das erste viertel ’23

dieses jahr immerhin schon ein bisschen kunst goutiert, habe im februar sogar in feiner begleitung meine allererste operette gesehen, die geschichte der fledermaus in der komischen oper, war sehr unterhaltsam und auf eine erich-kästner-hafte weise fabelhaft. mir sind arien aber lieber.

chancen für rockmusik hätte es in diesem jahr auch gegeben, frau gaga wollte mich gelegentlich mal mitnehmen, aber da konnte ich immer nicht. rockkonzerte sind mir auch eigentlich inzwischen zu laut, es sollte eher jazz oder klassik sein. julian lage hab ich leider verpasst, das hamburger konzert ist ausverkauft, amsterdam wäre noch zu haben, aber das erste konzert ist ebenfalls uitverkocht, nur mitte der woche ist noch was zu haben, und ich habe keine drei urlaubstage mehr übrig.

anstrengende monate gehabt, abends oft so kaputt, dass ich um 21 uhr einschlafe und erst um 5 uhr früh wieder aufwache. es wird vermutlich so bleiben, grad keine große lust, den job noch 9 jahre zu machen, also drüber nachdenken, wie es besser werden könnte, ich muss mich besser organisieren, mehr planen, effizienter werden, ändern, was in meiner macht liegt, vor allem die ganzen dokumentationsaufgaben rutschen mir noch etwas durch. die dramatische personalsituation kann ich nicht verändern. noch eine woche, dann eine woche ferien, die nicht ausreichen wird. meine uffs sind legion.

mit etwas glück habe ich im herbst eine woche lang eine hinreissende hündin zu besuch, drücken sie daumen! beim kennenlernen damals zusammen mit emma bin ich ihr ein paarmal auf die pfoten getreten, aus nervosität, und weil sie so wuselig war, aber sie hat es vergessen, und ist ja auch inzwischen kein welpe mehr. hundeferien.

das wochenende ist voll, ein tag mutter, viel haushalt, wenig zeit zum chillen. allgemeines genervtsein, was nicht am wetter liegt, der viele regen ist mir willkommen in zeiten der trockenheit, er sollte noch ein paar wochen anhalten, bis die pflanzen alle im grünen sind (ups! kaffee geholt, jetzt ist der himmel wieder blau, immerhin echter april). habe das lesegruppenbuch noch nicht geschafft, das wird jetzt ein bisschen eng, ich verliere andauernd den faden, genau wie beim picard, die letzte staffel ist ein einziger intrigantenstadl.

die tröstlichste nachricht in all der entropie ist die möglichkeit von zeitreisen, zumindest auf quantenebene. es würde zwar eine million jahre dauern, um einen menschen eine sekunde zurückzuversetzen, und selbst wenn die entwicklung dieser quantentechnologie ähnlich wie bei moores law eher exponentiell als linear verläuft, dann sind wir auch in ein paar jahrzehnten erst bei einer zahl, die immer noch keinen ausweg aus der gegenwart bietet. auch vor einer stunde war die welt schon in einem traurigen zustand. well.

ich weiß gar nicht, ob ich lieber in die vergangenheit oder in die zukunft reisen würde, vielleicht sind dazu eh ganz verschiedene technologien notwendig, und die zukunftsreisen werden irgendwann in der zukunft erfunden werden, sind dann super einfach, aber die vergangenheitsreisen dauern immer noch eine ära für eine sekunde, das wär blöd, dann würden wir nie davon erfahren. vorwärts immer.

in diesem sinne werde ich morgen zum volksentscheid gehen und für eine schnellere energiewende stimmen, auch wenn ich dann ab 2030 in berlin nie mehr ein auto fahren werde.

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… und von luft und liebe.

aus diversen winterfrustgründen neue kleidung bestellt, bei yoox, von dort habe ich fast alles schöne, was ich trage. und jetzt war die jacke zu eng, eine hose auch, die andere, selbe größe, sieht unangenehm nach 80ern aus. es waren auch blümchen darauf, weiß auch nicht, was ich mir da gedacht habe. geht alles zurück. überlege, mir am wochenende ein vollbad zu gönnen, nagellack, und dann eventuell den aufbau vom lego-aston martin, der immer noch in der schublade liegt, plus marktrunde mit freundin, vielleicht noch der eggleston im c/o mit einer anderen freundin.

frau kaltmamsell fragt, wovon wir leben, ich finde die frage auch total interessant, und schwierig, weil sie so sehr mit werten und vorstellungen und vorurteilen verbunden ist. ich glaube, es war keine nonmention, aber es passt so gut: ich hab zwar alleine drei kinder großgezogen, hatte aber leider keinen reichen mann, habe keinen cent unterhalt gesehen, für die kinder hat er aber bezahlt, wenn auch nicht viel. als mein vater 2003 starb, habe ich geld geerbt, das ich in den erwerb meiner wohnung gesteckt habe, vor der immowelle, schon ein paar jahre danach hätte ich das überhaupt nicht mehr bezahlen können. das war ein glücksfall und es ist meine alterssicherung, meine rente wird nicht ausreichen. es waren anstrengende zeiten, meine jobs waren keine hobby-nebentätigkeiten, sondern existentiell wichtig, auch wenn ich zu wenig damit verdient habe, teilzeitjobs, aufträge, texte, einmal tierghostwriterin für den rbb, sekretärinnenjobs. ein paar missglückte projekte, einmal wollte ich so eine art biographie auf dvd anbieten, mit interviews und bild/filmzeugnissen der personen, das war eine eigentlich schöne idee, die ist wohl an mangelnder fachkenntnis gescheitert. dann wollte ich diabeteshunde ausbilden und habe eine teure ihk-fortbildung dafür gemacht, dann kamen die blutzuckersensoren auf den markt und meine warteliste löste sich in wohlgefallen auf. also weiter jobs und aufträge und bewerbungen. als die jungs aus dem haus waren, gab es für die jobs kaum noch geld, weil sich die zeiten gewandelt hatten, sonst würde ich das eventuell heut noch machen- oder nein, wenn ich ehrlich bin, ist eine freiberufliche tätigkeit sowieso nicht das richtige für mich gewesen. als feste freie ging es gut, ganz selbstständig gehe ich verloren. jetzt bin ich mit fast vollzeit im öffentlichen dienst, of all things! außerdem verdiene ich etwas mit der vermietung eines zimmers dazu, das geht aber noch komplett an die söhne. auf die paar hundert euros mehr freue ich mich, wenn die jungs fertig sind mit ihren studien. ich bin seit 20 jahren alleinverdienerin in meinem haushalt.

ein date ausgemacht, mit einem mann, der mich freundlich angeschrieben hat. erst dabei ist mir aufgefallen, dass das fast niemand tut, viele männer schreiben im profil, sie würden die likes nicht sehen (weil sie die gratisversion der app nutzen), darum solle man sie anschreiben. auf die idee, selber mal den ersten schritt zu gehen, kommen die wenigsten. solche prinzen schreibe ich nie an. ich will mein ziel, eine handvoll männer zu kontakten, bis zum sommer erreicht haben, und das leidige thema datingbörsen wieder für ein paar jahre vergessen. oder für immer, echt, was soll der quatsch, ich bin eh zu alt für den markt.

mit dem blog würde ich gern was dazu verdienen, vg wort bringt um die 40-50€ im jahr, da reicht nicht mal für den blogunterhalt. müsste dafür viel häufiger schreiben, es genügen ja auch ganz kurze texte, vielleicht mit irgendeiner fortsetzungspassage, um die 1800 zeichen für die vg wort vollzukriegen? schon oft vorgenommen. ich bin ja eher abend- als morgenbloggerin, ich könnte wie früher einfach den tag durchs blog laufen lassen. die leser für hohe zugriffzahlen bräuchte ich dann natürlich auch, bisher sind es so um die 100-120, wenn ich was poste, also sehr viele, wenn ich mir euch als einzelne menschen vorstelle, mehr wären mir auch fast unheimlich, da kenn ich dann ja keinen mehr von, das ist ja wie auftreten vor publikum! ich mag ja das hotel mama als geheimtipp. na, nicht unschwierig. die kaffeekasse über paypal jedenfalls hat bisher insgesamt 8,50€ eingebracht.

februar ist aber auch ein rechter bremsschuh für neue projekte, man sollte sich was ungesundes vornehmen, das dann eh nicht klappt, wieder rauchen! mehr käse.

was mich eigentlich fast mehr als das finanzielle interessiert: was macht ihr auf eurer arbeit, womit verbringt ihr eure zeit? was davon ist fachwissen, das ihr gelernt habt, was musstet ihr euch selber erarbeiten? inwiefern war eure ausbildung für den job entscheidend?

nachtrag: dem sohn vom posting erzählt, und er liest grade zufällig das buch von julia friedrich übers erben. sie berichtet darin, wie dadurch die ungleichheit perpetuiert wird, wie es zu kriegen, morden und konflikten geführt hat, und wie schwierig dabei die gefühlslage aller beteiligten sein kann, erben und nichterben. es sei keine neiddebatte, sondern es ginge um wichtige gesellschaftliche themen, sagt der große, wie wir weiter leben wollen, und wie sich die teilung der gesellschaft in arm und reich verlangsamen lässt. interessant.

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5. februar 23

sonntag. zur feier des tages franzbrötchen geholt, also sonntag vormittag das haus verlassen ohne grund, im finsteren winter ist die wohnung ja eine feste umarmung, aus der man nicht heraus möchte. das unmerkliche hellerwerden (klingt nach hellebarde, stoßwaffe gegen die dunkelheit)(einer dieser sätze, die ich meistens wieder lösche, aber die jährliche wiederkehr des lichts kann gar nicht groß genug gefeiert werden) kippt langsam ins bewusste, vor acht schon licht, menschen wollen was unternehmen, 13:30 und es ist noch völlig hell. schon wieder kurz krank gewesen, magen wollte nicht, aber es geht schon wieder, heute nur noch männerschnupfen. für 2 kids ist grade die sehr anstrengende prüfungszeit am ende des semesters, wünschen sie ihnen gute nerven und gute fragen, der dritte füllt den rest seines pausensemesters mit einem praktikum, bei dem er mehr verdient als ich, was mich doch nachdenklich gestimmt hat. sicherheit schön und gut, aber … werde nachdenken, in wie weit ich mir bloss selber nicht mehr zutraue. vielleicht doch noch im nicht-sozialen bereich neu bewerben? andrerseits brauche ich wirklich nicht viel mehr, und weiß gar nicht genau, wie ein höheres einkommen meinen alltag verändern würde. mehr essen gehen? ich würde mehr klamotten kaufen, aber mein schrank ist sowieso schon zu voll. mein job bringt mich zum lachen und hält mich beweglich, ich kann mit dem rad hinfahren, er ist sinnvoll, wenn auch einen tick zu anstrengend. alles wichtige besitze ich bereits. mit mehr geld würde ich gelegentlich mal für eine woche an ein südliches meer fliegen, aber damit ist der umwelt mehr geschadet als mir genützt, den verzicht kann ich verkraften. die kids bräuchten dann kein bafög, das wäre natürlich ein wirklicher gewinn.

vorgenommen, mehr schmuck zu tragen, ohrringe, lackierte fingernägel, parfum, der kram steht hier im bad herum und wird ja nicht besser vom nicht tragen. eventuell nehme ich mir das jedes jahr um diese jahreszeit vor. gemerkt, dass mir der große aufwand, den ein gestyltes äußeres bedeutet, nicht mehr möglich ist, es scheint mir völlig unverhältnismäßig, ich empfinde das sogar als einen vorteil des singleseins. gelegentlich nägel bunt, gerne, aber dauernd, passend zur kleidung, wie es jemand auf twitter geschildert hat? der aufwand! es ist eine sache der jugend natürlich, ich erinnere mich kaum daran, ich hab die energie gar nicht. es ist natürlich noch immer, noch lange, tiefer winter, da sieht man unter den dicken astronautenjacken eh nix.

im winterschlafmodus habe ich noch wenig appetit, trinke eigentlich keinen alkohol mehr, gelegentlich überlege ich mir, mal einen whisky zu trinken, aber dann hab ich keine lust auf den biss des alkohols im mund, zuviel input irgendwie. freue mich auf ein kühles bier in der fernen sommerhitze. bisschen sorge, dass ich ende wie meine großeltern, die am ende nur noch praktisch salz- und gewürzfrei gegessen haben und es nicht verstanden haben, dass ich das nicht essen wollte. als kind dachte ich, die alten hätten eben ein leben lang das schmecken gelernt, hätten soviel probiert und wären immer besser geworden, bis ihnen dann ein hauch salz fürs erlebnis genügt, während ich als kind noch die volle dröhnung brauchte. das fade essen als lebensleistung.

ich weiß gar nicht mehr genau, warum ich hier alles in klein schreibe, es war damals etwas prinzipielles, eine wortgerechtigkeit, vielleicht auch eine hommage ans italienische. beim neuen rechner habe ich bei wordpress das rechtschreibprogramm noch nicht ausgestellt bzw. den schalter nicht gefunden und muss jetzt mit safari fast jedes substantiv extra wieder kleinschreiben, das ist ein ziemlich lächerlicher aufwand, besonders, wenn man den grund vergessen hat. wenn ich mit der hand schreibe, in notiz- und tagebüchern, nutze ich korrekte groß- und kleinschreibung, da ist die prägung durch schule etc. unüberschreibbar.

entdeckt, dass es eine neue staffel jack ryan gibt, handlung ist ein hanebüchenes weltuntergangsszenario, das mich angesichts der weltlage mehr berührt als die vielen genauso üblen 007-plots. hüpft bis jetzt ein bisschen viel durch europa, als wärs egal, hauptsache touristisch relevant, aber krasinski sehe ich gern dabei zu. wehe, wenn die serie nicht mit dem weltfrieden endet!

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kw neu

gestern abend das alleinsein gefühlt, an den richtig kranken tagen war es auch spürbar, genau wie frau fragmente es beschreibt. ich hoffe, das geht mit dem gesundwerden wieder weg, kann mir natürlich auch statt untermieterinnen jemanden für eine wg suchen, das wären dann 2 fliegen. vor allem hätte ich dann auswahl, anders als bei den männern, mit glück neue freundschaft. das hab ich mir für dieses jähr vorgenommen, freundschaften intensivieren, neue suchen, alte frisch halten.

noch was schönes: herr sven k hat sich von einigen zeilen hier im blog inspirieren lassen, ich glaube, das hätte ich gern für mein dating-profil:

februar. eigentlich erwarte ich jetzt ab sofort den frühling.

zu früh wachgeworden, das gute daran: kaffee und bloggen, das schlechte: mir fällt noch nix ein. inzwischen läuft radio, will mal andere weckerarten versuchen, ich mag die themen, die musik auf dlf dazwischen ist allerdings schwer aushaltbar. wechsel zu rai oder radio capital, der sprachfluss ist eine wohltat. auf rai 1 eine bemerkung über einen parlamentarier, der trotz hohem lohn mit freunden zusammen lebt, wie so ein student, dann mäandern die sprecher weiter durch die italienische politik und ich verliere den faden. ah, es ist eine presseschau! stimmt, ist ja noch vor halb sieben. fühle mich gleich weiter südlich, sprache hilft ja immer. erstmal zweiter kaffee. hach, wetteransage „dalla liguria alla campania“. ich sollte vielleicht doch endlich zurück nach italien gehen. mein job ist da noch schlechter bezahlt als hier, dafür ist die rente wesentlich höher.

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+

am freitag den frühmorgendlichen test vergessen, dann mittags einen gemacht, sehr hell positiv. hoffe, ich habe keinen angesteckt. zum pcr gefahren, dort noch ein schnelltest, auch positiv. hab noch kein ergebnis, bin aber in der zwischenzeit krank geworden, mit ordentlichem husten und starken rückenschmerzen, mit denen ich nicht gerechnet habe, komme kaum hoch, husten tut weh. jetzt also doch. bisschen beleidigt, mochte das kleine superheldinnengefühl, aber die wahrscheinlichkeit ist bei meinem job diametral entgegengesetzt zu einem lottogewinn. kein fieber, ich hoffe, es sind nicht die nieren, sondern die ligamente oder muskeln im unteren rücken, die wehtun, das ist wohl ein typisches symptom bei omicron. insulinbedarf 120%, das geht eigentlich, war bei der mittelohrentzündung höher. die impfung letzte woche war zu knapp, aber es sollen halt 6 monate dazwischenliegen. werde die symptome und das befinden hier aufschreiben, vielleicht interessiert es mich bei der nächsten erkrankung, die wohl ebenfalls zu erwarten ist beim derzeitigen umgang mit corona. ich bin fünfmal geimpft, das letzte mal aber erst, als ich wohl schon infiziert war.

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9. dezember 22

fürs nächste jähr mehr literatur vorgenommen. ich lese kaum noch, ich glaube, weil ich so wenig mitbekomme, was es an büchern grade gibt, worüber gesprochen wird. die auswahl fällt mir schwer, weil ich nicht 50 bücher pro jahr lesen möchte, lesen kann, zu müde und kaputt abends, sondern vielleicht 5 bis 12. in den buchläden gibt es die tische, bestimmt nach verkaufszahlen oder neuigkeiten ausgewählt, in der presse gibt es die kritik, aber ich finde immer weniger davon. literaturblogs sind der neue weg, vielseitig, überraschend, frei, sehr ergiebig, es gibt viele davon, im gründe sollte ich ein gut besprochenes werk lesen um herauszufinden, ob die kritik meinen Geschmack trifft. heute über twitter ein Interview mit italienischen Kritikern gefunden, die eine neue kulturzeitschrift im netz gründen wollen. der macher beklagt die sinkende qualität der literaturkritik in der (italienischen) presse, es ginge dabei oft nur um leseerfahrungen, er vermisst „intellektuelle aufrichtigkeit, mutige und analytische genauigkeit„. interessant fand ich seinen anspruch, die kritik solle aus den büchern das herausholen, was nicht einmal der/die autor*in dort vermuten würde, das finde ich eigentlich etwas schwierig, da geht es doch um dekonstruktion des literarischen schaffens, ein nackig machen verborgener absichten, diese anmutung von allwissenheit ist mir meistens zu viel. das ist doch ein akademischer ansatz, gehört diese art von kritik nicht an die uni? lieber respekt vor den autor*innen und vor mir als leserin, die einen eigenen weg finden möchte. trotzdem interessantes projekt, werde es lesen.

es wird jedenfalls überall viel zu viel besprochen. könnt ihr etwas empfehlen, werte leserschaft? letteratura hat oft (übersetzte) italienische literatur, der kaffeehaussitzer ist wohl auch eine gute adresse.

wenn ich einmal im jahr nach italien fahre, gehe ich immer in den hervorragend sortierten buchladen bei uns im ort und frage die inhaberin, was sie empfielt, kaufe dann meistens den neuen carofiglio und das buch, das den Premio Strega gewonnen oder fast gewonnen hat, und ein von ihr empfohlenes, in dem ich mich festlesen konnte. es sind immer nur drei italienische romane pro jahr, obwohl es in berlin sehr schöne italienische buchläden gibt. ich hab natürlich auch einfach keinen platz mehr für neue bücher, jedes davon landet auf einem stapel, die regale sind alle voll. sinnvoll wäre es, sich für ein buch zu entscheiden, es dann aus der bibliothek auszuleihen, aber das sind schon wieder zuviele schritte für jemanden wie mich, schade, am see gibt es auch eine moderne und relativ gute bibliothek. bei deutschen büchern habe ich noch kein so hilfreiches (wenn auch natürlich beliebiges) kriterium gefunden, bisher drangen interessante titel immer irgendwie zu mir durch, durch netz, presse, twitter, freund*innen, aber es gefällt mir fast nichts davon wirklich gut. ich brauche dringend neue lieblingsbücher, im ernst, ich bin dazu übergegangen, kochbücher zu verschenken, das kann so nicht weitergehen. sollte vielleicht mal darüber nachdenken, was mir gefällt. mich dabei ertappt, den söhnen schon wieder klassiker zu weihnachten schenken zu wollen. letztes oder vorletztes jahr waren es gesamtausgaben von ein paar deutschen dichter*innen, heine, rilke, celan, bachmann, die einfach jeder im regal haben sollte. so könnte ich weitermachen, etwas neues und einen klassiker, grundwortschatz und freispiel. (ich hoffe, wirklich, die jungs lesen mein blog weiterhin nicht.)

es geht aufwärts, brauche nur noch nachts schmerzmittel und bin wieder in der welt. das wirklich luxuriöse am angestelltenjob mit krankschreiben ist dieses sich nicht zusammenreissen müssen, nicht trotzdem alles schaffen wollen, nicht mit brummendem schädel und wackligen gliedern am schreibtisch sitzen und irgendwas fertig kriegen müssen, egal wie. wobei ich ehrlich gesagt als selbstständige fast nie krank war, weil kein kontakt mit kranken, anders als jetzt, wo ich permanent kleine umgeimpfte schniefnasen auf dem arm habe, dafür ist es mir im letzten jahr eigentlich ganz gut ergangen, toi toi toi. immer noch kein corona, viermal geimpft, aber ich rechne wöchentlich damit.

ein nachbar will das ganze wunderbare grünzeug, dass die hofwände bedeckt, abreissen, weil ihn das frühmorgendliche gezwitscher am schlaf hindert. unfassbar, oder? da gibt es schon so eine oase, ein geschenk inmitten der großstadt, und nein, es muss weichen, weil es einen einzelnen menschen stört. er hat jetzt um seinen balkon herum alles abgerissen, wo er dran gekommen ist. so viel zerstörungswut. macht mich wirklich traurig.

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kw 43

neulich in einen yt-beitrag über magical thinking reingezappt, von einem therapeuten, der sehr engagierte beiträge für leute aus schwierigen („toxic“ nennt er das) familien macht. ich finde mich da oft drin wieder, denke aber, solche strategien werden von vielen genutzt. ich spiele lotto, das ist ja auch magical thinking, aber eher in der tradition von pepe in neapel, der immerzu für einen lottogewinn betet, bis ihm gott eines tages sagt: aho, beppe, aber ein los musst du schon kaufen.

habe immer noch unaufgebaute lego-sätze im haus, hatte bisher an keinem wochenende diese mischung aus regression und planlosigkeit, die ich dafür brauche. an den wochenenden am liebsten mindestens einen tag ohne verabredungen, um runterzukommen, aber weil ich freund*innen eh nur noch an den wochenenden treffe, gibt es diese leeren tage nicht. sie fehlen mir.

ich lese sehr gerne blogs, die täglich befüllt werden, nehme mir das immer wieder vor, habe aber nichts zu erzählen. mein alltag hat klare abläufe, nach dem job bin ich fast immer zu müde, der spass am schreiben ist mir bei erschöpfung nicht möglich. ich setze mich in den sessel, wenn ich zuhause ankomme, bleibe da eine halbe stunde kleben, dann haushalt und essen, telefonate, um 21 uhr werde ich irre müde und schlafe ein, bis zehn oder elf oder zwölf, dann nochmal eine stunde netz, dann kommt die nacht. es kostet mich oft überwindung, nicht kurz vor mitternacht noch irgendwas zu kaufen (eine isländische warme strickjacke, einen rechner, einen teppich, ein bild), das ist ein bisschen frustrierend, andrerseits lese ich es als hinweis darauf, dass ich doch noch bedürfnisse habe, die über den alltag hinausgehen.

heute mit freundin spazieren gegangen und einen kakao getrunken, im café lauter leute in tshirts, drum herum das ganze laub auf dem boden, schon nicht mehr knallbunt, sondern braun und krisp. es ist befremdlich. wir reden über k-filme und wie wir uns einen wünschen, der eine möglichkeit des postapokalyptischen lebens aufzeigt, statt immer nur in blöden kriegsphantasien und überlebenskämpfen zu verharren. eine dystopie mit utopischem anteil. die gewaltlust scheint genauso übermächtig wie die gier.

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16 august 2022, lago

noch in der ausatmen-phase. am vorletzten arbeitstag musste ich wg diabetesdingen freinehmen, dabei gemerkt, dass mein insulin nicht mehr lieferbar ist, sehr unangenehmes erlebnis. musste zur ärztin, die mir eine andere marke verschrieben hat, angeblich identisch in der zusammensetzung. habe gleich 3 packungen geholt. am nächsten tag nach der arbeit noch gepackt, samstag früh nach münchen, kein vergnügen, überall baustellen und sehr viel verkehr. bei der tante wie immer sehr gastfreundlich aufgenommen worden, weißwürste bekommen, gutes bier, familiengeschichten geupdatet. sie erzählt, wie sie (sie ist die cousine meines vaters) mit ihrer familie in hermannstadt am sonntäglichen mittagstisch saß, als meine geburt per telegramm mitgeteilt wurde. „es ist ein mädchen!“. daran gedacht, als croco auf twitter die geschichte ihrer geburt erzählt hat, sehr dramatisch. meine geburt ist für die nächste generation so lange her wie für mich die meiner eltern in den dreissigern, also frühe vorgeschichte, details wie das telegramm (oder der große kreissaal wie bei croco) helfen dabei, die länge der zeitschiene wahrzunehmen.

habe meinen fotoapparat und eine gitarre mitgenommen, mal schauen. kamera habe ich schon benutzt, gitarre geht noch nicht, bin bei ankunft direkt beim ersten gepäckhochtragen auf der steintreppe hingefallen und muss jetzt eine weile daumen schonen. alles bisschen viel, und man wird nicht jünger, hab das auch auf der gesamten, eigentlich sehr geliebten strecke durch die schweiz gemerkt, war nicht in der gegenwart, nur alte stressfilme im kopf, wie wenn beim abfluss leerpumpen erstmal der müll hochkommt. jetzt ist das vorbei, noch nicht die erholsame langeweile, aber innen wird es ruhiger. gedacht, kein job sollte so anstrengend sein, dass man danach völlig erledigt ist. in meinen was-wäre-wenn überlegungen stelle ich mir gelegentlich die frage, ob ich ohne finanzielle notwendigkeit weiter so arbeiten würde, so als kriterium, ob der job gut ist oder nicht. grade ist es ein lautes hmm. aber nützt ja nüscht.

heut um 8:30 auf dem dach der coop parkplatz gefunden, das ist immer schwer am markttag. schüsseln nachgekauft, im buchladen bücher, eins von carofiglio, hurra! möge er weiterhin eins pro jahr veröffentlichen, und einen krimi, mal schauen, mal sehen. noch bin ich in der agatha-christie-phase meiner ankunft, die ollen zerfledderten bände, die mich jedes jahr behutsam und in sicherheit aus dem alltag herausbegleiten. zeitungen gab es immer noch keine, weil gestern ferragosto war. auf dem markt nur ein ganz paar ffp2-masken gesehen, ein paar ältere beim abholen im auto, im supermarkt trägt niemand eine, habe meine auch am arm vergessen.

seit jahrzehnten zum ersten mal alleine am see, bisher war immer mindestens emma dabei. genieße es, der hund fehlt natürlich, aber der eigene rhythmus ist so leichter wiederzufinden. übermorgen kommt der g.-zwilling für ein paar tage, und egal wie richtig und toll und superig das alleinsein ist, wenn ein kind kommt, ist das weggewischt, als wäre es nichts, und nur noch freude ist da, in jeder zelle. vorgenommen, dieses jahr wieder kontakt aufzunehmen zu den tollen leuten, die ich hier noch kenne. es gibt theater und kunst im seesommer, und lustige neubauten am stadtrand.

so, und jetzt erstmal an den strand.

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nervendes, teil 1-3

wochenende. samstag 10 uhr, fühlt sich wie 9 uhr an, vabbeh, immerhin. ich habe heute gute laune, genieße den tag, freue mich auf den spaziergang nachher, will noch in den baumarkt, dann noch muttern versorgen, das wetter ist gut. frisur hält.

drei sorgentöpfe im regal, im ersten ist die weltlage, die ist ja wirklich besorgniserregend, das sickert so in den psychischen untergrund, es ist anstrengend, nichts ausrichten zu können dagegen und einfacher, alles zu verdrängen. der krieg hat einen despoten, dessen handlungen nicht vorhersehbar sind, aber beim klimawandel gibt es haufenweise möglichkeiten, die aus reinstem egoismus und aus profitgier nicht umgesetzt werden. es ist schwer, das mitanzusehen, nichts tun zu können, altruismus sollte vorgelebt werden, und es gäbe ja sogar eigennützige motive dafür, es geht ja um die zukunft von allen, auch um die der politiker und konzernchefs. wie albern sich so ein satz anfühlt, er ist so naiv in seiner selbstverständlichkeit, und macht nur fassungslos. ich lande bei diesen themen beim stoizismus (frierst du halt nicht nur im sommer, sondern auch im winter) und beim hedonismus (gegenwart genießen, sie kommt nicht wieder), verspüre aber einen gewissen stress.

beim diabetes war ich auch ein bisschen doomscrolling. ein anruf bei abbott hat nach zähem weiterfragen ergeben, dass der libre 2 allerhöchstens bis ende des jahres verfügbar bleibt, danach „muss er vom markt“, abbott ist in einen umfangreichen patentstreit mit dem konkurrenten dexcom verstrickt. der neue libre 3 sensor ist unhackbar, habe also einen termin gemacht für einen wechsel zu dexcom, obwohl deren nächster sensor eventuell auch so dicht sein wird. neue anforderungen durch die zulassungsbehörde in den usa bezgl. der cybersecurity ermöglichen den herstellern, jede offene stelle zu schließen, als nutzerin habe ich damit keine möglichkeit mehr, meine daten selber zu verarbeiten oder sie zu nutzen und bin auf die oft miesen programme der hersteller angewiesen. die werte sind dann schwer zu exportieren, zu vergleichen, nach eigenen kriterien zu durchsuchen, dem arzt vorzuzeigen etc. pp. hier mit mehr hintergrund ausgeführt. hoffnung gibt die bemerkung des autors, dass unhackbar für leute gilt, die aus finanziellen motiven hacken, die also aufgeben, wenn der aufwand nicht lohnt. beim loopen sind es existentielle und sehr persönliche interessen, da fällt das dranbleiben leichter. und dass die großen firmen, nach einer erfolgten zulassung durch die fda (food and drug administration), eventuelle lücken nicht mehr nachkorrigieren, weil sie kein finanzielles risiko bedeuten.

die looperei ist sicher die zukunft der t1-diabetes-therapie, inzwischen gibt es neben den selbstgemachten allgorithmen auch welche von der industrie, hier stellt jemand alle im letzten jahr angekündigten oder verfügbaren systeme vor. die meisten sind proprietär und kosten geld, dh. ich müsste dann ein bestimmtes insulin oder eine bestimmte insulinpumpe nutzen oder zb. 80 pfund mtl. dafür zahlen. damit steigt dann auch das interesse der firmen, den nutzern ihre zahlen nicht zur verfügung zu stellen. alles wird zu geld gemacht. man sollte in den louvre gehen und alle kunst verschenken, oder nee, die ganzen vorstände sollten etwas kulturell wertvolles herstellen und verschenken, und schauen, wie sich das anfühlt, oder jemanden glücklich machen, ohne etwas dafür zu erwarten oder zu verlangen, klar gibt es eine wasserscheide zwischen beruf und privatleben, aber bei einer krankheit gibt es diese trennung ja auch nicht. und danach sollten sie eine weile für die luft bezahlen müssen, die sie atmen, wobei das bestimmt auf lange sicht nur zu einer atemsteuer führen wird, so wie die welt grade läuft. love is the answer, ihr idioten bei lilly, die insulin in den usa unbezahlbar machen.

ich wünschte, ich könnte hacken.

außerdem noch genervt über das tarifrecht, aber mit weniger impetus, weil ich ja schließlich ein anderes leben hätte führen können. trotzdem ärgert es mich, wenn in anderen bundesländern monatliche zulagen durchgesetzt werden, dazu zusätzliche freie tage, und in berlin nichts davon ankommt. dabei fehlen deutschlandweit über 230.000 pädagogische fachkräfte, in berlin 7000, also weitaus mehr als menschen in kneipen oder flughäfen. das wird sich auch nicht ändern, niemand möchte einen so anstrengenden job für so wenig geld machen, aber berlin ist wohl wirklich pleite, wenn es nicht um flughäfen oder so geht.

so, husch husch ins körbchen, ihr nerven, auf zur ohne-hunde-runde.

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30. mai 22

das erste mal im neuen job krank zuhause geblieben. fühlt sich merkwürdig erwachsen an. habe einen dieser infekte, die sich nach corona anfühlen, aber alle tests sind negativ. glaube inzwischen, dass ich es nicht kriegen werde, aber das dachte d.-zwilling auch, und der hat es jetzt.

wenn ich allein zuhause bin, rufe ich manchmal nach emma, weil es sich so vertraut anfühlt, und weil sie immer gekommen ist.

zwischendrin das bedürfnis, mein leben zu gestalten, etwas erreichen zu wollen, schaffe es kaum, einen spielraum dafür zu sehen, eine fuge, wo noch bewegung möglich ist. das meiste hält von alleine fast zu gut, wenn auch eher von außen. wo du hingehst, da bist du dann. vielleicht fehlen mir aber auch bloss die hunderunden, die rituale, die gespräche mit den hundemenschen, die täglich erlaufene stadt. habe tatsächlich mehr stillstand als früher.

die liebe ist ja auch so ein veränderungsimpuls, ein bewegungsdrang, vielleicht sollte ich statt hund wieder einen mann suchen? der macht dann aber noch mehr arbeit. ich merke auch, dass ich wirklich gern allein bin, und warum jetzt wegen der generischen annahme, dass sich das im alter nochmal ändert, die jahre bis dahin auch schon hergeben? sich richtig zu verlieben, alles geben wollen, alles nehmen können, das wäre schön, aber ich kann mir das nicht mehr vorstellen, es ist zu lange her, und der aufwand mit den portalen immer, nee.

den neuen knausgård angefangen, lese ihn sehr gerne, bin gespannt, wie er sein neues thema klimawandel im fluss unterbringen wird. bisher wirken seine ideen dazu wie diese momente, wo im film die normalität plötzlich kippt und das unfassbare eintritt, eher wie phantastische oder scifi-elemente, ohne bezug zum bis dahin erzählten, eher deus ex machina als homo factus. man liest das und denkt so: hm? bin gespannt, wie es weitergeht.

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13. mai 2022

letzter tag meiner ersten frühdienstwoche. ich komme immer nur 5 minuten zu spät und muss dann eben schneller aufschließen, wecker klingelt früh genug für einen kaffee im bett, es ist ja schon hell und also machbar. hab mich über den frühen feierabend gefreut, ihn aber gar nicht richtig nutzen können, weil ich ziemlich ko war. abends um 21 uhr sind die tage dann vorbei. ich kann die frühdienste auch tauschen, sie sind relativ beliebt, bin noch unentschlossen.

gestern nachmittag dann noch emmas asche abgeholt. die streubox ist etwa so groß wie diese 1l-trinkflaschen, die es grad überall gibt. das tierkrematorium ist ein paar kilometer vor berlin, in einer schleife aus abfahrten und auffahrten auf die a10, ein relativ eleganter kleiner neubau mit dem schornstein, den ich nicht ansehen mag. das gebäude ist autobahnumtost. innen viel glas, beton, schwarzweißdrucke von steinen, eine freitreppe, es sieht aus, als hätte es preise gewinnen können. an einem tisch im empfangsraum sitzt ein paar und spricht mit einem mitarbeiter, der dann mit einem kleinem hundekorb weggeht, das tier darin in eine decke gewickelt. es gibt eine auffällig schön gestaltete kleine wiese neben dem gebäude, mit einem teich, schilfgras, blumen, erst auf dem heimweg fällt mir ein, dass das wohl die blumenwiese ist, wo man die asche seines tieres verstreuen (lassen) kann. der mitarbeiter sagt mir, nach dem bezahlen, ich solle ihm folgen, ich wundere mich, dass er mir die box nicht einfach über den tresen reicht, aber durch einen gang kommen wir in einen kleinen raum, wo die box auf einem tischchen steht, mit einer brennenden kerze und einer schmuckkarte. daneben ist ein sofa, ich kann da bleiben, „solange wie sie es brauchen, rufen sie mich dann einfach“. ich danke und sage, ich würde sowieso schon heulen, ich würde jetzt lieber gehen. ich bekomme die eingewickelte box in einer kleinen tragetasche mit. ich hab das krematorium eigentlich nur ausgewählt, weil es das preiswerteste war, aber die freundlichkeit und der respekt der mitarbeiter vor der trauer der tierbesitzer ist wirklich wohltuend. überall standen boxen mit taschentüchern. es hätte sogar die möglichkeit gegeben, vor der kremierung in einem raum von ihr abschied zu nehmen, aber das hab ich ja schon in der klinik gemacht. ich habe mich (natürlich) für eine einzeleinäscherung entschieden, es ist ein vertrauensvorschuss, wenn man nicht dabei ist, aber das gehört zum gehenlassen, denke ich. ich bekomme als sicherheit einen stein mit einer nummer, der liegt mit in der box, habe das prinzip aber nicht verstanden. es kostet 318 euro, soviel in etwa habe ich damals bei jack auch bezahlt. ich denke darüber nach, ob das heizkosten sind, oder gebühren, oder ob das eben der preis ist, den so etwas kostet. es ist ein drittel teurer als die einäscherung eines menschen.

ich wollte die asche eigentlich auf einer wiese im umfeld verstreuen, aber eins der kinder wünscht sich die ostsee, damit sie wirklich frei sein kann und nicht im abwasser berlins landet. ich wundere mich die ganze zeit darüber, wie wenig zugriff mein verstand auf die trauer hat, wie viel anwesenheit emma noch in meinem kopf hat, wie schwer mein bewusstsein seele und körper des hundes voneinander trennen kann, ein hund kommuniziert ja mit dem ganzen körper, alles an ihm ist irgendwie sprache, ok nee, aber doch beziehung und kommunikation. mein kopf denkt sie noch dauernd mit, die beziehung läuft halt ins leere, füllt vielleicht jetzt meinen umgang mit der asche, weil es ja sonst keinen ort mehr für sie gibt.

auf der rückfahrt vom krematorium gleich noch das auto gewaschen und die meisten hundehaare rausgesaugt.

eine liebe freundin, die seit einiger zeit sterbeamme ist, hat von einer aus den staaten kommenden art der kompostierung gesprochen. der körper wird mit einer art kompost-trigger innerhalb von vier wochen zu guter erde (es gibt dabei auch methoden, die sich eher brutal und bisschen mafiaesk lesen, sehr gruselig), anders als, wie sie es beschrieb, die särge im berliner lehmboden, die ewig lang dort liegen, ohne dass sie wieder zu dem staub werden können, aus dem wir alle sind, mensch und tier.

(ich habe über die lebendige emma weniger geschrieben als über die tote. fühlt sich doof an, aber ich muss halt wohin damit. sie war in den letzten 10 jahren meistens dabei, bis auf die stunden im job, seit 5 monaten. das alleinsein hat ihr glaube ich nicht gut getan.)

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caracas-berlin, einfach

ich frage, wie sie denn ostern feiern. ah, sagt er, sie haben eine ganze woche frei. und? frage ich. „hinter caracas kommt noch ein berg, da muss man rüber, dann ist es nur noch strand.“ er macht mit den händen eine sehr breite geste, „ostern gehen eigentlich alle ans meer.“ und nicht irgendein meer, die karibik. venezuela muss eins der schönsten länder der welt sein, aber die lebensumstände sind unlebbar. der gaststudent erzählt, wie die leute für ein paar wochen, einen monat arbeit um die 3$ nach hause bringen, sie müssen also mehrere jobs arbeiten oder brauchen hilfe von verwandten aus dem ausland, aber es reicht trotzdem für gar nichts. seine eltern sind beide akademiker, aber ihr geld ist nichts mehr wert. er erzählt, wie die menschen in caracas bis 5 oder 6 uhr am nachmittag arbeiten, dann ist es dunkel, das ganze jahr über, es gibt keine jahreszeiten in venezuela, es ist immer tropischer hochsommer, und es wird immer um sechs stockfinster, ganz schnell. danach sind die strassen zu gefährlich, dann „rennen“ die menschen nach hause und schließen die türen hinter sich ab (er war erstaunt, dass ich das hier nicht tue, mich einschließen). wenn er mit seinen freunden ausgehen will, dann gehen sie früh los, rennen („running“) zu einem club, der schließt irgendwann die türen, dann müssen die kids durch die nacht nach hause, aber das ist lebensgefährlich, also machen sie das nur, wenn jemand in der nähe des clubs wohnt und sie schnell dorthin kommen können. ich stelle mir wirklich vor, die sie dauernd herumrennen, vielleicht ein übersetzungsfehler, aber sein englisch ist gut. er erzählt ein paar abenteuer, mit bewaffneten dieben, „thieves“. feste finden bei leuten zu hause statt, und die gäste bleiben bis zum nächsten morgen, weil niemand nach 18 uhr noch auf die strassen geht. er erzählt, wie es 2017 nichts mehr zu essen gab, wie unruhen herrschten, regierung gegen studenten und bevölkerung, und wie schwierig es war, weil das sistema, dass ihn mit seinem instrument gefördert hat, auf der seite der regierung war, aber alle studenten auf der anderen seite. es waren nicht nur demos, 200 schüler sind getötet worden in den unruhen, auch ein freund von ihm, armando, den er von klein auf kannte, er spielte viola, und war sehr gut. dudamel hat eine rede für ihn gehalten und durfte seitdem, so erzählt er, mit keinem orchester in venezuela noch auftreten. er erzählt von den drei hochklassigen orchestern im land, das beste heißt simon bolivar orchestra, in was sie sich unterscheiden, im stil, der stückauswahl, es klingt ein bisschen wie die konkurrenz zwischen fussballmannschaften, und wie die guten schüler aus dem sistema bei einem von ihnen unterkommen wollen, und wie hart es ist, der konkurrenz standzuhalten. erst beim googeln sehe ich, dass es alles jugendorchester sind, die für erwachsene habe ich nicht gefunden. es muss sie ja geben, vielleicht weiß es einë leserïn*?

*beim gendern findet ja eine diäresis statt, da ginge doch ein trema, oder nicht? ich finde es elegant und kohärenter als sternchen oder |, für das ich jetzt erst 6 andere zeichen tippen musste, bis ich es gefunden hab.

jedenfalls hat er sich, als er volljährig war, bei der hanns eisler hochschule für musik beworben, wurde angenommen und ist jetzt mit der unterstützung durch einen sponsor nach berlin gekommen. er ist zum ersten mal weg von zu hause, ihm fehlt venezuela, und als er anfang april aus dem flugzeug kam, waren es 5° c, da wollte er sofort wieder umkehren, weil das für ihn unfassbar kalt ist, „never, never“ hat er so eine kälte erlebt, „it’s an adventure.“ er ist wohl erstmal eingekleidet worden von seinen neuen kollegen, ich habe ihm eine abgelegte winterjacke der jungs angedreht, schon die 19 grad in der wohnung sind eine herausforderung für ihn. eigentlich weiß er, dass er hierbleiben wollen sollte, obwohl alles so anders ist, das gehört zu seinem plan, ich hoffe, dass alles so läuft, wie er es sich wünscht, ich bewundere ja leute mit plänen sehr, auch wenn es bei ihm wohl aus der not geboren ist. er erzählt, wie er an den ersten dunklen abenden auf berlins strassen die angst abschütteln musste, weil er es nicht kannte, im dunkeln ohne angst herumzulaufen. ich sage ihm, dass wir am stadtrand auch ein paar gefährliche ecken haben, aber er lacht nicht einmal.

ein zwilling war zum zwillingsgeburtstag hier, wir haben zusammen kuchen gegessen und die beiden jungs haben sich unterhalten. ich weiß nicht genau, welche rolle ich da möchte, bleibe also freundlich im hintergrund und gebe ratschläge nur, wenn ich gefragt werde, verspüre aber einen kleinen hang zur kulturellen botschafterin europas oder so, was filme, bilder, geschichte angeht, mal sehen, ob er da bei seinem sehr dichten uniprogramm noch freiräume für hat. er ist ein fussballfan (bayern münchen) und möchte da gern mal ein spiel sehen.

die woche war ja kürzer, aber trotzdem zu lang und viel zu kalt. langsam spüre ich es trotzdem, dass die tage länger sind und damit für mich wieder nutzbar werden, im dunkeln ist irgendwie alles eins. ich wette, in ein paar wochen, höchstens monaten, kann ich mich sogar zum lesen auf den balkon setzen.

über emma noch ein tolle nachbarin kennengelernt, sie arbeitet zu hause und nimmt sie vielleicht mal ein paar stunden zu sich. bild und sprache sind ihr metier, wir sassen gestern zwei stunden bei einem spontanen tee in der küche, wie zu studizeiten in kreuzberg, meinte sie. es ist vielleicht so, dass wir uns alle nicht sehr verändern, wenn alles gut geht, es gibt nur weniger gelegenheiten, so zu sein, wie wir mal waren. räume dafür offenhalten.

bei picard wird der plot, der früher für eine folge gereicht hätte, auf eine ganze staffel ausgewalzt. es ist alles redundant und eher verworren. ich leide und verstehe nicht, wie das so schiefgehen konnte. liest das denn keiner vorm filmen? warum sparen sie an den autorïnnen?

ich wollte eigentlich am wochenende bloggen, jetzt hab ichs schon erledigt. ich kann ja einfach nochmal bloggen.

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10. juni 2021

die wärme draussen umfängt mich, jeder blick ins blau und grün ist fest verbunden mit allen anderen sommern, die bilder hängen aneinander wie eine lichterkette, ich muss bloss die augen schließen. sofort eine tiefe grundentspannung, ich bin ein sommermensch, mag die hitze, werde erdbeereis machen, sobald ich den blöden freezer abgetaut habe. tanken für den winter beginnt jetzt.

friedrichshain, sommertag

gestern und vorgestern hatte ich die letzten prüfungen für einen abschluss als zertifizierte erzieherin, habe die ausbildung als sogenannte nichtschülerin ohne schulischen rahmen gemacht. das ist eine feine methode, quasi nebenher einen abschluss zu machen, wenn auch arbeitsaufwändig, weil es viel zu lernen gibt, und für prokrastinatorinnen wie mich zeitweise mühsam. dabei ist der gesamte stoff wirklich interessant, alles lässt sich direkt anwenden, ich habe viel gelernt dabei. nur der jargon ist gewöhnungsbedürftig. die pädagogik hat ein hohes mass an kombinierten substantiven, es gibt eine unmenge an x-kompetenzen, die man auseinanderhalten sollte. meine mutter dazu: endlich hast du einen beruf!

seit gestern (!) nach längerer ebbe zwei neue jobanfragen im alten berufszweig, total verlockend und interessant, wie üblich projekte, keine festen jobs, aber ist das nicht typisch? was für ein irres timing. einen musste ich absagen, so ist das halt, aber es tut ein bisschen weh. als erzieherin werde ich aller wahrscheinlichkeit nach sichere jobs haben, mit anderen herausforderungen, und durch die kontinuierliche beschäftigung ist der lohn wahrscheinlich am ende des jahres ähnlich wie bei diesen hin-und-wieder-projekten, die jedes für sich höher bezahlt werden. mein herz schlägt für beides, ich glaube, mein kopf braucht auch beides. vielleicht ergibt sich ja was.

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8. januar 2021

(aussichten vom berg. pic: der große)

ich hatte ja vor, über meine ersten wochen alleine ausführlich zu berichten, mit tipps für andere eltern in der ersten phase des leeren nests, mit hoffentlich unerwarteten einsichten über das leben mit und dann ohne kinder. ich habe am ersten tag alleine zu hause aufgeräumt und geputzt und die leeren, ruhe ausstrahlenden oberflächen im haus genossen, besonders die in der küche, auf der waschmaschine und den esstischen. ich habe alte schuhe weggeworfen und liegengebliebene pullover gewaschen, ich habe mir schön den tisch gedeckt und ein für eine person gekochtes gericht gegessen, von dem viel übriggeblieben ist, aber ich lerne das noch. mit all dem habe ich erst 4 tage nach auszug des letzten zwillings anfangen können, weil der große sohn 4 tage länger geblieben ist (online-uni). dann habe ich es genau einen tag lang genossen, bis überraschend der d.-zwilling wieder da war, weil er was mit bank und einwohnermeldeamt erledigen muss, klar, und natürlich war sein bett frisch bezogen und ich hatte ingwer im haus, den er grad knollenweise im tee zu sich nimmt. das bettzeug für den anderen zwilling, der eben grade auch noch überraschend auftauchte, hatte ich aber nicht vorbereitet. zusammenfassend lässt sich sagen: so schlimm ist der auszug der kinder nicht, am anfang bemerkt man ihn gar nicht. erste empfehlung: in den ersten wochen keinesfalls auf den großeinkauf verzichten, notfalls den tiefkühler füllen.

ich bin selber gespannt, wie es weitergeht.

ich muss entscheiden, ob ich einen job mit kindern suchen soll oder nicht. ich suche ja schon länger, habe in der bio meinen diabetes stehen, und natürlich mein alter, daran könnte es liegen, dass nichts zurückkommt, und daran, dass alles sowieso geschlossen ist oder nur für die notbetreuung offen bleibt. oder es ist die post, die für alles wochen länger als erwartet braucht, ja, es gibt immer noch viele stellenanzeigen mit postanschriften. war aber auch ganz froh darüber, aus gründen der vorsicht, weil mir corona schlecht einschätzbar scheint. aber jetzt werde ich den diabetes wieder rausnehmen (ihn also wie sonst erst beim gespräch erwähnen) die entscheidung selber treffen, statt sie dem ag in spe schon im vorfeld zu überlassen. mit masken und vorsicht und händewaschen, ich will und muss dringend weiterkommen in einem lieblingsprojekt grade, alles bisschen suboptimal, aber ich bleibe optimistin.

auf die impfung warten wäre leichter, wenn man wüsste, wann es eine geben wird.

vorgestern abend fassungslos und gebannt bei der stürmung des kapitols zugesehen, nach einem tag brav am schreibtisch. konnte nicht wegschalten, cnn lief, das dauernde reden und analysieren der moderatoren hilft dabei, das geschehen zu verarbeiten, vor allem reden die so schnell, wie die eigenen gedanken kreisen. geschichte wird gemacht. kann nicht abschätzen, ob t. noch rausgeschmissen wird in seinen letzten paar tagen, das wichtigste scheint mir, ihn und seine komische familie von weiterer politischer aktivität fernzuhalten, vielleicht kann man ihn mit was anderem beschäftigen, ihn in einem spiegelsaal einsperren, oder auf einer jacht mit sexrobotern. 147 republikaner haben trotz der meute im kapitol am widerspruch festgehalten, das scheint mir nicht ausschließlich durch karrierismus oder einen mangel an rückgrat erklärbar, das wird in der situation zu antidemokratischem politischen handeln, unentschuldbar eigentlich. wo die wapo sagt „democracy dies in darkness“ kann man jetzt ganz unelegant einwenden, dass „broad daylight“ es besser trifft, und „vor laufender kamera“, soviele selfies. auch: wie schnell sowas passiert, 3 stunden symbolischer akt, alles ist anders. einen tag später lavieren all die leute drumrum noch weiter, diskutieren, räumen auf, starten aufrufe, kündigen, wie man das halt so macht in zivilisierten gesellschaften, und die meute ist längst wieder ungestört nach hause gegangen, von keinem polizisten aufgehalten. dem t. wird nichts geschehen. 5 tote. ein bisschen mehr verhaftungen hätte ich mir gewünscht.

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