1. ferientag. schatzkammertag, alle schachteln, dosen und kästen mit steinen, schlüsseln, münzen, aquarell- und graphitmalkästen, fundstücken, ketten, briefmarken, tagebüchern, bastelkram werden ausgepackt.
die münzen, erzähle ich den kindern, hat mein großvater vor seiner heirat auf langen reisen durch die provinz selber zusammengesammelt, hat den leuten geschichten darüber erzählt, wie das leben in rom, im süden und in der vergangenheit war, er war in gegenden, wo nur alte münzen als zahlungsmittel akzeptiert wurden, und hat sich über die monate einen ordentlichen schatz an silbermünzen zusammengesammelt. das weggeben fiel ihm immer und immer schwerer, und er musste seine reise beenden, als alle seine taschen, alle strümpfe, sogar die unterwäsche mit münzen vollgestopft waren, und er nicht mehr schlafen konnte, aus angst, er konnte sich nichtmal mehr hinsetzen, weil das ganze silber an seinem körper leise klingelte und so seinen schatz verraten hätte. nach der heirat hat er alles in plastikbriefchen verpackt und in flachen pappschachteln in seinen aktenschränken versteckt, wo wir es nach seinem tod gefunden haben. ich sage den kindern, ich hätte keine ahnung, was all der kram wert sei, und dass der sentimentale wert vielleicht, aber nicht unbedingt, höher als der materielle sei.
(in wirklichkeit haben die jungs schon seit dem dritten satz nicht mehr zugehört und sich interessanteren dingen wie der auswahl eines films oder eines neuen ipad-spiels gewidmet, so dass ich dann vollkommen unerhört weiterhin die tollsten döntjes erzählen kann, piraten, räuber, geheime königliche sonderprägungen, „laut dem letzten brief meines urgoßvaters befindet sich unter all dem silber eine einzige, sehr alte, sehr gut vergessene (das beste versteck: vergessen) und vollkommen unscheinbare zeitreisemünze und “ … hey, das ist ja tatsächlich eine idee: ©)
in den kästen gefunden: zwei goldvreneli und zwei goldene austroungarische 20-coronen münzen – heut ist schatztag für alle – und zweimal deutsche geschichte, einmal als lustige 5DM-münze mit einem schönen portrait von karl marx,
einmal in form einer sondermünze für die olympischen sommerspiele 1972. die ist immerhin schon ganz grün. der wertbewusste und geschichtsvergessene tunnelblick der münzsammler.














