sonntags im mai

es ist arschkalt. die clematis verblüht, ohne dass wir sie genießen können. alle lernen und unterbrechen dazwischen in unregelmäßigen abständen auf die je eigene weise. irgendjemand (not me) hat die wäsche gemacht. einer hat sich, als nichtspieler, das  intro zu come as you are erdaddelt, einer macht dauernd eierkuchen, ich versuche, aus den betörend grünen grünpflanzen vorm fenster selbstvertrauen zu destillieren, der große gackert bei von wegen lisbeth. der hund legt sich sicherheitshalber in den flur, gleich nah und gleich weit weg von allen. im hintergrund die unruhe über frankreich und das gefühl, das private leben über alle probleme hinweg bewusst geniessen zu müssen. was für zeiten.

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die polizei kam nicht, getanzt wurde sehr, das schwarzlicht hats gebracht. um sechs uhr früh gingen die letzten gäste. der große ist am ersten januar volljährig geworden und hat reingefeiert, rauschend und sehr sehr laut, mit geliehenen monsterboxen, und mit allen seinen freunden. und freundinnen! ich war dafür bei meiner mutter am stadtrand und hab mich mit ihr unterhalten, vor den stones auf 3sat, das hatte auch irgendetwas. diese achtzehn jahre sind so so schnell vergangen und waren eine freude, das kind ist wunderbar und kein kind mehr! echt, merk dir das, muttern.

haufenweise sylvestervorhaben, ich brauche anlässe. jeden tag gitarre, jeden tag lesen, mehr yoga. beruflich muss ich vieles schaffen, habe aber gar keinen glauben mehr an gute ausgänge, es ist ein sehr zenmässiges naja, mal gucken geworden nach all den überraschenden wendungen ins leere und ins abseits in den letzten jahren. der plötzliche spannungsabfall von ideen als leitmotiv, die ideen sind nicht synchron mit der welt, kommen zu spät oder zu früh. dazu die wechseljahre.

in der liebe ist es genauso, da muss aber auch nichts passieren, anders als beim geld geht es auch ohne, wobei: aus der hebammenserie auf bbc die schöne erkenntnis mitgenommen, dass sich die liebe in jedem leben anders zeigt, und meines ist durch die großartigen söhne, die freunde, den hund randvoll damit. gelegentliche abenteuer füllen die paar bedürfnisse, und küsse ohne geschichte sind in ordnung, ehrlich gesagt gar keine lust auf noch mehr socken in der wäsche, einen festen mann verbinde ich hauptsächlich mit deutlich mehr arbeit.

sachen ausmisten werde ich in den nächsten wochen, platz für neues schaffen, für leere bin ich nicht so der typ. die freude an dingen, auswahl, wanderwege für den blick, wie die vielen objekte lauter geschichten haben, die ich erzählen kann oder auch nicht.

tippen geht schlechter seit einigen monaten, i/o/p geraten immer durcheinander unter den fingern, mit der linken hand hab ich das problem nicht, bin linkshänderin. alter oder was nervliches? durch den diabetes immer einen merkwürdig nicht hypochondrischen blick auf das schlimmstmögliche.

 

 

 

graue stunde

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acht nach acht morgens, das zimmer noch kaum zu erkennen, die herumliegenden dinge sind nicht unterscheidbar in möbel und nichtmöbel. die kinder gehen um halb acht und kommen im dunkeln wieder, ich sitze tagsüber am schreibtisch, das berliner licht wirft kaum schatten und reicht nicht in die tiefe der räume. möchte statt der planerfüllung viel lieber einen langen text lesen, in dem nichts wichtiges passiert, mit weiten pupillen. lieber nur nachtmensch sein in diesen tagen, wohlgeborgen im kleinen lichtkreis. ab vier uhr nachmittags die wohnung hell erleuchten, präsenz zeigen, mühelose sicherheit, draussen die gelb-gilben laternen und ein paar helle fenster auf der anderen seite des platzes, sonst nichts.

 

the room 3

am wochenende bis jetzt, sonntags 12 uhr, nix sinnvolles gemacht, nur mit grosser begeisterung room 3 gespielt. ich habe ja nichtmal pädagogische pflichten, die jungs laden eh, was sie wollen, ich muss nur alle drei wochen oder so mal alles zu brutale löschen. ein puzzle ist immer harmlos, vielleicht sind die gelegentlichen blitze für epileptiker gefährlich, aber auf den kleinen bildschirmen ist das wohl auch okay.

es ist perfekt geworden, tolle grafik, die wechsel zwischen den tableaus sind großartig animiert, wie sich die gerätschaften auseinander- und wieder zusammenfalten, ein genuß, ähnlich wie es tengami, viel reduzierter, mit einem japanischen papierschnittbuch gemacht hat. bei the room gibt es vor allem tolle mechanische abläufe, maschinen, eine kleine druckmaschine, eine tischsäge, ein gerät zum drechseln, ein großes planetariums-fernrohr, diverse oszillographen, stromkreise usw., und ein sehr schönes planetenmodell. zahnräder gibt es auch, aber nicht so viele. großartige rätsel, auch die leichteren davon wegen ihrer eleganz bewundernswert, viele läßt man beim spielen ungelöst zurûck, das erklärt sich erst am ende. sehr viel mehr aufgaben und räume als bei den vorgängerversionen.

der weg geht diesmal durch ein planetarium mit tischlerei, druckerei und gärtnerei, dazwischen viele kleine bibliotheken und arbeitszimmer, wo ich sehr gerne die buchstapel durchgesehen hätte. die maschinen scheinen dabei zumindest funktionstüchtig, die mechanik ist logisch aufgebaut, ist nachvollziehbar so vielleicht ab 12 jahren und sieht auch für erwachsene wie mich noch sehr schnieke aus. die oberflächen sind wirklich großartig, man meint das metall zu spüren und glaubt zbsp die schmiede sogar zu riechen, der spieler muss sich einmal dinge selber gießen. ich durfte einen blasebalg bedienen! für the room 4 hätte ich gern noch einen motor oder ein fahrrad dabei, mal ein planetengetriebe reparieren?

als spieler kann man zwischen den levels immer nochmal zurück und alte aufgaben lösen, muss das aber nicht, man kommt also direkt oder auf umwegen ins ziel. für mich insgesamt 8 stunden riesiger spass, die kinder darf ich gar nicht fragen, in welchen zeiten die da durchsausen, das ist nur frustrierend, andrerseits war ich auch traurig, als es vorbei war. getröstet, als es am ende eine richtige himitsu-bako-box gab, die ich ja sehr liebe, leider nicht zu öffnen, und die schöne aussicht auf weitere alternative enden, die man beim nochmaligen spielen erkunden kann. ich bleibe dran, aber nicht heute, nein! fest vorgenommen. heute nicht.

also eine empfehlung, wobei viele meiner freunde damit gar nichts anfangen konnten, wer so kleine haptische 3d-puzzles mag, wird bei the room denke ich auch glücklich, und man kann die version eins für 0,99€ zum probieren kaufen. im spiel gibt es keine ausgaben mehr, es kostet allerdings fünf euro.

 

eins null

twoday

10 jahre hotelmama, wer hätte das gedacht. vielen dank fürs lesen und kommentieren und verlinken, für die freundschaft und für die drinks!

ein paar gute texte sind dabei, vielleicht kommen auch noch ein paar, ich bleib dran und mache einfach immer weiter. bloggen ist die perfekte form der öffentlicheit für solche wie mich.

objektiv alt

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dieses nikkor aus den achtzigern wird immer noch gebaut! das ist merkwürdig. es passt auf meine analogen kameras, die ich nicht mehr benutze, im gegensatz zur tasse behalte ich es also nur aus  gründen der schönheit und der erinnerung, an eigenes, nicht an fremdes leben, und natürlich an mögliche perfektion. hab gleich die noch viel ältere vitomatic II von meiner mutter nachgesehen, die kann man bei ebay für ca. 20 euro mitnehmen, sie macht schöne bilder, die fotoalben aus kindertagen sind voll davon. sie wiegt stattliche 748 gramm und hat feine kleine scharniere mit federn und klappen, alle aus metall, mit einem analogen belichtungsmesser.

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nächste woche sind winterferien, vielleicht kann ich den kindern ein paar filme überdonnern schenken und sie mit den analogen kameras mal durchs viertel begleiten, zum lernen, die voigtländer ist sofort einsatzbereit, wie die FE2, nur für die f80 müsste ich noch nach ’ner batterie sehen, glaube ich, die war zwischen der mechanischen und der akku-ära, aber warum sollen sie interesse haben an solchen umwegen zum bild? im sinn von „nur der weg ist das ziel“, gerade dem aspekt der sorgfalt und planung von bildern ist kaum etwas abzugewinnen, wenn man nicht auf ein repertoire von erfahrungen zurückgreifen kann.

ist ja schon bei sinnvollen tätigkeiten schwer, teenager in den kreativen freilauf zu schicken, meine generation eltern stürzt sich auf jede zarte künstlerische äußerung und fördert alles gnadenlos.

gibt es überhaupt noch negativfilme? gibt es, die guten ilfords für etwas mehr, die agfas und kodaks für um die 3€  pro film, entwickeln lassen kann man hier im kiez bei viertel vor acht, damit liegt man dann in der summe etwa bei einem kinobesuch, wenn man nicht alle fotos drucken will.

kinder, als ich ihnen die idee präsentierte: ach. warum denn?

KW 5

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die frage, ob ich die eher überraschend geschossene teetasse aus der knaufzeit benutzen soll. ihr porzellan ist dicker als das heutige, sie ist sehr groß und hat eine untertasse, von der sie auch nach einigen tees mit schuß nicht runterrutschen wird, für solide hände, sie hat zwei sehr hinreißende kleine reliefblättchen an den enden des henkels, sie passt gut zu der einen verbliebenen silberkanne im hausstand. beim herumstehen als objekt ginge der teetasse ihr daseinsgrund verloren, er wird geopfert für den neuen, sagen wir mal wertneutral: die zierde, sie ist damit als trinktasse praktisch tot. das ist doch zu bedauern, not? sie wurde für den postweg auch schon verpackt wie eine mumie. wär doch nett, sie durchs verwenden langsam fürs wohlbefinden auf- und dabei für den markt zu entwerten, nutzwert vs sammlerwert, und ich will und muss doch im jetzt leben. vielleicht bleibt sie ja auch heile, wenn ich die jungs nicht dranlasse. die kanne wird bei etwa gleichem alter auch noch viel benutzt, schon ein bisschen als eine art lebenszierde in einem alltag, der sonst eher pragmatisch als kostbar eingerichtet ist (arzberg), aber die ist ja auch massiv und eher unkaputtbar, wenn man sie nicht auf den heissen herd stellt, wie der exmann eine zweitkanne. ich hab so eine zärtlichkeit für das neue stück, wie es hier angespült wurde nach einer langen existenz, bin bisschen unentschlossen, ob ich es mehr als einmal, zum einstand, verwenden möchte, obwohl respekt und stil das erlauben.

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(wenn das geschirr überhaupt echt ist, tasse und untertasse gehören nicht zusammen, sie haben verschiedene buchstaben unter den schwertern, die in der knaufzeit sowieso ungewöhnlich waren, der untertassenrand ist bisschen uneben, der blaustrich im inneren der tasse hat einen ansatzpunkt, die granatkerne am tassenboden haben bisschen geschmiert beim brennen. keine fachfrau bin ich.)

ich treib mich da rum, wo es diese sachen gibt, weil ich seit jahren nach einer ganz bestimmten untertassse suche, vielleicht ist suchen zuviel gesagt, ein schlendern im selbstgespräch, bei dem man seitenblicke auf die stände wirft, mingdrache mit gold, mit glattem rand, groß, purpur, für eine einzelne tasse, über die ich auch schon mal gebloggt habe. ich hab mich natürlich grad nicht an den text erinnert, sondern an die tasse. porzellan ist sehr tiefenentspannend, das prekäre, es kann jahrzehnte oder jahrhunderte halten und bei einer falschen bewegung zerbrechen, es wird nicht alt und knittrig wie ein vielgelesenes buch, sondern ist eben heil oder kaputt, wenn es kaputt gemacht wird. so ein leben für dinge scheint mir immer noch sehr verlockend, also neben dem für menschen.

heute will das wort eher in fast jeden satz, es gibt manchmal so worte, fast alle wieder rausgestrichen. es ist eher grau und eher schwierig, es ist eher gut gegangen, es war eher unfreiwillig, eher ist ein kleiner unterschied, relativ und unentschieden, aber nicht entscheidungsschwach unentschieden, sondern offen, für den schnee nach dem gewitter grade, eher das als den rest, der auch blöd ist, aber am liebsten eher die „[3] größere Wahrscheinlichkeit bei sehr unwahrscheinlichen Ereignissen„.

 

 

KW kaffee

der große geht schon wieder aus, also zum zweiten mal. erst gemischte gefühle, eher wegen der großen symbolischen änderung, beim kind selber hab ich überhaupt keine sorgen. dann denke ich nicht mehr dran und schlafe ein, bevor er nach hause kommt.

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im versuch, das leben zu ändern, auf die kleinen dinge ausgewichen, die in meiner macht stehen, also eine kaffeemühle gekauft und ein kilo pechschwarze arabica-bohnen in einer malerischen großen büchse. der erste espresso aus der espressokanne schmeckt vollkommen überraschend, weil wirklich anders, als ob nicht nur einige bekannte eigenschaften von espresso verändert würden, wie ich das erwartet hatte, also vielleicht mehr kaffeeduft durchs mahlen, intensiver gereizte kaffeerezeptoren auf der zunge, sondern als ob das gesamte paket anders zusammengesetzt wäre. der espresso schmeckt nach wald! er hat etwas grünes im aroma, ist ein bisschen schärfer, es sind lauter ungewohnte aromen, die ich gar nicht einordnen kann. er schmeckt wie etwas vollkommen anderes, und das ist nur halb übertrieben, es ist wie die erste selbstgemachte hühnersuppe nach jahren mit tütensuppen, wenn man im kopf behält, dass glutamat ja auch glücklich macht, vor allem, wenn man nix anderes kennt. ich hab ja nur so ein herdkännchen, meine küche ist viel zu klein für was ernstes, ich mag in der bar sowieso tendenziell den lungo viel lieber als den normalen, die sind mir viel zu bitter. die zweite tasse aus der kanne schmeckt schon viel mehr wie die alten aus den lavazza-tüten, ist das möglich? also immer noch viel mehr aromen, aber der wald verfliegt wohl sofort. wow, das hat sich gelohnt.

mit musike

den ganzen nachmittag gibt es hier musik, ein alter freund und eine nachbarin nutzen mein klavier für eine probe, sie suchen neues material für ein projekt und proben sich durch ein große auswahl chansons und alter lieder, sechziger aufwärts. die unvergleichliche art, mit der gespielte und gut gesungene musik den raum füllt, es ist wirklich eine gegenwart. stelle mir vor, ich sitze in einem alten café, fast alleine, ein pianist spielt stücke aus seiner jugend, einen tick zu langsam, der kaffee wird kalt, während die sonnenstreifen übers parkett wandern und die gedanken verloren gehen, du weißt, es ist einer von den dreihundert tagen, an denen gar nichts passieren wird, und ganz langsam kommt die musik in deine wahrnehmung, höflich und wohlgestalt wie ein gentleman alter schule, mit ihren geschichten und den alten melodien, und alles hat seine ordnung, wie es ist. der hund gähnt.

suche einen zwilling, der eigentlich vokabeln lernen soll, finde ihn mit hoch erhobenem hammer in der hand auf dem bett des grossen bruders, vollkommen selbstvergessen, wir gucken uns an, wie in zeitlupe fällt der hammer auf den lack des möbels und schlägt tiefe kerben, unaufhaltbar, als wär genau dieser schlag seit urzeiten festgeschrieben.

netzhemd und backenborste, die menschheit ist voller wunder, auch wenn man sie schon kennt. bei bärten ist das ende offen.

 

kitchensurfing

„du wirst bekocht“ stand in der einladung, und die bitte, einen guten wein mitzubringen. zuhause bei der kekstesterin habe ich mich dann nicht nur über die anderen gäste gefreut, sondern auch auf das sehr, sehr große und dunkelrot-saftige stück entrecôte vom irischen rind, dass da auf ihrem küchenbrett lag, untern den händen eines freundlichen koches, den ich nicht kannte, ein weiterer gast, dachte ich, der das kochen übernehmen würde. gutes fleisch, mit feinen, weißen fettadern, der koch säbelte mit einem großen messer dicke streifen davon ab. hmmm. es sah nach einem richtigen essen aus, eine tüte carnaroli-reis lag auch auf dem tisch, fleisch und risotto = mindestens zwei gänge, das gildet in meinen unverwöhnten kreisen schon als eher ernstgemeintes dinner. mit koch sieben menschen in der wohnung, aber nur 6 plätze am tisch gedeckt? aber ja doch: kitchensurfing heißt das projekt für gastgeber, die sich mit ihren gästen den ganzen abend amüsieren wollen, ohne dafür in ein restaurant zu bitten oder die freunde die ganze zeit neben sich in der küche an der backe zu haben. der koch kommt zu ihnen nach hause, mit zutaten und fehlenden pfannen oder küchengeräten (ich hab zum beispiel nix, um irgendetwas zu flambieren, ich bin aber auch um fonduegeschirr, spargeltöpfe und pfannkuchengeräte herumgekommen, weil ich jahreland immer dieselbe zeitung abonniert habe), er hat einen plan, ein menue und viel spass an dem, was er tut. wir bekamen ein excellentes essen serviert, thomas hat jeden gang kurz erklärt, und ist dann bei einsetzendem aah- und ooh- lauten wieder in der küche verschwunden, um den nächsten gang vorzubereiten. es war so lecker, zwischenzeitlich wollte ich kurz den koch heiraten, aber der ist natürlich an seine küche vergeben.

unser menue, nur um mal einen eindruck zu vermitteln:

Kräuterblattsalat
mit Zuckerschoten, Schluppen und Crostini mit Erbse und Ziegenkäse
Spargel-Limettenrisotto
Geeiste Melonensuppe mit rosa Beeren
Tranchen vom Entrecôte mit grüner Sauce und Pilzmix
Avocado Creme Brûlee

die küche sah danach aus, als wäre zuletzt eine putzfrau dringewesen. sehr, sehr feine idee alles. es gibt menues für viele anlässe (muttertag!)