americana

‪american gods habe ich zwei- oder dreimal gekauft und geschenkt bekommen, jedesmal ganz gelesen und dann vollkommen vergessen. müsste ein paar davon im regal stehen haben, finde keines, aber meine bibliothek hat sich auch gegen mich gerichtet grade, weil ich sie so wenig nutze. ‬ich finde nur noch bücher, die ich nicht gesucht habe.

in der serie erkenne ich auch nix, bin am ende der ersten folge fasziniert von den effekten, ich halte sogar die vielen slomo-gewaltszenen aus, sie benutzen ein helles, übertrieben flüssiges filmblut, die szenen kippen dabei vom realistischen ins symbolische. ein gelungener blutrausch, und das sage ich als jemand, der für gewaltszenen sehr gute gründe braucht und dabei selten hinsieht. trotzdem wird gewalt natürlich sehr schnell langweilig, auch mit zeitlupe oder psychedelischen blutwürfen. bisschen erstaunt über die langsame entwicklung des plots. die langen metaphernreich mäandernden monologe zeigen den respekt der autoren vor dem autor, die macher setzen ihre bildsprache mit farben und effekten gleichberechtigt neben sprache und schauspielerpräsenz ein, dazu eine echte americana- auswahl an drehorten und hintergründen, mit landschaftlicher wucht. als ob der film als kunstform seine macht erst noch beweisen müsste, neben all den göttern. jetzt erstmal eins der bücher wiederfinden oder es nachkaufen und neu lesen und neu vergessen. ob ichs weitergucke weiß ich aber noch nicht, bislang kein haken im fleisch.

star trek -1

ab mai wird es eine neue serie aus der star trek reihe geben. ein weiteres prequel, wie es scheint, sofortige große unlust. zur sicherheit hab ich mir die letzte show nochmal angesehen, also die erste folge von „star trek: enterprise“. vom lagerfeuer- folksong- soundtrack werden mir ja schon vor beginn die augenbrquen hochgezogen. ich möchte nicht mit kitsch in eine scifi-serie gelockt werden, oder ist das ein selbstironischer verweis auf die ewig gestrigkeit der alten fans, also auf mich? na, danke auch!

die vorgeschichte einer zukunftsversion interessiert mich nicht sehr, ich will mehr zukunft, will wissen, wie es weitergeht, nicht die klingonen, das beamen und warp 5 neu entdecken müssen. sie verkennen ihre stärken, den zukunftsentwurf, und verkriechen sich ins bekannte, und vergraulen damit sogar ihre langjährigen fans, denen das neue in bekannten strukturen gefallen hat, das spielerische, der zuwachs an weltraum und wissen, die gute autorität, stattdessen gibt es hier als motiv die unausgegorenen machtverhältnisse einer jungen crew – na gut, das kann man machen.

als trekkie gefällt mir die irdische gesellschaft des 24. jahrhunderts als funktionierende und eher sorglose utopie, deren genaue ausprägung für den handlungsverlauf nicht wichtig ist, denn es geht ja um kurze plotbögen, nicht um realistische weltentwürfe. klar geht es besser ohne geld, und es ist ein hübscher gedanke, dass die menschheit sich nur noch um humanistische ideale bemüht. get over it, sagen die serien, und erzählen ihren kram, als sei all das längst vergessene voraussetzung für die entdeckung des weltraums.

ich finde das alles tröstlich, vor allem mochte ich aber die zuverlässige überwindung von schwierigkeiten, also das ende der auseinandersetzungen mit den klingonen, cardassianern, borg, dem dominion. darüber hinaus finde ich diese filmkonflikte nicht interessant genug, um sie mir nochmal anzusehen. erfindet halt neue völker, neue konflikte, neue technologien und raumschiffe, anstatt die alten wiederzukäuen. habt mut, seid ein bisschen mehr frei vom geld, seid mehr wie die erde bei star trek.

schisshasen alles. dazu ist die handlung bei :enterprise eher wirr, viel gewalt, blöde erotische duschszenen mit der sexy vulkanierin, und dieser captain wirkt volkommen unintellektuell, nur in die jeweiligen situationen verstrickt, ohne einen auftrag, der über das überleben hunausgeht. wie ein versehentlich zeitgereister cowboy, wobei der mann ja für seinen comicartigen kinn/nasen- gestus nix kann. oder ist das eben das zeitgenössische daran? gut, ich werde auch noch die zweite folge gucken. wobei: es gibt einen hund an bord, seh ich grade, das ändert alles! jetzt muss ich weitergucken.

und jetzt machen sie noch sowas. unboldly back. ach, schade. schaue natürlich trotzdem rein, schon des vergnügen wegens, bei einer 50 jahre alten show auf dem gleichen 0-wissenstand wie meine kinder zu sein. star trek XI hat ja auch als prequel funktioniert, da habe ich auch nicht mit gerechnet. die haben aber das gleiche nochmal vollkommen neu erzählt, mit humor, großartigem casting und dem mutigen überschreiben der bildsprache, enterprise schafft das irgendwie nicht, da wirkt alles wie ein alter wohnwagen, in dem kinder etwas nachspielen. also: mit gemäßigter neugierde voran.