februar.

oh boy. der februar ist immer an der grenze. verlässlicher aufbruch, dem meistens nix folgt, der letzte wintermonat, hunger, überall spürbar, als wär jeder muskel schon auf dem weg. geschichten und abenteuer passieren mir im februar, ich werde albern und bin zu laut und könnte kinder zeugen, jeden tag ein paar. konnte, ich konnte kinder zeugen.

also laufen gehen und sich verausgaben, bis in die tiefe nacht, bis es zu spät ist, beeing pathetic, ungesehen im dunkel.

(wilde träume zur zeit, heut nacht [editiert und wieder ins private tagebuch zurückgeholt. der traum war anderthalb tage an der luft, das ist schon genug sauerstoff, liebe leser und leserinnen.] die psyche als bodenlose keksdose.)

 

Unbenannt

orr. ist das eine alterssache, nicht mehr gut schreiben zu können? gar nicht im blog, da hab ich nur die leicht verdrängbare erinnerung an alte zeiten, als die worte noch flossen und hüpften und sich allgemein halt fügten, und beobachte die änderung eher als eine normale entwicklung, zum faktischen, leiserem, zu längeren sätzen mit hintereinander geordneten inhalten, aber beim schreiben für geld ist es mir wirklich unangenehm. ich brauche einen job, bei dem nicht mehr soviel denken muss.

q&a&q

großer spass:

1. Käme heute Nacht eine Fee zu Ihnen ans Bett, welchen erfüllten Wunsch gäben Sie zurück?

ein paar große wünsche hab ich mir erfüllt und kann keinen zurückgeben (einer ist fast volljährig und die anderen beiden behalte ich auch lieber), ich würde lieber die unerfüllten zurückgeben wollen.

2. Welches Buch liegt auf Ihrem Nachtschrank?

das oberste ist von katja kettu, wildauge. hat mir der grosse zu weihnachten geschenkt, ich will es mögen.

3. Welcher Geruch lässt sie schaudern?

vergorene milch, aber es gibt wenig intensive gerüche in meinem leben, selbst die milch ist immer alle, bevor sie schlecht werden kann. ich kann mir einen üblen geruch auch so schnell wegdenken, dass es bis zum schaudern selten reicht. am liebsten rieche ich muskatnuss und pfeffer.

4. Was haben Sie zuletzt verloren?

meinen lieblingsring, den ich vor jahren schon mal verloren hatte, dann wiedergefunden und sofort danach wieder verloren. auf der suche nach ihm habe ich wohnung und leben umgepflügt, erfolglos. großes rätsel.

5. Sind Sie glücklich?

nein. ertappe mich trotzdem dabei, weil ich im schönen nicht kartographierten manchmal-land alles um den moment herum vergessen kann und dann restlos aufgehoben bin. habe eine recht solide begabung zum glück, ich funktioniere tagelang mit einem lächeln oder einem satz.

6. Zöge Alice sie mit ins Kaninchenloch, in welcher Welt wachten Sie gerne auf?

in einer, wo alles noch möglich ist.

7. Lesen Sie Gedichte? Wenn ja welche, wenn nein, warum nicht?

ich liebe lyrik. da leider wenig neue autoren, also ja, montale immer noch, platz eins, thomas sowieso, grad wieder sehr über die wunderbaren zeilen unter gagas füßen gefreut. mein textgedächnis ist so miserabel, dass ich mich immer wieder wie neu freuen kann. online lese ich zb dale und freue mich, wenn ich irgendwo lyrik entdecke, wie häufig bei frau wildgans.

ich hab nur ca. 2m lyrik und gehe manchmal ans regal und lese dann etwas neu, männer wie frauen. ernst herbeck, weil die zeiten so verrückt sind. rene chars texte aus dem widerstand, aber im winter auch mal gern die mit dem fokus auf sich selber, meckel, auch bachmann immer mal wieder. mascha kaleko, so schön klar, oder ausländer, zuerst noch in mailand mit michael endes unendlicher geschichte gelesen, aus zufall, seitdem verbinde ich sie immer mit der kindlichen kaiserin.

songtexte sehe ich auch als eine art funktionale lyrik, höre sie aber anders,  da will ich immer gemeint sein, als ob gedichte sich eher an die allgemeinheit richten und songs an den, der sie hört oder spielt, auch weil da über die musik noch ein direkter zugang ins limbische system dabei ist, mit projektionsfläche für all das, was beim hören außerdem noch passiert, oder nicht passiert, mit gleicher macht. es ist ein dialogisches medium, anders als bei gelesenen zeilen, die eher in sich geschlossen sind und vielleicht einen werkbezug haben oder einen historischen, als kontext oder als lebensphase des lesenden. ich mag die kleine form sehr gern, sie entspricht auch meiner art, glück zu erleben, das gedicht/der song als kleines funktionierendes universum, das man dabeihaben kann, wie die katze ihres in mib, etwas intimes, ein sicherer hafen für mich. ich mag die klaren, linear und narrativ aufgebauten, bei den exaltierten und prätentiösen werde ich sofort von der intention des autors abgelenkt und muss lachen.

8. Sie stehen ohne Kompass, Stadtplan und Smartphone im Wald. Wie kommen Sie zurück in die Stadt?

mit gesundem menschenverstand. vielleicht atme ich aber auch tief aus, bleibe da, baue mir eine hütte, und lebe mein ganzes verbleibendes leben in ein paar wochen zuende.

9. Worüber haben Sie zuletzt gelacht?

mit einer freundin heute vormittag, über uns. im netz gestern zb hierüber und allgemein gern über albernen kram.

10. Welche drei Dinge, die sie nicht haben hätten Sie gern?

ein neues rad, ein neues handy, mehr ram für den ollen imac.

11. Wofür haben Sie sich zuletzt ausgiebig Zeit genommen?

dummerweise für netflix, wenn ich ehrlich bin. untergang des abendlandes. bin aber auch sehr in winterstimmung abgetaucht, heute werde ich deswegen lyrik lesen, irgendwas klassisches, oder shakespeare? bei mir hat das lesen in letzter zeit etwas inszeniertes bekommen, ist folge eines vorhabens, nicht mehr der selbstverständliche griff ins buch. ich mag aber diese zweihandbewegung, eine hand greift um den buchrücken, die andere sucht nach der stelle. ich glaube, ich nehme die mir nahen bücher in die linke hand dafür, die anderen, noch unerschlossenen, in die rechte.

ich habe all diese fragen freundlicherweise von marie_sophie gestellt bekommen, und gebe weiter an frau montez und frau gaga, die herren goncourt und kid antworten normalerweise nicht  auf sowas, oder? und too1? frau wieseltier würd ich auch gern lesen, und herrn dieseldunst!

meine fragen wären: 1. mit wem sprechen sie täglich als erstes? 2. wann waren sie zuletzt verliebt? 3. welches buch begleitet sie schon länger als 10 jahre? 4. haben sie ein geheimes projekt? (ja/nein reicht) 5. lesen sie gedichte? wenn ja welche, wenn nein, warum nicht? 6. worüber haben sie zuletzt gelacht? 7. wofür haben Sie sich zuletzt ausgiebig zeit genommen? 8. haben sie sich schonmal grundlegend geändert? 9. sind sie glücklich?

unhappy victories

in der nyt einen sehr gut geschriebenen langen artikel über eine klage gegen die firma dupont gelesen, die den stoff pfoa (eine art schmiermittel, ua für die herstellung von teflon-beschichtungen verwendet, ähnlich wie bpa, soweit ich das verstanden habe) ungefiltert in die umwelt entsorgt hat, obwohl der konzern genau über seine hohe giftigkeit bescheid wusste, und zwar aus eigenen studien. liest sich wie ein roman, und die sache ist nur aufgrund eines aus einer mischung aus überheblichkeit und mangelndem durchblick verursachten fehlers des unternehmens zur klage gekommen. unglaubliche und sehr, sehr finstere folgen der gier.

(habe eine teflonpfanne mal im ofen vergessen, als der an war, den gestank haben wir tagelang nicht wegbekommen, seitdem nur noch unbeschichtete pfannen, zum leidwesen der spiegeleifans im haus. man entkommt diesem zeug aber nichtmal als vollöko auf dem land.)

 

x ist eitel*

wie eine übermäßige ausgabe sowohl belohnung als auch last sein kann, setzen sie einfach ihren eigenen kaufbaren herzenswunsch ein, etwas nicht lebensnotwendiges, das auch einfacher möglich wäre, und nehmen weiterhin an, das geld dafür sei da, aber nicht leicht wiederverdienbar, ein polster für waschmaschinen oder autoreparaturen, sowas.

einerseits gönne ich mir etwas, erfülle mir einen wunsch, werde mich jeden tag daran erfreuen, andererseits verdienen solche fixierungen eine portion mißtrauen, weil die differenz zwischen ausreichend („läuft“) und übertrieben („wow“)  so sehr mit bedürfnissen gefüllt ist, die mehr in der beziehung zur welt als der zur sache ihr zuhause haben. ich habe ein paar solcher wünsche, z.bsp. nach einem neuen rad. ich habe ja eins, es ist 18 20 jahre alt und die gänge springen, aber es fährt und fährt, bergauf und bergab, aber so ein neues, mit heilem lack, trommelbremsen und rund laufender mechanik? ich besitze sogar ein zweitrad von bianchi, das fährt auch, ein klares flanierrad ohne platz für einkaufstüten – allerdings ist es quasi osmotisch in den besitz des großen sohnes übergegangen, steht in seinem zimmer und wird von ihm betreut.

sonst habe ich solche fragen beim kauf teurer appleprodukte, wo es andere für ein drittel gibt, die auch funktionieren, nee, ist vielleicht kein gutes beispiel, weil bei apple der irrationale anteil am wert deutlich höher ist, vielleicht besser: eine leica, wenn es auch eine fuji täte – ich meine also dinge, die nur ich nutze, die in preiswerter (alles drin, in dem wort) version ihre funktion genauso erfüllen, wo also eine freude am luxus teil des begehrens ist, wo allein das wahrnehmen der unterschiede in der leistung schon wieder eine nur den spezialisten und ästheten mögliche form der distinkion erfordert. gildet nicht für apple, für alle android-geräte bin ich inzwischen zu blöd, habs versucht.

oder eine feine gitarre von martin, auch so ein irrationaler wunsch, obwohl ich noch kaum spielen kann, bestimmt mag ich die firma schon wegen ihres namens, er hat den vollen, warmen und bisschen traurigen klang vergangener lieben, beide martins konnte ich weder kaufen, noch spielen oder gar behalten.

aber ist das nicht auch ein entwicklungstillstand, abhängig sein von zukunftsangst, bleibe ich nicht stecken in so einem blöden protestantismus, die nachhaltigkeit immer, das sicherheitsdenken, soll ich nicht doch mal einfach kapital raushauen, kopfüber ins wertesystem eintauchen und mich wärmen lassen von nutzloser nicht vollständig nutzbarer verschwendung? überlege ich grad. ich möchte im grunde wissen, ob es einen tragfähigen grund für luxus gibt – oder nur im sinne einer verschwendung als feier der vergänglichkeit, als potlatsch? luxus als schönheitsreserve, das ist auch ein feiner grund, wir lieben schönheit, in jeder form, und den überfluss als freiheit von notwendiger mühsal. die selbstbestätigung durch schöne dinge, überhaupt die möglichkeit, etwas schönem nahe zu sein, gern auch in demut, oder was immer eben übrigbleibt nach einem leben im leben. das ist mehr als genug, aber.

zumindest bei rädern, gitarren und kameras ist der hohe preis im handwerk und materialien nachvollziehbar, zu sagen wir mal zwei dritteln? das letzte drittel ist irrational und prestige, weiß ich aber nicht genau, mehr oder weniger je nach gewinnmarge. man kann ja sicherlich schon das profitstreben selber als im kern irrational verstehen. bei apple, nunja, man erkennt sie noch, die magie.

vielleicht löst sich auch der wunsch im zuge des nachdenkens darüber in luft auf, und der damit stillbare mangel (an luxus, nicht an rädern) ebenfalls, er ist ja vielleicht einfach aus anderen bereichen herübergeschwappt, bis dann der ganze herzenswunsch als verschiebung sozusagen durchsichtig wird und eh nicht ganz erfüllbar, und der bedarf dann pragmatisch mit etwas preiswertem gestillt wird, wenn es notwendig wird, und keinen tag früher. die mühe, symbolische mit reellen werten zu vergleichen

auch blöd. ohne glamour.

luxus, darauf wird es hinauslaufen, muss man sich leisten können, ohne der ausgabe mehr als ein paar tränen nachzuweinen, und luxus beginnt dort, wo der wert nicht mehr nur aus der sache oder dem nutzwert erklärbar ist, bei armen menschen ein bisschen früher als bei den reichen.

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*alter text vom april ’14, wieder rausgekramt, denn inzwischen habe ich so eine supergitarre, ich hab sie nicht geklaut und nicht geschenkt gekriegt, sagen wirs mal so. und ja, ich erfreue mich jeden tag daran, nein, ich spiele sie nicht jeden tag, ich könnte sie wieder verkaufen, und das geld sinnvollem, wie anwälten oder nachilfelehrern für die jungs oder einem loverboy für mich. über den umgang mit dieser gitarre bin ich mir nicht im klaren, ich sollte sie verkaufen, will es aber nicht, da gilt der text oben noch, herz gegen den rest. ich kann ja stattdessen im notfall erstmal den füller verkaufen, aber das bringt auch wieder ärger. das alte fahrrad fahre ich aber immer noch, bergab und bergauf.

 

graue stunde

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acht nach acht morgens, das zimmer noch kaum zu erkennen, die herumliegenden dinge sind nicht unterscheidbar in möbel und nichtmöbel. die kinder gehen um halb acht und kommen im dunkeln wieder, ich sitze tagsüber am schreibtisch, das berliner licht wirft kaum schatten und reicht nicht in die tiefe der räume. möchte statt der planerfüllung viel lieber einen langen text lesen, in dem nichts wichtiges passiert, mit weiten pupillen. lieber nur nachtmensch sein in diesen tagen, wohlgeborgen im kleinen lichtkreis. ab vier uhr nachmittags die wohnung hell erleuchten, präsenz zeigen, mühelose sicherheit, draussen die gelb-gilben laternen und ein paar helle fenster auf der anderen seite des platzes, sonst nichts.

 

konzerte und konzertchen

abend mit maurenbrecher, wie immer sehr intrigued, weil es alles wunderbare texte sind, die mit soviel wucht und kraft daherkommen, also diese elegante kraft meine ich jetzt, lauter landschaften mit kleinen sehr wunderbaren stellen drin versteckt. und wie er auf die tasten haut! das ganze arme kleine kneipenklavier wackelt, nein, es ist ein braves klavier, spielt jeden ton. bisschen heimlich geweint, nicht wegen der musik, also natürlich wahrscheinlich doch deswegen, sie kratzt und streicht und rüttelt das nervenkostüm und findet mühelos die offenen stellen. weil ich es manchmal alles nicht glauben mag.

zum nikolaus dem großen endlich das wunderbare „to kill a mockingbird“ geschenkt. ich hoffe, er und ich unterschätzen sein sprachniveau. sonntag nachmittag zum chor in eine sehr abgerockte zionskirche mitgenommen worden, sie wurde notdürftig saniert, sagt die freundin, die auch beruflich mit häusern zu tun hat, für die optik hat es dann aber nicht mehr gereicht, es gibt keine heizung, kaum dekor, keine farbe an den wänden, als wäre sie vor jahrzehnten stillgelegt worden. zum mitweinen war der chor dann leider zu lustig und bisschen zu gut gemeint, aber der dezember hat ja grad erst angefangen.

 

 

Unbenannt

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morgens lege ich die zarte halskette um, die mir die liebe freundin zum geburtstag geschenkt hat und nehme mir vor, sie bald mal wieder anzurufen. ein paar stunden später ruft sie an und fragt nach der neuen telefonnummer von astrid, die vor jahren nach hamburg gezogen ist. ich schicke den beiden astrids, die mein mailprogramm kennt, eine nachricht. eine ist die schwester eines anderen guten freundes, stellt sich raus, die andere antwortet auch sofort und erzählt, sie sei heute auf mein blog geraten (ein freundlicher mensch hatte mich bei twitter verlinkt), habe mich im impressum erkannt und wollte sich eh wieder melden. zufall und absicht fein verwoben, sehr elegante verknüpfungen, fein wie das halskettchen. nach dem sport dann noch einen rotwein angeboten bekommen von meinen nachbarn, während unsere hunde miteinander spielen, und eine zigarette drehen können, beim reden darüber, was die welt zusammenhält.

the affair

the affair, auf amazon prime. nur so zum abhaken mal reingesehen, hängengeblieben, teils wegen dem hunk-faktor von dominic west, der hat so einen archetypisch kräftigen männerkörper, und man darf ihn sehr oft unangezogen sehen, aber vor allem wegen der überraschenden spannung. das es eine affäre geben wird, verrät schon der titel, auch die protagonisten sind schnell klar, aber die affäre bleibt sehr eindeutig vermeidbar, in jedem einzelnen kleinen schritt haben sich mann und frau dazu entschlossen, die grenzen eine nach der anderen zu überschreiten. beide figuren reden später davon, dass es einfach so passiert ist, aber in der serie kann man schön beobachten, wie viele entscheidungen tatsächlich fallen müssen, bis zwei im bett landen.

richtig aufregend ist die idee, alles aus zwei perspektiven zu erzählen, ihrer und seiner. wir sehen zwei geschichten, die oft nur den rahmen gemeinsam haben, in schwerpunkt und dramaturgie vollkommen verschieden funktionieren, die figuren entwickeln sich also im je eigenen rhythmus, weil da ja auch zwei biographien miteinander verwoben werden. erinnert sehr an meine eigene scheidung, wo mein erleben oft nix mit dem des exmannes zu tun hatte. hier werden beide versionen gleichberechtigt nacheinander erzählt, das macht die erzählung sehr dicht und authentisch.

ich mochte auch die intensität, die fassunglosigkeit der beiden liebenden, wenn sie sich dann wirklich mal begegnen in der annäherung, großartigst geschauspielert, wie die beiden sich in der folge aus all ihren zusammenhängen reißen lassen, fast wie auf autopilot, und schon ein bisschen murphys law. er sucht sex, auch weil 'nur sex' nicht seinen ganzen lebensentwurf bedroht, sie sucht im sex sich selber, weil sie nach einem schicksalsschlag nur mit dem körper noch fühlen kann, beide verfehlen sich grandios in ihren bedürfnissen und merken das natürlich nicht. schön, wie diese art deal funktioniert, solang sie einfach anarchisch liebe machen, klug geschrieben und gespielt, wie sie in der zweiten staffel vom alltag einholt werden. sehr tolle serie über, ja was? über die ehe, glaube ich. die struktur der nähe, den gesellschaftlichen umgang damit. gibt auch mord und totschlag, drogen und all sowas, viele sexszenen, auf die ich am ende keine lust mehr hatte, spielt im großartigen montauk, wo ich auch gern mal einen liebhaber hätte. wärmst empfohlen.

 

entlieben, mäandernd

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frau fragmente hat einen sehr schönen text übers entlieben geschrieben, und da fühle ich mich irgendwie auch als profi, hab ich mich doch genauso oft ent- wie verliebt, ungefähr alle zwei bis drei jahre.

erlebe mich nach dem entlieben nicht wie ein neues selbst, eher wie in einer vorübergehenden verhärtung des jetzigen, weil ich die gefühle ein paar monate lang intensiv verdrängen und nicht zulassen darf, ich muss sie richtig austreten wie einen funken, es sind ja immer großartige und strahlend sichere gefühle, ein mächtiges ist so. nach der trauer kann ich dann wieder aufmachen und bin mir wieder näher.

fragmente schreibt: „Die Hoffnung ist die zerstörerischte Kraft überhaupt“, das ist ein bitterer satz, aber der moment der klarheit kommt leichter und schneller mit den jahren, man erkennt das alte im neuen und kann schneller darauf reagieren, obwohl, manchmal wünsche ich mir einen modus, der das kämpfen ermöglicht, gegen die erfahrung und das offensichtliche, alles setzen, nicht nur leise für sich, sondern offen und für den anderen, tun, was man kann, weil jede liebe schutz verdient? wäre das freiheit oder masochismus? da bin ich mir auch noch nicht so sicher, praktiziere aber den kontaktabbruch, als sichersten weg. wir waren ja auch beim entlieben, das beginnt erst am ende der strategien.

ich erinnere es als wirkliche arbeit, erleichtert durch das bei fragmente erwähnte abflauen des oxytocins (wenn es nur oxytocin ist, war es keine liebe),  die entmutigung, wenn mal wieder klar ist, dass es nix wird, weil man ja eine body&soul-sicherheit („ja. alles.“) wegdenken muss, die so real ist wie der tag, besonders in der endorphinösen phase, über die ich leider nie hinausgekommen bin in den letzten 12 jahren. immer als kalten entzug erlebt, mit der liebe geht ja auch die intensität der wahrnehmung, dieser unverschließbare zugang zur welt. den abschied von vornerein als unvermeidbaren und ebenso vergänglichen teil des abenteuers begriffen.

es gibt schönere bilder für die liebe, sie drängen selbst in einen versuch übers entlieben. love is.

es gehört dazu, wenn es mich mal wieder erwischt, plane ich das entlieben im kräftehaushalt von anfang an mit ein, wird es gehen, hast du genug ressourcen, geht das noch einmal? lohnt die liebe das erwachen, ist es das wert? hast du zeit dafür grade? es ist ein zu erwartender preis, den man für ein paar tolle wochen oder monate zahlen wird, ich möchte heute keine meiner lieben missen (gut: fast keine), ich erinnere die magie und nicht den kummer danach. die praxis verhilft einem zu einem zustand, der erst nach dem dritten oder vierten korb möglich wird: entspannte freiheit im und von dem mangel, er wird zum blinden fleck, mit dem ein gutes leben möglich ist. darauf kann man sich verlassen auch im entlieben, es gibt andere dinge, kinder, freunde, bücher, arbeit. musik.

und die so bezaubernde wie nagende erkenntnis, dass jede liebe bleibt, einen fußabdruck hinterlässt, den man auch nach jahren noch wiedererkennt. mein pathostroll dazu: dein zertrampeltes herz!

wäre neugierig darauf, wie es sich das selbstfahrende entlieben anfühlt, ohne ein nein als auslöser, in einer langjährigen beziehung, als normalen prozess ohne trennung. ich stelle es mir wie ein verebben auf normalnull vor. ändert sich so eine liebe nicht sowieso alle paar jahre (oder jahrzehnte, how should i know), und man muss seine neue form im alltag erkennen, würdigen und feiern, als bewussten erkenntnisprozeß? bei dem dann die gefühle magischerweise auch ohne rausch überleben, in anderer form.

also yeah, wie immer: still not saved. won’t happen.

and if you listen very hard

wir sassen zu viert oder fünft im dunkeln, natürlich um ein feuer, es war zwischen zehn und elf uhr abends, es gab damals in den achtzigern keinen hinweis darauf, wie schwer es einmal sein würde, die einzigartigkeit solcher abende über die nächsten dreissig jahre zu retten. mit der liebe geht das leichter, bei den guten geschichten bleibt das besondere im zentrum der erinnerung, der moment dieses einen kusses, die sekunden davor und danach, nicht die dutzend clichees und tausend filme und die milliarden anderen küsse auf der welt (es gibt natürlich keine milliarden lagerfeuer mit teenies drumrum, sollte es aber.) guido hatte damals wie immer die gitarre, musik flog ihm zu, er spielte auch noch klavier und querflöte (jethro tull), schrieb lieder und war vollkommen zuhause, wenn er spielte. wir hatten kastanien im feuer, es war also schon herbst, redeten, rauchten, sangen oder schwiegen und machten witze. das alter, wo man noch aufgehoben im moment ist, in den minuten vor und nach dem jetzt, mit allen sinnen die blicke spürt, die nacht, die fragen, die hoffnung, ob da nicht etwas möglich sein könnte bei dem einen ihm, der dabei war, ausnahmsweise, weil er sonst mit einer anderen clique unterwegs war, und wie zum teufel ich es schaffen könnte, näher an ihm dran zu sitzen, während das feuer langsam runterbrannte, und guido immer weiter spielte. dann kam eins der stücke, von denen ich jede strophe kannte, ich hab lauter gesungen, weil er auf der anderen seite sass, die anderen wurden still, und plötzlich singt man alleine, sicher und ohne jeden sicherheitsabstand zu den eigenen gefühlen stairway to heaven, alles gelingt dabei, der song wurde dafür geschrieben. (er hat mich an dem abend nach hause gefahren und ist mitgekommen. magic night.)

narcos

endlich mal eine serie nicht als letzte gesehen, sondern am zweiten tag, an dem eigentlich auspacken und ankommen angesagt waren, aber drei wochen mit kaum internet haben zu entzugserscheinungen geführt. einmal angefangen, war aufhören keine option mehr, narcos ist gut geschrieben, lakonisch erzählt, mit sehr trockenem humor, ich mochte auch die stimme des erzählers sehr gern, ein schauspieler, der gestern noch nicht mal eine richtige wikipediaseite hatte. taufrisch allet! kolumbien und sein drogenkosmos waren für mich immer eins der themen, die zu grausam und hoffnungslos zum nachlesen waren, ich habe also eher aus generischem bildungsbedarf reingeschaut und hätte die serie bei den ersten gewaltexzessen sofort wieder verlasssen, aber dann kam eben der erzähler mit seiner stimme, und dem eher englischen erzählstil, souverän aus dem off, der weder nach sozialstudie noch nach geschichtsbuch klingt, sondern eher wie eine art big lebowski als bulle —, nee, mir fällt da hoffentlich noch was besseres ein. narcos zeigt ganz nebenbei auch die vorgeschichte des kokainhandels, die vielen beziehungen zwischen geld, macht und politik werden vollkommen mühelos und gut sortiert miterzählt. sehr gut gemacht, unbedingte empfehlung, und das sage ich, ein ausgesprochener antigewalthase.

 

pssst

wenn ich ein bisschen flirte, dann meine ich das genau so, nichts halbes und nicht ganzes,  als spiel und als kompliment, und wenn ihr das bemerkt, nehmt es einfach als lebenszeichen, es macht spass, all den kram nur anzudeuten, der sonst mit viel aufwand gelebt werden muss, ein kleiner kick sexiness, ein erinnerung an das, was ihr euch wünscht, also jetzt nicht mal von mir. ein lüften der ollen decke über all dem, was fließt und atmet und sich mitteilen will, weil es geht.

(in italien aufgewachsen bin ich. dort ist es unhöflich, gar nicht zu flirten, und deutschland macht mich echt fertig mit all seiner funktionalen angst vor missverständnissen. ein kleines ich seh dich ganz, and I like it, und ich will dich nicht heiraten.)

(das leben als single)

dazwischen

bin bisschen gespalten in den bedürfnissen, einerseits versucht, mir für die zeit schnell noch eine geschichte an land zu ziehen, klar fehlt da was, aber es fällt keiner auf in der masse der gesichter und profile, wie ein wort, das man zu oft sagt. die alternative nur-körper ist dann doch, ich weiß nicht, einfach weit weg von dem, was ich bin, und das gerede in den kneipen mit den freunden ist genau das, ein warmes/lautes hohoho in die nacht. außerdem muss ich lachen, wenn mir jemand von seinem penis vorschwärmt, echt, penis? gut, wenn einer dran ist, wenn es ein mann ist, okay. ich sehe die männer, wie sie solche mails schreiben und den langen schlingerpfad, fluchtpunkt p, den sie hinter sich haben, über berg und tal. wozu haben wir eher ganzheitlichen den langen weg der sozialisation hinter uns gebracht, dabei bedürfnisse verbunden, beim sex das resthirn erschlossen? gern etwas zwischen plüsch und dem hier, zwischen nur geist und nur körper. not?