saisonale übergänge

erstaunlicher erschöpftseinsstatus. kenne ich nicht von mir, alles stresst, dauernd schlechtes gewissen, weil ich termine verschieben muss, die nur mit noch mehr stress zu schaffen sind, druck auf der brust, wach um vier, gereizt, kein überblick, mein zen ist futsch. vollzeit plus familie schaffe ich nicht, das ist schon wieder frustrierend. alter ist ein faktor, bin älter, als ich aussehe und jünger, als ich mich fühle, heute 54, und noch immer keine verdammte menopause. der job mit kleinkindern fordert auf akustisch intensive art, mir fehlt auch das denken noch immer, es läuft fast alles über intuition und erfahrung, aber nach ein paar richtigen sätzen von freunden kann ich besser damit leben, in einem kindergarten zu arbeiten. dass also eigentlich fast alles gut ist, muss ich mir grade noch stück für stück zusammenpuzzeln, es trägt noch nicht. freue mich sehr auf die freien wochen am see. ohne kids, die allein zuhause oder unterwegs sind, noch nie so viel zeit ohne kinder verbracht, vielleicht gehts mir dann doch nicht gut damit, eine trockenübung vor den auszügen wird das.

bah.

heut abend ein bisschen unterzuckert gelesen, dass ein mann sich einer schwangeren bei der festnahme auf den bauch gekniet hat, dass sie ihr kind verloren hat und dabei allein war, ohne ärztliche oder psychologische betreuung. sehe die beiden menschen wie in einem still, wie durch einen tragische fügung ausgerechnet ein grausamer mann an diese so verletzbare frau geraten musste, wie ein leben dadurch beendet worden ist. wer weiß, was das für ein mensch geworden wäre, ein einzigartiger, ein flüchtling sicherlich. natürlich ist es das system, das zu solchen situationen der wilkühr und brutalität führt, aber es braucht den einen mann, der es tut, der den akt ausführt, den letzten in der kette, von dem außer der kette nichts eigenes geblieben ist, das hoffe ich ja immer fast bei diesen brutalos, dass sie nur staat sind, weil ich den gedanken an grausamkeit und gewissenslosigkeit fast noch beunruhigender finde, aber wahrscheinlich kommen in so einer demokratie bloss beide zufällig zusammen, nur in diktaturen werden sie gewollt zusammengeführt, und so erzogen von klein auf, wie ich heut gelesen hab. wer weiß was den dahin gebracht hat, so zu werden, alles zu verlieren, was das hätte verhindern können, jede wahrnehmung seiner selbst. wie brutal das ist, wenn so ein akt keinerlei vorgeschichte haben muss, um geschehen zu können, vor allem hätte es jederzeit nicht geschehen können, das macht es so unfassbar, dass ein ausgebildeter polizist nicht damit aufhören kann, einer schwangeren den bauch zu verletzen, dass er es nicht verhindert hat, nicht etwas anderes getan hat.

im monitor-film zu der geschichte heißt es nicht „auf den bauch knien“, da zeigt die frau auf ihren unterleib, als sie von ihrer festnahme berichtet, ich denke, sie kann nichts beweisen, das gesetz hinter der abschieberei schützt bestimmt auch den einen täter davor, die tat überhaupt zur kenntnis zu nehmen. sie kannten sich nicht, opfer und täter, sie werden sich wahrscheinlich auch nicht wieder sehen. ich könnte nur schwer damit leben, einen fötus getötet zu haben, die beamten leugnen alles und sind kalkweiße wand geworden, ohne zeichen, ohne gewissen und verantwortung.

und von ihr kann ich nichts schreiben, ich weiß nur „aus dem iran“, es hat die beamten bestimmt gar nicht interessiert. sie hatte den mut, die kraft und die verzweiflung, ihr zuhause zu verlassen und auf die flucht zu gehen, sie hat den weg überlebt, sie ist in deutschland angekommen. der mann hat wahrscheinlich eine ausbildung gemacht und ansonsten nicht viel erlebt. wie unfassbar viel schlimmer die folgen von gewalt sind, was für eine wucht dieser mann dadurch bekommt, sein verhalten hatte auf ihr leben und das ihres kindes mehr einfluss als die flucht, und sie verschwindet beim erzählen schon wieder aus dieser geschichte, und ihr kind ist schon verschwunden. ich wünsche ihr, dass sie wärme und schutz gefunden hat. dass jemand zuhört. bah.

brennstoff selbstgemixt

ich sollte immer zucker in reichweite haben. erfahrungsgemäß unterzuckere ich dann sehr gerne, wenn ich im wald bin oder sonstwie meilenweit vom nächsten kiosk entfernt. oder beim ersten date im guten restaurant mit einem, der vom diabetes noch nix weiß. oder kurz vorm yoga – neulich stand ich auf einem parkdeck und fragte mich, warum die zivilisation so komplexe dinge wie parkhausschranken erfunden hat. also kaufe ich alle paar monate große ladungen traubenzucker als drops oder als glukosetabs, oder haribo in 3kg-packungen. die geschmäcker gehen dabei auseinander, jeder hat so seine erfahrungen mit mengen und marken. bei mir dauern 12g traubenzucker 20 minuten, bis sie im blut ankommen, alles andere dauert noch länger.

jeder diabetiker hat da seine vorlieben, ich esse haribo am liebsten, mag es aber zu gern, das ist riskant. es gibt von dextroenergen kleine trinkbeutel mit einer art zuckerlösung, oder so plastikpackungen mit zuckersirup von medizinischen herstellern – alles verhältnismäßig teuer und unbefriedigend, weil die dosierung nie stimmt und man dann die hälfte wegwerfen muss, und wo genau ist die hälfte, wenn dein körper die ganze zeit mehr! mehr! brüllt? caprisonne und kleine saftpackungen sind auch beliebt, aber die passen ja nicht in jede clutch.

jetzt habe ich endlich eine nachhaltige und sehr preiswerte lösung gefunden, auf der informativen italienischen seite deebee. ich habe dafür im netz verschließbare kleine 30ml-röhrchen gekauft,  für diese tabak-parfüms oder für homöopathiekram, aus plastik, alu oder glas, und befülle sie mit simpler selbstgemixter glukoselösung, pro portion mit 15g kohlenhydraten, genau die menge, die mich wieder auf den deich bringt.

so gehts (rezept von deebee): 155ml wasser zum kochen bringen, 150g traubenzucker einrühren,  wenn es trüb bleibt: wieder erhitzen, weiterrühren, bis es klar wird. auf 10 fläschchen aufteilen. hält sich im kühlschrank länger, außerhalb ca. eine woche. kostenpunkt: einmalig die behältnisse kaufen, hier zum beispiel, dextrose gibts ab 4,50€ das kilo. traubenzucker als tabs oder drops kostet aufs kilo gerechnet zwischen 18 und 25€, der verpackungsmüll (einzeln abgpackte tz-tafeln bei dextro energen) kommt noch dazu. jetzt verspüre ich eine gewisse vorfreude auf meine nächste hypo.

sonntags im mai

es ist arschkalt. die clematis verblüht, ohne dass wir sie genießen können. alle lernen und unterbrechen dazwischen in unregelmäßigen abständen auf die je eigene weise. irgendjemand (not me) hat die wäsche gemacht. einer hat sich, als nichtspieler, das  intro zu come as you are erdaddelt, einer macht dauernd eierkuchen, ich versuche, aus den betörend grünen grünpflanzen vorm fenster selbstvertrauen zu destillieren, der große gackert bei von wegen lisbeth. der hund legt sich sicherheitshalber in den flur, gleich nah und gleich weit weg von allen. im hintergrund die unruhe über frankreich und das gefühl, das private leben über alle probleme hinweg bewusst geniessen zu müssen. was für zeiten.

kt 1

die polizei kam nicht, getanzt wurde sehr, das schwarzlicht hats gebracht. um sechs uhr früh gingen die letzten gäste. der große ist am ersten januar volljährig geworden und hat reingefeiert, rauschend und sehr sehr laut, mit geliehenen monsterboxen, und mit allen seinen freunden. und freundinnen! ich war dafür bei meiner mutter am stadtrand und hab mich mit ihr unterhalten, vor den stones auf 3sat, das hatte auch irgendetwas. diese achtzehn jahre sind so so schnell vergangen und waren eine freude, das kind ist wunderbar und kein kind mehr! echt, merk dir das, muttern.

haufenweise sylvestervorhaben, ich brauche anlässe. jeden tag gitarre, jeden tag lesen, mehr yoga. beruflich muss ich vieles schaffen, habe aber gar keinen glauben mehr an gute ausgänge, es ist ein sehr zenmässiges naja, mal gucken geworden nach all den überraschenden wendungen ins leere und ins abseits in den letzten jahren. der plötzliche spannungsabfall von ideen als leitmotiv, die ideen sind nicht synchron mit der welt, kommen zu spät oder zu früh. dazu die wechseljahre.

in der liebe ist es genauso, da muss aber auch nichts passieren, anders als beim geld geht es auch ohne, wobei: aus der hebammenserie auf bbc die schöne erkenntnis mitgenommen, dass sich die liebe in jedem leben anders zeigt, und meines ist durch die großartigen söhne, die freunde, den hund randvoll damit. gelegentliche abenteuer füllen die paar bedürfnisse, und küsse ohne geschichte sind in ordnung, ehrlich gesagt gar keine lust auf noch mehr socken in der wäsche, einen festen mann verbinde ich hauptsächlich mit deutlich mehr arbeit.

sachen ausmisten werde ich in den nächsten wochen, platz für neues schaffen, für leere bin ich nicht so der typ. die freude an dingen, auswahl, wanderwege für den blick, wie die vielen objekte lauter geschichten haben, die ich erzählen kann oder auch nicht.

tippen geht schlechter seit einigen monaten, i/o/p geraten immer durcheinander unter den fingern, mit der linken hand hab ich das problem nicht, bin linkshänderin. alter oder was nervliches? durch den diabetes immer einen merkwürdig nicht hypochondrischen blick auf das schlimmstmögliche.

 

 

 

graue stunde

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acht nach acht morgens, das zimmer noch kaum zu erkennen, die herumliegenden dinge sind nicht unterscheidbar in möbel und nichtmöbel. die kinder gehen um halb acht und kommen im dunkeln wieder, ich sitze tagsüber am schreibtisch, das berliner licht wirft kaum schatten und reicht nicht in die tiefe der räume. möchte statt der planerfüllung viel lieber einen langen text lesen, in dem nichts wichtiges passiert, mit weiten pupillen. lieber nur nachtmensch sein in diesen tagen, wohlgeborgen im kleinen lichtkreis. ab vier uhr nachmittags die wohnung hell erleuchten, präsenz zeigen, mühelose sicherheit, draussen die gelb-gilben laternen und ein paar helle fenster auf der anderen seite des platzes, sonst nichts.

 

the room 3

am wochenende bis jetzt, sonntags 12 uhr, nix sinnvolles gemacht, nur mit grosser begeisterung room 3 gespielt. ich habe ja nichtmal pädagogische pflichten, die jungs laden eh, was sie wollen, ich muss nur alle drei wochen oder so mal alles zu brutale löschen. ein puzzle ist immer harmlos, vielleicht sind die gelegentlichen blitze für epileptiker gefährlich, aber auf den kleinen bildschirmen ist das wohl auch okay.

es ist perfekt geworden, tolle grafik, die wechsel zwischen den tableaus sind großartig animiert, wie sich die gerätschaften auseinander- und wieder zusammenfalten, ein genuß, ähnlich wie es tengami, viel reduzierter, mit einem japanischen papierschnittbuch gemacht hat. bei the room gibt es vor allem tolle mechanische abläufe, maschinen, eine kleine druckmaschine, eine tischsäge, ein gerät zum drechseln, ein großes planetariums-fernrohr, diverse oszillographen, stromkreise usw., und ein sehr schönes planetenmodell. zahnräder gibt es auch, aber nicht so viele. großartige rätsel, auch die leichteren davon wegen ihrer eleganz bewundernswert, viele läßt man beim spielen ungelöst zurûck, das erklärt sich erst am ende. sehr viel mehr aufgaben und räume als bei den vorgängerversionen.

der weg geht diesmal durch ein planetarium mit tischlerei, druckerei und gärtnerei, dazwischen viele kleine bibliotheken und arbeitszimmer, wo ich sehr gerne die buchstapel durchgesehen hätte. die maschinen scheinen dabei zumindest funktionstüchtig, die mechanik ist logisch aufgebaut, ist nachvollziehbar so vielleicht ab 12 jahren und sieht auch für erwachsene wie mich noch sehr schnieke aus. die oberflächen sind wirklich großartig, man meint das metall zu spüren und glaubt zbsp die schmiede sogar zu riechen, der spieler muss sich einmal dinge selber gießen. ich durfte einen blasebalg bedienen! für the room 4 hätte ich gern noch einen motor oder ein fahrrad dabei, mal ein planetengetriebe reparieren?

als spieler kann man zwischen den levels immer nochmal zurück und alte aufgaben lösen, muss das aber nicht, man kommt also direkt oder auf umwegen ins ziel. für mich insgesamt 8 stunden riesiger spass, die kinder darf ich gar nicht fragen, in welchen zeiten die da durchsausen, das ist nur frustrierend, andrerseits war ich auch traurig, als es vorbei war. getröstet, als es am ende eine richtige himitsu-bako-box gab, die ich ja sehr liebe, leider nicht zu öffnen, und die schöne aussicht auf weitere alternative enden, die man beim nochmaligen spielen erkunden kann. ich bleibe dran, aber nicht heute, nein! fest vorgenommen. heute nicht.

also eine empfehlung, wobei viele meiner freunde damit gar nichts anfangen konnten, wer so kleine haptische 3d-puzzles mag, wird bei the room denke ich auch glücklich, und man kann die version eins für 0,99€ zum probieren kaufen. im spiel gibt es keine ausgaben mehr, es kostet allerdings fünf euro.

 

eins null

twoday

10 jahre hotelmama, wer hätte das gedacht. vielen dank fürs lesen und kommentieren und verlinken, für die freundschaft und für die drinks!

ein paar gute texte sind dabei, vielleicht kommen auch noch ein paar, ich bleib dran und mache einfach immer weiter. bloggen ist die perfekte form der öffentlicheit für solche wie mich.

objektiv alt

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dieses nikkor aus den achtzigern wird immer noch gebaut! das ist merkwürdig. es passt auf meine analogen kameras, die ich nicht mehr benutze, im gegensatz zur tasse behalte ich es also nur aus  gründen der schönheit und der erinnerung, an eigenes, nicht an fremdes leben, und natürlich an mögliche perfektion. hab gleich die noch viel ältere vitomatic II von meiner mutter nachgesehen, die kann man bei ebay für ca. 20 euro mitnehmen, sie macht schöne bilder, die fotoalben aus kindertagen sind voll davon. sie wiegt stattliche 748 gramm und hat feine kleine scharniere mit federn und klappen, alle aus metall, mit einem analogen belichtungsmesser.

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nächste woche sind winterferien, vielleicht kann ich den kindern ein paar filme überdonnern schenken und sie mit den analogen kameras mal durchs viertel begleiten, zum lernen, die voigtländer ist sofort einsatzbereit, wie die FE2, nur für die f80 müsste ich noch nach ’ner batterie sehen, glaube ich, die war zwischen der mechanischen und der akku-ära, aber warum sollen sie interesse haben an solchen umwegen zum bild? im sinn von „nur der weg ist das ziel“, gerade dem aspekt der sorgfalt und planung von bildern ist kaum etwas abzugewinnen, wenn man nicht auf ein repertoire von erfahrungen zurückgreifen kann.

ist ja schon bei sinnvollen tätigkeiten schwer, teenager in den kreativen freilauf zu schicken, meine generation eltern stürzt sich auf jede zarte künstlerische äußerung und fördert alles gnadenlos.

gibt es überhaupt noch negativfilme? gibt es, die guten ilfords für etwas mehr, die agfas und kodaks für um die 3€  pro film, entwickeln lassen kann man hier im kiez bei viertel vor acht, damit liegt man dann in der summe etwa bei einem kinobesuch, wenn man nicht alle fotos drucken will.

kinder, als ich ihnen die idee präsentierte: ach. warum denn?

KW 5

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die frage, ob ich die eher überraschend geschossene teetasse aus der knaufzeit benutzen soll. ihr porzellan ist dicker als das heutige, sie ist sehr groß und hat eine untertasse, von der sie auch nach einigen tees mit schuß nicht runterrutschen wird, für solide hände, sie hat zwei sehr hinreißende kleine reliefblättchen an den enden des henkels, sie passt gut zu der einen verbliebenen silberkanne im hausstand. beim herumstehen als objekt ginge der teetasse ihr daseinsgrund verloren, er wird geopfert für den neuen, sagen wir mal wertneutral: die zierde, sie ist damit als trinktasse praktisch tot. das ist doch zu bedauern, not? sie wurde für den postweg auch schon verpackt wie eine mumie. wär doch nett, sie durchs verwenden langsam fürs wohlbefinden auf- und dabei für den markt zu entwerten, nutzwert vs sammlerwert, und ich will und muss doch im jetzt leben. vielleicht bleibt sie ja auch heile, wenn ich die jungs nicht dranlasse. die kanne wird bei etwa gleichem alter auch noch viel benutzt, schon ein bisschen als eine art lebenszierde in einem alltag, der sonst eher pragmatisch als kostbar eingerichtet ist (arzberg), aber die ist ja auch massiv und eher unkaputtbar, wenn man sie nicht auf den heissen herd stellt, wie der exmann eine zweitkanne. ich hab so eine zärtlichkeit für das neue stück, wie es hier angespült wurde nach einer langen existenz, bin bisschen unentschlossen, ob ich es mehr als einmal, zum einstand, verwenden möchte, obwohl respekt und stil das erlauben.

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(wenn das geschirr überhaupt echt ist, tasse und untertasse gehören nicht zusammen, sie haben verschiedene buchstaben unter den schwertern, die in der knaufzeit sowieso ungewöhnlich waren, der untertassenrand ist bisschen uneben, der blaustrich im inneren der tasse hat einen ansatzpunkt, die granatkerne am tassenboden haben bisschen geschmiert beim brennen. keine fachfrau bin ich.)

ich treib mich da rum, wo es diese sachen gibt, weil ich seit jahren nach einer ganz bestimmten untertassse suche, vielleicht ist suchen zuviel gesagt, ein schlendern im selbstgespräch, bei dem man seitenblicke auf die stände wirft, mingdrache mit gold, mit glattem rand, groß, purpur, für eine einzelne tasse, über die ich auch schon mal gebloggt habe. ich hab mich natürlich grad nicht an den text erinnert, sondern an die tasse. porzellan ist sehr tiefenentspannend, das prekäre, es kann jahrzehnte oder jahrhunderte halten und bei einer falschen bewegung zerbrechen, es wird nicht alt und knittrig wie ein vielgelesenes buch, sondern ist eben heil oder kaputt, wenn es kaputt gemacht wird. so ein leben für dinge scheint mir immer noch sehr verlockend, also neben dem für menschen.

heute will das wort eher in fast jeden satz, es gibt manchmal so worte, fast alle wieder rausgestrichen. es ist eher grau und eher schwierig, es ist eher gut gegangen, es war eher unfreiwillig, eher ist ein kleiner unterschied, relativ und unentschieden, aber nicht entscheidungsschwach unentschieden, sondern offen, für den schnee nach dem gewitter grade, eher das als den rest, der auch blöd ist, aber am liebsten eher die „[3] größere Wahrscheinlichkeit bei sehr unwahrscheinlichen Ereignissen„.

 

 

KW kaffee

der große geht schon wieder aus, also zum zweiten mal. erst gemischte gefühle, eher wegen der großen symbolischen änderung, beim kind selber hab ich überhaupt keine sorgen. dann denke ich nicht mehr dran und schlafe ein, bevor er nach hause kommt.

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im versuch, das leben zu ändern, auf die kleinen dinge ausgewichen, die in meiner macht stehen, also eine kaffeemühle gekauft und ein kilo pechschwarze arabica-bohnen in einer malerischen großen büchse. der erste espresso aus der espressokanne schmeckt vollkommen überraschend, weil wirklich anders, als ob nicht nur einige bekannte eigenschaften von espresso verändert würden, wie ich das erwartet hatte, also vielleicht mehr kaffeeduft durchs mahlen, intensiver gereizte kaffeerezeptoren auf der zunge, sondern als ob das gesamte paket anders zusammengesetzt wäre. der espresso schmeckt nach wald! er hat etwas grünes im aroma, ist ein bisschen schärfer, es sind lauter ungewohnte aromen, die ich gar nicht einordnen kann. er schmeckt wie etwas vollkommen anderes, und das ist nur halb übertrieben, es ist wie die erste selbstgemachte hühnersuppe nach jahren mit tütensuppen, wenn man im kopf behält, dass glutamat ja auch glücklich macht, vor allem, wenn man nix anderes kennt. ich hab ja nur so ein herdkännchen, meine küche ist viel zu klein für was ernstes, ich mag in der bar sowieso tendenziell den lungo viel lieber als den normalen, die sind mir viel zu bitter. die zweite tasse aus der kanne schmeckt schon viel mehr wie die alten aus den lavazza-tüten, ist das möglich? also immer noch viel mehr aromen, aber der wald verfliegt wohl sofort. wow, das hat sich gelohnt.

mit musike

den ganzen nachmittag gibt es hier musik, ein alter freund und eine nachbarin nutzen mein klavier für eine probe, sie suchen neues material für ein projekt und proben sich durch ein große auswahl chansons und alter lieder, sechziger aufwärts. die unvergleichliche art, mit der gespielte und gut gesungene musik den raum füllt, es ist wirklich eine gegenwart. stelle mir vor, ich sitze in einem alten café, fast alleine, ein pianist spielt stücke aus seiner jugend, einen tick zu langsam, der kaffee wird kalt, während die sonnenstreifen übers parkett wandern und die gedanken verloren gehen, du weißt, es ist einer von den dreihundert tagen, an denen gar nichts passieren wird, und ganz langsam kommt die musik in deine wahrnehmung, höflich und wohlgestalt wie ein gentleman alter schule, mit ihren geschichten und den alten melodien, und alles hat seine ordnung, wie es ist. der hund gähnt.

suche einen zwilling, der eigentlich vokabeln lernen soll, finde ihn mit hoch erhobenem hammer in der hand auf dem bett des grossen bruders, vollkommen selbstvergessen, wir gucken uns an, wie in zeitlupe fällt der hammer auf den lack des möbels und schlägt tiefe kerben, unaufhaltbar, als wär genau dieser schlag seit urzeiten festgeschrieben.

netzhemd und backenborste, die menschheit ist voller wunder, auch wenn man sie schon kennt. bei bärten ist das ende offen.

 

kitchensurfing

„du wirst bekocht“ stand in der einladung, und die bitte, einen guten wein mitzubringen. zuhause bei der kekstesterin habe ich mich dann nicht nur über die anderen gäste gefreut, sondern auch auf das sehr, sehr große und dunkelrot-saftige stück entrecôte vom irischen rind, dass da auf ihrem küchenbrett lag, untern den händen eines freundlichen koches, den ich nicht kannte, ein weiterer gast, dachte ich, der das kochen übernehmen würde. gutes fleisch, mit feinen, weißen fettadern, der koch säbelte mit einem großen messer dicke streifen davon ab. hmmm. es sah nach einem richtigen essen aus, eine tüte carnaroli-reis lag auch auf dem tisch, fleisch und risotto = mindestens zwei gänge, das gildet in meinen unverwöhnten kreisen schon als eher ernstgemeintes dinner. mit koch sieben menschen in der wohnung, aber nur 6 plätze am tisch gedeckt? aber ja doch: kitchensurfing heißt das projekt für gastgeber, die sich mit ihren gästen den ganzen abend amüsieren wollen, ohne dafür in ein restaurant zu bitten oder die freunde die ganze zeit neben sich in der küche an der backe zu haben. der koch kommt zu ihnen nach hause, mit zutaten und fehlenden pfannen oder küchengeräten (ich hab zum beispiel nix, um irgendetwas zu flambieren, ich bin aber auch um fonduegeschirr, spargeltöpfe und pfannkuchengeräte herumgekommen, weil ich jahreland immer dieselbe zeitung abonniert habe), er hat einen plan, ein menue und viel spass an dem, was er tut. wir bekamen ein excellentes essen serviert, thomas hat jeden gang kurz erklärt, und ist dann bei einsetzendem aah- und ooh- lauten wieder in der küche verschwunden, um den nächsten gang vorzubereiten. es war so lecker, zwischenzeitlich wollte ich kurz den koch heiraten, aber der ist natürlich an seine küche vergeben.

unser menue, nur um mal einen eindruck zu vermitteln:

Kräuterblattsalat
mit Zuckerschoten, Schluppen und Crostini mit Erbse und Ziegenkäse
Spargel-Limettenrisotto
Geeiste Melonensuppe mit rosa Beeren
Tranchen vom Entrecôte mit grüner Sauce und Pilzmix
Avocado Creme Brûlee

die küche sah danach aus, als wäre zuletzt eine putzfrau dringewesen. sehr, sehr feine idee alles. es gibt menues für viele anlässe (muttertag!)

 

filofax reloaded

apple hatte neulich all meine kalender- und adressdaten auf ihre server entführt, ohne ausdrücklich danach zu fragen. wie bei einem trickdiebstahl, man wird in ein angenehmes gespräch mit schönen menschen verwickelt und bemerkt die schnelle hand nicht unter dem tollen stadtplan. ich hab die daten wieder, aber sie fühlen sich bisschen benutzt an, nachdem sie einmal um die welt gerauscht sind und ein paar internationale datenbanken von innen gesehen haben.

also habe ich im altkram-kasten auf dem schrank die alten agendas gesucht und gemerkt, dass sie noch leben, das leder nachgedunkelt und altmodisch wirkend, zitat des zitats, die benutzung mehr geste als funktion, ein symbol der achtziger. nach den organizern kamen ja erstmal  palm und blackberry, aber die haben sich irgendwie nicht so aufgedrängt wie das smartphone später, da war der männer-wichtig-macht-aspekt in der symbolik deutlicher als die vereinfachung der oberfläche, außerhalb des CEO-bereichs waren die geräte schnell albern.

es ist so schnell gegangen mit der netzwelt, mir scheinen die dinger älter und entthronter als sie sind, dabei gibt es haufenweise youtube-filme, in denen frauen ihre filofaxe durchblättern. mein haltung also eher vorhut-hochmut. wie gefühlt überall das digitale ist, eigentlich ein wunder, wo es doch nur einzwei bereiche des lebens betrifft und zuwenig platz für klebebildchen und bunte heftklammern bietet.

die alte agenda ist da wo sie liegt und nicht heimlich noch überall sonst, es gibt für sie nur anwesenheit oder abwesenheit, das sentimentale ist ein nettes optional. ich werde sie andauernd verlegen und in meinen handtaschen verlieren, aber die daten sind dann eben nur da oder weg – oder ist das dann wie geld unter der matratze? die datenwährung stell ich ja nur zur verfügung und verdiene selber nix dran, bei verlorener kontrolle, scheint mir doof. wildwestzeiten der datenära, oder doch pensionär mit banknoten in der kaffeedose? we’ll see.

in der agenda lauter sehr alte und sehr vergessene tokens, ein cd-verleih-ausweis, 1000 berlin 65, wedding, da hab ich auch mal gewohnt irgendwann

[ich weiss nicht, ob vor oder nach neukölln, nach neukölln bin ich ’91 gleich in den osten gezogen, novalisstrasse 4, dort war ich im vierten stock, drei aussenwände, zwei zimmer, ein allesbrenner, telefon mit nachbarin geteilt, kabel über den hof, immerhin hatten wir einen der fünf hausanschlüsse, die es zu ddr-zeiten gegeben hat. im erdgeschoss lebte betty hoffman, die bessere zeiten gesehen hatte, wie die bilder von ihr in weissem kleid auf einer jacht zeigten, hand im haar, haar im wind, in den dreissigern des letzten jahrhunderts. sie war dorthin umgezogen worden, ihre großen möbel standen kreuz und quer im raum, es waren zuviel möbel für die ein oder zwei zimmer, „ich kann dann um ein paar ecken herumlaufen  wie früher“, sie heizte mit ihrem gasherd und stand elegant am fenster zum hof, klein, zierlich, um die 80-90 jahre alt. ich hab ihren hibiskus gerettet, der immernoch auf meinem balkon blüht],

eine karte der biblioteca comunale di milano, mit terroristenfoto. eine quittung über „250“, ausgestellt von der frauenärztin für eine IUS, im mai 2002, da hatte ich grade die zwillinge abgestillt. ein ticket für pussy-könig der piraten am schauspielhaus zürich, 16.12.2000, von der besten freundin inszeniert. zu allem fällt mir was ein, an nichts hätte ich mich ohne die zettel wieder erinnert, wieder mal gedacht, schnipsel reichen, kein mensch liest alte tagebücher.

das hier: filo-seite mit elias’ geburt

es gibt noch einlagen dafür, hab sie bestellt, mal versuchen, ob ich mit meiner zeitplanung zurück kann ins analoge, für die eher umfangreichen adressdaten wird es zu spät sein, das kopieren zuviel arbeit und zuviel möglichkeiten für fehler. mit dem kalender/den neuen daten endlich ein ende der unsicherheit darüber, in welchem rechner welche daten stehen, schluss mit nicht- oder doppelt oder dreifach synchronisierten terminen, all der vollkommen unausgegorene scheiss wird wegfallen, vor allem mit dem fehlenden standpunkt zur datensicherheit muss ich mich dann nicht mehr befassen, aber hey, werde ich mich ärgern, wenn das ding mal irgendwo liegenbleibt.

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außerdem im pocket-filo hinten drin eine uhr gefunden, die auch mal wieder ans licht muss.