lichtlein

sehr volle tage, auf arbeit und not, dabei aber im grünen bereich, ich bin allerdings meistens bis 22 uhr im bett, wache nachts auf, erholung selten ganz optimal, aber es reicht. adventskranz gebunden, die sparsame wohnungsdeko erst ab 1. advent, weil mich diese regel an die anderen rituale erinnert, als die kinder noch hier wohnten, den selbst gefüllten adventskalender, das adventssonntagsfrühstück im wohnzimmer mit panettone und stollen. der gregor-zwilling ist dieses jahr überraschenderweise dabei, eine party, ein hoch auf die partys! – das gesetzte all dieser erinnerungen, sie funktionieren, nur weil ich irgendwann damit angefangen hab. tröstlich daran: wie wählbar und verfügbar das ist, es gibt einen gestaltbaren anteil der kindheitserinnerungen, wie wichtig es ist, das gut zu machen.

der david-zwilling war in giessen dabei, wo eine gegendemo versucht hat, die gründung einer rechtsaußenen jugendbewegung zu verhindern. er ist nachts um 4 mit dem bus dorthin gefahren, war dann den ganzen tag auf den beinen und ist erst heute nacht wieder zuhause gewesen, ein sehr löblicher einsatz. es wurde trotzdem gegründet natürlich. so sind die zeiten.

auf netflix die epstein-doku angefangen, riesiger ekel. nicht zuende geguckt. gemerkt, dass sich auch graydon carter, ex vanity fair, jetzt airmail, vor der verantwortung gedrückt hat und einen hinweis auf den missbrauch zweier mädchen nicht mit abgedruckt hat in einem portrait von epstein. damit ist airmail jetzt durch, gekündigt, aber das wird keinen kümmern natürlich, die bros kommen immer irgendwie durch mit ihrem scheiss.

pflegezusatzversicherung erledigt, das war mir ein anliegen. nicht weil ich damit rechne, mal im pflegeheim oder pflegebedürftig zu enden, sondern weil das eben passiert, bei uns mutter und tante, alle beide in den neunzigern. hatte den antrag vor paar jahren schon mal angefangen, dann war es mir als ewiger optimistin doch zu teuer, jetzt sind es schon 40€ mehr pro monat. ist viel geld, aber der eigenanteil wäre erheblich größer, und selbst nach schenkung des besitzes an die nachkommenschaft kann das sozialamt in den ersten 10 jahren anspruch drauf erheben – ich bin typ einserin und fahre rad in der stadt, das ist risiko genug 😉

können sie mir eventuell gute bücher für die söhne empfehlen? ich bin so draussen leider. sie sind erwachsen, noch unter dreissig mitte zwanzig.

die kauf-was-hysterie im internet nervt. ich brauche nichts, vielen dank, und komme mir damit schon sonderbar vor, als sei das kramkaufen teil meiner bürgerinnenpflicht. dann kaufe ich für einen sohn etwas im internet und bin 50/50 erfreut und gegruselt, als es einen tag später gebracht wird. weil ich das den anderen nicht kaufen kann, besorge ich ihnen ein äquivalent, und weil ich schon mal dabei bin, auch eins für mich. die vielen aspekte meiner person glitzern etwas bei richtiger beleuchtung, die scham ist einer dieser aspekte, kein großer, but still.

euch allen eine schöne adventszeit!

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just dropped

ihr kennt ja meine schwäche für die mp, für mich nach wie vor das schönste stück musik überhaupt. wie gern wär ich bei der wiederaufführung dabeigewesen, 1829 in der berliner singakademie, wo immer die gewesen sein mag*, eine dame zwischen all den herren. die erstige wiederaufführung von zwei orgelstücken bachs verfolge ich ganz zeitgemäss leider auch nicht in irgendwelchen heiligen hallen, sondern an einem dunklen abend im november unter kopfhörern vor meinem rechner. es gelingt mir aber, trotzdem aufgeregt und bewegt zu sein, immerhin spielt ton koopman in der thomaskirche in leipzig, und kein platz im konzert hätte mir so eine sicht auf noten, tasten, künstler ermöglicht.

* sie wurde 1943 durch bomben zerstört, nach dem krieg wurde dort das maxim gorki theater hingebaut. die akademie gibt es immer noch, sie probt 2mal wöchentlich in moabit, man kann mitsingen, wie wunderbar ist das denn? ich schaff ja leider nicht mal einen festen abendtermin pro woche und meine stimmt altert natürlich genauso wie der ganze rest.

jetzt mit dröhnender orgel durch die wohnung laufen und wäsche abhängen, ausnahmsweise, ich mag orgeln deutlich lieber mit kirchenraum drumrum. die vielgestalt gleichzeitig anwesender gefühle wie immer eine freude. ich erkenne bach an seinen stellen, die bassläufe, das verspielte, leichtfüßig schöne, die diskrete perfektion. die suche nach diesen stücken, das bacharchiv, da würde ich sehr gern mal eine doku drüber sehen und hören.

(mitten in der mitte der neuen uraufführung leider fast eine stunde mit diversen reden, hoffentlich schneidet die noch jemand raus, was für eine zumutung. omnia vanitas)

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vista mare

usseliges wetter. genieße die ruhe, leises tröpfeln auf der balkonbrüstung. kein licht. abendliche ausflüge in andere möglichkeiten, vielleicht ein nettes kleines häuschen überm meer? irgendwo nicht ganz in der nähe, und nach ein paar wochen erinnere ich mich gar nicht mehr so genau an berlin und seine vielen regeln und bedingtheiten, die riesige stadtfläche, schlecht beleuchtet, mit strassen voller nassem laub, weil nie einer aufräumt. nach ein paar weiteren wochen habe ich wieder muskeln vom treppenlaufen. leider hat es keine heizung.

foto einer aussicht aufs meer, von der immoseite idealista.

weihnachtsgeschenke, mal schaun, mal sehen. dachte an kunst, wollte den zeichnen-begabten davidzwilling in die farbenwelt locken, aber so etwas wie mein uralter lukas-aquarellkasten, metall, 24 farben, ist heute eher ein anlageobjekt. werde meine diversen kästen mal zusammensuchen und aufarbeiten oder neu füllen, das geht bestimmt auch. oder das fördern, was da ist, vielleicht einen kurs schenken?

andererseits ist die phase abgeschlossen, früher hab ich alles gefördert, was ans licht kam, hab sie aber nicht zur nötigen täglichen arbeit angehalten, die mir ja selber nicht entspricht. wenn sie malen wollten, würden sie es tun, die sehnsucht nach der zeit, als ich dran war an den kindern, mitgestalten konnte und musste, das selbstverständliche daran.

der partner meiner tante ist am wochenende immer losgezogen, in die fränkische schweiz, mit seinem kleinen kasten aquarellfarben, und hat die landschaft gemalt. es war so, dass ich ihn ganz selbstverständlich als künstler wahrgenommen habe, er hat es auch mit dem gebotenen ernst gemacht, den ich bei eigenen ausflügen ins zeichnen oder musizieren vermisse, beim schreiben eigentlich nicht. die eigenen begabungen respektieren. die ganze familie hat bilder von ihm an der wand.

julian lage is back in town, 7. mai im huxleys, aber ich werde schon bei der vorstellung müde, einen abend unter der woche 3 stunden stehen zu müssen. vielleicht, wenn jemand mitkommt.

nachricht von anita, freundin meiner mutter, die mit 90 noch mit ihrem porsche herumfährt. sie ist jetzt doch in ein altersheim umgezogen. die haben wir alle bewundert, erzählt sie, die schöne anita.

die trauer, dass ich nicht so bin wie sie, so gesund, schön und unkompliziert, und das gefühl, dass sie mir das auch immer noch vorwirft, ihre mit scheu durchsetzte ahnungslosigkeit, was mein leben angeht. hoffe sehr, dass ich bei meinen kids anders sein kann.

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ognissanti

ich bin ja so eine etwas schwankende agnostikerin, die an den feiertagen und -zeiten, wie weihnachten und ostern, sehr deutlich in richtung glauben kippt, ich fühle mich dann geborgen und kann das nichtwissen genauso ignorieren wie das wissen darüber, wieviel unfassbares leid die religionen über die menschheit gebracht haben, wieviel unrecht den frauen angetan wurde und wird, usw usf.

ab reformationstag bin ich gefühlt wieder christin und ärgere mich darüber, dass es im geizigen berlin keinen freien tag dafür gibt. ich war früher mal bei einem kirchlichen arbeitgeber, da durfte ich freinehmen, wenn ich einem gottesdienst beiwohnen wollte. stattdessen im job halloween gefeiert, das war auch okay.

in italien ist der 1. november ein (katholischer) feiertag, allerseelen, da gedenkt man der toten, zündet ihnen für die dunkle jahreszeit eine kerze an, ich erinnere mich an die fotos von hell erleuchteten friedhöfen, kannte und kenne aber niemanden, der selber was angezündet hat, klar, wir waren alle knapp über 20 damals, da hatten wir noch keine toten, aber es war auch niemand auf diese art gläubig, das waren die anderen. wobei halt, eine klassenkameradin musste sogar zur frühmesse um 5, jeden tag, das wurde als sehr, sehr sonderbar und eher eine art von mißbrauch angesehen.

inzwischen trage ich meine toten so mit mir herum, sie sind teil des inneren panoptikums, denke sozusagen immer und nie an sie.

ich mag den jetzigen umgang mit allerseelen lieber, die geister werden im lebendigen gefeiert, die toten und ihre gespenster in einer kindgerechten form, sie werden mit süßkram beschenkt, damit sie den lebenden wohlgesonnen bleiben, und ziehen wieder von dannen. auf dem heimweg über die vielen kinder auf beutezug gefreut, gefühlt eher unter 10 jahren, die meisten mit ebenfalls verkleideten müttern.

der gregorzwilling war hier, auf einer party, und ist als zombie-cowboy gegangen. er war grade los, da hat es an der tür geklingelt, und ein kleiner zombie sagte seinen spruch auf, auf englisch, ich hatte was da und hab erzählt, dass eins meiner kinder grade auch als zombie los ist, da hopst der kleine auf und nieder und sagt: „I saw him! I saw him! He shot me!“. zum glück hatte ich meine minimal-verkleidung noch an, mit inzwischen passend verschmierter schminke.

vielleicht heute mal wieder in einen der wenigen fantasy*-romane schauen, die ich mag und gelegentlich lese, wie den herrn der ringe (seit jahren nicht mehr, schade) in der schönen originalausgabe aus den endsiebzigern, oder susan cooper mit ihrem feinen „the dark is rising“. deborah harkness mit den folgebänden ihrer all souls-trilogie ist auch noch auf der ersten kindle-seite, und den letzten roman der „rivers of london“-reihe von ben aaronovitch hab ich auch noch nicht durch.

oh, zu fantasy: ich hab wirklich besser denken können früher. noch mal den beim thema serien verlinkten vortrag von lev grossman geguckt, er hat mit einigem drama geschildert, wie im 18. jh „der realismus“ über die literatur kam:

„… reading culture developed a huge obsession with realism, realism clamped dow on literature and became the definition of what literature was. Fictional worlds were supposed to look like the real world, and the other stuff, the fantasy stuff, the goblins, whatever else, it got pushed into various different margins. It got pushed down to the children, it got pushed off to the supermarket racks, gothic literature, to the genres. And this death grip of realism, it only tightened when the modernism came along, who really codified it. But this wasn’t always the case. You go back a little further, you get into shakespeare …“

usw, bei shakespeare gab es noch hexen, geister, alles. er bringt gattung und inhalt durcheinander, und die beschriebene trivialisierung oder infantilisierung hat ja auch mit anderen inhalten stattgefunden und sie nicht als ganzes diskreditiert, wie liebesromane oder historienschinken, aber diesen kleinen rechtfertigungsdrang habe ich auch immer noch, wenn ich das lese, phantastik (kling seriöser als fantasy) als eher gebrauchsliteratur, die nur im kinderbuch okay und erwünscht ist, im gutbürgerlichen bücherregal der erwachsenen aber keinen platz mehr hat. das habe ich mit der muttermilch eingesogen und empfinde immernoch diese absurde kleine scham, die ich beim lesen schnell wieder vergesse, sind doch die bücher oft eher plot-driven und bleiben in bewegung, sind leicht lesbar, haben keine eigene stilistische metaebene, also doch eher für eskapismus geeignet, yadda yadda, nu, so ist es halt.

ich bin aus der schuld- und scham-generation, immer wieder erstaunlich, wie tief das eingesickert ist durch erziehung etc. ich fühle das noch, kann aber drüber lachen, nach einer gelegentlich zu langen weile, dermassen dankbar, dass die zeiten anders sind.

dabei fällt mir auf, warum ich die oben erwähnten nicht weitergelesen habe: weil der ínhalt bei ihnen, oft in einer nichtersten folge der romanserie, zerfranst ist, es zuviele figuren gibt, die linien sich verlieren etc. – das ist die gefahr bei diesen büchern, wenn der plot oder die plotentwicklung schwachstellen haben, bleibt wenig grund zum weiterlesen.

ohje, da bin ich irgendwie in ein zu weites feld geraten beim bloggen. flüchten oder standhalten, löschen oder nicht? hilfe beim sortieren wird gern angenommen.

in der wikipedia auf den begriff „sozialistischer realismus“ gestossen, gleich an irmtraud morgner gedacht, die ja in der ddr veröffentlicht hat, die hab ich in den neunzigern vielleicht auch deshalb gern gelesen, weil sie diesen klugen und schön selbstverständlichen umgang mit phantastik hat, zb in der trobadora beatriz, erinnern kann ich mich aber nur ans buch selber, hell-lila einband, sammlung luchterhand, nicht mehr an den inhalt. den verlag gibt es erfreulicherweise noch, er gehört jetzt penguin, das buch erscheint inzwischen bei btb.

(upsi. zu lang wieder, sry)

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going places

mir ist beim neuen job aufgefallen, dass ich die treppen langsamer als früher runter laufe, und es kippte grade in so eine vorsicht, die mich noch langsamer machen wollte, sofort damit angefangen, das schnellere gehen zu üben, musste am anfang mitdenken, inzwischen ist es wieder wie früher. socken im stehen anziehen, auf einem bein zähne putzen etc. eine lieblingstante hat mir einen tip gegen die arthrose gegeben: auf einen hohen stuhl oä setzen, die füße eine längere weile lang baumeln lassen, die bewegung ohne kraft und druck tut den kniegelenken gut, die knorpel können sich erholen. habe meinen klavierhocker ganz hoch gestellt und werde berichten. das alter schleicht über alle kanäle heran, und es ist nicht mehr „unmerklich“, wie früher.

diese woche bin im stehen mit dem rad umgefallen, das muss man auch erst mal schaffen, danach überall schmerzen. der davidzwílling hat mir erklärt, wieso: weil eine reaktion aus dem rückenmark, unter umgehung des gehirns, in sekundenbruchteilen alle muskeln hart anspannt, von null auf 100, damit knochen und organe geschützt werden, schneller als jede entscheidung. ich hab mich während des fallens gewundert, wie wenig, nämlich gar nichts, ich dagegen tun kann, auf dem beton zu landen, mit dem kopf, der als letztes aufgeschlagen ist, den helm hatte ich noch nicht auf. am nächsten morgen kam ich nicht aus dem bett, ein muskelkater aus der hölle, konnte den kopf nicht heben, den oberkörper nicht, gar nichts. krankgemeldet und aus dem bett gewälzt. alles sehr beeindruckend.

gestern abend rief mich eine schweizer nummer an, ein älterer herr lässt sich meinen namen bestätigen und fragt mich, ob ich im mai eine briefmarke gekauft hätte. ich erinnere mich dunkel daran, wie ich im internet einen hinweis auf eine abspielbare briefmarke aus bhutan gefunden hatte, als schallplatte abspielbar, und sehr fasziniert einem kauf via ebay nicht widerstehen konnte. die briefmarke kam nie an, ich habs dann wohl vergessen, bis gestern, da ist diese briefmarke nämlich wieder in der schweiz angekommen, von wo ich sie gekauft hatte. hab sie nicht abgeholt vom kiosk, vielleicht hatte ich auch keinen zettel im briefkasten, erinner ich nicht genau, sonst hätte ich da auch mal nachforschungen angestellt. dieser freundliche mensch hat dann meine telefonnummer ausfindig gemacht und mich tatsächlich angerufen, um mir das zu erzählen, in wunderbarem schweizer akzent, den ich gleich mit sommer und ferien verbinde. er schickt sie jetzt nochmal, in einem normalen brief, ohne einschreiben, freu mich drauf, sie wird einen ehrenplatz an der wand bekommen, als einziges und einzigartiges sammlerstück, also falls sie ankommt.

und, wisst ihr, wo thimphu liegt?

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fr/sa/so ende oktober 2025

gemerkt, dass sich auf der to-do-list einige dringliche aufgaben sammeln, wie vorsorgevollmacht, pflegegeldversicherung, allgemein die regelung der dinge. und der notar, bei dem ich früher einiges erledigt habe, ist seit jahren in rente, mal im freundeskreis fragen. immerhin sind die kontovollmachten erledigt. der herbst, der herbst.

äste eines gingko-baumes, mit gelben blättern vor blauem himmel

am wochenende auf einer runde doch noch kurz die chance genutzt, die farben zu dokumentieren, ich schaue ansonsten einfach die bilder vom letzten jahr an, moment, es sind bilder von vor 4 jahren, als ich zwischen jobs war, emma noch lebte und ich endlos viel zeit für hunderunden hatte. das war schön.

angesichts der zerstörung von teilen des weißen hauses noch einmal the residence geguckt, eine großartige hommage ans weiße haus als historisches gebäude, kennt ihr alle, oder? beim zweiten mal genauso spannend, detailreich und liebevoll gearbeitet, die perfekte führung durchs haus.

zur zeit dauernd besuch, an den wochenenden die zwillis mit freundinnen abwechselnd, freunde, verwandte, alle wollen nach berlin, nur ich vermisse den glamour und das großstadtgefühl, mein leben verläuft in sehr festen bahnen, ich erwarte gar nichts mehr, immerhin morgen theater, mit premierenkarten von der freundin, die grade anreist, die marquise von o am dt, die ich zuletzt als leicht pornösen comic von ich glaube manara gelesen habe? nee, es war guido crepax, die geschichte der o, habs noch im regal. nagut, das ist doch bisschen glamour.

es war dann ein sehr guter theaterabend, intensiv, text dicht und gleichzeitig unaufdringlich, dokumentarisch, selbstverständlich gesprochen von den frauen, die vergewaltigt wurden und darüber erzählen. bei kleist ist die marquise von o plötzlich schwanger und weiß nicht warum, das geschehene wird durch einen gedankenstrich angedeutet, sie soll dann verheiratet werden, entscheidet sich erst dagegen, dann dafür, im stück werden dann die schicksale anderer frauen geschildert, und die noch heute immer mal wieder unterstellte mitverantwortung der frauen (grad wieder hier) an der ihnen angetanenen gewalt ist bei diesen fällen ausgeschlossen, weil die frauen ohne bewusstsein waren, schlafend, betäubt, entführt, absolut wehrlos. im stück jetzt sprechen sie, während die ein oder zwei tätertexte wie nebenbei, sehr laut und demonstrativ und mit so einem hö-hö-hö rüberkommen, gesungen werden, gereimt, auf anderer ebene theatralisch rüberkommen, das schauspiel der männer, wie etwas, das nicht ins stück gehört, nicht zu den frauen, die erzählen, was ihnen passiert ist. na, müsste ich besser ausarbeiten, das ist noch ungenügend beschrieben. geht hin, empfehlung.

sehr berührender und manchmal schwer auszuhaltender abend, die wut bleibt und kommt mit nach hause. keine sekunde gelangweilt.

noch premierenbierchen in der masse an besuchern, das dt hat ja diese schöne große terasse, es war warm genug, draussen noch ein zigarettchn zu schnorren. bekannte getroffen, leute geguckt, dann früh nach hause geradelt.

jetzt ist samstag, 21 uhr, der tag war wunderbar lang, mit der freundin gefrühstückt, dann runde über den kollwitzmarkt, der zur zeit sehr hipsterig ist, oder wie auch immer der style jetzt heißt, wenn die leute sich extrem herausputzen, obwohl sie nur einkaufen gehen. bisschen eingekauft, dann gechillt, gebloggt, nette halloweenkarten gefunden, die ich nächste woche mit den kindern machen kann. nochmal los für stifte und drogeriekram, alle stifte sind von meinem schreibtisch verschwunden, da liegen nur noch marker und einzelne buntstifte, alles andere wurde vergesellschaftet. gemerkt, dass stifte jetzt auch mind. das doppelte kosten, geärgert, ich kaufe für mein leben gerne stifte und habe immer eine große auswahl zur verfügung. in der großdrogerie haarspangen und stifte gefunden, bin jetzt wieder versorgt.

14:42, die eine analoge uhr erst mittags umgestellt, aber jetzt schon vergessen, ob die uhr vor- oder zurückgestellt worden ist heut nacht. hab keinen sinn dafür, obwohl ich weiß, dass ich morgen eine stunde später zur arbeit muss, dass 8 uhr morgen wie neun uhr gestern sein wird, was ich sehr begrüße. die freundin wieder verabschiedet, abends noch spontanen besuch zum tee bekommen, sehr nett.

habt ihr auch unterschiedliche services für die unterschiedlichen freundInnen? also umgekehrt: bietet ihr euren freunden bei besuchen jeweils unterschiedliches porzellan an? mir ist das heute aufgefallen, einigen stelle ich die dicken bunten iittala-becher vor die nase, anderen das feine meissen, oder die eleganten und sehr schlichten weißen arzberg-tassen. die italienischen tassen von ginori, mit blømstern, sind eher was für damen in meinem alter. meine auswahl ist wiederholbar, mir aber noch nie aufgefallen.

zu einer party in einem tangolokal eingeladen worden, bin leider heut nach viel spazierengehen und nassregnen zu müde, aber ich kann ja mal wieder auf so eine nachmittagsmilonga gehen, mal schauen, ob tango noch geht nach ähm jahren. falls ich meine schuhe wiederfinde.

upsi, wochenende schon wieder vorbei, viel zu schnell, viel zu kurz.

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familie, fenster, theater

gestern neulich* meldete sich der große, er sei übrigens gleich da, und am sonntag würden wir zusammen ins theater gehen, ins BE nämlich, das sei ihr geburtstagsgeschenk, „ihr“ as in die jungs. es ist sehr passend gelegt, am freitag heiratet nämlich ihr halbbruder, der erstsohn von der zweitfrau ihres vaters, sry, das war nur für die formulierung, ich bin da nur noch unter ferner liefen bei den beiden, sie sind sich die ersten. ich what?-te ein paar sekunden, dann rieselt die vorfreude, die zwillis kommen also auch, full house! auf dem heimweg schneller mini-großeinkauf, dann begrüße ich den david-zwilling ebenfalls, der g.-zwilling kommt direkt zum partyort. am samstag war dann mutterdienst angesagt, sie hatte zahnschmerzen, ich hab sie zum wochenendarzt gefahren, wo eine ärztin, die nicht richtig betäuben konnte, ihr eine wurzel gezogen hat. ich war missgelaunt, weil ich den tag lieber mit den jungs verbracht hätte, aber es ist wie es ist.

beim frühstück fällt dem biologen-zwilling angesichts der frischen feigen auf dem tisch ein, dass wespen ihre eier gerne in feigen legen und dann daraus schlüpfen, beim eis in wunderbaren karamelltönen erzählt der andere zwilling ähnlich begeistert vom klärwerk, wo er grad im praktikum ist, ich freu mich, dabei zu sein.

das stück ist ein monolog, die niemand von uns so recht mag, aber der schauspieler ist fantastisch, natürlich, jens harzer in seiner premiere am berliner ensemble. in den sparzeiten grade sind monologe vielleicht die zukunft des theaters, vielleicht spielen die schauspieler dann bald wieder mehrere rollen gleichzeitig, wobei halt, reese mag soloauftritte, das war glaub ich der dritte, den ich von ihm gesehen habe (nach sarah und mein name sei gantenbein).

ich genieße jede minute mit den kindern, wir machen ein schönes bild nachher im hof vom be, genau wie nach „sarah“, wie ich grad gelesen habe. dieses we ist der gregorzwilling mit freundin im haus, wg parties in berlin, ein hoch auf die andauernden parties in berlin! es kommen noch zwei weitere freunde von ihnen dazu, ich denke kurz intensiv an meine ungeputzten fenster, die inzwischen als sonnenschutz funktionieren, und mache mir gedanken über den eindruck. es braucht echt ein paar minuten, bis ich merke, wie gut es mir geht.

nachwievor nach der arbeit zu kaputt, um richtig auszugehen, auch wenn es meistens eher eu-stress ist. die müdigkeit macht, dass ich kids und freunde nicht spontan zum essen einlade, weil die jugend in dem alter immer annimmt, sondern damit warte, bis die weiteren freunde wieder weg sind.

*vor 6 wochen-neulich. sollte häufiger bloggen.

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innen/außen

what was it you wanted

tell me again so I know

interessante phase, sehr intensiv, gefühl, als ob die firniss sich aufgelöst hat, die farben wieder verschwimmen und sich verändern können. fühle den grund beim laufen, das ist der boden, du kannst springen, wenn du willst.

dadurch werden die tage irgendwie länger, es ist soviel zeit, soviel zu tun, alles und das echo von allem. und haushalt ist ja auch noch.

einen fragebogen ausgefüllt, es wurde zb gefragt, ob ich gewisse dinge alleine mache (geld, alltag, freunde, familie), aber machen das nicht alle? der andere stern, der stern der anderen.

das kaputte bianchi-rad auf den balkon ausgelagert, jetzt für das geerbte alte biedermeier-dingsi, (wo der mann der urgroß-patentante an den seiten jeweils eine strebe aus den armstützen rausgesägt hat, damit kopf und füsse auch noch draufpassen, aber die sind inzwischen wieder drin) noch ein tischchen und eine lampe dazu, dann habe ich eine weitere sitzgelegenheit, die ich mal nutzen könnte, statt immer nur nach der arbeit in die horizontale abzukippen.

meine tir ist 80%, das ist eigentlich in ordnung. hypos und hypers je 10%. besser geht immer.

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14. september 2025

kisten ausmisten, eine mit alten notizbüchern und tagebüchern, ich wünsche mir ja eine klarere linie in der einrichtung, und habe seit dem ukraine-krieg so eine kleine innere liste, was würdest du mitnehmen wollen, wenn du dich drastisch verkleinern müsstest? dann natürlich reingelesen.

foto von zeitungsausriss mit einem alten käfer, der durch eine pfütze fährt und dabei einen menschen nassspritzt, der mit einem sprung ausweichen will.

jetzt etwas fassungslos darüber, wieviel es in den tagebüchern um begegnungen, geschichten, männer geht. ich habe selten ein datum dazu geschrieben, es war vor den kindern, also wahrscheinlich 90er, die dichte an gefühlen, bildern, der hunger darin ist etwas bestürzend, weil ich merke, wieviel ich tatsächlich verloren habe, ohne es zu vermissen. wie ernst ich mich genommen habe. es war vor dem internet, liegt es daran, dass ich hinter den schritt aus der selbst- in die fremdwahrnehmung nicht mehr zurück kann? hinter die ironie, die analyse. manchmal ist der horizont zu weit. jetzt das gefühl, dass ich damals mit allen selbstzweifeln näher an mir war als heute, mich beim schritt aus der dusche mal im spiegel angesehen, statt wie sonst immer daneben zu gucken, es ist alles inzwischen mehr schraffur als kontur, aber ich bins schon noch.

der preis, den man zahlt.

wieviel beim erleben sofort in eine schublade rutscht und dort verschwindet, oder nee, es sind mehr kladden als schubladen, es ist alltagsverwaltung, weil alles immer weiter will, weiter im programm, es ist kein raum für erlebnistiefe. vorgenommen, momente zu sammeln, das vieldimensionale wiederfinden, die midlife-crisis geniessen, solang sie anhält, irgendwann bin ich durch damit, stehe am fluss und will nicht mehr reinspringen.

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24. august 2025

blick auf einen steg mit einer leiter, im wasser ein paar segelbooten, am anderen ufer sieht man wald.

ich hatte meinen rucksack mit badezeug mit auf den ausflug zum alten haus meiner freundin am stadtrand, hab ihn aber nicht gebraucht. sie geht vor, ganz selbstverständlich, zieht sich aus, ist schon ein paar meter vom steg weg, ich bin eher vorsichtig aus allen klamotten geklettert, die leiter runter und ab ins wasser, zur feier des wohl letzten bades im jahr. das wasser schliesst sich dann ganz um den körper, ein kühler und glatter mantel, in langen zügen schwimmen, den kopf vorsichtig mit unter wasser nehmen, die oberfläche schließt sich über mir, nach ein paar zügen wird das wasser etwas angenehmer, es ist grün und riecht etwas erdig. die freundin schwimmt richtig eine weite runde, ich drehe ein paar kreise in stegnähe, es ist alles voller segelboote und kleiner passagierschiffe. dann zurück, die moosige leiter hochklettern, noch eine viertelstunde auf den steg, wir liegen nebeneinander, mit jeder zelle im jetzt, in schönheit. von der sonne trocknen lassen, sie wärmt unsere haut, man spürt jeden strahl, bis sie hinter den wolken verschwindet und es sofort ein paar grad kälter wird.

hab endlich wieder musik im auto. die jungs waren nicht beeindruckt.

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20. august 2025

verspüre so eine lust auf leichte sommerkleider, lachen, vor einem cafe sitzen, wenn es schon wieder einen ticken früher dunkel wird, weil der sommer ja schon gekippt ist, aber noch nicht vorbei, noch lange nicht. herumlaufen, die strasse ist lauter, die leute reden und bleiben stehen, ich dreh mich weiter, als wäre nicht alles schon fest und die spuren schon gelegt. schade, dass es erst immer so lange dauert und dann so schnell wieder vorbei ist.

vorhin über die zahl 42 mal wieder auf das großartige buch „die letzten ihrer art“ gekommen, ich war ja in den nullerjahren neunzigerjahren (die zeit vergeht wirklich. adams ist 2001 gestorben.) irgendwann mal in der passionskirche und habe douglas adams bei einer lesung aus dem buch gehört, das war sehr, sehr lustig. eine aufnahme von der lesetour hatten technology and witchcraft jahrelang herumliegen, aber es ist natürlich schon lange alles weg. habe auf archive.org eine iso-datei gefunden, eine cd-rom mit der bbc-lesung des buches, daraus kann ich mir die kapitel als wav-dateien zusammensammeln, man hört einen jungen und eher ungestümen herrn adams. werde mir daraus ein hörbuch für längere fahrten machen, darauf freue ich mich, muss dann aber erst mein autoradio modernisieren, oder, haha, ich kopiere es auf cd! der player funktioniert noch. komme in die phase, wo die alten zeiten länger sind als die noch kommenden, allgemein bin ich grad im anerkennungsjahr für meinen 60., ich fühle das sehr deutlich, die unterschiede fallen mir dauernd auf, mir sind andere dinge wichtig als der jugend, ich kenne die bands nicht mal, die neuen bücher sagen mir nichts, meine alten interessieren niemanden mehr, mit ausnahme vom herrn adams vielleicht, und ich kann die in berlin nichtmal mehr auf die strasse stellen, das ist jetzt auch verboten. beneide meine mutter, die auch im greisinnenalter immer noch alles in ihrem leben für wahnsinnig wichtig hält.

ich sollte vielleicht mal wieder daten, um mir mehr ausgehen, unter leute kommen, mit gleichaltrigen freund*innen aperitive nehmen, solang die luft noch warm und der abend noch hell ist.

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7. august 2025, locarno

heute noch mal filmfestival, und ich dachte bis zum aufstehen, mein erster film sei um 11 uhr, dann sehr erleichtert, dass es 14:30 ist. gemütlich hingefahren, in der stadt wieder 15 minuten hin- und her, bis ich mein ziel gefunden habe, google maps zeigt einfach alle strassen in der nähe grün an, also als meinen weg, dann 15min verloren, um eine neue parkapp zu installieren (4sfr für 6h scheint mir absolut angemessen).

(achtung, es folgen spoiler)

zum glück haben sie mich trotz verspätung noch ins proppevolle riesenkino gelassen, für das kurzfilmprogramm mit bleifrei 95, randaghi, l’avant-poste 21, primera enseñanza.

bleifrei war angemessen deutsch-finster, junge frau hat dauernd sex, mit ihrer freundin und deren mutter, empfindet das als grenzüberschreitung, fühlt sich benutzt, hat auch sex mit leuten, bei denen sie nur kurz mitfährt, geht dann zur bachelor-party ihrer freundin. neben mir im kino ein älteres paar, sagt „diese zeiten sind sehr lange her bei mir“ und geht dann, bei mir auch eher ochnööö, empfinde den gezeigten spannungsbogen von „wir zeigen alles, und unsere protagonisten leiden darunter“ als hm, spießig? jedenfalls deprimierend.

nachtrag: eine szene bleibt mir in erinnerung, drei freundinnen gehen kurz ins bad, ich als publikum denke: um zu reden, und dann stehen sie da alle drei, sehen sich an, keine sagt ein wort, dann gehen sie wieder auf die party

genauso wie der folgende animationsfilm, der auch zwei punks als hauptfiguren hat, die sich begegenen, herumfahren, wieder verlieren, von bösen wölfen zerrissen werden, dann relativ unvermittelt als elegante katzen wiedergeboren werden. mochte aber das dichte feld, in dem die handlung stattfand, und die vespa, auf der die figuren herumgefahren sind.

danach l’avant-post 21, zeigt drei junge frauen auf engem raum miteinander, auch wieder sex ohne grund (sollte ja im leben eigentlich ein normalzustand sein, mich nervt das nur wegen meiner komplettverdrängung, da single, daher hab ichs in filmen lieber hergeleitet oder plotbedingt), eindruck einer besonderen situation, sie machen party, bis der nachbar klingelt, was sie denn machen würden, es sei mitten in der nacht, darauf die eine: „sie hat einen abort“. die frau setzt sich aufs klo, die freundinnen dicht dabei, der abbruch wird ein bisschen wie eine geburt gezeigt, mit drücken und schmerzen etc. den film mochte ich sehr, er zeigt, was sache ist, zeigt die gemeinschaft der frauen und schafft es dabei, den abgegangenen embryo in einer kleinen von den frauen improvisierten zeremonie zu begleiten.

bei primera esenañza hören wir eine gruppe von mädchen bei einer gesangsstunde, eine bekommt von einem arzt ein sprech- und singverbot, um knötchen von den stimmbändern zu heilen, daraus ergibt sich dann eine beklemmende situation. bin vor schluss gegangen, wollte zum nächsten film.

danach nur 500m bis zum nächsten kino, wo sehnsucht in sangershausen läuft. episodenfilm, die protagonistinnen finden alle einen blauen stein, den sie hochheben und bei sich behalten, haben alle eine offenheit für das besondere im alltag, sind beweglich im geiste, obwohl ihr umfeld die bewegung ignoriert oder nicht darauf eingehen will, weil die kontaktaufnahme eine grenze überschreiten müsste, der klasse, des interesses, der aufmerksamkeitsökonomie. beginnt mit einer szene im 18. jh, wo ein dienstmädchen in ihrer freizeit gezeigt wird, sie findet einen stein, wir erfahren, dass sie bei herrn novalis arbeitet. die nächste szene spielt in der neuzeit, eine junge frau arbeitet als putzfrau und kellnerin, dabei begegnet sie einer band, begleitet die sängerin einen tag, schenkt ihr einen gefundenen stein, bietet zeit und ein auto, wird nicht wahrgenommen oder erinnert von der band. in der nächsten episode geht es um eine junge frau aus afghanistan, aber da bin ich weg, wollte zum nächsten film. fand den film sehr/zu leise und poetisch in seinen aussagen, bin mir nicht sicher. es ist mir leicht gefallen, früher zu gehen, ich war nicht richtig drin, es blieb abstrakt, mehr ein film über als ein film, mehr schreiben über als schreiben, ich bin da empfindlich.

dann spaziergang zurück zur piazza grande, wollte mir einen stoffbeutel kaufen, es gab (an tag 2 von 12) aber keine mehr, hab danach ü-ber-all leute mit diesen beuteln gesehen. man kann sie im onlineshop kaufen, muss dann aber 20€ fürs versenden zahlen, mehr, als für post aus den usa, die haben echt eine meise. hole mir eine pizza und eine cola light, spaziere noch ein bisschen herum.

dann ins nächste große kino, um legend of the happy worker zu schauen, von dem ich nur wusste, dass colm meaney mitspielt, den ich ja sehr schätze. sehr besonderer film, ich glaube, eine art metropolis des 21. jh. eine parabel, ein kinderbuch, ein western, of all things, aber das passt sehr gut, wie im western wirken gut und böse klar unterschieden, aber weil wir ja in der gegenwart leben, verläuft die grenze im film nicht zwischen gut und böse, sondern zwischen oben und unten, buchstäblich, und zwischen nicht wissen und wissen.

über mehrere generationen wird ein loch gegraben vor den malerischen felsen arizonas in utah, immer weiter, immer tiefer, die arbeiter glücklich und selbstbewusst als „good digger“.

der herr der unendlichen baustelle lebt oben in seinem büro und ist nur sich und den seinen verpflichtet, seinem großvater, dem vater, „me“. er besucht seine vielen arbeiter und lässt sich täglich von ihnen bestätigen, wie gut es ihnen geht, wie glücklich sie sind, im film sehr schön opernartig gelöst, er ruft runter, die arbeiter antworten im chor.

das system kommt kurz durcheinander, als ein alter mann, am ende seiner lebensarbeitszeit, eine frage hat, die nie jemand gestellt hat. er bittet einen jungen kollegen, dem chef diese frage zu stellen, und wir sehen, wie schwer dieses fragen fällt, der held braucht mehrere anläufe dazu, die frage ändert sein leben, nicht das des ersten fragenstellers, des alten mannes, der ein leben gebraucht hat, verbraucht hat, um sie stellen zu können, ihr seht, ich bausche etwas auf, es ist die sinnfrage, reduziert wie alles in diesem film: „why?“, und zack, ist die vierte wand im spiel. fand den film sehr mutig in seinem so klaren aufbau, es ist eine art kinderfilm für erwachsene, er hat etwas von den alten cartoons. bild und plot als perfekte entsprechung. und ja, es ist natürlich die frage aller fragen, egal, was man so tut im leben. sogar t…p könnte den film verstehen.

colm meaney spielt den bösewicht im film, er kommt mit einem wunderbar röhrenden riesigen alten auto vorgefahren, ist der onkel der hauptfigur, und will mehr, mehr von allem. er setzt riesige bagger ein, die das loch immer tiefer graben können, und der held muss dann alle entlassen, weil niemand so schnell graben kann, aber zum glück endet der versuch bald, und alle arbeiten weiter wie gewohnt.

regisseur duwayne dunham war da, auch der produzent und die schauspieler*innen waren für ein q&a am ende mit auf der bühne, der film war wohl ein jahrzehntelanges projekt aller beteiligten. dunham hat ein paar episoden von twin peaks gedreht und ist über seinen kontakt zu david lynch an einen einakter von s.e. feinberg gekommen, aus dem das drehbuch entwickelt wurde. aus dem hollywoodreporter, dort noch mehr zur fimgenese, inclusive interview mit dunham.

fand es lustig, dass der kameramann ein namensvetter von reed smoot ist, der 30 jahre lang als senator für utah eingesetzt war.

bin mit einem meter abstand an herrn meaney vorbei gelaufen, das war sehr aufregend, hab ihn aber natürlich nicht angesprochen. mir ist die beste frage für das q und a nach dem film ja auch grad erst beim schreiben eingefallen, nach dem bezug auf metropolis hätte ich sonst gefragt, und herrn meaney nach dem auto.

der große ist mit mehrstündiger verspätung wieder in trier angekommen, nach mitternacht, ich merke: niemand hat damit gerechnet, dass er mit der bahn pünktlich kommt, er nicht, ich nicht, die bahn selber wahrscheinlich auch nicht. niemand.

bei der bahn gilt es erst ab 5 minuten als verspätung, und fahrgäste dürfen erst ab einer stunde verspätung 25% ihres tickets reklamieren, ab zwei stunden 50%. es ist alles unfassbar. in italien sind 90% der züge pünktlich.

heute heulen dauernd flugzeuge über den see, es hört sich an, als fällt uns gleich der himmel auf den kopf.

edit: grad noch ein wrap-up des festivals gefunden.

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050825 #wmddgt

jetzt haben wir zufällig an einem 5. was unternommen, da bietet sich das doch an.

zu früh für ferien wachgeworden, mir und dem großen einen kaffee gebracht, fenster aufgerissen und die noch kühle frische luft hereingelassen – es gab dieses jahr noch keine dieser üblichen schwülen 35°c-tage hier, es ist tagsüber um die 28°, abends kühlt es auf 23° oder so ab, perfekt.

dienstags ist eigentlich markt in der stadt, aber ich hatte am tag zuvor eingekauft, wir konnten uns das frühe aufstehen wg parkplatznot sparen. gut gefrühstückt, ich mit mitgebrachtem müsli, der große mit salat, caprese und obst, alles klar von ihm selbst gemacht.

nach dem frühstück internet gelesen, unter vermeidung von nachrichten, da bin ich im urlaub im verdrängungsmodus.

nachmittags ist der große zu fuss zum strand gelaufen, ich bin erstmal noch in die stadt für einen einkauf, danach auch an den strand, dort jemanden verabschiedet, die zurück nach hause muss, außerdem mein seit paar jahren vergessenes schlauchboot identifiziert, also der große hat es in einem großen beutel in der umkleide, unter all denn minisurfbrettchen, flossen, einzelnen rudern uä entdeckt, mit nach oben genommen, es ist fast zu schwer zum alleine tragen. es passen 5 oder 6 leute rein, ich war in den letzten jahren halt immer allein hier.

dann schon um kurz vor 5 hoch, wir wollen nach locarno rüberfahren. der große kocht sich noch schnell was, ich räume bisschen herum, um halb sechs fahren wir los, nur bisschen später als vorgenommen. die strasse geht am see entlang, mir fällt der sehr dichte verkehr auf, vielleicht berufsverkehr? die kombi arbeit in der schweiz/ wohnen in italien ist recht beliebt. endlich die grenze, wie meistens komplett verlassen, ich fahre langsam durch. dann gibt es noch 12km autobahn, nach der ausfahrt in die stadt sofort auf parkplatzsuche, bin generell eher frei von orientierungssinn und bei der weit verbreiteten verkehrsführung mit unmengen von einbahnstrassen, kreisverkehren und fussgängerzonen schnell überfordert, trotz navi („kehren sie in 5m um“; „BITTE WENDEN“, etc.) bin kurz gestresst, dann einen der gesuchten parkplätze gefunden, die ab 19 uhr nix mehr kosten, kurz mit zwei jungen frauen geschnackt, die eine hatte eine feine kette über dem nasenrücken, zwischen zwei kleinen ringen an den nasenlöchern, das hab ich noch nie gesehen, nicht mal in berlin. danach gemütlich am see lang zur piazza grande gelaufen.

reihen von gelben plastikstühlen, hinten mit aufdruck "locarno film festival"

der platz ist noch relativ leer, sehr viele gelbe und schwarze plastikstühle sind dort aufgereiht, bis zu 8000, lese ich, aber das scheint mir doch etwas übertrieben. die leinwand ist wirklich riesig, die projektoren sind so groß wie ein container, schick in schwarz am ende des platzes, da reiche ich noch fotos nach. wir kommen von der leinwandseite des platzes um ca halb 8, es gibt eine taschenkontrolle, bei der ich mein mückenspray nicht deklariere, es hat nämlich ein „vorsicht brand“-zeichen an der seite und dürfte eigentlich nicht mit rein.

schwarzes sitzpolster mit aufdruck, ein leopardenkopf und aufschrift "prix du public UBS"

wir bekommen so sitzpolster mit werbung für teilnahme am publikumspreis („die größte jury der welt“ sagen entweder festivalsleitung oder einer der ubs-sponsoren später) und ziehen dann nacheinander noch einmal los, um kaffee und einen kleinen imbiss zu besorgen. es gibt viel zu gucken, der platz füllt sich rasch, mit dem großen versuchen wir die altersmischung zu schätzen, er meint „eher alt“, ich meine „eher jung“. schön angezogene, lächelnde menschen überall jedenfalls. wir hören, wie bei ein paar stühlen die lehnen abbrechen mit lautem knacks, da hat sich wohl jemand zu beherzt angelehnt.

dann gehen die lichter aus, der himmel ist noch nicht ganz dunkel, aber leinwand und film sind sehr gut sichtbar. nach den ersten szenen enttäuschung, die untertitel sind auf italienisch, sooo international sind die dann doch nicht, denke ich. sage dem großen, dass wir jederzeit gehen können, wenn ihn das nicht verstehen nervt, aber der film last dance ist auch so gut und nachvollziehbar verständlich, wir bleiben bis zum schluss.

filmleinwand an der liazza grande in locarno, vor dem film wird das publikum gezeigt

achtung, es folgen spoiler:

germain ist 75 und lebt in glücklicher ehe mit seiner frau lisa, die begeistert bei einem tanzprojekt von la ribot mitmacht, ihm filmchen schickt, viel erzählt. dann stirbt sie, germain wird von seiner familie und nachbarn aufgefangen, bekocht, begleitet, jeder übernimmt eine der rollen, die alle auf einem großen kalender in seiner wohnung farblich markiert werden. ihm ist es etwas zuviel, die vielen speisen bekommt die katze, bald mehrere katzen, weil es sich herumgesprochen hat.

das paar hat sich versprochen, für den anderen dinge zu ende zu bringen, falls eine/r früher gehen muss, er besucht also eine probe von la ribot und fragt, ob er mitmachen darf, findet sich so eher ausversehen in einer mehrmonatigen und sehr intensiven täglichen probezeit wieder, wo er langsam vom „pinguintanz“ (der große) in eine gewisse ausdrucksfähigkeit hineinfindet. er erzählt keinem davon, es gibt einige lustige missverständnisse deswegen, weil er nie zu hause ist und sich alle sorgen machen. der film endet mit der aufführung, die familie im publikum, die aufführung ist uns ein bisschen zu einfach gelöst, andrerseits sieht man die lücke, die seine frau gerissen hat, das passt dann wieder. schöner leichtfüßiger film.

heute beim googeln erst gemerkt, dass ribot eine bekannte choreografin ist, sie hat 2020 einen goldenen löwen für ihr lebenswerk erhalten, und diese art arbeit mit biographischen elementen, dem körper wie er eben ist, mit professionellen und amateurstänzer/innen gleichzeitig auf der bühne, das passt zu ihren konzepten.

wir reden über die raubtiere bei festivals, bär und löwe waren halt vergeben, sind aber auch naheliegender, wie auch die palme für cannes. mal nachforschen, welche bedeutung ein leopard für stadt und gegend (tessin) hat, vielleicht nur die pelze der damen im nahen ascona um die jahrhundertwende? das festival gibt es seit den vierzigern, ich weiß nicht, ob es immer den leopard für den besten film gab.

es ist den ganzen abend schön warm, wir bleiben im t-shirt.

dann durch die stadt zum auto spaziert, um kurz vor mitternacht losgefahren. unterwegs noch fast kein benzin mehr, hat mich gewundert, an einer minitanke mit selbstbedienung noch den tank gefüllt. strasse jetzt fast leer, die dörfer und städte noch voller menschen, es ist august, da arbeitet niemand in italien. um eins ca zu hause.

beim austeigen ohrenbetäubendes grillenzirpen.

#wmdedgt steht für: was machst du eigentlich den ganzen tag?

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2. august 2025

heute bei kräftigem regen gefrühstückt, dann war wieder sonne und wir sind zur fähre gefahren, der große brauchte eine badehose, die es auf dem markt an der anderen seeseite geben würde. in saisonzeiten fährt alle 15minuten eine fähre, 13,60 für beide hin und zurück, drüben durch den ultravollen markt gelaufen, badehose gefunden, dann noch die suchtmässig leckeren zitronen-ricotta-tortellis geholt, 12 große stück für 16 euro, schwamm drüber, mit olivenöl (oder butter?) und frischem parmesan sind die eine sünde wert. viele deutsche extrem unelegante touris unterwegs, zu enge t-shirts, bauchteile frei, rote hälse und köpfe, ich weiß nicht, warum mir das so auffällt dieses jahr, es sollte mich nicht kümmern eigentlich. mein sohn trägt ein gestreiftes baumwollhemd und bermudas und sieht blendend aus, tjé.

ich hätte hunderte handtaschen wählen können, aber es war dann einfach zuviel auswahl, sehr lustig die gefakten birkinbags aus leoparden-kunstfell, hätt ich vielleicht mitnehmen sollen, aber die kosten meist auch über 200€, und sind nur im vergleich spottbillig*. (ich rechne dies jahr mehr, weil mir der in den letzten monaten zuviel gezahlte lohn {im öd ist man bei versetzung immer erstmal auf vollzeit und muss die teilzeit neu beantragen, das hatte ich übersehen, habe aber weiter teilzeit gearbeitet} auf einmal abgezogen wurde, ausgerechnet in den sommerferien.

mit den hörgeräten höre ich das haus knacken und weiß nicht, ob das früher auch schon so war.

mittags bekocht worden vom großen, andere tortelli aus dem kühlschrank mit einem extrem leckeren und frischen tomaten-gemüse-sugo, zum reinsetzen, dabei wollte ich eigentlich nur ein oder zwei probieren. am eher späten nachmittag dann noch zum see für eine runde schwimmen, lesen, plaudern mit den anderen, danach aperitiv, diesmal am see, auch hier teurer geworden, aber der blick ist natürlich unbezahlbar. abends bruschetta mit dem rest sugo, sehr lecker, und ein bierchen, lese am handy gründe für intensives weiteres daumendrücken nach, es ist ein elend alles, aber es wird alles besser werden, unbedingt, ausrufezeichen.

erholung setzt ein, es ist ein riesiger unterschied, nicht mehr restlos erschöpft zu sein bei urlaubsbeginn.

*nachgesehen: es sollte eine kelly und keine birkin gefaked werden, und die gab/gibt es sogar wirklich.

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