kanon als quest?

DSC_1012

amüsante und recht kulturbegeisterte serie entdeckt, white collar, hauptfigur ein schöner junger betrüger mit hut und bildung. 6 staffeln bei netflix, die mischung aus vorfreude und panik bei soviel möglicher prokrastination. ähnlich wie suits lebt sie von der begegnung zwischen norm und regelbruch, bringt dazu durch ihre vorliebe für klassische bildung viel spass und jede menge kleiner erhebender momente, wenn ich buch, künstler oder kunstwerk kenne. so billig bin ich zu haben.

wieder dran erinnert worden, dass ich meinen jungs eine solide bildung angedeihen lassen möchte, die schule liefert da nur einen sehr weitmaschigen kanon, mit einem ein buch pro semester höchstens. die selbstbeschreibung von belesenen menschen hat häufig so einen antielitären grundton, es war nicht die eliteschule oder der hauslehrer wie in vergangenen jahrhunderten, sondern das buch als einziger ausweg aus einer trüben welt, die bibliothek der rückzugsort, das lesen also immer freiwillig und aus so einer autonomie heraus, als zeichen einer besonders ausgeprägten intelligenz in einem umfeld, das so eine intelligenz erstmal nicht belohnt hat, als bräuchte auch die reine, elementare freude am lesen eine entschuldigung, wenn sie nicht eh vom aussterben bedroht ist.

kann den kindern leider keine komplette backstory mehr liefern, es geht ihnen gut, sie haben alle smartphones und lieblingsserien, brauche also ein anderes antriebssystem, einen anderen impulsgeber, und eine leseliste. ein incentive, das wort gefällt mir am besten, etwas anfeuerndes. bestechen oder herausfordern? schwierig.

 

fotobücher, abkürzung.

hätte ich die möglichkeit, würde ich es kaufen, und hätte dann bald überhaupt keinen platz mehr für bücher, dann würde ich also noch wesentlich viel mehr spielgeld benötigen, um eine grössere wohnung beziehen zu können, und dann hätte ich vermutlich mehr platz, aber eben auch mehr spielgeld und bald wäre wieder alles so voll und in der menge wäre das buch auch nichts besonderes mehr. dann bleibt es lieber etwas besonderes, nur eben nicht in meinem besitz, not?

lichtjahre von james salter

in den ferien lichtjahre gelesen, ziemlich begeistert gelesen, eine familie in einem vorort von new york, ehepaar mit zwei töchtern, in den fünfzigern und sechzigerjahren des letzten jahrhunderts. salter schreibt beschwörend, als wäre diese art leben noch in gefahr und nicht schon längst vorbei, als wäre sogar die erinnerung daran in gefahr, das unbekümmerte leben, die dinnerparties, new york vor dem grossen geld.

es gibt ja manchmal gelegenheiten, einen freund, den man sehr lange kennt, in ein oder zwei perfekt treffenden sätzen zu beschreiben, sowas gelingt salter die ganze zeit, in oft überraschenden bildern, auf die man sich einlassen, an die man sich erst gewöhnen muss. fünfziger, sechzigerjahre, ein leben ohne jeden schatten, jede bewegung, jeder tag frei von zweifeln, vollkommen mühelos, in wohlstand und kultur, mit gutem essen, interessanten gesprächen, als ob sich all das dunkle, zweifelnde des lebens einfach nicht rübergerettet hat ins erinnern.

wie die erinnerung an die tollen sätze nachlässt nach ein paar tagen und ein kleiner ärger über eins der tieferliegenden motive des romans hochkommt, die schwäche des autors für die jugend und junge frauen. beim lesen hab ich sie nachvollziehen und sogar teilen können, als in ihrer klarheit eher unproblematische hommage an die schönheit, fast wertfrei, als würde es nicht um glatte oder welke haut gehen, sondern einfach um vanille- oder erdbeereis, bis ich wieder auf meiner eigenen seite war, aber beim lesen war ich einverstanden damit. ich war neugierig darauf, wie der autor das altern seiner protagonistin beschreibt, aber was macht er? er lässt sie einfach sterben. mit 47! salter ist damit schon auf linie geblieben, weil jugend vergänglich ist und die jugend einen großen teil der figur ausmacht, und es passt, dass nichts von ihr bleibt ausser der erinnerung, hat mich aber als identifikatorische, nicht analytische leserin trotzdem geärgert, du alterst und verschwindest aus dem leben. der mann aber lebt weiter, mit einer neuen, viel jüngeren frau, nein, im buch ist es kein clichee, da hat es eine schwebende und fein beobachtete richtigkeit, das leben wie der tod. aber das ist im rl ja auch so, es ist immer dieser besondere mensch, nie seine jugend. der protagonist hat sein lebensglück auch verloren, hat es zurückgelassen, als seine erste ehe vorbeiging, wie das leben eben vorbeigeht, egal, ob man darauf achtet oder nicht. lesenswerter roman.

 

liberberlin und kolportage

wärend meine mutter und ich uns gegenseitig in die gemäldegalerie begleiten, wo eine art tag des offenen buches (pdf) stattfindet, eine mischung aus verlegern, buchhändlern der stadt und antiquariaten, über die menschen dort nachgedacht, und ob ich eventuell gern dazugehören möchte. fast alles männer und frauen in meinem alter, gut gekleidet, auf eine komplizierte und nicht offensive weise intelligent aussehend, als hätten sie viel erlebt und könnten nur wenig davon mitteilen. sie schüchtern mich etwas ein, wie alles durchgeistigte, aber meine mutter plaudert munter mit jedem, erzählt ihre lebensgeschichte und freut sich, dass ich mitgekommen bin.

die mischung ist glaube ich zu bunt, um wirklich kaufendes publikum anzuziehen, an den altbuchständen gibt es von kinderbüchern über kartenwerke und belletristik alles, von ollen inselbändchen bis zum zauberberg in hundertster auflage, signiert, für 1.4, wenn ich richtig erinnere. einen spezialisten für autografen gibt es auch, er zeigt in einer kleinen glasvitrine einen kafkabrief für 120k. gibt es käufer dafür? wird der preis nicht dann erst real, wenn ihn jemand bezahlt? die kunst der setzung.

das antiquariat t. hatry (sehr oldschool, ein geschäft auf 5 stockwerken, aber keine webseite) hat einen interessanten schatz ausgegraben und mitgebracht, eine reihe von 189 zeitschriftenromanen aus den jahren 1931 bis 1942, erschienen im zeitschriftenverlag a.g., kurz z.a.g., als beilage einer wochenzeitschrift, die unter verschiedenen namen erschienen ist. die illustrationen auf den titeln sind sehr besonders, der verleger anthon bakel hat dort immerhin einigen künstlern der nazizeit ein auskommen ermöglicht, hannah höch ist dabei, und viele, die ich nicht kenne, einige illustrationen hätten glatt aus den fünfzigern stammen können, sag ich jetzt mal so, faszinierend, wie besonders jeder titel ist, obwohl sie sich stilistisch so ähneln.

die beiden antiquare haben irgendwie von jeder erschienenen ausgabe ein exemplar ausgegraben, „bis auf fünf“, und sie in einem katalog versammelt, jeder mit bild und kurzer inhaltsangabe, die titel hätten einen großformatigen katalog verdient (und das vorwort hätte auch auf ein paar mehr seiten verteilt werden können, dann hätten noch leerzeichen und – zeilen reingepasst, oder sogar absätze)

sie wollen die ganze sammlung verkaufen, für runde 10.000€, aber vielleicht zeigt sie der alte oder der neue eigentümer ja noch ein bisschen herum. leider kaum bilder online gefunden, nur in der oben verlinkten pdf finden sich ein paar.

„Im Mittelpunkt dieses Romans steht ein großer Erfinder und zwei junge Menschen. Durch eine interessante Preisfrage, die der alte Erfinder an die Welt richtet, werden für die Preisträger und den Erfinder seltsame Verwicklungen herausbeschworen. Gewaltige Erd-Katastrophen und die große Hilfs-Expedition zur Rettung der Helden versetzen den Leser in höchste Spannung. Eine reizende Liebesgeschichte legt einen freundlichen Rahmen um das Geschehen, dessen Ende hier noch nicht verraten werden soll.“ (Die 5. Frage, Roman des Theaterkritikers Fritz Gottfurcht, alias Anselm Goth)

„Im Norden Berlins haben zwei Werkstudentinnen ein ,Büro für Frauenberatung' eröffnet, um ihr Studium zu finanzieren. Leider ohne Erfolg, die Einrichtung ist schon gepfändet. Ein Tag vor dem Auszug aber bringt ein Unbekannter ein kleines Mädchen, legt 4000 Mark auf den Tisch und verschwindet.“ (hier steht nur der name der autorin im katalog, eine gewisse Luise Käthe Wolter-Karai)

beide von 1934. eine wilde mischung also, erst in den späteren romanen ab 1938 scheinen die übel propagandistischen titel zu überwiegen, man müsste sie natürlich lesen dazu, aber die inhaltsangaben sind schlimm genug.

 

 

eins null

twoday

10 jahre hotelmama, wer hätte das gedacht. vielen dank fürs lesen und kommentieren und verlinken, für die freundschaft und für die drinks!

ein paar gute texte sind dabei, vielleicht kommen auch noch ein paar, ich bleib dran und mache einfach immer weiter. bloggen ist die perfekte form der öffentlicheit für solche wie mich.

city of darkness revisited

ich war 1990 mit meinen eltern in hongkong, für ein paar tage auf der durchreise zwischen japan und china. hongkong war eine aufregende zwischenwelt, schon das landen war einen tick zu spannend, rechts und links wasser, direkt davor großstadt, die walled city kowloon lag in der nähe des flughafens, andererseits liegt alles in der nähe von allem bei so dichter besiedelung. ich hab kowloon city damals nur von aussen gesehen, es war auf der liste der interessanten ziele für touristen, ich bin nicht auf die idee gekommen, hineinzugehen und war auch nicht besonders neugierig, weil ich die fremdheit der stadt nicht differenziert wahrgenommen habe, nur das kaninchenkäfighafte der fasssaden erinnere ich als außergewöhnlich selbst im rahmen der allgemeinen fülle an außergewöhnlichkeiten.

seitdem versuche ich meine faszination zu verstehen, mehr über kowloon als forschungsobjekt denn über den häuserblock selber, das labyrinthische wachstum, die häuser oft „build from experience“ kreuz und quer durcheinander, ohne licht und fliessendes wasser, ohne staat und steuern, aber als funktionierendes, sich selbst erhaltendes stadtsystem.

„city of darkness revisited“ weiterlesen

„Troubles“ von James Gordon Farrell

Bin gerade wieder in einem sehr großen, alten, wunderbaren Hotel unterwegs, erfunden vom britischen Autor James Gordon Farrell. Handlungsort ist das Hotel Majestic, ein schloßähnlicher riesiger Kasten mit verschiedenen Flügeln, vielen Türmen, einem Ballsaal und einigen hundert Zimmern. Es steht an der irischen Küste am Meer und hat Anfang des 20. Jahrhunderts seine besten Tage lange hinter sich, wie fast all diese großen Hotels in der Literatur, es kommen kaum noch Gäste, nur eine größere Menge alter Damen mit nachlassender Zahlungsmoral, die nicht wieder abreisen, das Hotel wird Stück für Stück sich selbst, den Katzen und dem Efeu überlassen, der es von außen zumindest für die ersten drei viertel des Romans noch zusammenhält.

Ein Major überlebt den ersten Weltkrieg nur knapp und will seine Braut besser kennenlernen, die Tochter des Hotelbesitzers. Es kommt ihm dann eine Weile immer wieder etwas dazwischen, die Dinge entwicklen sich anders als erwartet, aber der Major bleibt erst Wochen, dann Monate im Hotel kleben, auch weil er nicht genau weiß, was er jetzt mit seinem Leben anfangen soll. Farrell gelingt im Buch ein Tonfall, wie man ihn zuletzt in der Erzählerstimme des Grand Hotel Budapest gehört hat, unerschütterlich (ein häufiges Wort im Roman) höflich, mit einem zurückhaltenden und sehr trockenem Humor. Die Leserin gewöhnt sich daran, bis der Autor zum Ende hin die Dosis steigert, ganz langsam, dabei absurder und drastischer wird, immer im Tonfall souveräner Wohlerzogenheit, es gibt sogar Schüsse, einen glamourös verunglückten Ball und eine leidenschaftliche, wenn auch unerfüllte Liebe und jede Menge dramatischer Ereignisse.

So ganz nebenbei beschreibt Farrell dabei den Rückzug des anglo-irischen Landadels aus der Gegenwart, die kleiner werdenden Aufgaben, es gibt 1919 kaum noch Handlungsspielräume für die alten Herrschaften, die traditionelle Landwirtschaft mit Pächtern hat sich überlebt, die Politik findet weitab in Dublin oder London statt, und so spielen sie Karten, warten mit wechselndem Erfolg auf ihren Tee oder eine Mahlzeit, und versuchen halbherzig, die übriggebliebene Dienerschaft zum Arbeiten zu bewegen. Farrell hat dabei auf jeder Seite neue Ideen und Geschichten, ganz nach alter Schule wird jeder Handlungsfaden zu einem Ende gebracht, auch das Hotel wird zu einem Ende gebracht, man hat das Gefühl, er könnte noch viel mehr erzählen und würde aus dem großen Panoptikum nur die wirklich besonderen Verwicklungen aussuchen. Der Stoff hätte für zehn andere Romane gereicht, schon die alten Damen sind jede Zeile wert, die Farrell über sie schreibt, und über die vielen Hunde schreibt er eigentlich auch zu wenig.

„„Troubles“ von James Gordon Farrell“ weiterlesen

horcynus orca (überhaupt keine rezension)

IMG_1526

dass ich dieses buch gelesen habe, verdankt sich vermutlich seiner bewegten entstehungsgeschichte. der erste entwurf wurde von d’arrigo im jahr 1961 bei seinem verleger abgegeben, für die korrektur der fahnen hatte er selber 14 tage veranschlagt, es hat aber tatsächlich 15 jahre gedauert, gefüllt mit intensivster arbeit an einem roman, der seit der veröffentlichung einiger kapitel daraus in der literaturzeitschrift menabò als italienischer uliysses angekündigt worden war. (vgl. hier, worin man außerdem erfährt, dass d’arrigo im film accattone einen auftritt hatte.)

Da chi ebbe modo di frequentarlo in quegli anni egli è ricordato come un uomo totalmente posseduto dal demone dell’arte e dedito notte e giorno, anche a costo della salute, a uno sforzo creativo rivolto soprattutto all’invenzione di una lingua inaudita che affondasse le sue radici ultime nel magma delle numerose lingue (dilalettali e non) di cui lo Stretto di Messina è stato punto d’incontro e di filtraggio. (von hier)

„horcynus orca (überhaupt keine rezension)“ weiterlesen

in den tiefen der blogs

wenig schöneres, als in den tagen zwischen den jahren mit ein paar büchern und einem tee im warmen zu sitzen, während es draussen immer noch dunkel ist. kitty koma und graf typo haben wunderbarerweise eine anthologie mit vielen lieblingstexten aus weblogs zusammengestellt und in einem e-book veröffentlicht, sie selber beschreiben es so:

Es werden Gräber gegraben, Joints gebaut und Ateliers verwüstet. Liebe, Geburt und Tod kommen vor. Väter, Mütter und Großmütter treten auf. Gartenzwerge spielen eine geheimnisvolle Rolle. Man gedenkt früherer Zeiten, guten und schlechten, erfindet aus Zufall bahnbrechendes, wandert aus oder spaziert einfach nur am Strand entlang.

das buch gibt es zunächst als kostenlosen download, später wird es bei independent-buchportalen zu finden sein. ab sofort läßt es sich unter http://edition.barnimkante.com/ im epub- und für kindle im mobi-format herunterladen.

die QR-codes lassen sich auf einen gutschein drucken und sind ein kleines last-minute-geschenk. aus diesem blog ist auch was dabei.

 

a romance, vergessen

DSC_0363

„The rationalism of analytic logic has divided erotic emotion into fixed conventional types, popular opinion offering one set of categories, fashionable psychology offering another. As a matter of fact, each encounter of two amorists creates a unique universe. No existing generalisation, whether of the wise or of the unwise, covers or ever will cover a tenth part of its thrilling phenomena. In one respect this love-making by Dye’s Hole was the most childlike that the spot had ever witnessed; in another it was the most cerebral. The nervous exitement manifested by these two was so free from traditional sentimentality and normal passion, so dominated by a certain cold-blooded and elementary lechery, that something in the fibrous interstices of the old tree against which they leaned was aroused by it and responded to it.“

DSC_0335

so ist der text die ganze zeit, er hält die zeit auf, ein herumsummen in der abstraktion, die alles aufnehmen will, jede regung und jeden windhauch, der alles belegbar ist. wie ein hohes, schwankendes schiff, das über sand gezogen wird, weil das meer grad nicht da ist, und man sitzt die ganze zeit oben beim captain und sieht keinen grund. eine flucht ins konzeptionelle, dabei mitleidslos genau. die allmachtsphantasien solcher autoren, die der lebenserfahrung und der feinheit ihrer leser nichts überlassen wollen, sie müssen alles ding- und seefest machen, wollen es eigentlich gar nicht aus der hand geben und sind dabei auf eine hilflose weise unlustig. ich mag die behäbigkeit dieses romans eigentlich ganz gern, er ist etwas zu handlungsfern und personenreich, aber die umfassende beschreibbarkeit seiner welt hat auch etwas tröstliches. powys soll ein sehr talentierter redner gewesen sein, hat sich damit auch mal seinen lebensunterhalt vedient, hätt ich zu gern mal gehört*. vielleicht hatte er da eine größere leichtigkeit.

DSC_0362

das buch kommt daher wie eine vergessene diva, die noch nicht aufgeschnittenen seiten, oben mit goldschnitt, der dicke lederrücken, die wertigkeit, deren glanz irgendwie nie notwendig war, der roman hatte keinen erfolg, das leder-konzept für die beletage passt ganz gut, auch die vergeblichkeit dieses ruhmstrebens ist da mituntergebracht. anspruch, buchdruckerkunst, ein gewaltiger roman: ein schönes und bissken trauriges ding. ein papiermesser habe ich nicht, es darf weiter ungelesen bleiben.

*januar 2019 einen filmschnipsel mit john cowper powys im netz gefunden, er probt da eine debatte für und wieder die heirat, sein gegenüber war bertrand russell.

 

die kleinen bücher

dagegen die lieblingsbücher, allesamt vollkommen unpompös:

DSC_0342

bei erscheinen eben ein taschenbuch unter vielen anderen, danach gelesen und auf tischen und regalen abgelegt, ein bisschen eselsohrig, die gedichte vollkommen zeitlos und klar. von montale gibt es auch so einen band wie den powys, mit schnick und schnack, doppelt so teuer, seit jahren unverkauft. da kaum habenwollen, nur dieser fast mechanische, herzlose und an inhalten kaum interessierte teil des sammelns, der im objekthaften aufhört. weil montale teil des lesealltags ist und als repräsentationsobjekt nicht nutzbar ist, der sträubt sich.

DSC_0342-klein1benns todesjahr. haben die sich eigentlich gelesen, weiß das jemand? ja, montale schon.

 

and again:

du sollst nachts auf abebooks keine bücher kaufen, du sollst nachts auf abebooks keine bücher kaufen, du sollst nachts auf abebooks keine bücher kaufen, auch und besonders dann nicht, wenn es sich um eine signierte numerierte vorzugsausgabe vor der eigentlichen erstausgabe eines weitläufigen und ein bisschen verschrobenen monumentalromans von einem inzwischen nicht nur toten, sondern auch fast vergessenen autoren handelt. im schuber. auch nicht, wenn der dollar grad so steht. undund.

esoeck

am wochenende wieder einen „sowas liest du?“ -kommentar auf irgendeine bemerkung zum herrn der ringe, dabei die zweischrittige reaktion von kleiner kontextfreier freude, für etwas besseres gehalten zu werden und dem ärger darüber, wenn jemand tolkien in die ecke gebrauchs- oder bedürfnisliteratur steckt. ich sage nächstes mal, dass ein leser für tolkien phantasie und vorstellungskraft braucht, und den mut, sich vorbehaltlos und ohne leine in eine neue welt zu werfen, in der nichts vorausgesetzt ist.

buchläden galore

ein neuer buchladen in der nachbarschaft wird eröffnet, sie bieten bücher aus kleinen unabhängigen verlagen an, der buchhändler sagt: jeweils die 10 lieblingsbücher der verleger, die reihen sind gefüllt, ich kenne fast nix und fühle mich unbelesen und mainstreaming. wagenbach als größter der kleinverlage ist auch dabei, von dort kommt das einzige buch, das ich besitze, „Ich nannte ihn Krawatte“ von milena michiko flasar, ich habe es, weil das titelbild an meiner wand hängt und der künstler (jörn grothkopp) mich zu einer lesung eingeladen hatte. das buchprogramm ist außergewöhnlich, die titel schön, und so weiter, mann, ich komme nicht darüber weg, dass ich kein einziges buch davon gelesen habe. liegt außer an meinem privatem weniglesetum auch an kleinen werbeetats und wenigen kritiken, hopefully, sage ich mal ganz egoistisch. eigentlich eine herausforderung für lange herbstabende, ich muss für buchgeschenke noch weniger laufen und kann mich beim entscheiden ganz auf die eindrücke der ersten seiten verlassen, das jungfräuliche von totally unbekannten büchern und autoren, die zeilen bis zum ersten naja lesen, wie selten bei einem buch alles stimmt, oder? so selten wie bei menschen, bei neuen kontakten immer der wunderbare weissraum, bis sie beginnen, von ihren berufen oder kindern zu sprechen, das ungestützte selbst.

sich einer auswahl anvertrauen, die weder dem markt noch dem profitwunsch folgen möchte, bis auf die partnerschaft mit dem verlag dittrich im nachbarzimmer – man wünscht ihnen, die nische möge größer werden, also nee, seufz, aber bleiben möge sie.

eine frau (sie fragte mich, ob ich auch aus „der branche“ käme, ich sage dann immer nein, ich bin leserin, oder publikum, oder hörerin) äußerte zweifel am konzept, also nicht an seiner qualität, sondern an seinen marktchancen, das ist immer der kamm, über den all diese projekte am ende müssen, im smalltalk zumindest, wenn man mit leuten drüber redet, der sie alle gleichmacht – hey, ich war noch dabei, als das anders war, die zeiten haben sich geändert und mein alter, aber „das reicht doch nicht“. (pollesch). es ist ein bisschen so, als würde man jeden lebensentwurf mit einem hinweis auf den tod kommentieren, well yes, does it matter?

er* stand für einen kurzen moment da, bier in der hand, funktionsjacke, blick sagen wir mal nicht verschlossen, als wäre er einfach ein mann, vor einer hauswand, und die nacht ist noch lang und das jahr noch nicht rum, und

um die neuziger im knaack-club, oder im frannz, grade den film über den prenzlauer berg 1990 gesehen, sentimental geworden, besonders wegen der gesichter und dem souveränen mangel an coolness bei den leuten.