waiting, winter

die bvg streikt schon wieder, die letzten streiks haben wohl nicht zu ergebnissen geführt, mich ärgert es, weil ich am streiktag mein deutschlandticket nutzen will, das nur noch im februar gilt, um die zwillis zu besuchen, und jetzt umständlich mit s-bahnen zum hauptbahnhof muss. bei uns hat der letzte streik ein mageres plus von 60€ netto gebracht, die bei all den preiserhöhungen keinen unterschied machen. weniger arbeiten bei vollem lohnausgleich würde ich auch sehr gerne, verspüre aber doch eine gewisse genervtheit, wenn ich mein bezahltes ticket nicht nutzen kann.

die letzten tage zieht eine neuigkeit durch instagram, offenbar benötigt mehr als ein*e typ-1-diabetiker*in nach einem transplantat von inselzellen kein insulin von außen mehr. das ist nicht neu, das wird schon seit den 80ern gemacht, aber bisher erforderten solche versuche immer die lebenslange gabe von immunsuppressiva mit starken nebenwirkungen, und das soll jetzt anders sein, ein mittel der firma eledon verhindert die immunantwort auf das transplantat, ohne darüber hinaus massiv in die immunabwehr einzugreifen. natürlich muss das auch lebenslang genommen werden, wie ich es verstanden habe, bis jetzt alle 3 wochen per infusion, aber wenn der körper wieder insulin herstellt, soll es mir recht sein … well, das ist bis jetzt wieder so ein in-5-jahren-dingens, das die community gut kennt, aber es hat neue aspekte. die eledon-aktie ist bei 1,99, gestern war sie bei 2,40€. paar gekauft, auch weil der name nach einem elfen aus lothlorien klingt. aber erst einmal gilt weiterhin #wearenotwaiting.

die nächste gute nachricht ist natürlich, dass der februar morgen den letzten tag hat, damit ist die bodenlose endlose finsternis am ende, sind die 4 längsten und ewigen wintermonate durch, das licht wird bald länger dauern als der arbeitstag, aber noch ist es nicht so weit, noch kann es um 20 uhr ebensogut mitten in der nacht sein.

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sport und weg

blick auf die ostsee, man sieht den langen schatten eines menschen am wasser

gestern abend in langem telefonat mit dem großen sohn ist mir das versprechen entfleucht, sport zu machen, nach jahren endlich wieder. es muss muss muss sein, ich hab im sohn mich selber erkannt, die ihrer mutter oder freundinnen dieselben dinge sagt, tu was, beweg dich, und habs dann halt einfach versprochen. gleich einen online-kurs gebucht, den mir die krankenkasse erstatten wird, wenn ich ihn absolviere, damit ich das versprechen schneller einlöse, und weil ich mir nicht so ganz traue. jetzt versuche ich mich an meine jugend (neunziger) zu erinern, wo ich dreimal die woche zum sport bin und richtig gut durchtrainiert war, joggen war ich damals auch. das war ein superes gefühl, wenn auch völlig normal, ich wusste ja nicht, wie weit ich mich einmal davon entfernen werde.

heute vorgestern mit einer freundin noch einen letzten berlinale-film gesehen, sehr besonders: dao, im berlinale palast diesmal, mit numerierten plätzen in der allerletzten reihe, sicht und klang hervorragend. den anfang habe ich schon wieder vergessen, aber der film hatte so einen lauf, hat uns mitgenommen in eine familie, als publikum waren wir bei einer hochzeit dabei und bei einer gedenkfeier, bei der die gesamte familie, mit jeder menge onkeln, tanten, nichten und neffen, kindern und enkeln sich vom großvater in einem dreitägigen fest verabschiedet, ein leben verabschiedet. in der rahmenhandlung werden die schauspieler für das spektakel (den film) ausgewählt, wir sind dabei und erfahren so etwas über die geschichte der figuren. die feier findet in guinea-bissau statt, wie begleiten die mutter mit ihrer erwachsenen tochter ein stückweit auf der weiten reise, als sie in dem kleinen dorf ankommen, ist die freude und aufregung über das wiedersehen bzw. kennenlernen groß. das fest wird vorbereitet, das ganze dorf ist beteiligt, es gibt einen ablauf, der allen bekannt ist, dem sich alle fügen. die feier ist in animistischen ritualen strukturiert, im filmverlauf werden hochzeit der tochter und abschied vom großvater ineinander verschränkt, bei beiden sind die menschen gleichzeitig ganz bei sich und mit allen zusammen, im tanz zbsp, es wird dauernd getanzt, mal eher als kommentar mit leicht wiegenden hüften, mal ausgelassen und wild zu trommeln und gesang. ich hätte fast mitgetanzt, so nah war die kamera an den gästen, so wie man auf parties mal zum nachbarn schaut, mal selbst versinkt in körper und musik. einmal haben wir beide die augen geschlossen, als eine ziege und eine kuh geschlachtet wurden, aber es war nur kurz. der film hat drei stunden gedauert, ich hätte auch noch länger zusehen können, vielleicht nach einer pause. sehr nahe und intensive und nur mal so momente lang zu lange erfahrung, einen tick reitz-artig in der selbstverständlichkeit im umgang mit den personen und deren leben, mehr dokumentarisch als dramatisch. der film wär im kino an mir vorbeigegangen, daher ein hoch auf die publikumsnahe berlinale.

nach nettem hinweis aus dem letzten kommentar habe ich noch einmal ein paar versicherungen versucht, mal schaun, mal sehn, ob das was wird. sie wären in ihren online-voranschlägen deutlich teurer und würden viel weniger zahlen als die andere, die abgesagt hat. man darf die logarithmen niemals gegen sich haben, sonst hat man verloren, zumindest und mit sicherheit geld.

am letzten tag meines deutschlandtickets streikt die doofe bvg, dabei will ich die zwillis besuchen und muss irgendwie zum bahnhof kommen. sehr genervt, jetzt muss ich entweder das rad mitnehmen oder mit ewigen umwegen mit der s-bahn fahren. oder ich nehme endlich mein erstes uber.

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frost ende

heute 5°c plus, inzwischen unerwartet. schnee weg, ein schritt voran. hoffe, er ist auch vom auto geschmolzen, dann muss ich das nicht mehr abkratzen alles. nächste woche der alljährliche frühlingstag im februar, einmal 15°, damit wir nicht aufgeben auf halber strecke und berlin doch den rücken zuwenden, auswandern irgendwo ans mittelmeer, ins licht, zu längeren tagen. dann spüren wir uns wieder und halten eventuell durch, bis es dann im juni frühling wird.

berlinale war wenig dieses jahr, ich suche ja immer nach den italienischen beiträgen, vergeblich, 2026 gab es schlicht keine, das ist wirklich ungewöhnlich und kein gutes zeichen. heute der film mit turturro, buscemi, esposito in new york, beim anblick der gesichter wieder dieser moment des unglaubens, dass tatsächlich auch die stars altern, alt werden, wie ja überhaupt der komplette austausch des kulturpersonals meiner welt immer weiter voranschreitet und dabei eine gewisse normalität entwickelt. wie gut, dass die kunst unsterblich ist.

jedenfalls ein feiner film, schöne idee, toll erzählt, sehr liebevoll und sehr old school irgendwie: turturro ist harry, ein altgedienter taschendieb mit einem netzwerk aus kumpeln und familie, und eines tages klaut er das falsche, und muss es wiederbesorgen in seinem new york, dass irgendwie auch unser new york ist, aus filmen, geschichten, bildern, man erkennt es wieder, es ist auf leichtfüßige art archetypisch. schaut ihn euch an, große empfehlung. gesehen mit einer freundin im uber-dingens, der (das? die? das ding ist geschlechtslos) sich nur wegen der riesigen leinwand lohnt, die gala zum goldenen bär lief da wohl schon, einige im publikum gucken vorm film auf dem handy mit. den gewinnerfilm hat die freundin auf dem heimweg gegoogelt, gelbe briefe, koproduktion berlin-türkei-frankreich, heute gesehen, dass es um ein super wichtiges thema geht, der film zeigt, welche folgen das ende der demokratie in einem land auf den alltag, das gelebte leben, auf das soziale miteinander haben kann. den werden wir uns dann im sommer im freiluftkino ansehen.

ende november hatte ich online eine pflegezusatzversicherung abgeschlossen, weil ich eventuelle kosten für pflege oder ein pflegeheim nicht würde stemmen können, ohne alles daran zu verlieren. diese woche lag die absage der versicherung im briefkasten, „risiko zu hoch“, well, genau. es macht schon was mit mir, aber ich werde es nochmal bei einer anderen versicherung versuchen, nur so zur wissenschaftlichen überprüfung.

eine freundin meinte: so ist das halt, du kommst selber für dich auf, dafür ist der besitz da. sie hat recht irgendwie, vieleicht ist es falsch, das geld als „verloren“ zu begreifen, wenn ich damit mein alter finanziere, ich weiß nicht, wieviel prozent der bevölkerung durch renten oder vermögen beträge von ⌀ 3500€ monatlich finanzieren kann, bei den meisten wird bei den hohen kosten wohl der sozialstaat aufkommen müssen, ich denke ja, dafür sind versicherungen da, vielleicht unterschätze ich aber auch den wohlstand der anderen. die versicherung wies in ihrer ablehnung darauf hin, dass es ja keine krankenversicherung sei, sondern eben eine zusatzversicherung. gsd sind krankenversicherungen hier ein grundrecht. vom durch die absage gesparten geld kann ich einige urlaube finanzieren, leben im jetzt ist die devise. merke beim schreiben, wie ich mit dem thema abschliesse, du hast es versucht, tant pis, aber es wird schon gehen irgendwie. bleib ich halt gesund oder sterbe gleich.

(merke zur zeit eine erhöhte vergesslichkeit und hoffe, es sind die folgen meines jobs, nicht meiner nachlassenden kognitiven leistung, vielleicht zeigt sich darin die midlifekrise für aufgeklärte, selbstbewusste menschen: alles wird verfügbar, überall werden anfänge des endes sichtbar. entspannt und wach darin leben. ich bin ja erst 60.)

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sick days

krank und ko zu hause, nicht gefährlich krank, nur erkältung. brauche 1-2stunden, um aus dem schlechten gewissen herauszufinden, trotz verstand und lebenserfahrung ist der pflichtimpuls tief eingebaut und größer als der selbstschutz. nervend. niemand freut sich über virenschleudern am arbeitsplatz, ich muss mir das wie eine meditationsübung wiederholen. paar tage flach gelegen und nichts mitbekommen von allem, geschlafen, heute langsam wieder ich selber.

nachträglich erschrocken bis fassungslos darüber, wie ich im januar die chance verpasst habe, in berlin nordlichter zu sehen, bloss weil ich abends um 22 uhr zu kaputt war, um nochmal raus zu gehen, in den nahen park, wo ich sie eventuell hätte sehen können, es war mir egal, der preis schien zu hoch – und ich bin damals mit 8 monate altem sohn und mann mit einem ollen benz-kombi bis nach münchen gefahren, um eine sonnenfinsternis sehen zu können, vor 26 jahren.

tja. ich merke daran, wie anstrengend das lebensmodell „beruf“ tatsächlich ist, was es kostet, wie sehr ich mich darin füge, wenig energie für anderes zu haben, wobei es auch einfach am zustand „altern“ liegen kann, wie fast alles neuerdings. aber die nordlichter tun weh. das darf nicht so bleiben, vielleicht habe ich noch eine chance in diesem jahr, die sonne steht gut dafür.

gebannt beim vierfachen axel zusehen, danke nyt. diese leichtigkeit, die perfektion, die energie, überwältigend schön. bevor er loslegt, hören wir ein gedicht über die leere, sehr jugendlich intensiv, „The only true wisdom/ Is in knowing You know nothing/ The lost/ Is in the unknown“, dann folgt die musik.

berlinale geguckt, also beim roten teppich via stream, sehr nett. kenne fast niemanden, bis auf herrn eidinger, den man ja im zweifel auch durch den mangel an kleidung identifizieren kann. viele augenscheinlich erfolgreiche junge menschen in all den wunderbaren festgarderoben, für den anlass zu dünn, es kam auch immer sofort nach ausstieg aus dem auto ein mensch und hat die mäntel an sich genommen, dabei hatte frau yeoh einen riesigen plüschigen kurzen pelz über ihrem schulterfreien kleid, sehr elegant, sie sah dann ohne eher beraved aus, ganz zart und schmal. herr wenders in klassisch schöner männerkleidung, stilsicher und attraktiv auf eine klassisch zuverlässige weise.

habe karten für zwei filme, nach termin ausgesucht, nicht nach inhalt oder künstler*in. vielleicht ergibt sich spontan noch was, die karten werden ja nach und nach freigegeben, das ist recht entspannend. die blutgräfin hätte ich wg vorliebe für vampirfilme gern gesehen, ist aber zeitlich schwierig, herrn buscemi mag ich auch, die idee des films klingt nach sentimentalem ausflug ins new york des letzten jahrhunderts. so, jetzt ab ins wochenende!

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boldly go

gestern gebannt vor einem video gesessen, in dem jemand eindringliche ratschläge für 60jährige gibt. die hälfte der zeit war ich mir nicht sicher, ob es ai ist oder nicht, ihre sprache zu kohärent, der textfluss ohne fehler, wiederholungen, unterbrechungen, ich bin mir immer noch nicht sicher, aber ich konnte auch nicht weggucken, anders als bei allen anderen menschen, die ihr gesicht für vorträge in die kamera und damit auch direkt in mein gesicht halten, da gehe ich immer unwillkürlich einen schritt zurück und clicke weiter.

edit: die dame im video ist ai, der wortlaut zusammengestellt aus aussagen alter menschen: „the advice presented is compiled from real-life experiences and wisdom shared by real people“, allerdings steht direkt unterm video „a submission by lorraine“, erst unten gibt es einen disclaimer mit dem hinweis auf ai – meine unsicherheit verunsichert mich, seitdem sehe ich auf youtube überall „nur“ noch ai, was die kriterien bei der wahrnehmung von authentizität verändert, nicht mehr das gesehene ist wahr, sondern ev die gute oder böse absicht des prompters, die zitate, aus denen der text zusammengesetzt wird, die absicht also wird relevant. alles ist immer schon meinung, manipulation oder im ernstfall propaganda, es wird uns vermittelt als doku, es ist fiktion. die fähigkeit, das alles zu unterscheiden wird super wichtig, wobei das bestimmt bald auch eine ai erledigen wird, ein ai-filter oder so.

erinnert ein bisschen an die interpretation von literatur, wo stilistische, textinhärente elemente genauso analysiert werden wie zeitgeschichtliche aspekte oder die biografie der/des autor*in. komplexe zeiten, in denen wir leben. edit ende.

eine weile lang war ich gleich alt wie star trek, dessen erste folge „the cage“ im februar 1965 zum ersten mal gesendet wurde, also vor genau 61 jahren. in dieser woche geht es bei starfleet academy um sisko, den chef der raumstation ds9, die serie ist eine meiner liebsten aus dem franchise, und es wurde ein theremin gespielt, ausrufezeichen, so ganz nebenbei und selbstverständlich – bin wieder an bord als trekkie, auch wenn ich mir bei der grundaussage der serie, die ich wunderbar finde, vorkomme wie rita, als sie sich in groundhog day den weltfrieden wünscht. finde es schon einfach generell tröstlich, dass etwas gutes weitergeht, und hier machen sie es mit neuen gesichtern und neuen geschichten, das ist nicht unmutig, die eltern einer respektsperson (lura thok/ gespielt von gina yashere) sind ein jem’hadar und eine klingonin, das ist wirklich eher unerwartet.

heute einen aufregenden termin gehabt, über den ich irgendwann mal ausführlicher reden werde. jetzt so ein gefühl, als ob die magnetspäne meiner vielen beruflichen wege und privaten interessen sich neu orientieren, erleichterung, aufatmen, neugierde. mal sehen, was da noch kommt. durch eine tür gegangen jedenfalls.

ich war wg misstrauen in die öffentlichen viel zu früh und bin vor dem termin in einem park in lichterfelde herumgelaufen, im neuschnee, feiner knirschender eisschnee, dabei in einen baum verguckt, der zwei sehr lange schwere äste im freien raum hält, sie sehen aus wie arme, mit ellbogen.

baum mit weit ausragenden dicken ästen, sieht aus wie ein ent.

von einem wachsen zweige, die aussieht wie minibäume, mit zweigen, nach oben, bestimmt ist das so mit bäumen, ich bin ja stadtkind. war fasziniert von der rinde, beschneit, und den formen und farben darauf.

baum mit weit ausragenden dicken ästen, sieht aus wie ein ent.

von den bäumen auf ein großes hellgelbes haus aus dem ca vorletzten jahrhundert zugelaufen, gedacht, mal schauen, was das ist – das guthaus lichterfelde. ein familienzentrum mit kindergarten und anderen angeboten, es gibt ein sehr schönes geräumiges denkmalgeschützes cafe darin, mit großem runden kachelofen (leider außer betrieb), bestimmt im alten salon des hauses, mit einem kronleuchter und einer großen terasse davor, geöffnet di, mi und do von 10 bis 16 uhr, montags nur für familien. hatte den raum heute für mich, habe eine wunderbare kürbissuppe und einen pott kaffee bekommen, für 5 euro nochwas zusammen und durch die fenster auf die verschneiten park geschaut. im sommer bestimmt ein paradies, jetzt eine aus der zeit gefallene oase der ruhe.

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oh gräuliches grau

wie ich mich einmummeln möchte, verpuppen, in wärme und dunkelheit, bis die frostklammer nachlässt, haut und körper wieder sicher sind ist.

heute nacht geträumt, wie eins meiner kinder das andere mit einem schimpfwort beleidigt hat, dabei sollte das beleidigte kind gerade eine prüfung abhalten, es sass an einem kleinen altmodischen schulpult mit integriertem sitz in einem großen leeren raum in der mitte, in einer ecke darunter sassen an einem tisch die drei prüfer, die habe ich aber nicht erkennen können. ich rede mit dem kind, erkläre, wie beleidigungen verletzen können, mache mir sorgen, dass das prüflingskind jetzt abgelenkt wird. dann sagt auch die lehrerin dem kind, warum das nicht geht, und schlägt vor, dass er im nebenraum spielen geht. wir gehen zum raum, am boden sitzt ein kleines mädchen mit sehr dickem grauen haar, sie hält den kopf gesenkt, ihr gesicht kann ich nicht sehen. mit dem soll sich mein kind unterhalten, sagt die lehrerin.

ich erinnere träume selten, diesen habe ich mir gleich notiert, auch das gefühl, dass ich das mädchen mit den grauen haaren bin. gedacht, so könnte ich mal meine biografie nennen, das mädchen mit den grauen haaren.

heute in der nyt den sehr tollen text über d.i.d. gelesen, dissoziative persönlichkeitsstörung, ein mädchen wird in der kindheit vernachlässigt und misshandelt und erschafft aus schutz mehrere personen in sich, um so der vernichtungsgefahr von außen entkommen zu können, fühlte mich etwas (!) an meine, unsere traumpersonen erinnert, die ja wahr sind, in der traumgegenwart und in der erinnerung. gedacht, wir können nur im traum jemand anders sein, haben dabei aber diesen faden, der uns mit den traumfiguren in irgendeiner verbindung hält, einer kausalen, assoziativen, whatever. ein nervenfaden, eine zelllinie durch die bewusstseinsschichten, … (ich hör schon auf).

bei uns leben diese personen nur noch in den träumen, werden gelegentlich ins bewusstsein gelassen und sollen dann in wenigen sekunden mit starken bildern einen weg in die erinnerung finden. fascinating, wie spock sagen würde.

die vierte folge starfleet academy beim gucken vergessen, abgelenkt gewesen, anderes getan, zu wenig scifi für meine bedürfnisse. hoffe, der weltraum kommt wieder mehr vor. den schnipsel tagesalltag eines star-trek-schauspielers interessant gefunden, bis zu 19-stunden tage, omg.

irgendwo hier gelesen, dass früher™️ ein 30h-job schon als vollzeit galt (finde ich nicht mehr, text studie über kinderbetreuung und berufstätigkeit von frauen), sehr geärgert über das unerträgliche gerede dieser politiker, die von arbeit keine ahnung haben. weltfremd und verachtend ist das, disrespectful. ich bin mit meinen 35h relativ erledigt, mit 30 wäre ich besser beieinander, kann aber nicht davon leben, es ist ja so schon knapp. da liegen die vielen welten nebeneinander, und was sie vereinen könnte wären toleranz und interesse, vielleicht, der auf politische absichten hin verkürzte blick will ja nicht verstehen, sondern manipulieren.

ich trage seit jahren im berliner winter, also eigentlich fast immer mit ausnahme einiger wochen im fernen hochsommer, die wunderbaren schlichten wollshirts und -pullis der dänischen firma dilling. sie kosten relativ nicht viel und halten bei mir immer solange, bis ich sie versehentlich mit den restklamotten in der waschmaschine wasche, mit 40°, das mögen sie nicht. tip: bis 2.02. haben die 25% auf alles, die webseite ist leider überfordert, aber ich darf heut später zur arbeit und habe jetzt mal wieder eine weile ruhe.

berlin ist weiter unerträglich rutschig. ich gehe nur mit spikes unter den füssen herum, es bleibt grau und kalt, nur die bürgersteige glänzen und glitzern mit ihren eispanzern. heizkosten werden auch dieses jahr wieder astronomisch sein.

jetzt ruft mich der automensch an, bei dem mein auto letzten samstag trotz absprache nicht fertig war, wo ich denn bliebe. was für sitten.

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♾️ januar 2026

Der hohe Straßenrand, auf dem wir lagen,
War weiß von Staub. Wir sahen in der Enge
Unzählig: Menschenströme und Gedränge,
Und sahn die Weltstadt fern im Abend ragen.

(heym, berlin 1)

der ewige januar, ein monat mit 14 wochen, wie neulich jemand schrieb, in dem mir jede bewegung unangenehm ist, wo der alltag viel mehr kraft kostet, ein kurzer, kalter, dunkler tag nach dem anderen, die energiereserven nicht mehr auffindbar, jeder kilometer auf dem fahrrad wie eine weltreise, und kaum habe ich mich dann über die ersten paar stunden ins wachsein gekämpft, da wird es schon wieder dunkel. im januar läuft sogar die sehnsucht unter ferner liefen, der hunger reicht nicht für den hohen energieaufwand, und nur kakao bringt zuwenig proteine. ich bin pro winterschlaf.

auto abholen, das der übergenaue tüv-mann hat durchfallen lassen, zum ersten mal in meinem leben und in des autos existenz, wegen pipifax wie einem fehlenden stück plastik in der stoßstange und anderen kleinigkeiten, die bei keinem tüv davor irgendwen gestört haben. ein planungsfehler, ich sollte im januar absolut nichts zu erledigen haben, durchkommen ist schon genug aufwand, und 200 euro für die katz. ärgerlich. es mit fahrrad im kofferraum hingebracht, wie so eine studentin. ich hoffe, es hält noch eine weile, will es volltanken und reisefertig halten wg weltlage.

komme also da an, sagt der mitarbeiter, das auto sei gar nicht fertig, der chef habe für einen notfall wegfliegen müssen und vergessen, ihm den auftrag zu geben – und das falsche material sei geliefert worden, „wir sind ja alle nur menschen“. ich also den prenzlauer berg wieder raufgeradelt und an einer der zahllosen ewigen baustellen berlins durch den ultradoofen winkel des radweges von strasse auf bürgersteig mich noch mal hingelegt (5cm rand und kopfsteinpflaster). jetzt wieder bremse verbogen, knie und rippe und knöchel tun weh. sofort waren nette menschen zur stelle, haben mich wieder hingestellt und nach mir gesehen, das tat gut. ich bin nach ein paar vorsichtigen schritten dann weiter heimgeradelt, weil was sonst, aber meine laune ist jetzt eher unterirdisch, wir sind ja alle nur menschen. lektion erweitern: im januar einfach generell freistellen lassen und drinbleiben.

dann weiter grummelig, weil die zur ablenkung gesuchten katastrophenfilme jetzt alle extra kosten, statt wie früher inclusive zu sein, oder dauernd von werbung unterbrochen werden. (ich bin ja nur noch aus mir selber unangenehmer bequemlichkeit bei amazon, mir ist schon aufgefallen, dass dinge dort oft genau den postgebühr-betrag mehr kosten als anderswo, aber das streaming fand ich nett. jetzt wird alles aktuelle in kostenpflichtige zusatzkanäle ausgelagert, die klassiker kosten auch extra – die brauchen mich nicht mehr als kundin.) alles kündigen, ibus, nur noch lesen, zwar aus geiz und nicht aus guten absichten, aber es ist ja egal, warum, hauptsache, dass. argumente sind im rückblick nicht wichtig, nur fakten zählen, bleiben, schreiben geschichte, das ist ja leider überall so zur zeit. später klingelt spontan ein alter freund, aber ich mache nicht auf wg alter schule, die in schwachen momenten zwar alles dem internet anvertrauen kann, sich helfen lassen aber nicht vorsieht, ich dumme nuss. und montag kann ich bestimmt wieder laufen und zur arbeit.

aufgefallen, wie ultradreckig die bürgersteige im wedding sind, überall liegt etwas herum, ab mitte oder prenzlauer berg ist es wieder sauber, bestimmt touriprogramm.

meh-wochenende bis jetzt.

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mitten im kalten winter

„Because there’s cold like a crisp apple, invigorating, makes you feel alive; and then there’s cold like the dark side of the moon, the kind that makes you question your life choices.“ (KBHR 57am, NE)

es sind ja nur 0 grad, so kalt ist es eigentlich gar nicht, aber in berlin reicht das, weil niemand streut (es wäre die pflicht der anlieger, die dann 1, 2 handvoll sand vor der haustür verteilen, oder auch nicht, es kümmert keinen), nicht einmal die bürgersteige der danziger str. (große 6 spurige hauptstrasse mit strassenbahn in der mitte) sind problemlos begehbar, es ist inzwischen festes graues eis, spiegelglatt. früher hat mich das irgendwie nicht gestört, vielleicht entwickele ich angesichts meiner zerbrechlichen mutter da jetzt auch unsicherheiten, muss aufpassen, oder nee, morgen spikes unter die schuhe, dann läuft das. leute auf fahrrädern verstehe ich nicht, wünsche aber viel glück und glatte brüche, wobei einen tag später immerhin die strassen relativ uneisig aussehen, aber versuchen will ich es nicht, im totalen unterschied zu letztem jahr, wo ich dann eher so spielerisch aus der hüfte heraus trotzdem gefahren bin, da war halt mehr schnee auf dem eis. sehr genervt, weil ich soviele wege nur zu fuss oder mit den überfüllten und dauernd verspäteteten öffentlichen verkehrsmitteln machen kann. berlin ist so durch.

das „stromnetz berlin“ zeigt auf instagram, was sie grade tun, das ist hilfreich. heute wollen sie irgendwie ein ölkabel mit einem kunststoffkabel verbinden, das klingt schon etwas nach o’brien.

den idioten von der truppe, die den stromausfall durch einen anschlag verursacht haben, wünsche ich schnellstes geschnapptwerden, mögen sie danach vergessen werden, ich nenne nicht einmal ihren namen.

lange tage diese woche. ich mag keinen winter. versuche mich daran zu erinnern, wie lustig sich das knirschen anfühlt, wenn der schnee frisch gefallen ist, wieviel spass die kinder mit ihren schlitten auf jedem kleinen hügel haben, während wir beim spaziergang vorsichtig über die glatten wege des parks stapfen, aber nee, nix für mich.

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auf ein neues!

den 31. sehr schön bei freunden in südberlin verbracht, mit fondue und gesprächen, es war lustig und warm und es gab großartiges fleisch, ich hatte einen echten jieper darauf. zum ersten mal solche wunderkerzen-zahlen gemacht, es gibt auch jetzt immer noch neues im leben. ich bin das herz.

den ersten mit putzen und chillen verbracht, immer abwechselnd. nur bettwäsche muss ich noch wechseln. gefreut, dass es ein feiertag ist, war erst nach 2 im bett, mit den jungs telefoniert, der große hat ja geburtstag am 1. januar, nachts war keiner zu erreichen, nur meine mutter habe ich gesprochen. das neue jahr privat mit gelassenheit („wird schon werden“), gesamtgesellschaftlich mit bangen erwarten. im letzten jahr nie allein gefühlt, der gedanke an partnerschaft rutscht ins unvorstellbare, mir ist im ganzen jahr kein single auf freier wildbahn begegnet, mir fehlt manchmal das interesse, das nachfragen, die unterstützung, jemand der den einkauf hochträgt, die lampe anbringt oder den abfluss repariert, dauernd unterhalten möchte ich mich gar nicht, das kann ich nicht mehr, für den gelegentlichen mitteilungsdrang nutze ich das internet, danke dafür, liebe leser*innen. finanziell wäre ein besserverdienender hausgenosse schon praktisch, urlaub oder essen gehen wären nice-to-have, aber es geht auch so, irgendwie, ich brauch ja nix, ich hab ja alles.

empfehlung für die berliner*innen: schaut euch diane arbus im martin gropius-bau an, eine riesige menge an bildern, alle außergewöhnlich, schön mittig im raum auf metallstreben gehängt, hier eins meiner liebsten, passend zum jahreswechsel:

"Movie theater lobby, N.Y.C. 1958
Kinofoyer, New York City 1958" foto von diane arbus, ausstellung im gropius-bau, berlin

ich war mit einer freundin gleich am montag früh dort, es war ein geschenk. es war noch wenig los, wir sind herumgelaufen, bis wir satt waren an bildern, dann kaffee und kuchen im cafe und ein paar postkarten im shop. es gibt keinen katalog, aber viele sammelbände mit ihren bildern sind zu haben, ein glück, ich habe WIRKLICH genug kataloge, die ich alle nie ansehe.

die freundin und ich mochten auch das mit den badehauben sehr, mit lächelnden gesichtern, die menschen auf ihren bildern sind sonst eher ganz bei sich, ernst, abwesend.

foto von diane arbus, von der ausstellung im gropius-bau berlin, es zeigt eine gruppe von lachenden menschen in badehauben

(die ausstellung heisst constellations, ähnlich wie die bar in crans-montana („le constellation“), in der gestern nacht ein katastrophaler brand über 40 meist junge menschen getötet hat. gleich den jungs warnungen vor wunderkerzen in geschlossenenen vollen räumen geschickt, so sind mamas halt. ich hoffe, dass viele der schwerverletzen überleben, dass die eltern bald erfahren, was mit ihren liebsten ist. nie zur silvesterparty in einen unterirdischen club mit dämmschutz gehen.)

es schneit schon wieder ein bisschen, wie schön, ich hoffe, es bleibt etwas liegen.

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alt und neu

heut ist der letzte sohn auch gen freunde und party abgereist, jetzt bin ich noch ein paar tage ganz für mich, also mit morgen anreisendem neuen hausgast, darum heut sehr viel gewaschen. es sind noch mehr bettdecken als vorher da, verstehe das gar nicht. vielleicht vermehren die sich von alleine, so geballt im schrank.

das letzte jahr war ein gutes, der neue job hat viel mehr als erwartet verändert, ich bin wieder mehr die alte, da ist noch feintuning mit der arbeitszeit nötig, aber ich hoffe, es bleibt so spannend und positiv. viel mehr energie für kultur, ausgehen, freundinnen gehabt, wieder viel spontaner gewesen, alles fühlt sich leichter an, wieder auf dem weg, beim ausgehen und dinge unternehmen ist immernoch viel luft nach oben. vielleicht hatte mich der letzte job auf die dauer doch in eine form von depression getrieben? es ist erstaunlich, was für einen riesigen einfluss aufs befinden die arbeit hat.

60 geworden, das spielt auch eine rolle, weil die kraft ja weiter abnehmen wird, anspruch und erfahrung aber nicht. ich weiß um die endlichkeit und kostbarkeit von allem.

in den freien tagen gleich den vorsatz umgesetzt, mal wieder mehr auf mein äußeres zu achten, wie früher, als mir das inhärent wichtig war. hemden blusen anprobiert, ein paar sind über der brust oder am arm zu eng geworden, aussortiert. ich nehme bis jetzt tatsächlich nur an oberweite zu, das ist ganz okay eigentlich. ich möchte ja meinen kleiderschrank tendenziell reduzieren, es fällt mir schwer, die dinge in die (altkleider-) tonne zu werfen, besonders die schönen stücke, aber tatsächlich geht mein interesse an den schönen teilen anderer leute auch eher gegen null. ich kaufe nix mehr dazu, außer wenn das alte verbraucht oder abgetragen oder sonstwie ruiniert ist, oder wenn ich mich mal verknalle in irgendwass, zuletzt ein dunkelblaues samtjackett, beim begleiten einer freundin beim shopping, das trage ich auch viel zu selten. das kann ich heut zur silvesterparty bei freunden anziehen.

es hilft ja schon, sich beim einsatz von haarspangen und ähnlichem vor den spiegel zu stellen, statt es ohne hinzusehen im gehen zu erledigen. ich habe schon so ein bisschen die unsichtbarkeit der letzten jahre absolut gesetzt, mir scheint, als sollte ich mir wieder einen stil aussuchen, statt ihn geschehen zu lassen. nicht bei minusgraden allerdings, grade geht nur der dicke wintermantel.

wünsche euch allen einen wunderbaren neustart ins neue jahr, gehabt euch wohl! lasst weiterhin träume wahrwerden, behaltet träume, lebt sie aus. das leben ist wunderbar.

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sex sells

die kinder wünschen sich haushaltswaren und küchengeräte dieses jahr, nur praktisches, das rührt mich irgendwie. wie immer ist der geburtstag des großen eine woche nach weihnachten eine herausforderung, dieses jahr feiert er in trier, da kann ich ihm dinge hinschicken. sie kommen immer mit extra gepäck, weil sie mich kennen, aber dieses jahr habe ich wirklich nur kleinkram für sie. die bücher fehlen noch, hatte schon sonia and sunny auf englisch gekauft, es klang ganz gut, beziehung, venedig und so, aber es ist ein 650-seiten-ziegelstein hier angekommen, da kann das buch noch so gut sein, das schafft keiner, das gebe ich wieder ab. mich nervt es sehr, dass niemand mehr kürzen kann, verstehe das nicht. was ist damit bewiesen, was ist an dieser textfülle unverzichtbar, welchen literarischen wert hat all das gelaber? nun gut, mit etwas glück sind es landschaftsbeschreibungen, das würde ich dann lesen können, aber halt über 600 seiten auch nicht wollen.

im theater gewesen, constanza macras‘ abschiedsvorstellung gesehen. hab sonst von ihr wenig mitbekommen, war gespannt. saal ausverkauft, saß hinten im parkett, mitten in der reihe. und dann kam eine große truppe von tänzerInnen in sehr spärlichen fetisch- und lederkostümen oder ganz nackt, und machte eine stunde lang poledancing oder eben diese direkte erotische anmache, die man manchmal in amerikanischen filmen sieht, wenn die leute dort in einen nachtclub gehen. es wird viel mit den pobacken gewackelt, in stringtangas, das haben sie eine stunde lang durchgezogen. wers mag – ich habe meine sexuellen bedürfnisse grad tief verstaut wegen kein bedarf und wollte eigentlich nach 20 minuten schon wieder gehen, fand es übergriffig und doof, weil es außer der erotik wenig gab, was ich darin sehen konnte. einer der tänzer ist am anfang eine große treppe runtergestürzt, weil die stufen in der sekunde eingeklappt wurden, als er grade auf die oberste getreten ist, es sah nicht gewollt aus (warum auch, ein sturz wäre zu real in der getanzten welt), kam aber wieder auf die füße unten. das war bestimmt schmerzhaft. die tänzer*innen sind alle sehr gut, sehen sich ähnlich, leicht androgyner typ mensch.

die choreografie war bisschen wie diese zu dicken bücher: es wird nix mehr interpretiert oder gestaltet oder künstlerisch transfiguriert, es wird keine auswahl getroffen, man erzählt oder zeigt einfach alles, stun-den-lang, um seiten und minuten zu füllen. sehr öde. ich vermute, constanza macras findet das alles sehr aufregend mit dem berliner sex-nigthlife, vielleicht wurde sie nicht ins kitkat gelassen und bringt das jetzt eben auf die bühne? schön waren die zwischengestreuten passagen aus isherwoods berlin-roman, den ich jetzt nocheinmal lesen möchte, aber auch da fehlte mir die dramaturgische einbindung in die choreografie, die tänzerInnen machen halt ihrs. zweite stunde ging es um gewalt, wieder choreographisch dargestellt, mit aufgemalten skeletten wurden schlacht und tod getanzt, da habe ich in den einzelnen tänzerischen ideen das wiedergesehen, was mich hieran so fasziniert, der schnelle wechsel zwischen ganzem körper und einzelnem körperteil im bewegungsablauf, generell zwischen stillstand und raserei, das ist hohe kunst. aber es war bei macras eben nur eine art refrain, keine wechsel, keine spannung, keine dramaturgie innerhalb der szene, alle tanzen dasselbe.

gewalt ist halt auch eher ein angstthema bei mir, es dauerte wieder ewig, und das, nachdem ich schon eine stunde sex aushalten musste, hier konnte ich schlecht weg, weil mitten in der reihe sitzend. als dann in der letzten von zweieinhalb stunden in einer passage wieder die lautstärke sehr weit hochging, habe ich es endlich innerhalb von sekunden in den selbstschutz geschafft und bin raus. merken: in der volksbühne statt hörgerät immer hörstöpsel tragen, nur noch in stücke mit pausen gehen. es ist holzhammertheater, fand den abend belästigend und nervig. fühlte mich alt. es ist nur noch ein weiterer gast vor ende gegangen, vielleicht ist mein geschmack, sind meine ansprüche wirklich altmodisch. publikum zu ca 70% jünger als ich.

dritter advent heute, das ist jetzt schnell gegangen. noch eine woche arbeiten, dann endlich 2 wochen dringend benötigter pause. heut geh ich vielleicht mit einem besuch noch in die neue nationalgalerie, wollte eigentlich vor neuen kulturellen unternehmungen die lang erwartete ankunft meines schwerbehindertenausweises abwarten (diabetes und ohren), aber das dauert noch, und kunst mit freunden macht mehr spass als alleine. gemerkt, dass ich beim antragstellen meinen tinnitus vergessen habe.

gerstern bei aufpumpen des fahrrads im hausflur sagte ein vorbeigehener mann: „großartig, selbst ist die frau, weiter so!“ hätte ihm gerne ein bein gestellt, aber er war schon durch. was ist mit den leuten? außerdem ist der reifen platt und ich muss heut noch flicken. der hinterreifen, natürlich.

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ognissanti

ich bin ja so eine etwas schwankende agnostikerin, die an den feiertagen und -zeiten, wie weihnachten und ostern, sehr deutlich in richtung glauben kippt, ich fühle mich dann geborgen und kann das nichtwissen genauso ignorieren wie das wissen darüber, wieviel unfassbares leid die religionen über die menschheit gebracht haben, wieviel unrecht den frauen angetan wurde und wird, usw usf.

ab reformationstag bin ich gefühlt wieder christin und ärgere mich darüber, dass es im geizigen berlin keinen freien tag dafür gibt. ich war früher mal bei einem kirchlichen arbeitgeber, da durfte ich freinehmen, wenn ich einem gottesdienst beiwohnen wollte. stattdessen im job halloween gefeiert, das war auch okay.

in italien ist der 1. november ein (katholischer) feiertag, allerseelen, da gedenkt man der toten, zündet ihnen für die dunkle jahreszeit eine kerze an, ich erinnere mich an die fotos von hell erleuchteten friedhöfen, kannte und kenne aber niemanden, der selber was angezündet hat, klar, wir waren alle knapp über 20 damals, da hatten wir noch keine toten, aber es war auch niemand auf diese art gläubig, das waren die anderen. wobei halt, eine klassenkameradin musste sogar zur frühmesse um 5, jeden tag, das wurde als sehr, sehr sonderbar und eher eine art von mißbrauch angesehen.

inzwischen trage ich meine toten so mit mir herum, sie sind teil des inneren panoptikums, denke sozusagen immer und nie an sie.

ich mag den jetzigen umgang mit allerseelen lieber, die geister werden im lebendigen gefeiert, die toten und ihre gespenster in einer kindgerechten form, sie werden mit süßkram beschenkt, damit sie den lebenden wohlgesonnen bleiben, und ziehen wieder von dannen. auf dem heimweg über die vielen kinder auf beutezug gefreut, gefühlt eher unter 10 jahren, die meisten mit ebenfalls verkleideten müttern.

der gregorzwilling war hier, auf einer party, und ist als zombie-cowboy gegangen. er war grade los, da hat es an der tür geklingelt, und ein kleiner zombie sagte seinen spruch auf, auf englisch, ich hatte was da und hab erzählt, dass eins meiner kinder grade auch als zombie los ist, da hopst der kleine auf und nieder und sagt: „I saw him! I saw him! He shot me!“. zum glück hatte ich meine minimal-verkleidung noch an, mit inzwischen passend verschmierter schminke.

vielleicht heute mal wieder in einen der wenigen fantasy*-romane schauen, die ich mag und gelegentlich lese, wie den herrn der ringe (seit jahren nicht mehr, schade) in der schönen originalausgabe aus den endsiebzigern, oder susan cooper mit ihrem feinen „the dark is rising“. deborah harkness mit den folgebänden ihrer all souls-trilogie ist auch noch auf der ersten kindle-seite, und den letzten roman der „rivers of london“-reihe von ben aaronovitch hab ich auch noch nicht durch.

oh, zu fantasy: ich hab wirklich besser denken können früher. noch mal den beim thema serien verlinkten vortrag von lev grossman geguckt, er hat mit einigem drama geschildert, wie im 18. jh „der realismus“ über die literatur kam:

„… reading culture developed a huge obsession with realism, realism clamped down on literature and became the definition of what literature was. Fictional worlds were supposed to look like the real world, and the other stuff, the fantasy stuff, the goblins, whatever else, it got pushed into various different margins. It got pushed down to the children, it got pushed off to the supermarket racks, gothic literature, to the genres. And this death grip of realism, it only tightened when the modernism came along, who really codified it. But this wasn’t always the case. You go back a little further, you get into shakespeare …“

usw, bei shakespeare gab es noch hexen, geister, alles. er bringt gattung und inhalt durcheinander, und die beschriebene trivialisierung oder infantilisierung hat ja auch mit anderen inhalten stattgefunden und sie nicht als ganzes diskreditiert, wie liebesromane oder historienschinken, aber diesen kleinen rechtfertigungsdrang habe ich auch immer noch, wenn ich das lese, phantastik (kling seriöser als fantasy) als eher gebrauchsliteratur, die nur im kinderbuch okay und erwünscht ist, im gutbürgerlichen bücherregal der erwachsenen aber keinen platz mehr hat. das habe ich mit der muttermilch eingesogen und empfinde immernoch diese absurde kleine scham, die ich beim lesen schnell wieder vergesse, sind doch die bücher oft eher plot-driven und bleiben in bewegung, sind leicht lesbar, haben keine eigene stilistische metaebene, also doch eher für eskapismus geeignet, yadda yadda, nu, so ist es halt.

ich bin aus der schuld- und scham-generation, immer wieder erstaunlich, wie tief das eingesickert ist durch erziehung etc. ich fühle das noch, kann aber drüber lachen, nach einer gelegentlich zu langen weile, dermassen dankbar, dass die zeiten anders sind.

dabei fällt mir auf, warum ich die oben erwähnten nicht weitergelesen habe: weil der ínhalt bei ihnen, oft in einer nichtersten folge der romanserie, zerfranst ist, es zuviele figuren gibt, die linien sich verlieren etc. – das ist die gefahr bei diesen büchern, wenn der plot oder die plotentwicklung schwachstellen haben, bleibt wenig grund zum weiterlesen.

ohje, da bin ich irgendwie in ein zu weites feld geraten beim bloggen. flüchten oder standhalten, löschen oder nicht? hilfe beim sortieren wird gern angenommen.

in der wikipedia auf den begriff „sozialistischer realismus“ gestossen, gleich an irmtraud morgner gedacht, die ja in der ddr veröffentlicht hat, die hab ich in den neunzigern vielleicht auch deshalb gern gelesen, weil sie diesen klugen und schön selbstverständlichen umgang mit phantastik hat, zb in der trobadora beatriz, erinnern kann ich mich aber nur ans buch selber, hell-lila einband, sammlung luchterhand, nicht mehr an den inhalt. den verlag gibt es erfreulicherweise noch, er gehört jetzt penguin, das buch erscheint inzwischen bei btb.

(upsi. zu lang wieder, sry)

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fr/sa/so ende oktober 2025

gemerkt, dass sich auf der to-do-list einige dringliche aufgaben sammeln, wie vorsorgevollmacht, pflegegeldversicherung, allgemein die regelung der dinge. und der notar, bei dem ich früher einiges erledigt habe, ist seit jahren in rente, mal im freundeskreis fragen. immerhin sind die kontovollmachten erledigt. der herbst, der herbst.

äste eines gingko-baumes, mit gelben blättern vor blauem himmel

am wochenende auf einer runde doch noch kurz die chance genutzt, die farben zu dokumentieren, ich schaue ansonsten einfach die bilder vom letzten jahr an, moment, es sind bilder von vor 4 jahren, als ich zwischen jobs war, emma noch lebte und ich endlos viel zeit für hunderunden hatte. das war schön.

angesichts der zerstörung von teilen des weißen hauses noch einmal the residence geguckt, eine großartige hommage ans weiße haus als historisches gebäude, kennt ihr alle, oder? beim zweiten mal genauso spannend, detailreich und liebevoll gearbeitet, die perfekte führung durchs haus.

zur zeit dauernd besuch, an den wochenenden die zwillis mit freundinnen abwechselnd, freunde, verwandte, alle wollen nach berlin, nur ich vermisse den glamour und das großstadtgefühl, mein leben verläuft in sehr festen bahnen, ich erwarte gar nichts mehr, immerhin morgen theater, mit premierenkarten von der freundin, die grade anreist, die marquise von o am dt, die ich zuletzt als leicht pornösen comic von ich glaube manara gelesen habe? nee, es war guido crepax, die geschichte der o, habs noch im regal. nagut, das ist doch bisschen glamour.

es war dann ein sehr guter theaterabend, intensiv, text dicht und gleichzeitig unaufdringlich, dokumentarisch, selbstverständlich gesprochen von den frauen, die vergewaltigt wurden und darüber erzählen. bei kleist ist die marquise von o plötzlich schwanger und weiß nicht warum, das geschehene wird durch einen gedankenstrich angedeutet, sie soll dann verheiratet werden, entscheidet sich erst dagegen, dann dafür, im stück werden dann die schicksale anderer frauen geschildert, und die noch heute immer mal wieder unterstellte mitverantwortung der frauen (grad wieder hier) an der ihnen angetanenen gewalt ist bei diesen fällen ausgeschlossen, weil die frauen ohne bewusstsein waren, schlafend, betäubt, entführt, absolut wehrlos. im stück jetzt sprechen sie, während die ein oder zwei tätertexte wie nebenbei, sehr laut und demonstrativ und mit so einem hö-hö-hö rüberkommen, gesungen werden, gereimt, auf anderer ebene theatralisch rüberkommen, das schauspiel der männer, wie etwas, das nicht ins stück gehört, nicht zu den frauen, die erzählen, was ihnen passiert ist. na, müsste ich besser ausarbeiten, das ist noch ungenügend beschrieben. geht hin, empfehlung.

sehr berührender und manchmal schwer auszuhaltender abend, die wut bleibt und kommt mit nach hause. keine sekunde gelangweilt.

noch premierenbierchen in der masse an besuchern, das dt hat ja diese schöne große terasse, es war warm genug, draussen noch ein zigarettchn zu schnorren. bekannte getroffen, leute geguckt, dann früh nach hause geradelt.

jetzt ist samstag, 21 uhr, der tag war wunderbar lang, mit der freundin gefrühstückt, dann runde über den kollwitzmarkt, der zur zeit sehr hipsterig ist, oder wie auch immer der style jetzt heißt, wenn die leute sich extrem herausputzen, obwohl sie nur einkaufen gehen. bisschen eingekauft, dann gechillt, gebloggt, nette halloweenkarten gefunden, die ich nächste woche mit den kindern machen kann. nochmal los für stifte und drogeriekram, alle stifte sind von meinem schreibtisch verschwunden, da liegen nur noch marker und einzelne buntstifte, alles andere wurde vergesellschaftet. gemerkt, dass stifte jetzt auch mind. das doppelte kosten, geärgert, ich kaufe für mein leben gerne stifte und habe immer eine große auswahl zur verfügung. in der großdrogerie haarspangen und stifte gefunden, bin jetzt wieder versorgt.

14:42, die eine analoge uhr erst mittags umgestellt, aber jetzt schon vergessen, ob die uhr vor- oder zurückgestellt worden ist heut nacht. hab keinen sinn dafür, obwohl ich weiß, dass ich morgen eine stunde später zur arbeit muss, dass 8 uhr morgen wie neun uhr gestern sein wird, was ich sehr begrüße. die freundin wieder verabschiedet, abends noch spontanen besuch zum tee bekommen, sehr nett.

habt ihr auch unterschiedliche services für die unterschiedlichen freundInnen? also umgekehrt: bietet ihr euren freunden bei besuchen jeweils unterschiedliches porzellan an? mir ist das heute aufgefallen, einigen stelle ich die dicken bunten iittala-becher vor die nase, anderen das feine meissen, oder die eleganten und sehr schlichten weißen arzberg-tassen. die italienischen tassen von ginori, mit blømstern, sind eher was für damen in meinem alter. meine auswahl ist wiederholbar, mir aber noch nie aufgefallen.

zu einer party in einem tangolokal eingeladen worden, bin leider heut nach viel spazierengehen und nassregnen zu müde, aber ich kann ja mal wieder auf so eine nachmittagsmilonga gehen, mal schauen, ob tango noch geht nach ähm jahren. falls ich meine schuhe wiederfinde.

upsi, wochenende schon wieder vorbei, viel zu schnell, viel zu kurz.

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24. august 2025

blick auf einen steg mit einer leiter, im wasser ein paar segelbooten, am anderen ufer sieht man wald.

ich hatte meinen rucksack mit badezeug mit auf den ausflug zum alten haus meiner freundin am stadtrand, hab ihn aber nicht gebraucht. sie geht vor, ganz selbstverständlich, zieht sich aus, ist schon ein paar meter vom steg weg, ich bin eher vorsichtig aus allen klamotten geklettert, die leiter runter und ab ins wasser, zur feier des wohl letzten bades im jahr. das wasser schliesst sich dann ganz um den körper, ein kühler und glatter mantel, in langen zügen schwimmen, den kopf vorsichtig mit unter wasser nehmen, die oberfläche schließt sich über mir, nach ein paar zügen wird das wasser etwas angenehmer, es ist grün und riecht etwas erdig. die freundin schwimmt richtig eine weite runde, ich drehe ein paar kreise in stegnähe, es ist alles voller segelboote und kleiner passagierschiffe. dann zurück, die moosige leiter hochklettern, noch eine viertelstunde auf den steg, wir liegen nebeneinander, mit jeder zelle im jetzt, in schönheit. von der sonne trocknen lassen, sie wärmt unsere haut, man spürt jeden strahl, bis sie hinter den wolken verschwindet und es sofort ein paar grad kälter wird.

hab endlich wieder musik im auto. die jungs waren nicht beeindruckt.

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