highway 1

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diese fahrt von monterey aus nach süden war für mich der beginn einer ganze reihe von großartigen naturerlebnissen, ein teil davon dieser überraschung verschuldet, ja noch nichts, nichts gesehen zu haben von der welt, die erinnerungen an reisen nach indien, china und japan, mit anfang zwanzig, sind ja inzwischen verstoffwechselt, die kann ich nicht mehr von mir unterscheiden.

in den letzten 13 jahren haben die kinder und ich die varianz des immergleichen genossen, immer in norditalien im gleichen (heimat-)ort, auch da sieht ja jeder sonnenuntergang anders aus als der davor, und der danach, ich habe bilder von 30 jahren sonnuntergängen, ich seh sie nicht oft an, aber sie funktionieren, tief eingeprägt durch die wiederholungen, diese bilder sind autobahnen im erinnerungsvermögen (autsch. ach, egal).

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der wasserfall im helen pfeiffer park, picture perfekt, aber es ist doch anders, wenn das wasser läuft und die brandung rauscht, und die kinder sich auf das niedrige geländer setzen wollen, bis auf den großen, der grade mit schlechter laune irgendwohin gestürmt ist. es bleibt ein bisschen auf einer zwischenstufe zwischen realität und bild hängen, weil man nicht hinunter an den strand darf, und die internetpics und der eigene blick deswegen eine so ähnliche perspektive haben wie alles, was man schon kennt. der kurze weg hoch über dem wasserfall ist relativ gutbesucht, einige familien wie immer vollkommen furchtlos mit allem bis auf ein kleines stück hintern über dem abgrund hängend, auf den klippen, beim picknick.

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die vielen neuen eindrücke auf dieser fahrt kicken wirklich erstaunlich intensiv, der highway 1 ist eine bombe. die kinder erleben das auch, sie rufen “boah″ oder brüllen einfach laut, wenn sie über diesen klippen stehen, bis sie sekunden später im galopp bergab (klippab) richtung küste losstürmen, “mal sehen, wie weit man runter kommt, och mama, bitte, nee, die schuhe hab ich, weiß ich auch nicht, im auto gelassen″.

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eine wilde, schöne küste, mit felsen, blumen, meer, einem frischen wind und jeder menge seerobben unten auf den felsen, nach jeder kurve ein neuer ausblick, eine neue klippe, netterweise geht das über einige hundert meilen, es gibt kleine diners am strassenrand mit burgern und zitronenlimonade und aussicht aufs meer.

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ein paar am nachbartisch hat gefragt, ob die kinder auch schon so einen kick von der strasse bekommen wie ihre mutter ganz offensichtlich (strahlen, schwärmen, trinkgeld), es ist vielleicht noch unmittelbarer bei ihnen, und nicht mit geschichten, biografie, tiefgang gepimpt. es ist noch nicht vergleichbar, mal sehn, was sie behalten. sie gewöhnen sich schneller, sie sind intensiv dabei, wenn die natur noch ein paar extras wie abgründe, seeelefanten und steile kletterpfade bereit hält. ich jedenfalls habe alle paar meilen an diesen unzähligen parkbuchten angehalten und mich einfach nur in die landschaft gestellt, zum hingucken, mit der kamera eher als alibi um den hals, und den kindern dafür pommes satt versprochen, aber natürlich kann niemand soviel essen.

seeelefant

das hearst castle überspringen wir, architektur, selbst megalomane, hat keine chance bei soviel schönheit in der natur. und es war schon nach 5, als wir dort vorbeifuhren. viel viel besser war ein parkplatz, an dem ich erst ein paar hundert meter vorbeigefahren bin, bis das schild mit dem wort „elephantseal“ darauf bei mir angekommen war. ein riesiger leerer parkplatz, die menschen alle an einem geländer zum strand hin, und da waren sie, hunderte und hunderte von seeelefanten, riesigen, sehr träge herumliegenden echten rüsseltieren. sie liegen dort bis zu einem monat, wedeln sich mit ihren flossen gelegentlich sand über die leiber und machen seeelefantengeräusche, die sind one of a kind. darüber pelikane.

pelikan

pharmacy

ich habe eine dauerhafte schwäche für nahrungsergänzungsmittel. in meiner küche gibt es einen kasten, der magnesium, vitamin d3 und fischöl in kapselform enthält, wobei ich die verbindung stoff/körper wie in einem poetischen ritual als synonyme lese, es genügt also, etwas zu schlucken. kleine erfolge in meinem alltag, omega3s sind gesund, ich esse welche, also geht es mir besser, es darf nicht komplizierter werden als das. ist einfacher, als jede woche zweimal seefisch auf den tisch zu bringen. ich bleibe dabei deutlich vor der grenze zum esoterischen stehen, ich kaufe nichts, dass mir besseres gedächtnis, längeres leben oder ewige jugend verspricht, und keine stoffe, die ich nicht aussprechen kann, weil es zuviele q-zahlen-kombinationen im namen hat.

dieser moment vor den regalen, bis fokus und rationales überwunden sind und ich ganz ernst davor stehenbleiben kann, sofort beginnt der blick zu wandern, herz-kreislauf? nee, noch nicht, vitamin a auch nicht, aber dieses multivitamin enthält natürlich auch zink – bei schlecker, rip, waren es immer nur ein paar meter, aber in den usa sind die apotheken so groß wie ganze warenhäuser, an den highways irgendwo in der wüste sind der superwalmart und target nicht viel größer als die pharmacy direkt daneben.

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diese eine filiale in new york an der 14st/ecke 8 avenue zum beispiel, ich wollte sie nochmal in gut fotografieren, habs aber vergessen. vollkommen angemessener raum für diese ganzen schätze, ehemals hauptsitz einer sparbank, jetzt weihevoller ort fürs geldausgeben, es gibt große bereiche für bestimmte mängel im körpersystem, schnupfen, rheuma, magen, jeweils in 12m-regalen, für kinder und erwachsene, lange regale voller schmerzmittel, sie sind nötig in dieser stadt und passenderweise kosten sie fast gar nichts im vergleich zu allem anderen hier. den gesamten diabeteskram auf vielen regalmetern, ganz viel zeug mit zimt, wahrscheinlich genügt irgendeine ministudie am ende der welt mit 50 leuten, dann läuft die produktion los. ich weiss gar nicht, ob die teststreifen von den kassen getragen werden (eine frau hat mir erzählt, ihre schwester sei aus der kasse geflogen, als sie an diabetes erkrankt sei – also zahlen die kassen gar nichts für chronische krankheiten. ich habe nicht verstanden, warum so etwas nicht zur revolution führt). die wunderbaren großen glucosetabs, leicht zu nehmen, gut zu berechnen, idiotensicher auszupacken, auch, wenn man durch die hypo schon arg grobmotorisch geworden ist, es gibt sie auch hier im versandhandel.

nachts ab 22 uhr muss man an automatischen kassen alles selber scannen und bezahlen, eine mitarbeiterin kontrolliert, die jungs sind begeistert, achach denke ich.

lauf

am beispiel laufen beobachten, wie etwas über monate selbstverständlich wird. der wiedereinstieg im herbst, bei regen und dunkelheit, wie ich völlig fertig die letzten meter langgeschoben bin, total auf meinen körper fokussiert, die beine, die muskulatur, der schwung, aka totaler mangel von. wie die erde mit all der erdanziehung so einladend wurde: einfach hinsetzen. wie dann ein paar wochen lang der körper das hindernis blieb, ihn hochzukriegen, in die klamotten rein, auf die strasse, schon nach ein paar kilometern war ich bloss noch atemnot und blei, also wörtlich ein paar: 2. dann lösen sich über die nächsten wochen zuerst die gedanken vom körper, man ist nicht mehr nur maschine bergauf, sondern denkt wieder über dies und das nach, zu dick angezogen, ich brauche etwas für schlüssel, taschentuch, traubenzucker, besser bauchbinde oder tasche mit reissverschluss? auch mal die üblichen themen, und das ich noch zu schlecker muss. der nächste kick war die erkenntnis, dass ich jetzt weiter und länger laufen sollte, wenn ich besser werden will, das war wieder ein sprung im kopf und nicht im körper. ich habe gelernt, dass mein körper sehr sehr viel zeit braucht, um fitter zu werden, dafür bin ich in einem weiteren schritt aus den ganzen trainingsplänen im netz wieder rausgekommen, und konnte mich ganz entspannt nach mir selber richten. das wunderbare gefühl, wenn man nach dem laufen nicht mehr so kaputt, sondern eher wach und frisch ist, also nach dem duschen natürlich. dann habe ich die strecke verändert, es gibt hier nicht so viele gute, und bin aus dem hochhaus- + sozialviertel in den szenigen mauerpark weiter, der ist voller anderer läufer und es gibt was zu gucken. es kostet kaum noch überwindung und ist so im tagesablauf kein grosses ding mehr, also nicht mehr wie wäscheabhängen oder fensterputzen. ich versuche, es dreimal pro woche hinzukriegen, lasse es bei blutzucker über 200 oder bei terminen vor 10uhr. kann es wirklich, wirklich empfehlen. das tolle konzept „laufen mit hund” geht leider nur bis vielleicht 15° c außentemperatur, ab dann macht mein kleiner fellberg wegen überhitzung schlapp.

reisen

die begeisterung über den mai legt sich mit einem summen auf alles, die vielen einzelnen minuten, ich sitze auf dem balkon, lese das sehr großartige „stadt der engel“ von christa wolf, die vögel zwitschern, das bier schmeckt.

ich muss noch einige hotels buchen für den sommer, das internet macht mich wahnsinnig dabei, die ganzen seiten mit hotels und bewertungen navigieren sich wie diese sehr bunten elektrokram-beilagen in tageszeitungen, jeder quadratzentimeter eine neue möglichkeit, und alle sehen gleich aus. soll ich mich und die jungs in einem luxushotel einbuchen, mit walnussmöbeln und leinen-bettwäsche? ein frühstück für 4 kostet dort extra, und zwar 70€, das hotel, ein hyatt, kostet nur halbsoviel, wenn man sofort bezahlt.

ich mag am luxus, wie er alles andere überdeckt, keine geschichten liefert, seine eigenartige beziehungslosigkeit, man weiß immer nicht, ob er bedürfnisse dämmt oder sie tatsächlich stillt. dagegen die anderen hotels, wo die leute auf den bewertungsportalen sich über dünne wände, harte decken, sofas mit flecken beschweren, da bleibt man immer teil einer ganzen serie von geschichten, und nie als deren mittelpunkt. eines ist um ein haar dem bankrott entgangen, vor 2 jahren, und ist immer noch unrenoviert, kann man lesen, die zimmer sind ruhig und gehen auf einen friedhof, man kann direkt auf die gräber gucken, geister wurden keine gesehen, der pool ist zu klein und ein bisschen dunkel und es liegen blätter drin. das meer soll nur 300 meter entfernt sein, es ist 4,5 km ab vom schuss. es kostet inclusive frühstück und barbecue soviel wie das skontierte hyatt – der mangel an entscheidungskraft geht mitten durch mich durch. morgen sind alle weg und ich muss dann doch ins motel am highway.

mir vorgenommen, wieder besser zu kochen. in letzter zeit wegen dauermööp eine fühlbare häufung von fischstäbchen, tk-pizzen und schawarmas vom imbiss, was die kinder immer sehr begeistert. ich habe phasenweise einen unpräzisen jieper auf fertigfutter, dieses ganz spezielle aroma hinten im gaumen, das alle rezeptoren auf einmal bedient, nach ein paar mahlzeiten mit glutamat gibt das hirn wieder ruhe, aber nee, es ist doch hauptsächlich ne energiefrage. wenn ich auf die putzfrau verzichtete, könnte ich mir stattdessen die menues von kommt essen bringen lassen, die wirken ziemlich lecker, aber die putzfrau kann nicht auf mich verzichten, sage ich mir immer, obwohl wir natürlich eher horrorkunden sind, nur bücher, kinder, tonnenweise spielzeug und ein hund, und sie bestimmt lieber eine alleinstehende ältere dame hätte.

von dem ganzen haushaltsdingen mache ich übrigends die wäsche am unliebsten, es wird auch nicht weniger, weil die kinder ja größer werden, eine maschine mindestens täglich. ich hasse es, den kram aufzuhängen, zusammenzulegen, zu bügeln, wegzuräumen. die tatsache, dass das in jedem fall so bleibt, also wäsche und kochen, tröstet mich über jeden männermangel.

oder mal einen trockner anschaffen?

hoodies sind das schlimmste, sie nehmen soviel platz weg in den zu kleinen schränken meiner söhne. ein hoodie sind zwei pullover, 5 t-shirts und 3 langarmhemden.

stumme fische

auf dem datingportal hängt es etwas, weil die jungs nicht antworten, meistens sind sie höflich genug für eine antwort auf die erste mail, verstummen dann aber sofort, wenn ich weiterschreibe, liegt auch daran, dass es wenig männer meines alters gibt, die frauen bis zu meinem alter suchen, von bis geht die alterspannbreite, und sie suchen 5 jahre um ihre untere grenze herum. die zahl meiner kinder werde ich in zukunft besser auch erst beim treffen nennen, beim alter vielleicht ein paar jahre rausnehmen? ich laufe wohl außer konkurrenz, was kinderzahl, alter, alterung, gesundheit und lebensmittelpunkt angeht und werde ein bisschen ungeduldig.

blablubb.

das leben mit seinem ansprüchen und dem alltag ist für so einen singlemann komplex genug, denke, ich, darum wird die frauensuche so einfach wie möglich gestaltet. weil jemand wie ich da rausfällt, muss ich mir eine andere möglichkeit suchen, hat jemand vorschläge? bin ungeduldig.

glaubt mir das nie, wenn ich sage, ich brauche das alles nicht, die liebe und die haut.

 

strassenecke

„was schaut ihr denn da, kinder?“
„eigentlich etwas relativ dummes.“
der fortschritt ist die akzeptanz; ich gehe aus und bin nicht da, um vorzulesen, noch was zu wissen, lichtaus durchzusetzen, alle wissen, dass sie heimlich tv gucken werden, weil mir die energie fehlt, um die fernbedienung ins auto, den schlüssel in den briefkasten zu packen, oder in den tiefkühler, oder unter die blumenkästen. man muss es klar sagen: der kulturhunger der mutter ermöglicht den kindern kulturlosigkeit, auf perfekte weise, weil sie es im geheimen tun können. ich habe ihnen gesagt, wenn sie erben wollten, müssen sie vorher alle meine bücher lesen. „okay“ sagt gregor.

strassenecke„: die ersten seiten erinnern mich an die, die ich war, als ich jahnn gelesen habe, ich finde das sofort wieder in mir, es ist alles da („Alle Menschen denken einmal im Morgengrau zwischen Schlaf und und Wachen oder zufällig in einer dünnen Stunde bei einem Glas Absinth oder als sie sich entkleiden, das Hemd von der Haut abheben oder als die Strassenbahn in den Schienen knirscht, sie denken an sich wie der Geist an sie gedacht, als er sie bildete. Durch sie hindurch und in sich hinein. Und die Gedanken sind dolchartige Eisen […]“ und so weiter, dann übermannt ihn der expressionismus, bin hin zum „fettes spratzendes Höllenfeuer“ und solche dinge, dieses hemmungslose sich-ernst-nehmen, das man heute in literarischen texten nur noch mit dem autoren-ich und seinen wahrnehmungen tut und nicht mehr mit der gesamten welt.)

das stück sei nicht erzählt worden, lese ich in der kritik einer aufführung von 1994, das jugendtheater (wusste ich nicht vorher, ich hab „P14“ nicht wahrgenommen in der ankündigung, sie hätten aber auch einfach „jugendtheater“ hinschreiben können, die hanseln) hier tut das auch überhaupt nicht, leider, einigen schauspielern hätte ich ein bisschen mehr schauspiel schon zugetraut. der abend war interessant zumindest, volksbühne dritter stock, ein vollkommen leerer raum (bühnenbild bert neumann, der hatte wohl keine zeit) mit je drei stuhlreihen an den schmalen enden, die kids sind großartig textsicher, laufen herum und haben die beiden verwendeten darstellerischen möglichkeiten spielend im griff: monotones bisschen zu schnelles vortragen ohne körperbeteiligung und hemmungsloses brüllen, beides fordert zuschauer mit extrem guten ohren und zenmässiger konzentrationsfähigkeit, weil der text so unzeitgemäß dicht und gewaltig ist, auch die handungsverläufe sind sehr vielfädrig. am ende öffnen sie die 4 fenster des raumes, zum theatervorplatz hin, und machen das licht aus, es leuchten nur noch die lampen von draussen, auch die gehen irgendwann aus, niemand spricht noch, man sitzt im dunkeln, friert und hat keine ahnung, ob sie durch sind mit dem text. das publikum sass am ende sehr gutwillig minutenlang herum, bevor jemand mit dem beifall begonnen hat. ich mochte das, nur das restlicht von der stadt im raum, theater und stadt beide dabei, plus das magische eines unbespielten theaterraumes. wie ein schlafzimmer, das stück schläft wieder, denkt man so ein bisschen verträumt und guckt aus dem fenster in den berliner nachthimmel.

ich konnte mich trotz guter absichten (hh jahnn!) nicht immer auf den text konzentrieren und habe nicht verstanden, warum die regisseurin das so inszeniert hat. oder haben die kids das alleine entschieden? ein paar sätze dazu auf dem programmzettel wären hilfreich gewesen. ich wollte nicht rausgehen bei so jungen leuten, einer war noch vorm stimmbruch, aber versucht war ich schon. die ganze jahnnsche sprachgewalt und meinungsdichte wurde wegmonologisiert – oder eben niedergebrüllt.

Boh„, sagt der italiener dazu. schnell nach hause radeln, hund lüften, die kinder ins bett schicken, „mama, wie spät ist es denn jetzt genau?“ „23:06“ „okay, dann schlaf ich jetzt.“

logistik. nächste woche würd ich zweimal theater wollen, einmal shakespeare-wilson-georgette, sollte man schon hingehen eigentlich, und einmal den ollen herrn jahnn in der volksbühne, der findet alle paar jahre eine seele, die ihn inszeniert, silvia rieger hat sogar den pastor ephraim magnus schon auf die bühne gebracht, ein stück mit liebe, inszest, religion und noch irgendwas, ja: und kannibalismus, übel expressionistisch. donnerstag und freitag. donnerstag hätt ich auch noch sport, aber ich habe nun so lange, jahrelang, keinen sport gemacht, da wird doch einmal mehr … die jungs wären dann zweimal hintereinander allein und werden theater hassen fernsehsüchtige monsterkinder, wenn sie groß sind.

samstag ist dann alles gut, da geh ich auf einen 50sten, bei einer fastbesten freundin, das ist kein wirkliches ausgehen, das ist eher ein hingehen. und am nächsten tag ist keine schule, ich kann vielleicht ein video aussuchen, äh mit tieren?

schweres leben in der großstadt.

ich könnte auch donnerstag zum sport und müsste mich dann am freitag nur zwischen den theatersachen entscheiden, die kommen da beide. den wilson streichen, der kommt bestimmt nochmal. der jahnn, der letzte ist 18 jahre her, das kann dauern. lieber wär mir die medea gewesen, wie sie ruft: „schlaf ist an dir in meiner gegenwart“, und jason wendet sich ab, der autor ist eh total vergessen, warum dann diese kleinen schlecht spielbaren sachen machen? es muss eine junge regisseurin sein, die ihn inszeniert. gibt es noch diese jugendlichen jahnn-phasen? sollte vielleicht doch lieber in den wilson gehen. andrerseits hängt das jahnn-ticket schon am kühlschrank.

lieder singen

Quattro cani per strada
e la strada è già piazza
e la sera è già notte.
Se ci fosse la luna,
se ci fosse la luna si potrebbe cantare.

und wenn schon. der war gut damals. ich sass mit zwanzig auf einem holzboden in deutschland in irgendeiner mehrzweckhalle und dieser liedermacher sang, er hat eine richtige singstimme, nicht wie die anderen, die eher nur kopf und absichten hatten, seine lieder hatten herz und sehr viel musik. ich sass da und fand ihn gut, habe platten gekauft und die songs mit zurückgenommen nach italien, wo ich mit freunden einen sommer lang strassenmusik gemacht habe, wir haben die ganzen cantautori gesungen, lucio dalla und de gregori auch natürlich, de andrè, den alten, vor „creuza de mar“. aber auch gianni morandi und guccini und pfm (die habe ich seit diesen frühen achtzigern bestimmt aus gründen nicht mehr gehört, es gibt sie immer noch, ihre letzten drei platten heißen ulisse, serendipity und dracula, denen kann jetzt auch nichts mehr passieren) und wir spielten die klassiker aus den usa. ich wusste immer nur die ersten paar strophen, aber meine stimme war in ordnung. wir fuhren in einem grünen alten käfer herum und ich war ein bisschen verliebt in den gitarristen, bassist war keiner mit, ich habe noch ein bild von ihm und diesem wagen, aber seinen namen hab ich vergessen leider, paolo vielleicht? paolo war es. wir schliefen in den dünen, wo der appenin flacher wird und die maremma anfängt, gibts da dünen? la spezia und drunter. in einem zelt, es gab wein und pizza, verdient haben wir nicht so viel, aber es ging natürlich sowieso nicht ums geld. es ging um nichts besonderes, um das nächste lied, darum, den wein kühl zu halten, um einen blick, den sommer eben.

(kurzgespräch gestern abend mit jemandem über konstantin wecker, der andere fand den relativ unverzeihlich, aber meine erinnerungen sind gut und hell. sein pathos ist mir damals nicht mal aufgefallen, aber wir liefen ja mit offenen herzen herum, es war okay, wir sangen einfach mit, überhaupt komm ich aus italien, die haben andere sorgen. die tonlage war bisschen zu hoch, männerlieder waren das.)

gefunden: 1977 in bologna, dalla-guccini-vecchioni haben spass.

totale müdigkeit, eine blitzgrippe, hoffe ich. heut früh, als ich noch wollte, in joggingschuhen bis zur ecke gerannt, dann hinsetzen gewollt und wieder umgekehrt, runkeeper zeigte mir 100m und 4 minuten. den tag über liegengeblieben. die kinder kommen immer mal wieder und gehen zum glück bald, ich bin das zentrum eines zentrifugalen tanzes mit drei halbherzigen tätern, alle aber sind schön und gut zu mir, einer hätte fast tee gekocht, wenn ihm nicht was dazwischengekommen wäre. eine neumodische erkrankungsform! sie heißt ebbe und betrifft alles über normalnull. jetzt ist der tag an seinem grund und ich bin plattgelegen und begreife nicht mehr, warum ich mir einen hund angeschafft habe.

basislager

zuerst kommt gar nichts. eine lange, lange weile hört man es rumsen von hinter der bühne, dann kommt klavier. in den ersten minuten fühlt es sich an wie eine yoga-übung, einatmen, ausatmen, sich langsam auf einen anderen taktgeber einlassen: marthaler.

sechs oder sieben szenen in grönland, alle in einem basislager, einer von viehbrocks vergessenen funktionsräumen, bisschen alte turnhalle, bisschen schulungsraum am stadtrand. ein schutzraum in grönland, naja, warum nicht, diese bühnenbilder sind wirklich nicht an orte gebunden, aber ich hätte mir mehr natur gewünscht irgendwie, mehr außen statt dem ewigen abgewohnten innen.

andrerseits entsteht das theater bei den beiden (marthaler/viehbrock) sowieso mehr im kopf als auf der bühne, man muss die augen gar nicht immer offen haben dabei.

es könnte mein eigenes basislager sein, so voller leiser stimmen, ein paar theorien und liedern auf grönländisch, mit einem overheadprojektor, der nach langer einrichtungszeit eine unklare silhouette in fischform zeigt.

die schauspieler kommen am anfang dick vermummt herein und entkleiden sich dann viele schichten lang, das hat mich auch berührt im solar plexus, ich habe eigentlich fast genausoviel an, wenn ich von draussen reinkomme.

lieblingsstelle, außer all den wunderschönen, stillen chören in fast jeder szene, als ob man sie nur im kopf hören würde, ein innerer hafen (leise und pärt-artig, ich habe nur wenige stücke erkannt) – war bettina stuckys sehr stimmhaftes aah auf einen vortrag über polare kosmogonie, den sie sich nach ihrer arie „es gibt kein bier auf hawai“ anhören musste.

oder die übersetzung eines gesellschaftlichen miteinanders ins gestische, wie die körper vom typischen – zum beispiel vorgeschobene frauenbeine auf highheels, lässige männerstehposen – ins parodistische geraten, quasi wider willen, und dabei die ganze zeit handys durch die gegend kicken, das war wild und lustig und ich habe mich voll wiedererkannt.

die leute hinter mir beim rausgehen meinten: das war ja der langweiligste marthaler-abend jemals. fand ich okay, weil man eine gewisse leise art von schönheit auch nicht mit jedem idioten teilen will.

ich will auch mal nach grönland.