kw 3 2022

mir fallen immer wieder dinge ein, die ich bloggen könnte, aber ich vergesse sie wieder, weil mein alltag offline stattfindet. ich nutze das handy tagsüber fast nur für den diabetes, und abends, zuhause, ist es dann dunkel. da kommen dann dinge von draussen rein, wie filme oder mails, aber ich habe kein bedürfnis, etwas rauszuschicken. mein kopf wird gehalten von der dunkelheit, alles ist auf pause gestellt.

wie ich gestern meine superduper taschenlampe repariert habe, nachdem die batterien ausgelaufen waren.

schönen film gesehen, mit m., drive my car, von ryusuke hamaguchi. film über die kraft der kommunikation, des kontakts über sprache und nähe und zeit. wie das wichtige dabei sich mitteilt, weil wir menschen sind, egal, ob wir in zeichensprache oder japanisch, englisch oder koreanisch miteinander reden. in der nyt wird sehr schön aufgedröselt, was den zauber ausmacht, lest das aber lieber nach dem anschauen, es wird gespoilert. eine fahrt durch japan in einem wunderbaren roten saab aus den achtzigern glaub ich, den ich sofort auch haben wollte. ich hatte mal einen käfer cabrio aus den siebzigern, an den denke ich seitdem, obwohl er für gespräche fast zu laut war. nach einer stunde oder so ist der prolog vorbei, es laufen namen übers bild, ich war kurz traurig, dass der film schon wieder aufhört und hab mich gefreut, als er danach noch zwei stunden weiterging. er hätte gern noch paar stunden länger sein können. schaut ihn euch an.

die langsame und meinem urvertrauen widerstrebende realisierung, dass dem senat die gesundheit der kinder und erwachsenen in schule und kindergarten völlig egal ist. gestern gelesen, dass es für kontaktpersonen keine quarantäne mehr gibt, „um die gesundheitsämter zu entlasten“, damit „gute leute anderes tun können“, so im tagesspiegel. ich kann ja mal überlegen, ob ich auch anderes tun will, als unter diesen bedingungen zu arbeiten. pcr-tests soll es auch nicht mehr geben, wenn man sie nicht selber bezahlt, was empfehlenswert ist wg. möglicher spätschäden. call me naive, aber ich bin wirklich einigermassen erschüttert darüber. als nächstes sollen bestimmt symptomlose positive weiter arbeiten kommen.

corona warn app hat seit 31.12. dauernd rote kachel.

wenn mir heute noch wieder einfällt, was ich bloggen wollte, schreib ichs noch hin.

<3 bibs und abos

wollte gestern diesen text über den b***-redakteur im spiegel lesen, bin aber nicht über die paywall gekommen, die zahlung des probeabos ging auch nicht, also aufgegeben. dass diese zeitungen keine mikropayments hinkriegen! selbst die taz schafft das. diese angebote sind sowas von vorgestrig, ich möchte in spiegel, zeit und tagesspiegel herumschmökern, ohne mir 3 abos leisten zu müssen. mir fehlt eine plattform, die zugang zu allen für einen betrag unter meinetwegen 20€ anbietet, oder gibts das schon?* bis dahin lese ich eben nur die nyt (12€ mtl.) und die repubblica (6€ mtl.). ich lese sowieso nicht mehr so datumsgebunden, sondern nach anderen kriterien, bei der nyt zb über deren app zuerst die „most popular“-artikel, nach dem ersten bleibe ich vielleicht ein bisschen beim thema und klicke auf die vorgeschlagenen texte dazu, oder ich schaue auf die anderen tageshits, oder ich vertiefe ein thema und gucke bei science oder politics oder books, bis mir langweilig wird oder ich los muss. die titelseite habe ich bis dahin noch kein mal gesehen, schaue meistens irgendwann im lauf des tages mal drauf, aber das ist nicht zentral. niemand braucht online eine ganze tageszeitung, das ist bedauerlich, aber man könnte den leser ja auch leiten und ihm etwas anbieten, die vorteile beim netzlesen ausbauen, statt wie der olle august immer nur die ganze zeitungsrolle zu schwingen, alles oder nichts! nimm es oder lass es! das gibts vielleicht noch bei beziehungen, bei freundschaften ist es schon divers, die freundin fürs theater, den freund für die kunst, fürs spazierengehen, fürs reden über kinder, oder über bücher, oder. wobei halt, die nyt liebe ich wirklich wie keine sonst! das ist mehr beziehung als freundschaft. die lassen mich sein, und ich habe da auch noch ein extra abos für rezepte abgeschlossen, das rätsel-abo trau ich mir noch nicht zu, aber es ist alles bezahlbar und nachvollziehbar. ich glaube, die einzigen, die sich in deutschland für die vorlieben der leserin interessieren, sind die cookiehändler.

*edit: gibt es. der bibliotheken-zugang bietet viel mehr als erwartet, auch der spiegel-text ist über die genios-suchseite zu finden. mit dem pressreader, auch da kann man sich mit der berliner bibliothekskarte anmelden, gibt es zeitschriften und zeitungen aus der ganzen welt zu lesen. für 10€ im jahr. sehr tolles angebot.

eine freundin erzählte mir dann, dass man in berlin über die seite der öffentlichen (berliner) bibliotheken auch zugang zu einigen zeitschriften erhält, unter anderem dem spiegel. ich dachte prima, da wolltest du doch eh mal wieder hin, seit diesem offenen brief von einem haufen schriftsteller*innen, in dem zumindest missverständlich gegen bibliotheken gewettert wurde. stadtbibliothekskarte nicht mehr gefunden. online anmeldung versucht, das ging aber ohne die ausweisnummer nicht, ich solle zu meiner bibliothek gehen. googeln ergab, dass die längst geschlossen worden ist, genau wie die schöne kinderbibliothek hier in meinem kiez, bei der ich mit den jungs früher so oft war, es scheint, in berlin muss keiner gegen die bibliotheken argumentieren, die sterben auch von alleine aus. also habe ich heute eine hunderunde zur nächsten öffentlichen bib gemacht. sie hatten mich im rechner, weil ich ihnen seit anno tobak noch ein paar euro schuldig war, sonst wäre der account geschlossen worden, wie mir die mitarbeiterin sagte, und ich durfte mir eine neue karte in meiner lieblingsfarbe aussuchen, sehr erfreulich. eine schöne, große, luftige bibliothek, am wasserturmplatz, gehen sie da ruhig mal hin. sie haben auch ein blog. beim rundgang ein buch vom letzten jahr gefunden, von dem ich erstaunlicherweise nichts mitbekommen habe, obwohl es in meinem lieblingsverlag erschienen ist. gleich ausgeliehen, mit bisschen schlechtem gewissen, das ich ohne diese schräge fair-lesen-aktion nie gehabt hätte, weil bibliotheken eins der wichtigsten kulturellen angebote überhaupt sind, echt, was ist mit den leuten? aber ich hätte es eh nicht gekauft, es ist zu dick, ich hab keinen platz mehr für dicke bücher, und so wie ich es verstanden habe, sind die bibs keine konkurrenz zum privatkäufer, sondern teil des marktes. ich weiß nicht, ob dieses buch in der bibliothek außer mir noch andere leute vom kaufen abgehalten hat, es gibt leider keine tabelle mit vorherigen ausleihen mehr hinten drin, wie früher. ohne bibliothek hätte ich das buch wahrscheinlich nur an- und nicht richtig gelesen, mal schauen, ob ich ein buch mit leihfrist schneller lesen werde als die anderen drei auf dem nachtisch, sonst hat nur das teilgelesene auf dem reader noch eine deadline (lesegruppentermin), also hmm.

buch von maria popova, gefunden in der bibliothek

ein buch gefunden, dass mir ohne twitter gar nicht aufgefallen wäre, aber nicht ausgeliehen.

wie sich zeigt, ist der aktuelle spiegel noch nicht über die vöbb -seite verfügbar, mal schauen, ob mich das thema nächste woche noch interessiert, könnte sein, dass nicht. jedenfalls hatten die beiden toptwitterthemen einen positiven einfluss auf meine tagesgestaltung. netz wirkt.

pollesch: aufstieg und fall eines vorhangs

die volksbühne ist wieder offen, ihr neues logo ist eine grobpixelige und knallbunte darstellung des alten logos, das es ja nicht mehr gibt, auf dem platz vorm theater steht jetzt ein zirkuszelt, gestern war es zu, aber es steht als zusätzlicher veranstaltungsort im programm. der zirkus vielleicht auch als sehnsuchtsort, wo die illusionen noch tragen, die wünsche einfach sind, wuttkes kostüm ist eine gute mischung aus zirkusdirektor und theaterpunk mit totenkopf-shirt. und ich sitze mit freundin a. oben im rang, die plätze neben uns sind mit bändern hochgebunden, wenn man nicht aus dem selben haushalt kommt, echt aufwändige vorbereitung. wir machen die bänder auf.

martin wuttke und katrin angerer auf der bühne, sie spielen mit theaterformen, das publikum im raum als ein freies element, von den schauspielern mal dargestellt, mal umworben. in der ersten szene sehen wir angerer und wuttke als regisseur und schauspieler (glaube ich, es war kein klares bild), wie sie einen kartentrick ausführen wollen, miteinander und also mit uns, dann zieht wuttke immer die falschen karten (aus einem programmzetttel: „also kommen sie, ziehen sie eine karte! … nein! das ist mein rezept für dingsda. sie vertun sich aber auch ständig. sie sollen doch eine karte ziehn.“) das ist ziemlich lustig und sehr pollesch. die szene endet mit einer waffe, aber es stirbt keiner. die vier personen auf der bühne (susanne bredehöft und margarita breitkreiz sind die anderen beiden) zeigen uns durch den abend immer wieder die instrumente, die dialoge sind schnell und wechseln mühelos die ebenen, ernst, albern, oder „kubistisch“; wie wuttke einmal ruft, als 3d-figur zusammengesetzt aus meinetwegen rolle, schauspieler und theatertheorie, alle ebenen gleichzeitig. ich weiß es aber nicht genau, wer jetzt gerade als was auftritt, es ist auch nicht entscheidend, alles fließt, wie bei pirandellos 6 figuren, die einen autor suchen, aber das ist halt 21. jh., da steht das ganze theater auf dem spiel, mit im spiel, und es ist nicht mehr klar zu verstehen, was wir voneinander wollen können, publikum und theater, da können sich die theaterleute noch so anstrengen, und dann gibt es doch nur aber immerhin zaubern sie uns ein kaninchen aus dem hut, dargestellt durch einen riesigen echten weißen hasen, der ein paar schritte auf der bühne machen durfte.

viel text, den ich hoffentlich irgendwo nachlesen kann, oder ich geh halt nochmal rein. auf dem programmzettel steht sekundärliteratur, aber da bin ich klassisch orientiert, nach dem stück ist das stück vorbei.

mitten im geschehen der bühnenvorhang, aber als federleichte, leuchtend orangene version seiner selbst, die grenze zwischen uns und dem theater ist beweglich und bei pollesch tanzt sie mit den schauspielern, deckt sie zu, liegt wie ein multidimensionales und bewegliches objekt mal vor, mal hinter, mal auf den menschen auf der bühne. in einer szene zwingt angerer als dompteuse den vorhang in die höhe, um die bühne freizugeben, mit so einer art psychedelischer peitsche aus dem gymnastikkurs, das war mein liebstes bild.

am ende gab es noch einen epilog von wuttke, da hab ich leider nicht mehr richtig aufgepasst, aber es ist keiner gestorben, anders als bei pirandello, wo am ende alle auseinanderlaufen und nichts mehr mit dem theater zu tun haben wollen. großes yeah-gefühl bei der freundin und mir, es geht weiter, es gibt wieder spannendes theater, wir dürfen schauen und denken und bisschen glücklicher nach hause gehen.

last sommerfest 2021

einen echten höllentrip mit dem auto zum lcb gemacht, mit umweg zu frau engl, die ich abholen wollte. erst paar staus, dann eine demo, dann weitere staus, dann eine weile stillstand. über 2h im auto gesessen für die strecke nach neukölln. helga schubert verpasst, die hätten wir gern gesehen. dann ein autor, der sich wach und wendig in seinem thema bewegt, geschichte europas über drei familiengeschichten, uns war nicht so nach richelieu, aber der vortrag war sehr faktenreich und irgendwie freudvoll, das war nett. es folgten drei autorinnen mit geschichten, bei denen der geist ins wandern kam, über schicksalsschläge, die ich nicht verstanden habe, eine szene mit einer fußpflegerin, die in ihrem beruf nicht glücklich geworden ist, im gespräch mit der hauptfigur, die wohl keine gute mutter war, anders als die fußpflegerin, wir als mütter im publikum wurden vorher aufgerufen, die hand zu heben, wenn wir eine mutter haben oder eine mutter sind. nicht alle haben die hand gehoben, immerhin, immerhin. wiederholt haben die moderatorInnen erzählt, wie berührt sie waren von den büchern, gradezu umgeworfen wurden, niedergestreckt ins mitgefühl, besonders die eine szene, wo ein verstorbener („toter“) vater seinen söhnen einen zettel hinterlässt, auf dem steht: an meine söhne. wir so: hmm? (halt, das letzte war aus dem buch von einem mann, alex schulmann, die überlebenden). das hat sich alles nicht so erschlossen leider, auch die auswahl der vorgelesenen stellen hatte wohl verborgene gründe. ein guter, funktionierender text war dabei, über hoden und helden (zitat von j.-u.), die heldenbilder von baselitz spielten eine rolle. von lukas rietzschel, den werde ich weiterlesen. lustig war auch, wie aus den noch nicht erschienenen büchern die schlüsselszenen nacherzählt wurden, nicht vorgelesen, was die schriftstellerei vom joch der poetik, des stils, und allgemein des literarischen talents befreit, eine echte demokratisierung. oder gibt es da eine schweigepflicht vor veröffentlichung? es war so rätselhaft wie lustig. ist vielleicht auch eine feuerprobe, wenn ein text die nacherzählung aushält, ich hab wohl einiges verpasst in der literarischen szene. den hang hoch und runtergewandert, brezel geteilt mit frau engl, frau gaga und paar freunde getroffen. ins grüne, sehr grüne wasser geschaut, am ende im letzten sonnenlicht gesessen und herrn schulze zugehört, mit diesem befreienden gefühl, wenn der ganze kopf für einen text gebraucht wird, ich mich konzentrieren darf und das gerne tue, weil die stellen eine gewisse schnittige eleganz haben. und bisschen schönheit. zweiter text, den ich gerne ganz lesen möchte.

der mann für sich („Sarah“, BE)

erstes mal wieder im theater, und ich hätte mir die zeit nehmen sollen, das stück vorher zu googeln. es war eine voraufführung, uraufführung heute, dramatisierung eines romans von scott mcclanahen, eventuell bisschen autobiographisch, die hauptfigur heißt genauso. ich sass da und habe mich auf ein ensemble gefreut, und dann kam ein mann auf die bühne und stellte ein mikrofon auf, oh nee, dachte ich, das wird doch wohl nicht … dann begann der mann mit großer geste zu erzählen, wirkt betrunken, verliert fast die fassung, die ganze figur scheint nicht fest verankert in zeit und raum, der text ist gut geschrieben (usa, szene im auto, fahrer wird von polizei angehalten, fürchtet alkohol-kontrolle, steigert sich rein, dabei zeitsprünge, mal redet er, mal spielt er die szene nach, sehr dicht alles) es geht um sarah, seine frau und die mutter seiner kinder. nach 10 minuten text ist die figur eigentlich fertig erzählt, ich hab verstanden, es wird kein ensemble geben, scott bleibt allein auf seiner bühne. hrmpf, und zeigt uns einen vollkommen unaushaltbaren mann, spielt und wütet sich dabei in ein so ein auswegloses selbstmitleid hinein, ach, ich musste anderthalb stunden einem mann auf egotrip zuhören, wäre gern wieder gegangen, aber der große war mit einer freundin dabei, also tief ein- und ausatmen und durchhalten. der schauspieler war natürlich großartig, ein richtiges monster-solo, aber so eine figur hätte ich im internet nach 5 sätzen geblockt. niemand will sich so etwas anderthalb stunden lang anhören, die figurenentwicklung ging auch nur richtung abgrund. gerade die szenen, wo der mann die nerven verliert und sich in jähzorn-attacken fallen lässt, nein, sich hineinwirft mit dieser gewaltlust, in der sich die situation hermetisch schließt, kein zugang mehr möglich wird, auch kein ausweg, nur die erschöpfung irgendwann, wenn das mobiliar zerstört ist und keiner mehr antwortet, die sind unerträglich, wenn man solche situationen selbst schon erlebt hat. brr.

nachher noch bierchen auf dem hof mit dem großen sohn und einer freundin von ihm, dort bewunderung für die schauspielerische leistung von marc oliver schulze (die szene, wo er die geburt seiner tochter schildert, die ist wirklich sehr toll, hochdramatisch, rabenschwarz, komisch) und ein gewisses rätselraten darüber, warum reese das auf die bühne bringen wollte.

28. mai 2021

gestern hat der freund vom großen das bett vorbeigebracht und mir sogar beim hochtragen geholfen. es ist genau so, wie ich es mir vorgestellt habe, aus nussholz, und es hat noch zwei lattenroste dabei, die zusammen schon deutlich mehr gekostet haben, als ich für das bett bezahlt habe. nach >10 jahren auf einem schlafsofa werde ich aufrüsten auf ein richtiges bett, bin sehr gespannt, ob es sich anders anfühlt, ich bin eher devise hauptsache horizontal. es ist ein italienisches bett, ohne schrauben, mit nur vier steckverbindungen, sieht nach gutem möbelhandwerk aus. da hatte ich glück. <3 ebay.

das zimmer wird nächste woche endlich tapeziert, zur zeit schlafe ich noch im would be arbeitszimmer, das allerdings im sommer eine schöne aussicht auf lauter grüne bäume hat, im schlafzimmer ist nur der innenhof vorm fenster. ich werde dann vermutlich wieder mehr vom schreibtisch aus arbeiten.

für den spätnachmittag hat eine freundin slots bei neo rauch bekommen, im gutshaus steglitz, sehr kräftige bilder und einen bronzenen kentaur im glaskasten, auf 3 räume verteilt. ich sehe zum ersten mal bilder von ihm in einer ausstellung, das gefühl ist: vorher noch nie gesehen, so intensiv wirken farben und figuren, großformatige malerei, bedeutungsstark, mit vielen ebenen, die alle nicht nur angedeutet sind. erste ausstellung seit november, sehr intensives erlebnis. danach noch ein bierchen mit den freunden, mein zweites mal in einem lokal seit 14 monaten, für die freunde das erste. beides wirkte euphorisierend. dann im auto durch die ganze stadt zurück und die stadt dabei gefeiert, steglitz! schöneberg! tiergarten, mitte, und mein gott, der alex, mit seinen quadratisch-praktischen hochhäusern.

für die ausstellung vielleicht den letzten test gemacht, am mittwoch ist die zweite impfung zwei wochen her. die impfpässe sind ca. einen mm größer als reisepässe und passen nicht in die für pässe gefertigten taschen, hoffe, ich finde noch was, das ding wird meine handtasche so nicht lange überleben. die mitarbeiterin hat sehr gründlich getestet, vielleicht nach den berichten über unzuverlässige arbeit in den diversen privaten teststellen in der stadt? – nach dem artikel per google gesucht, nichts gefunden, heißt das, es gab keine berichte, oder sie waren nicht wahr? hmm. erinnert mich an meinen versuch, berichte über mäuse in hotels zu finden, das ging mit google auch nicht gut.

abends noch den d.-zwilling verabschiedet, der wieder nach halle zurückgefahren ist. er trägt die haare nach kurzer weißblonder phase jetzt wieder dunkel und hat einen vollbart, mein kleiner 6-pfünder von 2001. abschiedsschmerz gefühlt, das leere nest wird zu etwas, das ich gestalten muss, aktiv angehen.

aperitiv am 21. mai

gestern aufregender abend: die kneipen haben seit gestern ihren außenbereich wieder geöffnet. bin mit freundin in die lieblingsbar gegangen zum aperitif, ohne reservierung, es war also alles voll, sehr voll, restlos voll, wie vor jeder der vielen lokalitäten im kiez, ein sehr junges, internationales, weiße sneaker tragendes publikum. der kellner trug maske und hat mit großer freundlichkeit darauf bestanden, dass sich nur leute mit tagesaktuellem negativtest hinsetzen dürfen, den man sich direkt vor der bar bei einem mobilen testcenter holen konnte, was ich gemacht habe, es hat nur 15min gedauert. es wäre alles schnell wieder vorbei, wenn bei diesen ersten öffnungen etwas schiefgehen sollte. mit einem impfpass wäre es auch gegangen, sobald die zweite impfung 14 tage her ist, der kellner hat das genau erfragt. außerdem mussten wir uns per qr-code in die luca-app eintragen, die dann die sekunden und minuten des aufenthalts zählt, bis man sich wieder auscheckt, wir waren 1 stunde und 47 minuten dort. es hat einen regenguss wie aus eimern gegeben, bei dem wir in einen hauseingang ausgewichen sind, danach wieder auf die nassen stühle, alles egal, endlich wieder stadtleben. gefühl gemischt, glück wegen dem aperitiv, sorge wegen der menschenmengen überall. im misirlou haben sie sehr gut aufgepasst, ich hoffe, das trifft auch auf die anderen läden zu. das bedürfnis nach geselligkeit ist riesig.

08. mai 2021

das bett ist im auto, große freude. ich habe tatsächlich online ein solides altes bett aus massivem nussholz erstanden, sehr spontan. es hat einen rücken und ein fußende und ein paar geschwungene linien und zählt als bisschen gondelhaft, nach dem kauf hatte ich aber keine ahnung, wie ich es von köln in mein schlafzimmer bekommen könnte. habe meinen fang dem nachwuchs mitgeteilt, daraufhin ergab sich noch während der hunderunde, vor der ich es gekauft habe, eine transportmöglichkeit. heute hat ein kumpel vom großen mit seinem vw-bus das bett abgeholt, bringt es in seine studienstadt und irgendwann in den nächsten wochen dann nach berlin, hoffentlich, bevor sie ihm den bus klauen.

tapetenmässig habe ich ein paar fachleute gefragt, um mir einen eindruck zu verschaffen. einer will 900€, obwohl nur eine wand tapete bekommt, der andere war gucken, meldet sich aber seitdem nicht, überlege jetzt, mich meinem endgegner eventuell selber zu stellen, dem glätten einer unglatt verputzten wand, bevor die tapete draufkommt. ich habe einmal wände verputzt, 1999, beim bezug genau dieser wohnung. es war wahnsinnig mühselig, unbefriedigend und im ergebnis sehr mittelmässig, und jetzt muss jemand im prinzip genau diese damals schlecht verputzte wand glatt bekommen. fehler holen einen ein.

der tochter einer freundin bei einem live-konzert auf youtube zugesehen, sie ist violinistin geworden, hat auch eine initiative zur unterstützung von musikern in der pandemie gestartet. zuerst gesehen habe ich sie als säugling auf dem arm ihrer mutter, die ich nach ein paar jahren ohne kontakt auf einer strasse in der nähe meiner neuen wohnung wieder getroffen habe, in die ich grad gezogen war, in den neunzigern. aus kindern werden leute.

ich wollte mich heute nicht auf den balkon setzen weil es mir noch zu kalt war. morgen sollen es 25°c werden, keine ahnung, woher die kommen, die ganzen grade, wahrscheinlich im gänsemarsch aus dem arschkalten mai, husch, einmal auf die große bühne, schnell, dann wieder ins nichts, aus dem sie kamen. was soll ich denn anziehen bei 25 grad? was muss ich ausziehen? heute trug ich eine hellblaue eher stylische regenjacke, die ich im schrank gefunden habe und noch zu bekomme, vielleicht so einen küstenstyle der achtziger, den leute wie ich erkennen, weil wir tanten haben, die in nordseenähe leben und im sommer zu besuch kamen. alle anderen trugen aber heute noch schwarz. froh, im unsichtbaren alter zu sein, jedenfalls: ich kann mit sommerklamotten nicht mehr umgehen.

auf twitter gelesen, dass ein 20jähriger aufgrund seiner homosexualität ermordet worden ist, von seinen brüdern. alireza fazeli monfared war sein name, er hatte ein sehr junges gesicht, genaus alt wie die zwillis, mit ähnlichem blick, offen, unerfahren, noch kindlich. er wollte fliehen und hat es nicht geschafft. hat mich fertiggemacht. nimmt einem die sprache, sowas. rip, sweetheart.

26. april 21

wg. diabetes bei meiner hausärztin, im warteraum nur 3 leute, wie bei der impfung. während der 10 minuten, die ich dort warte, kam ein mensch ohne termin und wollte sich einfach mal anmelden, um eine hausärztin zu haben. wenn nichts anliegt, könne er sich auf eine warteliste setzen lassen, es kann aber september werden, meinte die ärztin. vielleicht meinte sie auch die warteliste für impfungen, ich hab das ja nur am rande mitgehört. die sprechstundenhilfe führt drei telefonate mit impfwilligen. es rufen die ganze zeit menschen an, die eine impfung wollen, das praxisteam hört sich die geschichten an, sie haben aber nur genug stoff für die eigenen patienten, das steht auch auf der webseite. sie wissen mitte der woche, so sagt es eine der arzthelferinnen am telefon, welche und wieviele impfungen sie in der nächsten woche zur verfügung haben werden, können sich das wohl alles nicht aussuchen. sie haben keine zeit mehr für die patienten, die sonst kommen würden, „und dann müssten wir im prinzip noch mal 6 wochen alles dicht machen, wenn die zweite impfung drankommt“, dann sagt sie noch: „wenn wir das durchhalten.“

ich bin guter dinge, hänge aber ein bisschen in der luft. es wird so zeit, wieder feste strukturen zu haben, bei mir sind anfang mai die drei wochen nach der 1. impfung rum, dann darf ich wieder unter die leute. das wochenende auf halbmast verbracht, obwohl ich eigentlich rund um die uhr staubsaugen müsste, weil emma einen heftigen fellwechsel hat, eine große tüte mit collieflaum ging schon an den wollladen, sie sieht zart aus ohne das felltutu überm hinterteil.

gestern kurz vorm abendessen haben mir die kinder gefehlt, da sind sie früher nach den vaterwochenenden immer wieder aufgekreuzt, aber das ist schon wieder ein paar jahre her, es ist vorbei. habe dann auf whatsapp mit ihnen herumgealbert und mir lustige bildchen angeguckt, aber ich höre die geschichten von freunden, wenn einer der sprösslinge aus irgendwelchen gründen für ein paar monate wieder zuhause einziehen muss, inzwischen mit einer gewissen inneren bereitschaft, sagen wirs mal so.

10. april 2021

stiller, kalter tag. geburtstagsgeschenke für die zwillis gesucht, diesmal bekommen beide fast das gleiche, wie eigentlich noch nie, aber es ist das erste mal, dass sie getrennt feiern, das kann ich ausnützen. ich habe dabei die bei jungen erwachsenen wichtigen bereiche praktisch, sport, werkzeug abgedeckt, plus je ein buch. sie werden 20, da vermissen sie hoffentlich das thema schönheit oder eleganz nicht so arg, oder ich habs mit dem sport abgedeckt.

mir selbst eine lustige balancescheibe gekauft, die stelle ich ins badezimmer und putz mir darauf stehend die zähne, so der plan. bisher nutze ich diesen moment schon zum balancieren auf einem bein.

neulich auf einer hunderunde 2 mädchen beobachtet, die mit bunten hula hoop -reifen spass haben, assoziationen sind irgendwie tiefste 60er, s/w-bilder von sportgymnastik mit regeln, mädchen mit pferdeschwanz. dann auf einer anderen hunderunde noch mehr mädchen mit hula hoops gesehen. normalerweise fällt mir sowas immer erst auf, wenn die welle schon wieder durch ist, also hier der hinweis an euch: sie sind wieder da, sind ein trendsport, es gibt kurse auf youtube mit jeder menge erwachsenen leuten, und man bekommt schnell gute laune beim zuschauen, es ist ein bisschen wie tanzen, aber es geht auch allein im wohnzimmer. habe mir also einen bestellt, es hilft, dass keiner dabei zusehen kann. sehr gespannt, ob ich das lernen werde, ohne meinen noch unversehrten rücken damit in unordnung zu bringen, es sieht nicht wirklich gesund aus, aber sehr lustig. wenn es ab juli dann wieder bisschen wärmer wird, freue ich mich auf lauter mit hula hoops in den parks herumwackelnde sportgruppen. tanzen wäre für den gesamtkörper glaube ich besser, aber so weit bin ich noch nicht.

wieder viel platz im hirn für die diese nebensächlichkeiten, wenn die pandemie keine angst mehr macht, wenn nicht alles, was ich tue oder lasse, vor dem hintergrund pandemie stattfindet, sondern einfach mal so vor sich hin passieren darf. naja, es sind schon noch ein paar elefanten im raum, aber der größte ist weg. hab ich erst nach dem impfen gemerkt.

vollkommen befremdlich, aber mehr im sinn von irre, dass keiner die verantwortung für ein paar wochen oder monate harten lockdown übernehmen will, und sie alle sich immer nur weiter im kreis drehen, als wäre diese dauerbelastung den politikern völlig wumpe, das andauernde feinjustieren des risikos, die unruhe bis angst im alltag, der riesenberg, den homeschooling und homeoffice und zuhausebleiben bedeuten. corona wird nicht von alleine weggehen. (mit dem klimawandel wird das genau so weiter gehen, da ist die gefahr ja noch leichter wegzuabstrahieren.)

8. april 2021

gestern geimpft worden, mit corminaty. heute bisschen wie erster tag sommerferien. die praxis hat das so organisiert, dass immer nur 3 leute da sind, einer wird geimpft, zwei warten die 15-30 min nach der impfung, wenn einer geht, kommt der nächste rein. mir wurde vorher die temperatur gemessen, ich musste ein paar blätter unterzeichen, wartezeit war um die 5 minuten. meine hibbelige vorfreude habe ich nicht 100 pro verstecken können, mir sind nacheinander die kassenkarte und mein portemonnaie auf den boden gefallen. die arzthelferinnen lächeln sehr freundlich, hinter den masken. die mitwartenden waren gefühlt kränker als ich. bin sehr erleichtert.

bei mir war es wohl die kombination aus grunderkrankung und arbeit mit kindern, die mir einen impftermin bei meiner ärztin verschafft hat. ich habe auch briefe und mails geschrieben, in denen ich diese gründe angeführt habe, bezweifle zwar, dass die einen effekt hatten, aber es hilft, etwas tun zu können, und oft haben die ärzte keinen genaues bild von euren lebensumständen.

durch meine nutzung von aaps lebe ich schon in enger beziehung mit einem code, jetzt habe ich etwas codiertes gespritzt bekommen, der ganze code, der uns in alltag und konsum umgibt, ist wahrscheinlich viel komplexer, aber diese grenzüberschreitungen in den körper fühlen sich nach einem größeren paradigmenwechsel an. der mrna-stoff wird codiert und reisefertig gemacht und ist dann nur noch überbringer eines auftrags, der körper braucht keinen virus mehr, um den antikörper zu erschaffen, der code setzt ihm eine abkürzung ins haus, und er ist leicht zu ändern für andere impfungen. schon cool. das ist alles vielversprechend und einen tick beängstigend, wenn man die irre komplexität des körpers vor augen hat. aaps reagiert als code (auf den blutzuckerspiegel, nach definierten parametern, gibt über die insulinpumpe entweder mehr oder weniger insulin), der impfstoff agiert, stellt etwas her, was vorher nicht da war. das ist schon ein unterschied. fühle mich jedenfalls noch mehr cyborg, und werde sicherheitshalber einen chartreuse drauf trinken.

am nachmittag habe ich noch eine hunderunde gemacht, seit gestern abend tut die impfstelle etwas weh, bin bisschen schlapp, alles im rahmen.

mein impfpass ist leider erst ein paar jahre alt, nur der d.-zwilling hat noch seinen ersten, ein schöner überblick über die vorteile der neuzeit. wir haben uns 2009 auch gegen die schweinegrippe impfen lassen, mit pandemix, damals beim amtsarzt. das war auch ein kleinerer akt, die zu bekommen, aber genaueres erinnere ich nicht mehr. als wir in den frühen siebzigern nach italien zogen, wurden wir gegen cholera geimpft, das hat mich beeindruckt damals, weil es sich in kinderohren so sehr nach abenteuer und piraten anhörte.

zum ersten mal seit längerem durchgeschlafen. sehr erholsam. in 3 wochen bin ich geschützt, in 6 wochen gibt es die zweite dosis, laut praxis, weil so die schutzwirkung noch höher sein soll als wie bisher mit dem zweitschuss nach 3 wochen, aber es ist alles in andauernder bewegung.

hoffe, auch mein blutzucker fängt sich jetzt wieder, hatte in den letzten beiden wochen einen fast verdreifachten bedarf fürs essen, nur fürs essen, der grundbedarf hat sich nicht verändert. schwierig einstellbar, weil bis jetzt hochvariabel. mein aaps-system benötigt regeln, genaue vorgaben für die insulindosen, also x einheiten für x gramm kohlehydrate. es nervt etwas. rätsel, das gelöst gehört. corona ist es nicht, habe mich jeden zweiten tag testen lassen. ydmv.

habe irgendwo gelesen (nicht mehr wiedergefunden leider), dass die kinder von chronisch kranken leuten häufig psychisch belastet sind, bei diabetes stand als problem glaube ich „verleugnung“ und minimalisierung, seitdem rede ich darüber, wenn ich mit irgendwas diabetischem ein problem habe. am liebsten mit anderen diabetiker*innen oder in einem problemlösekontext auf facebook oder bei der ärztin, jetzt auch mit meinen kindern, es kommt mir aber alles tmi vor, weil es meist keine relevanz für mein gegenüber hat. das nicht darüber reden im alltag fühlt sich nicht als verleugnung an, ich nehme den diabetes nicht als getrennt von mir wahr, er ist also in allem präsent, nicht als star oder drama, nicht als gegner, sondern etwa so wie meine haare oder mein gewicht, darüber rede ich ja auch nicht dauernd. so froh, dass ich nicht mit schmerzen oder schlimmerem leben muss, es gibt wirklich ganz andere erkrankungen. mit der angst vor folgen etc. lernt man zu leben, ich denke nicht dauernd dran, keine ahnung, wie das anders gehen sollte.

versuche, den corona-stress gehen zu lassen, mir einen richtig guten job zu suchen, den alltag zurück zu erobern, weg aus der reinen reaktion auf umstände, aber es ändert sich ja nichts, solange das nicht für alle möglich ist, und dann gilt: es gibt genug aufgaben auch ohne pandemie.

ich verspüre eine vollständig aus dem internet übernommenen neugierde auf kohlmeisen, spatzen und amseln, zum lunch kommen aber immer nur tauben, krähen und elstern. wie komme ich denn an eine amsel? gerade hat eine junge elster einen meisenball mitgenommen, vor ein paar wochen hat das eine krähe getan. sie warten, bis die tauben den ball etwas kleiner gefuttert haben, dann holen sie sich den rest.

unter 10°

wie jedes jahr bin ich im berliner eismärz gefangen, zuhause, in einer art winterlager, mit literweise warmem tee und wärmflaschen. die höhle verlassen muss ich zum glück nur zu pflichtgängen, aber nach den hunderunden brauche ich stunden, um wieder auf betriebstemperatur zu kommen, trotz vielschichtiger klamottierung. in meinem wintermanagement reicht die energie meistens bis ende februar, danach ist sense bis jenseits der 12°c- wetterscheide, die ja in berlin manchmal erst mitte april beginnt. zum ersten mal seit ewigkeiten hab ich dieses jahr auch keine bedürfnislage entwickelt, ich will ja im februar sonst immer, dauernd, kinder machen, eigentlich fast egal, mit wem. habs gar nicht vermisst. liege also mit 4 schichten, darunter ein wollener rollkragenpullover und ein dicker merinopulli und noch 3 anderen lagen auf dem sofa und harre der dinge, die das jahr noch bringen wird. mit der wärmflasche warte ich aber noch bis nach einbruch der dunkelheit. mein blutzucker spinnt ebenfalls. im berliner märz bin ich italienerin, für die alles ab appenin jenseits und norden ist.

(hmpf-text übers impf-theme. nichtmal lieder.)

das mit den impfungen macht mich wütend, es bringt mich zumindest auf. gleichzeitig fühle ich mich lächerlich, wenn ich mich darüber beklage, weil so viele, die in größerem ausmass gefährdet sind, sich auch nicht impfen lassen können. die reihenfolge der impfungen, nach alter, risiko etc. erscheint mir ein notwendiges werkzeug, um ein knappes gut zu verteilen, die triage ist eben das angemessene mittel, um zuerst die gefährdeten zu erreichen. dass es schlaumeier, abkürzer und gefalleneintreiber gibt, stört mich auch nicht, ich bin ja in italien aufgewachsen. aber ich kann nicht nachvollziehen, warum es in deutschland nicht genug impfstoff gibt, wie bei einem so wichtigen thema entscheidungsprozesse zu lange gedauert haben, zu wenig und zu spät bestellt wurde*, und warum der herumliegende impfstoff nicht einfach an andere verimpft wird. da hat jemand mist gebaut, und alle machen weiterhin mist, keiner kümmert sich, trifft entscheidungen, übernimmt verantwortung, wie frau modeste es heut sehr schön auf twitter formuliert hat. was für eine chance das hätte sein können, aber nee, es wird einfach verdaddelt.

*frau arboretum hat das thema im kommentar noch mal recherchiert. es gibt nachvollziehbare gründe für die verzögerungen, da hab ich nicht gut genug gesucht.

der virus ist womöglich einfach nicht gefährlich genug, die regierungen der länder können den einfach durch die bevölkerung durchlaufen lassen, und es ist ein wahljahr. ich möchte trotzdem lieber nicht erkranken, nicht bei dem irren aufwand, den ich für mein überleben die ganze zeit eh schon betreiben muss, aber das ist allen zuständigen egal, die verantwortung trägt immer der nächste in der reihe. dann gibt es pressekonferenzen, sie reden und reden, und dann öffnen sie die schulen und kindergärten, und die frisöre und die buchläden. ich komme mir albern vor, wenn ich das verstehen will, es ist vielleicht einfach nicht darauf angelegt, verstanden zu werden, es geht immer nur um begrenzte lokale ziele und abläufe, terminierte zahlen, nicht um das große ganze, also die verhinderung der infektionen, zerocovid. die relativ geringe sterblichkeit erfordert keine härteren massnahmen, das ist jedenfalls meine hilfserklärung. den stressjob mit den schweren fällen haben die mediziner*innen und pflegekräfte, und die interessieren sowieso niemanden.

mich macht das müde. liebe und verantwortung zeigen sich in dem, was du tust, nicht in dem, was du sagst, und hier handelt gefühlt gar keiner. ich kann als einzelne so wenig tun, ich renne hinterher mit meinen masken, immer schön mit abstand und gewaschenen händen, entwickle darüber so eine schräge und als bürgerin ungewohnte selbstwahrnehmung als jemand, der ignoriert und vergessen wird, das klingt dramatisch, aber es geht eben ums überleben, nicht um eine steuernachzahlung, ich möchte dieses blöde virus lieber nicht bekommen. es ist existentiell. kam einfach ein bisschen unerwartet, da von meinem staat im stich gelassen zu werden, nachdem er da erst so die verantwortung an sich gerissen hat, der staat, den ich sonst nur als bürokratisches system und abstraktum wahrnehme, eine entität, für die ich mit meinen steuern bezahle. bestimmt morgen oder so werde ich all das wieder wegrationalisieren, aber bis dahin kann ich es überhaupt nicht nachvollziehen, was da von staatlicher seite alles nicht passiert.

letzte woche (das posting liegt hier schon eine weile rum) sollten diabetiker schneller geimpft werden, aber nur, wenn sie ganz schlecht eingestellt sind, weil es da wohl statistiken gibt. das hat die berliner senatorin aber nicht erwähnt in ihrem interview, also haben sich diabetiker (auch ich) an ihre ärztinnen gewandt mit der bitte, ihnen eine bescheinigung auszustellen. die soll an die kassenärztliche vereinigung gehen, die sie dann ans einwohnermeldeamt weitergibt, und von dort sollten dann die die impfcodes kommen. die kv hat dann schnell eine meldung an die ärztinnen geschickt, mit der bitte, bloss keine atteste auszustellen, weil niemand bei ihnen weiß, wie sie weiter vorgehen sollen, nicht mal die datenrechtliche frage ist geklärt. heilloses durcheinander, jedenfalls doch keine impfung für diabetiker.

es wird wohl irgendwann klappen, in der einen oder anderen gruppe werde ich mich impfen lassen können, was mit allen anderen ist, steht in den sternen, und die varianten kommen ja munter weiterhin ins land.

es ist halt für alle die erste pandemie, eine zum üben. ich denke, es hat nicht geklappt. die nächste wird kommen, und ich hoffe, sie wird nicht tödlicher als diese, oder doch tödlicher, und dann gründlicher bekämpft? hmm.

(heute überall menschentrauben unterwegs, alle sind unter der woche nachmittags draussen, anteil der ansteckenderen varianten heute bei 44% – lieber masken aufbehalten.)

irgendwie unbefriedigender text, den ich nie wieder lesen werde, aber was solls.