eins will jetzt doch gitarre und nicht mehr flöte, der große hat sein handy bei der klavierlehrerin vergessen, zwilling 2 hat seine stiftetasche versaust und der große will sein lineal nicht verleihen, tut es dann aber doch, sobald ich mit zwilling 2 schimpfe, im auftrag der solidarietät. der vormittag im job war ähnlich chaotisch und erfolglos, die waschmaschine ist noch voll und der wäscheständer auch. ich bin erschossen und hab null lust, was zu kochen. abend für pasta pomodoro, mit den guten mutti-tomaten (heissen so. sind feine aus süditalien). ein bierchen zur inneren nivellierung dazu. und morgen? gehts weiter.

gut angezogene menschen in der tram morgens, die sehe ich ja sonst nie. männern im montgomery vertraue ich generell und sofort, ich würde mit ihnen mitgehen und dabei ein bisschen über dieses und jenes plaudern, sie sind nachdenklich und auf eine entspannte art altmodisch, es ist männerkleidung, nichts für jungs.

versuch, sich noch bei tageslicht zu betrinken, dabei vergessen, dass man abends ja noch verabredet ist, diffuse sehnsucht nach einem rausch. bisschen verweigerng von allem, verantwortung und pflege der inneren ordnung. der allgemeine mangel an begegnungen, gern mal wieder mit einem mann, der mich beeindrucken kann und will, durch taten und sätze und durch sein leben. je älter ich werde, desto lieber sind mir männer mit einem weg.

wie ich einer freundin im sommer das vom marbacher literaturarchiv erzählt habe, dass die mein weblog speichern, und sie als antwort erzählte, von ihr seien auch mal zwei emails aus einem belanglosen briefwechsel in einem archiv gelandet, mails mit einem autor, über den sie geforscht habe.

der höher werdende ablehnungsstapel bei bewerbungen, wie man den eigenen anspruch dann einfach abkapselt, wie einen kleinen abszess, wie der pragmatismus dröhnend und alles plattmachend einfach den kern vom ich nicht mehr berührt. ich kann morgends vollkommen frei und glücklich lesen, grade ein unveröffentlichtes buch einer freundin von mir, in einem dicken weißen aktenordner, saubere seiten, die niemand gelesen hat und die 80 jahre ihres lebens umfassen, frei und klug und vollkommen zeitlos schreibt sie über die männer ihres lebens, jeder satz direkt und gefüllt mit der welt und ihren feinen wahrnehmungen, keine ausrede, kein zweifel, kein gerede.

es ist nicht einfach, sich im mittelmass unwohl zu fühlen, so auf die dauer, von einem kompromiss zum nächsten schwankend, niemals herrin der materie, es wäre so leicht, einfach alles laufen zu lassen.

habe heute früh das vorhaben, wieder mehr glam zu tragen erstaunt aufgeben müssen: erst gute maniküre. dann feine strumpfhosen. der weg ist so so weit, aus dem alltag, in irgendwas selbstgesetztes, und sei es ein kleinfeiner anspruch, den sonst niemand bemerkt, aber es hat dann heut doch von selber angefangen, so beim laufen, mit dem einen kind, das jetzt grad wieder krank ist, zum kinderarzt, die beine geworfen, aus der hüfte, einen kleinen hüftschwung versucht, ohne hackenschuhe, einfach vorneweg zum üben, das körpersummen gleich wieder gehabt, die bewusste vereinnahmung der aussenflächen, in eine aussage hinein, in die selbstwahrnehmung, es muss nicht extravagant ein, nur gemeint und durchdacht, damit man nicht eine schicht lieblosigkeit und nonkuranz herumtragen muss (ich weiß noch, wie dunkel mir der osten vor maueröffnung vorkam, die leeren strassen abends, das unwarme gelbe licht, es sieht ja genauso aus heutzutage, nur voller, und der boden inziwschen eine tückische lückenpiste)