nett und anonym

mich bei tellonym angemeldet, um hotelmama zu reservieren, weil der name so schnell weg ist normalerweise. wie damals auf twitter. bisschen tut es mir ja leid, das hotelmama auf twitter so hartnäckig die klappe hält. ich bin da hin- und hergerissen zwischen meiner wunschidentität als coole halbintellektuelle großstädterin und meiner realen existenz als eher nicht relevante fünfzigerin ohne karriere oder, oder, ach, ich sag mal: oder ähnlichem. ist mir neulich erst aufgegangen, verbunden mit der frage, wann das nichtgelebte endlich mal abgetrauert ist, denn dann könnte ich als serienguckerin und comicleserin und frau mit einem mehr banalpoetischem zugang zur welt endlich entspannt vor mich hin twittern! wär doch was. so abstrakte metaprobleme hab ich beim bloggen zum glück gar nicht, als wär twittern öffentlicher. gibt es eingentlich beschreibbare unterschiede zwischen weiblichem und männlichem twittern? witz, aphorismen, aphrodisiaka, befindlichkeiten, minitheoreme, je vielseitiger, desto lieber lese ich.

diese neue seite ist eigentlich ein bisschen pubertär, oder nicht? der erfinder ist ja auch erst 19, oder war es grade noch. meiomei.

die rückseite von komplimenten und geständnissen ist ja denunziation, aber ich glaube dem macher, dass da nix böses dahintersteckt, wie postsecret nur für dich. muss es mal den jungs zeigen, aber in deren umfeld twittert keiner, auf instagram sind sie auch nicht unterwegs, facebook dient ihnen glaube ich mehr der repräsentation als der kommunikation, da geht eh nur der heimliche zettel in der schultasche, und so wichtig ist es dann auch wieder nicht, um dafür ein risiko einzugehen.

ist es nicht eine eher ostdeutsche eigenschaft, mit meinungen, vor allem mit kritik, hinter dem berg zu halten? vielleicht aus stasizeiten, wo unpassende oder unerfreuliche äußerungen den menschen existenziell gefährdet haben, mein eindruck (und meine erfahrung): diese zurückhaltung, das schweigen und rumdrucksen hat sich in die neuzeit gerettet, das gefühl der bedrohlichkeit von kritik ist vielleicht unhinterfragt in allgemeine höflichkeitsregeln diffundiert.

ich kriege mich nicht mehr auf 140 zeichen, fürchte ich, wird alles immer langwieriger hier.

in italien gibt es eine charmante art, alles in komplimenten mitzuteilen,  das kompliment gehört zur eloquenz dazu, ist kein kommunikativer sonderfall mit alarmzeichen, keine wasserscheide, nichts, was die strömung aufhält oder ändert. es wird elegant in die normalen kommunikationsformen integriert, es ist ein kleines geschenk, eine höflichkeit, man gibt damit nicht den schlüssel zum innersten heiligtum aus der hand, man macht das gegenüber nicht zum alleinerben damit, meistens ist es auch kein heiratsantrag, nichtmal versehentlich. wer niemals komplimente macht, nimmt sich zu ernst, glaube ich. ich vermisse die komplimente im kalten dunklen berlin (slow und jorge, an mein herz!), darum mach ich da mit. eine woche oder zwei.

na, mal gucken.

holy grail guitar show 2016

es sind überwältigend viele gitarren zu sehen, und jede einzelne davon verdient wahrscheinlich eine eigene geschichte, die macher haben ja ihre meisterstücke mitgebracht. wie bei großen kunst-austellungen sortiere ich meinen überblick auf einer skala des habenwollens. in museen und gallerien such ich mir immer drei arbeiten heraus, die mich ansprechen, die ich näher heranlassen will, meistens, weil ich sie schon auf einer intuitiven grundlage begreife, bevor die auseinandersetzung mit dem kunstwerk-dingsda etwas fundiertes entstehen lässt. bin also offen für launen, hormone und subjektivität, wie sonst soll ein potentieller käufer bei 500 gitarren auch entscheidungen treffen? gitarren sind ja (fast immer) leichter zu verstehen. drei stück will ich mitnehmen wollen, nur drei sollen sich einprägen, und trotzdem hat sich auf platz drei eine ukulele eingeschlichen.

blau
San Lorenzo Guitars; OD Guitars; Negrini Guitars; Volt Eletrics

„holy grail guitar show 2016“ weiterlesen

passagen 2 und 3

es freut die kinder sehr, bei einem großen fest im mittelpunkt zu stehen, well naturally freut es sie, wen nicht? vielleicht bringt die konfirmation nur ans licht, wie sehr die kinder im mittelpunkt der elternleben stehen, wo ich als mutter in meiner lage oft nicht soviel zeit für sie habe, wo vieles eben einfach nicht geht, gleichzeitig wird der schritt ins neue leben gefeiert, der übergang ins eigene, in den mittelpunkt ihres eigenen lebens, die religion nur als anlassgeber, obwohl ihnen das auch thema war, in kindlicher gleichberechtigung neben den geschenken und dem trara. bin mir nicht ganz sicher. ich mag den gedanken eines rite de passage sehr gern, es ist aber eigentlich nur die passage in einen ersten anzug, sie müssen dazu regelmäßig in die kirche und in den konfiunterricht gehen, was bei der hohen qualität der jugendarbeit hier in der gemeinde überhaupt kein opfer für sie ist. vielleicht fehlt mir das ein bisschen, ein vorgang, der zur selbsterkenntnis führt, ein echter schritt, der arbeit und konzentration erfordert. das ist aber nu auch nicht aufgabe der kirchen, bei denen die selbstverantwortung zumindest in den 10 geboten kaum eine rolle spielt. aber nee, es ist schon schön, dass die kirche die jugendlichen feiert! es macht sonst ja keiner. bar/bat mizwa für alle. in der schule bleibt das einzelnen lehrern und dem zufall überlassen. die jugendweihe, in berlin sehr verbreitet, bietet nur party und ein paar kurse.

schöne predigt gehört, der pfarrer hat sie um den film boyhood herum aufgebaut, das größerwerden, die beziehungen, viel lieber würde ich „texte“ schreiben, merke ich, weil die predigt auch ohne den kirchlichen rahmen funktionieren würde, der mich dabei nicht so sehr berührt, anders als die gedanken und bilder, die weiterführen und etwas öffnen. der pfarrer mäandert ein bisschen um seine themen herum, ist souverän und freundlich, genau im gleichgewicht zwischen dem ritus und dem leben, er kann das sehr gut, wie an einem küchentisch bei einem glas wein, wenn etwas unbedingt gesagt werden will, authentisch und heartfelt. es war die letzte predigt dieses menschen, zumindest vor seiner gemeinde, er ist bereits pensioniert, die jungs hatten glück.

für die auswahl der bibelsprüche haben offensichtlich alle google bemüht, und auf denselben paar seiten gesucht, alles vielfach vorhanden. es muss mehr gute sätze in der bibel geben, not? furchtlosigkeit und liebe hatten meine beiden, wie viele andere auch.

wie der glauben besser funktioniert als das internet, und schon so lange, weil es ein geschlossener kreis ist, ohne leerstelle für kommentare, gefällt mirs und pageviews. glauben als sich selbst bestätigendes system, ich glaube, und der glaube macht mich sicher, ich mag die eleganz und askese dahinter, das uneitle, wobei das aufgehobensein in einer gruppe beim gottesdienst zb auch etwas gibt. ob es mehr ein wissen ist für die, die vom glauben leben?

je älter ich werde, desto weniger behagt mir das männliche am gott, auch weil in meinem ganzen umfeld die frauen diejenigen sind, die das praktische, nicht symbolische leben gestalten, egal, ob sie berufstätig sind oder nicht. wie hier frau wildgans erzählt, dass überwiegend frauen dableiben bei pflegebedarf, während die männer verschwinden. lieber mit den frauen der bibel reden, ein pläuschchen mit gott stelle ich mir inhaltlich eher diachron und formal eher monologisch vor, ein mansplainer, die heerscharen, die siege und strafen, die geschichte, der einzelne nur als beispiel. einfache bilder, aus denen die unterwerfung nicht wegzudenken ist, oder nur dann, wenn der glaube als ganz und gar freiwillig verstanden wird, als anerkennung eines grösseren anderen.

na, das hohelied ist ja auch noch da, zum glück.

mal wieder in den schönen und vielseitigen (und einen tick zu verspielten) band von otto kallscheuer hineinlesen, die wissenschaft vom lieben gott, eichborn 2006: nee, der hat natürlich auch keine passenden zitate. zu pfingsten, steht da, „im Gründungsereignis der christlichen Mission, wurde der Endkampf um die feste Burg Zion ersetzt durch die Geburt eines neuen Mediums: des heiligen Geistes globaler Kommunikation.“(s. 468); „Der Endkampf zwischen Gut und Böse hat sich ins Herz jedes Einzelnen verlagert, ist in jeder Sprache kommunizierbar geworden“ (s. 471)

endkampf? wieder so ein albernes männerwort. es endet ja nie, solange man lebt.

eins null

twoday

10 jahre hotelmama, wer hätte das gedacht. vielen dank fürs lesen und kommentieren und verlinken, für die freundschaft und für die drinks!

ein paar gute texte sind dabei, vielleicht kommen auch noch ein paar, ich bleib dran und mache einfach immer weiter. bloggen ist die perfekte form der öffentlicheit für solche wie mich.

KW 5

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die frage, ob ich die eher überraschend geschossene teetasse aus der knaufzeit benutzen soll. ihr porzellan ist dicker als das heutige, sie ist sehr groß und hat eine untertasse, von der sie auch nach einigen tees mit schuß nicht runterrutschen wird, für solide hände, sie hat zwei sehr hinreißende kleine reliefblättchen an den enden des henkels, sie passt gut zu der einen verbliebenen silberkanne im hausstand. beim herumstehen als objekt ginge der teetasse ihr daseinsgrund verloren, er wird geopfert für den neuen, sagen wir mal wertneutral: die zierde, sie ist damit als trinktasse praktisch tot. das ist doch zu bedauern, not? sie wurde für den postweg auch schon verpackt wie eine mumie. wär doch nett, sie durchs verwenden langsam fürs wohlbefinden auf- und dabei für den markt zu entwerten, nutzwert vs sammlerwert, und ich will und muss doch im jetzt leben. vielleicht bleibt sie ja auch heile, wenn ich die jungs nicht dranlasse. die kanne wird bei etwa gleichem alter auch noch viel benutzt, schon ein bisschen als eine art lebenszierde in einem alltag, der sonst eher pragmatisch als kostbar eingerichtet ist (arzberg), aber die ist ja auch massiv und eher unkaputtbar, wenn man sie nicht auf den heissen herd stellt, wie der exmann eine zweitkanne. ich hab so eine zärtlichkeit für das neue stück, wie es hier angespült wurde nach einer langen existenz, bin bisschen unentschlossen, ob ich es mehr als einmal, zum einstand, verwenden möchte, obwohl respekt und stil das erlauben.

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(wenn das geschirr überhaupt echt ist, tasse und untertasse gehören nicht zusammen, sie haben verschiedene buchstaben unter den schwertern, die in der knaufzeit sowieso ungewöhnlich waren, der untertassenrand ist bisschen uneben, der blaustrich im inneren der tasse hat einen ansatzpunkt, die granatkerne am tassenboden haben bisschen geschmiert beim brennen. keine fachfrau bin ich.)

ich treib mich da rum, wo es diese sachen gibt, weil ich seit jahren nach einer ganz bestimmten untertassse suche, vielleicht ist suchen zuviel gesagt, ein schlendern im selbstgespräch, bei dem man seitenblicke auf die stände wirft, mingdrache mit gold, mit glattem rand, groß, purpur, für eine einzelne tasse, über die ich auch schon mal gebloggt habe. ich hab mich natürlich grad nicht an den text erinnert, sondern an die tasse. porzellan ist sehr tiefenentspannend, das prekäre, es kann jahrzehnte oder jahrhunderte halten und bei einer falschen bewegung zerbrechen, es wird nicht alt und knittrig wie ein vielgelesenes buch, sondern ist eben heil oder kaputt, wenn es kaputt gemacht wird. so ein leben für dinge scheint mir immer noch sehr verlockend, also neben dem für menschen.

heute will das wort eher in fast jeden satz, es gibt manchmal so worte, fast alle wieder rausgestrichen. es ist eher grau und eher schwierig, es ist eher gut gegangen, es war eher unfreiwillig, eher ist ein kleiner unterschied, relativ und unentschieden, aber nicht entscheidungsschwach unentschieden, sondern offen, für den schnee nach dem gewitter grade, eher das als den rest, der auch blöd ist, aber am liebsten eher die „[3] größere Wahrscheinlichkeit bei sehr unwahrscheinlichen Ereignissen„.

 

 

filmgewalt ist so unterkomplex

das ermüdende übermaß an gewalt in so gut wie allen schnieken serien, es bleibt einem ja quasi nur noch 30 rock. geschrei, blut, schmerz, angst, weitoffene wunden, vor denen die kamera sekundenlang stillsteht, wie sonst auf nichts in den episoden. mal ein paar schöne naturstills? die geräusche so nachfühlbar, dass ich sie mit den realen geräuschen verwechsle, die ich im reallife gar nicht kenne, weder schüsse noch stürze oder das reissen von haut, die tonspur im film fast ein ersatzangebot für zuschauer wie mich, die nicht hinschauen, wenn es schlimm wird, und dann wenigstens über die ohren noch dabei sein können, oder müssen, vielen dank. im alltag hat gewalt kein geräusch, also kein so intensives, der filmschuss will mit seinem genretypischen hyperrealismus fast aus der dimension raus und zwingt die vorstellung in eine neue, 3d übers gehör. sie bereichern die erfahrung, wo man den kram nun wirklich nicht haben will. glaubt das unterbewußtsein die gewalt auch, wenn sie nur über augen und ohren daherkommt, also ohne tatsächliches erleben? will das hyperreale in meine realität? so führen die sich ja auf mit ihren nahaufnahmen und zeitlupen und dem ganzen exzess, der blick ins eklige, zerstörte und die mit schmackes ausagierte gewalt. in verletzte körper schaue ich eher ungern hinein, weil ich keine ärztin bin, sie sind tabuisiert und deutlich ein teil der privatspäre, die toten und verletzten körper in der filmszene werden sofort alle und mein körper und sind nicht mehr nur der eine fremde, der da liegt. bei den vielen szenen in der pathologie, die leichname mit den abgedeckten imtimteilen, wie jesus, wie die kameraführung dann den wechsel genießt, ganz langsam vom eros zum tod, und dort klebenbleibt, und ich guck weg oder halte die hand vors ipad, die wunde ist ja ein viel stärkeres signal als die blöße, die identifizierung damit läuft vielleicht über reflexantworten wie angst und ekel, die sind ja kaum wegzurationalisieren. wie langweilig das system grenzüberschreitung ist, so in der dramaturgie, geht ja auch nur in eine richtung, zur nächsten grenze, ein billiger ersatz für handlung/dialog, die gewalt das eine ereignis im drehbuch, das kein genaues motiv und keinen anker in der figur benötigt, es reicht völlig, wenn die täter halunken sind und kriminelle.

mehr leichen als lieben im tv, mehr autopsien als sex.

das andere sehen aus einem zustand der angstlosigkeit, entspannte aufmerksamkeit vs dem blick mit fluchtreflex in den szenen mit spannungsaufbau, wie anregend und spielerisch spannung sein kann, wenn ich nicht immer mit gefahr rechnen muss und wie automatisch ich mich schon aus sicherheitsgründen ent-identifiziere, wenn die ekelgewalt absehbar ist. die enttäuschte gewalterwartung in argo, wo kein schuss fällt, und ich mich immer noch an den toten am krangalgen erinnern kann, an dem die helden im auto vorbeifahren, da konnte ich diese kleine immer mitflimmernde angst vor gewalt erst am ende ablegen, wie angst auch die intelligenz einschränkt durch den scheuklappeneffekt.

es wär mir fast lieber, wenn die gewalt nur den zunehmenden sozialdarwinismus bebildern würde, der stärkere und brutalere gewinnt, gewalt als sicherer weg, die regression ins frühkindliche, wobei ja schon anderthalbjährige lernen, nicht loszuschlagen, oder ist die frustaggression der normalen erwachsenen so groß? gewalt ist dumm, sprachlos und unkultiviert, wenn sie als kommunikationsmittel verwendet wird, mit dem ziel, zu gewinnen, und dem hinnehmen der leere danach, wenn die beziehung auf null gestellt wird, immer angenommen, die gegner bleiben am leben. wenn ein konzept dahinterstünde, aber es ist dann wohl doch eher einfallslosigkeit und ungeduld, viele volle filmminuten, spass für die maske und den choreographen, vielleicht muss auch die dosis einfach immer höher werden? wie gern hätte ich plots, mit dialogen, figuren und geschichten, meinetwegen streamingversionen, aus denen der ganze gewaltscheiß rausgeschnitten wird.

(frusttext, weil ich eine serie spontan ausgestellt habe, statt sie im zustand leichter an- und erregung mit blick auf details, kleine gesten und gelegentliche eleganz genießen zu können.) (andrerseits hat jemand neulich verso mit seinem tollen jahresendangebot verlinkt, und jetzt ist die bude wieder voller bücher.)

herrje, zu lang und nicht ausgearbeitet, aber das liegt hier sonst wieder nur rum im entwürfeordner. kürz ich noch runter.

fragen

jetzt hat frau montez netterweise gefragt, vorher hatte auch frau fragmente schon mal ähnliche fragen, und die woche ist auch fast rum. gefühl dabei lässt sich haargenau als „munter voran“ beschreiben, wie es vielleicht ein wanderer bei einer picknickpause einem anderen sagt, der an ihm vorbeiläuft, in einer geschichtslosen idylle in den fünfzigern.

1. Warum bloggst du? Könntest du deine Zeit nicht sinnvoller nutzen?

nein. ich könnte vielleicht, kann es aber nicht. ich habe anfangs in eine kleine schwarze freifläche hinein gebloggt, in der das gelesenwerden nur eine vage möglichkeit und verlockende option war. ich war alleinerziehend mit drei kleinkindern, vielen unsicheren jobs und einem wackeligen diabetes, niemand hätte sich für den kram interessiert, den ich ins blog schreiben konnte, ich hab so aus dem wirklich dichten alltag mit den jungs herausfinden können. sobald mein blog dann tatsächlich gelesen wurde, war es anfangs ein schöner ersatz fürs weltliche wahrgenommenwerden, später dann the real thing, also kein ersatz mehr, mit der entwicklung des internets wurde die grenze schwammig. es scheint mir, das das bedürfnis über die jahre gleich groß und mein anspruch an meine texte viel kleiner geworden ist, als hätte die allgemeine oberflächlichkeit mein denken mitverschluckt, wobei halt, schon 2005 war mir so! so findet man sich wieder.

1b. Wieviel Zeit geht täglich drauf fürs Bloggen? Und wann schreibst Du?

meistens morgens oder spätabends vor oder nach anderen dingen, fast immer zu schnell. wenn ich zeit habe wie heute, sitze ich gern auch mal einen fast ganzen tag am blog und gehabe mich dort wohl. ca. 1 bis 2 stunden am tag. in letzter zeit übe ich in der blogzeit gitarre, was auch glücklich macht.

2. Welcher Artikel aus anderen Blogs ist dir spontan im Kopf geblieben? (nicht zu lange nachdenken) und 4. Welches Blog empfiehlst Du?

oha, das sind sehr sehr viele, ich hab die leider auf keiner liste. ein blog funktioniert ja nur als summe vieler guter einzelpostings, als tonfall, im letzten jahr hab ich frau montez entdeckt und mich verliebt, grad ihr text über ihren hund, voll hach. auch frau moseron lese ich sehr gern. wie immer goncourts texte und bilder, die so genau wie leichtfüßig sind, seine reisesachen!, frau engls kindheitserinnerungen, frau fragmentes offenbarungen, praschls alter kram, all die schönheit bei der stattkatze, isas lebensfreude, meks abenteuer, kids wunderbares panoptikum. glamourdicks liebesleben, luckys liebesleben ebenfalls! kittykomas entwicklungen. und noch viele mehr. die lebenserfahrung vom doc. sie sind alle sehr verschieden, glaube ich, ich mag diese unterschiede, ich liebe sie alle. sie sind selbstverständlich und meist freundlich geschrieben, die menschen dahinter wirken neugierig (riesentugend) und vor allem sind sie wunderbar unprätentiös, selbst die beiden dandys goncourt und kid sind bei aller eleganz zurückgenommen, mal eher barock, mal eher sottile. die wunderbare frau caro, die ein blog schreibt, wie sie früher geschrieben wurden.

ich finde permalinks gar nicht mehr so toll, merk ich grad, ich mag die linearität von blogs und schätze es, wenn die zeit auch dort vergeht. ein blog soll ein feiner und zuverlässiger begleiter sein. war das die frage?

ich lese auch gern blogs mit texten über politik, internet, frauen, rezepte, meinungen, weiss nicht, herrn ix zb les ich richtig gern, aber mir sind die autoren viel näher, die aus einem ähnlichen impuls heraus schreiben, so richtig welthaltig ist mein leben eh nicht, ich selber habe zum beispiel nur wenige meinungen und komme im alltag ganz gut ohne sie aus, meinungen sind immer abschlüsse und damit auch tot (wobei ich das tote im naturkundemuseum sehr liebe, einer meiner traumarbeitsplätze ist das archiv dort) und irgendwie nicht mehr so interessant. rezepte hab ich allerdings schon viele, gucke gleichoft im netz und im kochbuch nach, im netz liebe ich vor allem die von frau kaltmamsell, deren wirsingeintopf lustigerweise das lieblingsessen vom großen geworden ist. abgesehen von lasagna.

3. Dein absoluter Lieblings-Artikel in deinem Blog? (bitte mit Linkangabe)

ich hab keinen. ich darf zufällig grad für ein anderes projekt ein paar lieblingstexte raussuchen, gehe einfach nach ersten einfällen:

juni

zwillinge

theatertreffen 2009

liebe

lamentela

kleines ja

sommerfest

5. Welches Thema liegt Dir am meisten am Herzen?

ich hab kein richtiges thema, es sind dinge, über die ich was schreiben möchte. die ich schreiben möchte. die liebe ist mein lieblingsthema, außerdem das gelebte leben.

6. Freundschaft. Hast du mehr Freunde im Internet, oder da draußen?

noch immer mehr draussen, aber alle guten neuen freunde der letzten jahre hab ich aus dem netz, wobei es die netzfreunde viel mehr von mir wissen als die anderen – oder nein, sie wissen es auf andere weise, es ist so viel mehr diachrones wissen dabei, alte texte, alte fotos, alte empfehlungen, als ob man die netzleute seit ewigen zeiten kennt, weil man soviel weiß aus diesen leben, außerdem teile ich mit ihnen die freude am schreiben. tatsächlich finde ich es inzwischen sonderbar, menschen kennenzulernen, von denen ich noch nichts gelesen habe.

7. Ganz ehrlich und unter uns: wie oft checkst du die Statistik deines Blogs? (falls du eine hast)

wann immer ich online bin und grad was gebloggt habe, checke ich dauernd. sonst nicht.

8. Kennt Deine Familie (falls Du sowas hast) Dein Blog?

sie kannten mein twoday-blog, haben es aber nicht gelesen. nur blogger lesen blogs, oder? hat sich das geändert in den letzten jahren? seit der eigenen domain liest es niemand mehr aus der familie, glaube ich jedenfalls. die jungs wollen nicht, dass ich über sie schreibe, da lass ich also alles vorher absegnen, aber sie lesen und gucken total andere sachen im netz, naturally.

Und wie finden die deine Bloggerei?

„mach doch was richtiges“ „ich würde nie schreiben ohne geld dabei zu verdienen“ „du musst ja echt viel freizeit haben, also ich könnte mir sowas nicht leisten“ „hast du damit mich gemeint? unmöglich!“

9. Verhältst du dich manchmal noch wie ein Kind? Wenn ja, in welcher Situation?

diese frage kommt eigentlich aus einem anderen fragebogen, oder? ich glaube nicht, dass uns allzu viel vom kind unterscheidet, also bis auf den intellekt und den sex, beides erscheint mir grad so in meiner novemberlichen einkehr als sagen wir mal nicht überall sinnvoll eingesetzt, wenn man mal vom ergebnis her argumentiert, andrerseits will ich ja zu einer mehr prozessorientierten selbstwahrnehmung. an meine kinderzeit habe ich fast keine klaren erinnerungen, ich kann manchmal noch musik hören wie ein teenie, immer wenn die tür durch irgendwelche emotionen aufgedrückt wird, aber ich verhalte mich zum glück nicht mehr wie als kind, also still und verängstigt und verunsichert in fast allem.

10. Was würdest du anders machen, wenn du mit den Erfahrungen von heute noch einmal neu im Alter von 14 Jahren beginnen dürftest?

alles. oder nee, ich hab ja kinder, also gar nichts! nach den kindern aber gibt es zwei entscheidungen, die ich wahnsinnig gern rückgängig machen würe, das ist wohl in ordnung so als schnitt. war nicht die frage, ging gar nicht um entscheidungen? mehr vertrauen in mich und meine schönheit, unbedingt gitarre früher anfangen.

ich würde sowas gern lesen von frau moseron, kitty, und dem doc. über antworten von frau arboretum würde ich mich auch sehr freuen. die fragen:

1. Warum bloggst du? Könntest du deine Zeit nicht sinnvoller nutzen?1b. Wieviel Zeit geht täglich drauf fürs Bloggen? Und wann schreibst Du?2. Welcher Artikel aus anderen Blogs ist dir spontan im Kopf geblieben? (nicht zu lange nachdenken)3. Dein absoluter Lieblings-Artikel in deinem Blog? (bitte mit Linkangabe)4. Welches Blog empfiehlst Du?5. Welches Thema liegt Dir am meisten am Herzen?6. Freundschaft. Hast du mehr Freunde im Internet, oder da draußen?7. Ganz ehrlich und unter uns: wie oft checkst du die Statistik deines Blogs? (falls du eine hast)8. Kennt Deine Familie (falls Du sowas hast) Dein Blog?Und wie finden die deine Bloggerei?9. Verhältst du dich manchmal noch wie ein Kind? Wenn ja, in welcher Situation?10. Was würdest du anders machen, wenn du mit den Erfahrungen von heute noch einmal neu im Alter von 14 Jahren beginnen dürftest?

 

kinder.

helfe gelegentlich im kindergarten aus, in dem meine söhne waren, und mit deren erzieherinnen ich seitdem befreundet bin. gleich wieder dieser kleinkindflash, die totale offenheit von ganz kleinen kindern in körpereinheit mit ihrem nichtkönnen von alltagsdingen, essen! es ist sooo lustig, wenn sie tomatenpasta essen, sie packen die nudeln aufs besteck, machen aber den mund nicht weit genug auf oder treffen ihn nicht richtig, alles mit höchster konzentration, dann machen sies nochmal, und nochmal, ungerührt. sie freuen sich über alles, so leicht wie sie weinen, das lachen, kichern, gackern, der ungeheuere lärmpegel von all den 1-4  jährigen, wie sie sich ins zuhören fallen lassen können mit großen augen, obwohl sie die bücher schon dutzendfach gehört haben, die leseratten, die immer ein buch bringen, sobald man sich setzt, wie sie mit 3 klötzchen und einer decke ein spiel spielen, bei dem man schreiten, stampfen und die steine herumtragen muss („könig“), wie sie mir die kita-regeln erklären können, ihre stimmchen beim mitsingen, das draufgängerische rumgepurzel, wenn man sie draussen toben lässt. ihre totale verschiedenheit, schon im vorschulalter lauter persönlichkeiten, noch gar nicht festgeschrieben, die lauten sind mal still, die wilden gebannt, mit einigen kindern sind sie so, mit anderen anders, die kleinen fliessenden sozialgefüge, und sie sind schon kompetent in beziehungen, sie testen mich aus, finden die grenze und sinds zufrieden. die verträumtheit einer ganz kleinen, eine zufriedene verträumtheit, glaube ich, sie lächelt, wenn ich sie anspreche, ist aber noch in einem eigenen reich, aus dem sie nicht herausmuss. oder wenn sie sich hinlegen beim mittagsschlaf, popo in die luft, und nach einer minute eingeschlafen sind, oder nach zwei minuten rückenkraulen, und dabei lächeln, ganz kleine häufchen unter ihren decken. wieviel mehr sie machen, wenn man sie lässt, sie haben holzbretter- und stücke auf ihrem hof, mit denen lauter waghalsige konstruktionen entstehen, kinder drauf, manchmal hälts, manchmal nicht, dann liegen sie im sand, stehen auf und machen es anders, es sind energiebündel mit wenig raumzeit zwischen idee und handlung und einem glücklicherweise niedrigen schwerpunkt. der eine, der immer anfängt zu hopsen und die arme herumzuwerfen, weil er sich so freut, einfach so, beim herumrennen. die eine meldet sich immer, der andere gar nicht, redet dann aber, wenn die erzieherin ihn anspricht, mit ganz leisem stimmchen entspannt vor sich hin, in eigener zeit, niemand drängelt, das drängeln kommt erst mit der schule.

ich bin eigentlich rausgewachsen aus dem impuls und kriege nur noch bei neugeborenen diese schöpfungsehrfurcht, aber trotzdem … unter anderen umständen hätte ich gern noch ein oder zwei mehr gemacht. nie ganz verstanden, warum jemand keine kinder wollen könnte. soviel liebe.

(alles dankbarkeit, wisst ihr ja.)

 

fotobuch

immer wieder verblüffung, wenn ich als vergriffen geltende bücher noch in irgendeinem onlineladen bekomme. das ist wie eine zeitreise zwischen gestern, wo der buchhändler sagt: er könne noch mal hinten im lager nachsehen, und das buch dann mit einem lächeln zur kasse bringt – und der heutigen O/I- logistik, in der es keine unsicherheiten mehr gibt, nur noch gelegentliche fehler. erhöht die freude, wenn nach ein oder zwei wochen das buch im briefkasten liegt, für paar euro fuffzig, das bei amazon oder zvab schon für paarhundert plus gelistet ist.

ob tatsächlich jemand diese hohen preise bezahlt? neulich in einem fotobuchladen in der immanuelkirchstrasse kleine zettel mit „bei amazon x euro, hier y“ auf den büchern. ich kann mir nicht vorstellen, dass es tatsächlich käufer gibt für all diese teuren restexemplare oder erstausgaben usw., ich glaube nicht an den käufer mit geld, eher an den käufer mit timing, der bücher mit miniauflagen zeitig kauft und behält und sich an den phantasiepreisen freut. mal beobachten, wie lange sowas absurdes bei amazon vorrätig bleibt, aber ich hoffe, der markt findet anders statt. diese preise sind glaub ich nicht realisierbar, nicht für zeitgenössisches.

ich habe keine große ahnung von fotobüchern, aber ich liebe es, sie anzusehen, sie wirken fast wie yoga. kommt alles durchs internet mit den vielen fotografen, vor allem durch die tanzgruppe goncourt, hackr, hammerschmitt, nochwer?, aus deren blogs und fb- und anderen accounts ich vermutlich die meisten hinweise habe. danke dafür!

ich finde in meinem vorliebenfeld (landschaft, dokumentarisches, strassen) fast alle interessant, wenn sie es schon ins buch geschafft haben, es ist schwierig, unter diesen vielen jemanden herauszufinden, der spannend bleibt auch nach vielfachem ansehen, bilder, die immer wieder funktionieren, für die/den ich reellen raum freigeben möchte und nicht nur virtuellen. ein schöner gedanke, dass die welt mit kunst flächendeckend gefüllt ist, wie eine bestandene menscheitsprobe, vielleicht sind klare kriterien eh nicht möglich, wenn die auswahl so groß ist. ob es jetzt eher mein persönlicher bildungshorizont  oder die eigene geschichte ist? es fühlt sich an wie serendipity, wenn ein werk einen erwischt, mit einem schwer erklärbaren und nicht vorhersehbarem  punkt, an dem schönfinden in begeisterung umschlägt.

wenn das klare ja oder nein nicht möglich ist: ob ich die energie zum tollfinden ins buch hineinsehen muss oder ob es mir entgegenspringt, mit dieser existentiellen wucht sehr guter arbeiten, aber das passiert fast nie, dieses sich verlieben als kurzschluss, das bild nur noch bild, nicht mehr künstler oder verlag oder agentur oder thema, vielleicht ähnlich wie bei literatur der unterschied zwischen etwas schreiben und über etwas schreiben? bei strassenfotos, wenn etwas alltägliches einen kleinen haken in die wahrnehmung setzt, ein element des fotos außergewöhnlich ist oder eine andere spannung erzeugt, auf nicht dramatische weise –

sonst beginnt folgendes:

ich übe mich idealerweise in der notwendigen aufmerksamkeit, so geschult wie interesselos, ein zen-gefühl, bei dem alles und nichts präsent sein sollte. manche gegenwartswerke/künstler muss ich mit meinen rudimentären mitteln vorher freistellen aus dem marktwert-diskurs, bei einigen geht das kaum noch, am besten, wenn man die bücher hochhebt mit unscharfem auge, den titel nicht anguckt, dann erst im buchinneren fokussiert, oder wie ich das mache: buch anheben, öffnen, dann erst brille ab. der ich-will-impuls mancher bücher, oft als pathos oder samteinband oder als zu breiter oder zu schmaler rand, ist ja auch wieder nur ein zeichen von schaffenskraft oder gestaltungswillen, worte, bei denen die lenden nicht weit sind, aber nu, ich mag dieses machertum eigentlich, selbst wenn es mal daneben geht, der designwille sollte diskret bleiben, wobei mich ein mangel an stil auch dem teilgelungenen buch wieder näher bringt, wie ich da so mit oller mütze und schneestiefeln am tisch stehe, aber heikel ist es schon, die bilder müssen das dann aufwiegen. die leute machen ja nur einen kompromiss ziwschen geld und geschmack, trotzdem, der manchmal zu offensive habitus, nee, mag ich nicht, lege das buch wieder hin und hab sofort wieder die anderen 500 im blick, die auch alle toll oder mindertoll sein könnten = da hilft das netz natürlich, mit der vereinzelung oder der empfehlung.

gell, achja. dann wird es doch wieder was mit hoher tiefenschärfe, in s/w oder mit perfekter farbkomposition, und-oder von den üblichen verdächtigen waplington, soth, eggleston oder odermatt, wobei es von denen grad auch nix neues gibt. der rest ist schminke. als würde ich nur 5 autoren lesen. bildhunger.

höchste zeit für ein paar aktuellere favouriten.