and again:

du sollst nachts auf abebooks keine bücher kaufen, du sollst nachts auf abebooks keine bücher kaufen, du sollst nachts auf abebooks keine bücher kaufen, auch und besonders dann nicht, wenn es sich um eine signierte numerierte vorzugsausgabe vor der eigentlichen erstausgabe eines weitläufigen und ein bisschen verschrobenen monumentalromans von einem inzwischen nicht nur toten, sondern auch fast vergessenen autoren handelt. im schuber. auch nicht, wenn der dollar grad so steht. undund.

esoeck

am wochenende wieder einen „sowas liest du?“ -kommentar auf irgendeine bemerkung zum herrn der ringe, dabei die zweischrittige reaktion von kleiner kontextfreier freude, für etwas besseres gehalten zu werden und dem ärger darüber, wenn jemand tolkien in die ecke gebrauchs- oder bedürfnisliteratur steckt. ich sage nächstes mal, dass ein leser für tolkien phantasie und vorstellungskraft braucht, und den mut, sich vorbehaltlos und ohne leine in eine neue welt zu werfen, in der nichts vorausgesetzt ist.

buchläden galore

ein neuer buchladen in der nachbarschaft wird eröffnet, sie bieten bücher aus kleinen unabhängigen verlagen an, der buchhändler sagt: jeweils die 10 lieblingsbücher der verleger, die reihen sind gefüllt, ich kenne fast nix und fühle mich unbelesen und mainstreaming. wagenbach als größter der kleinverlage ist auch dabei, von dort kommt das einzige buch, das ich besitze, „Ich nannte ihn Krawatte“ von milena michiko flasar, ich habe es, weil das titelbild an meiner wand hängt und der künstler (jörn grothkopp) mich zu einer lesung eingeladen hatte. das buchprogramm ist außergewöhnlich, die titel schön, und so weiter, mann, ich komme nicht darüber weg, dass ich kein einziges buch davon gelesen habe. liegt außer an meinem privatem weniglesetum auch an kleinen werbeetats und wenigen kritiken, hopefully, sage ich mal ganz egoistisch. eigentlich eine herausforderung für lange herbstabende, ich muss für buchgeschenke noch weniger laufen und kann mich beim entscheiden ganz auf die eindrücke der ersten seiten verlassen, das jungfräuliche von totally unbekannten büchern und autoren, die zeilen bis zum ersten naja lesen, wie selten bei einem buch alles stimmt, oder? so selten wie bei menschen, bei neuen kontakten immer der wunderbare weissraum, bis sie beginnen, von ihren berufen oder kindern zu sprechen, das ungestützte selbst.

sich einer auswahl anvertrauen, die weder dem markt noch dem profitwunsch folgen möchte, bis auf die partnerschaft mit dem verlag dittrich im nachbarzimmer – man wünscht ihnen, die nische möge größer werden, also nee, seufz, aber bleiben möge sie.

eine frau (sie fragte mich, ob ich auch aus „der branche“ käme, ich sage dann immer nein, ich bin leserin, oder publikum, oder hörerin) äußerte zweifel am konzept, also nicht an seiner qualität, sondern an seinen marktchancen, das ist immer der kamm, über den all diese projekte am ende müssen, im smalltalk zumindest, wenn man mit leuten drüber redet, der sie alle gleichmacht – hey, ich war noch dabei, als das anders war, die zeiten haben sich geändert und mein alter, aber „das reicht doch nicht“. (pollesch). es ist ein bisschen so, als würde man jeden lebensentwurf mit einem hinweis auf den tod kommentieren, well yes, does it matter?

er* stand für einen kurzen moment da, bier in der hand, funktionsjacke, blick sagen wir mal nicht verschlossen, als wäre er einfach ein mann, vor einer hauswand, und die nacht ist noch lang und das jahr noch nicht rum, und

um die neuziger im knaack-club, oder im frannz, grade den film über den prenzlauer berg 1990 gesehen, sentimental geworden, besonders wegen der gesichter und dem souveränen mangel an coolness bei den leuten.

bücher

ein amerikanischer antiquar und antiquitätenhändler hat ein buch aus dem 19.jh zu einem preis online, der gefühlt mindestens 10mal höher sein müsste. ich suche seit vielen jahren immer mal wieder danach, eher ein ritual inzwischen, ich kaufe sofort und vermute einen kommafehler oder so etwas, drücken sie mir die daumen bitte. (der händler wirbt mit der zahl seiner bücher, und nicht mit ihrer qualität. immer die hoffnung, dass einzigartige seltene bücher vom clerk einfach so aus dem regal gezogen und verpackt werden, wenn sie bezahlt worden sind, aus einem regal in einer großen lagerhalle unter californischer sonne, am stadtrand, die regale durchnumeriert und nach kategorien geordnet, ich finde „bullfighting“ und „bugs“ genauso wie „stereoscopes“ und die klassischen militaria- und geschichtsthemen, die ecke mit den belletristischen raritäten hoffentlich eher am rand, nicht so umsatzstark. das absurde an eigenen wertmasstäben, wie traurig ein kleiner weltfreier teil von mir immer ist, wenn andere diese bücher auch haben wollen, wie ich mich freue, wenn andere mich belächeln wegen meiner erstausgaben.)

deadline

deadline ist übrigends großartig.

bisschen schiss gehabt vor der lektüre, weil ich den bov gern habe, aber das schnell wieder vergessen beim lesen, auch weil das lesen schon erstmal volle konzentration erfordert hat. nach ein paar seiten entspannt: bov sagt alles! und es ist gar kein buch über die sprache im technischen zeitalter, sondern natürlich eins über das leben, und dieses gefühl, dass manchmal sprache und kommunikation so eine lebensersatz-dichte bekommen können, das kenne ich auch, als eigentlich tröstende erfahrung.

stellen sie sich den alltag vor, der ist dicht, und dann sich im alltag, also als subjekt, dessen geschichte notwendig über das hier und heute hinausgeht, natürlich setzt sich die geschichte dann ab, wo sie eben kann, in gegenständen (grabsteinen, super) wie staub, sodass am ende eigentlich alles geschichte hat, die mit gefühlen und bedeutungen nicht geizt. nur darin ist das buch ähnlich wie das internet, es steht alles drin, aber bov hat netterweise eine auswahl getroffen.

die beiden gesellen nebeneinander, gegenwart und vorgeschichte, weg und ziel, der weg natürlich nur noch privat, das jetzt mehr als die summe, und wie das gegenwärtige immer siegen will, stärker und sicherer als die ganzen blöden vorgeschichten, die familien, und so viel zahlreicher und vielseitiger, und wie dann trotzdem die alten geschichten sehr lebendig und schmerzhaft ans licht kommen, (bei bov in superschönen kleinen hellen sätzen, in denen die ebenen sich verbinden dürfen, beide in frieden, sprache und welt, da steckt das auktoriale ego drin, dachte ich, aber hey, who am i) obwohl man sie, wie die icherzählerin, lieber komplett ergooglen würde.

buch macht bisschen traurig, weil ich nachher echt tagelang das gefühl hatte, alles sei flucht (im s.v. alles ist eitel), also der auch sprachschatz und der wissenspool dienten nur der flucht, und man dann erst einen kuchen backen muss, um die welt der alternativen nicht zu laut werden zu lassen.