trapezkünstlerinnen

[von 2009 wieder hochgeholt] neulich, auf einem konzert im pianosalon christofori in moabit, zufällig einen edlen flyer für eine ausstellung von barbara klemm in rheinsberg gefunden. das war nicht leicht, weil der raum dort ein großes, sehr kunstvolles lager von schätzen ist, von allem, was mit flügeln zusammenhängt, es ist dort all things piano, darum ist schon das bemerken des flyers eine nette begebenheit, bzw. ich brauche gleich eine geschichte drumherum, denn ja, von allen bildern dort kann man sich abzüge machen lassen, für 1500€.

ihre fotos kosten im schnitt um die 1000€, nur ein paar aufnahmen von historisch zentralen momenten haben mehr erzielt, dieses hier ist bei artnet nicht verzeichnet. halte die preise für übertrieben, es sind keine marktpreise, eher wunschpreise. was tun? na, muss ich noch drüber nachdenken. das bild finde ich nach wie vor wunderbar, wenn ich die euros locker über hätte, wäre die entscheidung einfach.

Barbara Klemm, Artistinnen 1974
ⓒ B. Klemm, „Trapezkünstlerinnen, Rostock 1974“

barbara klemm wird heute 70 jahre alt. sie hat eins meiner liebsten fotos geschossen, vor jahrzehnten mal als postkarte in einem laden in kreuzberg gefunden und dann durch die ganzen berliner wohnungen mitgenommen. ich bin über das bild auf sie aufmerksam geworden, in der faz ist sie mir nie so aufgefallen, und die autorennamen in zeitungen merke ich mir ja auch nie, überhaupt sind mir die journalisten als personen, also als autoren mit einem ouevre, erst durch das netz aufgefallen, vorher waren es artikel in einem eher synchronen zusammenhang. bei frau klemm habe ich mich dann bemüht, mir ihren namen zu merken und nach ihren bildern zu suchen, aber die fotografin ist sehr diskret in den bildern. ihre straßenbilder haben eine ziemliche wucht.

als ich mit dem bloggen anfing, wollte ich das trapez- foto in den header einbauen, ich hatte frau klemm sogar angerufen und um erlaubnis gefragt, ich hab ihr auf den ab gesprochen und sie rief zurück, als ich gerade auf dem weg zu oktoberdruck ins treppenhaus ging, bei denen ich einen job hatte – oder nein, halt, das kann nicht sein. vor 5 jahren war oktober schon an die warschauer strasse umgezogen, ins erdgeschoss, und dieses telefongespräch auf einem arbeitsweg, da ging es um eine richtige geburt, die meines sohnes, und es war mein arzt, der mir riet, sofort einleiten zu lassen, am 30.12.1998, 2 wochen vor termin, obwohl ich früher an dem tag noch bei ihm in der klinik gewesen war, er hatte es sich anders überlegt, und ich brauchte vielleicht 6 stufen, um mich überzeugen zu lassen, weil ich dem arzt so sehr vertraute. es war kalt, ich ging schnell. erinnerungen ploppen beim auftauchen, eine in die andere. hab ich den job noch beendet damals? das weiß ich nicht mehr.

telefonate an bestimmten orten, woraus bestehen diese erinnerungen? muss es beim gespräch einen gedanken über den ort gegeben haben, ein kommentar, ein zusätzliches und verankerndes metazeichen, oder gehört das zu den flüssigen dingen, die der kopf umdisponieren kann, wenn die erinnerten ereignisse in kontakt miteinander kommen, also hier die beiden geburtstage? der ort als surplus, als kriterium, dessen erkenntnisgewinn während dem ereignis auch vom zufall abhängt, danach aber von der psyche, das gefällt mir. so muss astrologie entstanden sein.

frau klemm war damals überrascht und sagte, hmm, ist mir nicht so recht, aber machen sie nur, hmm, doch, ja, ist okay. dann habe ich es nicht gemacht. das bild rockt mich aber immernoch, leider auf dem markt nie einen abzug gefunden.

blixa bargeld und teho teardo in der volksbühne

Blixa Bargeld, Volksbühne, 6.6.16
foto: gaga nielsen

blixa bargeld und teho teardo in der volksbühne gesehen, die songs fast alle auf italienisch! sehr schön. ein mann, eine stimme. und seine kleine tochter vor mir in der ersten reihe, schaukelt hin und her, und wartet auf ihr lied.

im publikum die ganzen westberliner expunks, viele alte tattoos, viele italiener, wenig bekannte gesichter, neben eins hätte ich mich fast gesetzt, aber der platz war nicht frei. die stimmung vorher ein bisschen aufgeregt.

Teho Teardo, Volksbühne, 6.6.16
foto: gaga nielsen

die texte lakonisch und klar, so an der welt entlang, die begleitung durch teardo passt dazu, nimmt sich zurück, ist repetitiv bis monoton in der linienführung, es klingt aber nach einer entscheidung, als wäre alles andere schon gesagt oder gespielt. da stehen sie jetzt und können (da stehen sie jetzt und können anders, hätt ich fast) tun und lassen, was sie wollen.

Blixa Bargeld, VOlksbühne, 6.6.16
foto: gaga nielsen

musste an frühe blogs denken, natürlich, das ist ja mein liebster referenzrahmen für dies art text, denke, so könnte man auch ein paar der alten blogger vertonen (kann man das eigentlich noch nachlesen irgendwo? es ist alles weg.). klare sätze, wenig adjektive, unprätentiös, dabei trotzdem bischen elegisch, durch bargelds stimme und die vielen ausrufezeichen in teardos begleitung, der text ist nur ein element im konzept, ton, stimme und diese berliner juninacht tun genauso viel dazu. der mit zurückhaltendem drama  gesungene einfache satz – der mit nachdruck gesagte einfache satz – na, mir fehlt noch das richige bild. bei mir funktioniert das sofort, weil ich die ganzen szenen und momente wiedererkenne, die pioppi vor einem italienischen haus, von denen bargeld singt, die gegend hinter dem bahnhof in rom, die er beschreibt in seinem glitzeranzug. wie gut er italienisch spricht, auf der bühne mit weniger akzent als in den videos. er bleibt warm und bisschen ironisch-verspielt, mit seiner großen stimme, die jederzeit auch ganz anders könnte, wütend werden kann, ein raubtierorgan, mit dem er krieg oder frieden herbeibrüllen kann. drei zugaben, die mittlere für seine tochter, gesungen wie ein kinderlied, unbekümmert romantisch, over and over. und wie er zu ihr hinsieht beim singen, mit einem wirklich schönen lächeln.

Blixa Bargeld, Volksbühne, 6.6.16
foto: gaga nielsen

im hintergrund vier streicher live dabei, die waren beim spielen auch publikum, anfangs bisschen fremd, wie eine bestellte hochzeitsband, dann haben sie sich gewundert und gefreut beim spielen. die beiden hatten außerdem ein schwarzes cello mit einer cellistin (namen vergessen), ihr ganzer fankreis im publikum, und eine veritable baßklarinette auf der bühne. mehr jazz gucken muss ich.

gaga, krieg ich dafür wieder ein bild? (gaga verdanke ich den abend und einen platz in der zweiten reihe. sie kann sowas.)

tom adams im roten salon

andrea belfi 17.05.16 im roten salon, foto: gaga nielsen
foto: gaga nielsen
andrea belfi 17.05.16 roter salon, foto: gaga nielsen
foto: gaga nielsen

abend im roten salon in der volksbühne. als support sitzt erst ein junger mann mit einem schlagzeug und diversem elektrokram auf der bühne, andrea belfi, feines gesicht, strohfarbenes glattes haar, er wirkt wie der inbegriff von burberry, bevor die marke unbedingt cool werden wollte. wir sitzen in der ersten reihe, nur ein paar meter vom musiker entfernt. er sieht kein mal ins publikum, guckt ausschließlich auf seine instrumente, mir hilft das beim reinfallenlassen, wenn jemand so frei vom bedürfnis nach kontakt ist, fühle mich dann wie ein heimlicher voyeur. es rührt mich etwas, als könnte er dem publikum noch entkommen, obwohl er es eingeladen hat. er spielt ungefähr eine halbe stunde, hypnothische, lange tracks mit geräuschen und ein bisschen rhythmus. mir ist das abstraktionsniveau zu hoch, so ohne melodie oder andere erkennbare zusammenhänge, aber es erzeugt wirkung auf eine vorrationale, vorbewußte weise, direkt ins limbische system. nach dem konzert schnorren gaga und ich blättchen von ihm, er kommt aus verona, ist schlagzeuger und ist wegen seiner musik nach berlin gekommen, er hat so ein leises, elegantes charisma, wie ein mann, der sich für botanik oder insekten interessiert, weil er es kann. er verwendet die ultradünnen und ist ein freundlicher mensch.

 

tom adams im roten salon, 17.05.16, gaga nielsen
foto: gaga nielsen

der hauptakt tom adams ist etwas sehr besonderes, auch ein einmannzirkus, auch wieder jemand, der lange allein in seinem raum gesessen hat, das fehlt mir ein bisschen, die öffnung zur restmusik, zu uns. seine songs sind wiedererkennbar in aufbau, alle mit einem refrain, in dem er mit grosser leichtigkeit in einen klaren sicheren mezzospran kippt und mit kopfstimme weitersingt, als wär der rest des lieder eine startbahn, um zu dieser stimmlage zu dürfen, in der er zu hause ist offensichtlich. auf dem flügel dabei lauter perlende (erst stand da: „einfache“, weil es mir beim zuhören manchmal zu vorhersehbar war, aber ich sehs lieber wie eine elegante reduktion, hab ich mir überlegt. schönheit muss man schützen.) skalen spielend, vier terzen übereinander, wieder und wieder, auch hier bekommt es etwas hypnotisierendes. dazu dreht er mit der anden hand an einem oben auf dem flügel abgestellten synthi (oder what ever das war. bildungslücke. muss mich informieren.), mit dem er die klänge aus ein paar mikros weiterverfremdet, die über dem offenen flügel stehen, dem wunderbar abgeschrammelten steinway im roten salon.

tom adams, roter salon 17.05.16, gaga nielsen
foto: gaga nielsen

sein gesang ist betörend schön, die schönheit steht irgendwie allein im raum, weil es keine richtigen lieder sind, die er geschrieben hat, es sind systeme für seine gesangseinlagen, alles um die stimme herumorganisiert, so kommt es mir heute vor, aber beim hören konnte ich mich gut reinfallen und auf seinen trip mitnehmen lassen. jeder song endet plötzlich und immer irgendwie erschreckend, weil nichts auf das ende hingedeutet hat. es hat alles eine große leichtigkeit, als würden ihm melodien und texte so zufliegen, er sitzt nur da, unter seinen schwarzen locken, und lässt die musik einfach passieren.

„my very first encore“ sagt er, als wir ihn auf die bühne zurückklatschen, und weiß nicht, was er spielen soll. sweet. zum abschluss gibts vinyl mit einem downloadcode, sehr postmodern, aber ich konnte wiederstehen. gaga hat gefilmt, vielleicht also ist die magie ein mal gefangen worden.

(ist noch nicht fertig, aber ich muss jetzt los und die zeit saust so … )

 

oppenheimer as himself

manhattan-netflix
links wikipedia, rechts still aus der serie manhattan, auf netflix

oppenheimer hat offensichtlich auch das zeitreisen erfunden. sogar die ohren! das licht gefällt mir, es ist ein bisschen angegilbt, das setting wirkt authentisch, weil es unsere bildliche wahrnehmung der vierziger wie einen filter mit übernimmt. manhattan (netflix) ist bisher noch nicht so spannend, dass ich ihren wahrheitsgehalt überprüfen möchte. schaue die serie mit überraschend wenig grusel und weiss noch nicht, ob ich neugieriger werde auf figuren und plots, auf angelegte brüche in vorgestellten gesellschaftlichen korsetts. was interessiert an so einem thema? ja, militärische hierarchien, geheimdienstparanoia, zweiter weltkrieg auf der einen und wissenschaftliche elite auf der anderen, da liegen gute, sogar große themen, die bisher doof einfach gelöst werden, regierung gewinnt, oder ist es als reine dokumentation gedacht? dann würde ich es mir weiter ansehen, wenn es bei serien noch um freie entscheidungen ginge, also eher: weiter als ca. folge 8, bis dahin rutsche ich auch in doofen serien gerne einfach so mit. bisher bleibt für nichtgenies der inhalt 'atombombenbau' arg abstrakt, liegt sehr sehr weit im hintergrund vor der zerstörungsgewalt der beiden gefallenen bomben von hiroshima und nagasaki. und der vielen, die es noch gibt.

 

kw 48

weihnachtskarte noch vorm dezember bestellt, weil alle kinder und hund und das tageslicht gerade zusammenkamen. schönes bild geworden, mich zusammenreissen müssen, nicht lauter wilde wünsche oder cocktailrezepte mit auf die karten drucken zu lassen. draussen schneetreiben.

orbanism, mit wunderbarem logo. falling in love mag ich nicht so als metapher, hab gleich die choreografie vor augen, gefallen, herumliegen für eine weile, im weg sein, alle anderen gehen weiter, dann steht man wieder auf und tut, als sei gar nichts. naa, lieber leicht angeheitert durch die berliner nacht ziehen. im aufbauhaus war leider wenig los, wäre ich mal lieber zu einer anderen veranstaltung des festivals gegangen, es gab eine riesige tolle auswahl. bin dann in die ausstellung von absolut geraten, schöne bilder von einem freund entdeckt, ein anderes spricht mich an, aber nicht positiv, erinnert an, sagen wirs mal katalogesque, „morphologische spuren der zeit in der selbstwahrnehmung des frauenkörpers“, es geht auch irgendwie um östrogene und weggeworfene gegenstände. na super.

ich soll mal wieder auf einen sixpack trainieren, sagt der große beim abendessen, der von natur aus athletisch gebaut ist und kaum was tun muss dafür, ich hatte einen von ca. ende zwanzig bis kind 1, war aber viel arbeit. das geht nicht mehr, sag ich ihm, das altern schafft grade neue muster ins gewebe, und so wichtig ist es nicht mehr. was? das ist doch wichtig, wie du aussiehst! sagt sein bruder. der große sagt mir, sehr überzeugt: die jugend ist die beste zeit im leben. sage nicht jein, sondern freu mich, dass er sein jungsein als solches wahrnimmt. dann reden über drogen, welche sie schon abgelehnt haben (extasy, „das ist ja eher harmlos“) und wie sich peerdruck anfühlt, verliebt sein und wie es an fehlender auswahl scheitert, („nein, die sind zu jung!“, „nein, die sind zu alt!“, „nein, die sind doof!“. mußte ich lachen.) heroin gibt es nicht an ihrer schule, alles andere schon, sagt der große.

weihnachten mit absicht dieses jahr, adventskranz, -kalender, sterne und lichterketten, plätzchen, weil die welt grad so böse herankommt, nicht an mich, ich bin beunruhigt, aber deswegen nicht in alltag oder lebensfreude eingeschränkt. ein naher verwandter der kinder dreht, zu meiner großen überraschung, völlig frei in einer art weltpanik und will die kinder dahin mitnehmen. neue front, die mich kalt erwischt hat, hoffe, es nicht so ernst nehmen zu müssen, stresst mich, weil der verwandte jetzt auch noch fehlt in meinem an unterstützung armen umfeld. immerhin schenkt die nonna uns einen neuen geschirrspüler, obwohl die kids schon ohne aufforderung abgewaschen haben und ich mich dann immer wie in amerikanischen filmen fühle. hier im haus normalität mit leicht zusammengebissenen zähnen also, bis ich mich wieder entspannen kann, zeitungen, bisschen struktur, blödsinn und freunde, wie immer, mit pasta, risotto und rotwein.

wieder mehr konzerte, diese woche endlich mal wieder maurenbrecher in der florastrasse,  letzte woche einen neuen chansonnier kennengelernt, also neu für mich, die lieder sind zeitlos und sehr charming alte schule. boris steinberg, mein jahrgang und auch ein berliner, im corbo, kleine konzertkneipe in treptow, schöner abend, nur mit sehr feiner gitarre (tobias schmidt, mein geduldiger gitarrenlehrer) und kurz einer sängerin, die im hintergrund sachen macht. unplugged mit drama, der sänger jemand, der mit jeder zelle auf der bühne steht und einfach immer weiter alles gibt, denn es wird ja wieder sommer irgendwann.

 

fotobücher, abkürzung.

hätte ich die möglichkeit, würde ich es kaufen, und hätte dann bald überhaupt keinen platz mehr für bücher, dann würde ich also noch wesentlich viel mehr spielgeld benötigen, um eine grössere wohnung beziehen zu können, und dann hätte ich vermutlich mehr platz, aber eben auch mehr spielgeld und bald wäre wieder alles so voll und in der menge wäre das buch auch nichts besonderes mehr. dann bleibt es lieber etwas besonderes, nur eben nicht in meinem besitz, not?

kw 38

mit der schwester ein paar tage verbringen, sie begleitet ihre tochter, die nach berlin gezogen ist. wunderbar, wir verstehen uns wortlos und sehen uns viel zu selten. wir spazieren herum, mitte und prenzlauer berg, ich wundere mich über die touridichte und die menschenströme auf den strassen. die kunstwerke lassen uns und andere vorzeitig in ihre neue ausstellung, etwas über die sehnsucht nach dschungel, gelungen ist sie, eine empfehlung, ein paar sehr sehenswerte arbeiten über phantasie, natursehnsucht und modernes leben. einen laden für hundezubehör entdecken wir, mit eleganten leinen und schönem anderen kram, kaufe nix, weil ich alles schon habe und in einem soliden pragmatismus lebe.

ein abend mit freunden, einer mit docbuelle und s., in alter tradition im due forni, sehr schön und warm. freut mich immer, wenn ich meine römische schwester mit in meine zusammenhänge bringen kann.

gestern dann ein paar museen, die ausstellung im dhm zu homosexualität_en, sehr lehrreicher überblick über den umgang mit schwulen, lesben und transmenschen in den letzten 200 jahren, mit vielen sehr persönlichen videozeugnissen (wie heissen selfies als video?) übers coming out, jeder menge teils so skurriler wie finsterer objekte aus der langen geschichte der gesellschaftlichen ächtung. leider war der katalog sehr chaotisch aufgebaut, bild nach bild nach bild, ohne eine erkennbare struktur, ansonsten hätte ich den für die jungs mitgebracht, die sind ja noch ein bisschen in limbo und bestimmt neugierig. großartiger neubau von i.m. pei ums zeughaus herum, war da irgendwie noch nie mit vollem bewusstsein drin, sehr repräsentativ und großzügig, elegante toiletten, mit glastüren und marmorbecken, alles sehr edel da, klar hab ich als mutter sofort die schulen und ihre miserable ausstattung im kopf, aber das dhm ist ja eine stiftung des bundes und steht ausschliesslich in der öffentlichkeit, anders als die schultoiletten, in die ja nicht mal die schüler gehen.

über die linden ging eine größere gruppe menschen mit weissen kreuzen, abtreibungsgegner, of all things, dass die immer noch so laut werden wollen! es waren sogar frauen dabei, und sehr viele polizisten. bei der abschlusskundgebung, die wir hören, als wir uns vor dem dhm noch vor dem regen unterstellen, spielen sie eins der schöneren kirchenlieder, „von guten mächten wunderbar geborgen“, weil bonhoeffer sich wohl in seiner ethik gegen schwangerschaftsabbrüche geäußert hat, was mich überrascht. aneignung von schönen liedern übers aufgehobensein, um eine praxis der entrechtung und lebensverändernder übergriffigkeit zu propagieren, sehr unangenehm manipulatives vorgehen.

hab mir für den tag mein rennrad vom großen ausgeliehen, fand es schwer bremsbar (bremsen viel zu weit vorne am lenker) und war wahnsinnig schnell damit, auch beim bergauf fahren alle überholt, wie von selber ging das, meine langsamkeit liegt wohl doch am ollen tourenrad und nicht nur am alter. es hat geregnet, doof ohne schutzbleche, habe aber mein guccitäschchen über dem hintern platziert und so stilvoll mich und die anderen geschützt, rennradfahren ist schon etwas für eher zierliche gesäße.

 

die surrealisten von hinten

 

wie man in einem moment der schwäche die nicht aufgehängten surrealisten hervorkramt und mal nach preisen guckt, wenn nach einer um etliche hundert euro teureren renovierung auch noch der geschirrspüler den geist aufgibt, wie immer unmittelbar vor einer feier mit >30 gästen, und die fenster sind auch schon sehr, sehr überfällig. rechts ein E/A, der andere auch vor der auflage – zu schade, oder?

ich kannte ja den drucker, also so, dass er mich auch kannte, meine ich, mein vater war mit der frau des druckers seit ganz früher befreundet, die uns damals in einem korb unseren ersten hund ins haus brachte, der würde morgen eingeschläfert, nein, sie würde ihn nachher wieder abholen, ob wir kurz aufpassen könnten? ein cockerspaniel, 18 jahre alt geworden.

so richtig warm werde ich mit lam nicht mehr, trotzdem tut man sowas nicht, nicht bei arbeiten, mit denen man ein bisschen familiär verwachsen ist, die für vielleicht ein paar tausend über den tisch gehen würden, wenn sich denn ein käufer findet, noch in meinem rahmen bleiben irgendwie, privatwirtschaftlich sinnlos wird das behalten ja bloss, wenn der wert deutlich größer ist als das eigene vermögen. ich kann sie ja erstmal aufhängen.

 

songbook

die bilder sind groß, schwarzweiß, besonders die grösse überrascht mich, weil ich sie bisher nur im bildschirm- oder buchformat gesehen habe. jetzt nimmt die qualität der drucke einen großen raum ein und gibt ihnen das kunstding, das im kleinen format nicht so dominant ist und mir hier fast zu aufdringlich ist, bei aller klasse und qualität. die ästhetik ist plötzlich ein selbstständiger aspekt und wirkt fast verfremdend, wie ein kommentar hinterm rücken, ich weiss noch nicht, ob ich das mag oder nicht, aber die bilder haben kraft und diese leichtigkeit, die ich so großartig finde, das zeitlos dokumentarische, menschheit, wie sie eben ist, in diesem unprätentiösen einszueins-stil, lauter wunder vor landschaft. nur die größe ist mir zu ausrufezeichen, hindert aber nicht daran, minutenlang begeistert davor zu stehen, wenn sie verstehen, was ich meine.

2004 in der vorvorgängergalerie von loock, der wohnmaschine, ausstellung zum buch sleeping by the mississippi, da waren auch kleine drucke dabei, die alle auf eine wand passten, vollkommen andrer eindruck und anderer schwerpunkt.

soth ist in den letzten jahren mit dem autor brad zellar ein paar jahre regelmässig durch die USA gezogen, immer so ein paar wochen lang, sagt er, die beiden haben mit bild und text portraits der provinz zusammengestellt und in din-a3 papierzeitschriften veröffentlicht, im eigenen verlag. die wurden für jeweils 18$ direkt auf der verlagswebseite verkauft, in einer auflage von jeweils 2000, weil das eine runde zahl war, wie er sagte. die letzte über georgia war die letzte, heisst es, die bilder aller sieben hefte sind mit anderen im neuen buch versammelt, songbook, nach dem great american songbook, im buch fehlen allerdings die meisten der sehr schönen texte. er wollte raum für die bilder, hat er bei der buchvorstellung erzählt, ich finde es schade und vermisse die texte sehr, ich hoffe, die beiden haben sich nicht verkracht. das buch erscheint bei mack, weil es dort richtig beworben und gut verkauft werden soll. ist es jetzt ein buch zur ausstellung oder eine ausstellung zum buch?

die fotos bei loock zielen schon auf die grosse marktmaschine kunst und deren wohlhabende käufer ab. ich habe soth bisher als eher dem markt abgewandten künstler gesehen, vielleicht ist jetzt einfach der richtige moment für den großen sprung ins geld, oder er hat von anfang an den internetz- und den kunstmarkt mit unterschiedlichen strategien bespielt, weiß ich ja nicht. ich wünsche dem mann jedenfalls erfolg und viele käufer mit leeren wänden und bin zufrieden, ich kann mir kein großfoto leisten (preis erfragen, hab ich vergessen gestern), habe aber viele der inzwischen vergriffenen kleinen preziosen im haus, bei denen es um die sache ging, und nicht um den möglichen mehrwert. macht die armen wie die reichen glücklich. well done.

die kids sehen ihre schaumparty endlich mal in ganzer fläche, der große entscheidet sich für eines der abschlussballbilder, ein zwilling nimmt das, auf dem ein stein zwischen zwei arbeiterhänden fliegt, der andere schmollt und will nach hause. gregor macht ein selfie mit sich und soth, es war seine idee, er ist erst losgesaust, als ich ihm gesagt habe, der mann sei berühmt. er hat das auch soth erzählt, „because my mom says your’re famous“, daraufhin wollte soth von ihm wissen, wo ich denn sei? – zum glück woanders. das hab ich nu davon. finde es aber auch interessant, als ob ruhm die versuchte grenzüberschreitung zum berühmten von vorneherein impliziert und damit leichter macht, weniger blosstellend, weil der bittende in eine rolle schlüpfen kann, die ihn tarnt. der große fragt soth nach einem der bilder, dem mit der frau mit den beiden plastiksäcken mit getränkedosen über den schultern, und er erklärt es dem kind, geht mit ihm hin, zeigt zusammenhänge zum bild davor, dem vom rennplatz. netter typ. geht hin, die ausstellung lohnt sich, es ist galerienweekend am 2./3. mai.

unter der theke am counter haben sie auch einen schatz, ein exemplar des lange vergriffenen (es wird auch nicht mehr nachgedruckt, hat soth gesagt) broken manual, man kann es sich anschauen, wenn man die dame fragt, wirklich schönes buch, sag ich jetzt mal so in den raum. hat mir ein lehrer der kids gesteckt, den wir da getroffen haben, schon deshalb gut, dass ich die jungs dabei hatte. schöner abend.

 

eins null

twoday

10 jahre hotelmama, wer hätte das gedacht. vielen dank fürs lesen und kommentieren und verlinken, für die freundschaft und für die drinks!

ein paar gute texte sind dabei, vielleicht kommen auch noch ein paar, ich bleib dran und mache einfach immer weiter. bloggen ist die perfekte form der öffentlicheit für solche wie mich.

KW 5

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die frage, ob ich die eher überraschend geschossene teetasse aus der knaufzeit benutzen soll. ihr porzellan ist dicker als das heutige, sie ist sehr groß und hat eine untertasse, von der sie auch nach einigen tees mit schuß nicht runterrutschen wird, für solide hände, sie hat zwei sehr hinreißende kleine reliefblättchen an den enden des henkels, sie passt gut zu der einen verbliebenen silberkanne im hausstand. beim herumstehen als objekt ginge der teetasse ihr daseinsgrund verloren, er wird geopfert für den neuen, sagen wir mal wertneutral: die zierde, sie ist damit als trinktasse praktisch tot. das ist doch zu bedauern, not? sie wurde für den postweg auch schon verpackt wie eine mumie. wär doch nett, sie durchs verwenden langsam fürs wohlbefinden auf- und dabei für den markt zu entwerten, nutzwert vs sammlerwert, und ich will und muss doch im jetzt leben. vielleicht bleibt sie ja auch heile, wenn ich die jungs nicht dranlasse. die kanne wird bei etwa gleichem alter auch noch viel benutzt, schon ein bisschen als eine art lebenszierde in einem alltag, der sonst eher pragmatisch als kostbar eingerichtet ist (arzberg), aber die ist ja auch massiv und eher unkaputtbar, wenn man sie nicht auf den heissen herd stellt, wie der exmann eine zweitkanne. ich hab so eine zärtlichkeit für das neue stück, wie es hier angespült wurde nach einer langen existenz, bin bisschen unentschlossen, ob ich es mehr als einmal, zum einstand, verwenden möchte, obwohl respekt und stil das erlauben.

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(wenn das geschirr überhaupt echt ist, tasse und untertasse gehören nicht zusammen, sie haben verschiedene buchstaben unter den schwertern, die in der knaufzeit sowieso ungewöhnlich waren, der untertassenrand ist bisschen uneben, der blaustrich im inneren der tasse hat einen ansatzpunkt, die granatkerne am tassenboden haben bisschen geschmiert beim brennen. keine fachfrau bin ich.)

ich treib mich da rum, wo es diese sachen gibt, weil ich seit jahren nach einer ganz bestimmten untertassse suche, vielleicht ist suchen zuviel gesagt, ein schlendern im selbstgespräch, bei dem man seitenblicke auf die stände wirft, mingdrache mit gold, mit glattem rand, groß, purpur, für eine einzelne tasse, über die ich auch schon mal gebloggt habe. ich hab mich natürlich grad nicht an den text erinnert, sondern an die tasse. porzellan ist sehr tiefenentspannend, das prekäre, es kann jahrzehnte oder jahrhunderte halten und bei einer falschen bewegung zerbrechen, es wird nicht alt und knittrig wie ein vielgelesenes buch, sondern ist eben heil oder kaputt, wenn es kaputt gemacht wird. so ein leben für dinge scheint mir immer noch sehr verlockend, also neben dem für menschen.

heute will das wort eher in fast jeden satz, es gibt manchmal so worte, fast alle wieder rausgestrichen. es ist eher grau und eher schwierig, es ist eher gut gegangen, es war eher unfreiwillig, eher ist ein kleiner unterschied, relativ und unentschieden, aber nicht entscheidungsschwach unentschieden, sondern offen, für den schnee nach dem gewitter grade, eher das als den rest, der auch blöd ist, aber am liebsten eher die „[3] größere Wahrscheinlichkeit bei sehr unwahrscheinlichen Ereignissen„.

 

 

kunst kaufen können

mir sind die künstler, die ich mag, zu teuer geworden. die preise auf den messen beginnen inzwischen bei 4 – 5000, da ist es schon ziemlich wichtig, dass der künstler seinen preis halten kann, spontankäufe machen da keinen spass mehr, man muss diese unverhältnismäßigkeit aushalten oder genießen können, die behauptung von luxus, gegen den tod in der ferne und die armut der anderen, well, mit der kunst gerät man schnell OT.

in berlin gibt es gerade eine sehr schöne alternative zum großen kunstcasino, eine große auswahl an arbeiten für menschen wie dich und mich, die weder geld noch platz zu verschenken haben: anonyme zeichnungen werden für 150 euro das stück verkauft. sie passen auf ein din a 4 blatt und damit in jeden freien halben meter. und, blogger-bonus: eventuell hat herr schneck da selbst auch mitgemacht, weiß ich aber nicht.  es sind ein paar schöne arbeiten dabei.

seit jahren besitze ich die relativ unausgenutzte jahreskarte plus der smb, ich trage sie bei mir als talisman und weil man dann auch mal nur eine halbe stunde zwischendurch könnte, wenn man so unterwegs ist, das ist eine kleidsame vorstellung, ein rückfahrticket in die zeiten, als ich noch immer auf premieren und vernissagen usw.
wie die leute in den fördervereinen der museen immer sagen „wir haben das und das bild gekauft“.

am potsdamer platz die touristen und geschäfte hinter sich lassen und zur gemäldegalerie hinüberlaufen, vorbei an den skateboardern auf der betonfläche davor bergauf, es ist eine kunstfestung, was sollen da bäume und kleinteiliges, alles groß, und so kommt man ruhig und still in den räumen an, und muss nicht mal am einlass an geld denken, die gemädegalerie ist ein angenehm notwendiger ort. vielleicht immer mal nur ein paar bilder …

art forum

(die ganzen lustigen sachen vom art forum gibts hier.)

die bilder, die einen wie am faden immer näher dran ziehen, sind selten, überhaupt sind bilder auf der messe selten, alles ist grenzüberschreitend zum objekt oder einfach zum vodoo, und die auswahl verrät mehr über einen selber, als mir lieb ist. das lag aber auch an der menge: mich ziehts dann nach hause, sozusagen zu den stillleben, bildlich gesprochen, zur fotografie meine ich. es gab viel fotografisches, scheint mir so im rückblick, das auge erfreuts wg. verständnis. ich mag verstehen, also der werke, nicht nur des kontextes der werke, ich mag mitteilungen, die nicht nur meta sind. nein: ich hasse reines metazeug auf dem art forum.

man läuft dann so mit sperrangelweitem blick herum, alles kann alles sein, kein material muss stimmen, keine epoche ist eindeutig, keine technik oder nationalität, alles kann gemeint sein, hey, porno (von allen männern fotografiert, knips knips, nochmal nach links, nochmal nach rechts, dabei war das so doof, das bild) so super das ist, so genervt ist man dann auch nach 3, 4 stunden. außerdem sind die leute alle so gestylt, die männer alle so, dass ich denke, die verbreiten sogar sinn, wenn sie einfach nur herumstehen, die haben ihr kinn noch auf dem klo unter kontrolle, die frauen mit groß-artigen schuhen, wunderschön bis leicht drüber,

ich jedenfalls bin immer glücklich, wenn endlich kicken, eigen + art, contemporary fine arts sichtbar werden, und harry lübke hat mich bemerkt!, die haben nämlich immer kunst, und gar nicht nicht immer nur blumes (triptychon aus der vasen-ähm – geschichte, wie hieß die arbeit noch, vasenhysterie? 17.000 euro) oder bechers.

das schwierige mit den vorlieben ist mir erst aufgefallen, als ich am ende des rundgangs ein gemälde gesehen habe, das als gegengift zu einem der wenigen total autonom (ich musste hin) magnetischen bilder gewirkt hat.

es ist von ingmar alge, heißt o.t. und „Wanderung“ und kostet 11.000 euro. „na, das geht ja“ hab ich dem galeristen gesagt, aber nur, weil der so ein blondschopf war, ich fand nämlich viel, ca. 50% zu teuer. so, gebeichtet. würde ich niemals habenwollen, weil die aufmerksamkeit, die es hervorruft, nur durch den kontrast zwischen perfekter ölmalerei und dargestelltem ausgelöst wird und nicht lang hält, niemand muss sehen können, um das ding zu verstehen, es liegt alles in der oberfläche, aber es ist ein gut funktionierender gegenentwurf zu dem bild, das mich angezogen hat. wobei alges galerie, kuckei + kuckei, schon ziemlich tolle sachen macht.

diese andere wanderung, die ich gerne mitgenommen hätte, war ziemlich hinterhältig, großes bild, 175 mal 120cm, ein druck, man sieht ein panorama mit see, von den bergen aus, im vordergrund eine wandergruppe auf dem hang sitzend, die aussicht geniessend, auch diese wanderer alle von hinten dargestellt. die konturen sind verwischt und etwas unscharf, aber nicht überall, einzelne der figuren sind klar und scharf zu erkennen, das bild vibriert dadurch, es ist nicht klar einzuordnen, weder die technik noch die landschaft. nach ner weile fällt auf, dass die frisuren und kleidung der menschen sehr altmodisch aussehen, blonde zöpfe, wandertaschen, saubere kurzhaarschnitte mit scheitel bei den männern. irgendwas erinnert an die 40ziger und 50ziger des letzten jahrhunderts, und plötzlich erkennt man das idyllische-heimat-motiv, die verklärung und den kitsch der kriegs- oder frühen nachkriegszeit. dann kommt man vom anderen wanderungsbild wieder, das mit den flüchtlingen, schüttelt sich ein bisschen und denkt nee, mein gott, bergfilme, hör mir auf, und guckt dann doch nochmal hin, weil es so schön aussieht, das bild. ebbe stub wittrup (ein toller dänischer dänenname) hat für seine arbeiten wirklich alte dias zur vorlage genommen, ha! erkannt, das ergebnis ist schon verführerisch. eine gefährliche arbeit. 9.500 euro.

außerdem berührend und aufregend eine arbeit von astrid klein, ein sehr großaufgezogener ausschnitt eines irgendwie bekannten gebäudes, wand mit fensterlöchern, beton, grisselig durch die vergrösserung, oben und unten paar linien wie drähte oder telefonleitungen oder ein riss im bild, vor der häuserwand eine weiße shilouette, wie ein aussriss, figurenähnlich, fallend, das ganze 5 meter lang und zweieinhalb groß. 60.000 euro, „Nachtmaterial“, bei kicken, glaube ich. ein freund meinte, er würde das kaufen, sofort, mit kredit, wegen der geschichtsdarstellung, aber hey, sowas deprimierendes gehört ins museum.

sehr schön war auch chris larson mit seinem gefrorenen zimmerchen, dickes weißes eis liegt auf all dem vertrauten zeug, dass täglich benutzt wird, einer brille, wecker, alles eis. dickes ich-bleibe-jetzt-für-immer-eis. schöne idee. zu teure bilder, 6.000 für aus einem eisfilm gewonnene fotografien, na, die trauen sich alle was heute, die galerien. vielleicht ist der aber auch schon berühmt, alle sind berühmt, alle haben schon ausstellungen, biographien, museumskäufe vorzuweisen, lauter kleine galaxien, die galeristen erzählen jedesmal so, dass man den nächsten rauch vor sich hat, den man kaufen sollte, auch wenn er scheiße aussieht, wegen der anlage.

die schrägsten, also im sinne der verbindung von markt und phantasie: eine japanerin verkauft bilder einer roten schreibmaschine, der die tasten fehlen, für 38.000 euro, bestimmt auch von wem berühmten, die sachen so uninteressant, dass ich nicht mal mehr fragen wollte, vom wem das ist. das what ever- die galerien nennen die arbeiten immer nur noch „projekte“ – also die hubschrauberreichen projekte von alain bublex hätten meinen kindern gefallen. oder albert weis („Der große Wurf – Faltungen in der Gegenwartskunst„), der faltet leichtmetall zu schachteln. mei.

gern gekauft hätte ich wie jedes jahr einen odermatt bei springer und winckler (diesmal vier fröhliche ältere herren, die in einem käfer über eine überflutete brücke fahren), die kosten immer 4.500 euro. die bilder sind eine perfekte form der fotografie, zu einem ganz anderen zweck entstanden, dokumentarisch, verspielt, auch wieder auf eine idylle zeigend, ich muss da mal hin, in eine idylle. hab mal auf einer vernissage mit odermatt sprechen können, wie er sich gewundert hat über seinen erfolg, verschmitzt war er und aufgeregt und hat sich über die ganzen frauen gefreut, die mit ihm reden wollten, so jemandem gönnt man natürlich jeden euro. aber man kommt sich beschränkt vor, wenn man sowas echtes auf dem art forum kaufen will, das ist wie ein paar unzen gold gegen derivate, es bleibt immer irgendwas übrig von den odermatts, die sind einfach schön. und den bergausflug, den hätte ich auch.

kunstmarkt, ts.

(pjaer war auch da, ich erkenn das sogar wieder, wie er das beschreibt)