sport und weg

blick auf die ostsee, man sieht den langen schatten eines menschen am wasser

gestern abend in langem telefonat mit dem großen sohn ist mir das versprechen entfleucht, sport zu machen, nach jahren endlich wieder. es muss muss muss sein, ich hab im sohn mich selber erkannt, die ihrer mutter oder freundinnen dieselben dinge sagt, tu was, beweg dich, und habs dann halt einfach versprochen. gleich einen online-kurs gebucht, den mir die krankenkasse erstatten wird, wenn ich ihn absolviere, damit ich das versprechen schneller einlöse, und weil ich mir nicht so ganz traue. jetzt versuche ich mich an meine jugend (neunziger) zu erinern, wo ich dreimal die woche zum sport bin und richtig gut durchtrainiert war, joggen war ich damals auch. das war ein superes gefühl, wenn auch völlig normal, ich wusste ja nicht, wie weit ich mich einmal davon entfernen werde.

heute vorgestern mit einer freundin noch einen letzten berlinale-film gesehen, sehr besonders: dao, im berlinale palast diesmal, mit numerierten plätzen in der allerletzten reihe, sicht und klang hervorragend. den anfang habe ich schon wieder vergessen, aber der film hatte so einen lauf, hat uns mitgenommen in eine familie, als publikum waren wir bei einer hochzeit dabei und bei einer gedenkfeier, bei der die gesamte familie, mit jeder menge onkeln, tanten, nichten und neffen, kindern und enkeln sich vom großvater in einem dreitägigen fest verabschiedet, ein leben verabschiedet. in der rahmenhandlung werden die schauspieler für das spektakel (den film) ausgewählt, wir sind dabei und erfahren so etwas über die geschichte der figuren. die feier findet in guinea-bissau statt, wie begleiten die mutter mit ihrer erwachsenen tochter ein stückweit auf der weiten reise, als sie in dem kleinen dorf ankommen, ist die freude und aufregung über das wiedersehen bzw. kennenlernen groß. das fest wird vorbereitet, das ganze dorf ist beteiligt, es gibt einen ablauf, der allen bekannt ist, dem sich alle fügen. die feier ist in animistischen ritualen strukturiert, im filmverlauf werden hochzeit der tochter und abschied vom großvater ineinander verschränkt, bei beiden sind die menschen gleichzeitig ganz bei sich und mit allen zusammen, im tanz zbsp, es wird dauernd getanzt, mal eher als kommentar mit leicht wiegenden hüften, mal ausgelassen und wild zu trommeln und gesang. ich hätte fast mitgetanzt, so nah war die kamera an den gästen, so wie man auf parties mal zum nachbarn schaut, mal selbst versinkt in körper und musik. einmal haben wir beide die augen geschlossen, als eine ziege und eine kuh geschlachtet wurden, aber es war nur kurz. der film hat drei stunden gedauert, ich hätte auch noch länger zusehen können, vielleicht nach einer pause. sehr nahe und intensive und nur mal so momente lang zu lange erfahrung, einen tick reitz-artig in der selbstverständlichkeit im umgang mit den personen und deren leben, mehr dokumentarisch als dramatisch. der film wär im kino an mir vorbeigegangen, daher ein hoch auf die publikumsnahe berlinale.

nach nettem hinweis aus dem letzten kommentar habe ich noch einmal ein paar versicherungen versucht, mal schaun, mal sehn, ob das was wird. sie wären in ihren online-voranschlägen deutlich teurer und würden viel weniger zahlen als die andere, die abgesagt hat. man darf die logarithmen niemals gegen sich haben, sonst hat man verloren, zumindest und mit sicherheit geld.

am letzten tag meines deutschlandtickets streikt die doofe bvg, dabei will ich die zwillis besuchen und muss irgendwie zum bahnhof kommen. sehr genervt, jetzt muss ich entweder das rad mitnehmen oder mit ewigen umwegen mit der s-bahn fahren. oder ich nehme endlich mein erstes uber.

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projekt bücher

alec soth hat zusammen mit brad zellar eine schöne fundraiser-aktion, der erlös geht komplett an die hilfe für migranten und menschen, die von den ice -übergriffen bedroht oder betroffen sind.

ich verkleide mich ungern, es ist zuviel aufmerksamkeit auf etwas, das ich dann ja eh nicht bin, weil verkleidet – andrerseits ist es im job ein spass, bei dem ich gern dabei bin. allerdings mit einem kostüm, dass in den drei jahren, in denen ich es nutze, nur einmal von einem vater erkannt worden ist, nie von den kids, aber hej, mehr schaffe ich nicht. gelegentlich spiele ich mit dem gedanken, mal auf eine dieser veranstaltungen zu fahren, wo fans und schauspieler und andere filmmenschen sich feiern, und nein, ich meine nicht die berlinale, aber dann sehen mich da andere, und der unterschied zur filmfigur ist bestimmt lächerlich groß – wobei, das geht den anderen gästen ja auch so. na, mal sehen. ich freue mich jedenfalls drauf, meine lustige uhr mal wieder tragen zu können. (die enterprise ist der sekundenzeiger)

zifferblatt einer timex-uhr mit star-trek-motiv

vielleicht finde ich jemanden, der mich knipst. ich erinnere faschingsfeste von erwachsenen meistens so, dass die damen möglichst generell wenig anhaben, die herren möglichst wenig verkleidet sind, es wirkte immer etwas unfair, nun ist berlin ja auch gar keine karnevalsgegend. aber bei halloween hatte ich mit klebetattoos ja auch meinen spass.

grauer februartag, ausklingende erkältung, aber ruhig und entspannt nach einem gefühlt langen wochenende, freundin und gregorzwilling als übernachtungsbesuche, plaudern und volles haus, sehr schön.

mal wieder bücher angesehen, also die im schrank, ein sehr schönes kleines herausgenommen und voller elan 20 seiten gelesen, dann eher erschöpft wieder weggestellt, da beschreibt ein mann in sehr klagendem tonfall den mühsamen alltag eines porzellanmalers, hier ein paar tassen, dort ein krug, satt wird er nur, wenn ein freund ihn abends mitnimmt, nie wird etwas gut, und dann übergibt sich noch die katze unterm bett! geschrieben hat es heinrich ernst kromer, veröffentlicht 1915 als fiktive autobiographie von gustav hänfling. ich sehe ihn vor mir in seiner dachkammer, um pfennige ringend, aber ich möchte dann doch nichts weiter wissen, ein beispielhaft trauriges künstlerleben, wie wir es alle hätten haben können, aber ein schönes kleines buch.

Altes Buch mit durchgehend bedrucktem EInband

als zweites einen band mit einem schönen foto vorne drin, es zeigt einen mann mit markanten gesichtszügen, gut sitzendem haar und tiefliegenden hellen augen, es ist ein schwarzweiß-foto, er wirkt asketisch, schmal, bestimmt. er lächelt freundlich und unaufdringlich schräg am fotografen vorbei, friedrich gundert, ein verlagsbuchhändler, er hat wohl jugend- und kinderbücher herausgegeben, das buch ist ein nachruf, seine lebensdaten stehen vorne auf der ersten seite, von 1897 bis 1946. es enthält briefe aus dem krankenhaus, berichte und gedichte von freunden, er ist jung gestorben, wohl an einem lungenleiden.

S/W- Foto von Friedrich Gundert, aus einem Buch zu seinem Andenken nach seinem Tod 1946

er hat in calw gelebt, hatte dort ein steinhaus, von dem es eine webseite gibt, weil die stadt mit all ihren holzhäusern wohl im 17. jh einmal durch einen brand zerstört wurde, und ein weitsichtiger mann namens schill sich dann ein haus aus stein hat bauen lassen, aus großen, massiven steinen und einem gewölbekeller, sicher vor feuer. friedrich hat die letzte enkelin des herrn schill geheiratet, emma, hat hat mir ihr dort gelebt, weiß nicht, ob er auch seine geschäfte von dort betrieben hat. er hatte viele geschwister, neffen und nichten, eine enkelin wird erwähnt, sie stirbt leider mit anfang zwanzig, in den 60ern, aber das hat er nicht mehr erlebt. mich beschäftigt dieses erfolgreiche, intensive leben, viele angehörige sind nach indien ausgewandert, als missionare, sind hin- und hergereist im 18. und bis ins 20. jh hinein, mit netzwerken, freundschaften, literatur, familie. was sie im 2. weltkrieg gemacht haben, steht nicht drin, er ist 1946 gestorben, online finde ich einiges zu seiner familie, aber keine historische einordnung, ich suche aber auch nicht richtig danach, genug kleine kommentare gegen die hj und die nazis finden sich zum glück, in den briefen, wo er über die schwierigkeiten schreibt, direkt nach dem krieg papier für den buchdruck zu bekommen. es gibt noch familienangehörige, auf der seite mit dem verzeichnis der angehörigen sind die anonymisiert, den verlag gibt es nicht mehr. er war der onkel von hermann hesse, er wird mir sympathisch nach lektüre des büchleins, muss ein besonders begabter und feinsinniger mensch gewesen sein, liebhaber von bach, damit kriegt man mich ja sofort, aber es bleibt unklar, wie er es im dritten reich gehalten hat, es wird beklagt, dass die gefangenen nach dem krieg keine bücher bekommen, weil so wenig gedruckt werden, es finden sich minimale andeutungen, dass es schwierige zeiten waren – eigentlich nicht genug, aber es ging ja auch nicht darum. das richtige leben im falschen.

in der tram gestern zum zweiten mal einen sitzplatz angeboten bekommen, obwohl der weiße haaransatz unter der mütze war – abgelehnt. es ist, wie es ist.

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sick days

krank und ko zu hause, nicht gefährlich krank, nur erkältung. brauche 1-2stunden, um aus dem schlechten gewissen herauszufinden, trotz verstand und lebenserfahrung ist der pflichtimpuls tief eingebaut und größer als der selbstschutz. nervend. niemand freut sich über virenschleudern am arbeitsplatz, ich muss mir das wie eine meditationsübung wiederholen. paar tage flach gelegen und nichts mitbekommen von allem, geschlafen, heute langsam wieder ich selber.

nachträglich erschrocken bis fassungslos darüber, wie ich im januar die chance verpasst habe, in berlin nordlichter zu sehen, bloss weil ich abends um 22 uhr zu kaputt war, um nochmal raus zu gehen, in den nahen park, wo ich sie eventuell hätte sehen können, es war mir egal, der preis schien zu hoch – und ich bin damals mit 8 monate altem sohn und mann mit einem ollen benz-kombi bis nach münchen gefahren, um eine sonnenfinsternis sehen zu können, vor 26 jahren.

tja. ich merke daran, wie anstrengend das lebensmodell „beruf“ tatsächlich ist, was es kostet, wie sehr ich mich darin füge, wenig energie für anderes zu haben, wobei es auch einfach am zustand „altern“ liegen kann, wie fast alles neuerdings. aber die nordlichter tun weh. das darf nicht so bleiben, vielleicht habe ich noch eine chance in diesem jahr, die sonne steht gut dafür.

gebannt beim vierfachen axel zusehen, danke nyt. diese leichtigkeit, die perfektion, die energie, überwältigend schön. bevor er loslegt, hören wir ein gedicht über die leere, sehr jugendlich intensiv, „The only true wisdom/ Is in knowing You know nothing/ The lost/ Is in the unknown“, dann folgt die musik.

berlinale geguckt, also beim roten teppich via stream, sehr nett. kenne fast niemanden, bis auf herrn eidinger, den man ja im zweifel auch durch den mangel an kleidung identifizieren kann. viele augenscheinlich erfolgreiche junge menschen in all den wunderbaren festgarderoben, für den anlass zu dünn, es kam auch immer sofort nach ausstieg aus dem auto ein mensch und hat die mäntel an sich genommen, dabei hatte frau yeoh einen riesigen plüschigen kurzen pelz über ihrem schulterfreien kleid, sehr elegant, sie sah dann ohne eher beraved aus, ganz zart und schmal. herr wenders in klassisch schöner männerkleidung, stilsicher und attraktiv auf eine klassisch zuverlässige weise.

habe karten für zwei filme, nach termin ausgesucht, nicht nach inhalt oder künstler*in. vielleicht ergibt sich spontan noch was, die karten werden ja nach und nach freigegeben, das ist recht entspannend. die blutgräfin hätte ich wg vorliebe für vampirfilme gern gesehen, ist aber zeitlich schwierig, herrn buscemi mag ich auch, die idee des films klingt nach sentimentalem ausflug ins new york des letzten jahrhunderts. so, jetzt ab ins wochenende!

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mitten im kalten winter

„Because there’s cold like a crisp apple, invigorating, makes you feel alive; and then there’s cold like the dark side of the moon, the kind that makes you question your life choices.“ (KBHR 57am, NE)

es sind ja nur 0 grad, so kalt ist es eigentlich gar nicht, aber in berlin reicht das, weil niemand streut (es wäre die pflicht der anlieger, die dann 1, 2 handvoll sand vor der haustür verteilen, oder auch nicht, es kümmert keinen), nicht einmal die bürgersteige der danziger str. (große 6 spurige hauptstrasse mit strassenbahn in der mitte) sind problemlos begehbar, es ist inzwischen festes graues eis, spiegelglatt. früher hat mich das irgendwie nicht gestört, vielleicht entwickele ich angesichts meiner zerbrechlichen mutter da jetzt auch unsicherheiten, muss aufpassen, oder nee, morgen spikes unter die schuhe, dann läuft das. leute auf fahrrädern verstehe ich nicht, wünsche aber viel glück und glatte brüche, wobei einen tag später immerhin die strassen relativ uneisig aussehen, aber versuchen will ich es nicht, im totalen unterschied zu letztem jahr, wo ich dann eher so spielerisch aus der hüfte heraus trotzdem gefahren bin, da war halt mehr schnee auf dem eis. sehr genervt, weil ich soviele wege nur zu fuss oder mit den überfüllten und dauernd verspäteteten öffentlichen verkehrsmitteln machen kann. berlin ist so durch.

das „stromnetz berlin“ zeigt auf instagram, was sie grade tun, das ist hilfreich. heute wollen sie irgendwie ein ölkabel mit einem kunststoffkabel verbinden, das klingt schon etwas nach o’brien.

den idioten von der truppe, die den stromausfall durch einen anschlag verursacht haben, wünsche ich schnellstes geschnapptwerden, mögen sie danach vergessen werden, ich nenne nicht einmal ihren namen.

lange tage diese woche. ich mag keinen winter. versuche mich daran zu erinnern, wie lustig sich das knirschen anfühlt, wenn der schnee frisch gefallen ist, wieviel spass die kinder mit ihren schlitten auf jedem kleinen hügel haben, während wir beim spaziergang vorsichtig über die glatten wege des parks stapfen, aber nee, nix für mich.

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natale 2025

beim weihnachtsfrühstück gemerkt, dass ich mir langsam ein besseres tischdesign wünsche, wechsele ein paar mal den tischläufer, bis ich zufrieden bin. den söhnen fällt es nicht auf, ich glaube, das besondere, geplante, durchdachte ist das wichtige, das gute service, nicht die details, und merke deutlich, wie ich dieses jahr bereitwillig die grenze ins alberne überschreite, souverän überschreite, but still. nach dem frühstück muss davidzwilling nochmal los, ich schaffe es endlich, den rechner an die anlage zu koppeln, adeste fideles erschallt, doch, meine boxen sind gute alte handwerksarbeit, das macht schon einen unterschied. entspannung, alles verpackt, der große besetzt dieses jahr die küche, er hat das morgige weihnachtsessen dieses jahr geplant und beginnt heut zu kochen, er pfeift die lieder dabei mit. ich hab mir immer noch nicht die fingernägel lackiert.

der 24. ist der geburtstag meines vaters, wir werden auf ihn anstossen heut abend, kaum zu glauben, dass er seit 22 jahren nicht mehr da ist. hätte gern herausgefunden, ob sich unsere beziehung noch einmal intensiviert hätte (wahrscheinlich nicht), finde es schade, dass er seine enkel und enkelinnen nicht richtig kennenlernen konnte, und sie ihn auch nicht.

schöner abend, entspannt, kein strikter rahmen, er entwickelt sich einfach, weil die abläufe klar sind. keine kerzen, elektrische beleuchtung am baum, bisschen schade, aber es ist soviel einfacher, morgens einfach das licht anzuknipsen, statt jedesmal die kerzen einzeln anzuzünden und dann drauf aufzupassen. einen feinen cremant trinken wir, und wasser. keine kirche, im letzten jahr war die gethsemanekirche so unfassbar voll, es war der familiengottesdienst am nachmittag mit schlange vor der kirche, dieses jahr wollten wir eigentlich zum abendgottesdienst gehen, waren dann aber so in unserem familienrhythmus, dass niemand da rauswollte, ich hätte die regie übernehmen können, mir fehlte dafür dann aber der nötige drive. bisschen schlechtes gewissen. mir hat vor allem das singen gefehlt, auch die predigten sind an weihnachten ja meistens sehr gut. nächstes jahr den tag besser planen, mir hat andrerseits das planlose dieses jahr sehr gut getan. hü und hott.

der gregorzwilling sitzt noch am rechner, er hat einen abgabetermin, kommt aber gut klar, sagt er. seine freundin wird uns am wochenende besuchen, das erste mal, dass jemand mitkommt über die feiertage, freue mich drauf. beim adventskaffee mit den freundinnen reden wir kurz darüber, dass die kinder noch kommen, wir wissen, sobald eventuelle enkel da sind, reisen wir und sind gast bei den kindern. es wird allgemein viel gereist, zu eltern und geschwistern, ich bewundere die energie, ich könnte das nicht, komme dieses jahr aus dem letzten loch pfeifend in den weihnachtsferien an.

am ersten tag hat der große das kochen übernommen, der davidzwilling hat ihn dabei unterstützt, es war ein fest, ein vegetarisches, weil es dieses jahr mal keine gans geben sollte. aufwändig die sosse, über 2 stunden aus gemüse, wein, orangen zusammengezaubert, dazu selbstgemachtes rotkraut und klösse, mit blumenkohlsteaks, die vorher über nacht eingelegt waren. extrem lecker. das essen macht nicht schwer, sondern satt und zufrieden, im unterschied zur gans, wo alle erstmal ein paar stunden platt waren. dazu eine mousse ou chocolat der götter, mit salz und olivenöl, sahne, im wasserbad geschmolzener schokolade, kalorien bis ostern mindestens. hatte den wein zum essen im haus, die flaschen liegen seit ein paar jahren in der küche, und dann waren sie beide gekippt. haben wir wasser getrunken. habe dann später den rest kochwein getrunken, weil wein dazu gehört, den aber auch stehen gelassen. scheint, als ob das mit dem alkohol vorbei ist, beim bier bin ich bei etwa einem kleinen glas pro woche, so als gönnung. oder ich wechsele auf nur noch cremant, den habe ich genossen, vielleicht gibt es den in 0,2 flaschen.

meine mutter kommt diesmal nicht mehr, die treppe, wir besuchen sie am ersten feiertag, spontan, weil es nur so geht. sie schenkt mir eine fake-hermes-tasche mit großem „h“ vorne drauf, eine evelyne, wenn ich sie nicht will, schenkt sie sie jemand anderem, sagt sie, dann nehme ich sie, freu mich aber nur so halb. ich lebe in keinem hermes-umfeld, egal ob fake oder nicht. zur berlinale kommt eine nichte, der werde ich sie anbieten. freue mich aber über einen schal aus ihrem großen bestand, auch die söhne bekommen je einen, viel gelächter beim anprobieren, viel genaue blicke der jungs auf ihre brüder, wer jetzt den schönsten erwischt hat, ein klassischer familienmoment.

unfassbar, dass es bereits freitag ist, die erste ferienwoche fast rum. habt es noch schön heute und die nächsten tage!

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rauf und runter

kurze zwischenempfehlung für den winteranfang: während ich unter einer wärmflasche entspanne, gerate ich auf youtube in die dokumentation einer abfahrt, auf skiern, vom everest, ohne sauerstoff.

die bilder sind unfassbar toll, man fällt hinein und kann es nicht fassen, der riesige berg mit makellosen schneeflächen, gefilmt mit einer drone und einer helmkamera, die bruchkanten ins nichts, die versteckten gletscherspalten des khumbus icefall, blick mal von ganz hoch oben auf den mann als winzigen punkt in all der weite, mal direkt auf die skier. kommentarlos, man hört nix außer dem keuchen und husten des athleten, der den job für red bull übernommen hat, andrzej bargiel. und eher doofe athmo-musik. bin gebannt und sehe es grad zum zweiten mal, um die bilder der ersten minuten noch einmal sehen zu können. nein, ich möchte trotzdem auf keinen berg.

es gab in den letzten jahren einige solcher filme und dokus, ich mochte besonders die geschichte des franzosen aus der vorstadt von paris, der den aufstieg aus gründen der liebe und ohne viel vorbereitung einfach so gemacht hat, und finde den intensiven tourismus im himalaya befremdlich. youtube ist voll mit bildern und filmen von den massen in langen schlangen auf dem berg, und von den zurückgelassenen toten.

nach diesem red-bull-film konnte ich zum ersten mal nachvollziehen, warum jemand auf diesen berg will. solang es noch geht, es fällt zunehmend weniger schnee durch den klimawandel, danach ist das abenteuer noch schwieriger und steiniger.

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ognissanti

ich bin ja so eine etwas schwankende agnostikerin, die an den feiertagen und -zeiten, wie weihnachten und ostern, sehr deutlich in richtung glauben kippt, ich fühle mich dann geborgen und kann das nichtwissen genauso ignorieren wie das wissen darüber, wieviel unfassbares leid die religionen über die menschheit gebracht haben, wieviel unrecht den frauen angetan wurde und wird, usw usf.

ab reformationstag bin ich gefühlt wieder christin und ärgere mich darüber, dass es im geizigen berlin keinen freien tag dafür gibt. ich war früher mal bei einem kirchlichen arbeitgeber, da durfte ich freinehmen, wenn ich einem gottesdienst beiwohnen wollte. stattdessen im job halloween gefeiert, das war auch okay.

in italien ist der 1. november ein (katholischer) feiertag, allerseelen, da gedenkt man der toten, zündet ihnen für die dunkle jahreszeit eine kerze an, ich erinnere mich an die fotos von hell erleuchteten friedhöfen, kannte und kenne aber niemanden, der selber was angezündet hat, klar, wir waren alle knapp über 20 damals, da hatten wir noch keine toten, aber es war auch niemand auf diese art gläubig, das waren die anderen. wobei halt, eine klassenkameradin musste sogar zur frühmesse um 5, jeden tag, das wurde als sehr, sehr sonderbar und eher eine art von mißbrauch angesehen.

inzwischen trage ich meine toten so mit mir herum, sie sind teil des inneren panoptikums, denke sozusagen immer und nie an sie.

ich mag den jetzigen umgang mit allerseelen lieber, die geister werden im lebendigen gefeiert, die toten und ihre gespenster in einer kindgerechten form, sie werden mit süßkram beschenkt, damit sie den lebenden wohlgesonnen bleiben, und ziehen wieder von dannen. auf dem heimweg über die vielen kinder auf beutezug gefreut, gefühlt eher unter 10 jahren, die meisten mit ebenfalls verkleideten müttern.

der gregorzwilling war hier, auf einer party, und ist als zombie-cowboy gegangen. er war grade los, da hat es an der tür geklingelt, und ein kleiner zombie sagte seinen spruch auf, auf englisch, ich hatte was da und hab erzählt, dass eins meiner kinder grade auch als zombie los ist, da hopst der kleine auf und nieder und sagt: „I saw him! I saw him! He shot me!“. zum glück hatte ich meine minimal-verkleidung noch an, mit inzwischen passend verschmierter schminke.

vielleicht heute mal wieder in einen der wenigen fantasy*-romane schauen, die ich mag und gelegentlich lese, wie den herrn der ringe (seit jahren nicht mehr, schade) in der schönen originalausgabe aus den endsiebzigern, oder susan cooper mit ihrem feinen „the dark is rising“. deborah harkness mit den folgebänden ihrer all souls-trilogie ist auch noch auf der ersten kindle-seite, und den letzten roman der „rivers of london“-reihe von ben aaronovitch hab ich auch noch nicht durch.

oh, zu fantasy: ich hab wirklich besser denken können früher. noch mal den beim thema serien verlinkten vortrag von lev grossman geguckt, er hat mit einigem drama geschildert, wie im 18. jh „der realismus“ über die literatur kam:

„… reading culture developed a huge obsession with realism, realism clamped down on literature and became the definition of what literature was. Fictional worlds were supposed to look like the real world, and the other stuff, the fantasy stuff, the goblins, whatever else, it got pushed into various different margins. It got pushed down to the children, it got pushed off to the supermarket racks, gothic literature, to the genres. And this death grip of realism, it only tightened when the modernism came along, who really codified it. But this wasn’t always the case. You go back a little further, you get into shakespeare …“

usw, bei shakespeare gab es noch hexen, geister, alles. er bringt gattung und inhalt durcheinander, und die beschriebene trivialisierung oder infantilisierung hat ja auch mit anderen inhalten stattgefunden und sie nicht als ganzes diskreditiert, wie liebesromane oder historienschinken, aber diesen kleinen rechtfertigungsdrang habe ich auch immer noch, wenn ich das lese, phantastik (kling seriöser als fantasy) als eher gebrauchsliteratur, die nur im kinderbuch okay und erwünscht ist, im gutbürgerlichen bücherregal der erwachsenen aber keinen platz mehr hat. das habe ich mit der muttermilch eingesogen und empfinde immernoch diese absurde kleine scham, die ich beim lesen schnell wieder vergesse, sind doch die bücher oft eher plot-driven und bleiben in bewegung, sind leicht lesbar, haben keine eigene stilistische metaebene, also doch eher für eskapismus geeignet, yadda yadda, nu, so ist es halt.

ich bin aus der schuld- und scham-generation, immer wieder erstaunlich, wie tief das eingesickert ist durch erziehung etc. ich fühle das noch, kann aber drüber lachen, nach einer gelegentlich zu langen weile, dermassen dankbar, dass die zeiten anders sind.

dabei fällt mir auf, warum ich die oben erwähnten nicht weitergelesen habe: weil der ínhalt bei ihnen, oft in einer nichtersten folge der romanserie, zerfranst ist, es zuviele figuren gibt, die linien sich verlieren etc. – das ist die gefahr bei diesen büchern, wenn der plot oder die plotentwicklung schwachstellen haben, bleibt wenig grund zum weiterlesen.

ohje, da bin ich irgendwie in ein zu weites feld geraten beim bloggen. flüchten oder standhalten, löschen oder nicht? hilfe beim sortieren wird gern angenommen.

in der wikipedia auf den begriff „sozialistischer realismus“ gestossen, gleich an irmtraud morgner gedacht, die ja in der ddr veröffentlicht hat, die hab ich in den neunzigern vielleicht auch deshalb gern gelesen, weil sie diesen klugen und schön selbstverständlichen umgang mit phantastik hat, zb in der trobadora beatriz, erinnern kann ich mich aber nur ans buch selber, hell-lila einband, sammlung luchterhand, nicht mehr an den inhalt. den verlag gibt es erfreulicherweise noch, er gehört jetzt penguin, das buch erscheint inzwischen bei btb.

(upsi. zu lang wieder, sry)

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14. september 2025

kisten ausmisten, eine mit alten notizbüchern und tagebüchern, ich wünsche mir ja eine klarere linie in der einrichtung, und habe seit dem ukraine-krieg so eine kleine innere liste, was würdest du mitnehmen wollen, wenn du dich drastisch verkleinern müsstest? dann natürlich reingelesen.

foto von zeitungsausriss mit einem alten käfer, der durch eine pfütze fährt und dabei einen menschen nassspritzt, der mit einem sprung ausweichen will.

jetzt etwas fassungslos darüber, wieviel es in den tagebüchern um begegnungen, geschichten, männer geht. ich habe selten ein datum dazu geschrieben, es war vor den kindern, also wahrscheinlich 90er, die dichte an gefühlen, bildern, der hunger darin ist etwas bestürzend, weil ich merke, wieviel ich tatsächlich verloren habe, ohne es zu vermissen. wie ernst ich mich genommen habe. es war vor dem internet, liegt es daran, dass ich hinter den schritt aus der selbst- in die fremdwahrnehmung nicht mehr zurück kann? hinter die ironie, die analyse. manchmal ist der horizont zu weit. jetzt das gefühl, dass ich damals mit allen selbstzweifeln näher an mir war als heute, mich beim schritt aus der dusche mal im spiegel angesehen, statt wie sonst immer daneben zu gucken, es ist alles inzwischen mehr schraffur als kontur, aber ich bins schon noch.

der preis, den man zahlt.

wieviel beim erleben sofort in eine schublade rutscht und dort verschwindet, oder nee, es sind mehr kladden als schubladen, es ist alltagsverwaltung, weil alles immer weiter will, weiter im programm, es ist kein raum für erlebnistiefe. vorgenommen, momente zu sammeln, das vieldimensionale wiederfinden, die midlife-crisis geniessen, solang sie anhält, irgendwann bin ich durch damit, stehe am fluss und will nicht mehr reinspringen.

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050825 #wmddgt

jetzt haben wir zufällig an einem 5. was unternommen, da bietet sich das doch an.

zu früh für ferien wachgeworden, mir und dem großen einen kaffee gebracht, fenster aufgerissen und die noch kühle frische luft hereingelassen – es gab dieses jahr noch keine dieser üblichen schwülen 35°c-tage hier, es ist tagsüber um die 28°, abends kühlt es auf 23° oder so ab, perfekt.

dienstags ist eigentlich markt in der stadt, aber ich hatte am tag zuvor eingekauft, wir konnten uns das frühe aufstehen wg parkplatznot sparen. gut gefrühstückt, ich mit mitgebrachtem müsli, der große mit salat, caprese und obst, alles klar von ihm selbst gemacht.

nach dem frühstück internet gelesen, unter vermeidung von nachrichten, da bin ich im urlaub im verdrängungsmodus.

nachmittags ist der große zu fuss zum strand gelaufen, ich bin erstmal noch in die stadt für einen einkauf, danach auch an den strand, dort jemanden verabschiedet, die zurück nach hause muss, außerdem mein seit paar jahren vergessenes schlauchboot identifiziert, also der große hat es in einem großen beutel in der umkleide, unter all denn minisurfbrettchen, flossen, einzelnen rudern uä entdeckt, mit nach oben genommen, es ist fast zu schwer zum alleine tragen. es passen 5 oder 6 leute rein, ich war in den letzten jahren halt immer allein hier.

dann schon um kurz vor 5 hoch, wir wollen nach locarno rüberfahren. der große kocht sich noch schnell was, ich räume bisschen herum, um halb sechs fahren wir los, nur bisschen später als vorgenommen. die strasse geht am see entlang, mir fällt der sehr dichte verkehr auf, vielleicht berufsverkehr? die kombi arbeit in der schweiz/ wohnen in italien ist recht beliebt. endlich die grenze, wie meistens komplett verlassen, ich fahre langsam durch. dann gibt es noch 12km autobahn, nach der ausfahrt in die stadt sofort auf parkplatzsuche, bin generell eher frei von orientierungssinn und bei der weit verbreiteten verkehrsführung mit unmengen von einbahnstrassen, kreisverkehren und fussgängerzonen schnell überfordert, trotz navi („kehren sie in 5m um“; „BITTE WENDEN“, etc.) bin kurz gestresst, dann einen der gesuchten parkplätze gefunden, die ab 19 uhr nix mehr kosten, kurz mit zwei jungen frauen geschnackt, die eine hatte eine feine kette über dem nasenrücken, zwischen zwei kleinen ringen an den nasenlöchern, das hab ich noch nie gesehen, nicht mal in berlin. danach gemütlich am see lang zur piazza grande gelaufen.

reihen von gelben plastikstühlen, hinten mit aufdruck "locarno film festival"

der platz ist noch relativ leer, sehr viele gelbe und schwarze plastikstühle sind dort aufgereiht, bis zu 8000, lese ich, aber das scheint mir doch etwas übertrieben. die leinwand ist wirklich riesig, die projektoren sind so groß wie ein container, schick in schwarz am ende des platzes, da reiche ich noch fotos nach. wir kommen von der leinwandseite des platzes um ca halb 8, es gibt eine taschenkontrolle, bei der ich mein mückenspray nicht deklariere, es hat nämlich ein „vorsicht brand“-zeichen an der seite und dürfte eigentlich nicht mit rein.

schwarzes sitzpolster mit aufdruck, ein leopardenkopf und aufschrift "prix du public UBS"

wir bekommen so sitzpolster mit werbung für teilnahme am publikumspreis („die größte jury der welt“ sagen entweder festivalsleitung oder einer der ubs-sponsoren später) und ziehen dann nacheinander noch einmal los, um kaffee und einen kleinen imbiss zu besorgen. es gibt viel zu gucken, der platz füllt sich rasch, mit dem großen versuchen wir die altersmischung zu schätzen, er meint „eher alt“, ich meine „eher jung“. schön angezogene, lächelnde menschen überall jedenfalls. wir hören, wie bei ein paar stühlen die lehnen abbrechen mit lautem knacks, da hat sich wohl jemand zu beherzt angelehnt.

dann gehen die lichter aus, der himmel ist noch nicht ganz dunkel, aber leinwand und film sind sehr gut sichtbar. nach den ersten szenen enttäuschung, die untertitel sind auf italienisch, sooo international sind die dann doch nicht, denke ich. sage dem großen, dass wir jederzeit gehen können, wenn ihn das nicht verstehen nervt, aber der film last dance ist auch so gut und nachvollziehbar verständlich, wir bleiben bis zum schluss.

filmleinwand an der liazza grande in locarno, vor dem film wird das publikum gezeigt

achtung, es folgen spoiler:

germain ist 75 und lebt in glücklicher ehe mit seiner frau lisa, die begeistert bei einem tanzprojekt von la ribot mitmacht, ihm filmchen schickt, viel erzählt. dann stirbt sie, germain wird von seiner familie und nachbarn aufgefangen, bekocht, begleitet, jeder übernimmt eine der rollen, die alle auf einem großen kalender in seiner wohnung farblich markiert werden. ihm ist es etwas zuviel, die vielen speisen bekommt die katze, bald mehrere katzen, weil es sich herumgesprochen hat.

das paar hat sich versprochen, für den anderen dinge zu ende zu bringen, falls eine/r früher gehen muss, er besucht also eine probe von la ribot und fragt, ob er mitmachen darf, findet sich so eher ausversehen in einer mehrmonatigen und sehr intensiven täglichen probezeit wieder, wo er langsam vom „pinguintanz“ (der große) in eine gewisse ausdrucksfähigkeit hineinfindet. er erzählt keinem davon, es gibt einige lustige missverständnisse deswegen, weil er nie zu hause ist und sich alle sorgen machen. der film endet mit der aufführung, die familie im publikum, die aufführung ist uns ein bisschen zu einfach gelöst, andrerseits sieht man die lücke, die seine frau gerissen hat, das passt dann wieder. schöner leichtfüßiger film.

heute beim googeln erst gemerkt, dass ribot eine bekannte choreografin ist, sie hat 2020 einen goldenen löwen für ihr lebenswerk erhalten, und diese art arbeit mit biographischen elementen, dem körper wie er eben ist, mit professionellen und amateurstänzer/innen gleichzeitig auf der bühne, das passt zu ihren konzepten.

wir reden über die raubtiere bei festivals, bär und löwe waren halt vergeben, sind aber auch naheliegender, wie auch die palme für cannes. mal nachforschen, welche bedeutung ein leopard für stadt und gegend (tessin) hat, vielleicht nur die pelze der damen im nahen ascona um die jahrhundertwende? das festival gibt es seit den vierzigern, ich weiß nicht, ob es immer den leopard für den besten film gab.

es ist den ganzen abend schön warm, wir bleiben im t-shirt.

dann durch die stadt zum auto spaziert, um kurz vor mitternacht losgefahren. unterwegs noch fast kein benzin mehr, hat mich gewundert, an einer minitanke mit selbstbedienung noch den tank gefüllt. strasse jetzt fast leer, die dörfer und städte noch voller menschen, es ist august, da arbeitet niemand in italien. um eins ca zu hause.

beim austeigen ohrenbetäubendes grillenzirpen.

#wmdedgt steht für: was machst du eigentlich den ganzen tag?

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2. august 2025

heute bei kräftigem regen gefrühstückt, dann war wieder sonne und wir sind zur fähre gefahren, der große brauchte eine badehose, die es auf dem markt an der anderen seeseite geben würde. in saisonzeiten fährt alle 15minuten eine fähre, 13,60 für beide hin und zurück, drüben durch den ultravollen markt gelaufen, badehose gefunden, dann noch die suchtmässig leckeren zitronen-ricotta-tortellis geholt, 12 große stück für 16 euro, schwamm drüber, mit olivenöl (oder butter?) und frischem parmesan sind die eine sünde wert. viele deutsche extrem unelegante touris unterwegs, zu enge t-shirts, bauchteile frei, rote hälse und köpfe, ich weiß nicht, warum mir das so auffällt dieses jahr, es sollte mich nicht kümmern eigentlich. mein sohn trägt ein gestreiftes baumwollhemd und bermudas und sieht blendend aus, tjé.

ich hätte hunderte handtaschen wählen können, aber es war dann einfach zuviel auswahl, sehr lustig die gefakten birkinbags aus leoparden-kunstfell, hätt ich vielleicht mitnehmen sollen, aber die kosten meist auch über 200€, und sind nur im vergleich spottbillig*. (ich rechne dies jahr mehr, weil mir der in den letzten monaten zuviel gezahlte lohn {im öd ist man bei versetzung immer erstmal auf vollzeit und muss die teilzeit neu beantragen, das hatte ich übersehen, habe aber weiter teilzeit gearbeitet} auf einmal abgezogen wurde, ausgerechnet in den sommerferien.

mit den hörgeräten höre ich das haus knacken und weiß nicht, ob das früher auch schon so war.

mittags bekocht worden vom großen, andere tortelli aus dem kühlschrank mit einem extrem leckeren und frischen tomaten-gemüse-sugo, zum reinsetzen, dabei wollte ich eigentlich nur ein oder zwei probieren. am eher späten nachmittag dann noch zum see für eine runde schwimmen, lesen, plaudern mit den anderen, danach aperitiv, diesmal am see, auch hier teurer geworden, aber der blick ist natürlich unbezahlbar. abends bruschetta mit dem rest sugo, sehr lecker, und ein bierchen, lese am handy gründe für intensives weiteres daumendrücken nach, es ist ein elend alles, aber es wird alles besser werden, unbedingt, ausrufezeichen.

erholung setzt ein, es ist ein riesiger unterschied, nicht mehr restlos erschöpft zu sein bei urlaubsbeginn.

*nachgesehen: es sollte eine kelly und keine birkin gefaked werden, und die gab/gibt es sogar wirklich.

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31. juli 2025

erster tag see und strand, mit alten freunden und bekannten. wir merken, dass wir langsam die alten sind, die immer am strand sitzen und lesen, im schatten der großen birke. sonne mit wolken, es ist fast frisch gelegentlich, mit sonne aber wie immer, das wasser klar und kühl. abends aperitiv, diesmal oben an der strasse statt unten am see, weil es unten sehr voll ist und oben leckere häppchen dazu gereicht werden. danach hoch zum essen und abwarten, wann die sonne nicht mehr spürbar ist auf der haut. nivea.

tisch mit aperol und ein paar kleinigkeiten zum essen

gemerkt, dass ich endlich mal zum filmfestival nach locarno kann und es nicht wie sonst immer verpasse. es gibt für alles noch tickets, möchte gerne einen der filme auf der piazza grande sehen (slowtiger hat recht, den anblick sollte man mitnehmen), bisschen sorge, weil ich ja nach filmende noch anderthalb stunden um den see zurück fahren muss, aber wann, wenn nicht jetzt. tagsüber eine reihe kurzfilme, darunter bleifrei 95, dann sehnsucht in sangerhausen, abends happy worker, mit colm meaney, den ich als trekkie natürlich immer gern sehe, danach kommt auf der piazza grande noch ein mich null interessierender film über einen milliardär und seine tochter, den schaue ich just for the feeling sozusagen. der spannendere film läuft am abend davor, aber der kommt bestimmt auch mal nach berlin. oder lieber last dance? dafür ein gratis-ticket gebucht. 4+ -filme an einem tag, dafür habe ich jahrelang beim streaming geübt.

meine kamera in berlin gelassen, die alljährlichen aufnahmen vom rosanen monte rosa mit dem handy versucht, aber das klappt dann doch eher nicht.

blick auf den monte rosa im morgenlicht, etwas unscharf
monte rosa unscharf im morgenlicht

versucht, den großen herzulocken. eine zugfahrt würde 10 stunden dauern und hin und zurück über 330€ kosten (via trainline), flüge von köln/bonn nach malpensa hingegen nur 120€ hin und zurück. so wird das nix mit der energiewende.

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kw 29, 2025

es ist mir zu kalt inzwischen, dauernd komme ich durchgeregnet zuhause an, trotz regenklamotten, diese bindfäden kommen überall rein. berlin ist ja eigentlich nur im sommer richtig schön, und wenn der nicht stattfindet, bleiben nicht so viele gute gründe. ich sach ja nur.

die geburtstagssträuße alle noch stehen gelassen und ihnen beim verwelken zugesehen, die lilien öffnen sich immer weiter, nehmen raum ein, bleiben dabei aufrecht, ich wünschte, ich könnte das malen und nicht nur fotografieren, muss an einen onkel denken, der jedes wochenende zum malen ins fränkische umland gefahren ist (die fränkische schweiz), aquarelle, jeder in der familie hatte ein paar davon in der wohnung hängen, zumindest in den ersten 10 jahren nach seinem tod, es waren dezente, angedeutete landschaften, aufs wesentliche reduziert. am see hängen noch seepanoramen, die er gemalt hat.

generelle genervtheit über die kapitalisierung von restlos jedem medizinischen bedarf. meine insulinpumpe hat den riesigen nachteil, dass die dafür angebotenen katheder überhaupt nix taugen, auch lange kaum lieferbar waren, ich also die anderer hersteller nutze, die natürlich nicht richtig passen, weil die verbindungen zwischen pumpen und kathedern meistens über einen proprietären anschluss laufen. katheder von medtronic passen nur auf pumpen von medtronic usw., die pumpen von medtronic lassen sich aber nicht durch meine loop-app steuern, sondern nur durch ein vom hersteller angebotenes system. die auswahl der katheder ist oft von unverträglichkeiten oder körperstrukturen abhängig, also werden adapter für die verbindung der systeme selber gedruckt, von uns, aber da sind die materialien nicht immer richtig, kommen manchmal in kontakt mit dem insulin, und das will ich dann auch nicht unbedingt. es ist ein bisschen wie früher, als jedes handy seine eigene ladebuchse hatte, an die nix anderes passte, der weg zum usb-c-eingang für alle war weit, und da gab es nur 4 varianten oder so, bei den insulinpumpen sind es fast 10 hersteller, weltweit verteilt.

auf bluesky einen langen thread über die reacher-filme gelesen, mit denen ich leider nichts anfangen kann, weil sie so sehr auf körperlichkeit hin ausgelegt sind, nur prügeleien, der schauspieler ein riesiger, cartoonesker muskelmann, er nimmt drogen für den film, hat er erzählt. auf die bücher von lee child hab ich mich jedes jahr gefreut, sommerlektüre, auch weil die art mann, die reacher darstellt, in den büchern eine bischen diskretere version von körperlicher überlegenheit hat, zumindest bleibt sie im text und drängt nicht ins bild, es gab platz für dialoge, beziehung, für die umgebung als archetypisch untiefe amerikanische provinz, nicht die reine unfassbar langweilige männliche überlegenheit durch muskelmasse, ein endpunkt für narration, plotentwicklung, spannungsaufbau, alles, er haut druff und das problem ist aus dem bild. inzwischen schreibt wohl lee childs bruder die bücher weiter, habe tatsächlich 16 bände reacher auf dem kindle. es spricht natürlich für die bücher, wenn sie so unterschiedlich gelesen, nein: so derbe reduziert werden können, das weite feld, finde es trotzdem traurig, wie wenig von meiner faszination es in die verfilmung geschafft hat. es ist ein reiner uncharmanter männerfilm geworden, der so nebenbei mittransportierte bias dabei, die vermutlich männliche angst/bequemlichkeit: nur ein superheld kann gerechtigkeit walten lassen, alle anderen sind irgendwie entschuldigt, das stört mich in den büchern nicht, da ist es teil der suspension of disbelief, es ist halt ein james bond, eine modesty blaise, ein poirot. und die kraft der hauptfigur bleibt mittel und verselbständigt sich nicht zum zweck. wobei, ich sollte mal wieder reinlesen, vielleicht erinner ich das falsch.

wobei ich dazu sagen sollte, dass ich bei gewalt immer sofort vorspule und also verhältnismässig wenig gesehen habe von der serie.

darauf ein paar lilien:

rosafarbene große lilienblüte
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musik und parties

eine freundin fragte an, ob ich eventuell in die philarmonie wolle, sie hätte da eine steuerkarte übrig. immer, natürlich, wer will das nicht? es war auch noch ein wirklich sehr guter platz in der ersten reihe von block b, der saal voll, etwas über ein drittel weißhaarige menschen, die anderen von ca. 12 jahren an aufwärts. seit langem mal wieder ein abend, bei dem ich so gut wie nichts vorher kannte, oder zwar schon mal gehört habe, aber ohne eine beziehung zur musik aufzubauen. liszt und strauss, thielemann und erin morley, eine sensationell gute sopranistin aus den usa. beim zuhören kann ich es kann glauben, dass jemand (strauss) so eine melodieführung schreiben kann für eine stimme, es scheint eine sehr wilde reise, doch sie bleibt souverän, gutgelaunt, charmant in einem wunderschön schwingenden plisseekleid in bianchigrün. die orchesterlieder sind es, thielemann erzählt, dass er ein bisher unbekanntes lied gefunden habe, für piano, und daraus ein orchesterstück geschrieben hat, unfassbar eigentlich. das lied war fein und voller schönheit, ganz leicht und elegant, nicht so voller sensationeller effekte wie die anderen lieder.

mit ubahn zurück, wie immer mit pendelverkehr, ich weiß auch nicht, was grad in berlin los ist.

so, das war am 6. juli, schon wieder über eine woche her. im klassikblog, das ich oben verlinkt habe, sind seitdem schon wieder drei komplette seiten gefüllt, ich habe mir zum 60. mal wieder das weiterbloggen vorgenommen, egal wie, egal was, nicht mehr warten, bis die ganzen angefangenen texte mit ideen, sätzen, abschweifungen angereichert werden. überhaupt: nicht auf ideen warten, einfach losschreiben, wie früher. ich tue das nicht mehr, weil mein beruf die meiste zeit des tages einnimmt, auch die meiste kraft verbraucht, das freie fliessen der gedanken, wie es idealerweise bei mir aus einer gewissen langeweile heraus entsteht, das kann man nicht erzwingen. na, mal schaun, mal sehn. im neuen job bin ich abends nicht erschöpft, vielleicht klappt es da mit gewohnheit, wenn ich nicht mehr dauernd einfach so einschlafe, sobald ich nicht mehr stehe. jeden abend ein paar zeilen vorm einschlafen oder so.

meinen geburtstag im kleinen kreis gefeiert, nach jahren mal wieder, weil runde zahl etc. der davidzwilling hat mir ganz selbstverständlich beim vorbereiten geholfen, er hat die rolle übernommen, denn der gregorzwilling war in umbrien, der große steckt in seiner abschlussarbeit. es war sehr schön und fast herbstlich heimelig, weil es draussen so geschüttet hat die ganze zeit, die luftfeuchtigkeit ist fast so hoch wie am lago, das ist gut für haut und haar. reden, zuhören, plaudern, die freundeskreise mal zusammenbringen. man bleibt im fluss miteinander. vorgenommen, das wieder regelmässig zu machen, weil jünger werden wir ja nicht.

s/w-bild, in der mitte ein tisch, drumherum menschen im gespräch

foto: gaga nielsen

habe meine geburtstagszigarette jedenfalls sehr entspannt am sofatisch genossen, ich biete das bei einladungen immer allen an, raucht drinnen, ich mag das aroma, macht aber keiner mehr, der gang auf den balkon ist konditioniert, ist ja auch so ein ausstieg aus der sozialen situation ins ganz eigene, du mit deiner kippe unterm nachthimmel, das hat was.

heute dann auf der arbeit mit einem kuchen und einem blumenstrauss überrascht worden, nasse augen bekommen, es ist ein wirklich guter ort, an dem ich gelandet bin.

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5. juli 25

endlich sommer, also verlässliche temperaturen über 20°, mehr will ich ja gar nicht. ich bin immerhin abends wieder ansprechbar und für spontane aperitivs zu haben, ein riesenfortschritt, nehme die stadt wahr, die schön gekleideten jungen leute, viel weiß dieses jahr, anliegende weiße schlauchkleider und -shirts, bei denen ich überhaupt nicht in versuchung komme. parallel dazu empfinde ich meine sommerkleider als einen tick zu blümerant und bunt, aber ich kann ja nicht jedes jahr neue kleider kaufen, nur weil die mode sich dauernd ändert, wobei ich mich dunkel erinnern kann, dass ich das früher deutlich anders wahrgenommen habe. und ja, mein schrank ist sehr voll.

dies posting entsteht nach dem schönen text übers schreiben beim herrn buddenbohm, über frau kaltmamsell.

mich beschäftigt die vor monaten gelesene statistik über die vielen frühen tode von typ einsern immer noch, ich habe das bedürfnis, meine rente früher zu beantragen, die stunden zu reduzieren bis auf ein mass, dass nicht mehr anstrengend, sondern nur noch auslastend und angenehm ist. gregorzwilling sagt, ich solle wieder mehr sport machen, er hat recht, aber grade habe ich überhaupt keine energie übrig dafür. das ist schon ungut, sagen wirs mal so. ja, ich weiß, der sport bringt energie, aber die müdigkeit ist eine koppel ohne gatter, rausgucken ist einfach, rauskommen weniger. erstmal über den zaun irgendwie. jedenfalls werde ich mir so bald wie möglich joggingschuhe nachkaufen, nachdem die letzten von einem sohn erst ausgeliehen und dann irgendwie übernommen wurden. heute, sonntag, hätte ich wunderbar zeit dafür. ich bin nicht unfit, aber fit bin ich auch nicht, und das reicht nicht mehr.

kann sein, dass es ein frauending ist, wenn wir dann in der menopause angekommen sind und immer noch nicht genau wissen, ob das jetzt alles so bleibt, oder ob ich in die etwas zu groß gekauften bhs auch noch reinwachse, wie aus den erst neulich gekauften hosen wohl bald wieder heraus, gleichzeitig ändert sich der masstab peu a peu, ich bin dankbar dafür, dass ernste erkrankungen bisher ausbleiben.

ich werde 60 in dieser woche, das ist schon richtig cool eigentlich. am geburtstag bin ich bei patti smith, falls ich das ticket nicht noch loswerde, ich wär auch einfach gern allein gut essen gegangen. mal sehn.

jetzt gleich mit einer von einer freundin vermittelten steuerkarte in die philarmonie, liszt und ein paar strauss-lieder, gemerkt, dass meine ganzen sommerschuhe ungeputzt und staubig im schrank stehen, ich weiß gar nicht mehr, ob ich damit länger laufen kann. trage mal wieder das alte graue lieblingskleid, mit meiner grauen perlenkette, die mir plötzlich viel zu grob und groß vorkommt, merkwürdig. immerhin passe ich noch rein.

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