geniesse ein wochenende mit leerer wohnung, ein sohn wollte kommen, aber nichts genaues weiß man nicht. der frühling ist dieses jahr schneller als sonst, das ist leicht befremdlich.
meine mutter mit den drei jungs zusammen zum tanzen gebracht, in dieser art (insta), mit einer ki-app. sehr lustig und sehr beunruhigend, was da alles möglich ist.
netflix habe ich nach der kündigung im januar nur anfangs vermisst. beim letzten streamer, den ich erst ab nächster woche ca kündigen darf, weil bis dahin star trek, da gibt es andauernd minutenlange werbung. ich bin mit werbung im fernsehen großgeworden, in italien gab es das carosello nach den nachrichten, bis ende der siebziger. wir haben natürlich nur gelegentlich fernsehen geschaut, mal eine serie wie unsere kleine farm oder sowas, happy days, sandokan waren hot damals, da hab ich noch die musik im kopf. ich kann mit werbung nicht umgehen, es bringt mich total raus, ich verliere die konzentration und wechsle das fenster, oder stehe auf und erledige irgendwas, wie früher, als die werbeblöcke im deutschen tv noch lange dauerten, da könnte man wäsche aufhängen oder die küche putzen. beim streaming sind es teilweise alle paar minuten je ein oder 2 minuten, mit runterzählenden sekunden, und nein, ich zahle keine 10euro extra für jeden dieser zusatzkanäle, ein geschäftsmodell wie ein mückenschwarm, wo man x-mal gebissen wird und immer nur eine nach der anderen totschlagen kann.
ich hatte die jahre des unbekümmerten streamings immer das gefühl, dass es bald aufhört, teuer wird, genauso wie bei den freien artikeln im netz, erinnert ihr euch? das ist ja auch schon lange her inzwischen. bei den artikeln gibts ja auch immer noch keine leser*freundliche lösung, also kleine centbeträge sammeln, oder 1 abo für mehrere zeitungen, 1 streamingdienst für alle anbieter (es gibt nachwievor den bibliotheksausweis, der in berlin über den verbund der öffentlichen bibliotheken berlins (voebb) zugriff auf einen haufen medien ermöglicht). das abo als fetisch.
hocherfreut darüber, dass mir ausgerechnet die werbung den absprung leichtmacht und mir endlich meine zeit zurückgibt.
menschen als an visuellen eindrücken orientiert, anders als hunde mit ihrer olfaktorisch dominierten wahrnehmung (so wie wir an einer großen monochromen wand den kleinen andersfarbigem klecks sofort erkennen können, so nehmen hunde den einen geruch in einem meer von gerüchen war, sie unterscheiden und lokalisieren ihn), beim lesen sind die reize indirekt, über das vorstellungsvermögen. die gesellschaftliche wertskala bei kulturgütern als an der abstraktion orientiert, ganz oben heidegger, ganz unten telenovelas oder sowas. die bilder verschwinden nach dem sehen, die emotionen bleiben etwas, die geschichten, aber nach dem lesen ist die ganze durchs lesen erfahrene welt noch im kopf, vielleicht weil der prozess der wahrnnehmung viel komplexer ist? beseelter, nannte es ein freund. die musik natürlich ist die königin, direkter zugang zu allen ebenen.
habt ihr literatur dazu? würde mich interessieren.
es ist mir ein bisschen unangenehm, dass mir der abschied vom filme gucken so schwer fällt, ich versuche mich an die zu erinnern, die ich früher war, was habe ich gemacht? viel gelesen, viel musik gehört, einfach nur zugehört, mich gelangweilt. ich erinnere hingebungsvolles hören von bach, völlig ohne publikum, auf dem boden liegend vor dem regal mit dem plattenspieler. bwv 1079, wie ein geheimer garten, in den ich jederzeit hinein konnte. ohne die möglichkeit von publikum, oder das irgendjemand etwas mitbekommt von meinem zeitvertreib. die zeiten vor sozialen medien sind unvorstellbar lange her, ich vermisse die person, die ich damals war. jetzt zurück zum fleckentferner mit drei integrierten waschzusätzen im anderen fenster.





